Sonntag, November 30, 2014

Kapitel #26

Irgendwann spürte ich etwas auf meiner Schulter und ich erwachte langsam von meinem Schlaf. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte meinen Vater vor mir. "Papa? Was machst du schon hier?" Er gab mir einen Kuss auf die Stirn und antwortete: "Ich hab mir Sorgen gemacht, denn du hast nicht auf meine Nachricht geantwortet. Geht es dir denn schon etwas besser?" Ich nickte und setzte mich dann langsam auf. "Wie viel Uhr haben wir?" Er drehte sich einmal um, um auf die Wanduhr zu schauen und sagte dann: "Kurz vor 3. Hast also ziemlich lang geschlafen." "Was? Schon so spät?", fragte ich geschockt. Ich stand schnell auf und schnappte mir meine Tasche, denn ich hatte schließlich noch Hausaufgaben zu erledigen und danach wollte ich ja noch mit Tobias reden. "Apropos Tobias, wo steckt er denn? Er hatte doch schon vor 2 Stunden aus", fragte ich mich in Gedanken. "Alles ok, Kleines? Kann man dir helfen?", fragte mich mein Papa, der an der Tür lehnte. Ich nickte nur und lief hektisch die Treppen hoch in mein Zimmer. Ich nahm meine Bücher raus und meinen Ordner schmiss ich auf mein Bett und überlegte, was ich so auf hatte. Da fiel mir alles ein und machte mich ans Werk.
Nach 30 Minuten, die ich mit 'rechnen' und 'Fragen zu einem englischen Text beantworten' verbrachte, war ich endlich fertig und ich musste nur noch die neuen Vokabeln lernen. Plötzlich bemerkte ich, dass ich mich gar nicht mehr konzentrieren konnte, weil mein Kopf anfing zu schmerzen. Ich legte mein Buch kurz zur Seite und hielt mir den Kopf. Ich konnte nicht einmal sagen, wo er weh tat. Ich schnappte mir meine Schultasche und suchte nach meiner Wasserflasche. Sie war noch komplett voll. "Kein Wunder, dass ich Kopfschmerzen hab", dachte ich mir. Ich nahm einen riesigen Schluck und wartete einen Moment, aber die Schmerzen wurden nicht weniger, sondern eher schlimmer. Ich lief in Richtung Zimmertür, um runter zu gehen, damit ich mir eine Tablette holen konnte. Auf halben Weg zur Tür merkte ich, wie mir etwas schwummrig wurde. Vor meinen Augen fing alles an sich leicht zu drehen. Mir wurde schlecht, aber ich schaffte es zur Tür. Ich drückte den Türknauf runter, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde.
Wieder spürte ich eine Hand auf meiner Schulter, aber als ich diesmal meine Augen öffnete, erblickte ich meine Mutter mit Tränen in den Augen. "Mama? Was ist los?" Ich wollte mich aufsetzen und sie in den Arm nehmen, aber sie drückte mich wieder auf mein Kissen und versuchte zu lächeln. "Schatz, wie geht es dir?", fragte sie mit weinerlichen Stimme. "Mein Kopf brummt, aber was ist mit dir los?" Ich sah mit einem besorgten Blick an, aber war dann über ihre Antwort geschockt. "Du warst ohnmächtig. Dein Vater hat erzählt, dass er plötzlich ein dumpfes Geräusch aus deinem Zimmer gehört hatte und dann hoch lief und dich dann auf dem Boden liegend vorfand." Ihr Stimme brach plötzlich ab und sie fing furchbar an zu weinen. Diesmal setzte ich mich auf und nahm sie in den Arm. Ich mochte es nicht, sie weinen zu sehen. "Hast du etwa... schon wieder nicht auf deinen Blutzucker geachtet?" Ich drückte mich aus der Umarmung weg und bekam zeitgleich ein schlechtes Gewissen, denn ich hatte wirklich nicht auf mich geachtet. Ich wusste nicht, was ich alles an Nahrungsmittel zu mir nahm und ob überhaupt genug. Ich schüttelte nur den Kopf und auch ich fing das Weinen an. "Spatz, du weißt doch, dass du aufpassen musst. Ich will nicht, dass du wieder Tage lang im Koma liegst, so wie damals vor 3 Jahren.
Ja, vor 3 Jahren lag ich etwa 8 Tage im Koma. Mein Blutzuckerspiegel war ganz weit unten und es war so wie, dass ich einfach umgekippt bin. Natürlich hatte ich Kopfschmerzen und mir war übel und schwindlig, aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich einmal eine Diabetikerin werden würde. Damals hatten meine beiden Eltern sehr viel geweint und saßen Stunden, wenn nicht sogar Tage an meinem Krankenbett. Seit dem muss ich auf meine Nahrung und generell meine Gesundheit achten. In den letzten Tage hatte ich das ziemlich vernachlässigt und deshalb war ich wohl wieder einmal umgekippt. Plötzlich klopfte es an der Tür und sie öffnete sich. "Schatz? Oh, du bist wach." Es war Tobias, der mit einem Tablett rein kam, auf dem ein Glas Wasser, eine Tasse Tee, ein kleiner Teller mit Keksen und eine kleine Schüssel mit Trauben waren. Ich musste bei dem Anblick lächeln. "Ist das für mich?", fragte ich glücklich. "Nein, für deine Oma, weißt du." Wir lachten dabei und er stellte das Tablett auf meinem Nachttisch ab. Er kam zu mir, lehnte sich über mein Gesicht und küsste mich. Währenddessen hörte ich wie meine Mutter das Zimmer verließ und die Tür hinter sich zu zog. Tobi setzte sich neben meine Beine auf mein Bett und lächelte mich an. "Tut mir leid, dass ich nicht Zuhause war, als es passiert war. Deine Mutter hat mir erzählt, dass du zuckerkrank bist. Warum hast du mir das nie erzählt, Chrissi?" Ich wusste die Antwort auf seine Frage selber nicht. Vielleicht hatte ich es auch einfach vergessen und deshalb nicht darauf geachtet. Aber nach 3 Jahren sollte sich das eigentlich in meinem Hirn einprägen. Tobias legte sich hinter mich und schlang seinen rechten Arm um meine Hüfte. Ich griff nach seiner Hand und zog sie nahm an mich.
So lagen wir eine Zeit lang, bis ich bemerkte, dass ich ja noch meinen Tee und die Trauben hatte. Ich trank einen Schluck vom Tee und nahm mir dann mein Handy, um auf die Uhr zu schauen. Es war inzwischen 20 Uhr und ich hatte bis zu der Zeit unendlich viele Nachrichten von meinem Freundeskreis erhalten. Ich hatte keine Lust zu antworten, also legte ich mein Handy wieder ab und trank weiter aus meiner Tasse. Irgendwann war sie leer und ich legte mich wieder normal hin, aber drehte mich so um, dass ich in das Gesicht meines Freundes schauen konnte. Er schien zu schlafen, also schloss auch ich meine Augen, denn auch ich war ziemlich fertig. Das musste der Tee gewesen sein, der mich müde machte.

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