Ich hatte den Gedanken an Tobias mit dem Gedanken an den Kuss mit Christopher ersetzt. Ich war so überglücklich mit der Situation und hätte die ganze Welt umarmen können, bis mein Handy neben mir klingelte. Ohne drauf zu schauen, legte ich es an mein Ohr. "Hallo?" "Hey, ich bin's." Es war Tobias und schon musste ich wieder daran denken, dass er verschwunden war. "Bist du schon Zuhause?" "Ja, aber wo bist du?", fragte ich ein wenig besorgt. Er sagte einen Moment nichts und antwortete dann: "Ich musste raus. So wie du. Ich bin in 5 Minuten wieder da. Was hast du eigentlich die ganze Zeit draußen getrieben?" "Nichts. Bis dann." Ich wollte so schnell wie möglich davon ablenken, denn dieser Kuss würde meinem Ex das Herz brechen. 'Ich kann es ihm nicht sagen. Entweder warte ich noch, sage es ihm sofort oder sage es ihm niemals.' Die Entscheidung fiel mir schwer, weshalb ich keinen weiteren Gedanken daran verschwenden wollte. Ich setzte mich auf mein Bett und überlegte, ob ich Hausaufgaben hatte. Ich war plötzlich so motiviert. Dann fiel mir ein, dass ich nichts auf hatte und genau in dem Moment hörte ich Jemanden im Erdgeschoss spazieren. "Bist du das Tobi?" "Ja, bist du oben?" Ich antwortete nicht, weil ich schon Schritte die Treppen hochkommen hörte. Die Tür zu meinem Zimmer öffnete sich und er stand direkt vor mir. "Da bist du ja. Haben wir uns beide beruhigt?" Ich nickte und umarmte ihn. Irgendwie tat es mir schon leid, dass ich ihm nichts davon erzählen konnte, aber es war einfach besser so. "Geht es dir gut? Du bist so still und antwortest auf keine Frage von mir." Wieder nickte ich nur, weil ich Angst hatte, dass sobald ich meinen Mund aufmachte, ich ihm alles über den Kuss erzählt hätte. "Hast du deine Zunge verschluckt?" "Nein. Mir ist nur nicht nach Reden zumute." Zunächst lächelte er, doch seine Miene verzog sich zu einem leicht besorgt aussehenden Blick. "Ist etwas passiert? Du wirkst leicht angespannt." Ich setzte mich auf mein Bett und ich verspürte immer mehr Drang danach, ihm alles zu beichten. Obwohl es keine Beichte war, weil wir ja nicht zusammen waren. Doch es ging hier um Herr Hint. Einen Lehrer unserer Schule. "Ich muss dir was erzählen", platzte es plötzlich aus mir heraus. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Gedanken. Er setzte sich auch zu mir und schaute mich fragend an. "Ich habe vor kurzem Jemanden geküsst. Wir sind zwar nicht in einer Beziehung, aber es wird dich trotzdem nicht erfreuen, wenn du seinen Namen hörst, weil du mich genau davor mehr oder weniger gewarnt hattest." Man sah ihm an, dass er immer hellhöriger wurde. Plötzlich weiteten sich seine Augen und er schrie schon fast: "Dieser Lehrer?! Erzähl mir bitte nicht, dass er es ist." "Ok, dann werde ich es dir eben nicht sagen." Sofort sprang er vom Bett und sah mich richtig wütend an: "Wie konntest du? Keine Beziehung hin oder her, du kannst doch keinen verheirateten Lehrer küssen!" "Hab ich gar nicht. Eigentlich hat er mich zunächst küssen wollen, aber ich fühlte mich nicht bereit.." "Was besser gewesen wäre", unterbrach mich mein Ex. "Danach wollte ich es aber doch und dann geschah es nun einmal. Mein Gott, du machst so ein Theater, als ob ich mit ihm geschlafen hätte, Tobias!" Er verdrehte nur die Augen, drehte sich von mir weg und ging wütend aus meinem Zimmer.
Ich wollte ihm nicht nachlaufen, weshalb ich einfach auf meinem Bett sitzen blieb und mein Handy zur Hand nahm. Ich schrieb eine Nachricht an Chris und erzählte ihm, dass ich es Tobias gesagt hatte und ebenso von seiner Reaktion. Ich konnte ihn verstehen, aber er musste auch mich verstehen. Man kann schließlich nicht selbst bestimmen, wen man liebt. Ich war mit der Wahl meines Herzen trotz alledem zufrieden, weil Christopher meinem Typ entsprach und er war auch noch intelligent, verständnisvoll und immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Ich hatte nicht einmal mehr das Gefühl, dass ich ihn erst seit wenigen Monaten kannte, sondern eher, als würde ich ihn mein Leben schon kennen. 'Er weiß so vieles über mich, doch ich weiß leider viel zu wenig über ihn. Das müssen wir dringend nachholen!' Genau diese Erkenntnis schrieb ich ihm ebenfalls und legte anschließend mein Handy mit einem Lächeln im Gesicht auf meinen Nachttisch. Ich hatte immer noch keine Lust, Tobias hinterher zu rennen, weshalb ich mich umzog, mein Gesicht reinigte und anschließend in mein Bett schlüpfte, um pünktlich schlafen zu gehen. Am nächsten Tag hatte ich schließlich wieder Schule. 'Sh*t, ich hab morgen einen Test!' Da fiel es mir ein, dass ich doch etwas für die Schule tun musste. 'Ob Tobias auch davon weiß? Soll ich ihn mal daran erinnern?' Ich entschied mich dagegen und setzte mich für etwa 20 Minuten an den Schreibtisch um Dinge zu markieren, raus zuschreiben und es durchzulesen.
Nach diesen 20 Minuten war ich wirklich müde, obwohl es erst 21:30 war. 'Die Zeit ist aber schnell vergangen, seit ich wieder hier war.' Erneut sprang ich in mein Bett, deckte mich zu, las noch die letzten Nachrichten, keine von Chris, und schaltete mein Handy anschließend ab.