Montag, Dezember 08, 2014

Kapitel #27

Am nächsten Morgen wurde ich von den Sonnenstrahlen, die in mein Zimmer schienen geweckt. Ich öffnete langsam mein eines Auge und sah, wie meine Mama die Jalousien hochzog. Ich rieb mir mein anderes Auge, als meine bemerkte, dass ich wach war. "Guten Morgen, Spatz. Geht es dir besser?", fragte sie mich mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Ich nickte und lächelte sie zurück an. Ich setzte mich auf und machte mich einmal ganz lang, um mich zu strecken, als ich feststellte, dass mein Freund gar nicht mehr in meinem Bett lag. "Wo ist Tobi?", fragte ich ganz aufgeregt. Ich schmiss die Decke von mir runter und stellte mich auf meinen Fußboden. "Ganz ruhig, er ist schon in der Schule. Wir haben schließlich schon 8:30 Uhr", antwortete meine Mama gelassen. Sie kam auf mich zu, gab mir einen Kuss auf die Stirn und ging wieder aus meinem Zimmer nach unten in die Küche. Ich begab mich in mein Badezimmer, wusch mein Gesicht und zog mich dann in meinem Zimmer an. Ich beeilte mich ein wenig, damit ich noch Zeit hatte, um meine Tasche zu packen.
Als ich damit fertig war, ging ich mit samt meiner Schultasche nach unten und steckte mir noch einen Apfel in die Tasche. "Christina, was machst du da?", hörte ich plötzlich von hinten und erschrak dabei. Ich drehte mich zu meinem Vater um und antwortete: "Für die Schule packen? Warum?" Er sah mich schockiert und besorgt an. "Aber was meinst du, warum wir dich nicht geweckt haben? Damit du dich ausruhen kannst, nachdem was gestern passiert ist." Ich hob eine Augenbraue hoch und spürte, wie sich ein wenig Wut in mir breit machte. Ich wusste nicht, warum es Wut war, aber plötzlich fing ich an meinen Papa anzuschreien: "Ihr könnt mir nicht verbieten in die Schule zu gehen. Ich passe das nächste Mal besser auf!" "Das hast du auch beim letzten Mal passiert. Du kannst deine Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen, oder willst du wieder im Krankenhaus landen?", schrie er mich ebenfalls an. Während er diesen Satz aussprach, sah ich ihm deutlich an, dass er sich riesige Sorgen machte und auch seine Augen wurden ein wenig glasig. So hatte ich meinen Vater bisher nur sehr selten gesehen. Ich ließ meine Tasche auf den Boden fallen und legte meine Arme um den Bauch meines Papas, um ihn in den Arm zu nehmen. "Tut mir leid, Papa. Ich wollte dich nicht anschreien. Aber bitte, lass mich hingehen." Auch mir kamen fast die Tränen, aber ich versuchte sie zu unterdrücken. Er drückte mich von sich weg, legte seine Hände auf meine beiden Schultern und sagte: "Ok, einverstanden. Aber nur wenn du mir versprichst, dass du SOFORT anrufst, wenn es dir nicht gut geht." Ich nickte, nahm mir meine Tasche und lief zur Haustür, gefolgt von meinem Vater.
Nach etwa 15 Minuten waren wir an der Schule. Ich verabschiedete mich von meinem Fahrer und rannte rein in die Schule. Ich überlegte kurz, wo und welches Fach ich hatte und rannte dort hin. Ich musste hoch in den 2. Stock, denn ich hatte Deutsch. Ich klopfte an der Tür und öffnete sie daraufhin auch. Als ich zur Tür rein kam, sahen mich alle seltsam an, als käme ich von einem anderen Planeten. "Tut mir leid, ich wollte anfangs nicht in die Schule, aber hab mich dann doch entschieden, zu kommen", sagte ich zur Lehrerin. Diese nickte nur und sagte: "Ok, setz dich, Christina." Das tat ich dann auch, neben Tobias, der mich total besorgt und schockiert zugleich anschaute. Ich lächelte ihn nur an und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Ich versuchte noch den letzten 15 Minuten des Unterrichts zu folgen, was mir nicht so wirklich gelang. Ich musste immerzu daran denken, dass sich meine Eltern dauernd Sorgen um mich machten. Ich hielt es nicht aus, wenn sie sich ständig nur Sorgen machten und einfach kaum mehr das Leben genießen konnten, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, sich um mich und meine Krankheit zu kümmern. Ja klar, Diabetes ist nichts Gutes, aber es würde mir besser gefallen, wenn sie auch mal an sich selber denken würden, anstatt mir die volle Aufmerksamkeit zu schenken.
Plötzlich wurde ich vom Gong bei meinen Gedanken gestört. Ich beachtete keinen Menschen aus meinem Kurs, sondern ging einfach zur Treppe und runter in die Pausenhalle. Dort traf ich Franzi, die mich voller Begeisterung begrüßte. "Oh Gott, ich dachte schon, die geht es nicht gut oder dir sei etwas passiert, denn Tobias kam ohne dich zum Bahnhof." Ich lächelte sie an, um ihr zu zeigen, dass es mir gut ging. Beziehungsweise um ihr nicht zu zeigen, dass ich mir Gedanken machte um meine Eltern. Sie erzählte mir von ihren Freundinnen und davon, dass sie einen Jungen kennengelernt hatte, den sie toll fand und der auch ein wenig mit ihr flirtete. Irgendwann schaltete mein Gehirn einfach ab und ich hörte sie gar nicht mehr, sondern nur noch meine Gedanken. "Soll ich doch noch besser auf mich aufpassen? Muss ich meine Ernährung erneut umstellen? Machen sich meine Eltern mehr kaputt, als ich kaputt gehe?" All diese Frage schwirrten in meinem Kopf herum, ungeordnet und alle auf einmal.
Irgendwann bemerkte ich, dass Franziska mit ihrer Hand vor meinem Gesicht herum wedelte. Ich hob ruckartig meinen Kopf, um ihr ins Gesicht zu schauen und versuchte wieder zu lächeln. "Was ist denn los? Du siehst nicht gut aus." Genauso fühlte ich mich auch und deshalb rannte ich einfach, ohne etwas zu sagen, in Richtung Schultoilette und versteckte mich in einer Kabine. Plötzlich bemerkte ich, wie die Tränen in mir hoch kamen. Plötzlich brach ein unkontrolliertes Schluchzen aus mir heraus und ich erschrak mich selber. Ich versuchte es zu kontrollieren, denn was sollten die anderen Schüler denken? Ich kramte in meiner Tasche nach einem Taschentuch und wischte mir meine Tränen weg. Plötzlich klopfte es an meiner Kabinentür und ich hörte jemanden sagen: "Christina, was ist los? Warum weinst du?" Es war Sophia. Ich gab keinen Ton von mir, oder versuchte es zumindest, denn plötzlich brach wieder ein Schluchzen aus mir heraus. "Chrissi, komm da raus!", schrie sie mich schon fast an.Ich bewegte mich kein Stück, denn ich wollte einfach allein sein. Ich schlug gegen die Tür und schrie: "Geh weg!" Ich wusste selbst nicht, woher diese Reaktion kam, geschweige denn meine Tränen.

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