Nach etwa 30 Minuten kamen wir dann in der Stadt an und wir mussten an einem Friseur vorbei. Plötzlich hatte ich die Idee, mir meine Haare zu färben. Ich schaute zum Schaufenster des Friseurs und dann wieder zu Franzi. "Ist was, Chrissi?" Ich nickte und grinste sie an. "Ich will meine Haare färben. Jetzt!" Franziska riss ihre Augen auf, aber ich kannte sie so gut, dass ich erkannte, dass sie diese Idee ebenfalls gut fand. "Okey, und welche Farbe?" Ich schaute zu den Schaufensterpuppen und begutachtete sie gründlich. "Diese Farbe", sagte ich und zeigte auf einen Kopf mit dunkelbraunen Haaren. "Christina, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was du jetzt auf deinem Kopf hast. Bist du dir wirklich sicher? Und wir kommt es überhaupt, dass du so spontan deine Haare färben willst?" Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte weiterhin auf die besagten Haare im Schaufenster. Ich zog Franzi am Arm in den Laden und schon kam mir eine Mitarbeiterin entgegen und sagte nett: "Hallo, Willkommen. Was kann ich für euch tun?" "Ich würde gerne meine Haare färben und schnei-" "Moment, was? Auch noch schneiden?", unterbrach mich meine beste Freundin. Ich schaute sie gar nicht erst an, denn ich konnte mir ihren Blick schon vorstellen, weil sie meine Haare liebte. Sie war ziemlich neidisch darauf, dass meine Haare so lang und gesund waren und ihre ständig neu geschnitten werden mussten. "Ok, was hast du dir denn so vorgestellt?" Die Friseuse zeigte mir einen Weg zu einem kleinen Tisch, auf dem viele Zeitschriften lagen. Ich bemerkte erst kurz darauf, dass Franziska nicht mitgekommen war. Ich drehte mich um und sah sie noch am Eingang stehen. Natürlich nicht sehr begeistert. "Ich heiße übrigens Laura und du?" "Christina. Ich muss mal kurz zu meiner Freundin." Sie nickte und setzte sich auf einen der Stühle um den kleinen süßen Tisch. "Franzi, kommst du?", fragte ich sie, während ich auf sie zuging. Sie sagte nichts, sondern sah mich nur enttäuscht an. Das war der Blick von dem ich vorhin sprach. "Bitte sei nicht böse, aber ich will eine Typveränderung probieren. Wir können danach auch ganz viele neue Sachen einkaufen gehen. Das magst du doch so." Ich sah ein kleines Lächeln auf ihren Lippen huschen. "Okey, aber nur weil du wie immer mit dem Shoppen kommst." Wir lachten und ich zog sie mit mir zum Tisch. "Okey, Laura. Dann such ich mir mal was aus." Ich blätterte in den Zeitschriften, während Laura Wasser für uns holte und sich ein wenig mit Franziska unterhielt. "Das hier! So hab ich mir das vorgestellt." Laura gesellte sich zu mir und ich schaute sie von unten an. Sie nickte und lächelte. Auch Franziska sah begeistert aus, auch wenn sie noch etwas zweifelte, aber genau das wollte ich gerade: Einfach mal etwas anderes tun und einfach spontan sein. "Das kann aber gute 4 Stunden dauern? Soll deine Freundin euch etwas zum Essen holen?" Ich schüttelte den Kopf und antwortete: "Wenn Franziska sich was kaufen will, kann sie das machen. Aber ich bin gerade viel zu aufgeregt dafür." Franziska und Laura lächelten und wir gingen zum nächsten Tisch mit Spiegel und Stuhl, um mir Farbe in die Haare zu schmieren. "Willst du das dunkelbraun mit einem leichten Rotstich oder ohne?" "Überrasche mich. Ich weiß jetzt schon, dass ich es so oder so lieben werde." Laura ging zur Wand mit der Haarfarbe und dem Zubehör und packte einige Sachen zusammen. "Gut, dann legen wir mal los. Sag 'Auf Wiedersehen' zu deinen alten Haaren und zu deinem Spiegelbild." Ich winkte meinem Spiegelbild kurz zu und dann hüllte sie ihn mit einem Tuch ein.
Die Friseuse klatsche mit die Farbe in die Haare und unterhielt sich währenddessen mit Franzi und mir. Sie schien wirklich unglaublich nett zu sein. "Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Laura?" "21 und ihr?" "Beide 17. Hast du eine Ausbildung hier gemacht?", fragte ich neugierig. "Ja, ich wollte schon immer Friseuse werden, weil ich es liebe mit Haaren zu basteln und zu spielen. Da kann man auch etwas kreativer manchmal sein, wenn die Kunden sagen, dass es einfach ausgeflippt sein muss. Am Liebsten würde ich bei Udo Walz arbeiten und dort prominente Kunden bedienen, aber das wird wohl ein Traum bleiben." Laura klang enttäuscht, aber das war auch verständlich, denn anscheinend liebte sie ihren Job. "Jetzt mal zu dir. Willst du schon länger deine Haare so sehr verändern?" Ich schüttelte den Kopf und lächelte etwas dabei. "Es kam mir jetzt gerade einfach so in den Sinn. Ich brauche Veränderung im Leben und deshalb fange ich jetzt mit einer Typveränderung an. Das heißt neue Haare, neue Klamotten und mein Leben so leben, wie ich es will." Ich sah mich etwas um im Laden, während sie meine Haare weiter mit Farbe beschmierte. Ich sah ein Schild auf dern Tresen am Eingang auf dem stand: Laura Schmidt. Hinter den Tresen war ein Spint auch mit ihrem Namen versehen und da hing ein Bild. Man erkannte es schlecht aus der Entfernung, also fragte ich nach: "Was ist auf dem Bild, das da vorne hängt?" Dabei zeigte ich mit meinem Kopf in die Richtung. Franzi ging zum Tresen und schaute sich das Bild an. "Ist das ein Konzert?" "Ja, mein ersten Konzert. Da war ich auf einem Sunrise Avenue Konzert, als ich 19 war. Ich bin ein sehr großer Fan, aber war seitdem nicht mehr auf einem Konzert von ihnen wegen der Arbeit. Es ist nie ein Konzert, wenn ich Urlaub hab und umgekehrt." Sie klang ein wenig traurig, aber es freute mich, dass auch sie ein Sunrise Avenue Fan war. "Magst du nicht auch diese Band, Chrissi?", fragte mich meine beste Freundin. Ich grinste und nickte, weil allein der Gedanke an diese Band mich lächeln ließ. Deren Musik machte ich so glücklich und baute mich immer auf, wenn ich einen schlechten Tag hatte. "Wirklich? Das ist ja cool! Wir können ja mal versuchen auf ein Konzert zusammen zu gehen, oder?" "Ja klar, aber das muss warten bis ich 18 bin, denn meine Eltern wollen mich keineswegs lassen. Hab es schon einige Male versucht." Laura lachte und sagte dann: "Okey, fertig. Jetzt 15 Minuten einwirken lassen. Franzi, hol doch trotzdem mal was zum Essen. Ich hab ihren Magen knurren hören", sagte sie belustigt und zugleich besorgt. Franziska nickte und verließ einfach den Laden. 'Ich hab meinen Magen gar nicht knurren gehört. Komisch.'
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