Dienstag, Januar 12, 2016

Kapitel #47

Es war Sonntag. Draußen regnete es wieder und das Wetter war stark abgekühlt. Ich wurde von meinem Wecker um 9 Uhr geweckt, so wie jeden Sonntag. Da fiel mir ein, dass Tobi auch in der Wohnung war. Ich zog meinen Morgenmantel an, machte meine Haare zu einem Zopf hoch und ging mit meinem Handy runter in die Küche. Noch keiner war wach, weshalb ich mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte und den Fernseher an schmiss. Es liefen nur Kinderserien, als schaltete ich ihn wieder aus. Mich erfasste wieder die Müdigkeit und ohne es richtig zu bemerken, schlief ich auf der Couch ein.
Plötzlich spürte ich wie mich jemand leicht schüttelte. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte Tobias vor mir. "Guten Morgen. Seit wann liegst du hier?" "Morgen. Keine Ahnung. Ich wollte fernsehen, aber es lief nichts, also machte ich den Fernseher wieder aus und dann muss ich eingeschlafen sein." Während ich ihm das erzählt hatte, hatte er sich neben mich gesetzt und mir zugehört. "Soll ich uns was zum Frühstück machen?" "Nur uns? Was ist mit..." "Deine Eltern sind weggefahren. Sie kommen erst am Freitag wieder. Ich weiß aber nicht wohin", unterbrach er mich. 'Das sieht ihnen mal wieder ähnlich. Immer wegfahren, aber nie sagen wohin.' Inzwischen war Tobi aufgestanden und verschwand in der Küche. Auch ich stand auf und lief ihm hinterher, um ihm beim Frühstück machen zu helfen. "Was machst du hier? Ich hab gesagt, dass ich das Essen mache. Geh wieder zurück ins Wohnzimmer!" Er schaute mich gespielt böse an, aber ich ließ mich davon nicht abschrecken und ging deshalb noch näher auf ihn zu. Auch er fing dann an zu grinsen und das war der Moment, wo ich mich wieder von ihm angezogen fühlte. Ich blieb abrupt stehen und wurde total nervös. "Alles ok?" Er musste es an meinem Blick bemerkt haben. Plötzlich spürte ich etwas in meiner Bademanteltasche vibrieren. Ich nahm mein Handy heraus und sah auf den Display, wer mir geschrieben hat. Es war meine Mum. Ich wollte mir nicht mal die Nachricht durchlesen, weshalb ich einfach wieder die Tastensperre rein machte und mein iPhone wieder einsteckte. "Was ist los?", fragte Tobias mich besorgt. "Nichts. War nur meine Mama. Keine Ahnung, was sie will." Ich klang sauer, aber das war ich selbstverständlich auch. Er sah mich fragend an, aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen, weshalb ich mich einfach neben ihn hinstellte und ihm zusah, wie er Pancakes machte. "Ich hoffe, du magst sie noch. Früher konntest du ja nicht genug von ihnen..." "Warum tust du das für mich? Falls du dich einschleimen willst, weil du hier bleiben durftest, musst du das nicht tun. Ich hab dir gerne einen Schlafplatz bei uns angeboten."Er lächelte die Bratpfanne an und antwortete: "Ich mache das nicht deshalb. Ich will einfach, dass du weißt, dass egal was zwischen uns passiert ist, wir bleiben Freunde. Vor allem, weil ich glaube, dass es Schicksal war, dass wir uns kennengelernt haben. Wir sollten einfach kein Paar sein, sondern Freunde und das lass ich mir nicht zweimal sagen." Jetzt musste auch ich lächeln, denn anscheinend dachte er dasselbe, wie ich die ganze Zeit. Doch auch, wenn ich dasselbe dachte, tat es ein wenig weh, als er sagte, dass wir immer Freunde bleiben würden. Irgendetwas in mir wollte, dass wir wieder mehr als Freunde waren. Ich umarmte ihn herzlich, um den leichten Schmerz zu verdecken. "Tobi?" "Ja? Hab ich etwas falsch gemacht?" Ich schüttelte den Kopf und sagte dann: "Du gehörst zu den wichtigsten Menschen und ich..." Ich wurde von meinem Handy unterbrochen. Wir schauten beide auf den Display und es leuchtete der Name Chris auf. "Ist jetzt nicht dein Ernst! Du hast trotzdem noch Kontakt zu ihm?!" Ohne ihn auch nur anzusehen, verließ ich die Küche und nahm den Anruf an. "Hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." "Ich weiß, aber ich muss dich später anrufen oder ist es etwas wichtiges?" Es war kurz still, bis er antwortete: "Nein nein. Ich warte." Und schon hatte er aufgelegt. Ich steckte mein Handy wieder weg, nachdem ich es stumm geschalten hatte. Tobias stand nah am Herd und machte die Pancakes weiter.
Der letzte Pfannkuchen war gemacht und er schmiss mir den Teller auf den Tisch. "Tobi, es tut mir leid! Ich hab dir doch gesagt, dass da nichts ist! Er war einfach in letzter Zeit viel für mich da, vor allem nach der Trennung. Das hat nichts zu bedeuten!" Ich spürte die Tränen hoch kommen und versuchte sie angestrengt zurückzuhalten. Er war immer noch sauer, sein  Blick machte deutlich, dass er enttäuscht, traurig und verletzt war. Wir beide sagten nichts mehr und aßen in dieser einengenden Stille unsere Pancakes.

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