Wir unterhielten uns noch bis zum Ende der Pause und dann gongte es leider schon. Franziska umarmte mich kurz, gab mir einen Kuss auf die Wange und lief in Richtung ihres Klassenzimmers. Ich stand kurz allein da und dann kamen endlich Julia und Tobias zu mir. Ich wunderte mich, wo Tamara und Sophia in der Pause waren, denn ich hatte sie nicht gesehen. Ich lief mit meinem Freund und seiner Stiefschwester die Treppen hoch zu unserer nächsten Stunde und endlich sah ich Tami und Sophia. Ich riss mich aus Tobis Hand und lief auf die beiden zu. Aus irgendeinem Grund war ich froh sie zu sehen, auch wenn wir uns in der Früh gesehen hatten. "Hey, Leute", rief ich wie ein kleines Kind zu ihnen und rannte sie halb um. "Oh Gott, nur langsam! Warum denn so glücklich? Wir haben uns doch schon gesehen", fragte Tami mich überrascht. Ich zuckte nur mit den Schultern und erschrak, als sich plötzlich zwei Arme um mich schlangen. Tami und Sophia lächelten und dann kam auch schon unser Lehrer.
Die Doppelstunde Geschichte verging zum Glück ziemlich schnell und dann kam zum Schluss eine Durchsage von unserer Sekräterin: "Eine Durchsage an das W-Seminar von Frau Huber. Das W-Seminar fällt aus, also ist für diesen Kurs um 13:05 Uhr Schluss. Danke." Das erste was mir einfiel war: "Yeah, ich darf früher heim." Julia, die neben mir saß, lachte mich aus, weshalb ich sie böse anschaute. "Chrissi, du bist so süß", sagte sie lächelnd zu mir. Endlich gongte es und ich konnte nach Hause. Leider musste ich alleine fahren, weil alle meine Freundinnen und auch mein Freund leider noch ihr W-Seminar hatten. Ich verabschiedete mich von allen mit einer Umarmung, bei Tobias natürlich mit einem langen Kuss und schon setzte ich mich in Bewegung zu S-Bahn. Ich steckte mir meine Kopfhörer in die Ohren und hörte Musik, am Liebsten zur Zeit von Sunrise Avenue. Während ich auf meinen Zug wartete, wippte ich im Takt zur Musik und bemerkte auch schon die Blicke der Leute, die ebenfalls warteten. Aber das war mir egal.
Endlich kam mein Zug und ich konnte nach Hause. 20 Minuten war ich dann endlich komplett daheim und das erste was ich tat, war meine Tasche auf den Boden zu werfen und in mein Zimmer zu laufen, um mich faul auf mein Bett zu werfen. Ich nahm mir mein Handy zur Hand und sah nach, ob ich eine neue Nachricht von der unbekannten Person hatte. Und tatsächlich hatte ich eine:
"Hallo, wie geht's dir?" "Hallo, sehr gut und dir, unbekannte Person?" Es kam keine Antwort mehr zurück, aber diese Person war auch schon seit etwa einer Stunde nicht mehr online. Ich wartete noch, aber es kam nichts zurück. Ich hatte keine Lust mehr zu warten, darum legte ich mein Handy auf meinem Nachttisch ab und setzte mich auf meinem Bett hin. Ich merkte, wie ich langsam hunger bekam, also begab ich mich in die Treppen runter in die Küche und suchte nach etwas zum Essen. Ich fand nichts besonderes, also machte ich mir nur einen Obstsalat aus einem Apfel, einer Birne, einer Banane. 2 Kiwis und ein paar Erdbeeren. Dazu gab ich noch etwas Joghurt und stolzierte damit die Treppen hoch in mein Zimmer, um dort meinen Snack zu genießen. Ich hätte auch auf meine Mutter warten können, aber dafür hatte ich viel zu großen hunger.
Ich genoss meinen Fruchtsalat und setzte mich währenddessen schon mal an meine Hausaufgaben. Zum Glück war es fast gar nichts, weshalb ich nur etwa 5 Minuten brauchte. Ich musste noch lernen, aber hatte keine Lust, und deshalb nahm ich mein Handy und meine Schüssel und brachte diese runter in die Küche. Ich nahm mein iPhone, weil ich Lust hatte ein wenig spazieren zu gehen. Ich zog mir meine Chucks an, schnappte mir meine Schlüssel und mein Handy und machte mich langsam auf dem Weg.
Natürlich durfte meine Musik nicht fehlen, aber gerade als ich meine Kopfhörer an mein Handy anstecken wollte, bekam ich eine Nachricht, von unbekannt:
"Es geht mir auch ziemlich gut. Ich wäre bereit, mich dir zu zeigen. Ich weiß, dass ich noch warten wollte, aber irgendwie würde ich es doch jetzt hinter mir bringen." "Wie heißt du denn überhaupt?", stellte ich ihm als Frage. "Ich heiße Lukas, aber wenn wir uns sehen, werde ich auf dich zu kommen. Treffen wir uns am Hauptbahnhof um 15 Uhr? Bei den Treppen, die zu den Zuggleisen führen?" "Ja okey, aber woher soll ich dich erkennen, wenn ich kein Bild von dir habe?" Noch bevor er mir antworten konnte, speicherte ich seine Nummer unter dem Namen Lukas und dann kam auch seine Rückantwort:
"Ich weiß ja, wie du aussiehst. Also werde ich auf dich zukommen, also nicht erschrecken, wenn dich ein fremder Mensch plötzlich von hinten antippt oder dich anlächelt, während er auf dich zu kommt." Ich musste bei dem Satz lächeln. Irgendwie war er ja schon ganz nett, so wie er schrieb. "Aber was wenn er eigentlich nicht so nett ist?", fragte ich mich selber. Ich machte mir noch länger darüber Gedanken und inzwischen war ich schon ein gutes Stück gelaufen. Ich musste nach Hause, um meiner Mama Bescheid zu geben, dass ich vorhatte mich mit Lukas zu treffen. "Soll ich ihr überhaupt sagen, dass ich mich mit einem fremden Jungen treffen wollte?", kam es mir in den Sinn. Ich dachte mir, dass sie nicht so begeistert sein würde, aber ich entschied mich dazu, es ihr zu sagen. Als ich dann Zuhause ankam, sah ich meine Mama im Wohnzimmer fernsehen. "Hallo, Mum." "Hallo, Spatz", gab sie fröhlich als Antwort. "Wieso warst du schon so früh Zuhause?" "Hatte früher Schluss. Mama, ich habe vor, mich mit einem Jungen zu treffen am ..." "Warte, was? Christina, du hast einen Freund? Wozu dann mit einem anderen treffen?" unterbrach sie mich schockiert. Ich sah mich erwartungsvoll mit großen Augen an und ich gab ihr entgegen: "Mama, er ist nur ein Freund! Er heißt Lukas und ist sehr nett. Also, ich gehe jetzt. Tschüss, ich weiß nicht, wann ich zurück bin." "Nein, warte, wer..." Noch bevor sie ihren Satz zu ende bringen konnte, lief ich zur Tür raus und schmiss die Tür hinter mir zu. Auf dem Weg zum Bahnhof dachte ich noch einmal über das Treffen nach. Ich konnte es ja nicht als Blind Date bezeichnen, aber irgendwie war es ja schon so, nur dass ich halt glücklich mit einem anderen Jungen zusammen war. Die Betonung lag auf 'glücklich'. Da fiel mir ein, dass ich ja noch nicht zugesagt hatte. Schnell nahm ich mein Handy raus und schrieb kurz: "Ok, bis um 15 Uhr. Ich warte auf dich." Ich war aufgeregt, aber das war normal, nachdem ich ja, wie schon mal erwähnt, schlecht mit Jungs zurecht kam, außer dann halt mit Tobias. Ich beeilte mich ein wenig und mit jeden Schritt wurde ich lockerer gegenüber dem Treffen, ich wurde mutiger.
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