Donnerstag, September 08, 2016

Kapitel #58

Es wurde langsam dunkel, es war schließlich schon 20 Uhr. Hand in Hand liefen wir zu ihm nach Hause und leider musste ich feststellen, dass sich mein Mut mit jedem Meter weiter auflöste. Chris musste die Anspannung in mir bemerkt haben, denn er blieb stehen und stellte sich vor mich. Ich traute mich mal wieder nicht ihm in die Augen zu sehen. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste meine Stirn. "Falls du doch zweifeln solltest, können wir auch wieder umdrehen und doch noch etwas damit warten." Ich war mir so unsicher, weshalb mir die Tränen kamen. "Schsch. Alles gut. Komm, wir gehen zurück." Er umarmte mich und drehte mich um, dass wir uns auf dem Weg zu mir machten, doch meine Beine wollten das nicht. Ich schüttelte nur den Kopf und bewegte mich kein Stück vorwärts. "Christina?" Nun sah ich ihn an und flüsterte: "Wir bringen das jetzt hinter uns. Diese Liebe wird sowieso keiner von ihnen akzeptieren, aber sagen müssen wir es ihnen trotzdem. Der größte Schock wird natürlich sein, dass ich minderjährig bin, sowie deine geplante Trennung von Janna." Chris stand mit offenem Mund da, schockiert über meinen Mut, doch ich hatte keine Ahnung, woher das kam. Womöglch durch ihn - den Mann meiner Träume. Ich sah ihm in seine ozeanblauen Augen und entdeckte Stolz, jedoch kein Anzeichen von Angst. Ich lächelte ihn an und zog ihn an der Hand weiter in die Richtung seines Hauses.
Nach 5 Minuten waren auch schon da. Wir sahen uns an und atmeten beide noch einmal kräftig durch und suchten Halt bei uns gegenseitig. Er öffnete die Haustür und das erste das man hörte, war ein Schluchzen. "Janna", war das erste, das aus Chris' Mund kam. Er zog mich an der Hand und drückte sie nur noch fester. 'Er hat Angst. Wenn das wirklich Janna ist, die weint, dann muss er sie doch trösten und nicht ihr das Leben noch schwerer machen.' Wir rannten ins Schlafzimmer, wo er mich zuvor noch überrascht hatte und entdeckten eine kniend, weinende Janna. Jetzt ließ er meine Hand los und näherte sich seiner Frau vorsichtig. Sie erschrak und drehte sich blitzschnell zu uns um. Sie machte Schritte zurück, bevor sie merkte, dass ihr Mann zurück ist, und stürzte sich dann heulend auf ihn. Dieser Anblick schmerzte, aber ich musste jetzt damit leben. Ich zweifelte für einen Moment an allem und wollte nur noch weg von dort, da drehte sich Chris um und winkte mich zu sich. Langsame und vorsichtige Schritte machte ich auf ihn zu und Janna sah mich einfach nur an. "Christina? Hallo. Ist alles in Ordnung?" "Hallo, Frau Hint. Ja." Sie hob eine Augenbraue und sah dann fragend zu Christopher. "Was hat das zu bedeuten? Was macht sie so spät bei uns?" "Erst einmal möchte ich wissen, warum du geweint hast", fragte Chris sie anstatt zu antworten. "Das Schlafzimmer sieht so schön aus, aber du warst nicht da und da hatte ich Zweifel, dass das überhaupt für mich sei. Nun, war eine andere Frau hier?" Man sah die Tränen wieder und ihre Augen fingen an zu glühen. Chris nahm meine Hand und drückte sie fest in seiner. "Janna, es tut mir leid, aber ich muss dir etwas sagen." "Du hast mich betrogen, hab ich recht? Ich wusste es, meine weiblichen Instinkte täuschen mich nie." 'Ihre weiblichen Instinkte? Soll das etwa heißen, dass sie das schon die ganze Zeit geahnt hat?' Nun kamen auch mir die Tränen. "Chris? Ich glaube, ich..." "Schsch, warte. Janna, das Schlafzimmer habe ich für Christina so schön hergerichtet." Frau Hints Augen weiteten sich und wurden glasiger als zuvor. Sie trat von ihrem Mann zurück und sah ihn entsetzt an. "Du hast mich mit ihr betrogen? Mit einer Schülerin? Einer Minderjährigen?" Sie schrie ihn und und schubste ihn gegen die Brust, wodurch er meine Hand loslassen musste und immer weiter nach hinten geschubst wurde. Ich wollte eingreifen, doch ich bekam es mit der Angst zu tun. Plötzlich aber spürte ich eine gewaltige Kraft in mir, als Chris mit dem Rücken zur Wand stand. Ich rannte auf Janna zu und schubste sie so stark, dass sie umfiel und sich den Kopf an einem Regal stieß. Chris kam auf mich zugerannt und hielt mich an den Armen fest. "Christina, beruhige dich. Und du Janna, du musst damit klar kommen, dass ich mich in sie verliebt habe." Sofort rastete sie vollkommen aus und schnappte sich eine Vase, die sie um sich schwang. Ich hatte Angst, doch die weitaus stärkere Emotion in dem Moment war meine Liebe zu Christopher. Wir rannten aufeinander zu und ich war zu 100% sicher, dass sie mir nicht anhaben konnte, doch da irrte ich mich, denn plötzlich spürte ich etwas hartes an meinem Kopf splittern und fiel zu Boden. Auf einmal wurde alles schwarz.
Irgendwann öffnete ich meine Augen, aber befand mich nicht mehr in Christophers Haus, sondern in einem fremden, weißen Zimmer. Neben meinem Bett stand eine piepsende Maschine und ein leerer Stuhl, an dem ein graue Sacko hing. Plötzlich ging links von mir die Tür auf und Chris kam herein. "Chrissi? Oh bin ich froh, dass du endlich wach bist. Wie geht es dir?" Er legte seine rechte Hand an meine Wange und lächelte mich an. In seinen Augen verlor ich mich mal wieder und vergaß dabei völlig ihm zu antworten. "Schatz?" "Oh, sorry. Ehm, es geht, ich hab nur ein wenig Kopfweh. Was ist passiert?" Ich fasste mir an den Kopf und nahm dann Chris' Hand, dessen Finger ich mit meinen verhakte. Er zog den Stuhl näher zu sich und setzte sich auf ihn. "Janna ist ausgerastet und hat dir eine 300 Euro Vase an den Kopf geknallt. Danach bin ich etwas ausgerastet und hab ihr ausversehen eine Ohrfeige gegeben. Natürlich habe ich mich sofort entschuldigt, du kennst mich ja. Aber sie schien gar keine Reue zu zeigen. Sofort fuhr ich dich ins Krankenhaus, denn es gab in dem Moment nichts wichtigeres als dich für mich." Seine Worte ließen michunkontrolliert grinsen und mein Herz raste wie verrückt. "Ich würde nie zulassen, dass dir etwas passiert. Schon gar nicht durch die Hände meiner bald Ex-Frau." "Was soll das heißen 'bald Ex-Frau'?", fragte ich immer noch lächelnd. "Ich fahre morgen sofort zu einem Anwalt und reiche meine Scheidung ein. Das gut ist, dass das meiste unseres Besitzes meins ist. Außerdem haben wir ja keine Kinder und das Haus habe auch ich bezahlt. Pleite gehen werde ich also nicht." Er küsste meine Stirn und sagte dann mitfühlend: "Du solltest dich noch ausruhen. Wenn etwas ist, ich bleibe auf diesem Stuhl sitzen und werde mich kein Stück bewegen oder dich aus den Augen lassen. Versprochen." Dank dieses Versprechens konnte ich sehr schnell einschlafen und einen ruhigen Schlaf finden.

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