Samstag, September 26, 2015

Kapitel #40

Ich schlief in der Nacht sehr unruhig. Albträume plagten mich, und selbstverständlich ging es um Tobias und wie er mit einem anderen Mädchen zusammen ist. Ich erkannte sie nicht in meinem Traum, aber sie sah mir von hinten sehr ähnlich. Auch lange blonde Haare, gleicher Kleidungsstil, ähnlicher Gang. Beide wurden von einem Bus erfasst, als sie eine Straße überqueren wollten, aber sie überlebte, während er sein Leben verlor. Dann wachte ich hektisch auf. Mein Herz schlug unglaublich schnell und mir flossen Schweißperlen die Stirn runter. Mein erster Gedanke war: 'Tobias!' Sofort schnappte ich mir mein Handy und wollte ihm schreiben, bis mir einfiel, dass er und ich gar nicht mehr zusammen waren. Es war so ungewohnt, weil er auch noch mein erster Freund war und wir schließlich einige Monate zusammen gewesen waren. Ich versuchte meinen Puls zu senken, indem ich meine rechte Hand auf mein Herz legte, mein Kopf hängen ließ und langsam ein-und ausatmete. Nach vielleicht drei Minuten (vielleicht auch mehr) schlug mein Herz wieder normal und legte mich auf die rechte Seite, weil ich so immer am besten einschlafen konnte. Plötzlich spürte ich etwas in meinem Bauch; ich hatte hunger. 'Das kommt davon, wenn ich abends nichts esse.' Ich wusste, dass es ungesund war, so schlafen zu gehen, aber noch ungesünder war es, mitten in der Nacht etwas zu essen, also beschloss ich, bis zum nächsten Morgen zu warten. Ich schaute nochmal auf die Uhr und es war 5:14. Ich schloss die Augen und war zum Glück schon bald wieder eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von einer warmen Hand auf meiner Stirn. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte das Gesicht von Franziska. "Franzi? Was machst du hier?" "Dir auch einen guten Morgen. Heute ist Samstag, es ist 10:30 und ich will shoppen gehen. Mit dir." Ich setzte mich langsam auf und sah mich im Zimmer um. Draußen war es bewölkt und grau und der Wind wehte ziemlich stark. "Bei so einem Wetter? Ne, danke!" Sie schmollte. Ich wusste, wie sehr sie es liebte, mit mir shoppen zu gehen, doch ich hatte trotzdem keine Lust. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie mit meinem Dein-Ernst-Blick an. Sie gab auf und jetzt konnte ich in Ruhe ins Bad gehen und mich etwas frisch machen. Unter der Dusche knurrte wieder mein Magen, aber es war schon fast 11 Uhr, deshalb wollte ich noch bis zum Abendessen warten. Ich zog meinen Bademantel an und ging in mein Zimmer und sah wie Franzi mein Handy benutzte. "Suchst du etwas?" Sie erschrak und legte das Handy sofort auf mein Kopfkissen. "Versuch gar nicht, es zu verstecken. Stand da etwas interessantes?" Sie nickte und kam auf mich zu. "Was ist zwischen dir und Tobi vorgefallen?" 'Shit, sie hat gesehen, dass ich Tobis Name in meinen Kontakten zu "Tobias" geändert hatte. "Ehm, nun ja. Wir haben uns getrennt. Die Gründe..." "WAS?! Aber warum? Ihr ward doch so ein süßes Paar!" Sie sah mich entsetzt an und schlug mir einmal auf die Schulter. "Die Gründe sind egal. Hauptsache ich, dass wir nicht mehr zusammen sind und fertig. Willst du jetzt noch shoppen gehen oder nicht?" Sie nickte vorsichtig und ich ging zu meinem Ankleidezimmer. Ich spürte Franzis Blick auf mir, wie ich zum Zimmer lief. Ich sperrte ab und suchte mir etwas dickeres zum Anziehen, weil es sehr kalt draußen war. Dann verließ ich meinen Kleiderschrank wieder und sah wie Franzi an der gleichen Stelle in die gleiche Richtung starrte. "Franzi? Alles in Ordnung?" "Das sollte ich dich fragen! Man, sag doch, was passiert ist. Hat er dich betrogen? Hat er wieder Drogen genommen? Hat er..." "Nein man! Jetzt lass es und komm wir gehen runter. Sie schaute mich enttäuscht an, aber folgte mir dann in die Küche. Ich konnte nichts essen, obwohl ich hunger hatte. Mir lagen Steine im Magen, weil ich Angst hatte, dass mich nochmal jemand fragen könnte, was die Gründe sind. Aber wie sollte ich den Leuten erklären, dass ich mich mit einem Lehrer getroffen habe und Tobias deshalb eifersüchtig war, genauso wie wegen Lukas? 'Ich kann es keinem sagen!' Franziska aß ihr Marmeladenbrot und ich schminkte mich währenddessen im Gästebadezimmer. Irgendwann waren wir beide fertig und verließen zusammen das Haus, um zum Bahnhof zu laufen.

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