Sonntag, Juni 28, 2015

Kapitel #35

Die Autofahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor. Wenigstens war das Radio an, sonst wäre die Stille erdrückend. Ich schaute aus dem Fenster und sah, dass wir an der Haltestelle vom Tag zuvor vorbei fuhren. Christophers Frau räusperte sich und er sah sie kurz an, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte. "Ist was, Schatz?" Sie seufzte und sagte dann: "Nein, eigentlich nicht. Also denke ich." Ich sah wie Herr Hint eine Augenbraue hochzog und seine Frau wieder für einen Moment ansah. Er lenkte das Auto nach links in eine Seitenstraße mit großen Häusern. Nach vielleicht 100m stoppte er den Wagen und parkte rückwärts in eine Einfahrt ein. Es war ein weißes Haus, etwas kleiner als die anderen, aber trotzdem noch groß. Größer als unser Haus, das gerade mal 500m von dort entfernt gewesen sein musste, weil wir nicht weit von der Haltestelle abgebogen sind. Beide stiegen aus dem Auto und ich tat es ihnen gleich. "Ist das euer Haus?", fragte ich und schon schaute mich die Frau wieder komisch an. "Ja, Christina. Übrigens heiße ich Janna." Ich nickte und hielt ihr meine Hand hin, um ihr meinen Respekt zu zeigen, den ich vor ihr hatte. Vielleicht war es aber auch Angst, die ich in ihrer Gegenwart verspürte. Christopher öffnete die Haustür und wir traten alle ein. Mir blieb die Luft weg. Alles sah unglaublich edel aus: Marmorböden, weiße Möbel mit goldenen Details, kleine Statuen in hohen Regalen, eine elegant aussehende Treppe... "Christina? Ist alles okey?" Ich nickte und lief vorsichtig den Flur entlang. "Dieses Haus ist wunderschön! Seit wann wohnt ihr hier?", fragte ich neugierig. "Seit etwa 5 Monaten. Komm, ich zeige dir das Wohnzimmer." Ich sah zu Janna und lief ihr hinterher. Plötzlich vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche. "Hallo?" "Chrissi? Wo bist du, Schatz? Ich mache mir total die Sorgen, weil Tobi auch nicht weiß, wo du bist. Es war meine Mama, aber ich hatte keine Lust mit ihr zu reden. "Tja, mir egal. Bis später." Ich legte einfach auf und schaltete anschließend mein Handy auf stumm. "Tut mit leid, war nur meine Mum." Frau Hint lächelte und deutete auf eine große Tür vor uns. "Das ist das Wohnzimmer." "Diese Tür ist ja riesig! Ist hier alles so groß?" Janna lachte und schüttelte den Kopf, während sie die Tür öffnete. Ich schaute in einen großen, hellen und edlen Raum. Wie immer alles in weiß und gold, einige Ledersofas und Sessel und einen großen Flachbildfernseher. Mir fiel die Kinnlade runter. Irgendwann trat Janna vor mich und schnipste mir vor der Nase. "Anscheinend gefällt es dir." "Gefallen ist noch gar kein Ausdruck! Ihr lebt wirklich mit Stil in diesem großen Haus. Habt ihr auch Kinder oder so?" Nach dieser Frage verschwand ihr Lächeln und ihre Augen wurden glasig. Sie weinte. "Janna? Tut mir leid, falls ich etwas falsches gesagt haben sollte." Jemand trat hinter uns, es war Christopher. "Liebling? Ist alles ok?" Janna drehte sich zu ihm um und weinte in seine Brust. Er sah mich fragend an und ich fragte mich, was ich gesagt haben könnte. 'Gibt es etwa ein Problem wegen dem Schwangerwerden?' Langsam beruhigte sie sich und wir liefen langsam in Richtung Küche, wo das Essen auf uns wartete. Wir setzten uns an den Tisch und schwiegen uns an.
Mittendrin fing Janna an zu reden: "Tut mir leid. dass du mich so sehen musstest. Ich bin noch etwas empfindlich, was das Thema betrifft. Hat nichts mit dir zu tun." Christopher und ich schauten sie gespannt an. "Ich wollte dich nicht kränken. Darf ich denn fragen, was es ist?", fragte ich vorsichtig und wechselte von Janna zu Christopher. "Ehm, Janna..." Er machte kurz Pause und sah seine Frau erwartungsvoll an. Sie nickte. "Nun ja, Janna kann keine Kinder kriegen." Dieser Satz ließ mich meine Gabel fallen lassen. Janna erschrak bei dem Lärm und wieder wurden ihre Augen glasig. "Oh nein. Das tut mir wahnsinnig leid. Ich hatte ja keine Ahnung." Ich stand auf und lief auf Janna zu, um sie in den Arm zu nehmen. Ich tröstete sie, bis sie sich wieder beruhigte und setzte mich ihr wieder gegenüber an den Tisch, um weiter zu essen. "Wer hat das gemacht? Das ist köstlich!" Christopher lächelte und hob die Hand. "Hier ist der Schuldige." "Du kannst kochen? Sowas gibt es sehr selten, Janna du hast so ein Glück." Sie lächelte und rutschte näher zu ihrem Mann.
Wir unterhielten uns noch ein wenig, bis die Küchenuhr 15 Uhr schlug. "Oh, es ist schon spät. Ich muss noch nach Hause und etwas für die Schule machen." Ich umarmte noch einmal Janna und Christopher brachte mich zu Tür. "Danke für das Essen. War wirklich sehr lecker." "Gerne. Danke, dass du die Einladung angenommen hast. Nach gestern war ich etwas unsicher deswegen.""Ja, wegen gestern wollte ich mich noch entschuldigen. Ich war etwas überfordert mit der Situation." "Situation? Was meinst du?" "Naja, dass du eine Frau hast. Das hat mich etwas erschrocken." Erst nach dem Satz merkte ich, was ich da eigentlich gesagt hatte. Er lächelte beugte sich etwas zu mir runter und gab mir einfach einen Kuss auf die Wange. Ich wusste nicht weshalb, aber es störte mich nicht. Ich lächelte stattdessen und ging dann zur Straße runter und lief in irgendeine Richtung. "Du musst in die andere Richtung laufen. An der nächsten Kreuzung musst du dann links abbiegen und dann kommst du auf deine Hauptstraße." Ich winkte ihm noch zu und lief dann etwas schneller. 'Jetzt erwartet mich erst einmal eine Überraschung Zuhause. Wahrscheinlich sind meine Eltern unglaublich sauer.'

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen