Sonntag, November 06, 2016

Kapitel #60

Nach einer viertel Stunde war Chris immer noch nicht zurück, also entschied ich mich doch zu ihm zu gehen und nur zu fragen, was los war. Ich wollte gerade meine Tür öffnen, als ich ihn schreien hörte: "Du hast mich schon all zu lange hier aufgehalten, dass ich zu Christina gehe! Versteh doch einfach, dass es aus ist und dass ich sie liebe!" Bei dem Satz blieb mein Herz für einen Moment stehen. Noch nie hatte Jemand so etwas hinter meinem Rücken zu meiner Verteidigung gesagt. Er sagte gerade wirklich, dass er mich liebt. Hab ich mir das nur eingebildet? Ich öffnete die Tür, um ihn trotzdem mal zu fragen, ob alles in Ordnung sei. "Chris? Ist alles okey? Du wurdest gerade ein wenig laut." Er nickte nur und ohne sich zu verabschieden, legte er einfach auf und kam lächelnd auf mich zu. "Ich habe Janna gerade gesagt, dass sie uns beide in Ruhe lassen soll, weil es aus ist. Komm, setz dich wieder auf dein Bett. Wie ich sehe bist du mit dem Essen fertig?" Er lächelte mich sanft an und es wirkte tatsächlich so, als wäre nichts gewesen am Telefon, aber ich weiß genau, dass ihn das ebenfalls mitnimmt, schließlich waren sie 8 Jahre zusammen und 5 Jahre davon verheiratet. Kein Mensch kann so gelassen auf eine Trennung reagieren.
Ich setzte mich mit Chris zusammen auf's Bett und starrte einfach nur die Wand an. Dieses Weiß kotzt mich an. Es macht so müde und einfach schlechte Laune. Ich lehne mit meinem Kopf an der Schulter dieses wundervollen Mannes und schließe die Augen. Das erste, das ich jedoch sehe, sind meine Eltern im Auto und kurze Zeit später auch noch Blut, bis ich meine Augen aufreiße. "Hey, Chrissi. Alles gut. Soll ich eine Schwester holen?" Ich schüttelte nur den Kopf, denn wenn sie das hören würden, würden sie mich dazu zwingen einen Psychiater dazu zu holen. Ich versuchte zu lächeln und ihm klar zu machen, dass alles in Ordnung sei und ich nur ein wenig Kopfschmerzen hätte. Er reicht mir mein Glas Wasser und eine Schmerztablette, die für mich auf mein Nachtkästchen gelegt wurde. Ganz gelogen war es nicht, ich hatte wirklich ein wenig Kopfschmerzen, aber dagegen bräuchte man keine Tabletten. Durch mein Zimmer wurde ich wirklich immer müder, weshalb ich mich hinlegte. Ein kleines Nickerchen kann ja nicht schaden. Schließlich habe ich nicht sonderlich... "Christina? Ich müsste dich mal mitnehmen zu einer Untersuchung. Willst du in einem Rollstuhl oder zu Fuß hin?" "Ich laufe gerne", sagte ich motiviert. Also stand ich auf und wurde von einer Person in weißer- aber nicht Schwesternkleidung zu meiner Untersuchung gebracht. "Wo genau geht es hin?" "Zu einem CT, also einer Computer-Topographie. Man sieht sich dein Gehirn an, damit man sieht, ob da alles in Ordnung ist." Ich nickte nur und schon waren wir da und er ließ mich im Wartezimmer warten. Ich wartete glücklicherweise nicht lange und wurde von einer Ärztin ins Zimmer gerufen. "Also Frau Kohl. Legen Sie sich bitte auf diesen sogenannten Tisch. Dieser fährt in die Röhre und dann kann es da drinnen sehr laut, weswegen Sie von mir noch Ohrstöpsel bekommen. Sie werden natürlich alle Geräusche mitbekommen, aber der Schreck sollte nicht mehr so groß sein." Sie lächelte mich freundlich an und reichte mir die kleinen grauen Stöpsel. Ich legte mich auf den Tisch, schloss die Augen ließ mich hineinfahren. "Ach ja, bitte bewegen Sie sich nicht, sonst funktioniert die Aufnahme nicht richtig."
Überall um mich herum hörte ich Gezische und Klingeln und Piepsen und jede mögliche Art von Geräuschen. Ich wusste nicht, wie lang die Untersuchung wirklich dauerte, aber nach gefülten 5 Minuten war ich wieder draußen. "Geht es Ihnen gut? Wurde es viel zu laut da drinnen?" Ich schüttelte nur den Kopf und sah auf die Uhr. Es war tatsächlich eine viertel Stunde, die vergangen war. Sie sagte mir noch, dass die Befunde später auf meine Station geschickt werden würden und dass ich auf meinen Abholdienst warten solle, was ich dann auch tat. Nach nicht einmal 3 Minuten wurde ich abgeholt und zurück auf die Station in mein Zimmer gebracht, wo Christopher schon auf mich wartete. "Du bist ja immer noch hier." "Natrürlich. Ich sagte doch, dass ich bei dir bleibe, solange du das willst und solange du Besuch empfangen darfst." Ich ging auf ihn zu, küsste ihn und legte mich leicht erschöpft ins Bett, um diesmal wirklich ein Nickerchen zu machen.

Donnerstag, September 15, 2016

Kapitel #59

Irgendwann wachte ich wieder auf und tatsächlich, Chris saß immer noch auf dem Stuhl neben meinem Bett und beobachtete mich. "Na, Kleines. Hast du gut geschlafen." Ich lächelte sanft und nickte. "Wie ein Baby", kicherte ich. Plötzlich stand er auf und wollte mein Zimmer verließen, doch ich rief hinterher: "Hey, Mister! Wohin gehst du?" Er drehte sich um und sagte entspannt: "Ich hole eine Schwester, damit sie dir deine Medikamente und dein Essen bringt. Hast du damit ein Problem?" Wir lachten beide. Nach nicht einmal 2 Minuten kam er mit zwei hübschen Schwestern in mein Zimmer. "Gut, dass Sie wieder bei sich sind. Wie fühlen Sie sich im Moment?" "Eigentlich ziemlich gut. Darf ich heute schon raus?", fragte ich in der Hoffnung wirklich noch am selben Tag das Krankenhaus verlassen zu können. Die jüngere Krankenschwester notierte sich etwas und sah mich dann besorgt an. "Das geht leider nicht. Ich würde gerne einen Moment mit Ihnen alleine reden. Wäre das in Ordnung?", fragte Sie mich und sah dabei auch Christopher an. Wir beide nickten und er verließ das Zimmer.
"Was gibt es denn, das keiner mitbekommen soll?" "Ich würde gerne einen Psychologen hinzuziehen", sagte sie mit ernster Miene. Mir fiel die Kinnlade runter. "Moment, bitte was? Was hat das jetzt mit meinem Aufenthalt hier zu tun?" "Ihr... Freund? Nun ja, er hat mir erzählt, dass bei Ihnen gerade einiges daneben läuft und..." "Ich bitte Sie darum, dass sie mich duzen, ich fühle mich sonst so alt." Ich lächelte kurz und dann fuhr sie fort. "Ok, ich bin zwar keine Ärztin, aber wenn ich ehrlich bin, solltest du für eine Weile hier bleiben, damit du dich erholen kannst und die Schicksalsschläge etwas verarbeiten kannst. Herr Hint hat mir erzählt, was mit deinen Eltern passiert ist und dass ihr eine Affäre habt, beziehungsweise er eine richtige Beziehung mit dir möchte, aber das erst möglich ist, sobald die Scheidung vollbracht ist. Und keine Angst, die Kosten für deinen Aufenthalt werden von ihm übernommen." Ich verstand für einen Moment nur Bahnhof. "Was hat das aber mit meinem Aufenthalt hier zu tun?", fragte ich etwas genervt, denn genau das wollte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht. Ich wollte mein Zimmer, mein Bett und meinen besten Freund Tobias. "Christina, dein Leben ändert sich komplett und ich muss dir leider sagen, dass dein Gehirn damit noch nict zurecht kommt. Und das weiß ich, weil du sehr unruhig schläfst und jetzt erzähle mir bitte nicht, dass das nicht wahr ist. Du hast Angst und das ist normal und deshalb wollen wir dir helfen, dass du das verarbeitest und lernst, so zu leben, wie es gerade der Fall ist." Plötzlich hatte ich wieder die Bilder meiner Eltern vor Augen, wie sie im Auto saßen und kurze Zeit später sah ich schwarz. Meine Augen tränten wieder. Ich schluchzte einmal und schon wurde die Tür aufgeschmissen und ein besorgter Chris kam herein gerannt. "Schsch, was ist passiert?", fragte er und nahm mich in den Arm. Ich ließ wieder einmal alles an seiner Brust raus und schluchzte ohne Ende. Er küsste meinen Scheitel und strich mir über den Rücken. "Herr Hint, reden Sie noch einmal mit ihr. Wir wollen hier schließlich alle nur das Beste für sie." 5 Sekunden später hörte ich, wie sich eine Tür schloss und versuchte mich dann wieder zu beruhigen. Nach 5 Minuten saßen wir immer noch so da, mit dem Unterschied, dass ich aufgehört hatte zu weinen. "Ist es jetzt besser?", fragte er mich flüsternd. Ich nickte und löste mich aus seiner Umarmung, bevor ich mir die getrockneten Tränen aus dem Gesicht wischte. "Die Schwester hat recht. Keine Angst, ich werde dich jeden Tag besuchen und bestimmt auch all deine engsten Freunde, wie Tobias. Wir wollen, dass du mit all dem Chaos zur Zeit klar kommst. Das ist die Sache mit deinen Eltern, dann das Erbe, dann der 'Schulwechsel' und dann auch noch das mit uns beiden und Janna." Er sah mich erwartungsvoll an, aber ich hatte keine Antwort parat. "Chris, ich ..." "Sag jetzt erst einmal nichts. Es ist sowieso Essenszeit und nach einer kleinen Stärkung weißt du bestimmt mehr." Ich nickte und wir küssten uns kurz, bevor die Tür wieder aufging und diesmal die ältere Schwester reinkam und mir das Essen auf meinen Beistelltisch stellte. "Guten Appetit", sagte sie noch, bevor sie mein Zimmer wieder blitzschnell verließ.
Ich aß in Ruhe und Chris sah mir dabei zu. "Möchtest du auch etwas von der Gemüselasagne?", fragte ich ihn mit vollem Mund. Er winkte nur lächelnd ab und sah auch sein Handy. Sein Blick sah nervös aus, also musste ich nachfragen: "Ist es Janna? Was ist los?" Er hörte mich anscheinend nicht, also fragte ich noch einmal, aber dieses Mal etwas lauter: "Hallo?! Erde an Christopher?! Ist das Janna?!" Er schaute schnell zu mir hoch und nickte sofort. "Sie fragt, wo ich bin aber das interessiert sie nicht. Ich mache mal mein Handy aus und..." "Nein warte. Ruf sie an und frag sie, was sie will. Ich essen hier in Ruhe weiter, dann weiß ich wenigstens, dass ich nicht beobachtet werde, während ich esse." Er lächelte, gab mir einen Kuss auf die Stirn und verließ mein Krankenzimmer. 'Was sie dann wohl besprechen?', fragte ich mich. Zunächst wollte ich versuchen zu lauschen, aber ich entschied recht schnell dagegen und aß lieber in Ruhe mein Mittagessen zu Ende.

Donnerstag, September 08, 2016

Kapitel #58

Es wurde langsam dunkel, es war schließlich schon 20 Uhr. Hand in Hand liefen wir zu ihm nach Hause und leider musste ich feststellen, dass sich mein Mut mit jedem Meter weiter auflöste. Chris musste die Anspannung in mir bemerkt haben, denn er blieb stehen und stellte sich vor mich. Ich traute mich mal wieder nicht ihm in die Augen zu sehen. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste meine Stirn. "Falls du doch zweifeln solltest, können wir auch wieder umdrehen und doch noch etwas damit warten." Ich war mir so unsicher, weshalb mir die Tränen kamen. "Schsch. Alles gut. Komm, wir gehen zurück." Er umarmte mich und drehte mich um, dass wir uns auf dem Weg zu mir machten, doch meine Beine wollten das nicht. Ich schüttelte nur den Kopf und bewegte mich kein Stück vorwärts. "Christina?" Nun sah ich ihn an und flüsterte: "Wir bringen das jetzt hinter uns. Diese Liebe wird sowieso keiner von ihnen akzeptieren, aber sagen müssen wir es ihnen trotzdem. Der größte Schock wird natürlich sein, dass ich minderjährig bin, sowie deine geplante Trennung von Janna." Chris stand mit offenem Mund da, schockiert über meinen Mut, doch ich hatte keine Ahnung, woher das kam. Womöglch durch ihn - den Mann meiner Träume. Ich sah ihm in seine ozeanblauen Augen und entdeckte Stolz, jedoch kein Anzeichen von Angst. Ich lächelte ihn an und zog ihn an der Hand weiter in die Richtung seines Hauses.
Nach 5 Minuten waren auch schon da. Wir sahen uns an und atmeten beide noch einmal kräftig durch und suchten Halt bei uns gegenseitig. Er öffnete die Haustür und das erste das man hörte, war ein Schluchzen. "Janna", war das erste, das aus Chris' Mund kam. Er zog mich an der Hand und drückte sie nur noch fester. 'Er hat Angst. Wenn das wirklich Janna ist, die weint, dann muss er sie doch trösten und nicht ihr das Leben noch schwerer machen.' Wir rannten ins Schlafzimmer, wo er mich zuvor noch überrascht hatte und entdeckten eine kniend, weinende Janna. Jetzt ließ er meine Hand los und näherte sich seiner Frau vorsichtig. Sie erschrak und drehte sich blitzschnell zu uns um. Sie machte Schritte zurück, bevor sie merkte, dass ihr Mann zurück ist, und stürzte sich dann heulend auf ihn. Dieser Anblick schmerzte, aber ich musste jetzt damit leben. Ich zweifelte für einen Moment an allem und wollte nur noch weg von dort, da drehte sich Chris um und winkte mich zu sich. Langsame und vorsichtige Schritte machte ich auf ihn zu und Janna sah mich einfach nur an. "Christina? Hallo. Ist alles in Ordnung?" "Hallo, Frau Hint. Ja." Sie hob eine Augenbraue und sah dann fragend zu Christopher. "Was hat das zu bedeuten? Was macht sie so spät bei uns?" "Erst einmal möchte ich wissen, warum du geweint hast", fragte Chris sie anstatt zu antworten. "Das Schlafzimmer sieht so schön aus, aber du warst nicht da und da hatte ich Zweifel, dass das überhaupt für mich sei. Nun, war eine andere Frau hier?" Man sah die Tränen wieder und ihre Augen fingen an zu glühen. Chris nahm meine Hand und drückte sie fest in seiner. "Janna, es tut mir leid, aber ich muss dir etwas sagen." "Du hast mich betrogen, hab ich recht? Ich wusste es, meine weiblichen Instinkte täuschen mich nie." 'Ihre weiblichen Instinkte? Soll das etwa heißen, dass sie das schon die ganze Zeit geahnt hat?' Nun kamen auch mir die Tränen. "Chris? Ich glaube, ich..." "Schsch, warte. Janna, das Schlafzimmer habe ich für Christina so schön hergerichtet." Frau Hints Augen weiteten sich und wurden glasiger als zuvor. Sie trat von ihrem Mann zurück und sah ihn entsetzt an. "Du hast mich mit ihr betrogen? Mit einer Schülerin? Einer Minderjährigen?" Sie schrie ihn und und schubste ihn gegen die Brust, wodurch er meine Hand loslassen musste und immer weiter nach hinten geschubst wurde. Ich wollte eingreifen, doch ich bekam es mit der Angst zu tun. Plötzlich aber spürte ich eine gewaltige Kraft in mir, als Chris mit dem Rücken zur Wand stand. Ich rannte auf Janna zu und schubste sie so stark, dass sie umfiel und sich den Kopf an einem Regal stieß. Chris kam auf mich zugerannt und hielt mich an den Armen fest. "Christina, beruhige dich. Und du Janna, du musst damit klar kommen, dass ich mich in sie verliebt habe." Sofort rastete sie vollkommen aus und schnappte sich eine Vase, die sie um sich schwang. Ich hatte Angst, doch die weitaus stärkere Emotion in dem Moment war meine Liebe zu Christopher. Wir rannten aufeinander zu und ich war zu 100% sicher, dass sie mir nicht anhaben konnte, doch da irrte ich mich, denn plötzlich spürte ich etwas hartes an meinem Kopf splittern und fiel zu Boden. Auf einmal wurde alles schwarz.
Irgendwann öffnete ich meine Augen, aber befand mich nicht mehr in Christophers Haus, sondern in einem fremden, weißen Zimmer. Neben meinem Bett stand eine piepsende Maschine und ein leerer Stuhl, an dem ein graue Sacko hing. Plötzlich ging links von mir die Tür auf und Chris kam herein. "Chrissi? Oh bin ich froh, dass du endlich wach bist. Wie geht es dir?" Er legte seine rechte Hand an meine Wange und lächelte mich an. In seinen Augen verlor ich mich mal wieder und vergaß dabei völlig ihm zu antworten. "Schatz?" "Oh, sorry. Ehm, es geht, ich hab nur ein wenig Kopfweh. Was ist passiert?" Ich fasste mir an den Kopf und nahm dann Chris' Hand, dessen Finger ich mit meinen verhakte. Er zog den Stuhl näher zu sich und setzte sich auf ihn. "Janna ist ausgerastet und hat dir eine 300 Euro Vase an den Kopf geknallt. Danach bin ich etwas ausgerastet und hab ihr ausversehen eine Ohrfeige gegeben. Natürlich habe ich mich sofort entschuldigt, du kennst mich ja. Aber sie schien gar keine Reue zu zeigen. Sofort fuhr ich dich ins Krankenhaus, denn es gab in dem Moment nichts wichtigeres als dich für mich." Seine Worte ließen michunkontrolliert grinsen und mein Herz raste wie verrückt. "Ich würde nie zulassen, dass dir etwas passiert. Schon gar nicht durch die Hände meiner bald Ex-Frau." "Was soll das heißen 'bald Ex-Frau'?", fragte ich immer noch lächelnd. "Ich fahre morgen sofort zu einem Anwalt und reiche meine Scheidung ein. Das gut ist, dass das meiste unseres Besitzes meins ist. Außerdem haben wir ja keine Kinder und das Haus habe auch ich bezahlt. Pleite gehen werde ich also nicht." Er küsste meine Stirn und sagte dann mitfühlend: "Du solltest dich noch ausruhen. Wenn etwas ist, ich bleibe auf diesem Stuhl sitzen und werde mich kein Stück bewegen oder dich aus den Augen lassen. Versprochen." Dank dieses Versprechens konnte ich sehr schnell einschlafen und einen ruhigen Schlaf finden.

Samstag, September 03, 2016

Kapitel #57

Immer wieder las ich den Brief durch und erschrak erneut an der Geldsumme. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass mir meine Eltern so viel zurückgelassen hatten. "Chrissi? Ist alles in Ordnung?", fragte mich Christopher. Ich nickte nur stumm, aber behielt den Zettel im Auge. Endlich legte ich ihn einfach vor mir auf den Tisch und versuchte mich wenigstens ein wenig darüber zu freuen, dass sie in einem solchen Fall für mich vorgesorgt hatten. Ein Lächeln huschte über meine Lippen und ich sagte schon fast kalt: "Wow. Sie haben sogar mal an mich und meine Zukunft gedacht." Die Jungs sahen mich ungläubig an, wahrscheinlich aufgrund meines Untertons. "Was redest du da? Sie haben dich geliebt, so wie Eltern ihre Kinder eben lieben." "Ha! Das ich nicht lache. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, haben sie eigentlich nur Geld für mich ausgegeben, damit ich Ruhe gebe. Das ist keine Liebe, Tobias!" Wieder fing ich an zu weinen, aber diesmal aus Wut gegenüber meinen Eltern. Ich hatte mich nach ihrer Liebe gesehnt, aber davon bekam ich wenig zu spüren. Erst durch meine Krankheit haben sie richtiges Interesse bekommen, aber das war's dann auch schon wieder.
Chris und Tobi stand beide auf und knieten sich vor mich hin. Ich sah sie mit verheulten Augen an und wusste nicht, wem ich mich eher um den Hals hätte schmeißen sollen. Ich entschied mich für meinen 'Freund' und legte meinen Kopf auf Christophers Schulter. Er streichelte mir den Kopf und eine zweite, kleinere Hand streichelte mir den Rücken. 'Tobias.' Ich spürte die Wärme zweier Jungs und fühlte mich unendlich wohl. Plötzlich wurden wir von Chris' Handy gestört. Er löste sich aus der Umarmung, sah auf den Display und verschwand in der Küche. "Glaubst du, dass das seine Frau ist? Bestimmt sucht sie ihn schon." Ich nickte und starrte in Richtung zur Küche. Ich wartete, dass er zu uns zurück kam, aber er ließ lange auf sich warten. Irgendwann entschied ich mich dazu aufzustehen und zu ihm zu gehen. Ich spitzte ins Zimmer und erblickte einen auf-und-ab-laufenden Chris, der jedoch nicht mehr telefonierte. "Christopher?" Er erschrak leicht. "Oh, tut mir leid, Kleines. Ich hab dich gar nicht gehört oder gesehen." "Du wirkst leicht angespannt. Was ist los? War das Janna?", fragte ich besorgt und zugleich schuldbewusst. Er nickte nur und sah aus dem Fenster. "Was wollte sie?" Keine Antwort. Wir standen einfach etwa 5 Minuten so da: Ich beobachtete ihn und er beobachtete die Wolken am Himmel sowie den Sonnenuntergang. Irgendwann kam auch mein bester Freund zu uns legte eine Hand auf meine Schulter. Ich sah ihn an und er hatte einen fragenden Blick, den ich genau deuten konnte. Plötzlich antwortete Chris: "Sie sagte, dass meine Mutter bei uns sei und sich fragte, wo ich mich befände. Ich sagte Janna, dass ich kurzfristig eine Lehrerversammlung und ich jetzt im Stau stehen würde." Er drehte sich zu mir, mit einem Lächeln auf den Lippen. "Was ist? Ist das etwa gut?" "Ja, es ist perfekt. Du wirst meine Mutter kennenlernen." Ich bekam den Schock meines Lebens. 'Was? Ich soll seine Mama kennenlernen? Janna ist doch da und eben seine Mutter. Was hat er denn vor?' "Hast du dir den Kopf angeschlagen? Du kannst mich doch nicht deiner Mutter vorstellen! Was wird sie sich denn denken?" "Genau das, was es ist. Glaubst du etwa, dass ich es allzu lange vor Janna geheimhalten werde? Dachtest du, dass ich einfach weiter mit ihr verheiratet bleibe, obwohl ich nicht die Gefühle für sie hege, wie sie es tut?" Christopher sagte das mit solch einer Zuversicht und solch einem Enthusiasmus. "Du spinnst doch!" Das waren die einzigen Worte, die heraus bekam, bevor ich hoch in mein Zimmer rannte.
Ich dachte oben reichlich nach über uns und unsere Beziehung, falls man das so nennen konnte. 'Liebt er mich etwa so sehr, dass er seine Ehe für mich auf's Spiel setzen würde? Das kann ich mir einfach nicht vorstellen! Er sagte zwar, dass es mit Janna nicht mehr gut lief und sich nicht mehr richtig anfühlte, aber das hätte man retten können. Doch er will angeblich lieber mich. Solche Liebesgeschichten, dachte ich, gibt es nur in Büchern. Es kann kein Happy End für uns geben! Er ist verheiratet und auch noch mein Lehrer. Ich werde keinen Privatunterricht nehmen, denn ich muss das wieder beenden! Es wird mir das Herz brechen, doch...' Ich wurde von einem Klopfen an der Tür aus meinen Gedanken gerissen. "Herein!" Chris trat herein und sah mich besorgt an. "Christina, was hast du denn? Freust du dich nicht, dass wir bald ohne Probleme zusammen sein können?" Ich schüttelte nur den Kopf. "Christopher, du verstehst das nicht! Du bist verheiratet und man wirft eine Ehe nicht einfach so über Bord! Janna liebt dich und du..." "Nein, ich liebe sie nicht! Ich liebe sie nicht genug und so eine Ehe zu führen, wäre unfair ihr gegenüber, sowie uns gegenüber, Chrissi! Wir lieben uns und das müssen meine Mutter und Janna verstehen." Er klang nach wie vor zuversichtlich, doch ich wusste nicht, woran es lag. "Als ob deine Mutter einverstanden damit ist, dass du mit einer Minderjährigen zusammen bist. Das ist doch albern!" Ich war schon wütend, weil er so stur war und wirklich dachte, dass alles gut werden würde. "Ich bin 29 Jahre alt! Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, und wenn sie ein Problem damit hat, muss sie damit leben und nicht ich, denn ich habe nichts falsch gemacht! Ich bin nur meinem Herzen gefolgt." Chris stellte sich vor mich, beugte sich vor und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Wieder hatte ich so ein wohliges Gefühl. Er lehnte seine Stirn an meine und flüsterte: "Ich liebe dich! Das ist das Wichtigste. Naja, und natürlich, dass du mich auch liebst. Hebst du dieselben Gefühle für mich?" Ich musste nicht einmal eine Sekunde nachdenken, sondern sprang einfach auf und küsste ihn. Ich wollte ihn und wenn er an unsere Liebe glauben konnte, konnte ich das auch. Ich hatte Hoffnung und die schien meinen Kuss zu kontrollieren. "Ich liebe dich auch", hauchte ich an seinen Lippen. Er lächelte und lehnte erneut seine Stirn an meine. Er nah meine Hand und führte mich aus meinem Zimmer.
Wir kamen unten an und Tobi stand vor uns am Ende der Treppe. "Alles ok?" Chris und ich nickten und lächelten. "Ich gehe jetzt mit meinem Schatz zu seiner Frau und seiner Mutter und dann werden wir unser kleines Geheimnis lüften. Er gibt mir den Halt das auszuhalten, egal wie schwer es wird. Durch ihn habe ich Hoffnung für uns. Und danke! Danke Tobi, dass du für mich da bist und mich so akzeptierst, wie ich bin. Damit ist vor allem meine Liebe für einen Lehrer gemeint." Tobi lächelte ebenfalls und umarmte mich dann. Es war eine innige Umarmung, die man nur von besonderen Menschen bekommt. Sofort schloss sich das Loch in meinem Herzen ein weiteres Stück und meine Trauer war verschwunden. Chris nahm wieder meine Hand und zusammen verließen wir das Haus. Ich sah mich kurz an und musste feststellen, dass ich in Joggers unterwegs war, aber das war mir egal, denn ich war mit der Liebe meines Lebens zusammen und wir hatten eine Mission!

Donnerstag, September 01, 2016

Kapitel #56

Immer, wenn ich die Zeit mit Chris genoss und mit ihm lachte, musste ich an Janna denken. Sie war schließlich seine Frau und liebte ihn. Ich stand stumm von meinem Stuhl auf und ging erneut zum Kühlschrank. "Ist alles in ordnung; Christina?", fragte mich Tobi. Ich nickte nur und suchte nach etwas leichtem zu essen, denn plötzlich ist mir der Appetit ziemlich vergangen. Eine hand legte sich auf meine Schulter und anhand des Rings am Finger, wusste ich auch, wer es war, weshalb ich die Hand von meiner Schulter schubste und die Küche verließ. 'Ich hätte mit Tobi so viel glücklicher sein können, aber ich musste mich in einen verheirateten Lehrer verlieben.'
Zum Glück folgte mir keiner in mein Zimmer, denn ich wollte echt einfach allein sein. Ich kuschelte mich an meinen Tiger und aß stumm meine Nektarine. Ich starrte einfach meine Wand an und dachte an nichts. Mein Kopf war leer, sowie mein Herz. Das Loch vergrößerte sich dank dem Gedanken an Janna. Plötzlich schmerzte meine Brust auch wieder und meine Augen fingen an zu brennen. Mein erster Gedanke war dann: 'Christopher sagte zwar, dass er für mich da sei, aber was wenn seine Frau das mit uns mitbekommt? Was wenn es die Schule mitbekommt?' Ich sorgte mich um seinen Job und um seine Ehe. Es klopfte an meiner Zimmertür und beide Jungs kamen rein. "Chrissi, ich muss mit dir reden", sagte Chris ernst. Tobias nahm sich meinen Schreibtischstuhl und Chris setzte sich auch mein Bett zu mir. Er nahm meine Hand in seine Hände und streichelte sie. Er schaute mich nicht an. "Geht es um Janna? Willst du es wegen ihr wieder beenden? Denn das würde ich ver..." "Halt, Stop! Nein, ich will gar nichts beenden. Zumindestens nicht das mit dir. Ich liebe dich und jetzt wo du mich brauchst, kann ich dich erst recht nicht allein lassen, obwohl du ja nicht vollkommen allein bist." Ich hörte ihm einfach zu, denn ich brachte kein Wort raus. "Du bist mir unendlich wichtig und ich habe noch nie so etwas für jemanden empfunden. Seit dem ersten Tag, an dem du in mich reingelaufen bist, interessiere ich mich für dich. Mit Janna läuft es seitdem auch nicht mehr so gut, dass diese Ehe noch einen Sinn hätte. Verstehst du? Ich will dich! Ich brauche dich und du brauchst mich gerade auch." Meine Augen füllten sich wieder mit Tränen und Chris setzte für einen Moment ein besorgtes Gesicht auf. "Hab ich was falsches gesagt?" Ich schüttelte einfach nur den Kopf, lächelte dabei und küsste ihn einfach. "Ich hab noch nie etws so wunderschönes gehört. Ich liebe dich auch, aber du kannst Janna nicht einfach verlassen! Und was ist bitte mit der Schule? Wenn die das mitkriegen, bist du deinen Job los! Ich lasse nicht zu, dass du das für mich auf's Spiel setzt." Er legte mir den Finger auf die Lippen und schüttelte ebenfalls einfach den Kopf. "Du machst dir Sorgen um meinen Job, aber was ist mit deinem Lehrplatz?  Der ist ebenso wichtig und deshalb möchte ich, dass wir es noch geheim halten, bis du deinen Abschluss hast. So ist es für uns beide am Besten." "Und was ist mit meinen Freundinnen?", fragte ich, denn eigentlich vertraute ich ihnen alles an. "Kannst du ihnen denn vertrauen?" Ich nickte hektisch und blickte dann zu Tobi. "Vor allem traue ich ihm." Tobi schenkte mich ein bestätigendes Lächeln und irgendwie schloss sich allmählich das Loch in meinem Herzen. Ich umarmte beide kurz und bat sie anschließend mich alleine zu lassen, denn ich war müde. Sie ließen mich in Ruhe und ich legte mich hin.
Ich wachte auf und blickte auf mein Handy, das in Nachrichten versank. Ich hatte von all meinen Freundinnen Nachrichten und jede handelte von meinem Fehlen in der Schule. Ich antwortete jedem kurz und stand dann auf, um mich frisch zu machen. Ein kurzer Blick auf meine Wanduhr verriet mir, dass es inzwischen 18 Uhr war. Nach meiner Dusche zog ich mir frische Sachen an und ging dann die Treppe runter. Christopher war tatsächlich noch da und unterhielt sich mit Tobi. Beide entdeckten mich und lächelten mich an. Auch ich lächelte und setzte mich ihnen gegenüber im Wohnzimmer. "Wir haben über etwas geredet, das dich betrifft." Ich sah die Jungs eindringlich an und hoffte auf ausnahmsweise gute Nachrichten. "Was gibt es denn?", fragte ich mit normaler Stimme. "Chris hatte die Idee, dass du nicht mehr zur Schule gehen solltest, sondern Privatunterricht bekommst. Was würdest du davon halten? Das wäre das Einfachste und..." "Nein! Erstens ist das viel zu teuer und zweitens ist die Schule eigentlich der einzige Ort, an dem ich meine Mädels regelmäßig sehen kann." Plötzlich schmiss Tobi einen Zettel vor mir auf den Tisch auf dem stand dick und fett: "1.000.000€." "Was hat das zu bedeuten?, fragte ich ihn und nahm den Zettel in die Hand. "Lies den kompletten Brief." Ich als ihn mir durch und ich dachte, ich hätte umfallen können. "Das ist die Lebensversicherung meiner Eltern?"

Freitag, August 26, 2016

Kapitel #55

Ich verbrachte so ziemlich den ganzen Tag in meinem Zimmer mit meinem Kuscheltier - einem weißen Tiger - und weinte. Zwischendurch bin ich einige Male eingeschlafen, aber länger als 15 Minuten hielt der Moment nicht. Das Stechen in meiner Brust kam zurück und ich fühlte mich einsam. Ich sah meinem Tiger in seine blauen Augen und musste plötzlich an Chris denken. 'Ob er sich fragt, wo ich heute war? Vielleicht hat er mich gesucht und dann wurde es ihm erzählt.' Unsere Haustürklingel riss mich aus meinen Gedanken, doch es wurde zu leise geredet, als dass ich hätte etwas verstehen können. Ich versuchte mich leise die Treppen runter zu schleichen, doch eine Stufe knirschte und weckte die Aufmerksamkeit von Tobi und überraschenderweise von dem Mann, an den ich zuvor erst gedachte hatte. 'Chris'.
"Chrissi? Geht es dir gut? Ich hab dich heute nicht in der Schule gesehen, ebenso nicht deine Freundinnen." Ich ging die Treppe runter und stand im Pyjama vor den Kerlen. "Ja, es geht wieder. Brauchst dir keine Sorgen zu machen." Ich umarmte Chris kurz, bevor ich in die Küche ging, weil mich der Hunger packte. Ich spürte starrende Blicke an meinem Rücken, weshalb ich, ohne mich umzudrehen, fragte: "Kann man euch helfen? Habt ihr auch Hunger?" Ich bekam keine Antwort, also drehte ich mich doch um und erblickte einen besorgten Christopher. "Ach so, du bist allein. Was ist denn?" "Das wollte ich dich gerade fragen. Du tauchst nicht in der Schule auf, keiner weiß etwas über dich und dann sagst du mir, dass ich mir keine Sorgen machen sollte?! Was war denn?" "Du meinst, was ist denn? Denn es ist noch nicht vergangen." Er sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. Dabei setzte er sich in Bewegung in meine Richtung und legte seine Hände an meine Taille. "Bitte rede mit mir. Ich sehe Schmerz in deinen Augen, einen seelischen Schmerz." Plötzlich strömten die Tränen einfach aus mir heraus und ich schmiss mich an Christophers Brust. Er drückte mich einfach fest an sich und streichelte mir den Hinterkopf, während er "ssssscccchhhh" zischte.
Wir standen eine lange Zeit so da, bis mir die Beine schwer wurden. Ich löste mich aus der Umarmung und trottete langsam zum Küchentisch. Meine Augen brannten vom vielen Weinen und als ich einen Moment hoch sah, musste ich feststellen, dass ich sein T-Shirt mit Tränen nass gemacht hatte. Er kam zu mir und kniete sich vor mich, damit wir auf etwa gleicher Höhe waren. "Rede mit mir. Ich kann dich so nicht sehen." Ich schniefte nur als Antwort und schaute auf meine Hände, die ich auf meinem Schoß gefaltet hatte. Chris hob seine Hand und legte sie an meine Wange, an die ich mich nur zu gerne schmiegte. Ich entschied mich, es ihm zu sagen und erzählte ihm genau das, was mir Tobias erzählt hatte. Glücklicherweise musste ich währenddessen nicht weinen, wahrscheinlich, weil ich es schon einmal gehört hatte. Christopher hörte mir zu und ließ mich nicht aus den Augen und ich ließ seine Augen nicht aus den Augen. Als ich fertig war blickte ich noch tiefer in seine ozeanblauen Augen, in denen ich untergehen könnte. "Chrissi, das tut mir von ganzem Herzen leid. Es gibt nichts schlimmeres als die wichtigsten Menschen im Leben zu verlieren, aber keine Angst, du bist nicht allein. Tobias ist hier, ich bin hier und auch deine Familie und Freunde sind bei dir und immer für dich da." Diese Worte brachten ein kleines Lächeln meinerseits hervor und das brachte auch meinen Gegenüber dazu. Wir hörten ein Klopfen am Türrahmen und Chris sprang so schnell wie möglich auf. 'Stimmt, er weiß ja nicht, dass Tobi nichts mehr dagegen hatte.' "Ich hab dir deinen Tiger gebracht, den du so liebst. Hat er einen Namen?" Ich nickte. "Ja, er heißt Ren. Beziehungsweise ist sein vollständiger Name Dhiren." Beide lächelten, aber Chris schien sich an etwas zu erinnern. "Moment, weißer Tiger namens Ren? Du hast das Buch 'Kuss des Tigers' gelesen?" Meine Augen leuchteten bei dem Titel und meine Sorgen war wie weggeblasen. "Ja, sogar den zweiten Teil und gerade bin ich beim dritten Teil, aber wegen der Schule kam ich nicht dazu weiterzulesen." Auch seine Augen leuchteten und erneut kniete er sich hin und nahm dabei meine Hand. "Du bist meine Bilauta." Meine Augen funkelten und füllten sich vor Freude mit Tränen. "Dir ist aber klar, dass das nicht Ren, sondern Kishan gesagt hat, oder?" "Nein, im dritten Teil hat das auch einmal Ren zu ihr gesagt. Oder bist du noch nicht bei der Stelle?" "Doch, oh stimmt." Ich fand eine wundervolle Verbindung zwischen diesem tollen, liebevollen Mann und mir und war mehr als glücklich über diese Entdeckung. Meine Liebe schien zu wachsen, doch erneut rief ich mir seine Frau ins Gedächtnis und schon verschwand meine Freunde wieder.

Sonntag, April 03, 2016

Kapitel #54

Am nächsten Morgen wachte ich mit leichten Kopfschmerzen auf. Ich hatte wie immer neben meinem Bett eine Flasche Wasser, denn vielleicht hatte ich einfach durst. Nach dem Schluck ging ich ins Bad und machte mich für den Tag frisch. Anschließend machte ich mich auf den Weg nach unten und entdeckte Tobias in der Küche. Er saß auf einem Stuhl und starrte die Wand an, als hätte er einen Geist gesehen. "Guten Morgen, Tobi." Er reagierte nicht auf meine Begrüßung. Ich betrat die Küche und stellte mich vor ihn. Endlich bemerkte er mich: "Oh, hey." "Hey? Sag mal, hast du ein Gespenst oder so etwas gesehen?" Ich schluckte einmal kurz und stand dann auf. Er zeigte auf diesen Stuhl und bat mich: "Setz dich bitte. Ich muss dir was erzählen." Er klang ernst, aber ich fragte lustig: "Hast du etwa eine Freundin?" Er schüttelte den Kopf und sah mich traurig und unsicher an. Irgendetwas musste passiert sein. "Deine Eltern sind ja weggefahren." Ich nickte und da fiel mir ein, dass sie am Freitag hätten zurück sein sollen. "Stimmt, sie sind noch gar nicht da. Vielleicht haben sie das Zeitgefühl verloren", sagte ich lachend. Tobias schaute nur noch unsicherer und schaffte es nicht mehr mir in die Augen zu sehen. "Tobi? Was ist denn los?" "Deine Eltern hatten einen Autounfall auf dem Heimweg. Es geschah am Freitag." Nach dieser Nachricht fiel ich aus allen Wolken. "Woher weißt du das? Und weißt du auch, in welchem Krankenhaus sie liegen?" "Das Haustelefon klingelte vor etwa 30 Minuten und ich ging ran und sagte einfach, dass ich der Cousin bin und dann sagte mir die Polizei am Telefon, dass deine Eltern gefunden wurden." "Erst heute?! Aber wie ist das möglich?", fragte ich total entsetzt. "Er sagte, dass sie im Wald waren und sie dort keiner fand, weil keiner vorbei kam." "Ok, und wo sind sie jetzt?" Er schaute immer noch zu Boden und sagte dann vorsichtig und leise: "Es tut mir leid, dass ich das sagen muss. Chrissi, deine Eltern sind anscheinend kurz nach dem Unfall noch gestorben." Das war der Satz, den ich nicht hören wollte. Ich starrte einfach geradeaus, meine Tränen kamen hoch und ich bewegte mich gar nicht mehr. Ich spürte nur noch, dass Tobias mich in den Arm nehmen wollte, doch dann wurde alle schwarz.

Als ich wach wurde, spürte ich etwas weiches unter mir, was bedeutete, dass ich in meinem Bett lag. Ich war alleine und die Jalousinen waren unten. "Tobi? Wo bist du?" Sofort hörte ich schnelle Schritte die Treppen hoch rennen. "Ich bin hier. Du bist endlich wach. Du warst für fast 5 Stunden weg vom Fenster." Mein Kopf schmerzte und dann spürte ich auch schon wieder die Tränen in meinen Augen. "Ich hab dir Tee zubereitet. Deine liebste Sorte, Waldfruchttee mit braunem Zucker." Er überreichte mir die Tasse und ich nahm sie gedankenverloren einfach entgegen. "Weiß man, wie es zu dem Autounfall kam?" "Bist du sicher, dass du bereit bist das zu wissen, Kleines?" Ich nickte, doch die Tränen konnte ich nicht zurückhalten. "Ein LKW kam auf ihrer Spur entgegen und sie wollten noch ausweichen, was ihnen zwar gelang, aber dadurch sind sie einen Hang hinabgestürzt und der Wagen fing Feuer. Einer der beidem musste noch am Leben gewesen sein und hat den anderen hinausgetragen. Sie schätzen, es war dein Vater." Ich hörte zwar, was Tobias mir erzählte, aber ich konnte es einfach nicht glauben. "Kurze Zeit später verstarb auch er, etwa 30 Meter vom abgebrannten Auto entfernt." Ich wollte gerade etwas sagen, als ich spürte, wie meine Brust schmerzte. Ich hielt meine Hand hin und versuchte tief durchzuatmen. "Chrissi? Warte ich hole deine Medikamente." Er rannte los zu meiner Tasche und suchte verzweifelt nach den Tabletten. Meine Kopfschmerzen wurden immer stärker und auch das Stechen in der Brust machte sich immer mehr bemerkbar. Ich bekam eine Luft, obwohl ich schon so schnell atmete. Endlich kam er mit den Tabletten und ich schluckte 3 Stück gleichzeitig zusammen mit dem Tee. Mein Herzschlag und mein Atem beruhigten sich wieder und auch ich fühlte mich ein wenig besser.
Wir saßen einige Minuten einfach still nebeneinander auf meinem Bett, als ich fragte: "Tobi, was ist mit der Schule?" Er sah mich an und tätschelte meinen Kopf beruhigend. "Ich hab da angerufen und uns beide für krank erklärt. Leider musste ich ihnen das mit deinen Eltern erzählen, weshalb wir gleich für die nächsten zwei Wochen freigestellt wurden." "Ach, du auch?" Tobi nickte. "Wegen meiner Adoptivschwester. Außerdem werde ich dich in so einer Situation und in einem so großen Haus sicher nicht alleine lassen." Ich lächelte und fühlte mich wohl, viel besser als noch vor 10 Minuten. Seine freundschaftliche Wärme tat gut und war genau das Richtige in diesem Moment.

Samstag, März 26, 2016

Kapitel #53

Mein Kopf hatte so ziemlich ausgesetzt und ich konnte nicht mehr klar denken wegen diesem Mann. Er muss aber trotzdem bemerkt haben, dass ich etwas unsicher war. "Soll.. Soll ich aufhören? Ist alles ok?", sagte er leicht aus der Puste. "Was, wenn Janna nach Hause kommt?" "Geht es dir nur darum oder willst du einfach nicht? Du musst es mir sagen." Ich schüttelte den Kopf und entfernte mich etwas von ihm. "Es ist wirklich wegen ihr. Ich würde mich darauf einlassen können, wenn ich mir sicher wäre, dass sie uns nicht erwischt." Chris kam auf mich zu und legte seine Hand auf meine Wange. "Keine Angst. Sie kommt erst spät am Abend." Ich sah auf die Uhr, es war 19:20. Ich nickte und küsste ihn gleich wieder. Diesmal ließ ich es zu und ich schlief mit dem Mann, der mich die letzten Monate völlig aus dem Konzept brachte.
Ich war etwas erschöpft, aber schaute auf die Uhr, damit ich wusste, ob ich schon weg musste. Es war inzwischen 21 Uhr. Mein Kopf ruhte auf seiner Brust und ich spürte wie sich diese im Rhythmus auf und ab bewegte. Ich sah kurz zu ihm hoch und sah, dass er schlief. Deshalb versuchte ich mich leise aus dem Bett zu schleichen, um meine Kleidung zu suchen und diese dann anzuziehen. Es blieb bei dem Versuch, denn Christopher wurde wach und sah mich leicht verschlafen an. "Musst du schon weg? Das finde ich nicht so schön." Er kletterte aus dem Bett und ich musste währenddessen grinsen. "Es war wirklich sehr schön. Danke für den Abend, aber ich muss langsam nach Hause, nicht dass wir unglücklicherweise überrascht werden." Er gab mir einen Kuss auf meinen Kopf und antwortete: "Ich wünschte, du könntest diese Nacht hier bleiben. Auch ich fand es sehr schön." Ich drehte mich zu ihm um und gab ihm noch einen kurzen Kuss, bevor ich mir meine Jacke und meine Schuhe anzog und das Haus verließ. Beim Spaziergang nach Hause konnte ich an nichts anderes denken. Er war so zärtlich und liebevoll, aber es gefiel mir nicht, dass ich seine Affäre war. Ich wollte natürlich nicht, dass er sich meinetwegen von seiner Frau scheiden ließ, aber ich fühlte mich bei dem ganzen Versteckspiel nicht wohl.
Ich beeilte mich nicht nach Hause, weshalb es 21:15 war, als ich ankam. Tobi saß im Wohnzimmer auf der Couch und sah Fern. "Bist du es Chrissi?" "Ja, hey." Er sprang vom Sofa und kam zu mir, um mich zu umarmen. "Und, ist alles gut gelaufen?" Ich merkte selbst, dass ich nicht aufhören konnte zu grinsen, aber ich hätte nicht gedacht, dass er so schlau ist und den Gesichtsausdruck auch noch deuten konnte. "Habt ihr etwa...?", fragte er vorsichtig. Ich nickte und grinste weiter. "Einfach so?" "Was heißt einfach so? Das war so irgendwie die Entschädigung für heute Nachmittag." Er grinste nun auch, also schien er nicht sonderlich sauer oder so etwas in der Art. Währenddessen hatte ich mir die Schuhe ausgezogen und ließ Tobi unten alleine stehen. In meinem Zimmer schmiss ich zunächst meine Jacke auf mein Bett und dann mich noch dazu. Ich konnte immer noch nicht an etwas anderes denken. Es war so richtig schön und ja, ich war nun keine Jungfrau mehr. Ich liebte ihn wirklich und deshalb bereute ich den Abend auch kein Stück. 'Hoffentlich bereut er ihn auch nicht.' Irgendwann entschied ich mich dafür, dass ich duschen gehe und mich langsam bettfertig mache. Ich war wirklich sehr müde und erschöpft. Ich beeilte mich ein wenig, damit ich Chris noch eine Nachricht schreiben konnte, wo ich mich erneut für den Abend bedankte und ihm schrieb, dass ich hoffte, dass wir uns morgen in der Schule sehen. Natürlich meinte ich damit nicht als Paar, aber einfach so, dass ich ihn sehen konnte und er mir wieder ein paar Türen ins Gesicht hauen konnte. Dafür war er sehr gut gemacht. 

Freitag, März 25, 2016

Kapitel #52

Um 13 Uhr war dann endlich die Hölle vorbei, aber ich hatte ihn den ganzen Tag über nicht gesehen. Ich machte mir ein wenig Sorgen. Ich wollte gerade zur S-Bahn laufen, da sah ich ihn in einer Seitenstraße stehen und mich dabei anlächeln. Ich lächelte zurück und weil ich alleine unterwegs war, weil die anderen noch eine Besprechung hatten, ging ich über die Straße zu ihm. Er versteckte etwas hinter seinem Rücken. Es war eine Rose. Ich hätte dahin schmelzen können, weil er so süß war und mir trotzdem eine Rose schenkte, obwohl wir nicht zusammen waren. Dachte ich. "Ich hab dich heute den ganzen Tag gesucht." "Echt? Ich war hier, aber anscheinend sind wir uns einfach nicht über den Weg gelaufen. Warum hast du mich denn gesucht?" Das fragte er mit so einem schiefen Lächeln. "Nun ja.. Nur so." Er lachte mich aus und zog mich dann am Handgelenk tiefer in die Seitenstraße. "Ich habe etwas vorbereitet Zuhause und mein Auto steht da hinten." Ich lächelte, aber drehte mich immer wieder um, um zu schauen, ob uns jemand gesehen hatte. Glücklicherweise nicht. Ich folgte ihm zum Auto und fragte dann: "Ist Janna denn nicht Zuhause?" Er schüttelte den Kopf und dann stiegen wir in sein Auto.
Nach nicht einmal 10 Minuten waren wir bei seinem Haus und der parkte das Auto in der Garage. "Du kannst schon einmal rein gehen, ich muss noch kurz mein Handy im Auto suchen." Ich nickte und ich kannte ja den Weg, weshalb ich nicht überlegen musste. Ich kam ins große Wohnzimmer und machte es mir bequem bis er auch endlich auftauchte. "Hast du Hunger?", fragte er mich. Ich nickte wild, denn ich war so ziemlich am verhungern. Wir gingen in die Küche und da wartete Spaghetti a la Christoph auf mich. Ich grinste, weil ich mich total darüber freute. Er zog wie ein Gentleman den Stuhl hinter, damit ich mich setzen konnte und setzte sich dann gegenüber von mir. "Womit habe ich das denn verdient, Chris?" "Naja, heute ist Valentinstag und genau deshalb hast du mich ja auch gesucht oder? Damit wir das zusammen feiern können." Ich wurde rot und versuchte das einfach zu überspielen, indem ich zu essen begann.
Das Essen war köstlich und ich wollte ihm als Dankeschön beim Abräumen helfen, aber er wollte nicht, sondern sagte: "Na na na. Heute wird nicht gearbeitet." Ich lachte, denn ich war an so etwas nicht gewohnt. Tobias war, was das betraf nicht so liebevoll. Er hat auf andere Arten gezeigt, dass er mich liebte, aber nie so. Es fühlte sich toll an, einmal so verwöhnt zu werden. "Wenn du willst, kannst du schon einmal hochgehen und dann komme ich so in 5 Minuten nach. Ist das ok?" Ich nickte und stolzierte die Treppe hoch. Oben wartete ich dann einfach und schaute gelegentlich auf mein Handy. Ich hatte Nachrichten von Tobias und Franzi. Beide fragten mich, wo ich war, aber ich wollte ihnen nicht antworten, geschweige denn sagen, wo ich mich befand. Dann hörte ich Schritte die gefühlt 200 Stufen hochkommen und versteckte deshalb mein Handy. Er kam mit einem breiten Grinsen oben an und sah mich total süß an. "Ich hab noch eine Kleinigkeit für dich. Komm mit." Er öffnete eine Tür und es war ein fast komplett leeres Zimmer, auf dessen Boden sich Rosenblätter befanden und Kerzen. Noch nie hatte ich so etwas schönes gesehen, aber mit dem Anblick kam ich zurück auf den Boden und erinnerte mich an seine Frau, an seinen Job und an Tobias. Tobi war gegen diese Beziehung oder Affäre, und eigentlich sollte mich das nicht daran hindern, aber ich höre immer wieder seine Stimme mit den Worten 'du kannst nicht mit einem verheirateten Lehrer was anfangen!'. Ich drehte mich zu Chris um und sah ihm in seine wunderschönen blauen Augen, während ich sagte: "Das geht nicht. Ich... Ich..." "Was meinst du? Wir wollen doch nur einen schönen Tag miteinander verbringen, mehr nicht." Ich spürte wie mir die Tränen kamen und antwortete darauf: "Du bist verheiratet. Du bist 13 Jahre älter als ich. Du bist Lehrer an der Schule, die ich besuche. So geht das nicht." Ich versuchte zu lächeln, doch es fiel ihm sichtlich schwer. "Wir reden doch nur. Ja, wir haben uns geküsst, aber auch nur weil wir es beide wollten. Weil wir beide Gefühle füreinander haben, oder etwa nicht?" Ja, ich hatte wirklich Gefühle für ihn, doch die durfte ich nicht zulassen. Die Stimmen in meinem Kopf wurden lauter und schrien mich an, dass ich sofort sein Haus verlassen sollte. "Ich... Ich muss gehen! Tut mir leid. Danke für das tolle Essen, aber..." Ich konnte meinen Satz gar nicht beenden, denn ich brach in Tränen aus und wollte einfach aus dieser Situation fliehen.
Ich rannte raus auf die Straße und schnell nach Hause. Meine Tränen wurden nicht weniger und es wurde schon fast schlimmer, als ich Tobis Sneaker vor meiner Haustür liegen sah. Ich wischte mir die Tränen weg und beruhigte mich etwas, und als ich das Gefühl hatte, mich in Griff zu haben, öffnete ich die Tür und atmete noch einmal tief durch. Schon hörte ich Schritte auf mich zu rennen und sah meinen Ex-Freund dann vor mir. "Oh man, wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht, weil du nicht an der S-Bahn und auch nicht Zuhause warst. Ist alles ok?" "Ich musste an die Luft spazieren, weil der Tag echt anstrengend war. Ich bin Heim gelaufen und da braucht man so 45 Minuten. Es sind aber fast 90 Minuten, die du später bist. Irgendwas ist doch passiert. Wurdest du überfallen?" "NEIN!", schrie ich ihn an, wobei er erschrak. "Ich muss allein sein, mir geht es nach diesem Tag wirklich nicht so gut." Er nickte nur noch und ließ mich vorbei.
Ich ging die Treppen hoch ins Bad und machte mich ein wenig frisch. Um 3 Uhr war ich geduscht, abgeschminkt und in frischen Klamotten eingekleidet. Ich schaltete mein Handy aus, um von niemandem gestört zu werden und verkroch mich dann in meinem Zimmer. Ich musste wohl wie immer eingeschlafen sein, denn ich wurde von einem guten Geruch geweckt, als es schon ziemlich dunkel war. "Wie spät ist es?" "Ich hab hier einen Tee für dich. Es ist fast 7 Uhr. Der Tag wird zum Glück langsam wieder länger, aber es trotzdem schon ziemlich dunkel." Er stellte den Tee auf meinen Nachttisch und setzte sich auf mein Bett. Auch ich setzte mich hin, um ihn besser sehen zu können. "Jetzt musst du mir aber erzählen, was bei dir los ist. Hat es etwas mit dem Valentinstag zu tun?" Ja, hatte es, aber nicht hauptsächlich, also wackelte ich nur seltsam mit dem Kopf. "Herr Hint?" Damit traf er voll ins Schwarze, weshalb ich einfach auf den Boden sah. "Hat er etwas schlimmes getan?" Im Gegenteil. Er hat mich total romantisch mit selbst gemachtem Essen überrascht und dann auch mit einem schön geschmückten Zimmer, aber dann schaltete sich mein Verstand wieder ein und ich rannte aus dem Haus. Je länger ich über eine mögliche Beziehung nachdenke, desto mehr zweifele ich an ihr. Aber keinesfalls an meinen Gefühlen oder seinen, denn die sind echt." Er nickte nur und hörte zu und zu meinem Glück weinte ich nicht. Ich war stark genug nicht vor ihm weinen zu müssen. Plötzlich stand er einfach auf und verließ mein Zimmer. Nach einer knappen Minute kam er wieder hoch und auch er versteckte eine Rose hinter seinen Rücken. "Du auch noch? Krieg ich von dir jetzt auch etwas zu essen?", fragte ich kichernd. Er lachte auch und sagte: "Du sollst mehr lachen und darum gibt es jetzt diese Rose von mir. Du solltest es mit ihm versuchen, denn ich sehe, dass du nicht ohne ihn kannst und natürlich müsst ihr vorsichtig sein, aber meinen Segen hast du, denn anscheinend war ich schuld, dass du es nicht zugelassen hast. Das will ich aber nicht, denn du bist glücklich, wenn du von ihm erzählst, auch wenn es nichts Gutes ist." Ich nahm die Rose entgegen und fühlte mich so gut wie nie zuvor. Seine Worte bauten mich auf und konnte nicht anders als ihn ganz fest zu umarmen und ihm einen kleinen Kuss auf die Backe zu drücken. Sofort hüpfte ich aus dem Bett und sollte eine schmale Vase für meine zwei Rosen. "Na, jetzt geht es dir wohl wieder gut", sagte er lachend. "Ja, weil du der beste Freund auf der Welt bist und genau weißt, wie du mich wieder aufmuntern kannst." Er grinste dabei und schaute mir zu, wie ich durch mein Zimmer sprang. Ich kramte in meinem Kleiderschrank nach etwas zum Anziehen und zog mich einfach um. "Ich geh jetzt zu ihm und entschuldige mich für mein Verhalten. Er wird es verstehen." Tobi nickte und stand auch vom Bett auf. Sofort zog ich mir meine Schuhe an und rannte aufgeregt aus dem Haus. Es war zwar schon finster, aber ich hatte keine Angst, sondern wurde dadurch nur noch mehr dazu angetrieben, dass ich mich zu ihm beeilte.
Bei ihm angekommen sah ich glücklicherweise noch nicht das Auto seiner Frau, weshalb ich an der Haustür klingelte. Zunächst öffnete niemand, doch dann ging die Tür auf und Chris stand vor mir. Er sah traurig aus. Sofort sprang ich ihm um den Hals und küsste ihn wild. Er machte mit, aber drückte mich dann irgendwann sanft von sich weg. "Was ist los? Du bist ja wie ausgewechselt." "Ich hatte Zeit nachzudenken und ja, ich brauche dich und will jede Sekunde mit dir genießen." Durch diese Worte zauberte ich ihm ein Lächeln ins Gesicht und schon küsste er mich weiter. Der Kuss wirkte immer fordernder und irgendwann hob er mich hoch und trug mich hoch ins Schlafzimmer, wo die Rosenblätter noch auf dem Boden lagen. "Du hast sie nicht weggeräumt?", fragte ich leicht außer Atem. Er nickte und küsste mich weiter, immer fordernder und auch ich merkte, dass ich ihn wollte. Nur war es wirklich das Richtige in dem Moment?

Freitag, Februar 19, 2016

Kapitel #51

Genau in dem Moment ging meine Tür auf und Tobias stand da. "Darf ich reinkommen?" "Ich dachte, du bist wütend!", sagte ich zu ihm genervt. Ich trat einfach ein und kniete sich plötzlich vor mich hin. "Was wird das?" "Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich hätte nicht so ausrasten dürfen, aber ich bin nun einmal so schockiert, weil es ausgerechnet der ist, bei dem ich mir schon dachte, dass da was laufen würde. Wieso hast du mich angelogen, Chrissi?" Er sagte das mit ein solchen Enttäuschung und Traurigkeit, dass ich immer mehr Schuldgefühle entwickelte. "Hab ich nie! Es lief nie etwas. Dieser Kuss passierte, weil ich so traurig war und dann war er für mich da, so wie immer und dann fühlte ich mich so wohl und alles. Bist du eifersüchtig?", fragte ich mit einem inneren Grinsen. "Nein, natürlich nicht..." Kurze Pause. "Ok, vielleicht doch. Aber nur weil ausgerechnet so einer wie der Lehrer jemanden wie dich kriegt." Es klang wie ein verstecktes Kompliment, weswegen ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte. "Aber wir zwei sind nur Freunde, weil es vielleicht besser ist. Ist doch so, oder?" "Wie willst du nur befreundet sein, wenn du offensichtlich nicht über unsere Trennung hinweg bist?" Ich wusste, dass diese Frage sehr böse klang, aber es stimmte schließlich. "Natürlich bin ich nicht darüber hinweg, wenn genau er der Grund unserer Trennung war." Er schrie mich an und sah mich dabei böse an. "Schrei mich nicht so an!", schrie ich aus Angst. Er bemerkte es, stand auf und lockerte dabei seinen Gesichtsausdruck. "Tut mir leid, aber es ist noch so schwer für mich. Ich glaube, dass ich mal eine Nacht darüber schlafen muss und dann können wir morgen weiter reden." Ich nickte und er beugte sich zu mir runter, um mir einen Kuss auf die Stirn zu geben. Ohne weiteres und einen weiteren Blick verließ er wieder mein Zimmer.
Ich verstand gar nichts mehr. Tobias hatte schreckliche Stimmungsschwankungen, als ob er schwanger war. Ich schaltete mein Handy wieder ein und endlich bekam ich eine Nachricht von Chris: "Ohje, hat er sich wieder beruhigt? Wenn etwas ist, kannst du mir gerne schreiben oder mich auch anrufen zur Not. P.S. Der Tag war sehr schön, und ich hoffe, dass du den Kuss nicht bereust." Natürlich bereute ich den Kuss nicht, aber ich wusste, dass es keine gute Idee gewesen ist, weil er schließlich verheiratet war. In dem Moment wurde mir erst bewusst, was es für ihn bedeuten würde, wenn das raus käme. Seine Frau Janna durfte es nicht erfahren, aber ich dachte mir, dass Chris das selbst wusste, weshalb ich ihn nicht daran erinnerte. Ich saß anscheinend sehr lange einfach auf meiner Bettkante, denn als ich auf meine Handyuhr schaute, war es 22:15. Diesmal wollte ich wirklich schlafen, also schaltete ich mein Mobiltelefon wieder aus und kuschelte mich unter die Decke.
Am nächsten Morgen wurde ich von meinem Wecker um 6 Uhr geweckt. Ich klickte einfach auf den Bildschirm, machte aber keine Anstalten, aufzustehen. 5 Minuten später klingelte er erneut, doch wieder war ich nicht bereit aufzustehen. Nach zwei weiteren Malen musste ich mich aber wirklich fertig machen, sonst wäre ich als Zombie in die Schule gefahren. Gerade als ich aufgestanden bin, klopfte es an meiner Tür. "Ja?" "Bist du angezogen?" "Ja, komm rein", sagte ich lachend. Er öffnete die Tür und spitzte ins Zimmer. "Guten Morgen. Wie hast du geschlafen?", fragte ich ihn neugierig. Ich zuckte mit einer Schulter und fragte: "Und du?" "Eigentlich ziemlich gut." "Tut mir leid, dass ich dich gestern so angeschrien hab. Ich hatte es selbst nicht bemerkt, bis du es nicht gesagt hast. Bist du mir sehr böse? Oder noch verschreckt?" Ich lächelte und schüttelte dabei den Kopf. "Ich war wirklich erschrocken, aber irgendwie verstehe ich dich. Trotzdem will ich, dass du dich da bitte nicht einmischst. Es war sowieso nur ein Kuss und dabei bleibt es auch, schließlich ist er verheiratet." Er nickte und lächelte ein wenig. "Was ist so amüsant?" "Du machst dir nur darüber Gedanken, dass er eine Frau hat, aber nicht wie groß der Altersunterschied ist. Das ist ein wenig seltsam." Ich lachte kurz, denn darüber hatte ich natürlich schon nachgedacht, aber: "Tobi, das Alter ist nur eine Zahl." "Zitierst du jetzt Twilight oder was?" Wir lachten beide und dann verschwand ich im Bad, um mich wirklich fertig zu machen. "Steck mal bitte mein Glätteisen in die Steckdose und schalte es auf 210°C", schrie ich in mein Zimmer. Sofort tat er dies auch und ich konnte in Ruhe mein Gesicht vorbereiten. Nach 5 Minuten ging ich zurück und sah, wie Tobi vor dem Spiegel stand und seine Haare mit dem Glätteisen in die richtige Position richtete. "Ach, so machst du das immer", kommentierte ich leicht amüsiert. Er erschrak und verbrannte sich leicht mit dem Werkzeug. "Aua! Man, du hast mich voll erschrocken." "Sorry, wollte ich nicht. Willst du mir dann auch gleich die Haare machen?" "Klar, lass mich nur kurz kalten Wasser auf meine Stirn tun und dann komm ich wieder." Solange suchte ich Klamotten für den Tag und zog mich um, doch dann kam er plötzlich rein. "Ouh ouh, sorry, ich hätte.." "Schon okey", unterbrach ich ihn, "komm einfach rein." Ich zog mein Oberteil über den Kopf und stellte mich dann vor den Spiegel. "Okey, fang an." Er lachte und trat näher. Er glättete meine Haare und zu meinen Erstaunen machte er das wirklich gut. "Du machst das ja schon fast so gut wie ich. Woher?" "Hab Julia auch manchmal die Haare gemacht", sagte er mit einer traurigen Stimme. "Oh.. tut mir leid, dass ich das gefragt habe. Wie geht es dir eigentlich inzwischen nach der Sache?" Er glättete einfach meine Haare weiter und gab keine Antwort. Das war mein Zeichen, dass ich den Mund halten musste.
Nach 15 Minuten war er fertig und ich war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Ich drehte mich um und umarmte ihn: "Danke! Hast du super gemacht." Er lächelte und verließ dann still mein Zimmer. Ich stellte mich wieder vor den Spiegel und musste mich in Lichtgeschwindigkeit schminken, was glücklicherweise gut funktionierte. Um 7:05 war ich dann endlich fertig und musste nur noch meine Tasche vorbereiten. "Hast du deine Tablette genommen?", rief Tobias von unten. Sofort lief ich zu meiner Kommode, wo meine Medikamente waren. "Ja, jetzt. Danke!" Somit konnte ich mit meiner Tasche runter laufen und mir aus der Küche noch einen Apfel schnappen, den ich auf dem Weg essen wollte. "Gehen wir? Es wird Zeit", machte Tobias mir Stress. Ich nickte und zog ihn an seinem Arm nach draußen. Wir zogen uns noch schnell die Schuhe an und liefen langsam los. Er packte seine Zigaretten raus und fragte, ob ich auch eine wollte. Ich dachte kurz nach und nahm sie dann an. "Danke." Wir liefen relativ still nebeneinander zur S-Bahn und gingen dann hoch zum Bahnsteig. Oben trafen wir auf Franziska, Tamara und Sophia. "Hey Leute." Alle drei lächelten mich an und umarmten mich eine nach der anderen. "Ehm, alles okey? Seit wann so begeistert, wenn ihr mich seht?" "Keine Ahnung, wollten dir mal unsere Liebe zeigen." Ich lachte und da fiel es mir ein. Es war Valentinstag. 'Na toll, perfekt. Am Tag zuvor jemanden geküsst, aber am Valentinstag trotzdem single.' Dann fuhr zum Glück auch endlich die S-Bahn ein und in 10 Minuten waren wir an der Schule. Es dauerte keine 2 Minuten und schon erwischte ich mich dabei, wie ich Chris suchte. Ich sah ihn nirgends, aber die Mädels bemerkten, dass etwas nicht stimmte. "Was ist los? Suchst du deine Liebe?" Sie lachten, doch ich fand es nicht so lustig, eher traurig. Sofort ließen sie mich in Ruhe, nur Tobi sah mich an, denn er wusste genau, was los war. An seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass es ihm nicht passte, aber irgendwie sah ich auch, dass er besorgt war. Dann gongte es und wir mussten in die Klassenzimmer. Ich hatte natürlich Erdkunde mit der dummen Lehrerin, die mich ständig anmaulen musste.

Montag, Januar 18, 2016

Kapitel #50

Ich hatte den Gedanken an Tobias mit dem Gedanken an den Kuss mit Christopher ersetzt. Ich war so überglücklich mit der Situation und hätte die ganze Welt umarmen können, bis mein Handy neben mir klingelte. Ohne drauf zu schauen, legte ich es an mein Ohr. "Hallo?" "Hey, ich bin's." Es war Tobias und schon musste ich wieder daran denken, dass er verschwunden war. "Bist du schon Zuhause?" "Ja, aber wo bist du?", fragte ich ein wenig besorgt. Er sagte einen Moment nichts und antwortete dann: "Ich musste raus. So wie du. Ich bin in 5 Minuten wieder da. Was hast du eigentlich die ganze Zeit draußen getrieben?" "Nichts. Bis dann." Ich wollte so schnell wie möglich davon ablenken, denn dieser Kuss würde meinem Ex das Herz brechen. 'Ich kann es ihm nicht sagen. Entweder warte ich noch, sage es ihm sofort oder sage es ihm niemals.' Die Entscheidung fiel mir schwer, weshalb ich keinen weiteren Gedanken daran verschwenden wollte. Ich setzte mich auf mein Bett und überlegte, ob ich Hausaufgaben hatte. Ich war plötzlich so motiviert. Dann fiel mir ein, dass ich nichts auf hatte und genau in dem Moment hörte ich Jemanden im Erdgeschoss spazieren. "Bist du das Tobi?" "Ja, bist du oben?" Ich antwortete nicht, weil ich schon Schritte die Treppen hochkommen hörte. Die Tür zu meinem Zimmer öffnete sich und er stand direkt vor mir. "Da bist du ja. Haben wir uns beide beruhigt?" Ich nickte und umarmte ihn. Irgendwie tat es mir schon leid, dass ich ihm nichts davon erzählen konnte, aber es war einfach besser so. "Geht es dir gut? Du bist so still und antwortest auf keine Frage von mir." Wieder nickte ich nur, weil ich Angst hatte, dass sobald ich meinen Mund aufmachte, ich ihm alles über den Kuss erzählt hätte. "Hast du deine Zunge verschluckt?" "Nein. Mir ist nur nicht nach Reden zumute." Zunächst lächelte er, doch seine Miene verzog sich zu einem leicht besorgt aussehenden Blick. "Ist etwas passiert? Du wirkst leicht angespannt." Ich setzte mich auf mein Bett und ich verspürte immer mehr Drang danach, ihm alles zu beichten. Obwohl es keine Beichte war, weil wir ja nicht zusammen waren. Doch es ging hier um Herr Hint. Einen Lehrer unserer Schule. "Ich muss dir was erzählen", platzte es plötzlich aus mir heraus. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Gedanken. Er setzte sich auch zu mir und schaute mich fragend an. "Ich habe vor kurzem Jemanden geküsst. Wir sind zwar nicht in einer Beziehung, aber es wird dich trotzdem nicht erfreuen, wenn du seinen Namen hörst, weil du mich genau davor mehr oder weniger gewarnt hattest." Man sah ihm an, dass er immer hellhöriger wurde. Plötzlich weiteten sich seine Augen und er schrie schon fast: "Dieser Lehrer?! Erzähl mir bitte nicht, dass er es ist." "Ok, dann werde ich es dir eben nicht sagen." Sofort sprang er vom Bett und sah mich richtig wütend an: "Wie konntest du? Keine Beziehung hin oder her, du kannst doch keinen verheirateten Lehrer küssen!" "Hab ich gar nicht. Eigentlich hat er mich zunächst küssen wollen, aber ich fühlte mich nicht bereit.." "Was besser gewesen wäre", unterbrach mich mein Ex. "Danach wollte ich es aber doch und dann geschah es nun einmal. Mein Gott, du machst so ein Theater, als ob ich mit ihm geschlafen hätte, Tobias!" Er verdrehte nur die Augen, drehte sich von mir weg und ging wütend aus meinem Zimmer.
Ich wollte ihm nicht nachlaufen, weshalb ich einfach auf meinem Bett sitzen blieb und mein Handy zur Hand nahm. Ich schrieb eine Nachricht an Chris und erzählte ihm, dass ich es Tobias gesagt hatte und ebenso von seiner Reaktion. Ich konnte ihn verstehen, aber er musste auch mich verstehen. Man kann schließlich nicht selbst bestimmen, wen man liebt. Ich war mit der Wahl meines Herzen trotz alledem zufrieden, weil Christopher meinem Typ entsprach und er war auch noch intelligent, verständnisvoll und immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Ich hatte nicht einmal mehr das Gefühl, dass ich ihn erst seit wenigen Monaten kannte, sondern eher, als würde ich ihn mein Leben schon kennen. 'Er weiß so vieles über mich, doch ich weiß leider viel zu wenig über ihn. Das müssen wir dringend nachholen!' Genau diese Erkenntnis schrieb ich ihm ebenfalls und legte anschließend mein Handy mit einem Lächeln im Gesicht auf meinen Nachttisch. Ich hatte immer noch keine Lust, Tobias hinterher zu rennen, weshalb ich mich umzog, mein Gesicht reinigte und anschließend in mein Bett schlüpfte, um pünktlich schlafen zu gehen. Am nächsten Tag hatte ich schließlich wieder Schule. 'Sh*t, ich hab morgen einen Test!' Da fiel es mir ein, dass ich doch etwas für die Schule tun musste. 'Ob Tobias auch davon weiß? Soll ich ihn mal daran erinnern?' Ich entschied mich dagegen und setzte mich für etwa 20 Minuten an den Schreibtisch um Dinge zu markieren, raus zuschreiben und es durchzulesen.
Nach diesen 20 Minuten war ich wirklich müde, obwohl es erst 21:30 war. 'Die Zeit ist aber schnell vergangen, seit ich wieder hier war.' Erneut sprang ich in mein Bett, deckte mich zu, las noch die letzten Nachrichten, keine von Chris, und schaltete mein Handy anschließend ab.

Samstag, Januar 16, 2016

Kapitel #49

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich verpasste ganz knapp die S-Bahn, also beschloss ich, nach Hause zu laufen. In den fast 45 Minuten dachte ich sehr intensiv über alles nach. 'Hatte Tobias recht? War das sie ganze Zeit mehr zwischen Christopher und mir? Will auch ich etwas von ihm? Schließlich bin ich ihm zunächst auch entgegen gekommen, bis sich mein Verstand eingeschalten hat. Kann ich nach gerade Chris noch sehen, geschweige denn mit ihm reden?' Ich ging einfach weiter, lief mitten auf dem Weg und beachtete keinen Fußgänger, keinen Radfahrer oder sonst irgendjemanden, der an mir vorbei kam. Ich spürte zunächst auch mein Handy in meiner Hosentasche nicht, doch irgendwann dann doch, nur bis ich es herausholte, legte die Person schon auf. Es war Chris. 'Besser, dass ich nicht dran gegangen bin.' Ich wusste, dass ich ihm Unrecht tat, weil ich ihm ja eben nicht sofort widerstanden hatte, aber ich war trotzdem so verwirrt. Sollte das etwa heißen, dass Christopher mich sehr mochte? Das konnte nicht gut gehen, schließlich war er 13 Jahre älter als ich.
Plötzlich blieb ich abrupt stehen. Ich drehte mich plötzlich um und ging den ganzen Weg wieder zurück. Ich wollte es nicht, aber meine Füße trugen mich zum Weiher zurück. Ich kam sehr schnell dort an und Christopher saß immer noch auf der gleichen Bank und starrte aus seine Schuhe mit den Ellenbogen auf den Knien abgestützt. Ich ging einfach auf ihn zu und merkte ein Grinsen auf meinen Lippen. Ich blieb kurz vor ihm stehen und als wüsste er, dass ich es war, schaute er hoch zu mir und lächelte mich an. Ich setzte mich wieder neben ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust und fing einfach an zu weinen. "Chrissi? Was ist los?" "Es tut mir so leid! Ich war so geschockt über ... über ..." "Den Fast-Kuss?", beendete er meinen Satz. Ich nickte und fragte vorsichtig: "War es gewollt von dir? Und wenn ja, was hatte das zu bedeuten?" Er drückte mich mit seinen Armen leicht nach hinten, wodurch ich ihm in die Augen schauen musste. "Es war Absicht und es gibt nur einen Grund dafür. Christina, ich mag dich wirklich sehr. Ich weiß, dass das total verrückt klingt, aber ich habe das schon vor einigen Wochen bemerkt und du hast mich schon fasziniert, als du in der Kirche in mich rein gelaufen bist. Ich dachte anfangs, dass ich einfach ein guter Freund für dich sein sollte, aber ich konnte es nicht länger verbergen. Deshalb finde ich die Scheidung von Janna auch so sinnvoll." Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte, aber es kamen erneut die Tränen, weil ich so berührt davon war. "Hör bitte auf zu weinen. Ich verstehe es total, wenn du nicht so empfindest wie ich. Der Altersunterschied ist natürlich eine schwierige Sache und..." "Hör au zu reden!", schrie ich ihn an und er sah mich daraufhin geschockt an. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Ich weine, weil ich so froh bin, dass du das gesagt hast. Ich habe auch schon seit längerem das Gefühl, dass du mehr als nur ein Freund für mich bist. Und das traurige ist leider, dass Tobias noch vor mir bemerkt hatte, was da zwischen uns ist. Das war ja auch der Grund unserer Trennung. Er ist bei mir und ich hatte anfangs noch die Hoffnung, dass doch was auch ihm und mir wird, aber jetzt will ich das gar nicht mehr. Ich hatte nicht bemerkt, dass das alles Schicksal war und es nur wollte, dass er und ich uns kennen lernen und gute Freunde werden, während es bei und beiden andersherum ist. Verstehst du, was ich meine?" Ich beruhigte mich durch mein Reden wieder und setzte mich richtig hin, während ich meine Tränen wegwischte. Chris lächelte, nein er strahlte mich an. "Genau in dieses Lächeln habe ich mich verliebt und ich bin froh, dass du es mir wieder zeigst. Es beruhigt mich. Du beruhigst mich."
Diesmal nahm er mein Gesicht in seine beiden Hände und zog es näher an seins. "Willst du es diesmal?" Ich lächelte und küsste ihn einfach. Es war ein langer Kuss. Ein langersehnter Kuss, der niemals hätte enden sollen. Irgendwann hörten wir auf und sahen uns einfach an. Er strahlte mich an und das tat auch ich. Glücklicher konnte ich nicht sein, doch dann viel es mir wieder ein. "Also wird das eine geheime Beziehung? Eine andere Wahl haben wir nicht, oder?" Er schüttelte den Kopf und küsste noch einmal meine Stirn. "Für's Erste müssen wir es so machen. Sowieso müssen wir noch die Scheidung hinter uns bringen, denn vorher wäre die Beziehung gefährlich, was das betrifft." Ich nickte langsam und entzog mich seinen Händen und nahm etwas Abstand zu ihm. "Wann immer du mich brauchst, kannst du mich anrufen. Sei es für eine Umarmung, zum Reden oder auch für einen Kuss. Ich wohne schließlich nicht weit." Wir lächelten uns an, küssten uns noch einmal und dann stand ich auf, um endgültig nach Hause zu gehen. Ich erwischte dieses Mal auch den Zug und fuhr überglücklich nach Hause, wo Tobi auf wartete. 'Ob er noch sauer ist? Ich hoffe nicht, aber auch das wird meine Laune nicht vermiesen können.' Ich öffnete die Haustür und rief: "Hallo, ich bin wieder da." Ich bekam keine Antwort, weshalb ich zunächst ins Wohnzimmer, dann in die Küche und dann ins Gästezimmer ging. Nirgends war er, auch nicht in meinem Zimmer oben. Ich setzte mich auf mein Bett, legte mich anschließend hin und lächelte weiter vor mich hin.

Donnerstag, Januar 14, 2016

Kapitel #48

Ich schaffte es nicht mehr als einen Pancake zu essen. Ich machte mir vor allem Gedanken wegen Christopher, weil es so klang, als wäre es etwas wichtiges gewesen. Er war auch immer für mich da gewesen, also musste ich das auch für ihn. "Danke für's Essen. War gut, aber ich muss telefonieren." "Mit dem Typen?" "Nein! Ich gehe hoch", sagte ich wütend und lief die Treppen hoch in mein Zimmer, wo ich mich anschließend einsperrte. Ich nahm mein Handy in die Hand und rief ihn an. "Chrissi? Hast du Zeit?" "Ja klar. Was ist denn los?", fragte ich ein wenig in Sorge. "Ich muss einfach dringend mit dir reden. Treffen wir uns in 30 Minuten vor der Schule? Schaffst du das?" "Wieso da? Du wohnst doch gar nichts weit von hier. Aber ok, wenn du meinst." Es kam mir schon ein wenig seltsam vor, aber ich stimmte dem Treffen zu, weil ich wissen wollte, was ihn so beschäftigte. Wir legten beide auf und ich zog mich ganz schnell um. Ich musste mich warm anziehen, denn draußen wehte der Wind sehr stark.
Ich rannte die Treppen runter, einfach an der Küche und Tobias vorbei in Richtung Haustür. Ich hörte ihn noch etwas rufen, aber ich verstand es nicht und hatte keine Zeit ihn zu fragen. Ich rannte zum Bahnhof, denn ich hatte 5 Minuten später den Zug zur Schule. Ich sah ein Nachricht auf meinem Display aufleuchten, von Chris. Sie ließ mich etwas lächeln, denn er schrieb: "Hoffe, du stresst dich nicht zu sehr, aber ich muss dich dringend sehen und mit dir reden." Ich fragte mich auch nach dieser Nachricht wieder einmal, ob er mehr wollte. Er war eigentlich verheiratet und mein Lehrer. Ich kam gerade noch am Bahnhof an, stieg in die S-Bahn und fuhr eine Haltestelle bis zur Schule. Als ich ankam, regnete es nicht mehr, zum Glück. Ich lief zur Schule, bis ich bemerkte, dass ich noch 15 Minuten Zeit hatte. 'Na toll.. Was mache ich nun bis er kommt?' Ich ging langsamer und machte sogar extra noch einen Umweg.
Als ich nach 5 Minuten an der Bushaltestelle vor der Schule war, sah ich einen Mann auf mich zu kommen. Es war Christopher und er war um einiges schneller als ich da gewesen. Schon auf 20m Entfernung sah ich, wie er mich anstrahlte. Auch ich musste lächeln, weil es sich gut anfühlte, dass ich wusste, dass mich jemand mochte. Als wir voreinander standen, umarmte er mich sofort und flüsterte in mein Ohr: "Ich bin so froh, dass du Zeit hattest. Gehen wir ein Stück?" "Über was wolltest du denn so dringend mit mir reden?", fragte ich sehr neugierig. "Ich weiß gerade nicht, ob ich es dir wirklich jetzt schon sagen soll.. Janna und ich lassen uns scheiden." Als ich diesen Satz hörte, musste ich für einen Moment stehen bleiben. "Bitte was?! Aber wieso das? Habt ihr etwa gestritten?" "In letzter Zeit sogar sehr oft. Denke jetzt nicht, dass es deinetwegen ist, obwohl sie immer sagt, dass es an dir liegt, aber das ist nicht wahr. Ich habe schon viel früher bemerkt, dass es zwischen uns nicht mehr gut lief. Sie schiebt es nur auf dich, weil sie nicht einsehen will, dass unsere Ehe gescheitert ist, weil wir nicht in der Lage sind, diese weiterhin zu führen." Ich nickte und wir liefen weiter Richtung Bahnhof. "Wolltest du dich etwa deshalb nicht in der Nähe von uns treffen?" Er nickte und schaute den Boden an, während wir abbogen, um zum Spielplatz zu laufen, wo ein kleiner Weiher war. Es wurde still, weil sich keiner traute etwas zu sagen.
Nach knapp 10 Minuten spazieren kamen wir an und setzten und auf eine Bank vor dem Weiher. Es war kalt und der Wind wurde wieder stärker, aber es regnete zum Glück nicht. "Christina, findest du, dass ich ein schlechter Freund oder sogar Ehemann bin?" Diese Frage überforderte mich ein wenig. "Woher soll ich das denn wissen? Ich weiß ja nicht, was in eurer Ehe so los ist oder woran sie scheitert." Er schaute wieder zu Boden und es wirkte so, als wüsste er selber nicht, was schief gelaufen sei. "Bin ich dann wenigstens ein guter Freund?" Ich nickte, denn er war immer für mich da und so war es bestimmt auch bei Janna. "Du bist ein liebenswürdiger Mensch, der immer versucht alle anderen glücklich zu machen. Ob du auch bei Janna so bist, ist hier die Frage. Ist es denn so?" Er dachte nach, weil anscheinend lief es wirklich nicht gut. "Du bist ein toller Mann. Immer für mich da, hörst mir immer zu und bringst mich einfach immer zum Lachen. Selbst deine Nachricht, als ich auf dem Weg hierher war, brachte mich zum lächeln." Ich lächelte endlich auch und schaute mir tief in die Augen. Das strahlende blau verschluckte mich beinahe, ich war gefesselt von ihnen. Ich fühlte mich so wohl in seiner Nähe. Plötzlich bemerkte ich, wie mir sein Gesicht näher kam und zunächst zögerte ich, doch auch ich kam ihm entgegen, bis mein Verstand erweckt wurde und sagte: 'STOP! Das darfst du nicht!' Sofort blieb ich stehen und schaute ihn einfach nur noch an. "Tut mir leid, aber ich hab die Zeit vergessen und ich sollte langsam wieder nach Hause. Bis bald." Ohne auf eine Antwort zu warten, rannte ich zum Bahnhof und kam völlig aus der Puste an. Mein Herz schlug stärker denn je und ich wusste nicht, ob es daran lag, dass ich gerannt war oder an dem Fast-Kuss. In meinem Herz und Kopf war Chaos.

Dienstag, Januar 12, 2016

Kapitel #47

Es war Sonntag. Draußen regnete es wieder und das Wetter war stark abgekühlt. Ich wurde von meinem Wecker um 9 Uhr geweckt, so wie jeden Sonntag. Da fiel mir ein, dass Tobi auch in der Wohnung war. Ich zog meinen Morgenmantel an, machte meine Haare zu einem Zopf hoch und ging mit meinem Handy runter in die Küche. Noch keiner war wach, weshalb ich mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte und den Fernseher an schmiss. Es liefen nur Kinderserien, als schaltete ich ihn wieder aus. Mich erfasste wieder die Müdigkeit und ohne es richtig zu bemerken, schlief ich auf der Couch ein.
Plötzlich spürte ich wie mich jemand leicht schüttelte. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte Tobias vor mir. "Guten Morgen. Seit wann liegst du hier?" "Morgen. Keine Ahnung. Ich wollte fernsehen, aber es lief nichts, also machte ich den Fernseher wieder aus und dann muss ich eingeschlafen sein." Während ich ihm das erzählt hatte, hatte er sich neben mich gesetzt und mir zugehört. "Soll ich uns was zum Frühstück machen?" "Nur uns? Was ist mit..." "Deine Eltern sind weggefahren. Sie kommen erst am Freitag wieder. Ich weiß aber nicht wohin", unterbrach er mich. 'Das sieht ihnen mal wieder ähnlich. Immer wegfahren, aber nie sagen wohin.' Inzwischen war Tobi aufgestanden und verschwand in der Küche. Auch ich stand auf und lief ihm hinterher, um ihm beim Frühstück machen zu helfen. "Was machst du hier? Ich hab gesagt, dass ich das Essen mache. Geh wieder zurück ins Wohnzimmer!" Er schaute mich gespielt böse an, aber ich ließ mich davon nicht abschrecken und ging deshalb noch näher auf ihn zu. Auch er fing dann an zu grinsen und das war der Moment, wo ich mich wieder von ihm angezogen fühlte. Ich blieb abrupt stehen und wurde total nervös. "Alles ok?" Er musste es an meinem Blick bemerkt haben. Plötzlich spürte ich etwas in meiner Bademanteltasche vibrieren. Ich nahm mein Handy heraus und sah auf den Display, wer mir geschrieben hat. Es war meine Mum. Ich wollte mir nicht mal die Nachricht durchlesen, weshalb ich einfach wieder die Tastensperre rein machte und mein iPhone wieder einsteckte. "Was ist los?", fragte Tobias mich besorgt. "Nichts. War nur meine Mama. Keine Ahnung, was sie will." Ich klang sauer, aber das war ich selbstverständlich auch. Er sah mich fragend an, aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen, weshalb ich mich einfach neben ihn hinstellte und ihm zusah, wie er Pancakes machte. "Ich hoffe, du magst sie noch. Früher konntest du ja nicht genug von ihnen..." "Warum tust du das für mich? Falls du dich einschleimen willst, weil du hier bleiben durftest, musst du das nicht tun. Ich hab dir gerne einen Schlafplatz bei uns angeboten."Er lächelte die Bratpfanne an und antwortete: "Ich mache das nicht deshalb. Ich will einfach, dass du weißt, dass egal was zwischen uns passiert ist, wir bleiben Freunde. Vor allem, weil ich glaube, dass es Schicksal war, dass wir uns kennengelernt haben. Wir sollten einfach kein Paar sein, sondern Freunde und das lass ich mir nicht zweimal sagen." Jetzt musste auch ich lächeln, denn anscheinend dachte er dasselbe, wie ich die ganze Zeit. Doch auch, wenn ich dasselbe dachte, tat es ein wenig weh, als er sagte, dass wir immer Freunde bleiben würden. Irgendetwas in mir wollte, dass wir wieder mehr als Freunde waren. Ich umarmte ihn herzlich, um den leichten Schmerz zu verdecken. "Tobi?" "Ja? Hab ich etwas falsch gemacht?" Ich schüttelte den Kopf und sagte dann: "Du gehörst zu den wichtigsten Menschen und ich..." Ich wurde von meinem Handy unterbrochen. Wir schauten beide auf den Display und es leuchtete der Name Chris auf. "Ist jetzt nicht dein Ernst! Du hast trotzdem noch Kontakt zu ihm?!" Ohne ihn auch nur anzusehen, verließ ich die Küche und nahm den Anruf an. "Hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." "Ich weiß, aber ich muss dich später anrufen oder ist es etwas wichtiges?" Es war kurz still, bis er antwortete: "Nein nein. Ich warte." Und schon hatte er aufgelegt. Ich steckte mein Handy wieder weg, nachdem ich es stumm geschalten hatte. Tobias stand nah am Herd und machte die Pancakes weiter.
Der letzte Pfannkuchen war gemacht und er schmiss mir den Teller auf den Tisch. "Tobi, es tut mir leid! Ich hab dir doch gesagt, dass da nichts ist! Er war einfach in letzter Zeit viel für mich da, vor allem nach der Trennung. Das hat nichts zu bedeuten!" Ich spürte die Tränen hoch kommen und versuchte sie angestrengt zurückzuhalten. Er war immer noch sauer, sein  Blick machte deutlich, dass er enttäuscht, traurig und verletzt war. Wir beide sagten nichts mehr und aßen in dieser einengenden Stille unsere Pancakes.