Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #1

 „Hi, Chrissi!“ Der Beginn meines ewig langen Schultages. Ich hasste es zur Schule zu gehen. Ach ja, ich heiße Christina, aber so gut wie alle nennen mich Chrissi. Gefällt mir irgendwie besser. „Hi, Franzi!“ Franziska war meine beste Freundin, die ich jetzt seit etwa dem Kindergarten kenne. Wir gingen zwar auf das gleiche Gymnasium, aber leider nicht in die selbe Klasse. Ich bin in der 11. und sie erst in der 10. Klasse, weil sie mal wiederholen musste. Das war damals ein schwerer Schock für mich, denn eigentlich hab ich alles mit ihr gemacht: Gelernt, im Unterricht geredet, wir haben von einander abgeschrieben... Damit war dann nach der 8.Klasse Schluss.
'Ding Ding Dong'. Das war unsere dumme Schulglocke. 'Na toll, erster Schultag und schon komme ich zu spät!' Ich bin ein nicht sonderlich fauler Mensch, aber das was ich am meisten – neben der Schule – hasste, war zu rennen. Ich rannte so schnell ich kann, um nicht viel zu spät zu kommen. Ich stand dann vor dem geschlossenen Zimmer und überlegte, ob ich einfach klopfen sollte. Ich klopfte dann an der Tür und trat ein. „Ach, da ist ja die liebe Frau Kohl. Wann kommen Sie eigentlich mal pünktlich?“ „Tut mir leid, ich werde mich dieses Jahr versuchen zu bessern.“ Sie schaute mich nur unglaubwürdig an und zeigte mir meinen Platz. Da ist als Letzte rein kam, musste ich auf dem einzigen freien Platz sitzen, neben Tobias. Er sah ziemlich nett aus, aber das was ich so über ihn gehört habe, klang nicht sehr vielversprechend. Ich bin eigentlich eine, die nicht so die Vorurteile gegenüber Menschen hat, aber wenn es heißt, dass er ständig nur feiern geht und nie lernt und dauernd nur Alkohol trinkt und raucht, dann halte ich mich doch etwas zurück mit dem Kennenlernen. Das Problem dabei sind dann aber doch leider meine Eltern. Ich bin in eine reiche und sehr auf ihr Image achtende Familie rein geboren. Natürlich liebe ich meine Eltern, aber es regt mich auf, dass ich alles perfekt machen muss und nie das machen darf, was ich will. C'est la vie, kann ich nur sagen.
Am ersten Schultag lernt man ja immer erst mal alle Menschen in der Klasse kennen. Aber wir hatten ja keine Klassen mehr, sondern Kurse und deshalb musste ich meine komplette alte 10. Jahrgangsstufe neu kennenlernen. Die meisten schienen nett zu sein, aber es gab auch solche Quatschköpfe, die nur Scheiße veranstaltet haben im Klassenzimmer. Tobias hingegen verhielt sich sehr ruhig und sagte kein Wort. Als ich gerade aufstehen wollte, weil es zur Pause klingelte, stieß ich Tobias aus Versehen mit meiner Tasche an der Schulter. „Ey, pass doch auf! Dumme Schnepfe!“ Ich konnte nicht fassen, wie er mich da gerade nannte. „Sorry, was doch keine Absicht.“ Er stand einfach nur auf und rannte förmlich aus dem Zimmer. 'Krass, der rastet ja voll aus...' Auch ich ging raus und traf dann Franziska im Schulgang. Sie lief mit einem Lehrer raus. Sie unterhielten sich und ich glaubte, dass es ihr neuer Klassenlehrer war. Als sie mich sah, verabschiedete sie sich und kam dann zu mir gerannt. „Ist das dein neuer Lehrer? Ist der neu?“ „Ja, er war schon mal Lehrer auf einer anderen Schule, aber ich ist dieses Jahr hierher gewechselt, also ist er auch kein Referendar. Warum fragst du?“ Ich zuckte nur mit den Schultern und dann hatte sich das Thema auch schon erledigt.
Am ersten Schultag ist immer Schulgottesdienst von unserer Schule, aber seit der Klasse war ich da nicht mehr dabei und ich überlegte wirklich, ob ich heute mal gehen sollte. Ich entschied mich dafür und zog Franzi einfach mit mir mit. Wir liefen zusammen zur Kirche und dann kamen auch noch andere Freundinnen von uns, die auch rein wollten. Wir setzten uns alle zusammen in eine Reihe weiter hinten. Plötzlich hörten wir Rumgemaule hinter uns beim Eingang und natürlich mussten wir alle wissen wer das war. Ich wusste es, denn ich erkannte es an der Stimme, es war Tobias. Er wurde dazu verdonnert sich zu uns in die Reihe – neben mir – zu setzen. „Na toll“, dachte ich mir. Er schaute total sauer durch unsere Reihe, aber als er mich sah, schaute er sofort weg. Eigentlich saß ich ja direkt neben ihm, also verstand ich seine Reaktion nicht. Dann begann der Gottesdienst, aber ich konnte mich nicht konzentrieren beim Zuhören, weil Tobi neben mir dauernd an sein Handy ging und lachte und genervt seufzte. „Könntest du damit aufhören? Wir versuchen zu zuhören!“ Er schaute mich nur grinsend an und spielte weiter an seinem Handy herum. Endlich was der Gottesdienst zu Ende und wir konnten alle nach Hause. Ich stand direkt nach Tobias auf, aber passte nicht auf, ob jemand von der Seite kam und lief einfach in einen Mann rein. Ich schaute hoch zu ihm und merkte wie rot ich plötzlich wurde. „Ent...schuldigung.“ Es war Franziskas neuer Lehrer. Er lächelte nur und meinte: „Schon okey, alles in Ordnung?“ Ich nickte nur und rannte schnell davon. Mir war immer noch warm, also war ich immer noch rot. Ich rannte raus zu meinen Mädels, die mich alle total komisch und verwundert anschauten. „Warum hast du so lang gebraucht? Du bist vor uns aufgestanden.“ Ich zuckte vorsichtig nur mit den Schultern und zog Franzi mit mir zur Bushaltestelle. Ich schrie noch: „Ciao, Leute“ und wartete auf keine Antwort. Ich bemerkte den Blick meiner besten Freundin auf mir, aber ich wollte mich nicht umdrehen. „Boah, Chrissi, warum ziehst du denn so grob?“ Ich lief einfach weiter und beachtete ihre Frage nicht. Plötzlich blieb sie einfach stehen und riss sich aus meinem Arm. „Man, jetzt sag, was los ist!“ Auch ich blieb dann stehen und drehte mich zu ihr um. „Du bist ja total rot. Was ist los?“ Ich zuckte nur mit den Schultern und versuchte zu lächeln. Sie merkte, dass ich nicht darüber sprechen wollte, deshalb fragte sie auch nicht weiter nach. Dann kam auch endlich unser Bus und wir stiegen ein, um zu mir zu fahren.