Sonntag, September 27, 2015

Kapitel #41

Nach etwa 30 Minuten kamen wir dann in der Stadt an und wir mussten an einem Friseur vorbei. Plötzlich hatte ich die Idee, mir meine Haare zu färben. Ich schaute zum Schaufenster des Friseurs und dann wieder zu Franzi. "Ist was, Chrissi?" Ich nickte und grinste sie an. "Ich will meine Haare färben. Jetzt!" Franziska riss ihre Augen auf, aber ich kannte sie so gut, dass ich erkannte, dass sie diese Idee ebenfalls gut fand. "Okey, und welche Farbe?" Ich schaute zu den Schaufensterpuppen und begutachtete sie gründlich. "Diese Farbe", sagte ich und zeigte auf einen Kopf mit dunkelbraunen Haaren. "Christina, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was du jetzt auf deinem Kopf hast. Bist du dir wirklich sicher? Und wir kommt es überhaupt, dass du so spontan deine Haare färben willst?" Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte weiterhin auf die besagten Haare im Schaufenster. Ich zog Franzi am Arm in den Laden und schon kam mir eine Mitarbeiterin entgegen und sagte nett: "Hallo, Willkommen. Was kann ich für euch tun?" "Ich würde gerne meine Haare färben und schnei-" "Moment, was? Auch noch schneiden?", unterbrach mich meine beste Freundin. Ich schaute sie gar nicht erst an, denn ich konnte mir ihren Blick schon vorstellen, weil sie meine Haare liebte. Sie war ziemlich neidisch darauf, dass meine Haare so lang und gesund waren und ihre ständig neu geschnitten werden mussten. "Ok, was hast du dir denn so vorgestellt?" Die Friseuse zeigte mir einen Weg zu einem kleinen Tisch, auf dem viele Zeitschriften lagen. Ich bemerkte erst kurz darauf, dass Franziska nicht mitgekommen war. Ich drehte mich um und sah sie noch am Eingang stehen. Natürlich nicht sehr begeistert. "Ich heiße übrigens Laura und du?" "Christina. Ich muss mal kurz zu meiner Freundin." Sie nickte und setzte sich auf einen der Stühle um den kleinen süßen Tisch. "Franzi, kommst du?", fragte ich sie, während ich auf sie zuging. Sie sagte nichts, sondern sah mich nur enttäuscht an. Das war der Blick von dem ich vorhin sprach. "Bitte sei nicht böse, aber ich will eine Typveränderung probieren. Wir können danach auch ganz viele neue Sachen einkaufen gehen. Das magst du doch so." Ich sah ein kleines Lächeln auf ihren Lippen huschen. "Okey, aber nur weil du wie immer mit dem Shoppen kommst." Wir lachten und ich zog sie mit mir zum Tisch. "Okey, Laura. Dann such ich mir mal was aus." Ich blätterte in den Zeitschriften, während Laura Wasser für uns holte und sich ein wenig mit Franziska unterhielt. "Das hier! So hab ich mir das vorgestellt." Laura gesellte sich zu mir und ich schaute sie von unten an. Sie nickte und lächelte. Auch Franziska sah begeistert aus, auch wenn sie noch etwas zweifelte, aber genau das wollte ich gerade: Einfach mal etwas anderes tun und einfach spontan sein. "Das kann aber gute 4 Stunden dauern? Soll deine Freundin euch etwas zum Essen holen?" Ich schüttelte den Kopf und antwortete: "Wenn Franziska sich was kaufen will, kann sie das machen. Aber ich bin gerade viel zu aufgeregt dafür." Franziska und Laura lächelten und wir gingen zum nächsten Tisch mit Spiegel und Stuhl, um mir Farbe in die Haare zu schmieren. "Willst du das dunkelbraun mit einem leichten Rotstich oder ohne?" "Überrasche mich. Ich weiß jetzt schon, dass ich es so oder so lieben werde." Laura ging zur Wand mit der Haarfarbe und dem Zubehör und packte einige Sachen zusammen. "Gut, dann legen wir mal los. Sag 'Auf Wiedersehen' zu deinen alten Haaren und zu deinem Spiegelbild." Ich winkte meinem Spiegelbild kurz zu und dann hüllte sie ihn mit einem Tuch ein.
Die Friseuse klatsche mit die Farbe in die Haare und unterhielt sich währenddessen mit Franzi und mir. Sie schien wirklich unglaublich nett zu sein. "Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Laura?" "21 und ihr?" "Beide 17. Hast du eine Ausbildung hier gemacht?", fragte ich neugierig. "Ja, ich wollte schon immer Friseuse werden, weil ich es liebe mit Haaren zu basteln und zu spielen. Da kann man auch etwas kreativer manchmal sein, wenn die Kunden sagen, dass es einfach ausgeflippt sein muss. Am Liebsten würde ich bei Udo Walz arbeiten und dort prominente Kunden bedienen, aber das wird wohl ein Traum bleiben." Laura klang enttäuscht, aber das war auch verständlich, denn anscheinend liebte sie ihren Job. "Jetzt mal zu dir. Willst du schon länger deine Haare so sehr verändern?" Ich schüttelte den Kopf und lächelte etwas dabei. "Es kam mir jetzt gerade einfach so in den Sinn. Ich brauche Veränderung im Leben und deshalb fange ich jetzt mit einer Typveränderung an. Das heißt neue Haare, neue Klamotten und mein Leben so leben, wie ich es will." Ich sah mich etwas um im Laden, während sie meine Haare weiter mit Farbe beschmierte. Ich sah ein Schild auf dern Tresen am Eingang auf dem stand: Laura Schmidt. Hinter den Tresen war ein Spint auch mit ihrem Namen versehen und da hing ein Bild. Man erkannte es schlecht aus der Entfernung, also fragte ich nach: "Was ist auf dem Bild, das da vorne hängt?" Dabei zeigte ich mit meinem Kopf in die Richtung. Franzi ging zum Tresen und schaute sich das Bild an. "Ist das ein Konzert?" "Ja, mein ersten Konzert. Da war ich auf einem Sunrise Avenue Konzert, als ich 19 war. Ich bin ein sehr großer Fan, aber war seitdem nicht mehr auf einem Konzert von ihnen wegen der Arbeit. Es ist nie ein Konzert, wenn ich Urlaub hab und umgekehrt." Sie klang ein wenig traurig, aber es freute mich, dass auch sie ein Sunrise Avenue Fan war. "Magst du nicht auch diese Band, Chrissi?", fragte mich meine beste Freundin. Ich grinste und nickte, weil allein der Gedanke an diese Band mich lächeln ließ. Deren Musik machte ich so glücklich und baute mich immer auf, wenn ich einen schlechten Tag hatte. "Wirklich? Das ist ja cool! Wir können ja mal versuchen auf ein Konzert zusammen zu gehen, oder?" "Ja klar, aber das muss warten bis ich 18 bin, denn meine Eltern wollen mich keineswegs lassen. Hab es schon einige Male versucht." Laura lachte und sagte dann: "Okey, fertig. Jetzt 15 Minuten einwirken lassen. Franzi, hol doch trotzdem mal was zum Essen. Ich hab ihren Magen knurren hören", sagte sie belustigt und zugleich besorgt. Franziska nickte und verließ einfach den Laden. 'Ich hab meinen Magen gar nicht knurren gehört. Komisch.' 

Samstag, September 26, 2015

Kapitel #40

Ich schlief in der Nacht sehr unruhig. Albträume plagten mich, und selbstverständlich ging es um Tobias und wie er mit einem anderen Mädchen zusammen ist. Ich erkannte sie nicht in meinem Traum, aber sie sah mir von hinten sehr ähnlich. Auch lange blonde Haare, gleicher Kleidungsstil, ähnlicher Gang. Beide wurden von einem Bus erfasst, als sie eine Straße überqueren wollten, aber sie überlebte, während er sein Leben verlor. Dann wachte ich hektisch auf. Mein Herz schlug unglaublich schnell und mir flossen Schweißperlen die Stirn runter. Mein erster Gedanke war: 'Tobias!' Sofort schnappte ich mir mein Handy und wollte ihm schreiben, bis mir einfiel, dass er und ich gar nicht mehr zusammen waren. Es war so ungewohnt, weil er auch noch mein erster Freund war und wir schließlich einige Monate zusammen gewesen waren. Ich versuchte meinen Puls zu senken, indem ich meine rechte Hand auf mein Herz legte, mein Kopf hängen ließ und langsam ein-und ausatmete. Nach vielleicht drei Minuten (vielleicht auch mehr) schlug mein Herz wieder normal und legte mich auf die rechte Seite, weil ich so immer am besten einschlafen konnte. Plötzlich spürte ich etwas in meinem Bauch; ich hatte hunger. 'Das kommt davon, wenn ich abends nichts esse.' Ich wusste, dass es ungesund war, so schlafen zu gehen, aber noch ungesünder war es, mitten in der Nacht etwas zu essen, also beschloss ich, bis zum nächsten Morgen zu warten. Ich schaute nochmal auf die Uhr und es war 5:14. Ich schloss die Augen und war zum Glück schon bald wieder eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von einer warmen Hand auf meiner Stirn. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte das Gesicht von Franziska. "Franzi? Was machst du hier?" "Dir auch einen guten Morgen. Heute ist Samstag, es ist 10:30 und ich will shoppen gehen. Mit dir." Ich setzte mich langsam auf und sah mich im Zimmer um. Draußen war es bewölkt und grau und der Wind wehte ziemlich stark. "Bei so einem Wetter? Ne, danke!" Sie schmollte. Ich wusste, wie sehr sie es liebte, mit mir shoppen zu gehen, doch ich hatte trotzdem keine Lust. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie mit meinem Dein-Ernst-Blick an. Sie gab auf und jetzt konnte ich in Ruhe ins Bad gehen und mich etwas frisch machen. Unter der Dusche knurrte wieder mein Magen, aber es war schon fast 11 Uhr, deshalb wollte ich noch bis zum Abendessen warten. Ich zog meinen Bademantel an und ging in mein Zimmer und sah wie Franzi mein Handy benutzte. "Suchst du etwas?" Sie erschrak und legte das Handy sofort auf mein Kopfkissen. "Versuch gar nicht, es zu verstecken. Stand da etwas interessantes?" Sie nickte und kam auf mich zu. "Was ist zwischen dir und Tobi vorgefallen?" 'Shit, sie hat gesehen, dass ich Tobis Name in meinen Kontakten zu "Tobias" geändert hatte. "Ehm, nun ja. Wir haben uns getrennt. Die Gründe..." "WAS?! Aber warum? Ihr ward doch so ein süßes Paar!" Sie sah mich entsetzt an und schlug mir einmal auf die Schulter. "Die Gründe sind egal. Hauptsache ich, dass wir nicht mehr zusammen sind und fertig. Willst du jetzt noch shoppen gehen oder nicht?" Sie nickte vorsichtig und ich ging zu meinem Ankleidezimmer. Ich spürte Franzis Blick auf mir, wie ich zum Zimmer lief. Ich sperrte ab und suchte mir etwas dickeres zum Anziehen, weil es sehr kalt draußen war. Dann verließ ich meinen Kleiderschrank wieder und sah wie Franzi an der gleichen Stelle in die gleiche Richtung starrte. "Franzi? Alles in Ordnung?" "Das sollte ich dich fragen! Man, sag doch, was passiert ist. Hat er dich betrogen? Hat er wieder Drogen genommen? Hat er..." "Nein man! Jetzt lass es und komm wir gehen runter. Sie schaute mich enttäuscht an, aber folgte mir dann in die Küche. Ich konnte nichts essen, obwohl ich hunger hatte. Mir lagen Steine im Magen, weil ich Angst hatte, dass mich nochmal jemand fragen könnte, was die Gründe sind. Aber wie sollte ich den Leuten erklären, dass ich mich mit einem Lehrer getroffen habe und Tobias deshalb eifersüchtig war, genauso wie wegen Lukas? 'Ich kann es keinem sagen!' Franziska aß ihr Marmeladenbrot und ich schminkte mich währenddessen im Gästebadezimmer. Irgendwann waren wir beide fertig und verließen zusammen das Haus, um zum Bahnhof zu laufen.