Montag, Januar 18, 2016

Kapitel #50

Ich hatte den Gedanken an Tobias mit dem Gedanken an den Kuss mit Christopher ersetzt. Ich war so überglücklich mit der Situation und hätte die ganze Welt umarmen können, bis mein Handy neben mir klingelte. Ohne drauf zu schauen, legte ich es an mein Ohr. "Hallo?" "Hey, ich bin's." Es war Tobias und schon musste ich wieder daran denken, dass er verschwunden war. "Bist du schon Zuhause?" "Ja, aber wo bist du?", fragte ich ein wenig besorgt. Er sagte einen Moment nichts und antwortete dann: "Ich musste raus. So wie du. Ich bin in 5 Minuten wieder da. Was hast du eigentlich die ganze Zeit draußen getrieben?" "Nichts. Bis dann." Ich wollte so schnell wie möglich davon ablenken, denn dieser Kuss würde meinem Ex das Herz brechen. 'Ich kann es ihm nicht sagen. Entweder warte ich noch, sage es ihm sofort oder sage es ihm niemals.' Die Entscheidung fiel mir schwer, weshalb ich keinen weiteren Gedanken daran verschwenden wollte. Ich setzte mich auf mein Bett und überlegte, ob ich Hausaufgaben hatte. Ich war plötzlich so motiviert. Dann fiel mir ein, dass ich nichts auf hatte und genau in dem Moment hörte ich Jemanden im Erdgeschoss spazieren. "Bist du das Tobi?" "Ja, bist du oben?" Ich antwortete nicht, weil ich schon Schritte die Treppen hochkommen hörte. Die Tür zu meinem Zimmer öffnete sich und er stand direkt vor mir. "Da bist du ja. Haben wir uns beide beruhigt?" Ich nickte und umarmte ihn. Irgendwie tat es mir schon leid, dass ich ihm nichts davon erzählen konnte, aber es war einfach besser so. "Geht es dir gut? Du bist so still und antwortest auf keine Frage von mir." Wieder nickte ich nur, weil ich Angst hatte, dass sobald ich meinen Mund aufmachte, ich ihm alles über den Kuss erzählt hätte. "Hast du deine Zunge verschluckt?" "Nein. Mir ist nur nicht nach Reden zumute." Zunächst lächelte er, doch seine Miene verzog sich zu einem leicht besorgt aussehenden Blick. "Ist etwas passiert? Du wirkst leicht angespannt." Ich setzte mich auf mein Bett und ich verspürte immer mehr Drang danach, ihm alles zu beichten. Obwohl es keine Beichte war, weil wir ja nicht zusammen waren. Doch es ging hier um Herr Hint. Einen Lehrer unserer Schule. "Ich muss dir was erzählen", platzte es plötzlich aus mir heraus. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Gedanken. Er setzte sich auch zu mir und schaute mich fragend an. "Ich habe vor kurzem Jemanden geküsst. Wir sind zwar nicht in einer Beziehung, aber es wird dich trotzdem nicht erfreuen, wenn du seinen Namen hörst, weil du mich genau davor mehr oder weniger gewarnt hattest." Man sah ihm an, dass er immer hellhöriger wurde. Plötzlich weiteten sich seine Augen und er schrie schon fast: "Dieser Lehrer?! Erzähl mir bitte nicht, dass er es ist." "Ok, dann werde ich es dir eben nicht sagen." Sofort sprang er vom Bett und sah mich richtig wütend an: "Wie konntest du? Keine Beziehung hin oder her, du kannst doch keinen verheirateten Lehrer küssen!" "Hab ich gar nicht. Eigentlich hat er mich zunächst küssen wollen, aber ich fühlte mich nicht bereit.." "Was besser gewesen wäre", unterbrach mich mein Ex. "Danach wollte ich es aber doch und dann geschah es nun einmal. Mein Gott, du machst so ein Theater, als ob ich mit ihm geschlafen hätte, Tobias!" Er verdrehte nur die Augen, drehte sich von mir weg und ging wütend aus meinem Zimmer.
Ich wollte ihm nicht nachlaufen, weshalb ich einfach auf meinem Bett sitzen blieb und mein Handy zur Hand nahm. Ich schrieb eine Nachricht an Chris und erzählte ihm, dass ich es Tobias gesagt hatte und ebenso von seiner Reaktion. Ich konnte ihn verstehen, aber er musste auch mich verstehen. Man kann schließlich nicht selbst bestimmen, wen man liebt. Ich war mit der Wahl meines Herzen trotz alledem zufrieden, weil Christopher meinem Typ entsprach und er war auch noch intelligent, verständnisvoll und immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Ich hatte nicht einmal mehr das Gefühl, dass ich ihn erst seit wenigen Monaten kannte, sondern eher, als würde ich ihn mein Leben schon kennen. 'Er weiß so vieles über mich, doch ich weiß leider viel zu wenig über ihn. Das müssen wir dringend nachholen!' Genau diese Erkenntnis schrieb ich ihm ebenfalls und legte anschließend mein Handy mit einem Lächeln im Gesicht auf meinen Nachttisch. Ich hatte immer noch keine Lust, Tobias hinterher zu rennen, weshalb ich mich umzog, mein Gesicht reinigte und anschließend in mein Bett schlüpfte, um pünktlich schlafen zu gehen. Am nächsten Tag hatte ich schließlich wieder Schule. 'Sh*t, ich hab morgen einen Test!' Da fiel es mir ein, dass ich doch etwas für die Schule tun musste. 'Ob Tobias auch davon weiß? Soll ich ihn mal daran erinnern?' Ich entschied mich dagegen und setzte mich für etwa 20 Minuten an den Schreibtisch um Dinge zu markieren, raus zuschreiben und es durchzulesen.
Nach diesen 20 Minuten war ich wirklich müde, obwohl es erst 21:30 war. 'Die Zeit ist aber schnell vergangen, seit ich wieder hier war.' Erneut sprang ich in mein Bett, deckte mich zu, las noch die letzten Nachrichten, keine von Chris, und schaltete mein Handy anschließend ab.

Samstag, Januar 16, 2016

Kapitel #49

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich verpasste ganz knapp die S-Bahn, also beschloss ich, nach Hause zu laufen. In den fast 45 Minuten dachte ich sehr intensiv über alles nach. 'Hatte Tobias recht? War das sie ganze Zeit mehr zwischen Christopher und mir? Will auch ich etwas von ihm? Schließlich bin ich ihm zunächst auch entgegen gekommen, bis sich mein Verstand eingeschalten hat. Kann ich nach gerade Chris noch sehen, geschweige denn mit ihm reden?' Ich ging einfach weiter, lief mitten auf dem Weg und beachtete keinen Fußgänger, keinen Radfahrer oder sonst irgendjemanden, der an mir vorbei kam. Ich spürte zunächst auch mein Handy in meiner Hosentasche nicht, doch irgendwann dann doch, nur bis ich es herausholte, legte die Person schon auf. Es war Chris. 'Besser, dass ich nicht dran gegangen bin.' Ich wusste, dass ich ihm Unrecht tat, weil ich ihm ja eben nicht sofort widerstanden hatte, aber ich war trotzdem so verwirrt. Sollte das etwa heißen, dass Christopher mich sehr mochte? Das konnte nicht gut gehen, schließlich war er 13 Jahre älter als ich.
Plötzlich blieb ich abrupt stehen. Ich drehte mich plötzlich um und ging den ganzen Weg wieder zurück. Ich wollte es nicht, aber meine Füße trugen mich zum Weiher zurück. Ich kam sehr schnell dort an und Christopher saß immer noch auf der gleichen Bank und starrte aus seine Schuhe mit den Ellenbogen auf den Knien abgestützt. Ich ging einfach auf ihn zu und merkte ein Grinsen auf meinen Lippen. Ich blieb kurz vor ihm stehen und als wüsste er, dass ich es war, schaute er hoch zu mir und lächelte mich an. Ich setzte mich wieder neben ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust und fing einfach an zu weinen. "Chrissi? Was ist los?" "Es tut mir so leid! Ich war so geschockt über ... über ..." "Den Fast-Kuss?", beendete er meinen Satz. Ich nickte und fragte vorsichtig: "War es gewollt von dir? Und wenn ja, was hatte das zu bedeuten?" Er drückte mich mit seinen Armen leicht nach hinten, wodurch ich ihm in die Augen schauen musste. "Es war Absicht und es gibt nur einen Grund dafür. Christina, ich mag dich wirklich sehr. Ich weiß, dass das total verrückt klingt, aber ich habe das schon vor einigen Wochen bemerkt und du hast mich schon fasziniert, als du in der Kirche in mich rein gelaufen bist. Ich dachte anfangs, dass ich einfach ein guter Freund für dich sein sollte, aber ich konnte es nicht länger verbergen. Deshalb finde ich die Scheidung von Janna auch so sinnvoll." Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte, aber es kamen erneut die Tränen, weil ich so berührt davon war. "Hör bitte auf zu weinen. Ich verstehe es total, wenn du nicht so empfindest wie ich. Der Altersunterschied ist natürlich eine schwierige Sache und..." "Hör au zu reden!", schrie ich ihn an und er sah mich daraufhin geschockt an. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Ich weine, weil ich so froh bin, dass du das gesagt hast. Ich habe auch schon seit längerem das Gefühl, dass du mehr als nur ein Freund für mich bist. Und das traurige ist leider, dass Tobias noch vor mir bemerkt hatte, was da zwischen uns ist. Das war ja auch der Grund unserer Trennung. Er ist bei mir und ich hatte anfangs noch die Hoffnung, dass doch was auch ihm und mir wird, aber jetzt will ich das gar nicht mehr. Ich hatte nicht bemerkt, dass das alles Schicksal war und es nur wollte, dass er und ich uns kennen lernen und gute Freunde werden, während es bei und beiden andersherum ist. Verstehst du, was ich meine?" Ich beruhigte mich durch mein Reden wieder und setzte mich richtig hin, während ich meine Tränen wegwischte. Chris lächelte, nein er strahlte mich an. "Genau in dieses Lächeln habe ich mich verliebt und ich bin froh, dass du es mir wieder zeigst. Es beruhigt mich. Du beruhigst mich."
Diesmal nahm er mein Gesicht in seine beiden Hände und zog es näher an seins. "Willst du es diesmal?" Ich lächelte und küsste ihn einfach. Es war ein langer Kuss. Ein langersehnter Kuss, der niemals hätte enden sollen. Irgendwann hörten wir auf und sahen uns einfach an. Er strahlte mich an und das tat auch ich. Glücklicher konnte ich nicht sein, doch dann viel es mir wieder ein. "Also wird das eine geheime Beziehung? Eine andere Wahl haben wir nicht, oder?" Er schüttelte den Kopf und küsste noch einmal meine Stirn. "Für's Erste müssen wir es so machen. Sowieso müssen wir noch die Scheidung hinter uns bringen, denn vorher wäre die Beziehung gefährlich, was das betrifft." Ich nickte langsam und entzog mich seinen Händen und nahm etwas Abstand zu ihm. "Wann immer du mich brauchst, kannst du mich anrufen. Sei es für eine Umarmung, zum Reden oder auch für einen Kuss. Ich wohne schließlich nicht weit." Wir lächelten uns an, küssten uns noch einmal und dann stand ich auf, um endgültig nach Hause zu gehen. Ich erwischte dieses Mal auch den Zug und fuhr überglücklich nach Hause, wo Tobi auf wartete. 'Ob er noch sauer ist? Ich hoffe nicht, aber auch das wird meine Laune nicht vermiesen können.' Ich öffnete die Haustür und rief: "Hallo, ich bin wieder da." Ich bekam keine Antwort, weshalb ich zunächst ins Wohnzimmer, dann in die Küche und dann ins Gästezimmer ging. Nirgends war er, auch nicht in meinem Zimmer oben. Ich setzte mich auf mein Bett, legte mich anschließend hin und lächelte weiter vor mich hin.

Donnerstag, Januar 14, 2016

Kapitel #48

Ich schaffte es nicht mehr als einen Pancake zu essen. Ich machte mir vor allem Gedanken wegen Christopher, weil es so klang, als wäre es etwas wichtiges gewesen. Er war auch immer für mich da gewesen, also musste ich das auch für ihn. "Danke für's Essen. War gut, aber ich muss telefonieren." "Mit dem Typen?" "Nein! Ich gehe hoch", sagte ich wütend und lief die Treppen hoch in mein Zimmer, wo ich mich anschließend einsperrte. Ich nahm mein Handy in die Hand und rief ihn an. "Chrissi? Hast du Zeit?" "Ja klar. Was ist denn los?", fragte ich ein wenig in Sorge. "Ich muss einfach dringend mit dir reden. Treffen wir uns in 30 Minuten vor der Schule? Schaffst du das?" "Wieso da? Du wohnst doch gar nichts weit von hier. Aber ok, wenn du meinst." Es kam mir schon ein wenig seltsam vor, aber ich stimmte dem Treffen zu, weil ich wissen wollte, was ihn so beschäftigte. Wir legten beide auf und ich zog mich ganz schnell um. Ich musste mich warm anziehen, denn draußen wehte der Wind sehr stark.
Ich rannte die Treppen runter, einfach an der Küche und Tobias vorbei in Richtung Haustür. Ich hörte ihn noch etwas rufen, aber ich verstand es nicht und hatte keine Zeit ihn zu fragen. Ich rannte zum Bahnhof, denn ich hatte 5 Minuten später den Zug zur Schule. Ich sah ein Nachricht auf meinem Display aufleuchten, von Chris. Sie ließ mich etwas lächeln, denn er schrieb: "Hoffe, du stresst dich nicht zu sehr, aber ich muss dich dringend sehen und mit dir reden." Ich fragte mich auch nach dieser Nachricht wieder einmal, ob er mehr wollte. Er war eigentlich verheiratet und mein Lehrer. Ich kam gerade noch am Bahnhof an, stieg in die S-Bahn und fuhr eine Haltestelle bis zur Schule. Als ich ankam, regnete es nicht mehr, zum Glück. Ich lief zur Schule, bis ich bemerkte, dass ich noch 15 Minuten Zeit hatte. 'Na toll.. Was mache ich nun bis er kommt?' Ich ging langsamer und machte sogar extra noch einen Umweg.
Als ich nach 5 Minuten an der Bushaltestelle vor der Schule war, sah ich einen Mann auf mich zu kommen. Es war Christopher und er war um einiges schneller als ich da gewesen. Schon auf 20m Entfernung sah ich, wie er mich anstrahlte. Auch ich musste lächeln, weil es sich gut anfühlte, dass ich wusste, dass mich jemand mochte. Als wir voreinander standen, umarmte er mich sofort und flüsterte in mein Ohr: "Ich bin so froh, dass du Zeit hattest. Gehen wir ein Stück?" "Über was wolltest du denn so dringend mit mir reden?", fragte ich sehr neugierig. "Ich weiß gerade nicht, ob ich es dir wirklich jetzt schon sagen soll.. Janna und ich lassen uns scheiden." Als ich diesen Satz hörte, musste ich für einen Moment stehen bleiben. "Bitte was?! Aber wieso das? Habt ihr etwa gestritten?" "In letzter Zeit sogar sehr oft. Denke jetzt nicht, dass es deinetwegen ist, obwohl sie immer sagt, dass es an dir liegt, aber das ist nicht wahr. Ich habe schon viel früher bemerkt, dass es zwischen uns nicht mehr gut lief. Sie schiebt es nur auf dich, weil sie nicht einsehen will, dass unsere Ehe gescheitert ist, weil wir nicht in der Lage sind, diese weiterhin zu führen." Ich nickte und wir liefen weiter Richtung Bahnhof. "Wolltest du dich etwa deshalb nicht in der Nähe von uns treffen?" Er nickte und schaute den Boden an, während wir abbogen, um zum Spielplatz zu laufen, wo ein kleiner Weiher war. Es wurde still, weil sich keiner traute etwas zu sagen.
Nach knapp 10 Minuten spazieren kamen wir an und setzten und auf eine Bank vor dem Weiher. Es war kalt und der Wind wurde wieder stärker, aber es regnete zum Glück nicht. "Christina, findest du, dass ich ein schlechter Freund oder sogar Ehemann bin?" Diese Frage überforderte mich ein wenig. "Woher soll ich das denn wissen? Ich weiß ja nicht, was in eurer Ehe so los ist oder woran sie scheitert." Er schaute wieder zu Boden und es wirkte so, als wüsste er selber nicht, was schief gelaufen sei. "Bin ich dann wenigstens ein guter Freund?" Ich nickte, denn er war immer für mich da und so war es bestimmt auch bei Janna. "Du bist ein liebenswürdiger Mensch, der immer versucht alle anderen glücklich zu machen. Ob du auch bei Janna so bist, ist hier die Frage. Ist es denn so?" Er dachte nach, weil anscheinend lief es wirklich nicht gut. "Du bist ein toller Mann. Immer für mich da, hörst mir immer zu und bringst mich einfach immer zum Lachen. Selbst deine Nachricht, als ich auf dem Weg hierher war, brachte mich zum lächeln." Ich lächelte endlich auch und schaute mir tief in die Augen. Das strahlende blau verschluckte mich beinahe, ich war gefesselt von ihnen. Ich fühlte mich so wohl in seiner Nähe. Plötzlich bemerkte ich, wie mir sein Gesicht näher kam und zunächst zögerte ich, doch auch ich kam ihm entgegen, bis mein Verstand erweckt wurde und sagte: 'STOP! Das darfst du nicht!' Sofort blieb ich stehen und schaute ihn einfach nur noch an. "Tut mir leid, aber ich hab die Zeit vergessen und ich sollte langsam wieder nach Hause. Bis bald." Ohne auf eine Antwort zu warten, rannte ich zum Bahnhof und kam völlig aus der Puste an. Mein Herz schlug stärker denn je und ich wusste nicht, ob es daran lag, dass ich gerannt war oder an dem Fast-Kuss. In meinem Herz und Kopf war Chaos.

Dienstag, Januar 12, 2016

Kapitel #47

Es war Sonntag. Draußen regnete es wieder und das Wetter war stark abgekühlt. Ich wurde von meinem Wecker um 9 Uhr geweckt, so wie jeden Sonntag. Da fiel mir ein, dass Tobi auch in der Wohnung war. Ich zog meinen Morgenmantel an, machte meine Haare zu einem Zopf hoch und ging mit meinem Handy runter in die Küche. Noch keiner war wach, weshalb ich mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte und den Fernseher an schmiss. Es liefen nur Kinderserien, als schaltete ich ihn wieder aus. Mich erfasste wieder die Müdigkeit und ohne es richtig zu bemerken, schlief ich auf der Couch ein.
Plötzlich spürte ich wie mich jemand leicht schüttelte. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte Tobias vor mir. "Guten Morgen. Seit wann liegst du hier?" "Morgen. Keine Ahnung. Ich wollte fernsehen, aber es lief nichts, also machte ich den Fernseher wieder aus und dann muss ich eingeschlafen sein." Während ich ihm das erzählt hatte, hatte er sich neben mich gesetzt und mir zugehört. "Soll ich uns was zum Frühstück machen?" "Nur uns? Was ist mit..." "Deine Eltern sind weggefahren. Sie kommen erst am Freitag wieder. Ich weiß aber nicht wohin", unterbrach er mich. 'Das sieht ihnen mal wieder ähnlich. Immer wegfahren, aber nie sagen wohin.' Inzwischen war Tobi aufgestanden und verschwand in der Küche. Auch ich stand auf und lief ihm hinterher, um ihm beim Frühstück machen zu helfen. "Was machst du hier? Ich hab gesagt, dass ich das Essen mache. Geh wieder zurück ins Wohnzimmer!" Er schaute mich gespielt böse an, aber ich ließ mich davon nicht abschrecken und ging deshalb noch näher auf ihn zu. Auch er fing dann an zu grinsen und das war der Moment, wo ich mich wieder von ihm angezogen fühlte. Ich blieb abrupt stehen und wurde total nervös. "Alles ok?" Er musste es an meinem Blick bemerkt haben. Plötzlich spürte ich etwas in meiner Bademanteltasche vibrieren. Ich nahm mein Handy heraus und sah auf den Display, wer mir geschrieben hat. Es war meine Mum. Ich wollte mir nicht mal die Nachricht durchlesen, weshalb ich einfach wieder die Tastensperre rein machte und mein iPhone wieder einsteckte. "Was ist los?", fragte Tobias mich besorgt. "Nichts. War nur meine Mama. Keine Ahnung, was sie will." Ich klang sauer, aber das war ich selbstverständlich auch. Er sah mich fragend an, aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen, weshalb ich mich einfach neben ihn hinstellte und ihm zusah, wie er Pancakes machte. "Ich hoffe, du magst sie noch. Früher konntest du ja nicht genug von ihnen..." "Warum tust du das für mich? Falls du dich einschleimen willst, weil du hier bleiben durftest, musst du das nicht tun. Ich hab dir gerne einen Schlafplatz bei uns angeboten."Er lächelte die Bratpfanne an und antwortete: "Ich mache das nicht deshalb. Ich will einfach, dass du weißt, dass egal was zwischen uns passiert ist, wir bleiben Freunde. Vor allem, weil ich glaube, dass es Schicksal war, dass wir uns kennengelernt haben. Wir sollten einfach kein Paar sein, sondern Freunde und das lass ich mir nicht zweimal sagen." Jetzt musste auch ich lächeln, denn anscheinend dachte er dasselbe, wie ich die ganze Zeit. Doch auch, wenn ich dasselbe dachte, tat es ein wenig weh, als er sagte, dass wir immer Freunde bleiben würden. Irgendetwas in mir wollte, dass wir wieder mehr als Freunde waren. Ich umarmte ihn herzlich, um den leichten Schmerz zu verdecken. "Tobi?" "Ja? Hab ich etwas falsch gemacht?" Ich schüttelte den Kopf und sagte dann: "Du gehörst zu den wichtigsten Menschen und ich..." Ich wurde von meinem Handy unterbrochen. Wir schauten beide auf den Display und es leuchtete der Name Chris auf. "Ist jetzt nicht dein Ernst! Du hast trotzdem noch Kontakt zu ihm?!" Ohne ihn auch nur anzusehen, verließ ich die Küche und nahm den Anruf an. "Hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." "Ich weiß, aber ich muss dich später anrufen oder ist es etwas wichtiges?" Es war kurz still, bis er antwortete: "Nein nein. Ich warte." Und schon hatte er aufgelegt. Ich steckte mein Handy wieder weg, nachdem ich es stumm geschalten hatte. Tobias stand nah am Herd und machte die Pancakes weiter.
Der letzte Pfannkuchen war gemacht und er schmiss mir den Teller auf den Tisch. "Tobi, es tut mir leid! Ich hab dir doch gesagt, dass da nichts ist! Er war einfach in letzter Zeit viel für mich da, vor allem nach der Trennung. Das hat nichts zu bedeuten!" Ich spürte die Tränen hoch kommen und versuchte sie angestrengt zurückzuhalten. Er war immer noch sauer, sein  Blick machte deutlich, dass er enttäuscht, traurig und verletzt war. Wir beide sagten nichts mehr und aßen in dieser einengenden Stille unsere Pancakes.