Sonntag, November 23, 2014

Kapitel #23

Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von etwas, das mich im Gesicht kitzelte. Ich machte vorsichtig meine Augen auf und hatte mich total erschrocken, als ich einen Hinterkopf vor meinem Gesicht entdeckte. Ich wollte gerade los schreien, als mir einfiel, dass mein Freund ja bei uns schlief. Ich versuchte mich vorsichtig auf den Rücken zu drehen, um ihn nicht zu wecken, was mir nicht sonderlich gut gelang. "Guten Morgen, Prinzessin", hörte ich Tobias sagen. Man hörte aus dem Satz, dass er lächelte. Auch ich musste lächeln und brachte ein fröhliches "Guten Morgen" raus. Jetzt, nachdem ich wusste, dass Tobi wach war, konnte ich mich - ohne jegliche Rücksicht auf ihn - umdrehen und auf mein Handy schauen, wie viel Uhr wir hatten. Ich drückte den Knopf und es leuchtete mein Bildschirm mit meinem Hintergrund und der Uhrzeit auf. Es war 6:30 Uhr, aber ich dachte nicht einmal daran mich wieder umzudrehen, sondern starrte lieber meinen Sperrhintergrund an. Auf dem Bild waren Tobi und ich von hinten zu sehen, wie wir Hand in Hand durch den Wald liefen. Das Foto hatte Julia damals von uns gemacht. "Prinzessin, alles okey?", kam es plötzlich von hinten. Ich zuckte zusammen, aber drehte mich dann zu ihm um, nachdem ich merkte, dass es ja nur Tobias war. Inzwischen hatte er auch sich zu mir umgedreht und schaute mir direkt in die Augen. Ich nickte lächelnd und küsste leicht seine Lippen. "Was machst du eigentlich in meinem Bett, Schatz?", fragte ich ihn. Schließlich hatte er seinen Schlafplatz unten im kleinen Gästezimmer. Meine Eltern wären ausgerastet, wenn sie gewusst hätten, dass er in meinem Bett schlief. "Oder anders, seit wann liegst du denn schon in meinem Bett?", stellte ich meine Frage um. Er lächelte, aber ich behielt meine ernste Miene. "Schatz, keine Angst, sie haben nichts..." Noch bevor er seinen Satz zu Ende bringen konnte, unterbrach ich ihn: "Tobias, wie und wann bist du hergekommen?" Dieses Mal klang auch meine Stimme ernster, schließlich machte ich mir Sorgen, nicht dass meine Eltern doch noch was mitbekommen. "Beruhige dich, Prinzessin. Ich bin so gegen 4 Uhr hereingekommen, weil ich so allein in dem kleinen Zimmerchen war", sagte er mit seiner süßesten Stimme. Dabei kam er meinem Gesicht näher und küsste mich noch einmal. Ich lächelte noch während des Kusses, aber beendete ihn dann wieder.
Er streckte seinen Arm aus, woraufhin ich meinen Kopf auf ihn ablegte und so lagen wir dann noch, bis mein Wecker um 7 Uhr klingelte. Tobias gab nur ein genervtes Stöhnen von sich und zog seinen Arm zu sich, nachdem ich mich aufsetzte, um den Wecker abzustellen. Wir standen beide gemeinsam vom Bett auf und gingen zusammen ins Bad, als es mir wieder einfiel. "Schatz, du musst runter ins Bad gehen. Nicht dass sie doch plötzlich rauskommen und dich dann hier sehen." "Achso, darf ich jetzt nicht einmal meiner Freundin einen guten Morgen wünschen?", fragte er sarkastisch. "Im Bad? Wirklich Tobi?" Wir beide lachten, aber wohl etwas zu laut, denn plötzlich öffnete sich tatsächlich die Schlafzimmertür und man hörte die Schritte kaum, also musste es meine Mutter sein, was sich dann zum Glück bestätigte. "Guten Morgen, ihr zwei. Habt ihr eine Stunde später Schule?" Wir beide nickten und meine Mama lächelte nur und zog dann die Badezimmertür hinter sich zu.
Mein Freund und ich wuschen unser Gesicht, putzten unsere Zähne und anschließend ging jeder auf 'sein', um sich umzuziehen. Etwa 10 Minuten später trafen wir uns zu dritt unten in der Küchen und aßen Müsli zum Frühstück mit Milch und Erdbeeren. Wir ließen uns Zeit und machten ein wenig Quatsch am Tisch. Nach 15 Minuten waren wir auch damit fertig und wieder ging jeder in sein Zimmer und sein Bad, um sich fertig zu machen. Ich hörte währenddessen noch ein wenig 'Sunrise Avenue' und nach 20 Minuten war ich dann endlich komplett fertig. Ich packte noch schnell meine Tasche, stopfte Essen und etwas zu Trinken rein und lief dann Richtung Haustür, wo Tobi schon seine Schuhe anzog. Als er mich sah, band er sich den Schuh schnell und lief auf mich zu. Er umarmte mich von hinten und zusammen sahen wir in den Spiegel. Ich sah ein glückliches Paar, das lächelte. "Sind wir nicht süß, Prinzessin?", flüsterte er mir ins Ohr, was mir eine Gänsehaut bescherte. Ich nickte nur zufrieden und drehte mich dann um, um Tobias einen Kuss auf die Backe zu drücken. Ich schnappte mir meine schwarzen Vans und anschließend meine Tasche. "Tschüss, wir gehen!", schrie ich noch ins Wohnzimmer. Es kam keine Antwort mehr zurück, also verließen wir einfach das Haus und zogen die Tür hinter uns zu.
Hand in Hand liefen wir zum Bahnhof, wo wir Tamara, Sophia und Franzi trafen. Wir unterhielten uns über den dummen Tag, den wir vor uns hatten, auch noch mit Nachmittagsunterricht. Als wir in der Schule ankamen, war es schon 8:40 Uhr, also hatte die Stunde gerade angefangen, aber unser Zug hatte Verspätung. Sophia, Tamara, Tobi und ich kamen bei unserem Zimmer an und entschuldigten uns für die Verspätung. Wir verfolgten den Unterricht und um 9:25 Uhr war dann auch schon wieder Pause. Ich wunderte mich zunächst, warum Julia nicht im Unterricht war, aber dann fiel mir ein, dass sie und ihre Pflegeeltern ja einen Ausflug machten, bei dem Tobias nicht mit wollte. Ich suchte in der Pause Tobi, denn ich wollte ja noch wissen, warum er nicht mitwollte. "Habt ihr Tobi gesehen?", fragte ich einige seiner Kumpels. Sie verneinten alle meine Frage, also bedankte ich mich freundlich und lief weiter durch das Schulhaus. Irgendwann gab ich es auf und ging raus, um dort weiter zu suchen. Da stand er dann, mit anderen Kumpels außerhalb des Schulgeländes und rauchte eine. Ich überlegte, ob ich mich zu ihm gesellen sollte, aber entschied mich dann dagegen. Doch gerade, als ich mich umdrehen wollte, hörte ich Tobias rufen: "Prinzessin, komm doch her!" Ich setzte mich in Bewegung und lief auf die kleine Gruppe von Rauchern zu. Mein Freund streckte seinen Arm so aus, dass ich rein laufen konnte und wir so nebeneinander standen. Er gab mir einen Kuss auf den Kopf und drückte mich eng an sich. "Kann ich auch mal?", fragte ich einen seiner Kumpels. Er hieß Gabriel. Er wollte mir eine ganze Zigarette anbieten, aber ich schüttelte nur den Kopf und sagte: "Nur einmal ziehen." Er wollte Kippe nicht mehr zurück tun, also nahm ich sie anschließend doch an und zündete sie an. Dieses Mal musste ich ziemlich husten, aber das legte sich dann zum Glück wieder. Wir zogen genüsslich an unseren Zigaretten und als wir dann fertig mit rauchen waren, gingen Tobi und ich zusammen - Arm in Arm - rein. Dann gongte es auch schon und dann fiel mit ein, dass ich ihn ja noch etwas fragen wollte. Jetzt war es leider zu spät.

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