Samstag, März 26, 2016

Kapitel #53

Mein Kopf hatte so ziemlich ausgesetzt und ich konnte nicht mehr klar denken wegen diesem Mann. Er muss aber trotzdem bemerkt haben, dass ich etwas unsicher war. "Soll.. Soll ich aufhören? Ist alles ok?", sagte er leicht aus der Puste. "Was, wenn Janna nach Hause kommt?" "Geht es dir nur darum oder willst du einfach nicht? Du musst es mir sagen." Ich schüttelte den Kopf und entfernte mich etwas von ihm. "Es ist wirklich wegen ihr. Ich würde mich darauf einlassen können, wenn ich mir sicher wäre, dass sie uns nicht erwischt." Chris kam auf mich zu und legte seine Hand auf meine Wange. "Keine Angst. Sie kommt erst spät am Abend." Ich sah auf die Uhr, es war 19:20. Ich nickte und küsste ihn gleich wieder. Diesmal ließ ich es zu und ich schlief mit dem Mann, der mich die letzten Monate völlig aus dem Konzept brachte.
Ich war etwas erschöpft, aber schaute auf die Uhr, damit ich wusste, ob ich schon weg musste. Es war inzwischen 21 Uhr. Mein Kopf ruhte auf seiner Brust und ich spürte wie sich diese im Rhythmus auf und ab bewegte. Ich sah kurz zu ihm hoch und sah, dass er schlief. Deshalb versuchte ich mich leise aus dem Bett zu schleichen, um meine Kleidung zu suchen und diese dann anzuziehen. Es blieb bei dem Versuch, denn Christopher wurde wach und sah mich leicht verschlafen an. "Musst du schon weg? Das finde ich nicht so schön." Er kletterte aus dem Bett und ich musste währenddessen grinsen. "Es war wirklich sehr schön. Danke für den Abend, aber ich muss langsam nach Hause, nicht dass wir unglücklicherweise überrascht werden." Er gab mir einen Kuss auf meinen Kopf und antwortete: "Ich wünschte, du könntest diese Nacht hier bleiben. Auch ich fand es sehr schön." Ich drehte mich zu ihm um und gab ihm noch einen kurzen Kuss, bevor ich mir meine Jacke und meine Schuhe anzog und das Haus verließ. Beim Spaziergang nach Hause konnte ich an nichts anderes denken. Er war so zärtlich und liebevoll, aber es gefiel mir nicht, dass ich seine Affäre war. Ich wollte natürlich nicht, dass er sich meinetwegen von seiner Frau scheiden ließ, aber ich fühlte mich bei dem ganzen Versteckspiel nicht wohl.
Ich beeilte mich nicht nach Hause, weshalb es 21:15 war, als ich ankam. Tobi saß im Wohnzimmer auf der Couch und sah Fern. "Bist du es Chrissi?" "Ja, hey." Er sprang vom Sofa und kam zu mir, um mich zu umarmen. "Und, ist alles gut gelaufen?" Ich merkte selbst, dass ich nicht aufhören konnte zu grinsen, aber ich hätte nicht gedacht, dass er so schlau ist und den Gesichtsausdruck auch noch deuten konnte. "Habt ihr etwa...?", fragte er vorsichtig. Ich nickte und grinste weiter. "Einfach so?" "Was heißt einfach so? Das war so irgendwie die Entschädigung für heute Nachmittag." Er grinste nun auch, also schien er nicht sonderlich sauer oder so etwas in der Art. Währenddessen hatte ich mir die Schuhe ausgezogen und ließ Tobi unten alleine stehen. In meinem Zimmer schmiss ich zunächst meine Jacke auf mein Bett und dann mich noch dazu. Ich konnte immer noch nicht an etwas anderes denken. Es war so richtig schön und ja, ich war nun keine Jungfrau mehr. Ich liebte ihn wirklich und deshalb bereute ich den Abend auch kein Stück. 'Hoffentlich bereut er ihn auch nicht.' Irgendwann entschied ich mich dafür, dass ich duschen gehe und mich langsam bettfertig mache. Ich war wirklich sehr müde und erschöpft. Ich beeilte mich ein wenig, damit ich Chris noch eine Nachricht schreiben konnte, wo ich mich erneut für den Abend bedankte und ihm schrieb, dass ich hoffte, dass wir uns morgen in der Schule sehen. Natürlich meinte ich damit nicht als Paar, aber einfach so, dass ich ihn sehen konnte und er mir wieder ein paar Türen ins Gesicht hauen konnte. Dafür war er sehr gut gemacht. 

Freitag, März 25, 2016

Kapitel #52

Um 13 Uhr war dann endlich die Hölle vorbei, aber ich hatte ihn den ganzen Tag über nicht gesehen. Ich machte mir ein wenig Sorgen. Ich wollte gerade zur S-Bahn laufen, da sah ich ihn in einer Seitenstraße stehen und mich dabei anlächeln. Ich lächelte zurück und weil ich alleine unterwegs war, weil die anderen noch eine Besprechung hatten, ging ich über die Straße zu ihm. Er versteckte etwas hinter seinem Rücken. Es war eine Rose. Ich hätte dahin schmelzen können, weil er so süß war und mir trotzdem eine Rose schenkte, obwohl wir nicht zusammen waren. Dachte ich. "Ich hab dich heute den ganzen Tag gesucht." "Echt? Ich war hier, aber anscheinend sind wir uns einfach nicht über den Weg gelaufen. Warum hast du mich denn gesucht?" Das fragte er mit so einem schiefen Lächeln. "Nun ja.. Nur so." Er lachte mich aus und zog mich dann am Handgelenk tiefer in die Seitenstraße. "Ich habe etwas vorbereitet Zuhause und mein Auto steht da hinten." Ich lächelte, aber drehte mich immer wieder um, um zu schauen, ob uns jemand gesehen hatte. Glücklicherweise nicht. Ich folgte ihm zum Auto und fragte dann: "Ist Janna denn nicht Zuhause?" Er schüttelte den Kopf und dann stiegen wir in sein Auto.
Nach nicht einmal 10 Minuten waren wir bei seinem Haus und der parkte das Auto in der Garage. "Du kannst schon einmal rein gehen, ich muss noch kurz mein Handy im Auto suchen." Ich nickte und ich kannte ja den Weg, weshalb ich nicht überlegen musste. Ich kam ins große Wohnzimmer und machte es mir bequem bis er auch endlich auftauchte. "Hast du Hunger?", fragte er mich. Ich nickte wild, denn ich war so ziemlich am verhungern. Wir gingen in die Küche und da wartete Spaghetti a la Christoph auf mich. Ich grinste, weil ich mich total darüber freute. Er zog wie ein Gentleman den Stuhl hinter, damit ich mich setzen konnte und setzte sich dann gegenüber von mir. "Womit habe ich das denn verdient, Chris?" "Naja, heute ist Valentinstag und genau deshalb hast du mich ja auch gesucht oder? Damit wir das zusammen feiern können." Ich wurde rot und versuchte das einfach zu überspielen, indem ich zu essen begann.
Das Essen war köstlich und ich wollte ihm als Dankeschön beim Abräumen helfen, aber er wollte nicht, sondern sagte: "Na na na. Heute wird nicht gearbeitet." Ich lachte, denn ich war an so etwas nicht gewohnt. Tobias war, was das betraf nicht so liebevoll. Er hat auf andere Arten gezeigt, dass er mich liebte, aber nie so. Es fühlte sich toll an, einmal so verwöhnt zu werden. "Wenn du willst, kannst du schon einmal hochgehen und dann komme ich so in 5 Minuten nach. Ist das ok?" Ich nickte und stolzierte die Treppe hoch. Oben wartete ich dann einfach und schaute gelegentlich auf mein Handy. Ich hatte Nachrichten von Tobias und Franzi. Beide fragten mich, wo ich war, aber ich wollte ihnen nicht antworten, geschweige denn sagen, wo ich mich befand. Dann hörte ich Schritte die gefühlt 200 Stufen hochkommen und versteckte deshalb mein Handy. Er kam mit einem breiten Grinsen oben an und sah mich total süß an. "Ich hab noch eine Kleinigkeit für dich. Komm mit." Er öffnete eine Tür und es war ein fast komplett leeres Zimmer, auf dessen Boden sich Rosenblätter befanden und Kerzen. Noch nie hatte ich so etwas schönes gesehen, aber mit dem Anblick kam ich zurück auf den Boden und erinnerte mich an seine Frau, an seinen Job und an Tobias. Tobi war gegen diese Beziehung oder Affäre, und eigentlich sollte mich das nicht daran hindern, aber ich höre immer wieder seine Stimme mit den Worten 'du kannst nicht mit einem verheirateten Lehrer was anfangen!'. Ich drehte mich zu Chris um und sah ihm in seine wunderschönen blauen Augen, während ich sagte: "Das geht nicht. Ich... Ich..." "Was meinst du? Wir wollen doch nur einen schönen Tag miteinander verbringen, mehr nicht." Ich spürte wie mir die Tränen kamen und antwortete darauf: "Du bist verheiratet. Du bist 13 Jahre älter als ich. Du bist Lehrer an der Schule, die ich besuche. So geht das nicht." Ich versuchte zu lächeln, doch es fiel ihm sichtlich schwer. "Wir reden doch nur. Ja, wir haben uns geküsst, aber auch nur weil wir es beide wollten. Weil wir beide Gefühle füreinander haben, oder etwa nicht?" Ja, ich hatte wirklich Gefühle für ihn, doch die durfte ich nicht zulassen. Die Stimmen in meinem Kopf wurden lauter und schrien mich an, dass ich sofort sein Haus verlassen sollte. "Ich... Ich muss gehen! Tut mir leid. Danke für das tolle Essen, aber..." Ich konnte meinen Satz gar nicht beenden, denn ich brach in Tränen aus und wollte einfach aus dieser Situation fliehen.
Ich rannte raus auf die Straße und schnell nach Hause. Meine Tränen wurden nicht weniger und es wurde schon fast schlimmer, als ich Tobis Sneaker vor meiner Haustür liegen sah. Ich wischte mir die Tränen weg und beruhigte mich etwas, und als ich das Gefühl hatte, mich in Griff zu haben, öffnete ich die Tür und atmete noch einmal tief durch. Schon hörte ich Schritte auf mich zu rennen und sah meinen Ex-Freund dann vor mir. "Oh man, wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht, weil du nicht an der S-Bahn und auch nicht Zuhause warst. Ist alles ok?" "Ich musste an die Luft spazieren, weil der Tag echt anstrengend war. Ich bin Heim gelaufen und da braucht man so 45 Minuten. Es sind aber fast 90 Minuten, die du später bist. Irgendwas ist doch passiert. Wurdest du überfallen?" "NEIN!", schrie ich ihn an, wobei er erschrak. "Ich muss allein sein, mir geht es nach diesem Tag wirklich nicht so gut." Er nickte nur noch und ließ mich vorbei.
Ich ging die Treppen hoch ins Bad und machte mich ein wenig frisch. Um 3 Uhr war ich geduscht, abgeschminkt und in frischen Klamotten eingekleidet. Ich schaltete mein Handy aus, um von niemandem gestört zu werden und verkroch mich dann in meinem Zimmer. Ich musste wohl wie immer eingeschlafen sein, denn ich wurde von einem guten Geruch geweckt, als es schon ziemlich dunkel war. "Wie spät ist es?" "Ich hab hier einen Tee für dich. Es ist fast 7 Uhr. Der Tag wird zum Glück langsam wieder länger, aber es trotzdem schon ziemlich dunkel." Er stellte den Tee auf meinen Nachttisch und setzte sich auf mein Bett. Auch ich setzte mich hin, um ihn besser sehen zu können. "Jetzt musst du mir aber erzählen, was bei dir los ist. Hat es etwas mit dem Valentinstag zu tun?" Ja, hatte es, aber nicht hauptsächlich, also wackelte ich nur seltsam mit dem Kopf. "Herr Hint?" Damit traf er voll ins Schwarze, weshalb ich einfach auf den Boden sah. "Hat er etwas schlimmes getan?" Im Gegenteil. Er hat mich total romantisch mit selbst gemachtem Essen überrascht und dann auch mit einem schön geschmückten Zimmer, aber dann schaltete sich mein Verstand wieder ein und ich rannte aus dem Haus. Je länger ich über eine mögliche Beziehung nachdenke, desto mehr zweifele ich an ihr. Aber keinesfalls an meinen Gefühlen oder seinen, denn die sind echt." Er nickte nur und hörte zu und zu meinem Glück weinte ich nicht. Ich war stark genug nicht vor ihm weinen zu müssen. Plötzlich stand er einfach auf und verließ mein Zimmer. Nach einer knappen Minute kam er wieder hoch und auch er versteckte eine Rose hinter seinen Rücken. "Du auch noch? Krieg ich von dir jetzt auch etwas zu essen?", fragte ich kichernd. Er lachte auch und sagte: "Du sollst mehr lachen und darum gibt es jetzt diese Rose von mir. Du solltest es mit ihm versuchen, denn ich sehe, dass du nicht ohne ihn kannst und natürlich müsst ihr vorsichtig sein, aber meinen Segen hast du, denn anscheinend war ich schuld, dass du es nicht zugelassen hast. Das will ich aber nicht, denn du bist glücklich, wenn du von ihm erzählst, auch wenn es nichts Gutes ist." Ich nahm die Rose entgegen und fühlte mich so gut wie nie zuvor. Seine Worte bauten mich auf und konnte nicht anders als ihn ganz fest zu umarmen und ihm einen kleinen Kuss auf die Backe zu drücken. Sofort hüpfte ich aus dem Bett und sollte eine schmale Vase für meine zwei Rosen. "Na, jetzt geht es dir wohl wieder gut", sagte er lachend. "Ja, weil du der beste Freund auf der Welt bist und genau weißt, wie du mich wieder aufmuntern kannst." Er grinste dabei und schaute mir zu, wie ich durch mein Zimmer sprang. Ich kramte in meinem Kleiderschrank nach etwas zum Anziehen und zog mich einfach um. "Ich geh jetzt zu ihm und entschuldige mich für mein Verhalten. Er wird es verstehen." Tobi nickte und stand auch vom Bett auf. Sofort zog ich mir meine Schuhe an und rannte aufgeregt aus dem Haus. Es war zwar schon finster, aber ich hatte keine Angst, sondern wurde dadurch nur noch mehr dazu angetrieben, dass ich mich zu ihm beeilte.
Bei ihm angekommen sah ich glücklicherweise noch nicht das Auto seiner Frau, weshalb ich an der Haustür klingelte. Zunächst öffnete niemand, doch dann ging die Tür auf und Chris stand vor mir. Er sah traurig aus. Sofort sprang ich ihm um den Hals und küsste ihn wild. Er machte mit, aber drückte mich dann irgendwann sanft von sich weg. "Was ist los? Du bist ja wie ausgewechselt." "Ich hatte Zeit nachzudenken und ja, ich brauche dich und will jede Sekunde mit dir genießen." Durch diese Worte zauberte ich ihm ein Lächeln ins Gesicht und schon küsste er mich weiter. Der Kuss wirkte immer fordernder und irgendwann hob er mich hoch und trug mich hoch ins Schlafzimmer, wo die Rosenblätter noch auf dem Boden lagen. "Du hast sie nicht weggeräumt?", fragte ich leicht außer Atem. Er nickte und küsste mich weiter, immer fordernder und auch ich merkte, dass ich ihn wollte. Nur war es wirklich das Richtige in dem Moment?

Freitag, Februar 19, 2016

Kapitel #51

Genau in dem Moment ging meine Tür auf und Tobias stand da. "Darf ich reinkommen?" "Ich dachte, du bist wütend!", sagte ich zu ihm genervt. Ich trat einfach ein und kniete sich plötzlich vor mich hin. "Was wird das?" "Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich hätte nicht so ausrasten dürfen, aber ich bin nun einmal so schockiert, weil es ausgerechnet der ist, bei dem ich mir schon dachte, dass da was laufen würde. Wieso hast du mich angelogen, Chrissi?" Er sagte das mit ein solchen Enttäuschung und Traurigkeit, dass ich immer mehr Schuldgefühle entwickelte. "Hab ich nie! Es lief nie etwas. Dieser Kuss passierte, weil ich so traurig war und dann war er für mich da, so wie immer und dann fühlte ich mich so wohl und alles. Bist du eifersüchtig?", fragte ich mit einem inneren Grinsen. "Nein, natürlich nicht..." Kurze Pause. "Ok, vielleicht doch. Aber nur weil ausgerechnet so einer wie der Lehrer jemanden wie dich kriegt." Es klang wie ein verstecktes Kompliment, weswegen ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte. "Aber wir zwei sind nur Freunde, weil es vielleicht besser ist. Ist doch so, oder?" "Wie willst du nur befreundet sein, wenn du offensichtlich nicht über unsere Trennung hinweg bist?" Ich wusste, dass diese Frage sehr böse klang, aber es stimmte schließlich. "Natürlich bin ich nicht darüber hinweg, wenn genau er der Grund unserer Trennung war." Er schrie mich an und sah mich dabei böse an. "Schrei mich nicht so an!", schrie ich aus Angst. Er bemerkte es, stand auf und lockerte dabei seinen Gesichtsausdruck. "Tut mir leid, aber es ist noch so schwer für mich. Ich glaube, dass ich mal eine Nacht darüber schlafen muss und dann können wir morgen weiter reden." Ich nickte und er beugte sich zu mir runter, um mir einen Kuss auf die Stirn zu geben. Ohne weiteres und einen weiteren Blick verließ er wieder mein Zimmer.
Ich verstand gar nichts mehr. Tobias hatte schreckliche Stimmungsschwankungen, als ob er schwanger war. Ich schaltete mein Handy wieder ein und endlich bekam ich eine Nachricht von Chris: "Ohje, hat er sich wieder beruhigt? Wenn etwas ist, kannst du mir gerne schreiben oder mich auch anrufen zur Not. P.S. Der Tag war sehr schön, und ich hoffe, dass du den Kuss nicht bereust." Natürlich bereute ich den Kuss nicht, aber ich wusste, dass es keine gute Idee gewesen ist, weil er schließlich verheiratet war. In dem Moment wurde mir erst bewusst, was es für ihn bedeuten würde, wenn das raus käme. Seine Frau Janna durfte es nicht erfahren, aber ich dachte mir, dass Chris das selbst wusste, weshalb ich ihn nicht daran erinnerte. Ich saß anscheinend sehr lange einfach auf meiner Bettkante, denn als ich auf meine Handyuhr schaute, war es 22:15. Diesmal wollte ich wirklich schlafen, also schaltete ich mein Mobiltelefon wieder aus und kuschelte mich unter die Decke.
Am nächsten Morgen wurde ich von meinem Wecker um 6 Uhr geweckt. Ich klickte einfach auf den Bildschirm, machte aber keine Anstalten, aufzustehen. 5 Minuten später klingelte er erneut, doch wieder war ich nicht bereit aufzustehen. Nach zwei weiteren Malen musste ich mich aber wirklich fertig machen, sonst wäre ich als Zombie in die Schule gefahren. Gerade als ich aufgestanden bin, klopfte es an meiner Tür. "Ja?" "Bist du angezogen?" "Ja, komm rein", sagte ich lachend. Er öffnete die Tür und spitzte ins Zimmer. "Guten Morgen. Wie hast du geschlafen?", fragte ich ihn neugierig. Ich zuckte mit einer Schulter und fragte: "Und du?" "Eigentlich ziemlich gut." "Tut mir leid, dass ich dich gestern so angeschrien hab. Ich hatte es selbst nicht bemerkt, bis du es nicht gesagt hast. Bist du mir sehr böse? Oder noch verschreckt?" Ich lächelte und schüttelte dabei den Kopf. "Ich war wirklich erschrocken, aber irgendwie verstehe ich dich. Trotzdem will ich, dass du dich da bitte nicht einmischst. Es war sowieso nur ein Kuss und dabei bleibt es auch, schließlich ist er verheiratet." Er nickte und lächelte ein wenig. "Was ist so amüsant?" "Du machst dir nur darüber Gedanken, dass er eine Frau hat, aber nicht wie groß der Altersunterschied ist. Das ist ein wenig seltsam." Ich lachte kurz, denn darüber hatte ich natürlich schon nachgedacht, aber: "Tobi, das Alter ist nur eine Zahl." "Zitierst du jetzt Twilight oder was?" Wir lachten beide und dann verschwand ich im Bad, um mich wirklich fertig zu machen. "Steck mal bitte mein Glätteisen in die Steckdose und schalte es auf 210°C", schrie ich in mein Zimmer. Sofort tat er dies auch und ich konnte in Ruhe mein Gesicht vorbereiten. Nach 5 Minuten ging ich zurück und sah, wie Tobi vor dem Spiegel stand und seine Haare mit dem Glätteisen in die richtige Position richtete. "Ach, so machst du das immer", kommentierte ich leicht amüsiert. Er erschrak und verbrannte sich leicht mit dem Werkzeug. "Aua! Man, du hast mich voll erschrocken." "Sorry, wollte ich nicht. Willst du mir dann auch gleich die Haare machen?" "Klar, lass mich nur kurz kalten Wasser auf meine Stirn tun und dann komm ich wieder." Solange suchte ich Klamotten für den Tag und zog mich um, doch dann kam er plötzlich rein. "Ouh ouh, sorry, ich hätte.." "Schon okey", unterbrach ich ihn, "komm einfach rein." Ich zog mein Oberteil über den Kopf und stellte mich dann vor den Spiegel. "Okey, fang an." Er lachte und trat näher. Er glättete meine Haare und zu meinen Erstaunen machte er das wirklich gut. "Du machst das ja schon fast so gut wie ich. Woher?" "Hab Julia auch manchmal die Haare gemacht", sagte er mit einer traurigen Stimme. "Oh.. tut mir leid, dass ich das gefragt habe. Wie geht es dir eigentlich inzwischen nach der Sache?" Er glättete einfach meine Haare weiter und gab keine Antwort. Das war mein Zeichen, dass ich den Mund halten musste.
Nach 15 Minuten war er fertig und ich war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Ich drehte mich um und umarmte ihn: "Danke! Hast du super gemacht." Er lächelte und verließ dann still mein Zimmer. Ich stellte mich wieder vor den Spiegel und musste mich in Lichtgeschwindigkeit schminken, was glücklicherweise gut funktionierte. Um 7:05 war ich dann endlich fertig und musste nur noch meine Tasche vorbereiten. "Hast du deine Tablette genommen?", rief Tobias von unten. Sofort lief ich zu meiner Kommode, wo meine Medikamente waren. "Ja, jetzt. Danke!" Somit konnte ich mit meiner Tasche runter laufen und mir aus der Küche noch einen Apfel schnappen, den ich auf dem Weg essen wollte. "Gehen wir? Es wird Zeit", machte Tobias mir Stress. Ich nickte und zog ihn an seinem Arm nach draußen. Wir zogen uns noch schnell die Schuhe an und liefen langsam los. Er packte seine Zigaretten raus und fragte, ob ich auch eine wollte. Ich dachte kurz nach und nahm sie dann an. "Danke." Wir liefen relativ still nebeneinander zur S-Bahn und gingen dann hoch zum Bahnsteig. Oben trafen wir auf Franziska, Tamara und Sophia. "Hey Leute." Alle drei lächelten mich an und umarmten mich eine nach der anderen. "Ehm, alles okey? Seit wann so begeistert, wenn ihr mich seht?" "Keine Ahnung, wollten dir mal unsere Liebe zeigen." Ich lachte und da fiel es mir ein. Es war Valentinstag. 'Na toll, perfekt. Am Tag zuvor jemanden geküsst, aber am Valentinstag trotzdem single.' Dann fuhr zum Glück auch endlich die S-Bahn ein und in 10 Minuten waren wir an der Schule. Es dauerte keine 2 Minuten und schon erwischte ich mich dabei, wie ich Chris suchte. Ich sah ihn nirgends, aber die Mädels bemerkten, dass etwas nicht stimmte. "Was ist los? Suchst du deine Liebe?" Sie lachten, doch ich fand es nicht so lustig, eher traurig. Sofort ließen sie mich in Ruhe, nur Tobi sah mich an, denn er wusste genau, was los war. An seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass es ihm nicht passte, aber irgendwie sah ich auch, dass er besorgt war. Dann gongte es und wir mussten in die Klassenzimmer. Ich hatte natürlich Erdkunde mit der dummen Lehrerin, die mich ständig anmaulen musste.

Montag, Januar 18, 2016

Kapitel #50

Ich hatte den Gedanken an Tobias mit dem Gedanken an den Kuss mit Christopher ersetzt. Ich war so überglücklich mit der Situation und hätte die ganze Welt umarmen können, bis mein Handy neben mir klingelte. Ohne drauf zu schauen, legte ich es an mein Ohr. "Hallo?" "Hey, ich bin's." Es war Tobias und schon musste ich wieder daran denken, dass er verschwunden war. "Bist du schon Zuhause?" "Ja, aber wo bist du?", fragte ich ein wenig besorgt. Er sagte einen Moment nichts und antwortete dann: "Ich musste raus. So wie du. Ich bin in 5 Minuten wieder da. Was hast du eigentlich die ganze Zeit draußen getrieben?" "Nichts. Bis dann." Ich wollte so schnell wie möglich davon ablenken, denn dieser Kuss würde meinem Ex das Herz brechen. 'Ich kann es ihm nicht sagen. Entweder warte ich noch, sage es ihm sofort oder sage es ihm niemals.' Die Entscheidung fiel mir schwer, weshalb ich keinen weiteren Gedanken daran verschwenden wollte. Ich setzte mich auf mein Bett und überlegte, ob ich Hausaufgaben hatte. Ich war plötzlich so motiviert. Dann fiel mir ein, dass ich nichts auf hatte und genau in dem Moment hörte ich Jemanden im Erdgeschoss spazieren. "Bist du das Tobi?" "Ja, bist du oben?" Ich antwortete nicht, weil ich schon Schritte die Treppen hochkommen hörte. Die Tür zu meinem Zimmer öffnete sich und er stand direkt vor mir. "Da bist du ja. Haben wir uns beide beruhigt?" Ich nickte und umarmte ihn. Irgendwie tat es mir schon leid, dass ich ihm nichts davon erzählen konnte, aber es war einfach besser so. "Geht es dir gut? Du bist so still und antwortest auf keine Frage von mir." Wieder nickte ich nur, weil ich Angst hatte, dass sobald ich meinen Mund aufmachte, ich ihm alles über den Kuss erzählt hätte. "Hast du deine Zunge verschluckt?" "Nein. Mir ist nur nicht nach Reden zumute." Zunächst lächelte er, doch seine Miene verzog sich zu einem leicht besorgt aussehenden Blick. "Ist etwas passiert? Du wirkst leicht angespannt." Ich setzte mich auf mein Bett und ich verspürte immer mehr Drang danach, ihm alles zu beichten. Obwohl es keine Beichte war, weil wir ja nicht zusammen waren. Doch es ging hier um Herr Hint. Einen Lehrer unserer Schule. "Ich muss dir was erzählen", platzte es plötzlich aus mir heraus. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Gedanken. Er setzte sich auch zu mir und schaute mich fragend an. "Ich habe vor kurzem Jemanden geküsst. Wir sind zwar nicht in einer Beziehung, aber es wird dich trotzdem nicht erfreuen, wenn du seinen Namen hörst, weil du mich genau davor mehr oder weniger gewarnt hattest." Man sah ihm an, dass er immer hellhöriger wurde. Plötzlich weiteten sich seine Augen und er schrie schon fast: "Dieser Lehrer?! Erzähl mir bitte nicht, dass er es ist." "Ok, dann werde ich es dir eben nicht sagen." Sofort sprang er vom Bett und sah mich richtig wütend an: "Wie konntest du? Keine Beziehung hin oder her, du kannst doch keinen verheirateten Lehrer küssen!" "Hab ich gar nicht. Eigentlich hat er mich zunächst küssen wollen, aber ich fühlte mich nicht bereit.." "Was besser gewesen wäre", unterbrach mich mein Ex. "Danach wollte ich es aber doch und dann geschah es nun einmal. Mein Gott, du machst so ein Theater, als ob ich mit ihm geschlafen hätte, Tobias!" Er verdrehte nur die Augen, drehte sich von mir weg und ging wütend aus meinem Zimmer.
Ich wollte ihm nicht nachlaufen, weshalb ich einfach auf meinem Bett sitzen blieb und mein Handy zur Hand nahm. Ich schrieb eine Nachricht an Chris und erzählte ihm, dass ich es Tobias gesagt hatte und ebenso von seiner Reaktion. Ich konnte ihn verstehen, aber er musste auch mich verstehen. Man kann schließlich nicht selbst bestimmen, wen man liebt. Ich war mit der Wahl meines Herzen trotz alledem zufrieden, weil Christopher meinem Typ entsprach und er war auch noch intelligent, verständnisvoll und immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Ich hatte nicht einmal mehr das Gefühl, dass ich ihn erst seit wenigen Monaten kannte, sondern eher, als würde ich ihn mein Leben schon kennen. 'Er weiß so vieles über mich, doch ich weiß leider viel zu wenig über ihn. Das müssen wir dringend nachholen!' Genau diese Erkenntnis schrieb ich ihm ebenfalls und legte anschließend mein Handy mit einem Lächeln im Gesicht auf meinen Nachttisch. Ich hatte immer noch keine Lust, Tobias hinterher zu rennen, weshalb ich mich umzog, mein Gesicht reinigte und anschließend in mein Bett schlüpfte, um pünktlich schlafen zu gehen. Am nächsten Tag hatte ich schließlich wieder Schule. 'Sh*t, ich hab morgen einen Test!' Da fiel es mir ein, dass ich doch etwas für die Schule tun musste. 'Ob Tobias auch davon weiß? Soll ich ihn mal daran erinnern?' Ich entschied mich dagegen und setzte mich für etwa 20 Minuten an den Schreibtisch um Dinge zu markieren, raus zuschreiben und es durchzulesen.
Nach diesen 20 Minuten war ich wirklich müde, obwohl es erst 21:30 war. 'Die Zeit ist aber schnell vergangen, seit ich wieder hier war.' Erneut sprang ich in mein Bett, deckte mich zu, las noch die letzten Nachrichten, keine von Chris, und schaltete mein Handy anschließend ab.

Samstag, Januar 16, 2016

Kapitel #49

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich verpasste ganz knapp die S-Bahn, also beschloss ich, nach Hause zu laufen. In den fast 45 Minuten dachte ich sehr intensiv über alles nach. 'Hatte Tobias recht? War das sie ganze Zeit mehr zwischen Christopher und mir? Will auch ich etwas von ihm? Schließlich bin ich ihm zunächst auch entgegen gekommen, bis sich mein Verstand eingeschalten hat. Kann ich nach gerade Chris noch sehen, geschweige denn mit ihm reden?' Ich ging einfach weiter, lief mitten auf dem Weg und beachtete keinen Fußgänger, keinen Radfahrer oder sonst irgendjemanden, der an mir vorbei kam. Ich spürte zunächst auch mein Handy in meiner Hosentasche nicht, doch irgendwann dann doch, nur bis ich es herausholte, legte die Person schon auf. Es war Chris. 'Besser, dass ich nicht dran gegangen bin.' Ich wusste, dass ich ihm Unrecht tat, weil ich ihm ja eben nicht sofort widerstanden hatte, aber ich war trotzdem so verwirrt. Sollte das etwa heißen, dass Christopher mich sehr mochte? Das konnte nicht gut gehen, schließlich war er 13 Jahre älter als ich.
Plötzlich blieb ich abrupt stehen. Ich drehte mich plötzlich um und ging den ganzen Weg wieder zurück. Ich wollte es nicht, aber meine Füße trugen mich zum Weiher zurück. Ich kam sehr schnell dort an und Christopher saß immer noch auf der gleichen Bank und starrte aus seine Schuhe mit den Ellenbogen auf den Knien abgestützt. Ich ging einfach auf ihn zu und merkte ein Grinsen auf meinen Lippen. Ich blieb kurz vor ihm stehen und als wüsste er, dass ich es war, schaute er hoch zu mir und lächelte mich an. Ich setzte mich wieder neben ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust und fing einfach an zu weinen. "Chrissi? Was ist los?" "Es tut mir so leid! Ich war so geschockt über ... über ..." "Den Fast-Kuss?", beendete er meinen Satz. Ich nickte und fragte vorsichtig: "War es gewollt von dir? Und wenn ja, was hatte das zu bedeuten?" Er drückte mich mit seinen Armen leicht nach hinten, wodurch ich ihm in die Augen schauen musste. "Es war Absicht und es gibt nur einen Grund dafür. Christina, ich mag dich wirklich sehr. Ich weiß, dass das total verrückt klingt, aber ich habe das schon vor einigen Wochen bemerkt und du hast mich schon fasziniert, als du in der Kirche in mich rein gelaufen bist. Ich dachte anfangs, dass ich einfach ein guter Freund für dich sein sollte, aber ich konnte es nicht länger verbergen. Deshalb finde ich die Scheidung von Janna auch so sinnvoll." Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte, aber es kamen erneut die Tränen, weil ich so berührt davon war. "Hör bitte auf zu weinen. Ich verstehe es total, wenn du nicht so empfindest wie ich. Der Altersunterschied ist natürlich eine schwierige Sache und..." "Hör au zu reden!", schrie ich ihn an und er sah mich daraufhin geschockt an. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Ich weine, weil ich so froh bin, dass du das gesagt hast. Ich habe auch schon seit längerem das Gefühl, dass du mehr als nur ein Freund für mich bist. Und das traurige ist leider, dass Tobias noch vor mir bemerkt hatte, was da zwischen uns ist. Das war ja auch der Grund unserer Trennung. Er ist bei mir und ich hatte anfangs noch die Hoffnung, dass doch was auch ihm und mir wird, aber jetzt will ich das gar nicht mehr. Ich hatte nicht bemerkt, dass das alles Schicksal war und es nur wollte, dass er und ich uns kennen lernen und gute Freunde werden, während es bei und beiden andersherum ist. Verstehst du, was ich meine?" Ich beruhigte mich durch mein Reden wieder und setzte mich richtig hin, während ich meine Tränen wegwischte. Chris lächelte, nein er strahlte mich an. "Genau in dieses Lächeln habe ich mich verliebt und ich bin froh, dass du es mir wieder zeigst. Es beruhigt mich. Du beruhigst mich."
Diesmal nahm er mein Gesicht in seine beiden Hände und zog es näher an seins. "Willst du es diesmal?" Ich lächelte und küsste ihn einfach. Es war ein langer Kuss. Ein langersehnter Kuss, der niemals hätte enden sollen. Irgendwann hörten wir auf und sahen uns einfach an. Er strahlte mich an und das tat auch ich. Glücklicher konnte ich nicht sein, doch dann viel es mir wieder ein. "Also wird das eine geheime Beziehung? Eine andere Wahl haben wir nicht, oder?" Er schüttelte den Kopf und küsste noch einmal meine Stirn. "Für's Erste müssen wir es so machen. Sowieso müssen wir noch die Scheidung hinter uns bringen, denn vorher wäre die Beziehung gefährlich, was das betrifft." Ich nickte langsam und entzog mich seinen Händen und nahm etwas Abstand zu ihm. "Wann immer du mich brauchst, kannst du mich anrufen. Sei es für eine Umarmung, zum Reden oder auch für einen Kuss. Ich wohne schließlich nicht weit." Wir lächelten uns an, küssten uns noch einmal und dann stand ich auf, um endgültig nach Hause zu gehen. Ich erwischte dieses Mal auch den Zug und fuhr überglücklich nach Hause, wo Tobi auf wartete. 'Ob er noch sauer ist? Ich hoffe nicht, aber auch das wird meine Laune nicht vermiesen können.' Ich öffnete die Haustür und rief: "Hallo, ich bin wieder da." Ich bekam keine Antwort, weshalb ich zunächst ins Wohnzimmer, dann in die Küche und dann ins Gästezimmer ging. Nirgends war er, auch nicht in meinem Zimmer oben. Ich setzte mich auf mein Bett, legte mich anschließend hin und lächelte weiter vor mich hin.

Donnerstag, Januar 14, 2016

Kapitel #48

Ich schaffte es nicht mehr als einen Pancake zu essen. Ich machte mir vor allem Gedanken wegen Christopher, weil es so klang, als wäre es etwas wichtiges gewesen. Er war auch immer für mich da gewesen, also musste ich das auch für ihn. "Danke für's Essen. War gut, aber ich muss telefonieren." "Mit dem Typen?" "Nein! Ich gehe hoch", sagte ich wütend und lief die Treppen hoch in mein Zimmer, wo ich mich anschließend einsperrte. Ich nahm mein Handy in die Hand und rief ihn an. "Chrissi? Hast du Zeit?" "Ja klar. Was ist denn los?", fragte ich ein wenig in Sorge. "Ich muss einfach dringend mit dir reden. Treffen wir uns in 30 Minuten vor der Schule? Schaffst du das?" "Wieso da? Du wohnst doch gar nichts weit von hier. Aber ok, wenn du meinst." Es kam mir schon ein wenig seltsam vor, aber ich stimmte dem Treffen zu, weil ich wissen wollte, was ihn so beschäftigte. Wir legten beide auf und ich zog mich ganz schnell um. Ich musste mich warm anziehen, denn draußen wehte der Wind sehr stark.
Ich rannte die Treppen runter, einfach an der Küche und Tobias vorbei in Richtung Haustür. Ich hörte ihn noch etwas rufen, aber ich verstand es nicht und hatte keine Zeit ihn zu fragen. Ich rannte zum Bahnhof, denn ich hatte 5 Minuten später den Zug zur Schule. Ich sah ein Nachricht auf meinem Display aufleuchten, von Chris. Sie ließ mich etwas lächeln, denn er schrieb: "Hoffe, du stresst dich nicht zu sehr, aber ich muss dich dringend sehen und mit dir reden." Ich fragte mich auch nach dieser Nachricht wieder einmal, ob er mehr wollte. Er war eigentlich verheiratet und mein Lehrer. Ich kam gerade noch am Bahnhof an, stieg in die S-Bahn und fuhr eine Haltestelle bis zur Schule. Als ich ankam, regnete es nicht mehr, zum Glück. Ich lief zur Schule, bis ich bemerkte, dass ich noch 15 Minuten Zeit hatte. 'Na toll.. Was mache ich nun bis er kommt?' Ich ging langsamer und machte sogar extra noch einen Umweg.
Als ich nach 5 Minuten an der Bushaltestelle vor der Schule war, sah ich einen Mann auf mich zu kommen. Es war Christopher und er war um einiges schneller als ich da gewesen. Schon auf 20m Entfernung sah ich, wie er mich anstrahlte. Auch ich musste lächeln, weil es sich gut anfühlte, dass ich wusste, dass mich jemand mochte. Als wir voreinander standen, umarmte er mich sofort und flüsterte in mein Ohr: "Ich bin so froh, dass du Zeit hattest. Gehen wir ein Stück?" "Über was wolltest du denn so dringend mit mir reden?", fragte ich sehr neugierig. "Ich weiß gerade nicht, ob ich es dir wirklich jetzt schon sagen soll.. Janna und ich lassen uns scheiden." Als ich diesen Satz hörte, musste ich für einen Moment stehen bleiben. "Bitte was?! Aber wieso das? Habt ihr etwa gestritten?" "In letzter Zeit sogar sehr oft. Denke jetzt nicht, dass es deinetwegen ist, obwohl sie immer sagt, dass es an dir liegt, aber das ist nicht wahr. Ich habe schon viel früher bemerkt, dass es zwischen uns nicht mehr gut lief. Sie schiebt es nur auf dich, weil sie nicht einsehen will, dass unsere Ehe gescheitert ist, weil wir nicht in der Lage sind, diese weiterhin zu führen." Ich nickte und wir liefen weiter Richtung Bahnhof. "Wolltest du dich etwa deshalb nicht in der Nähe von uns treffen?" Er nickte und schaute den Boden an, während wir abbogen, um zum Spielplatz zu laufen, wo ein kleiner Weiher war. Es wurde still, weil sich keiner traute etwas zu sagen.
Nach knapp 10 Minuten spazieren kamen wir an und setzten und auf eine Bank vor dem Weiher. Es war kalt und der Wind wurde wieder stärker, aber es regnete zum Glück nicht. "Christina, findest du, dass ich ein schlechter Freund oder sogar Ehemann bin?" Diese Frage überforderte mich ein wenig. "Woher soll ich das denn wissen? Ich weiß ja nicht, was in eurer Ehe so los ist oder woran sie scheitert." Er schaute wieder zu Boden und es wirkte so, als wüsste er selber nicht, was schief gelaufen sei. "Bin ich dann wenigstens ein guter Freund?" Ich nickte, denn er war immer für mich da und so war es bestimmt auch bei Janna. "Du bist ein liebenswürdiger Mensch, der immer versucht alle anderen glücklich zu machen. Ob du auch bei Janna so bist, ist hier die Frage. Ist es denn so?" Er dachte nach, weil anscheinend lief es wirklich nicht gut. "Du bist ein toller Mann. Immer für mich da, hörst mir immer zu und bringst mich einfach immer zum Lachen. Selbst deine Nachricht, als ich auf dem Weg hierher war, brachte mich zum lächeln." Ich lächelte endlich auch und schaute mir tief in die Augen. Das strahlende blau verschluckte mich beinahe, ich war gefesselt von ihnen. Ich fühlte mich so wohl in seiner Nähe. Plötzlich bemerkte ich, wie mir sein Gesicht näher kam und zunächst zögerte ich, doch auch ich kam ihm entgegen, bis mein Verstand erweckt wurde und sagte: 'STOP! Das darfst du nicht!' Sofort blieb ich stehen und schaute ihn einfach nur noch an. "Tut mir leid, aber ich hab die Zeit vergessen und ich sollte langsam wieder nach Hause. Bis bald." Ohne auf eine Antwort zu warten, rannte ich zum Bahnhof und kam völlig aus der Puste an. Mein Herz schlug stärker denn je und ich wusste nicht, ob es daran lag, dass ich gerannt war oder an dem Fast-Kuss. In meinem Herz und Kopf war Chaos.

Dienstag, Januar 12, 2016

Kapitel #47

Es war Sonntag. Draußen regnete es wieder und das Wetter war stark abgekühlt. Ich wurde von meinem Wecker um 9 Uhr geweckt, so wie jeden Sonntag. Da fiel mir ein, dass Tobi auch in der Wohnung war. Ich zog meinen Morgenmantel an, machte meine Haare zu einem Zopf hoch und ging mit meinem Handy runter in die Küche. Noch keiner war wach, weshalb ich mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte und den Fernseher an schmiss. Es liefen nur Kinderserien, als schaltete ich ihn wieder aus. Mich erfasste wieder die Müdigkeit und ohne es richtig zu bemerken, schlief ich auf der Couch ein.
Plötzlich spürte ich wie mich jemand leicht schüttelte. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte Tobias vor mir. "Guten Morgen. Seit wann liegst du hier?" "Morgen. Keine Ahnung. Ich wollte fernsehen, aber es lief nichts, also machte ich den Fernseher wieder aus und dann muss ich eingeschlafen sein." Während ich ihm das erzählt hatte, hatte er sich neben mich gesetzt und mir zugehört. "Soll ich uns was zum Frühstück machen?" "Nur uns? Was ist mit..." "Deine Eltern sind weggefahren. Sie kommen erst am Freitag wieder. Ich weiß aber nicht wohin", unterbrach er mich. 'Das sieht ihnen mal wieder ähnlich. Immer wegfahren, aber nie sagen wohin.' Inzwischen war Tobi aufgestanden und verschwand in der Küche. Auch ich stand auf und lief ihm hinterher, um ihm beim Frühstück machen zu helfen. "Was machst du hier? Ich hab gesagt, dass ich das Essen mache. Geh wieder zurück ins Wohnzimmer!" Er schaute mich gespielt böse an, aber ich ließ mich davon nicht abschrecken und ging deshalb noch näher auf ihn zu. Auch er fing dann an zu grinsen und das war der Moment, wo ich mich wieder von ihm angezogen fühlte. Ich blieb abrupt stehen und wurde total nervös. "Alles ok?" Er musste es an meinem Blick bemerkt haben. Plötzlich spürte ich etwas in meiner Bademanteltasche vibrieren. Ich nahm mein Handy heraus und sah auf den Display, wer mir geschrieben hat. Es war meine Mum. Ich wollte mir nicht mal die Nachricht durchlesen, weshalb ich einfach wieder die Tastensperre rein machte und mein iPhone wieder einsteckte. "Was ist los?", fragte Tobias mich besorgt. "Nichts. War nur meine Mama. Keine Ahnung, was sie will." Ich klang sauer, aber das war ich selbstverständlich auch. Er sah mich fragend an, aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen, weshalb ich mich einfach neben ihn hinstellte und ihm zusah, wie er Pancakes machte. "Ich hoffe, du magst sie noch. Früher konntest du ja nicht genug von ihnen..." "Warum tust du das für mich? Falls du dich einschleimen willst, weil du hier bleiben durftest, musst du das nicht tun. Ich hab dir gerne einen Schlafplatz bei uns angeboten."Er lächelte die Bratpfanne an und antwortete: "Ich mache das nicht deshalb. Ich will einfach, dass du weißt, dass egal was zwischen uns passiert ist, wir bleiben Freunde. Vor allem, weil ich glaube, dass es Schicksal war, dass wir uns kennengelernt haben. Wir sollten einfach kein Paar sein, sondern Freunde und das lass ich mir nicht zweimal sagen." Jetzt musste auch ich lächeln, denn anscheinend dachte er dasselbe, wie ich die ganze Zeit. Doch auch, wenn ich dasselbe dachte, tat es ein wenig weh, als er sagte, dass wir immer Freunde bleiben würden. Irgendetwas in mir wollte, dass wir wieder mehr als Freunde waren. Ich umarmte ihn herzlich, um den leichten Schmerz zu verdecken. "Tobi?" "Ja? Hab ich etwas falsch gemacht?" Ich schüttelte den Kopf und sagte dann: "Du gehörst zu den wichtigsten Menschen und ich..." Ich wurde von meinem Handy unterbrochen. Wir schauten beide auf den Display und es leuchtete der Name Chris auf. "Ist jetzt nicht dein Ernst! Du hast trotzdem noch Kontakt zu ihm?!" Ohne ihn auch nur anzusehen, verließ ich die Küche und nahm den Anruf an. "Hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." "Ich weiß, aber ich muss dich später anrufen oder ist es etwas wichtiges?" Es war kurz still, bis er antwortete: "Nein nein. Ich warte." Und schon hatte er aufgelegt. Ich steckte mein Handy wieder weg, nachdem ich es stumm geschalten hatte. Tobias stand nah am Herd und machte die Pancakes weiter.
Der letzte Pfannkuchen war gemacht und er schmiss mir den Teller auf den Tisch. "Tobi, es tut mir leid! Ich hab dir doch gesagt, dass da nichts ist! Er war einfach in letzter Zeit viel für mich da, vor allem nach der Trennung. Das hat nichts zu bedeuten!" Ich spürte die Tränen hoch kommen und versuchte sie angestrengt zurückzuhalten. Er war immer noch sauer, sein  Blick machte deutlich, dass er enttäuscht, traurig und verletzt war. Wir beide sagten nichts mehr und aßen in dieser einengenden Stille unsere Pancakes.

Donnerstag, November 26, 2015

Kapitel #46

Ich versuchte einfach mit ihm zu reden, aber es half nichts. Ich war nicht gut in Witze erzählen, also ließ ich es gleich bleiben, aber irgendetwas musste doch funktionieren. Tobi ließ sich zur Seite auf mein Bett fallen und lag einfach da. "Tobi? Mein Vater ist so ein Arschloch. Auf ihn brauchst du echt nicht zu hören!" "Es ist nicht wegen deinem Vater. Es ist, weil ich Julia einfach vermisse. Und dein Dad hat ja auch recht, denn ich komm einfach angekrochen, nur weil es mir scheiße geht und hatte dabei vergessen, dass du noch verletzt bist. Ich glaube, ich gehe besser." Er klang sehr bedrückt, wodurch meine Wut auf meinen Papa nur noch größer wurde. "Nein!", schrie ich ihn an, "du bleibst hier! Mein Vater hat nicht recht, denn ich bin froh, dass ich dir so viel bedeute, dass du mir das erzählt hast. Das weiß er nicht zu schätzen, so wie ich." Endlich sah ich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen auftauchen. "Na also, da ist ja dein Grinsen." Auch ich lächelte, denn es hat doch irgendetwas geklappt, um ihn etwas aufzuheitern. "Komm, wir gehen nochmal runter und du ignorierst einfach meinen Vater. Das musst du dir nicht antun, aber hauptsache du bleibst hier und verschwindest nicht wieder." Er nahm mich in den Arm und flüsterte "Danke" in mein Ohr.
Wir stiegen die Treppen hinab zur Küche und ich holte Erdbeeren aus dem Kühlschrank, die wir mit ein wenig Joghurt und Zucker aßen. Es war zwar still, aber keine peinliche Stille, sondern einfach eine angenehme Ruhe. Als wir fertig waren, räumten wir noch alles weg und wollten die Küche wieder verlassen, als mein Vater plötzlich vor der Tür stand. Er sah ein wenig bedrückt aus. 'Wenigstens hat er sich zu Herzen genommen, was ich ihm gesagt hatte.' "Tobias, es tut mir wirklich leid. Ich hätte nicht so taktlos sein dürfen, vor allem weil ich genau weiß, wie du dich fühlst." "Ach ja? Woher?", sagte Tobias mit spitzer Zunge. "Ich hatte auch eine Adoptivschwester. Der Unterschied allerdings ist, dass sie den Freitod gewählt hat." Mein Ex-Freund machte große Augen. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Mein Vater reichte ihm die Hand und fragte: "Können wir nochmal von vorne anfangen? Ich mag dich auch eigentlich, aber diese Trennung macht mir irgendwie zu schaffen, obwohl ich da ja eigentlich nicht involviert bin." Tobias schaute auf seine Hand und dann auf die meines Vaters, bis er schließlich die Entschuldigung und den Neuanfang annahm und die Hand von meinem Dad schüttelte. Beide lächelten sich an und mein Vater zog mich mit der anderen Hand zu sich in den Arm.
Nach diesem Neuanfang war ich ziemlich müde und deshalb ließ ich Tobi bei meinen Eltern allein, solange ich mich duschte, meine Zähle putzte und mich umzog. Anschließend stolzierte ich wieder ins Wohnzimmer runter und sagte zu Tobi: "Wenn du willst, kannst auch du dich etwas frisch machen. Das Bad ist frei." Er lächelte und nickte. Auf halbem Weg hielt er nochmal an und sah mich glücklich an, während er mit seinen Lippen ein 'Danke' formte. Ich nickte nur und ging zu meinen Eltern. Sie schauten gerade irgendeine Castingshow, die mich wenig interessierte, doch ich setzte mich einfach zu ihnen. "Dir liegt wohl viel an dem Jungen, nicht wahr?", fragte mich mein Vater in Flüsterton. Ich schaute ihn an und nickte. "Auch wenn er Schluss gemacht hat, vielleicht sollte es einfach so sein und deshalb versuchen wir es jetzt als Freunde. Die Frage ist nur, ob ich so schnell wieder jemanden kennen lerne, der mich so liebt beziehungsweise mag, so wie er es tat. Vielleicht auch tut, also mögen." Mein Vater legte seinen Arm um mich und zog mich näher zu sich, sodass ich meinen Kopf auf seine Schulter ablegen konnte. Nach etwa 20 Minuten kam Tobi umgezogen runter, aber in Straßenklamotten. "Tobi? Was soll das?" "Wo hast du meine Reisetasche hingestellt?", fragte mein Ex-Freund mich. "Nein, stop! Du bleibst hier. Mein Vater hat sich entschuldigt, das heißt, dass du zu 100% hier bleiben darfst, oder Papa?" Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn hilfesuchend an. "Ja klar! Unser Neuanfang bedeutet auch, dass du hier willkommen bist, Tobias. Du kannst dich natürlich wieder im Gästezimmer einnisten." Ich lächelte ihn und dann Tobi an, aber seine bedrückte Miene veränderte sich gar nicht. Ich ging auf ihn zu und je näher ich ihm kam, desto mehr Schritte kam er auch mir entgegen. "Ich muss gehen", flüsterte er mir ins Ohr. Ich sah ihn an und packte ihn am Arm. "Nein! Hörst du nicht, was mein Dad gesagt hat?" "Doch, aber es gibt nur Stress und..." "Nein! Hör jetzt auf und zieh dich in bequeme Sachen um. Du bleibst hier und fertig! Wenn es sein muss, zwinge ich dich zu deinem Glück." Der Spruch ließ ein Lächeln auf seinen Lippen auftauchen, was mich erleichterte. Er nickte nun und ging ins Gästezimmer. Ich hüpfte solange die Treppen hoch und holte seine Reisetasche, um sie ihm ins Zimmer zu bringen. Plötzlich klopfte es an meiner Zimmertür und drehte mich erschrocken um. "Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken", sagte Tobi leicht amüsiert. Ich lachte und bewarf ihn mit einem Kissen, das er mir wieder zurück warf. "Wieso willst du unbedingt, dass ich bleibe?" "Weil mein Vater sich nicht umsonst entschuldigt hat. Und weil ich will, dass du weißt, dass ich immer für dich da bin." Wieder lächelte er mich an und kam näher zu mir. "Danke, du bist echt eine gute Freundin, und das obwohl ich eigentlich ziemlich gemein war, als wir uns getrennt haben. Hast du mir das eigentlich schon verziehen?" "Ja, habe ich und das habe ich dir auch schon gesagt. Solange wir wirklich Freunde werden und auch bleiben, geht es mir gut, denn ich brauche dich auf irgendeine Art und Weise an meine Seite. Verstehst du das?" Tobias nickte und nahm mich in den Arm. Es tat gut.Wir lösten uns wieder aus der Umarmung ich er nahm sich seine Tasche und zog sie nach unten ins Gästezimmer. "Gute Nacht, Chrissi." "Gute Nacht, Tobi", antwortete ich ihm und machte dann die Tür hinter ihm zu, damit ich mich in mein Bett legen konnte und die Augen schließen konnte.

Montag, Oktober 26, 2015

Kapitel #45

"Hab ich was falsch gemacht?" "Nicht du direkt. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn wir so nah beieinander sind. Das erinnert mich zu sehr an unsere Beziehung, die ja eigentlich gut lief. Ich will auch, dass unsere Freundschaft funktioniert, aber ich brauche trotzdem Zeit, verstehst du, was ich meine, Tobias?" Er nickte und sah mich etwas enttäuscht an. Ich sah ihn bittend an, damit er verstand, wie wichtig mir das war. Eine Freundschaft nach einer Beziehung war noch nie einfach, aber mit Mühe konnten wir es schaffen. "Vielleicht sollte ich dann langsam mal gehen", sagte er, immer noch ein wenig enttäuscht. "Nein nein. Du kannst doch bleiben, aber ich muss Hausaufgaben machen." Genau nachdem ich den Satz sagte, hörte ich unten Schlüssel klingeln. 'Meine Eltern sind da. Ich bin gespannt, was sie zu meinem Besuch sagen.' Ich schaute Tobi zu, wie er aus meinem Bett kletterte, um meine Eltern zu begrüßen. Er hatte wirklich Manieren, aber anders kannte ich ihn auch nicht. 'Wieder denkst du über eure Beziehung nach! Hör auf, Christina!' Ich ging ihm hinterher und bekam auf der Treppe eine SMS. Ich hatte keine Lust nachzuschauen, also ignorierte ich die Vibration in meiner hinteren Hosentasche und begrüßte meine Mama mit einer Umarmung und bekam von meinem Dad einen Kuss auf die Stirn. "Hallo, Tobias. Dürfte ich fragen, was du hier machst?", fragte mein Papa skeptisch. Er zog dabei eine Augenbraue hoch und man sah ihm an, dass er Tobias am Liebsten durch das Haus gejagt hätte. Tobias sah zu Boden, weil ihm das Ganze natürlich sehr unangenehm war. "Mama, Papa, schaut mal, was ich mit meinen Haaren gemacht habe", warf ich in den Raum und versuchte das Thema zu wechseln. Alle drei, als inklusive Tobi, sahen mich an und lächelten dann. "Wow, Schatz! Deine Haare sehen toll aus. Ist zwar sehr ungewohnt, vor allem weil ich deine blonden Haare wirklich sehr liebe, aber dieses braun steht dir auch echt gut." Mein Vater stimmte meine Mama durch ein Nicken zu. Tobi hingegen wurde rot und stotterte dann: "Oh nein, tut mir leid... Ich... Ich war zu s-sehr mit meinen Problemen... ähm... beschäftigt. Steht dir echt super, Chrissi." Ich lächelte, denn ich wusste wirklich nicht, wie vor allem meine Eltern auf diese Veränderung reagierten, aber sie nahmen es gelassen und es gefiel ihnen auch noch.
"So Tobias. Jetzt beantworte doch bitte meine Frage." Meine hörte meinem Vater die Ungeduld an. "Papa, lass ihn doch! Es geht ihm nicht gut und..." "Achso", unterbrach er mich, "aber ankriechen kann er kommen, wenn es ihm so 'scheiße' geht, oder wie?" Mein Dad wurde immer lauter, aber dann griff meine Mutter ein. "Liebling, beruhige dich. Was ist denn passiert, Tobias?" "Nun ja... Es gab einen Vorfall in der Familie, der mich etwas mitgenommen hat." Er sah mich verloren an, also half ich ein wenig: "Ich hab ihm vorgeschlagen, dass er für eine Weile hier bleiben kann, denn er will erst einmal in nach Hause, was ich auch verstehen kann, bei dem, was passiert ist." Meine Eltern sahen mich fragend und ein wenig sauer an. "Ohne mit uns darüber zu reden? Christina, sowas musst du mit uns ab..." "Meine Adoptivschwester wurde ermordet!", hörte ich plötzlich von rechts schreien. Alles war ruhig und alle Augen waren auf meinen Ex-Freund gerichtet. Er schaute nur zu Boden, aber an seinen zuckenden Schultern konnte man erkennen, dass er wieder weinte. Sofort nahm ich ihn in den Arm und er drückte mich ganz fest an sich. Ich spürte die Blicke meiner Eltern auf uns. Sie starrten uns an, aber das war mir egal. Er brauchte mich! "Tobias, beruhige dich. Komm, wir gehen in die Küche und ich gebe dir was zum Trinken." Er stellte sich normal, aber nicht aufrecht hin und nickte nur stumm. Ich zog ihn in die Küche und gab ihm ein Glas Sprudelwasser. Ich hörte Schritte hinter uns, weshalb ich mich umdrehte und meine Mum in der Tür erblickte. "Tobias, es tut mir leid. Aber was ist denn passiert? Und wie 'ermordet'?" "Julia wurde erschossen nach einer Entführung. Ich wusste davon nichts, erst als meine Eltern ohne sie zurückkamen, haben sie es mir erzählt und obwohl sie nur meine Adoptivschwester war, traf mich ihr Tod." Es herrschte Stille in der Küche.
Nach einigen Minuten gesellte sich auch mein Vater zu uns und auch er entschuldigte sich. Natürlich tat er das jetzt nur aus Mitleid, aber wenigstens ein wenig weich war er. Er verstand Tobi, weil auch er seine Stiefschwester verlor, als er in meinem Alter war. Sie allerdings brachte sich selbst um. So ewas könnte ich mir niemals vorstellen. 'Wie können sich Menschen umbringen? Wie sehr müssen sie leiden, dass sie keinen anderen Ausweg außer den Selbstmord sehen?' Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal meine Phasen hatte, wo alles schief ging, aber nie hatte ich an Suizid gedacht. Auch die Trennung von Tobias hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen, aber das Leben geht weiter. Für andere anscheinend nicht, aber das wollte ich nicht begreifen, obwohl ich schon 17 Jahre alt war und einiges mitbekommen hatte.
Tobias trank sein Glas aus und ohne ein Wort zu sagen, verließ er die Küche und schleppte sich die Treppe hoch. Ich hörte nur noch oben die Tür zu knallen und das war der Moment in dem ich sagte: "Toll, Papa! Tobi geht es echt scheiße und du hast nichts besseres zu tun, als ihn fertig zu machen?" "Ich hab mich doch..." "Nein, das war keine Entschuldigung! Das war nur Mitleid. Eine richtige Entschuldigung klingt nicht so, als würdest du es hassen, dass du das sagen musstest. Ich bin enttäuscht von dir, Dad!" Und schon verschwand auch ich die Treppen hoch in meinem Zimmer und gesellte mich zu Tobias, um ihn ein wenig aufzumuntern. Nur wie?

Samstag, Oktober 24, 2015

Kapitel #44

"Ich muss kurz nach unten, telefonieren. Wenn du willst, kannst du versuchen ein wenig zu schlafen bis ich wieder komme." Ich drehte mich zu ihm und sah wie er nickte und die Augen schloss. 'Irgendetwas empfinde ich ja natürlich noch für ihn. Es ist schließlich nicht mal 3 Tage her, seit wir uns getrennt haben.' Ich machte meine Zimmertür leise hinter mir zu und schlich leichtfüßig die Treppen herunter. Genau als ich unten ankam, klingelte das Telefon und flitzte ins Wohnzimmer zum Couchtisch. Es war eine unbekannte Nummer. 'Das ist er bestimmt. Oh Gott, ich zitter total.' "Ja, hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." Ich lächelte, als ich seine Stimme am anderen Ende hören konnte. Ich setzte mich auf die Couch und grinste weiterhin. "Ich weiß. Ging ja wirklich schnell bei dir. Du bist aber noch nicht Zuhause oder?" Er lachte: "Nein, nein. Ich bin gerade erst aus dem Friseurladen raus, aber wollte gleich anrufen, weil ich mir ja Sorgen um dich mache. Aber anscheinend geht es dir besser, so fröhlich wie du klingst. Ist etwas passiert?" Ich lächelte nur noch mehr, weil er sich wirklich Sorgen um mich machte, aber ich konnte ihm ja wohl schlecht sagen, dass ich seinetwegen so glücklich wieder war. Ich überlegte aber, ob ich es doch sagen wollte, bis er fragte: "Hallo? Noch dran?" "Ja klar. Mir geht es wirklich wieder gut, dank dir." Und da hatte ich es gesagt. Ich spürte die Röte in meinem Gesicht und lächelte noch mehr aus Scham. Er lachte wieder und sagte: "Dann bin ich ja froh, wenn ich dich etwas aufheitern konnte. Wie auch immer ich das hingekriegt habe." Wir lachten beide am Telefon.
Wir redeten noch eine Weile und ich hörte hin und wieder den Zug bei ihm im Hintergrund, weil er sich auf dem Heimweg befand. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und bemerkte, dass inzwischen 15 Minuten vergangen waren. Ich unterbrach Christopher mitten im Satz und sagte: "Du, sorry, aber ich muss auflegen. Wenn du willst, können wir morgen wieder telefonieren und dann etwas länger, aber jetzt gerade geht es wirklich nicht. Tschüss." Ohne auf eine Antwort oder ein 'Tschüss' von ihm zu warten, legte ich einfach auf und legte das Telefon auf die Couch neben mich, während mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen. Das war das Herzrasen wieder. Wegen ihm. Ich sah zur Treppe und dann fiel mir Tobias ein, weshalb ich zur Treppe rannte und sie hoch stolperte. Ich betrat mein Zimmer und sah Tobias auf meinem Bett liegen. Ob er schlief oder nicht, konnte ich da noch nicht sagen. Erst als er sich umdrehte und die Augen öffnete, wusste ich es. "Du bist wach? Konntest du nicht schlafen?", fragte ich ihn besorgt. Er schüttelte den Kopf und gab mit seinem Kopf ein Zeichen an mich, dass ich mich zu ihm setzen sollte. Also setzte ich mich in Bewegung und kniete mich neben das Bett und schaute ihn dabei an. Er lächelte und sah nicht mehr ganz so verheult aus. "Weißt du, dass mich deine Gegenwart sehr beruhigt? Allein, wenn du hier neben mir sitzt und nichts sagst." Mir war nicht nach Lächeln zumute. "Tobi, lass das. Du verwirrst mich total." Zwei schockierte Augen sahen mich an und schon verschwand sein Lächeln. "Was ist los mit dir?" "Ich kann nicht nur mit dir befreundet sein, und das weißt du! Oder glaubst du, dass ich innerhalb von 2 Tagen über die Trennung hinweg bin? Du sagst, dass ich dir etwas bedeute, aber machst Schluss. Du sagst, dass du dich bei mir wohl fühlst, aber zeigtest trotzdem mir gegenüber die kalte Schulter. Wieso? Wieso tust du mir das an?", fragte ich, während ich die Tränen spürte. "Christina, du hast mir weh getan. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mir so weh tun kann, obwohl ich diese Person liebe. Aber wenigstens Freunde können wir doch sein. Wer weiß, vielleicht wollte das Schicksal eigentlich ursprünglich, dass wir nur Freunde sind und deshalb kreuzten sich unsere Wege, als du mir damals deine Tasche ins Gesicht geschlagen hast." Wir beide lachten und ich entgegnete: "Hey! Das war keine Absicht und ich kann nichts dafür, wenn du so einen riesen Schädel hast." Wieder lachten wir und dabei kamen wir uns erstaunlich nah. Ich schreckte sofort wieder zurück und stellte mich dann neben das Bett. Ich räusperte mich und fragte: "Willst du etwas trinken? Kaffee, Tee, Wasser?" Er schüttelte nur den Kopf und setzte sich aufrecht auf meinem Bett hin.