Um 13 Uhr war dann endlich die Hölle vorbei, aber ich hatte ihn den ganzen Tag über nicht gesehen. Ich machte mir ein wenig Sorgen. Ich wollte gerade zur S-Bahn laufen, da sah ich ihn in einer Seitenstraße stehen und mich dabei anlächeln. Ich lächelte zurück und weil ich alleine unterwegs war, weil die anderen noch eine Besprechung hatten, ging ich über die Straße zu ihm. Er versteckte etwas hinter seinem Rücken. Es war eine Rose. Ich hätte dahin schmelzen können, weil er so süß war und mir trotzdem eine Rose schenkte, obwohl wir nicht zusammen waren. Dachte ich. "Ich hab dich heute den ganzen Tag gesucht." "Echt? Ich war hier, aber anscheinend sind wir uns einfach nicht über den Weg gelaufen. Warum hast du mich denn gesucht?" Das fragte er mit so einem schiefen Lächeln. "Nun ja.. Nur so." Er lachte mich aus und zog mich dann am Handgelenk tiefer in die Seitenstraße. "Ich habe etwas vorbereitet Zuhause und mein Auto steht da hinten." Ich lächelte, aber drehte mich immer wieder um, um zu schauen, ob uns jemand gesehen hatte. Glücklicherweise nicht. Ich folgte ihm zum Auto und fragte dann: "Ist Janna denn nicht Zuhause?" Er schüttelte den Kopf und dann stiegen wir in sein Auto.
Nach nicht einmal 10 Minuten waren wir bei seinem Haus und der parkte das Auto in der Garage. "Du kannst schon einmal rein gehen, ich muss noch kurz mein Handy im Auto suchen." Ich nickte und ich kannte ja den Weg, weshalb ich nicht überlegen musste. Ich kam ins große Wohnzimmer und machte es mir bequem bis er auch endlich auftauchte. "Hast du Hunger?", fragte er mich. Ich nickte wild, denn ich war so ziemlich am verhungern. Wir gingen in die Küche und da wartete Spaghetti a la Christoph auf mich. Ich grinste, weil ich mich total darüber freute. Er zog wie ein Gentleman den Stuhl hinter, damit ich mich setzen konnte und setzte sich dann gegenüber von mir. "Womit habe ich das denn verdient, Chris?" "Naja, heute ist Valentinstag und genau deshalb hast du mich ja auch gesucht oder? Damit wir das zusammen feiern können." Ich wurde rot und versuchte das einfach zu überspielen, indem ich zu essen begann.
Das Essen war köstlich und ich wollte ihm als Dankeschön beim Abräumen helfen, aber er wollte nicht, sondern sagte: "Na na na. Heute wird nicht gearbeitet." Ich lachte, denn ich war an so etwas nicht gewohnt. Tobias war, was das betraf nicht so liebevoll. Er hat auf andere Arten gezeigt, dass er mich liebte, aber nie so. Es fühlte sich toll an, einmal so verwöhnt zu werden. "Wenn du willst, kannst du schon einmal hochgehen und dann komme ich so in 5 Minuten nach. Ist das ok?" Ich nickte und stolzierte die Treppe hoch. Oben wartete ich dann einfach und schaute gelegentlich auf mein Handy. Ich hatte Nachrichten von Tobias und Franzi. Beide fragten mich, wo ich war, aber ich wollte ihnen nicht antworten, geschweige denn sagen, wo ich mich befand. Dann hörte ich Schritte die gefühlt 200 Stufen hochkommen und versteckte deshalb mein Handy. Er kam mit einem breiten Grinsen oben an und sah mich total süß an. "Ich hab noch eine Kleinigkeit für dich. Komm mit." Er öffnete eine Tür und es war ein fast komplett leeres Zimmer, auf dessen Boden sich Rosenblätter befanden und Kerzen. Noch nie hatte ich so etwas schönes gesehen, aber mit dem Anblick kam ich zurück auf den Boden und erinnerte mich an seine Frau, an seinen Job und an Tobias. Tobi war gegen diese Beziehung oder Affäre, und eigentlich sollte mich das nicht daran hindern, aber ich höre immer wieder seine Stimme mit den Worten 'du kannst nicht mit einem verheirateten Lehrer was anfangen!'. Ich drehte mich zu Chris um und sah ihm in seine wunderschönen blauen Augen, während ich sagte: "Das geht nicht. Ich... Ich..." "Was meinst du? Wir wollen doch nur einen schönen Tag miteinander verbringen, mehr nicht." Ich spürte wie mir die Tränen kamen und antwortete darauf: "Du bist verheiratet. Du bist 13 Jahre älter als ich. Du bist Lehrer an der Schule, die ich besuche. So geht das nicht." Ich versuchte zu lächeln, doch es fiel ihm sichtlich schwer. "Wir reden doch nur. Ja, wir haben uns geküsst, aber auch nur weil wir es beide wollten. Weil wir beide Gefühle füreinander haben, oder etwa nicht?" Ja, ich hatte wirklich Gefühle für ihn, doch die durfte ich nicht zulassen. Die Stimmen in meinem Kopf wurden lauter und schrien mich an, dass ich sofort sein Haus verlassen sollte. "Ich... Ich muss gehen! Tut mir leid. Danke für das tolle Essen, aber..." Ich konnte meinen Satz gar nicht beenden, denn ich brach in Tränen aus und wollte einfach aus dieser Situation fliehen.
Ich rannte raus auf die Straße und schnell nach Hause. Meine Tränen wurden nicht weniger und es wurde schon fast schlimmer, als ich Tobis Sneaker vor meiner Haustür liegen sah. Ich wischte mir die Tränen weg und beruhigte mich etwas, und als ich das Gefühl hatte, mich in Griff zu haben, öffnete ich die Tür und atmete noch einmal tief durch. Schon hörte ich Schritte auf mich zu rennen und sah meinen Ex-Freund dann vor mir. "Oh man, wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht, weil du nicht an der S-Bahn und auch nicht Zuhause warst. Ist alles ok?" "Ich musste an die Luft spazieren, weil der Tag echt anstrengend war. Ich bin Heim gelaufen und da braucht man so 45 Minuten. Es sind aber fast 90 Minuten, die du später bist. Irgendwas ist doch passiert. Wurdest du überfallen?" "NEIN!", schrie ich ihn an, wobei er erschrak. "Ich muss allein sein, mir geht es nach diesem Tag wirklich nicht so gut." Er nickte nur noch und ließ mich vorbei.
Ich ging die Treppen hoch ins Bad und machte mich ein wenig frisch. Um 3 Uhr war ich geduscht, abgeschminkt und in frischen Klamotten eingekleidet. Ich schaltete mein Handy aus, um von niemandem gestört zu werden und verkroch mich dann in meinem Zimmer. Ich musste wohl wie immer eingeschlafen sein, denn ich wurde von einem guten Geruch geweckt, als es schon ziemlich dunkel war. "Wie spät ist es?" "Ich hab hier einen Tee für dich. Es ist fast 7 Uhr. Der Tag wird zum Glück langsam wieder länger, aber es trotzdem schon ziemlich dunkel." Er stellte den Tee auf meinen Nachttisch und setzte sich auf mein Bett. Auch ich setzte mich hin, um ihn besser sehen zu können. "Jetzt musst du mir aber erzählen, was bei dir los ist. Hat es etwas mit dem Valentinstag zu tun?" Ja, hatte es, aber nicht hauptsächlich, also wackelte ich nur seltsam mit dem Kopf. "Herr Hint?" Damit traf er voll ins Schwarze, weshalb ich einfach auf den Boden sah. "Hat er etwas schlimmes getan?" Im Gegenteil. Er hat mich total romantisch mit selbst gemachtem Essen überrascht und dann auch mit einem schön geschmückten Zimmer, aber dann schaltete sich mein Verstand wieder ein und ich rannte aus dem Haus. Je länger ich über eine mögliche Beziehung nachdenke, desto mehr zweifele ich an ihr. Aber keinesfalls an meinen Gefühlen oder seinen, denn die sind echt." Er nickte nur und hörte zu und zu meinem Glück weinte ich nicht. Ich war stark genug nicht vor ihm weinen zu müssen. Plötzlich stand er einfach auf und verließ mein Zimmer. Nach einer knappen Minute kam er wieder hoch und auch er versteckte eine Rose hinter seinen Rücken. "Du auch noch? Krieg ich von dir jetzt auch etwas zu essen?", fragte ich kichernd. Er lachte auch und sagte: "Du sollst mehr lachen und darum gibt es jetzt diese Rose von mir. Du solltest es mit ihm versuchen, denn ich sehe, dass du nicht ohne ihn kannst und natürlich müsst ihr vorsichtig sein, aber meinen Segen hast du, denn anscheinend war ich schuld, dass du es nicht zugelassen hast. Das will ich aber nicht, denn du bist glücklich, wenn du von ihm erzählst, auch wenn es nichts Gutes ist." Ich nahm die Rose entgegen und fühlte mich so gut wie nie zuvor. Seine Worte bauten mich auf und konnte nicht anders als ihn ganz fest zu umarmen und ihm einen kleinen Kuss auf die Backe zu drücken. Sofort hüpfte ich aus dem Bett und sollte eine schmale Vase für meine zwei Rosen. "Na, jetzt geht es dir wohl wieder gut", sagte er lachend. "Ja, weil du der beste Freund auf der Welt bist und genau weißt, wie du mich wieder aufmuntern kannst." Er grinste dabei und schaute mir zu, wie ich durch mein Zimmer sprang. Ich kramte in meinem Kleiderschrank nach etwas zum Anziehen und zog mich einfach um. "Ich geh jetzt zu ihm und entschuldige mich für mein Verhalten. Er wird es verstehen." Tobi nickte und stand auch vom Bett auf. Sofort zog ich mir meine Schuhe an und rannte aufgeregt aus dem Haus. Es war zwar schon finster, aber ich hatte keine Angst, sondern wurde dadurch nur noch mehr dazu angetrieben, dass ich mich zu ihm beeilte.
Bei ihm angekommen sah ich glücklicherweise noch nicht das Auto seiner Frau, weshalb ich an der Haustür klingelte. Zunächst öffnete niemand, doch dann ging die Tür auf und Chris stand vor mir. Er sah traurig aus. Sofort sprang ich ihm um den Hals und küsste ihn wild. Er machte mit, aber drückte mich dann irgendwann sanft von sich weg. "Was ist los? Du bist ja wie ausgewechselt." "Ich hatte Zeit nachzudenken und ja, ich brauche dich und will jede Sekunde mit dir genießen." Durch diese Worte zauberte ich ihm ein Lächeln ins Gesicht und schon küsste er mich weiter. Der Kuss wirkte immer fordernder und irgendwann hob er mich hoch und trug mich hoch ins Schlafzimmer, wo die Rosenblätter noch auf dem Boden lagen. "Du hast sie nicht weggeräumt?", fragte ich leicht außer Atem. Er nickte und küsste mich weiter, immer fordernder und auch ich merkte, dass ich ihn wollte. Nur war es wirklich das Richtige in dem Moment?