Montag, November 03, 2014

Kapitel #18

Am nächsten Morgen wurde ich von meinen Wecker um 7 Uhr geweckt. Ich konnte etwas länger schlafen, weil meine erste Stunde ausfiel. Ich schaltete den Wecker ab und nahm einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Danach stand ich auf, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde. Das verging zum Glück wieder und ich dachte mir: "Oh, bin ich wohl zu schnell aufgestanden. Naja, jetzt mal langsam ins Bad gehen." Dies tat ich dann auch und wusch mein Gesicht. Beim abtrocknen schaute ich in den Spiegel und merkte, dass ich ziemlich blass um die Nase herum war. Ich setzte mich wieder in Bewegung und lief die Treppen runter in die Küche. Da machte ich mir ein Nutella-Brot und nahm mir noch einen Apfel und ging dann wieder hoch, um mich fertig zu machen. Ich suchte mir eine Bluse raus und ein paar helle Jeans. Ich war noch nicht so kalt draußen zu der Zeit, deshalb wollte ich keine Jacke anziehen, sondern etwas relativ lockeres und dünnes, aber nicht zu 'nackt', wie meine Mama sagen würde. Ich schminkte mich schnell und bemerkte dabei im Spiegel, dass sich meine Gesichtsfarbe nicht sonderlich geändert hatte. Ich kämmte meine Haare noch durch und glättete noch einmal nach, damit jede kleinste Locke verschwunden war und packte danach meine Tasche, das hieß Block, Mäppchen, Essen, Trinken, Zeugs zum Frischmachen und meine Schlüssel. Als ich fertig damit war, war es erst 7:50 Uhr, also hatte ich noch circa 20 Minuten Zeit, bis ich aus dem Haus musste. Darum schnappte ich mir noch einmal meinen Ordner und schaute mir kurz den Stoff von letzter Stunde in jedem Fach an. Währenddessen schaute ich auch mal auf mein Handy, denn ich wartete ja noch auf eine Antwort von der anonymen Nummer vom Vortag. Und tatsächlich, ich hatte eine Antwort. Ich öffnete sofort Whatsapp und las die Nachricht:
"Ja, wir kennen uns. Aber ich möchte dir erst einmal nicht sagen, wer ich bin. Vielleicht kommst du ja von selbst drauf, während wir schreiben. Also jedenfalls, wenn du es willst." Ich hatte ein wenig Angst, weil ich nicht wusste, woher diese Person meine Nummer hatte, wenn ich sie nicht hatte. Die Person versicherte mir zwar, dass ich sie echt kannte, aber es war irgendwie seltsam mit ihm oder ihr zu schreiben. Trotzdem lies ich mich darauf ein. 
"Na gut. Hast du aber vor mir mal zu sagen, wer du bist?", fragte ich zurück. "Ja, irgendwann", kam es schnell als Antwort zurück.
Nach der Nachricht schaute ich kurz auf die Uhr un bemerkte, dass es schon sehr spät war, nämlich 8:08 Uhr. Ich musste mich beeilen mit Tasche nehmen, Treppe runter laufen und dann noch meine Chucks anzuziehen. Pünktlich um 8:10 Uhr war ich dann aus dem Haus und lief dann in Richtung Bushaltestelle. Ich überlegte noch kurz, ob ich zum Bahnhof laufen sollte und entschied mich dafür. An der zweiten Kreuzung konnte ich nicht fassen, wer da war. "Tobias, Schatz!" Er drehte sich zu mir, nachdem ich nach ihm rief und lächelte mich überglücklich an. Ich umarmte und küsste ihn und umarmte ihn dann noch einmal ganz lang. "Kommst du zur Schule?", fragte ich ihn glücklich. Er nickte hektisch und ich war noch glücklicher als schon zuvor. "Also hat er es gleich gestern am Telefon erlaubt?" "Ja, hat er und ich bin so froh, dass es geklappt hat! Du wirst es mir nicht glauben, aber ich habe es so vermisst in die Schule zu gehen. Könnte aber auch einfach an dir liegen, Schatz!", sagte er total süß. Er drückte mich noch einmal fest an seine Brust und küsste mich auf den Kopf. Ich lächelte dabei und dann liefen wir so, Arm in Arm zum Bahnhof. Ich merkte, wie er in seiner Tasche kramte und schaute ihn fragend an. "Ehm, darf ich eine rauchen? Bitte." Ich überlegte kurz, aber ich wusste, dass er nicht ganz so einfach aufhören konnte, und das wollte ich ja eigentlich auch nicht unbedingt. Also nickte ich zustimmend und sah ihm zu wie er seine Zigarette anzündete. Eigentlich störte es mich nicht, aber ich natürlich war ich als Nichtraucherin damit nicht zufrieden.
Wir waren fast beim Bahnhof angekommen, aber er hatte die Zigarette noch nicht fertig geraucht. Ich wollte ihn auch nicht stressen, also blieben wir einfach stehen und warteten. "Schatz, darf ich vielleicht auch einmal?", fragte ich und war danach selbst erstaunt. Es kam einfach aus mir heraus geschossen und am Liebsten hätte ich meine Worte zurückgenommen. Tobi schaute mich verwirrt und schockiert an. Ich zog noch einmal dran und reichte sie mir dann. "Bist du sicher, dass du das willst? Ich hab jetzt nichts dagegen, aber ich will halt nicht, dass du meinetwegen jetzt Kettenraucherin oder so etwas wirst, Schatz", sagte er ernst. Ich nickte nur und nahm den Glimmstengel entgegen. Ich überlegte noch einmal, aber ich wollte einfach wissen, warum es solche Leute gab, die ohne Zigarette nicht mehr konnten. Ich steckte mir die Zigarette in den Mund und zog einmal kurz daran. Komischerweise musste ich nicht husten, so wie ich es von anderen Anfängern kannte. Ich gab Tobias die Zigarette zurück und lächelte ihn vorsichtig an. "War's schlimm? Du hast ja nicht einmal gehustet", merkte er an. Ich zuckte nur mit den Schultern und sah Tobias zu, wie er die Kippe auf den Boden warf und meine Hand in seine nahm. Wir liefen die Treppen zum Bahnhof hoch und gingen zu meinen Freundinnen, die inzwischen auch seine waren, worüber ich wirklich sehr glücklich war.
20 Minuten später waren wir dann in der Schule und liefen zusammen in Richtung Klassenzimmer. Unsere nächste Stunde war Englisch, worin ich leider nie so gut war. Ich hasste es vor der Klasse englisch zu reden, weil ich da immer schrecklich nervös wurde und anfing zu stottern. Wir setzten uns an unsere Plätze, also ich saß neben Julia, und warteten, dass der Unterricht anfing. Wie immer meldete ich mich kein einziges Mal in der Doppelstunde, aber hörte wenigstens aufmerksam zu. Irgendwann war die Stunde dann endlich vorbei und wir konnten raus. Ich ging als eine der letzten zusammen mit Julia und Tobi raus. Wir liefen an den anderen Klassenzimmern vorbei in Richtung Treppenhaus, als plötzlich vor mir die Tür aufging und ich beinahe dagegen geknallt wäre. Ich wollte den Schüler gerade anmaulen, aber es war gar keiner, sondern ein Lehrer. Herr Hint. "Warum eigentlich immer er?", fragte ich mich in Gedanken. "Oh, Christina, tut mir leid. Ich hatte dich nicht gesehen. Alles..." "Ja, es geht mir gut. Ich hätte besser aufpassen sollen", sagte ich wieder einmal peinlich berührt und lief schnell weiter zu den Treppen. "Warte doch!", schrien mir Tobi und Julia noch hinterher. "Warum bist du so rot? Ist es dir etwa peinlich gegen eine Tür zu laufen?", fragte Julia belustigt. "Nein, können wir das Thema lassen?", fragte ich launisch. Zum Glück waren sie dann still, denn ich wollte das nicht vertiefen. Schließlich wusste ich ja selber nicht, warum mir das immer wieder peinlich war, wenn ich gegen ihn lief oder mit ihm zusammenstieß.
Unten wartete Franziska und ich rannte auf sie zu und umarmte sie. Sie sah nicht sonderlich glücklich aus, also fragte ich sie: "Was denn los, Süße? Ist was passiert?" Sie sah zu Boden und antwortete zaghaft; "Ich habe dir etwas verheimlicht und es tut mir schrecklich leid. Ich weiß, dass wir keine Geheimnisse mehr haben wollten, aber es ist schon lange so und ich konnte mich nie dazu überwinden, es dir zu sagen." Ich wusste schon, was sie sagen wollte, aber ich tat auf total neugierig und verständnisvoll. "Was denn? Sag schon, wir sehen danach, ob es so schlimm ist, wie du denkst." "Natürlich ist es schlimm, denn ich weiß genau, wie du dazu stehst, Chrissi!", schrie sie mich beschämt an. "Also gut. Ich ... Ich habe im Juli angefangen zu rauchen. So jetzt ist es raus und wahrscheinlich hasst du mich jetzt, oder?" Ich versucht so gut wie möglich auf überrascht zu tun. "Du tust was?!", schrie ich sie. Sie erschrak etwas, anscheinend übertrieb ich etwas mit dem sauer sein. "Es ... Es tut mir leid! Es kam einfach dazu und jetzt kann ich nicht mehr aufhören. Bist du mir wirklich so krass böse?" Sie weinte fast, also erzählte ich ihr, dass ich es schon wusste, weil ich sie einmal gesehen hatte. "Ach wirklich? Aber warum..." "Warum ich nie was gesagt habe? Weil ich es von dir hören wollte! Ich wollte wissen, was ich für eine Freundin für dich bin und anscheinend bedeute ich dir kaum etwas, Franziska!", sagte ich sauer. Nach diesen Worten fing sie wirklich an zu weinen. Ich nahm sie daraufhin einfach in den Arm. Sie ließ ich in meine Arme sinken und schluchzte einfach los. Sie drückte mich wieder etwas weg und schaute mich verwirrt an. "Warum bist du gerade so verständnisvoll? Ich dachte, du seist total sauer." Ich lächelte sie an und gab ihr ein Taschentuch. Dabei sagte ich: "Ich war sauer. Wirklich sehr sauer, aber ich habe mich damit abgefunden. Mein Freund raucht ja auch und naja, es gibt Dinge, die kann man nicht ändern. Natürlich heißt das nicht, dass du jetzt auch neben mir immer rauchen kannst." "Nein nein, das hatte ich auch nicht vor", versicherte sie mir. Wir lächelten uns noch einmal an und ich nahm sie wieder in den Arm. Ich war froh, dass sie es mir endlich gestanden hatte und auch, dass wir ein Problem weniger zwischen uns hatten. Schließlich war sie meine beste Freundin und ohne sie konnte ich ja nicht mehr.

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