Donnerstag, September 15, 2016

Kapitel #59

Irgendwann wachte ich wieder auf und tatsächlich, Chris saß immer noch auf dem Stuhl neben meinem Bett und beobachtete mich. "Na, Kleines. Hast du gut geschlafen." Ich lächelte sanft und nickte. "Wie ein Baby", kicherte ich. Plötzlich stand er auf und wollte mein Zimmer verließen, doch ich rief hinterher: "Hey, Mister! Wohin gehst du?" Er drehte sich um und sagte entspannt: "Ich hole eine Schwester, damit sie dir deine Medikamente und dein Essen bringt. Hast du damit ein Problem?" Wir lachten beide. Nach nicht einmal 2 Minuten kam er mit zwei hübschen Schwestern in mein Zimmer. "Gut, dass Sie wieder bei sich sind. Wie fühlen Sie sich im Moment?" "Eigentlich ziemlich gut. Darf ich heute schon raus?", fragte ich in der Hoffnung wirklich noch am selben Tag das Krankenhaus verlassen zu können. Die jüngere Krankenschwester notierte sich etwas und sah mich dann besorgt an. "Das geht leider nicht. Ich würde gerne einen Moment mit Ihnen alleine reden. Wäre das in Ordnung?", fragte Sie mich und sah dabei auch Christopher an. Wir beide nickten und er verließ das Zimmer.
"Was gibt es denn, das keiner mitbekommen soll?" "Ich würde gerne einen Psychologen hinzuziehen", sagte sie mit ernster Miene. Mir fiel die Kinnlade runter. "Moment, bitte was? Was hat das jetzt mit meinem Aufenthalt hier zu tun?" "Ihr... Freund? Nun ja, er hat mir erzählt, dass bei Ihnen gerade einiges daneben läuft und..." "Ich bitte Sie darum, dass sie mich duzen, ich fühle mich sonst so alt." Ich lächelte kurz und dann fuhr sie fort. "Ok, ich bin zwar keine Ärztin, aber wenn ich ehrlich bin, solltest du für eine Weile hier bleiben, damit du dich erholen kannst und die Schicksalsschläge etwas verarbeiten kannst. Herr Hint hat mir erzählt, was mit deinen Eltern passiert ist und dass ihr eine Affäre habt, beziehungsweise er eine richtige Beziehung mit dir möchte, aber das erst möglich ist, sobald die Scheidung vollbracht ist. Und keine Angst, die Kosten für deinen Aufenthalt werden von ihm übernommen." Ich verstand für einen Moment nur Bahnhof. "Was hat das aber mit meinem Aufenthalt hier zu tun?", fragte ich etwas genervt, denn genau das wollte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht. Ich wollte mein Zimmer, mein Bett und meinen besten Freund Tobias. "Christina, dein Leben ändert sich komplett und ich muss dir leider sagen, dass dein Gehirn damit noch nict zurecht kommt. Und das weiß ich, weil du sehr unruhig schläfst und jetzt erzähle mir bitte nicht, dass das nicht wahr ist. Du hast Angst und das ist normal und deshalb wollen wir dir helfen, dass du das verarbeitest und lernst, so zu leben, wie es gerade der Fall ist." Plötzlich hatte ich wieder die Bilder meiner Eltern vor Augen, wie sie im Auto saßen und kurze Zeit später sah ich schwarz. Meine Augen tränten wieder. Ich schluchzte einmal und schon wurde die Tür aufgeschmissen und ein besorgter Chris kam herein gerannt. "Schsch, was ist passiert?", fragte er und nahm mich in den Arm. Ich ließ wieder einmal alles an seiner Brust raus und schluchzte ohne Ende. Er küsste meinen Scheitel und strich mir über den Rücken. "Herr Hint, reden Sie noch einmal mit ihr. Wir wollen hier schließlich alle nur das Beste für sie." 5 Sekunden später hörte ich, wie sich eine Tür schloss und versuchte mich dann wieder zu beruhigen. Nach 5 Minuten saßen wir immer noch so da, mit dem Unterschied, dass ich aufgehört hatte zu weinen. "Ist es jetzt besser?", fragte er mich flüsternd. Ich nickte und löste mich aus seiner Umarmung, bevor ich mir die getrockneten Tränen aus dem Gesicht wischte. "Die Schwester hat recht. Keine Angst, ich werde dich jeden Tag besuchen und bestimmt auch all deine engsten Freunde, wie Tobias. Wir wollen, dass du mit all dem Chaos zur Zeit klar kommst. Das ist die Sache mit deinen Eltern, dann das Erbe, dann der 'Schulwechsel' und dann auch noch das mit uns beiden und Janna." Er sah mich erwartungsvoll an, aber ich hatte keine Antwort parat. "Chris, ich ..." "Sag jetzt erst einmal nichts. Es ist sowieso Essenszeit und nach einer kleinen Stärkung weißt du bestimmt mehr." Ich nickte und wir küssten uns kurz, bevor die Tür wieder aufging und diesmal die ältere Schwester reinkam und mir das Essen auf meinen Beistelltisch stellte. "Guten Appetit", sagte sie noch, bevor sie mein Zimmer wieder blitzschnell verließ.
Ich aß in Ruhe und Chris sah mir dabei zu. "Möchtest du auch etwas von der Gemüselasagne?", fragte ich ihn mit vollem Mund. Er winkte nur lächelnd ab und sah auch sein Handy. Sein Blick sah nervös aus, also musste ich nachfragen: "Ist es Janna? Was ist los?" Er hörte mich anscheinend nicht, also fragte ich noch einmal, aber dieses Mal etwas lauter: "Hallo?! Erde an Christopher?! Ist das Janna?!" Er schaute schnell zu mir hoch und nickte sofort. "Sie fragt, wo ich bin aber das interessiert sie nicht. Ich mache mal mein Handy aus und..." "Nein warte. Ruf sie an und frag sie, was sie will. Ich essen hier in Ruhe weiter, dann weiß ich wenigstens, dass ich nicht beobachtet werde, während ich esse." Er lächelte, gab mir einen Kuss auf die Stirn und verließ mein Krankenzimmer. 'Was sie dann wohl besprechen?', fragte ich mich. Zunächst wollte ich versuchen zu lauschen, aber ich entschied recht schnell dagegen und aß lieber in Ruhe mein Mittagessen zu Ende.

Donnerstag, September 08, 2016

Kapitel #58

Es wurde langsam dunkel, es war schließlich schon 20 Uhr. Hand in Hand liefen wir zu ihm nach Hause und leider musste ich feststellen, dass sich mein Mut mit jedem Meter weiter auflöste. Chris musste die Anspannung in mir bemerkt haben, denn er blieb stehen und stellte sich vor mich. Ich traute mich mal wieder nicht ihm in die Augen zu sehen. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste meine Stirn. "Falls du doch zweifeln solltest, können wir auch wieder umdrehen und doch noch etwas damit warten." Ich war mir so unsicher, weshalb mir die Tränen kamen. "Schsch. Alles gut. Komm, wir gehen zurück." Er umarmte mich und drehte mich um, dass wir uns auf dem Weg zu mir machten, doch meine Beine wollten das nicht. Ich schüttelte nur den Kopf und bewegte mich kein Stück vorwärts. "Christina?" Nun sah ich ihn an und flüsterte: "Wir bringen das jetzt hinter uns. Diese Liebe wird sowieso keiner von ihnen akzeptieren, aber sagen müssen wir es ihnen trotzdem. Der größte Schock wird natürlich sein, dass ich minderjährig bin, sowie deine geplante Trennung von Janna." Chris stand mit offenem Mund da, schockiert über meinen Mut, doch ich hatte keine Ahnung, woher das kam. Womöglch durch ihn - den Mann meiner Träume. Ich sah ihm in seine ozeanblauen Augen und entdeckte Stolz, jedoch kein Anzeichen von Angst. Ich lächelte ihn an und zog ihn an der Hand weiter in die Richtung seines Hauses.
Nach 5 Minuten waren auch schon da. Wir sahen uns an und atmeten beide noch einmal kräftig durch und suchten Halt bei uns gegenseitig. Er öffnete die Haustür und das erste das man hörte, war ein Schluchzen. "Janna", war das erste, das aus Chris' Mund kam. Er zog mich an der Hand und drückte sie nur noch fester. 'Er hat Angst. Wenn das wirklich Janna ist, die weint, dann muss er sie doch trösten und nicht ihr das Leben noch schwerer machen.' Wir rannten ins Schlafzimmer, wo er mich zuvor noch überrascht hatte und entdeckten eine kniend, weinende Janna. Jetzt ließ er meine Hand los und näherte sich seiner Frau vorsichtig. Sie erschrak und drehte sich blitzschnell zu uns um. Sie machte Schritte zurück, bevor sie merkte, dass ihr Mann zurück ist, und stürzte sich dann heulend auf ihn. Dieser Anblick schmerzte, aber ich musste jetzt damit leben. Ich zweifelte für einen Moment an allem und wollte nur noch weg von dort, da drehte sich Chris um und winkte mich zu sich. Langsame und vorsichtige Schritte machte ich auf ihn zu und Janna sah mich einfach nur an. "Christina? Hallo. Ist alles in Ordnung?" "Hallo, Frau Hint. Ja." Sie hob eine Augenbraue und sah dann fragend zu Christopher. "Was hat das zu bedeuten? Was macht sie so spät bei uns?" "Erst einmal möchte ich wissen, warum du geweint hast", fragte Chris sie anstatt zu antworten. "Das Schlafzimmer sieht so schön aus, aber du warst nicht da und da hatte ich Zweifel, dass das überhaupt für mich sei. Nun, war eine andere Frau hier?" Man sah die Tränen wieder und ihre Augen fingen an zu glühen. Chris nahm meine Hand und drückte sie fest in seiner. "Janna, es tut mir leid, aber ich muss dir etwas sagen." "Du hast mich betrogen, hab ich recht? Ich wusste es, meine weiblichen Instinkte täuschen mich nie." 'Ihre weiblichen Instinkte? Soll das etwa heißen, dass sie das schon die ganze Zeit geahnt hat?' Nun kamen auch mir die Tränen. "Chris? Ich glaube, ich..." "Schsch, warte. Janna, das Schlafzimmer habe ich für Christina so schön hergerichtet." Frau Hints Augen weiteten sich und wurden glasiger als zuvor. Sie trat von ihrem Mann zurück und sah ihn entsetzt an. "Du hast mich mit ihr betrogen? Mit einer Schülerin? Einer Minderjährigen?" Sie schrie ihn und und schubste ihn gegen die Brust, wodurch er meine Hand loslassen musste und immer weiter nach hinten geschubst wurde. Ich wollte eingreifen, doch ich bekam es mit der Angst zu tun. Plötzlich aber spürte ich eine gewaltige Kraft in mir, als Chris mit dem Rücken zur Wand stand. Ich rannte auf Janna zu und schubste sie so stark, dass sie umfiel und sich den Kopf an einem Regal stieß. Chris kam auf mich zugerannt und hielt mich an den Armen fest. "Christina, beruhige dich. Und du Janna, du musst damit klar kommen, dass ich mich in sie verliebt habe." Sofort rastete sie vollkommen aus und schnappte sich eine Vase, die sie um sich schwang. Ich hatte Angst, doch die weitaus stärkere Emotion in dem Moment war meine Liebe zu Christopher. Wir rannten aufeinander zu und ich war zu 100% sicher, dass sie mir nicht anhaben konnte, doch da irrte ich mich, denn plötzlich spürte ich etwas hartes an meinem Kopf splittern und fiel zu Boden. Auf einmal wurde alles schwarz.
Irgendwann öffnete ich meine Augen, aber befand mich nicht mehr in Christophers Haus, sondern in einem fremden, weißen Zimmer. Neben meinem Bett stand eine piepsende Maschine und ein leerer Stuhl, an dem ein graue Sacko hing. Plötzlich ging links von mir die Tür auf und Chris kam herein. "Chrissi? Oh bin ich froh, dass du endlich wach bist. Wie geht es dir?" Er legte seine rechte Hand an meine Wange und lächelte mich an. In seinen Augen verlor ich mich mal wieder und vergaß dabei völlig ihm zu antworten. "Schatz?" "Oh, sorry. Ehm, es geht, ich hab nur ein wenig Kopfweh. Was ist passiert?" Ich fasste mir an den Kopf und nahm dann Chris' Hand, dessen Finger ich mit meinen verhakte. Er zog den Stuhl näher zu sich und setzte sich auf ihn. "Janna ist ausgerastet und hat dir eine 300 Euro Vase an den Kopf geknallt. Danach bin ich etwas ausgerastet und hab ihr ausversehen eine Ohrfeige gegeben. Natürlich habe ich mich sofort entschuldigt, du kennst mich ja. Aber sie schien gar keine Reue zu zeigen. Sofort fuhr ich dich ins Krankenhaus, denn es gab in dem Moment nichts wichtigeres als dich für mich." Seine Worte ließen michunkontrolliert grinsen und mein Herz raste wie verrückt. "Ich würde nie zulassen, dass dir etwas passiert. Schon gar nicht durch die Hände meiner bald Ex-Frau." "Was soll das heißen 'bald Ex-Frau'?", fragte ich immer noch lächelnd. "Ich fahre morgen sofort zu einem Anwalt und reiche meine Scheidung ein. Das gut ist, dass das meiste unseres Besitzes meins ist. Außerdem haben wir ja keine Kinder und das Haus habe auch ich bezahlt. Pleite gehen werde ich also nicht." Er küsste meine Stirn und sagte dann mitfühlend: "Du solltest dich noch ausruhen. Wenn etwas ist, ich bleibe auf diesem Stuhl sitzen und werde mich kein Stück bewegen oder dich aus den Augen lassen. Versprochen." Dank dieses Versprechens konnte ich sehr schnell einschlafen und einen ruhigen Schlaf finden.

Samstag, September 03, 2016

Kapitel #57

Immer wieder las ich den Brief durch und erschrak erneut an der Geldsumme. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass mir meine Eltern so viel zurückgelassen hatten. "Chrissi? Ist alles in Ordnung?", fragte mich Christopher. Ich nickte nur stumm, aber behielt den Zettel im Auge. Endlich legte ich ihn einfach vor mir auf den Tisch und versuchte mich wenigstens ein wenig darüber zu freuen, dass sie in einem solchen Fall für mich vorgesorgt hatten. Ein Lächeln huschte über meine Lippen und ich sagte schon fast kalt: "Wow. Sie haben sogar mal an mich und meine Zukunft gedacht." Die Jungs sahen mich ungläubig an, wahrscheinlich aufgrund meines Untertons. "Was redest du da? Sie haben dich geliebt, so wie Eltern ihre Kinder eben lieben." "Ha! Das ich nicht lache. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, haben sie eigentlich nur Geld für mich ausgegeben, damit ich Ruhe gebe. Das ist keine Liebe, Tobias!" Wieder fing ich an zu weinen, aber diesmal aus Wut gegenüber meinen Eltern. Ich hatte mich nach ihrer Liebe gesehnt, aber davon bekam ich wenig zu spüren. Erst durch meine Krankheit haben sie richtiges Interesse bekommen, aber das war's dann auch schon wieder.
Chris und Tobi stand beide auf und knieten sich vor mich hin. Ich sah sie mit verheulten Augen an und wusste nicht, wem ich mich eher um den Hals hätte schmeißen sollen. Ich entschied mich für meinen 'Freund' und legte meinen Kopf auf Christophers Schulter. Er streichelte mir den Kopf und eine zweite, kleinere Hand streichelte mir den Rücken. 'Tobias.' Ich spürte die Wärme zweier Jungs und fühlte mich unendlich wohl. Plötzlich wurden wir von Chris' Handy gestört. Er löste sich aus der Umarmung, sah auf den Display und verschwand in der Küche. "Glaubst du, dass das seine Frau ist? Bestimmt sucht sie ihn schon." Ich nickte und starrte in Richtung zur Küche. Ich wartete, dass er zu uns zurück kam, aber er ließ lange auf sich warten. Irgendwann entschied ich mich dazu aufzustehen und zu ihm zu gehen. Ich spitzte ins Zimmer und erblickte einen auf-und-ab-laufenden Chris, der jedoch nicht mehr telefonierte. "Christopher?" Er erschrak leicht. "Oh, tut mir leid, Kleines. Ich hab dich gar nicht gehört oder gesehen." "Du wirkst leicht angespannt. Was ist los? War das Janna?", fragte ich besorgt und zugleich schuldbewusst. Er nickte nur und sah aus dem Fenster. "Was wollte sie?" Keine Antwort. Wir standen einfach etwa 5 Minuten so da: Ich beobachtete ihn und er beobachtete die Wolken am Himmel sowie den Sonnenuntergang. Irgendwann kam auch mein bester Freund zu uns legte eine Hand auf meine Schulter. Ich sah ihn an und er hatte einen fragenden Blick, den ich genau deuten konnte. Plötzlich antwortete Chris: "Sie sagte, dass meine Mutter bei uns sei und sich fragte, wo ich mich befände. Ich sagte Janna, dass ich kurzfristig eine Lehrerversammlung und ich jetzt im Stau stehen würde." Er drehte sich zu mir, mit einem Lächeln auf den Lippen. "Was ist? Ist das etwa gut?" "Ja, es ist perfekt. Du wirst meine Mutter kennenlernen." Ich bekam den Schock meines Lebens. 'Was? Ich soll seine Mama kennenlernen? Janna ist doch da und eben seine Mutter. Was hat er denn vor?' "Hast du dir den Kopf angeschlagen? Du kannst mich doch nicht deiner Mutter vorstellen! Was wird sie sich denn denken?" "Genau das, was es ist. Glaubst du etwa, dass ich es allzu lange vor Janna geheimhalten werde? Dachtest du, dass ich einfach weiter mit ihr verheiratet bleibe, obwohl ich nicht die Gefühle für sie hege, wie sie es tut?" Christopher sagte das mit solch einer Zuversicht und solch einem Enthusiasmus. "Du spinnst doch!" Das waren die einzigen Worte, die heraus bekam, bevor ich hoch in mein Zimmer rannte.
Ich dachte oben reichlich nach über uns und unsere Beziehung, falls man das so nennen konnte. 'Liebt er mich etwa so sehr, dass er seine Ehe für mich auf's Spiel setzen würde? Das kann ich mir einfach nicht vorstellen! Er sagte zwar, dass es mit Janna nicht mehr gut lief und sich nicht mehr richtig anfühlte, aber das hätte man retten können. Doch er will angeblich lieber mich. Solche Liebesgeschichten, dachte ich, gibt es nur in Büchern. Es kann kein Happy End für uns geben! Er ist verheiratet und auch noch mein Lehrer. Ich werde keinen Privatunterricht nehmen, denn ich muss das wieder beenden! Es wird mir das Herz brechen, doch...' Ich wurde von einem Klopfen an der Tür aus meinen Gedanken gerissen. "Herein!" Chris trat herein und sah mich besorgt an. "Christina, was hast du denn? Freust du dich nicht, dass wir bald ohne Probleme zusammen sein können?" Ich schüttelte nur den Kopf. "Christopher, du verstehst das nicht! Du bist verheiratet und man wirft eine Ehe nicht einfach so über Bord! Janna liebt dich und du..." "Nein, ich liebe sie nicht! Ich liebe sie nicht genug und so eine Ehe zu führen, wäre unfair ihr gegenüber, sowie uns gegenüber, Chrissi! Wir lieben uns und das müssen meine Mutter und Janna verstehen." Er klang nach wie vor zuversichtlich, doch ich wusste nicht, woran es lag. "Als ob deine Mutter einverstanden damit ist, dass du mit einer Minderjährigen zusammen bist. Das ist doch albern!" Ich war schon wütend, weil er so stur war und wirklich dachte, dass alles gut werden würde. "Ich bin 29 Jahre alt! Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, und wenn sie ein Problem damit hat, muss sie damit leben und nicht ich, denn ich habe nichts falsch gemacht! Ich bin nur meinem Herzen gefolgt." Chris stellte sich vor mich, beugte sich vor und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Wieder hatte ich so ein wohliges Gefühl. Er lehnte seine Stirn an meine und flüsterte: "Ich liebe dich! Das ist das Wichtigste. Naja, und natürlich, dass du mich auch liebst. Hebst du dieselben Gefühle für mich?" Ich musste nicht einmal eine Sekunde nachdenken, sondern sprang einfach auf und küsste ihn. Ich wollte ihn und wenn er an unsere Liebe glauben konnte, konnte ich das auch. Ich hatte Hoffnung und die schien meinen Kuss zu kontrollieren. "Ich liebe dich auch", hauchte ich an seinen Lippen. Er lächelte und lehnte erneut seine Stirn an meine. Er nah meine Hand und führte mich aus meinem Zimmer.
Wir kamen unten an und Tobi stand vor uns am Ende der Treppe. "Alles ok?" Chris und ich nickten und lächelten. "Ich gehe jetzt mit meinem Schatz zu seiner Frau und seiner Mutter und dann werden wir unser kleines Geheimnis lüften. Er gibt mir den Halt das auszuhalten, egal wie schwer es wird. Durch ihn habe ich Hoffnung für uns. Und danke! Danke Tobi, dass du für mich da bist und mich so akzeptierst, wie ich bin. Damit ist vor allem meine Liebe für einen Lehrer gemeint." Tobi lächelte ebenfalls und umarmte mich dann. Es war eine innige Umarmung, die man nur von besonderen Menschen bekommt. Sofort schloss sich das Loch in meinem Herzen ein weiteres Stück und meine Trauer war verschwunden. Chris nahm wieder meine Hand und zusammen verließen wir das Haus. Ich sah mich kurz an und musste feststellen, dass ich in Joggers unterwegs war, aber das war mir egal, denn ich war mit der Liebe meines Lebens zusammen und wir hatten eine Mission!

Donnerstag, September 01, 2016

Kapitel #56

Immer, wenn ich die Zeit mit Chris genoss und mit ihm lachte, musste ich an Janna denken. Sie war schließlich seine Frau und liebte ihn. Ich stand stumm von meinem Stuhl auf und ging erneut zum Kühlschrank. "Ist alles in ordnung; Christina?", fragte mich Tobi. Ich nickte nur und suchte nach etwas leichtem zu essen, denn plötzlich ist mir der Appetit ziemlich vergangen. Eine hand legte sich auf meine Schulter und anhand des Rings am Finger, wusste ich auch, wer es war, weshalb ich die Hand von meiner Schulter schubste und die Küche verließ. 'Ich hätte mit Tobi so viel glücklicher sein können, aber ich musste mich in einen verheirateten Lehrer verlieben.'
Zum Glück folgte mir keiner in mein Zimmer, denn ich wollte echt einfach allein sein. Ich kuschelte mich an meinen Tiger und aß stumm meine Nektarine. Ich starrte einfach meine Wand an und dachte an nichts. Mein Kopf war leer, sowie mein Herz. Das Loch vergrößerte sich dank dem Gedanken an Janna. Plötzlich schmerzte meine Brust auch wieder und meine Augen fingen an zu brennen. Mein erster Gedanke war dann: 'Christopher sagte zwar, dass er für mich da sei, aber was wenn seine Frau das mit uns mitbekommt? Was wenn es die Schule mitbekommt?' Ich sorgte mich um seinen Job und um seine Ehe. Es klopfte an meiner Zimmertür und beide Jungs kamen rein. "Chrissi, ich muss mit dir reden", sagte Chris ernst. Tobias nahm sich meinen Schreibtischstuhl und Chris setzte sich auch mein Bett zu mir. Er nahm meine Hand in seine Hände und streichelte sie. Er schaute mich nicht an. "Geht es um Janna? Willst du es wegen ihr wieder beenden? Denn das würde ich ver..." "Halt, Stop! Nein, ich will gar nichts beenden. Zumindestens nicht das mit dir. Ich liebe dich und jetzt wo du mich brauchst, kann ich dich erst recht nicht allein lassen, obwohl du ja nicht vollkommen allein bist." Ich hörte ihm einfach zu, denn ich brachte kein Wort raus. "Du bist mir unendlich wichtig und ich habe noch nie so etwas für jemanden empfunden. Seit dem ersten Tag, an dem du in mich reingelaufen bist, interessiere ich mich für dich. Mit Janna läuft es seitdem auch nicht mehr so gut, dass diese Ehe noch einen Sinn hätte. Verstehst du? Ich will dich! Ich brauche dich und du brauchst mich gerade auch." Meine Augen füllten sich wieder mit Tränen und Chris setzte für einen Moment ein besorgtes Gesicht auf. "Hab ich was falsches gesagt?" Ich schüttelte einfach nur den Kopf, lächelte dabei und küsste ihn einfach. "Ich hab noch nie etws so wunderschönes gehört. Ich liebe dich auch, aber du kannst Janna nicht einfach verlassen! Und was ist bitte mit der Schule? Wenn die das mitkriegen, bist du deinen Job los! Ich lasse nicht zu, dass du das für mich auf's Spiel setzt." Er legte mir den Finger auf die Lippen und schüttelte ebenfalls einfach den Kopf. "Du machst dir Sorgen um meinen Job, aber was ist mit deinem Lehrplatz?  Der ist ebenso wichtig und deshalb möchte ich, dass wir es noch geheim halten, bis du deinen Abschluss hast. So ist es für uns beide am Besten." "Und was ist mit meinen Freundinnen?", fragte ich, denn eigentlich vertraute ich ihnen alles an. "Kannst du ihnen denn vertrauen?" Ich nickte hektisch und blickte dann zu Tobi. "Vor allem traue ich ihm." Tobi schenkte mich ein bestätigendes Lächeln und irgendwie schloss sich allmählich das Loch in meinem Herzen. Ich umarmte beide kurz und bat sie anschließend mich alleine zu lassen, denn ich war müde. Sie ließen mich in Ruhe und ich legte mich hin.
Ich wachte auf und blickte auf mein Handy, das in Nachrichten versank. Ich hatte von all meinen Freundinnen Nachrichten und jede handelte von meinem Fehlen in der Schule. Ich antwortete jedem kurz und stand dann auf, um mich frisch zu machen. Ein kurzer Blick auf meine Wanduhr verriet mir, dass es inzwischen 18 Uhr war. Nach meiner Dusche zog ich mir frische Sachen an und ging dann die Treppe runter. Christopher war tatsächlich noch da und unterhielt sich mit Tobi. Beide entdeckten mich und lächelten mich an. Auch ich lächelte und setzte mich ihnen gegenüber im Wohnzimmer. "Wir haben über etwas geredet, das dich betrifft." Ich sah die Jungs eindringlich an und hoffte auf ausnahmsweise gute Nachrichten. "Was gibt es denn?", fragte ich mit normaler Stimme. "Chris hatte die Idee, dass du nicht mehr zur Schule gehen solltest, sondern Privatunterricht bekommst. Was würdest du davon halten? Das wäre das Einfachste und..." "Nein! Erstens ist das viel zu teuer und zweitens ist die Schule eigentlich der einzige Ort, an dem ich meine Mädels regelmäßig sehen kann." Plötzlich schmiss Tobi einen Zettel vor mir auf den Tisch auf dem stand dick und fett: "1.000.000€." "Was hat das zu bedeuten?, fragte ich ihn und nahm den Zettel in die Hand. "Lies den kompletten Brief." Ich als ihn mir durch und ich dachte, ich hätte umfallen können. "Das ist die Lebensversicherung meiner Eltern?"