Die nächste Doppelstunde über saß ich neben meinem Freund. Das war aber etwas dumm, denn wir konnte beide das Thema in Mathe nicht, also konnten wir zusammen gar nichts und mussten versuchen dem Lehrer so gut wie möglich zuzuhören. Zum Glück gingen diese zwei Stunden relativ schnell vorbei und schon war es wieder Zeit für eine Pause. Tobi und ich verließen gerade zusammen das Klassenzimmer, als mir der Lehrer hinterher rief: "Warten Sie, Frau Kohl! Ich muss kurz mit ihnen reden." Ich drehte mich zu ihm um, ließ Tobias Hand los und ging zurück ins Klassenzimmer. Der Lehrer kam mir entgegen und machte hinter uns die Tür zu. Ich fand das leicht seltsam und deshalb blieb ich einfach da stehen, wo ich gerade stand. "Setzen Sie sich." "Nein, danke", sagte ich und machte eine ablehnende Handbewegung. Er lehnte sich an den Tisch und schaute mich ernst an. "Ich mache mir Sorgen um Sie. Man hat mir gesagt, dass sie eine ausgezeichnete Schülerin wären, aber davon merke ich seit wenigen Wochen nichts mehr. Können Sie mir das mal erklären?" Er verschränkte seine Arme vor seiner Brust und sein Blick durchbohrte mich beinahe. Ich traute mich nicht mehr ihn anzuschauen, also starrte ich den Boden an. "Frau Kohl?" "Ja, ich weiß auch, dass meine Noten bisher miserabel sind, beziehungsweise ich mich nicht im Unterricht einbringe, wie sonst auch immer, aber zur Zeit geht es mir nicht so gut", sagte ich ehrlich zu ihm. "Kann ich dir helfen? Willst du reden?", bot er mir an. "Nein, danke, aber Sie sind nicht mein Vertrauenslehrer." Für kurze Zeit sagte keiner etwas, aber ich brach dann das Schweigen: "Kann ich jetzt gehen? War's das?" Ich sah mich genervt an, aber nickte dann und gab mir das Zeichen, dass ich gehen konnte. Sofort drehte ich mich um lief raus, wo Tobi auf mich wartete. "Was wollte er?" Ich gab ihm keine Antwort, sondern lief einfach an ihm vorbei runter in die Pausenhalle. Ich hörte noch, wie er mir paar Male hinterher rief, aber ich fühlte mich nicht so gut, deshalb lief ich ins Sekretariat und wollte mich befreien lassen. Tobias kam mir hinterher und schaute mir zu, wie ich der Sekretärin erklärte, was meine Beschwerden waren und sie dann meinen Vater auf der Arbeit anrief. "Was hast du denn, Süße?", fragte mein Freund mich. Ich drehte mich um und ich wusste genau, dass ich ihn leidend ansah. Er kam auf mich zu und nach mich in den Arm. Als die Sekretärin fertig mit telefonieren war, sah sie uns an und fragte Tobias: "Kann ich etwas für dich tun, mein Junge?" Tobias zog sich aus der Umarmung und machte einen Schritt zurück. Ohne ein Wort zusagen oder eine Kopfbewegung verließ er das Zimmer und stellte sich vor die Tür. Ich klärte noch den Papierkram mit der Sekretärin und verließ dann ebenfalls den Raum. Tobias begleitete mich stumm zur Bushaltestelle und wartete dann noch mit mir zusammen.
Diese Stille war erdrückend, aber ich war froh, dass er nicht mehr nachfragte. Nach 5 Minuten es Wartens kam endlich mein Bus. Tobias kam zu mir, gab mir einen Kuss und sagte: "Tschüss, ruf mich an, wenn du mal reden willst. Ich mach mir Sorgen." Ich nickte nur und stieg dann in den Bus ein.
Ich lief ganz nach hinten und packte im Laufen mein Handy und meine Kopfhörer raus, als mich ein Mann von der Seite ansprach: "Christina?" Ich sah hoch erschrocken hoch und blickte in Herr Hints Gesicht. Er lächelte mich an, aber ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Als er bemerkte, dass mir das Zusammentreffen unangenehm war, verließ ihn sein Lächeln und er lehnte sich in den Sitz zurück ohne den Blick von mir zu wenden. "Tut mir leid, falls ich dich erschrocken oder überrumpelt habe. Willst du dich zu mir setzen?" Jetzt begann auch ich ein wenig zu lächeln, nickte mit dem Kopf und setzte mich ihm gegenüber. "Haben Sie keinen Unterricht, Herr Hint?", fragte ich ihn neugierig. "Nein, bin für heute fertig. Und du?" Ich schüttelte den Kopf und sagte: "Es geht mir nicht so gut und darum hab ich mich befreien lassen." Er schaute leicht besorgt, aber ich fügte noch hinzu: "Ist nichts schlimmes. Nur Kopfweh und dann kann ich mich nicht mehr konzentrieren und so." Sein besorgter Blick verschwand wieder und nun lächelte er mich an. "Bis wohin musst du fahren?" "Ich muss beim Busbahnhof umsteigen. Und Sie? Falls ich das überhaupt fragen darf?" "Ja, darfst und ich muss auch umsteigen in einen anderen Bus." Ich nickte nur und schenkte ihm ein kurzes Lächeln. Bis zum Bahnhof redeten wir nichts mehr. Dann stiegen wir aus und ich ihm Laufen wollte ich mich bei ihm verabschieden, als ich merkte, dass er zum gleichen Bus lief. Ich schaute ihn leicht verstört an und das bemerkte er dann auch. "Müssen Sie auch zu dem Bus?", fragte ich Herr Hint und zeigte dabei auf meinen Bus, der vor uns stand. "Ja, anscheinend." Mir war das sehr unangenehm und deshalb versuchte ich unbemerkt schneller zum Bus zu laufen. Ich stieg in den Bus ein und sah, dass er vor dem Bus stehen blieb. Ich sah zu ihm rüber und auch er zu mir. Er schüttelte den Kopf und machte einen Schritt zurück. "War es doof, dass ich mir hab anmerken lassen, dass ich nicht wollte, dass er mitfährt?", fragte ich mich in Gedanken. Immer noch sah er zu mir hoch und mich überkam das schlechte Gewissen, weswegen ich ihm ein Handzeichen gab, dass er einsteigen sollte. Sofort fing er an zu lächeln und stieg in den Bus ein. Er setzte sich neben mich und fragte nochmal: "Ist das in Ordnung oder soll ich mich woanders hinsetzen?" "Schon ok." War es das wirklich?
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