Ich schaffte es nicht mehr als einen Pancake zu essen. Ich machte mir vor allem Gedanken wegen Christopher, weil es so klang, als wäre es etwas wichtiges gewesen. Er war auch immer für mich da gewesen, also musste ich das auch für ihn. "Danke für's Essen. War gut, aber ich muss telefonieren." "Mit dem Typen?" "Nein! Ich gehe hoch", sagte ich wütend und lief die Treppen hoch in mein Zimmer, wo ich mich anschließend einsperrte. Ich nahm mein Handy in die Hand und rief ihn an. "Chrissi? Hast du Zeit?" "Ja klar. Was ist denn los?", fragte ich ein wenig in Sorge. "Ich muss einfach dringend mit dir reden. Treffen wir uns in 30 Minuten vor der Schule? Schaffst du das?" "Wieso da? Du wohnst doch gar nichts weit von hier. Aber ok, wenn du meinst." Es kam mir schon ein wenig seltsam vor, aber ich stimmte dem Treffen zu, weil ich wissen wollte, was ihn so beschäftigte. Wir legten beide auf und ich zog mich ganz schnell um. Ich musste mich warm anziehen, denn draußen wehte der Wind sehr stark.
Ich rannte die Treppen runter, einfach an der Küche und Tobias vorbei in Richtung Haustür. Ich hörte ihn noch etwas rufen, aber ich verstand es nicht und hatte keine Zeit ihn zu fragen. Ich rannte zum Bahnhof, denn ich hatte 5 Minuten später den Zug zur Schule. Ich sah ein Nachricht auf meinem Display aufleuchten, von Chris. Sie ließ mich etwas lächeln, denn er schrieb: "Hoffe, du stresst dich nicht zu sehr, aber ich muss dich dringend sehen und mit dir reden." Ich fragte mich auch nach dieser Nachricht wieder einmal, ob er mehr wollte. Er war eigentlich verheiratet und mein Lehrer. Ich kam gerade noch am Bahnhof an, stieg in die S-Bahn und fuhr eine Haltestelle bis zur Schule. Als ich ankam, regnete es nicht mehr, zum Glück. Ich lief zur Schule, bis ich bemerkte, dass ich noch 15 Minuten Zeit hatte. 'Na toll.. Was mache ich nun bis er kommt?' Ich ging langsamer und machte sogar extra noch einen Umweg.
Als ich nach 5 Minuten an der Bushaltestelle vor der Schule war, sah ich einen Mann auf mich zu kommen. Es war Christopher und er war um einiges schneller als ich da gewesen. Schon auf 20m Entfernung sah ich, wie er mich anstrahlte. Auch ich musste lächeln, weil es sich gut anfühlte, dass ich wusste, dass mich jemand mochte. Als wir voreinander standen, umarmte er mich sofort und flüsterte in mein Ohr: "Ich bin so froh, dass du Zeit hattest. Gehen wir ein Stück?" "Über was wolltest du denn so dringend mit mir reden?", fragte ich sehr neugierig. "Ich weiß gerade nicht, ob ich es dir wirklich jetzt schon sagen soll.. Janna und ich lassen uns scheiden." Als ich diesen Satz hörte, musste ich für einen Moment stehen bleiben. "Bitte was?! Aber wieso das? Habt ihr etwa gestritten?" "In letzter Zeit sogar sehr oft. Denke jetzt nicht, dass es deinetwegen ist, obwohl sie immer sagt, dass es an dir liegt, aber das ist nicht wahr. Ich habe schon viel früher bemerkt, dass es zwischen uns nicht mehr gut lief. Sie schiebt es nur auf dich, weil sie nicht einsehen will, dass unsere Ehe gescheitert ist, weil wir nicht in der Lage sind, diese weiterhin zu führen." Ich nickte und wir liefen weiter Richtung Bahnhof. "Wolltest du dich etwa deshalb nicht in der Nähe von uns treffen?" Er nickte und schaute den Boden an, während wir abbogen, um zum Spielplatz zu laufen, wo ein kleiner Weiher war. Es wurde still, weil sich keiner traute etwas zu sagen.
Nach knapp 10 Minuten spazieren kamen wir an und setzten und auf eine Bank vor dem Weiher. Es war kalt und der Wind wurde wieder stärker, aber es regnete zum Glück nicht. "Christina, findest du, dass ich ein schlechter Freund oder sogar Ehemann bin?" Diese Frage überforderte mich ein wenig. "Woher soll ich das denn wissen? Ich weiß ja nicht, was in eurer Ehe so los ist oder woran sie scheitert." Er schaute wieder zu Boden und es wirkte so, als wüsste er selber nicht, was schief gelaufen sei. "Bin ich dann wenigstens ein guter Freund?" Ich nickte, denn er war immer für mich da und so war es bestimmt auch bei Janna. "Du bist ein liebenswürdiger Mensch, der immer versucht alle anderen glücklich zu machen. Ob du auch bei Janna so bist, ist hier die Frage. Ist es denn so?" Er dachte nach, weil anscheinend lief es wirklich nicht gut. "Du bist ein toller Mann. Immer für mich da, hörst mir immer zu und bringst mich einfach immer zum Lachen. Selbst deine Nachricht, als ich auf dem Weg hierher war, brachte mich zum lächeln." Ich lächelte endlich auch und schaute mir tief in die Augen. Das strahlende blau verschluckte mich beinahe, ich war gefesselt von ihnen. Ich fühlte mich so wohl in seiner Nähe. Plötzlich bemerkte ich, wie mir sein Gesicht näher kam und zunächst zögerte ich, doch auch ich kam ihm entgegen, bis mein Verstand erweckt wurde und sagte: 'STOP! Das darfst du nicht!' Sofort blieb ich stehen und schaute ihn einfach nur noch an. "Tut mir leid, aber ich hab die Zeit vergessen und ich sollte langsam wieder nach Hause. Bis bald." Ohne auf eine Antwort zu warten, rannte ich zum Bahnhof und kam völlig aus der Puste an. Mein Herz schlug stärker denn je und ich wusste nicht, ob es daran lag, dass ich gerannt war oder an dem Fast-Kuss. In meinem Herz und Kopf war Chaos.