Dienstag, Oktober 06, 2015

Kapitel #42

Franziska kam mit drei Sandwiches zurück, die sie zwischen uns aufteilte. Laura war grad mit der Farbe fertig, also konnten wir in Ruhe essen, bis die Farbe eingezogen war. Nach etwa 15 Minuten wanderten wir zum Waschbecken und wuschen meine Haare aus. Ich konnte nichts sehen, weil ich ja hinten keine Augen hatte, aber ich wollte mich wirklich überraschen lassen. Ich sah aber an Franzis Gesicht, dass es gut aussehen musste, wodurch ich mich nur noch mehr freute.
Wir gingen zurück zum Spiegel und da fing sie an zu schnippeln. Sie nahm sich noch die Zeitschrift mit der Frisur als Vorlage, damit alles so war, wie ich es wollte. Wir hatten keinen richtigen Gesprächsstoff mehr, deshalb war es ziemlich still für eine kurze Zeit, bis das Telefon klingelte. Da Laura alleine war, musste sie mich kurz mit Franzi allein lassen. "Wie sieht es bisher aus?" "Ich sag nichts, sonst ist es keine Überraschung mehr." Sie sagte das mit einem Grinsen, aus dem ich wieder entnahm, dass es gut aussehen musste. Wir sahen beide zu Laura, wie sie telefonierte und was aufschrieb. Wahrscheinlich war es nur ein Kunde. Dann war sie endlich fertig und kam wieder zum Arbeitsplatz.
Laura schnitt weiter an meiner Frisur und es fühlte sich auf Grund meiner Aufregung wie Stunden an. Ich konnte es nicht abwarten das Endergebnis zu sehen, weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte. "Ach ja, nochmal zum Konzert. Wenn ich uns fahren würde, dann würden es deine Eltern doch sicher erlauben, oder? Schließlich bin ich alt genug, um auf dich aufpassen zu können." Der Gedanke an Sunrise Avenue und auf ein Konzert von ihnen zu gehen, brachte mich erneut zu grinsen. Aber dann dachte ich an meine strengen Eltern, obwohl meine Mum zu der Zeit schon lockerer geworden ist. 'Vielleicht könnte sie ja mit Papa reden, schließlich wollen sie auch nur, dass ich glücklich bin und das wäre ich unheimlich sehr.' Laura riss mich aus meinen Gedanken: "Ok, wir sind fertig. Ich nehme auf Drei den Laken vom Spiegel und dann kannst du mein Meisterwerk betrachten." Das klang so süß. Sie stellte sich neben den Spiegel und zählte runter: "3...2...1..." Sie riss das Tuch weg und endlich sah ich mich selber. In den ersten Sekunden konnte ich einfach gar nichts sagen. Ich stand einfach nur mit großen Augen vor meinem Spiegelbild und versuchte diese Veränderung zu realisieren. "Und? Gefällt's dir?" Endlich kam ich zu mir und grinste die Mädels an.
Meine Haare waren etwas über den Schultern, Laura hatte ein paar Stufen geschnitten und die Farbe... Das war das, was mich am meisten flashte: Ich war nun braunhaarig. Laura entschied sich anscheinend gegen den Rotstich, aber es sah trotzdem total schön aus. "Chrissi! Du siehst so toll aus! Das ist zwar komplett etwas anderes als ich gewöhnt bin, aber es steht dir mega gut." "Danke, Franzi. Und auch danke, Laura. Ich liebe es!" Ich umarmte die Friseuse und stellte mich wieder vor den Spiegel. Ich drehte mich mal zur einen Seite und mal zur anderen, um alles richtig betrachten zu können. "Auch die kurzen Haare stehen total gut. Jetzt siehst du halt nicht mehr wie so eine Barbie aus, nachdem du keine langen, blonden Haare mehr hast." Wir lachten alle drei, aber ich konnte meine Augen einfach nicht von meinem Spiegelbild lassen. Ich war schockiert, aber gleichzeitig überglücklich und wusste, dass ich das nicht bereuen würde. "Ok, jetzt zum Geschäftlichen. Wie viel bin ich dir schuldig?" "55€. Ich gebe dir einen kleinen Freundesrabatt und außerdem hat sich noch nie ein Kunde so sehr über eine Frisur von gefreut." Sie lächelte mich an und lief dann zur hinter die Theke zur Kasse. Ich kramte meinen Geldbeutel raus und nahm 60€ heraus. "Der Rest ist für dich, weil du das echt wundervoll gemacht hast. Ich bin echt begeistert." Sie lächelte und nahm dankend das Geld entgegen. Ich sah ihr einen Terminplaner liegen. Ich sah nur etwa zwei Sekunden rein und entdeckte einen Namen, der mein Herz schneller schlagen ließ. Aus 2 Sekunden wurden dann doch irgendwie 2 Minuten, bis Franzi mich anstupste. "Chrissi?" "Hm? Was ist?", fragte ich gedankenverloren. "Das sollte ich dich fragen! Auf was starrst du so angestrengt?" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte: "Schon ok. Komm, wir gehen jetzt echt shoppen." "Ok. Tschüss Laura." "Ciao! Warte Chrissi! Gib mir mal deine Handynummer, dann können wir nochmal wegen dem Konzert schreiben." Sie gab mir einen Zettel und einen Stift und ich hinterließ ihr meine Nummer. Sie steckte den Zettel in ihren Terminplaner und winkte uns dann noch zu, während wir aus dem Laden herausliefen. "Was hast du denn jetzt gelesen oder gesehen, dass du plötzlich so schockiert und abwesend warst?" "Ich hab in ihrem Terminplaner den Namen 'Christopher Hint gelesen. Und naja, wir beide kennen ihn halt." "Na und? Ist doch egal, wenn er da zum Friseur geht." "Nein ist es nicht! Vor allem nicht, wenn ich bei seinem Namen oder seiner Stimme Herzrasen kriege." Ich sagte das so energisch, dass Franziska zurückwich. "Was.. Was willst du damit sagen? Hast du dich etwa in ihn verguckt?" Ich sah sie nicht erschrocken an, sondern eher unsicher. Ich ließ mir diesen Gedanken durch den Kopf gehen. 'Bin ich etwa wirklich in einen Lehrer verknallt?' Ich konnte diese Frage nicht selbst beantworten, aber wer sollte das sonst für mich tun? "Oh mein Gott, also tatsächlich. Christina, das geht doch nicht! Er ist ein Lehrer! Er ist MEIN Lehrer!" "Ich weiß, aber keine Ahnung. Vielleicht irre ich mich auch. Vor allem jetzt nach Tobias habe ich keine Ahnung, was los ist." "Wusste Tobias davon und hat deswegen Schluss gemacht?", fragte Franzi mich neugierig. "Nein, wusste er nicht. Er weiß nur, dass wir uns einmal getroffen haben, bzw. ich bei ihm war." "Wie bitte?! Du warst mal bei ihm? Chrissi, was ist los mit dir?!" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte genervt: "Ich will jetzt nicht länger darüber reden, also lassen wir es." Franzi nickte und so liefen wir einfach nebeneinander her durch die Stadt und betraten irgendwelche Läden.

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