Sonntag, November 02, 2014

Kapitel #17

Endlich war ich Zuhause, aber alleine. Meine Eltern waren beide arbeiten, was bedeutete, dass ich bis abends um 20 Uhr mit mir alleine war. Das erste, was ich machte, waren meine Hausaufgaben. Ich wollte sie so schnell wie möglich hinter mir haben. Ich war nie sonderlich faul, wenn es um die Schule ging, aber manchmal musste ich mich ziemlich aufraffen, damit ich anfing. Es dauerte zum Glück nicht so lang, aber dann musste ich ja noch für den nächsten Tag lernen. Ich verstand manches nicht sofort, also musste ich noch einmal im Buch nachlesen oder im Internet nach einer guten Definition für manches suchen. Nach etwa 2 Stunden war ich dann mit Hausaufgaben, lernen und üben fertig. Inzwischen war es 18 Uhr und ich merkte, wie ich langsam hunger bekam. Ich rief Franziska an, um sie zum essen einzuladen. Ich wählte ihre Nummer und es klingelte. "Hallo?", hörte ich am Ohr. "Hey, Franzi. Was machst du?" "Grad Hausaufgaben fertig und du?", fragte sie mich glücklich. "Auch. Hast du Lust, dass wir zu Megges gehen und uns dort was zu essen kaufen?" Es war kurz still und dann hörte ich ein lautes Seufzen. "Ach naja. Eigentlich bin ich ja auf Diät, das weißt du, oder?" Ich verdrehte die Augen, denn wir beide wussten genau, dass sie diese Diät nicht brauchte. "Ey komm schon! Dann nimm dir nur einen Burger und ich nehme mir ein McMenü! Franzi man, du kannst morgen wieder Diät machen, wenn dir das so wichtig ist", sagte ich ziemlich sauer in Handy. "Ne sorry. Das ist mir ein zu großen Risiko, dass ich dann wieder zunehme", sagte sie vorsichtig. Sie wusste, dass ich ihre Diät nicht verstand, aber das interessierte sie nicht. "Ja gut, dann nicht. Tschüss!" Ich legte einfach auf und schmiss mein Handy auf mein Kissen. "Was für eine dumme Kuh! Als ob sie das nötig hätte", sagte ich zu mir selbst.
Nach kurzem Überlegen entschied ich mich dazu mir einen Salat mit Tomaten, Gurken, Mozzarella und Hähnchen zu machen. Ich bereitete ihn mir vor und aß ihn dann in Ruhe. Dazu schaltete ich noch Musik ein und setzte mich auf mein Bett mit meiner Schüssel und meinem Handy. Ich war immer noch etwas sauer auf Franziska, weil ihr so eine dumme Diät wichtiger war als ihre beste Freundin.
Als ich dann fertig mit essen war, spülte ich meinen Teller ab und lief die Treppen hoch ins Badezimmer. Da schminkte ich mich erst einmal ab und sprang dann unter die Dusche. Ich ließ mir mit dem Waschen viel Zeit, weil meine Eltern nicht Zuhause waren, wodurch ich von niemandem angemault werden konnte, dass ich zu viel Wasser verbraucht hätte. Nach etwa 30 Minuten ging ich dann aus der Duschkabine raus und warf mir meinen Bademantel über. Damit ging ich dann wieder in mein Zimmer, um mich da umzuziehen und meine Haare zu trocken. Ich machte das normalerweise nicht abends, aber ich hatte keine Lust am nächsten Tag meine Haare zu glätten, also musste ich das an dem Abend machen. Ich zog meinen kuscheligen Pyjama an und föhnte meine Haare halbtrocken. Dann gab ich eine Haar-Kur in meine Haare, die man nicht auswaschen musste und föhnte dann weiter. Ich liebte meine Haare, darum wollte ich, dass sie so lang wie möglich gesund bleiben, um sie nicht schneiden zu müssen. Irgendwann war ich dann mit föhnen und Haare glätten fertig und schaute auf die Uhr: 19:40 Uhr. "Bald kommen meine Eltern", dachte ich mir. Ich ging auf den Balkon, wo es leicht frisch war. Also warf ich mir ein Hemd von meinem Vater über und ging dann raus. Ich liebte es am Abend auf dem Balkon zu sitzen. Meistens noch mit einem Chai-Latte, aber an dem Abend hatte ich dann keine Lust mir einen zu machen. Unten sah ich paar Mädchen entlang laufen. Darunter auch Franziska. Ich kannte ihre anderen Freundinnen aus ihrer neuen Klasse und es waren alles solche Möchtegern-Kinder, die rauchten und sich mit 15 besaufen mussten. Auch Franziska hatte eine Zigarette in der Hand. Mich regte der Anblick nicht sonderlich auf, weil ich schon wusste, dass sie rauchte. Nur wusste sie noch nicht, dass ich es zu dem Zeitpunkt schon wusste. Ich wollte sie darauf nicht ansprechen, sondern wartete, bis sie von selber kam. Zu dem Zeitpunkt wusste es inzwischen seit knapp 2 Monaten. Ich hatte sie schon einmal erwischt und da war ich wirklich am ausrasten, aber nur innerlich, denn ich wollte sehen, was für eine Freundin sie war und wann sie vorhatte es mir zu sagen. Anscheinend war sie keine gute, aber ich wartete trotzdem noch hoffnungsvoll.
Mir wurde auf dem Balkon immer kälter, also ging ich wieder rein und hängte Papas Hemd wieder auf. Ich hatte Lust auf einen Saft und lief die Treppen runter, als ich die Schlüssel in der Tür hörte. Meine Eltern. Ich lief zur Eingangstür und begrüßte beide: "Hallo, Mama. Hallo Papa!" Ich gab beiden einen Kuss auf die Wange und umarmte sie. Wir gingen zu dritt ins Wohnzimmer und setzten uns hin. "Wollt ihr etwas trinken?", fragte ich sie fröhlich. Sie nickten beide lächelnd und mein Papa entgegnete: "Kannst du uns die Falsche Wein aus dem Keller bringen und zwei Weingläser?" Ich nickte und lief die Treppen runter in den Keller. Ich hatte damit kein Problem. Nicht so wie meine Mutter, die aber vor allem Angst hatte. Ich holte die Flasche aus einer Kiste und brachte sie hoch ins Wohnzimmer. Dazu stellte ich noch zwei Gläser und schenkte meinen Eltern dann das Getränk ein. "Danke, Spatz", sagte meine Mama lieb zu mir. Ich lächelte sie an, legte die Flasche auf den Glastisch und lief in die Küche, weil ich ja auch noch durst hatte. Ich nahm mir ein Glas mit Weintraubensaft gemischt mit Mineralwasser und nahm mir das Glas hoch in mein Zimmer. "Ich bin dann mal oben", schrie ich noch auf dem Weg in mein Zimmer. Ich setze mich auch mein Bett und schaute auf mein Handy: Ich hatte 6 verschiedene Nachrichten auf Whatsapp. In einer davon entschuldigte sich Franzi für ihre Entscheidung am Telefon und sie schlug vor, dass wir am nächsten Tag nach der Schule gehen konnten. Ich sagte ihrer Anfrage zu und und las dann die anderen Nachrichten. 3 waren noch von Tobias und 1 war noch von einer unbekannten Nummer. Ich las mir schnell Tobias Nachrichten durch, aber antwortete nicht. Dann schaute ich nach, was für eine Nachricht ich von der unbekannten Nummer hatte. Es war ein einfaches "hey". "Hi, kennen wir uns?", antwortete ich zurück. Die Nummer hatte kein Bild, auch nicht, als ich die Nummer unter 'Unbekannt' speicherte.
Es kam keine Antwort mehr zurück. Deshalb legte ich mein Handy wieder auf meinen Nachttisch und trank meine Weintraubenschorle aus. Ich brachte danach mein Glas runter in die Küche und lief die Treppen wieder hoch ins Bad, um meine Zähne zu putzen. Als ich dann auch damit fertig war, ging ich zurück in mein Zimmer und schnappte mir ein Buch zum Lesen. Wie sollte es anders sein: Es war "Divergent - Die Bestimmung". Als ich anfing zu lesen, war es schon 20:20 Uhr. Ich wollte nicht zu lange lesen, weil der Teil im Buch fesselte mich so sehr, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Irgendwann hörte ich , wie sich meine Zimmertür öffnete und sah hoch, um zu sehen, wer es war. "Spatz, es ist schon spät. Geh schlafen." Es war meine Mama. Ich nahm mir mein Handy und sah, dass es inzwischen 22:05 Uhr war. "Mir ist gar nicht aufgefallen, dass ich so lang gelesen habe", bemerkte ich laut. Sie nahm mir lächelnd das Buch ab und legte es auf meinen Nachttisch. "Du musst morgen ausgeschlafen sein", sagte sie noch bevor sie mir einen Kuss auf die Stirn gab. "Gute Nacht, Christina." "Gute Nacht, Mum", sagte ich. Sie machte das Licht in meinem Zimmer aus und verließ es dann. Ich drehte mich einige Male hin und her, aber konnte nicht schlafen, weil ich an die anonyme Nummer denken musste.  "Wer könnte das sein?", fragte ich mich in Gedanken. Dann wollte ich nicht länger darüber nachdenken und schloss meine Augen und endlich war ich eingeschlafen.

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