Montag, Oktober 26, 2015

Kapitel #45

"Hab ich was falsch gemacht?" "Nicht du direkt. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn wir so nah beieinander sind. Das erinnert mich zu sehr an unsere Beziehung, die ja eigentlich gut lief. Ich will auch, dass unsere Freundschaft funktioniert, aber ich brauche trotzdem Zeit, verstehst du, was ich meine, Tobias?" Er nickte und sah mich etwas enttäuscht an. Ich sah ihn bittend an, damit er verstand, wie wichtig mir das war. Eine Freundschaft nach einer Beziehung war noch nie einfach, aber mit Mühe konnten wir es schaffen. "Vielleicht sollte ich dann langsam mal gehen", sagte er, immer noch ein wenig enttäuscht. "Nein nein. Du kannst doch bleiben, aber ich muss Hausaufgaben machen." Genau nachdem ich den Satz sagte, hörte ich unten Schlüssel klingeln. 'Meine Eltern sind da. Ich bin gespannt, was sie zu meinem Besuch sagen.' Ich schaute Tobi zu, wie er aus meinem Bett kletterte, um meine Eltern zu begrüßen. Er hatte wirklich Manieren, aber anders kannte ich ihn auch nicht. 'Wieder denkst du über eure Beziehung nach! Hör auf, Christina!' Ich ging ihm hinterher und bekam auf der Treppe eine SMS. Ich hatte keine Lust nachzuschauen, also ignorierte ich die Vibration in meiner hinteren Hosentasche und begrüßte meine Mama mit einer Umarmung und bekam von meinem Dad einen Kuss auf die Stirn. "Hallo, Tobias. Dürfte ich fragen, was du hier machst?", fragte mein Papa skeptisch. Er zog dabei eine Augenbraue hoch und man sah ihm an, dass er Tobias am Liebsten durch das Haus gejagt hätte. Tobias sah zu Boden, weil ihm das Ganze natürlich sehr unangenehm war. "Mama, Papa, schaut mal, was ich mit meinen Haaren gemacht habe", warf ich in den Raum und versuchte das Thema zu wechseln. Alle drei, als inklusive Tobi, sahen mich an und lächelten dann. "Wow, Schatz! Deine Haare sehen toll aus. Ist zwar sehr ungewohnt, vor allem weil ich deine blonden Haare wirklich sehr liebe, aber dieses braun steht dir auch echt gut." Mein Vater stimmte meine Mama durch ein Nicken zu. Tobi hingegen wurde rot und stotterte dann: "Oh nein, tut mir leid... Ich... Ich war zu s-sehr mit meinen Problemen... ähm... beschäftigt. Steht dir echt super, Chrissi." Ich lächelte, denn ich wusste wirklich nicht, wie vor allem meine Eltern auf diese Veränderung reagierten, aber sie nahmen es gelassen und es gefiel ihnen auch noch.
"So Tobias. Jetzt beantworte doch bitte meine Frage." Meine hörte meinem Vater die Ungeduld an. "Papa, lass ihn doch! Es geht ihm nicht gut und..." "Achso", unterbrach er mich, "aber ankriechen kann er kommen, wenn es ihm so 'scheiße' geht, oder wie?" Mein Dad wurde immer lauter, aber dann griff meine Mutter ein. "Liebling, beruhige dich. Was ist denn passiert, Tobias?" "Nun ja... Es gab einen Vorfall in der Familie, der mich etwas mitgenommen hat." Er sah mich verloren an, also half ich ein wenig: "Ich hab ihm vorgeschlagen, dass er für eine Weile hier bleiben kann, denn er will erst einmal in nach Hause, was ich auch verstehen kann, bei dem, was passiert ist." Meine Eltern sahen mich fragend und ein wenig sauer an. "Ohne mit uns darüber zu reden? Christina, sowas musst du mit uns ab..." "Meine Adoptivschwester wurde ermordet!", hörte ich plötzlich von rechts schreien. Alles war ruhig und alle Augen waren auf meinen Ex-Freund gerichtet. Er schaute nur zu Boden, aber an seinen zuckenden Schultern konnte man erkennen, dass er wieder weinte. Sofort nahm ich ihn in den Arm und er drückte mich ganz fest an sich. Ich spürte die Blicke meiner Eltern auf uns. Sie starrten uns an, aber das war mir egal. Er brauchte mich! "Tobias, beruhige dich. Komm, wir gehen in die Küche und ich gebe dir was zum Trinken." Er stellte sich normal, aber nicht aufrecht hin und nickte nur stumm. Ich zog ihn in die Küche und gab ihm ein Glas Sprudelwasser. Ich hörte Schritte hinter uns, weshalb ich mich umdrehte und meine Mum in der Tür erblickte. "Tobias, es tut mir leid. Aber was ist denn passiert? Und wie 'ermordet'?" "Julia wurde erschossen nach einer Entführung. Ich wusste davon nichts, erst als meine Eltern ohne sie zurückkamen, haben sie es mir erzählt und obwohl sie nur meine Adoptivschwester war, traf mich ihr Tod." Es herrschte Stille in der Küche.
Nach einigen Minuten gesellte sich auch mein Vater zu uns und auch er entschuldigte sich. Natürlich tat er das jetzt nur aus Mitleid, aber wenigstens ein wenig weich war er. Er verstand Tobi, weil auch er seine Stiefschwester verlor, als er in meinem Alter war. Sie allerdings brachte sich selbst um. So ewas könnte ich mir niemals vorstellen. 'Wie können sich Menschen umbringen? Wie sehr müssen sie leiden, dass sie keinen anderen Ausweg außer den Selbstmord sehen?' Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal meine Phasen hatte, wo alles schief ging, aber nie hatte ich an Suizid gedacht. Auch die Trennung von Tobias hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen, aber das Leben geht weiter. Für andere anscheinend nicht, aber das wollte ich nicht begreifen, obwohl ich schon 17 Jahre alt war und einiges mitbekommen hatte.
Tobias trank sein Glas aus und ohne ein Wort zu sagen, verließ er die Küche und schleppte sich die Treppe hoch. Ich hörte nur noch oben die Tür zu knallen und das war der Moment in dem ich sagte: "Toll, Papa! Tobi geht es echt scheiße und du hast nichts besseres zu tun, als ihn fertig zu machen?" "Ich hab mich doch..." "Nein, das war keine Entschuldigung! Das war nur Mitleid. Eine richtige Entschuldigung klingt nicht so, als würdest du es hassen, dass du das sagen musstest. Ich bin enttäuscht von dir, Dad!" Und schon verschwand auch ich die Treppen hoch in meinem Zimmer und gesellte mich zu Tobias, um ihn ein wenig aufzumuntern. Nur wie?

Samstag, Oktober 24, 2015

Kapitel #44

"Ich muss kurz nach unten, telefonieren. Wenn du willst, kannst du versuchen ein wenig zu schlafen bis ich wieder komme." Ich drehte mich zu ihm und sah wie er nickte und die Augen schloss. 'Irgendetwas empfinde ich ja natürlich noch für ihn. Es ist schließlich nicht mal 3 Tage her, seit wir uns getrennt haben.' Ich machte meine Zimmertür leise hinter mir zu und schlich leichtfüßig die Treppen herunter. Genau als ich unten ankam, klingelte das Telefon und flitzte ins Wohnzimmer zum Couchtisch. Es war eine unbekannte Nummer. 'Das ist er bestimmt. Oh Gott, ich zitter total.' "Ja, hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." Ich lächelte, als ich seine Stimme am anderen Ende hören konnte. Ich setzte mich auf die Couch und grinste weiterhin. "Ich weiß. Ging ja wirklich schnell bei dir. Du bist aber noch nicht Zuhause oder?" Er lachte: "Nein, nein. Ich bin gerade erst aus dem Friseurladen raus, aber wollte gleich anrufen, weil ich mir ja Sorgen um dich mache. Aber anscheinend geht es dir besser, so fröhlich wie du klingst. Ist etwas passiert?" Ich lächelte nur noch mehr, weil er sich wirklich Sorgen um mich machte, aber ich konnte ihm ja wohl schlecht sagen, dass ich seinetwegen so glücklich wieder war. Ich überlegte aber, ob ich es doch sagen wollte, bis er fragte: "Hallo? Noch dran?" "Ja klar. Mir geht es wirklich wieder gut, dank dir." Und da hatte ich es gesagt. Ich spürte die Röte in meinem Gesicht und lächelte noch mehr aus Scham. Er lachte wieder und sagte: "Dann bin ich ja froh, wenn ich dich etwas aufheitern konnte. Wie auch immer ich das hingekriegt habe." Wir lachten beide am Telefon.
Wir redeten noch eine Weile und ich hörte hin und wieder den Zug bei ihm im Hintergrund, weil er sich auf dem Heimweg befand. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und bemerkte, dass inzwischen 15 Minuten vergangen waren. Ich unterbrach Christopher mitten im Satz und sagte: "Du, sorry, aber ich muss auflegen. Wenn du willst, können wir morgen wieder telefonieren und dann etwas länger, aber jetzt gerade geht es wirklich nicht. Tschüss." Ohne auf eine Antwort oder ein 'Tschüss' von ihm zu warten, legte ich einfach auf und legte das Telefon auf die Couch neben mich, während mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen. Das war das Herzrasen wieder. Wegen ihm. Ich sah zur Treppe und dann fiel mir Tobias ein, weshalb ich zur Treppe rannte und sie hoch stolperte. Ich betrat mein Zimmer und sah Tobias auf meinem Bett liegen. Ob er schlief oder nicht, konnte ich da noch nicht sagen. Erst als er sich umdrehte und die Augen öffnete, wusste ich es. "Du bist wach? Konntest du nicht schlafen?", fragte ich ihn besorgt. Er schüttelte den Kopf und gab mit seinem Kopf ein Zeichen an mich, dass ich mich zu ihm setzen sollte. Also setzte ich mich in Bewegung und kniete mich neben das Bett und schaute ihn dabei an. Er lächelte und sah nicht mehr ganz so verheult aus. "Weißt du, dass mich deine Gegenwart sehr beruhigt? Allein, wenn du hier neben mir sitzt und nichts sagst." Mir war nicht nach Lächeln zumute. "Tobi, lass das. Du verwirrst mich total." Zwei schockierte Augen sahen mich an und schon verschwand sein Lächeln. "Was ist los mit dir?" "Ich kann nicht nur mit dir befreundet sein, und das weißt du! Oder glaubst du, dass ich innerhalb von 2 Tagen über die Trennung hinweg bin? Du sagst, dass ich dir etwas bedeute, aber machst Schluss. Du sagst, dass du dich bei mir wohl fühlst, aber zeigtest trotzdem mir gegenüber die kalte Schulter. Wieso? Wieso tust du mir das an?", fragte ich, während ich die Tränen spürte. "Christina, du hast mir weh getan. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mir so weh tun kann, obwohl ich diese Person liebe. Aber wenigstens Freunde können wir doch sein. Wer weiß, vielleicht wollte das Schicksal eigentlich ursprünglich, dass wir nur Freunde sind und deshalb kreuzten sich unsere Wege, als du mir damals deine Tasche ins Gesicht geschlagen hast." Wir beide lachten und ich entgegnete: "Hey! Das war keine Absicht und ich kann nichts dafür, wenn du so einen riesen Schädel hast." Wieder lachten wir und dabei kamen wir uns erstaunlich nah. Ich schreckte sofort wieder zurück und stellte mich dann neben das Bett. Ich räusperte mich und fragte: "Willst du etwas trinken? Kaffee, Tee, Wasser?" Er schüttelte nur den Kopf und setzte sich aufrecht auf meinem Bett hin.

Donnerstag, Oktober 08, 2015

Kapitel #43

Nach etwa 2 Stunden shoppen und durch die Läden wandern, waren wir beide müde und uns taten die Arme weh. Ich hatte mir einige neue Oberteile gekauft, zwei Paar Hosen, einen Schal, ein paar High Heels und eine Sonnenbrille, obwohl die Zeit der Sonnenbrille eigentlich schon vorbei war. Aber ich fand, dass man nie genug Sonnenbrillen haben kann, genauso wie Taschen, Schuhe und Schmuck. Ich liefen zum Hauptbahnhof und fuhren dann mit der S-Bahn nach Hause. Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Lust, dass Franziska mich begleitete, deshalb sagte ich: "Du, Franzi, hör mal. Ich bin ziemlich fertig. Würde es dir was ausmachen, wenn du nicht noch mit zu mir kommst? Ich will einfach nur meine Sachen Zuhause ablegen, duschen und mich dann ein wenig ausruhen." Franzi lächelte und antwortete: "Kein Problem. Auch ich will um ehrlich zu sein schnell Heim. Aber wenn du etwas brauchst, oder es dir wegen 'du weist schon' nicht gut geht, kannst du mir gern schreiben oder mich einfach anrufen. Ich bin für dich, schließlich bist du meine beste Freundin!" Wir lächelten uns gegenseitig an und umarmten uns dann.
Irgendwann kamen wir dann an unserem Bahnhof an und wir stiegen gemeinsam aus. Wir stolzierten schweigend die Treppen hinunter, bis zu der Kreuzung, wo sich unsere Wege wie immer trennten. Ich lief nach Hause und schaute nach fast 5 Stunden mal endlich wieder auf mein Handy. Ich hatte 3 verpasste Anrufe von meiner Mum und einen von Chris. Ich wunderte mich über seinen Anruf, aber ich wollte ihn nicht zurückrufen. Brauchte ich auch nicht, denn mir kam ein blonder Mann entgegen, der mich fröhlich angrinste. "Christopher, hey!" "Wow! Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Das sieht echt toll aus." Ich spürte, wie die Röte in mir aufstieg und schaute verlegen zu Boden. "Danke, wohin gehst du?" "Auch zum Friseur", sagte er lachend. Da fiel es mir wieder ein: "Bei dem Friseur in der Stadt in der Nähe vom Hauptbahnhof?" "Ehm, ja? Ok, das ist jetzt gruselig! Woher weißt du das?" Ich zuckte nur mit den Schultern und spürte, wie mir nur noch heißer wurde. "Alles in Ordnung? Du wirkst gerade so, als hättest du einen Geist gesehen." Er winkte mit seiner Hand vor meinem Gesicht, aber ich reagiert nicht, weil ich einen seltsamen Gedanken hatte. 'Das kann doch kein Zufall sein! Ich stoße mit ihm in der Kirche zusammen. Ich laufe beinahe gegen jede Tür, die er öffnet. Er wohnt ziemlich nah bei mir und das wusste ich nie. Und jetzt gehen wir auch noch zum gleichen Friseur und er ruft zufällig an, während ich noch bei Laura auf dem Stuhl saß. Was wenn das alles Schicksal ist? Eigentlich glaube ich nicht daran, aber das ist die einzige Erklärung für alle diese Geschehnisse.' "Chrissi?" Ich blickte ihn an und sah in seine schönen blauen Augen, die mich leicht besorgt ansahen. "Tut mir leid, was hast du gesagt?" "Ich mache mir Sorgen! Wirkliche Sorgen! Aber ich muss zur S-Bahn, sonst verpasse ich meinen Termin. Ich rufe dich an, sobald ich fertig bin und dann reden wir. Dauert bei mir ja nicht so lang. Ich muss nur bisschen kürzer schneiden und meinen Bart etwas stutzen lassen, so wie immer." Er lächelte umarmte mich und flitzte zum Bahnhof. Da stand ich nun, alleine mit meinen Gedanken, die in meinem Kopf herum flogen. 'Will das Schicksal mir etwas damit sagen? Hat es darum nicht mit Tobias geklappt? Wollte das Schicksal, dass wir uns trennen? Ich dachte, dass genau das Schicksal Tobi und mich zusammengeführt hatte und jetzt will es das nicht mehr?' Ich schüttelte den Kopf und versuchte somit diesen Gedanken aus meinem Kopf zu schütteln. 
Ich lief weiter in die Richtung meines Hauses und kam nach 5 Minuten endlich an. Ich öffnete die Haustür, ließ die Einkaufstüten auf den Boden fallen und rief: "Hallo! Ich bin Zuhause und habe eine Überraschung." Keine Antwort. 'Hm, vielleicht ist ja Jemand im Wohnzimmer oder in der Küche.' Auf der Couch saß niemand, also lief ich in die Küche und da erwartete mich etwas nicht sehr Gutes. "Was machst du hier, Tobias?" Er stand am Fensterbrett und starrte mich einfach nur an. Seine Augen sahen verheult aus, weswegen ich auf ihn zu ging, aber trotzdem Sicherheitsabstand hielt. "Ich brauche jemanden zum Reden und ja, ich weiß, dass ich scheiße zu dir war und dass das jetzt blöd kommt, aber ich brauche dich!" Ich hob eine Augenbraue hoch und sah ihn etwas verdutzt an. "Ok? Was ist los?", fragte ich unsicher. "Julia.. wurde umgebracht." Sofort fiel mir die Kinnlade runter. Ich kannte Julia nicht sonderlich gut, aber trotzdem traf es mich, denn ich kannte sie ja. "Was? Aber wieso und wer war es?" Tobias schüttelte den Kopf und drehte sich zum Fenster um. "Wir haben sie nur gefunden, alleine und schon tot. Sie wurde davor entführt und weil wir die Polizei verständigt haben, hat der Entführer sie erschossen. Wir wissen nicht einmal, ob es ein Mann oder eine Frau war. Verstehst du jetzt, warum ich gerade dich zum Reden beziehungsweise zum Zuhören brauche?" Ich schüttelte den Kopf, denn ich konnte mir keinen Reim darauf machen. "Weil ich schon wieder ein Mädchen verloren habe, dass mir etwas bedeutet hat! Nach dir, dann Julia... Ich kann nicht mehr." Das war der Moment, in dem Tobias zusammenbrach und zu Boden sackte. "Tobias... Bitte beruhige dich, dadurch kommt sie auch nicht wieder. Aber jetzt muss ich dir einfach die Frage stellen: Warum hast du dann mit mir Schluss gemacht?" "Genau deswegen ja! Weil du mir etwas bedeutest und du mir weh getan hast. Das konnte ich nicht länger zulassen." Ich verdrehte innerlich die Augen, denn ich konnte seinen Worten nicht glauben. Aber zu der Zeit musste ich für ihn da sein, egal wie schwer es mir fiel in seiner Nähe zu sein. "Du kannst hier bleiben, wenn du magst. Meine Eltern haben bestimmt nichts dagegen." "Wissen sie von uns? Beziehungsweise von dir und mir?" 'Dir und mir? Also gab es kein uns mehr?' Es klang schrecklich in meinen Ohren. Ich nickte und versuchte trotzdem zu lächeln, obwohl es mir das Herz brach, ihn so zu sehen. Wir gingen hoch in mein Zimmer und er legte sich auf mein Bett. "Es fühlt sich so vertraut an", flüsterte er, während er langsam einschlief.
Plötzlich fiel mir Chris wieder ein und dass er mich ja anrufen wollte, sobald er fertig war. Das hätte in jedem Augenblick passieren können, aber wie hätte ich es vor meinem Ex-Freund geheim halten können. Dann fielen mir auch wieder diese ganzen Fragen zum Schicksal ein. 'Ich kann ihn einfach nicht vergessen, aber warum hat das Schicksal Tobias wieder zu mir geführt? Um mich zu quälen oder einfach, damit wir es mit Freundschaft versuchen? Vielleicht hat es uns damals auch nur aus diesem Grund zusammengeführt.' Aber die wichtigste Frage stellte ich mir anschließend: 'Bin ich in einen von ihnen wirklich verliebt? Und wenn ja, in wen?'

Dienstag, Oktober 06, 2015

Kapitel #42

Franziska kam mit drei Sandwiches zurück, die sie zwischen uns aufteilte. Laura war grad mit der Farbe fertig, also konnten wir in Ruhe essen, bis die Farbe eingezogen war. Nach etwa 15 Minuten wanderten wir zum Waschbecken und wuschen meine Haare aus. Ich konnte nichts sehen, weil ich ja hinten keine Augen hatte, aber ich wollte mich wirklich überraschen lassen. Ich sah aber an Franzis Gesicht, dass es gut aussehen musste, wodurch ich mich nur noch mehr freute.
Wir gingen zurück zum Spiegel und da fing sie an zu schnippeln. Sie nahm sich noch die Zeitschrift mit der Frisur als Vorlage, damit alles so war, wie ich es wollte. Wir hatten keinen richtigen Gesprächsstoff mehr, deshalb war es ziemlich still für eine kurze Zeit, bis das Telefon klingelte. Da Laura alleine war, musste sie mich kurz mit Franzi allein lassen. "Wie sieht es bisher aus?" "Ich sag nichts, sonst ist es keine Überraschung mehr." Sie sagte das mit einem Grinsen, aus dem ich wieder entnahm, dass es gut aussehen musste. Wir sahen beide zu Laura, wie sie telefonierte und was aufschrieb. Wahrscheinlich war es nur ein Kunde. Dann war sie endlich fertig und kam wieder zum Arbeitsplatz.
Laura schnitt weiter an meiner Frisur und es fühlte sich auf Grund meiner Aufregung wie Stunden an. Ich konnte es nicht abwarten das Endergebnis zu sehen, weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte. "Ach ja, nochmal zum Konzert. Wenn ich uns fahren würde, dann würden es deine Eltern doch sicher erlauben, oder? Schließlich bin ich alt genug, um auf dich aufpassen zu können." Der Gedanke an Sunrise Avenue und auf ein Konzert von ihnen zu gehen, brachte mich erneut zu grinsen. Aber dann dachte ich an meine strengen Eltern, obwohl meine Mum zu der Zeit schon lockerer geworden ist. 'Vielleicht könnte sie ja mit Papa reden, schließlich wollen sie auch nur, dass ich glücklich bin und das wäre ich unheimlich sehr.' Laura riss mich aus meinen Gedanken: "Ok, wir sind fertig. Ich nehme auf Drei den Laken vom Spiegel und dann kannst du mein Meisterwerk betrachten." Das klang so süß. Sie stellte sich neben den Spiegel und zählte runter: "3...2...1..." Sie riss das Tuch weg und endlich sah ich mich selber. In den ersten Sekunden konnte ich einfach gar nichts sagen. Ich stand einfach nur mit großen Augen vor meinem Spiegelbild und versuchte diese Veränderung zu realisieren. "Und? Gefällt's dir?" Endlich kam ich zu mir und grinste die Mädels an.
Meine Haare waren etwas über den Schultern, Laura hatte ein paar Stufen geschnitten und die Farbe... Das war das, was mich am meisten flashte: Ich war nun braunhaarig. Laura entschied sich anscheinend gegen den Rotstich, aber es sah trotzdem total schön aus. "Chrissi! Du siehst so toll aus! Das ist zwar komplett etwas anderes als ich gewöhnt bin, aber es steht dir mega gut." "Danke, Franzi. Und auch danke, Laura. Ich liebe es!" Ich umarmte die Friseuse und stellte mich wieder vor den Spiegel. Ich drehte mich mal zur einen Seite und mal zur anderen, um alles richtig betrachten zu können. "Auch die kurzen Haare stehen total gut. Jetzt siehst du halt nicht mehr wie so eine Barbie aus, nachdem du keine langen, blonden Haare mehr hast." Wir lachten alle drei, aber ich konnte meine Augen einfach nicht von meinem Spiegelbild lassen. Ich war schockiert, aber gleichzeitig überglücklich und wusste, dass ich das nicht bereuen würde. "Ok, jetzt zum Geschäftlichen. Wie viel bin ich dir schuldig?" "55€. Ich gebe dir einen kleinen Freundesrabatt und außerdem hat sich noch nie ein Kunde so sehr über eine Frisur von gefreut." Sie lächelte mich an und lief dann zur hinter die Theke zur Kasse. Ich kramte meinen Geldbeutel raus und nahm 60€ heraus. "Der Rest ist für dich, weil du das echt wundervoll gemacht hast. Ich bin echt begeistert." Sie lächelte und nahm dankend das Geld entgegen. Ich sah ihr einen Terminplaner liegen. Ich sah nur etwa zwei Sekunden rein und entdeckte einen Namen, der mein Herz schneller schlagen ließ. Aus 2 Sekunden wurden dann doch irgendwie 2 Minuten, bis Franzi mich anstupste. "Chrissi?" "Hm? Was ist?", fragte ich gedankenverloren. "Das sollte ich dich fragen! Auf was starrst du so angestrengt?" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte: "Schon ok. Komm, wir gehen jetzt echt shoppen." "Ok. Tschüss Laura." "Ciao! Warte Chrissi! Gib mir mal deine Handynummer, dann können wir nochmal wegen dem Konzert schreiben." Sie gab mir einen Zettel und einen Stift und ich hinterließ ihr meine Nummer. Sie steckte den Zettel in ihren Terminplaner und winkte uns dann noch zu, während wir aus dem Laden herausliefen. "Was hast du denn jetzt gelesen oder gesehen, dass du plötzlich so schockiert und abwesend warst?" "Ich hab in ihrem Terminplaner den Namen 'Christopher Hint gelesen. Und naja, wir beide kennen ihn halt." "Na und? Ist doch egal, wenn er da zum Friseur geht." "Nein ist es nicht! Vor allem nicht, wenn ich bei seinem Namen oder seiner Stimme Herzrasen kriege." Ich sagte das so energisch, dass Franziska zurückwich. "Was.. Was willst du damit sagen? Hast du dich etwa in ihn verguckt?" Ich sah sie nicht erschrocken an, sondern eher unsicher. Ich ließ mir diesen Gedanken durch den Kopf gehen. 'Bin ich etwa wirklich in einen Lehrer verknallt?' Ich konnte diese Frage nicht selbst beantworten, aber wer sollte das sonst für mich tun? "Oh mein Gott, also tatsächlich. Christina, das geht doch nicht! Er ist ein Lehrer! Er ist MEIN Lehrer!" "Ich weiß, aber keine Ahnung. Vielleicht irre ich mich auch. Vor allem jetzt nach Tobias habe ich keine Ahnung, was los ist." "Wusste Tobias davon und hat deswegen Schluss gemacht?", fragte Franzi mich neugierig. "Nein, wusste er nicht. Er weiß nur, dass wir uns einmal getroffen haben, bzw. ich bei ihm war." "Wie bitte?! Du warst mal bei ihm? Chrissi, was ist los mit dir?!" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte genervt: "Ich will jetzt nicht länger darüber reden, also lassen wir es." Franzi nickte und so liefen wir einfach nebeneinander her durch die Stadt und betraten irgendwelche Läden.