Samstag, Januar 16, 2016

Kapitel #49

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich verpasste ganz knapp die S-Bahn, also beschloss ich, nach Hause zu laufen. In den fast 45 Minuten dachte ich sehr intensiv über alles nach. 'Hatte Tobias recht? War das sie ganze Zeit mehr zwischen Christopher und mir? Will auch ich etwas von ihm? Schließlich bin ich ihm zunächst auch entgegen gekommen, bis sich mein Verstand eingeschalten hat. Kann ich nach gerade Chris noch sehen, geschweige denn mit ihm reden?' Ich ging einfach weiter, lief mitten auf dem Weg und beachtete keinen Fußgänger, keinen Radfahrer oder sonst irgendjemanden, der an mir vorbei kam. Ich spürte zunächst auch mein Handy in meiner Hosentasche nicht, doch irgendwann dann doch, nur bis ich es herausholte, legte die Person schon auf. Es war Chris. 'Besser, dass ich nicht dran gegangen bin.' Ich wusste, dass ich ihm Unrecht tat, weil ich ihm ja eben nicht sofort widerstanden hatte, aber ich war trotzdem so verwirrt. Sollte das etwa heißen, dass Christopher mich sehr mochte? Das konnte nicht gut gehen, schließlich war er 13 Jahre älter als ich.
Plötzlich blieb ich abrupt stehen. Ich drehte mich plötzlich um und ging den ganzen Weg wieder zurück. Ich wollte es nicht, aber meine Füße trugen mich zum Weiher zurück. Ich kam sehr schnell dort an und Christopher saß immer noch auf der gleichen Bank und starrte aus seine Schuhe mit den Ellenbogen auf den Knien abgestützt. Ich ging einfach auf ihn zu und merkte ein Grinsen auf meinen Lippen. Ich blieb kurz vor ihm stehen und als wüsste er, dass ich es war, schaute er hoch zu mir und lächelte mich an. Ich setzte mich wieder neben ihn und legte meinen Kopf auf seine Brust und fing einfach an zu weinen. "Chrissi? Was ist los?" "Es tut mir so leid! Ich war so geschockt über ... über ..." "Den Fast-Kuss?", beendete er meinen Satz. Ich nickte und fragte vorsichtig: "War es gewollt von dir? Und wenn ja, was hatte das zu bedeuten?" Er drückte mich mit seinen Armen leicht nach hinten, wodurch ich ihm in die Augen schauen musste. "Es war Absicht und es gibt nur einen Grund dafür. Christina, ich mag dich wirklich sehr. Ich weiß, dass das total verrückt klingt, aber ich habe das schon vor einigen Wochen bemerkt und du hast mich schon fasziniert, als du in der Kirche in mich rein gelaufen bist. Ich dachte anfangs, dass ich einfach ein guter Freund für dich sein sollte, aber ich konnte es nicht länger verbergen. Deshalb finde ich die Scheidung von Janna auch so sinnvoll." Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte, aber es kamen erneut die Tränen, weil ich so berührt davon war. "Hör bitte auf zu weinen. Ich verstehe es total, wenn du nicht so empfindest wie ich. Der Altersunterschied ist natürlich eine schwierige Sache und..." "Hör au zu reden!", schrie ich ihn an und er sah mich daraufhin geschockt an. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Ich weine, weil ich so froh bin, dass du das gesagt hast. Ich habe auch schon seit längerem das Gefühl, dass du mehr als nur ein Freund für mich bist. Und das traurige ist leider, dass Tobias noch vor mir bemerkt hatte, was da zwischen uns ist. Das war ja auch der Grund unserer Trennung. Er ist bei mir und ich hatte anfangs noch die Hoffnung, dass doch was auch ihm und mir wird, aber jetzt will ich das gar nicht mehr. Ich hatte nicht bemerkt, dass das alles Schicksal war und es nur wollte, dass er und ich uns kennen lernen und gute Freunde werden, während es bei und beiden andersherum ist. Verstehst du, was ich meine?" Ich beruhigte mich durch mein Reden wieder und setzte mich richtig hin, während ich meine Tränen wegwischte. Chris lächelte, nein er strahlte mich an. "Genau in dieses Lächeln habe ich mich verliebt und ich bin froh, dass du es mir wieder zeigst. Es beruhigt mich. Du beruhigst mich."
Diesmal nahm er mein Gesicht in seine beiden Hände und zog es näher an seins. "Willst du es diesmal?" Ich lächelte und küsste ihn einfach. Es war ein langer Kuss. Ein langersehnter Kuss, der niemals hätte enden sollen. Irgendwann hörten wir auf und sahen uns einfach an. Er strahlte mich an und das tat auch ich. Glücklicher konnte ich nicht sein, doch dann viel es mir wieder ein. "Also wird das eine geheime Beziehung? Eine andere Wahl haben wir nicht, oder?" Er schüttelte den Kopf und küsste noch einmal meine Stirn. "Für's Erste müssen wir es so machen. Sowieso müssen wir noch die Scheidung hinter uns bringen, denn vorher wäre die Beziehung gefährlich, was das betrifft." Ich nickte langsam und entzog mich seinen Händen und nahm etwas Abstand zu ihm. "Wann immer du mich brauchst, kannst du mich anrufen. Sei es für eine Umarmung, zum Reden oder auch für einen Kuss. Ich wohne schließlich nicht weit." Wir lächelten uns an, küssten uns noch einmal und dann stand ich auf, um endgültig nach Hause zu gehen. Ich erwischte dieses Mal auch den Zug und fuhr überglücklich nach Hause, wo Tobi auf wartete. 'Ob er noch sauer ist? Ich hoffe nicht, aber auch das wird meine Laune nicht vermiesen können.' Ich öffnete die Haustür und rief: "Hallo, ich bin wieder da." Ich bekam keine Antwort, weshalb ich zunächst ins Wohnzimmer, dann in die Küche und dann ins Gästezimmer ging. Nirgends war er, auch nicht in meinem Zimmer oben. Ich setzte mich auf mein Bett, legte mich anschließend hin und lächelte weiter vor mich hin.

Donnerstag, Januar 14, 2016

Kapitel #48

Ich schaffte es nicht mehr als einen Pancake zu essen. Ich machte mir vor allem Gedanken wegen Christopher, weil es so klang, als wäre es etwas wichtiges gewesen. Er war auch immer für mich da gewesen, also musste ich das auch für ihn. "Danke für's Essen. War gut, aber ich muss telefonieren." "Mit dem Typen?" "Nein! Ich gehe hoch", sagte ich wütend und lief die Treppen hoch in mein Zimmer, wo ich mich anschließend einsperrte. Ich nahm mein Handy in die Hand und rief ihn an. "Chrissi? Hast du Zeit?" "Ja klar. Was ist denn los?", fragte ich ein wenig in Sorge. "Ich muss einfach dringend mit dir reden. Treffen wir uns in 30 Minuten vor der Schule? Schaffst du das?" "Wieso da? Du wohnst doch gar nichts weit von hier. Aber ok, wenn du meinst." Es kam mir schon ein wenig seltsam vor, aber ich stimmte dem Treffen zu, weil ich wissen wollte, was ihn so beschäftigte. Wir legten beide auf und ich zog mich ganz schnell um. Ich musste mich warm anziehen, denn draußen wehte der Wind sehr stark.
Ich rannte die Treppen runter, einfach an der Küche und Tobias vorbei in Richtung Haustür. Ich hörte ihn noch etwas rufen, aber ich verstand es nicht und hatte keine Zeit ihn zu fragen. Ich rannte zum Bahnhof, denn ich hatte 5 Minuten später den Zug zur Schule. Ich sah ein Nachricht auf meinem Display aufleuchten, von Chris. Sie ließ mich etwas lächeln, denn er schrieb: "Hoffe, du stresst dich nicht zu sehr, aber ich muss dich dringend sehen und mit dir reden." Ich fragte mich auch nach dieser Nachricht wieder einmal, ob er mehr wollte. Er war eigentlich verheiratet und mein Lehrer. Ich kam gerade noch am Bahnhof an, stieg in die S-Bahn und fuhr eine Haltestelle bis zur Schule. Als ich ankam, regnete es nicht mehr, zum Glück. Ich lief zur Schule, bis ich bemerkte, dass ich noch 15 Minuten Zeit hatte. 'Na toll.. Was mache ich nun bis er kommt?' Ich ging langsamer und machte sogar extra noch einen Umweg.
Als ich nach 5 Minuten an der Bushaltestelle vor der Schule war, sah ich einen Mann auf mich zu kommen. Es war Christopher und er war um einiges schneller als ich da gewesen. Schon auf 20m Entfernung sah ich, wie er mich anstrahlte. Auch ich musste lächeln, weil es sich gut anfühlte, dass ich wusste, dass mich jemand mochte. Als wir voreinander standen, umarmte er mich sofort und flüsterte in mein Ohr: "Ich bin so froh, dass du Zeit hattest. Gehen wir ein Stück?" "Über was wolltest du denn so dringend mit mir reden?", fragte ich sehr neugierig. "Ich weiß gerade nicht, ob ich es dir wirklich jetzt schon sagen soll.. Janna und ich lassen uns scheiden." Als ich diesen Satz hörte, musste ich für einen Moment stehen bleiben. "Bitte was?! Aber wieso das? Habt ihr etwa gestritten?" "In letzter Zeit sogar sehr oft. Denke jetzt nicht, dass es deinetwegen ist, obwohl sie immer sagt, dass es an dir liegt, aber das ist nicht wahr. Ich habe schon viel früher bemerkt, dass es zwischen uns nicht mehr gut lief. Sie schiebt es nur auf dich, weil sie nicht einsehen will, dass unsere Ehe gescheitert ist, weil wir nicht in der Lage sind, diese weiterhin zu führen." Ich nickte und wir liefen weiter Richtung Bahnhof. "Wolltest du dich etwa deshalb nicht in der Nähe von uns treffen?" Er nickte und schaute den Boden an, während wir abbogen, um zum Spielplatz zu laufen, wo ein kleiner Weiher war. Es wurde still, weil sich keiner traute etwas zu sagen.
Nach knapp 10 Minuten spazieren kamen wir an und setzten und auf eine Bank vor dem Weiher. Es war kalt und der Wind wurde wieder stärker, aber es regnete zum Glück nicht. "Christina, findest du, dass ich ein schlechter Freund oder sogar Ehemann bin?" Diese Frage überforderte mich ein wenig. "Woher soll ich das denn wissen? Ich weiß ja nicht, was in eurer Ehe so los ist oder woran sie scheitert." Er schaute wieder zu Boden und es wirkte so, als wüsste er selber nicht, was schief gelaufen sei. "Bin ich dann wenigstens ein guter Freund?" Ich nickte, denn er war immer für mich da und so war es bestimmt auch bei Janna. "Du bist ein liebenswürdiger Mensch, der immer versucht alle anderen glücklich zu machen. Ob du auch bei Janna so bist, ist hier die Frage. Ist es denn so?" Er dachte nach, weil anscheinend lief es wirklich nicht gut. "Du bist ein toller Mann. Immer für mich da, hörst mir immer zu und bringst mich einfach immer zum Lachen. Selbst deine Nachricht, als ich auf dem Weg hierher war, brachte mich zum lächeln." Ich lächelte endlich auch und schaute mir tief in die Augen. Das strahlende blau verschluckte mich beinahe, ich war gefesselt von ihnen. Ich fühlte mich so wohl in seiner Nähe. Plötzlich bemerkte ich, wie mir sein Gesicht näher kam und zunächst zögerte ich, doch auch ich kam ihm entgegen, bis mein Verstand erweckt wurde und sagte: 'STOP! Das darfst du nicht!' Sofort blieb ich stehen und schaute ihn einfach nur noch an. "Tut mir leid, aber ich hab die Zeit vergessen und ich sollte langsam wieder nach Hause. Bis bald." Ohne auf eine Antwort zu warten, rannte ich zum Bahnhof und kam völlig aus der Puste an. Mein Herz schlug stärker denn je und ich wusste nicht, ob es daran lag, dass ich gerannt war oder an dem Fast-Kuss. In meinem Herz und Kopf war Chaos.

Dienstag, Januar 12, 2016

Kapitel #47

Es war Sonntag. Draußen regnete es wieder und das Wetter war stark abgekühlt. Ich wurde von meinem Wecker um 9 Uhr geweckt, so wie jeden Sonntag. Da fiel mir ein, dass Tobi auch in der Wohnung war. Ich zog meinen Morgenmantel an, machte meine Haare zu einem Zopf hoch und ging mit meinem Handy runter in die Küche. Noch keiner war wach, weshalb ich mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte und den Fernseher an schmiss. Es liefen nur Kinderserien, als schaltete ich ihn wieder aus. Mich erfasste wieder die Müdigkeit und ohne es richtig zu bemerken, schlief ich auf der Couch ein.
Plötzlich spürte ich wie mich jemand leicht schüttelte. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte Tobias vor mir. "Guten Morgen. Seit wann liegst du hier?" "Morgen. Keine Ahnung. Ich wollte fernsehen, aber es lief nichts, also machte ich den Fernseher wieder aus und dann muss ich eingeschlafen sein." Während ich ihm das erzählt hatte, hatte er sich neben mich gesetzt und mir zugehört. "Soll ich uns was zum Frühstück machen?" "Nur uns? Was ist mit..." "Deine Eltern sind weggefahren. Sie kommen erst am Freitag wieder. Ich weiß aber nicht wohin", unterbrach er mich. 'Das sieht ihnen mal wieder ähnlich. Immer wegfahren, aber nie sagen wohin.' Inzwischen war Tobi aufgestanden und verschwand in der Küche. Auch ich stand auf und lief ihm hinterher, um ihm beim Frühstück machen zu helfen. "Was machst du hier? Ich hab gesagt, dass ich das Essen mache. Geh wieder zurück ins Wohnzimmer!" Er schaute mich gespielt böse an, aber ich ließ mich davon nicht abschrecken und ging deshalb noch näher auf ihn zu. Auch er fing dann an zu grinsen und das war der Moment, wo ich mich wieder von ihm angezogen fühlte. Ich blieb abrupt stehen und wurde total nervös. "Alles ok?" Er musste es an meinem Blick bemerkt haben. Plötzlich spürte ich etwas in meiner Bademanteltasche vibrieren. Ich nahm mein Handy heraus und sah auf den Display, wer mir geschrieben hat. Es war meine Mum. Ich wollte mir nicht mal die Nachricht durchlesen, weshalb ich einfach wieder die Tastensperre rein machte und mein iPhone wieder einsteckte. "Was ist los?", fragte Tobias mich besorgt. "Nichts. War nur meine Mama. Keine Ahnung, was sie will." Ich klang sauer, aber das war ich selbstverständlich auch. Er sah mich fragend an, aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen, weshalb ich mich einfach neben ihn hinstellte und ihm zusah, wie er Pancakes machte. "Ich hoffe, du magst sie noch. Früher konntest du ja nicht genug von ihnen..." "Warum tust du das für mich? Falls du dich einschleimen willst, weil du hier bleiben durftest, musst du das nicht tun. Ich hab dir gerne einen Schlafplatz bei uns angeboten."Er lächelte die Bratpfanne an und antwortete: "Ich mache das nicht deshalb. Ich will einfach, dass du weißt, dass egal was zwischen uns passiert ist, wir bleiben Freunde. Vor allem, weil ich glaube, dass es Schicksal war, dass wir uns kennengelernt haben. Wir sollten einfach kein Paar sein, sondern Freunde und das lass ich mir nicht zweimal sagen." Jetzt musste auch ich lächeln, denn anscheinend dachte er dasselbe, wie ich die ganze Zeit. Doch auch, wenn ich dasselbe dachte, tat es ein wenig weh, als er sagte, dass wir immer Freunde bleiben würden. Irgendetwas in mir wollte, dass wir wieder mehr als Freunde waren. Ich umarmte ihn herzlich, um den leichten Schmerz zu verdecken. "Tobi?" "Ja? Hab ich etwas falsch gemacht?" Ich schüttelte den Kopf und sagte dann: "Du gehörst zu den wichtigsten Menschen und ich..." Ich wurde von meinem Handy unterbrochen. Wir schauten beide auf den Display und es leuchtete der Name Chris auf. "Ist jetzt nicht dein Ernst! Du hast trotzdem noch Kontakt zu ihm?!" Ohne ihn auch nur anzusehen, verließ ich die Küche und nahm den Anruf an. "Hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." "Ich weiß, aber ich muss dich später anrufen oder ist es etwas wichtiges?" Es war kurz still, bis er antwortete: "Nein nein. Ich warte." Und schon hatte er aufgelegt. Ich steckte mein Handy wieder weg, nachdem ich es stumm geschalten hatte. Tobias stand nah am Herd und machte die Pancakes weiter.
Der letzte Pfannkuchen war gemacht und er schmiss mir den Teller auf den Tisch. "Tobi, es tut mir leid! Ich hab dir doch gesagt, dass da nichts ist! Er war einfach in letzter Zeit viel für mich da, vor allem nach der Trennung. Das hat nichts zu bedeuten!" Ich spürte die Tränen hoch kommen und versuchte sie angestrengt zurückzuhalten. Er war immer noch sauer, sein  Blick machte deutlich, dass er enttäuscht, traurig und verletzt war. Wir beide sagten nichts mehr und aßen in dieser einengenden Stille unsere Pancakes.

Donnerstag, November 26, 2015

Kapitel #46

Ich versuchte einfach mit ihm zu reden, aber es half nichts. Ich war nicht gut in Witze erzählen, also ließ ich es gleich bleiben, aber irgendetwas musste doch funktionieren. Tobi ließ sich zur Seite auf mein Bett fallen und lag einfach da. "Tobi? Mein Vater ist so ein Arschloch. Auf ihn brauchst du echt nicht zu hören!" "Es ist nicht wegen deinem Vater. Es ist, weil ich Julia einfach vermisse. Und dein Dad hat ja auch recht, denn ich komm einfach angekrochen, nur weil es mir scheiße geht und hatte dabei vergessen, dass du noch verletzt bist. Ich glaube, ich gehe besser." Er klang sehr bedrückt, wodurch meine Wut auf meinen Papa nur noch größer wurde. "Nein!", schrie ich ihn an, "du bleibst hier! Mein Vater hat nicht recht, denn ich bin froh, dass ich dir so viel bedeute, dass du mir das erzählt hast. Das weiß er nicht zu schätzen, so wie ich." Endlich sah ich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen auftauchen. "Na also, da ist ja dein Grinsen." Auch ich lächelte, denn es hat doch irgendetwas geklappt, um ihn etwas aufzuheitern. "Komm, wir gehen nochmal runter und du ignorierst einfach meinen Vater. Das musst du dir nicht antun, aber hauptsache du bleibst hier und verschwindest nicht wieder." Er nahm mich in den Arm und flüsterte "Danke" in mein Ohr.
Wir stiegen die Treppen hinab zur Küche und ich holte Erdbeeren aus dem Kühlschrank, die wir mit ein wenig Joghurt und Zucker aßen. Es war zwar still, aber keine peinliche Stille, sondern einfach eine angenehme Ruhe. Als wir fertig waren, räumten wir noch alles weg und wollten die Küche wieder verlassen, als mein Vater plötzlich vor der Tür stand. Er sah ein wenig bedrückt aus. 'Wenigstens hat er sich zu Herzen genommen, was ich ihm gesagt hatte.' "Tobias, es tut mir wirklich leid. Ich hätte nicht so taktlos sein dürfen, vor allem weil ich genau weiß, wie du dich fühlst." "Ach ja? Woher?", sagte Tobias mit spitzer Zunge. "Ich hatte auch eine Adoptivschwester. Der Unterschied allerdings ist, dass sie den Freitod gewählt hat." Mein Ex-Freund machte große Augen. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Mein Vater reichte ihm die Hand und fragte: "Können wir nochmal von vorne anfangen? Ich mag dich auch eigentlich, aber diese Trennung macht mir irgendwie zu schaffen, obwohl ich da ja eigentlich nicht involviert bin." Tobias schaute auf seine Hand und dann auf die meines Vaters, bis er schließlich die Entschuldigung und den Neuanfang annahm und die Hand von meinem Dad schüttelte. Beide lächelten sich an und mein Vater zog mich mit der anderen Hand zu sich in den Arm.
Nach diesem Neuanfang war ich ziemlich müde und deshalb ließ ich Tobi bei meinen Eltern allein, solange ich mich duschte, meine Zähle putzte und mich umzog. Anschließend stolzierte ich wieder ins Wohnzimmer runter und sagte zu Tobi: "Wenn du willst, kannst auch du dich etwas frisch machen. Das Bad ist frei." Er lächelte und nickte. Auf halbem Weg hielt er nochmal an und sah mich glücklich an, während er mit seinen Lippen ein 'Danke' formte. Ich nickte nur und ging zu meinen Eltern. Sie schauten gerade irgendeine Castingshow, die mich wenig interessierte, doch ich setzte mich einfach zu ihnen. "Dir liegt wohl viel an dem Jungen, nicht wahr?", fragte mich mein Vater in Flüsterton. Ich schaute ihn an und nickte. "Auch wenn er Schluss gemacht hat, vielleicht sollte es einfach so sein und deshalb versuchen wir es jetzt als Freunde. Die Frage ist nur, ob ich so schnell wieder jemanden kennen lerne, der mich so liebt beziehungsweise mag, so wie er es tat. Vielleicht auch tut, also mögen." Mein Vater legte seinen Arm um mich und zog mich näher zu sich, sodass ich meinen Kopf auf seine Schulter ablegen konnte. Nach etwa 20 Minuten kam Tobi umgezogen runter, aber in Straßenklamotten. "Tobi? Was soll das?" "Wo hast du meine Reisetasche hingestellt?", fragte mein Ex-Freund mich. "Nein, stop! Du bleibst hier. Mein Vater hat sich entschuldigt, das heißt, dass du zu 100% hier bleiben darfst, oder Papa?" Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn hilfesuchend an. "Ja klar! Unser Neuanfang bedeutet auch, dass du hier willkommen bist, Tobias. Du kannst dich natürlich wieder im Gästezimmer einnisten." Ich lächelte ihn und dann Tobi an, aber seine bedrückte Miene veränderte sich gar nicht. Ich ging auf ihn zu und je näher ich ihm kam, desto mehr Schritte kam er auch mir entgegen. "Ich muss gehen", flüsterte er mir ins Ohr. Ich sah ihn an und packte ihn am Arm. "Nein! Hörst du nicht, was mein Dad gesagt hat?" "Doch, aber es gibt nur Stress und..." "Nein! Hör jetzt auf und zieh dich in bequeme Sachen um. Du bleibst hier und fertig! Wenn es sein muss, zwinge ich dich zu deinem Glück." Der Spruch ließ ein Lächeln auf seinen Lippen auftauchen, was mich erleichterte. Er nickte nun und ging ins Gästezimmer. Ich hüpfte solange die Treppen hoch und holte seine Reisetasche, um sie ihm ins Zimmer zu bringen. Plötzlich klopfte es an meiner Zimmertür und drehte mich erschrocken um. "Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken", sagte Tobi leicht amüsiert. Ich lachte und bewarf ihn mit einem Kissen, das er mir wieder zurück warf. "Wieso willst du unbedingt, dass ich bleibe?" "Weil mein Vater sich nicht umsonst entschuldigt hat. Und weil ich will, dass du weißt, dass ich immer für dich da bin." Wieder lächelte er mich an und kam näher zu mir. "Danke, du bist echt eine gute Freundin, und das obwohl ich eigentlich ziemlich gemein war, als wir uns getrennt haben. Hast du mir das eigentlich schon verziehen?" "Ja, habe ich und das habe ich dir auch schon gesagt. Solange wir wirklich Freunde werden und auch bleiben, geht es mir gut, denn ich brauche dich auf irgendeine Art und Weise an meine Seite. Verstehst du das?" Tobias nickte und nahm mich in den Arm. Es tat gut.Wir lösten uns wieder aus der Umarmung ich er nahm sich seine Tasche und zog sie nach unten ins Gästezimmer. "Gute Nacht, Chrissi." "Gute Nacht, Tobi", antwortete ich ihm und machte dann die Tür hinter ihm zu, damit ich mich in mein Bett legen konnte und die Augen schließen konnte.

Montag, Oktober 26, 2015

Kapitel #45

"Hab ich was falsch gemacht?" "Nicht du direkt. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn wir so nah beieinander sind. Das erinnert mich zu sehr an unsere Beziehung, die ja eigentlich gut lief. Ich will auch, dass unsere Freundschaft funktioniert, aber ich brauche trotzdem Zeit, verstehst du, was ich meine, Tobias?" Er nickte und sah mich etwas enttäuscht an. Ich sah ihn bittend an, damit er verstand, wie wichtig mir das war. Eine Freundschaft nach einer Beziehung war noch nie einfach, aber mit Mühe konnten wir es schaffen. "Vielleicht sollte ich dann langsam mal gehen", sagte er, immer noch ein wenig enttäuscht. "Nein nein. Du kannst doch bleiben, aber ich muss Hausaufgaben machen." Genau nachdem ich den Satz sagte, hörte ich unten Schlüssel klingeln. 'Meine Eltern sind da. Ich bin gespannt, was sie zu meinem Besuch sagen.' Ich schaute Tobi zu, wie er aus meinem Bett kletterte, um meine Eltern zu begrüßen. Er hatte wirklich Manieren, aber anders kannte ich ihn auch nicht. 'Wieder denkst du über eure Beziehung nach! Hör auf, Christina!' Ich ging ihm hinterher und bekam auf der Treppe eine SMS. Ich hatte keine Lust nachzuschauen, also ignorierte ich die Vibration in meiner hinteren Hosentasche und begrüßte meine Mama mit einer Umarmung und bekam von meinem Dad einen Kuss auf die Stirn. "Hallo, Tobias. Dürfte ich fragen, was du hier machst?", fragte mein Papa skeptisch. Er zog dabei eine Augenbraue hoch und man sah ihm an, dass er Tobias am Liebsten durch das Haus gejagt hätte. Tobias sah zu Boden, weil ihm das Ganze natürlich sehr unangenehm war. "Mama, Papa, schaut mal, was ich mit meinen Haaren gemacht habe", warf ich in den Raum und versuchte das Thema zu wechseln. Alle drei, als inklusive Tobi, sahen mich an und lächelten dann. "Wow, Schatz! Deine Haare sehen toll aus. Ist zwar sehr ungewohnt, vor allem weil ich deine blonden Haare wirklich sehr liebe, aber dieses braun steht dir auch echt gut." Mein Vater stimmte meine Mama durch ein Nicken zu. Tobi hingegen wurde rot und stotterte dann: "Oh nein, tut mir leid... Ich... Ich war zu s-sehr mit meinen Problemen... ähm... beschäftigt. Steht dir echt super, Chrissi." Ich lächelte, denn ich wusste wirklich nicht, wie vor allem meine Eltern auf diese Veränderung reagierten, aber sie nahmen es gelassen und es gefiel ihnen auch noch.
"So Tobias. Jetzt beantworte doch bitte meine Frage." Meine hörte meinem Vater die Ungeduld an. "Papa, lass ihn doch! Es geht ihm nicht gut und..." "Achso", unterbrach er mich, "aber ankriechen kann er kommen, wenn es ihm so 'scheiße' geht, oder wie?" Mein Dad wurde immer lauter, aber dann griff meine Mutter ein. "Liebling, beruhige dich. Was ist denn passiert, Tobias?" "Nun ja... Es gab einen Vorfall in der Familie, der mich etwas mitgenommen hat." Er sah mich verloren an, also half ich ein wenig: "Ich hab ihm vorgeschlagen, dass er für eine Weile hier bleiben kann, denn er will erst einmal in nach Hause, was ich auch verstehen kann, bei dem, was passiert ist." Meine Eltern sahen mich fragend und ein wenig sauer an. "Ohne mit uns darüber zu reden? Christina, sowas musst du mit uns ab..." "Meine Adoptivschwester wurde ermordet!", hörte ich plötzlich von rechts schreien. Alles war ruhig und alle Augen waren auf meinen Ex-Freund gerichtet. Er schaute nur zu Boden, aber an seinen zuckenden Schultern konnte man erkennen, dass er wieder weinte. Sofort nahm ich ihn in den Arm und er drückte mich ganz fest an sich. Ich spürte die Blicke meiner Eltern auf uns. Sie starrten uns an, aber das war mir egal. Er brauchte mich! "Tobias, beruhige dich. Komm, wir gehen in die Küche und ich gebe dir was zum Trinken." Er stellte sich normal, aber nicht aufrecht hin und nickte nur stumm. Ich zog ihn in die Küche und gab ihm ein Glas Sprudelwasser. Ich hörte Schritte hinter uns, weshalb ich mich umdrehte und meine Mum in der Tür erblickte. "Tobias, es tut mir leid. Aber was ist denn passiert? Und wie 'ermordet'?" "Julia wurde erschossen nach einer Entführung. Ich wusste davon nichts, erst als meine Eltern ohne sie zurückkamen, haben sie es mir erzählt und obwohl sie nur meine Adoptivschwester war, traf mich ihr Tod." Es herrschte Stille in der Küche.
Nach einigen Minuten gesellte sich auch mein Vater zu uns und auch er entschuldigte sich. Natürlich tat er das jetzt nur aus Mitleid, aber wenigstens ein wenig weich war er. Er verstand Tobi, weil auch er seine Stiefschwester verlor, als er in meinem Alter war. Sie allerdings brachte sich selbst um. So ewas könnte ich mir niemals vorstellen. 'Wie können sich Menschen umbringen? Wie sehr müssen sie leiden, dass sie keinen anderen Ausweg außer den Selbstmord sehen?' Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal meine Phasen hatte, wo alles schief ging, aber nie hatte ich an Suizid gedacht. Auch die Trennung von Tobias hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen, aber das Leben geht weiter. Für andere anscheinend nicht, aber das wollte ich nicht begreifen, obwohl ich schon 17 Jahre alt war und einiges mitbekommen hatte.
Tobias trank sein Glas aus und ohne ein Wort zu sagen, verließ er die Küche und schleppte sich die Treppe hoch. Ich hörte nur noch oben die Tür zu knallen und das war der Moment in dem ich sagte: "Toll, Papa! Tobi geht es echt scheiße und du hast nichts besseres zu tun, als ihn fertig zu machen?" "Ich hab mich doch..." "Nein, das war keine Entschuldigung! Das war nur Mitleid. Eine richtige Entschuldigung klingt nicht so, als würdest du es hassen, dass du das sagen musstest. Ich bin enttäuscht von dir, Dad!" Und schon verschwand auch ich die Treppen hoch in meinem Zimmer und gesellte mich zu Tobias, um ihn ein wenig aufzumuntern. Nur wie?

Samstag, Oktober 24, 2015

Kapitel #44

"Ich muss kurz nach unten, telefonieren. Wenn du willst, kannst du versuchen ein wenig zu schlafen bis ich wieder komme." Ich drehte mich zu ihm und sah wie er nickte und die Augen schloss. 'Irgendetwas empfinde ich ja natürlich noch für ihn. Es ist schließlich nicht mal 3 Tage her, seit wir uns getrennt haben.' Ich machte meine Zimmertür leise hinter mir zu und schlich leichtfüßig die Treppen herunter. Genau als ich unten ankam, klingelte das Telefon und flitzte ins Wohnzimmer zum Couchtisch. Es war eine unbekannte Nummer. 'Das ist er bestimmt. Oh Gott, ich zitter total.' "Ja, hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." Ich lächelte, als ich seine Stimme am anderen Ende hören konnte. Ich setzte mich auf die Couch und grinste weiterhin. "Ich weiß. Ging ja wirklich schnell bei dir. Du bist aber noch nicht Zuhause oder?" Er lachte: "Nein, nein. Ich bin gerade erst aus dem Friseurladen raus, aber wollte gleich anrufen, weil ich mir ja Sorgen um dich mache. Aber anscheinend geht es dir besser, so fröhlich wie du klingst. Ist etwas passiert?" Ich lächelte nur noch mehr, weil er sich wirklich Sorgen um mich machte, aber ich konnte ihm ja wohl schlecht sagen, dass ich seinetwegen so glücklich wieder war. Ich überlegte aber, ob ich es doch sagen wollte, bis er fragte: "Hallo? Noch dran?" "Ja klar. Mir geht es wirklich wieder gut, dank dir." Und da hatte ich es gesagt. Ich spürte die Röte in meinem Gesicht und lächelte noch mehr aus Scham. Er lachte wieder und sagte: "Dann bin ich ja froh, wenn ich dich etwas aufheitern konnte. Wie auch immer ich das hingekriegt habe." Wir lachten beide am Telefon.
Wir redeten noch eine Weile und ich hörte hin und wieder den Zug bei ihm im Hintergrund, weil er sich auf dem Heimweg befand. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und bemerkte, dass inzwischen 15 Minuten vergangen waren. Ich unterbrach Christopher mitten im Satz und sagte: "Du, sorry, aber ich muss auflegen. Wenn du willst, können wir morgen wieder telefonieren und dann etwas länger, aber jetzt gerade geht es wirklich nicht. Tschüss." Ohne auf eine Antwort oder ein 'Tschüss' von ihm zu warten, legte ich einfach auf und legte das Telefon auf die Couch neben mich, während mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen. Das war das Herzrasen wieder. Wegen ihm. Ich sah zur Treppe und dann fiel mir Tobias ein, weshalb ich zur Treppe rannte und sie hoch stolperte. Ich betrat mein Zimmer und sah Tobias auf meinem Bett liegen. Ob er schlief oder nicht, konnte ich da noch nicht sagen. Erst als er sich umdrehte und die Augen öffnete, wusste ich es. "Du bist wach? Konntest du nicht schlafen?", fragte ich ihn besorgt. Er schüttelte den Kopf und gab mit seinem Kopf ein Zeichen an mich, dass ich mich zu ihm setzen sollte. Also setzte ich mich in Bewegung und kniete mich neben das Bett und schaute ihn dabei an. Er lächelte und sah nicht mehr ganz so verheult aus. "Weißt du, dass mich deine Gegenwart sehr beruhigt? Allein, wenn du hier neben mir sitzt und nichts sagst." Mir war nicht nach Lächeln zumute. "Tobi, lass das. Du verwirrst mich total." Zwei schockierte Augen sahen mich an und schon verschwand sein Lächeln. "Was ist los mit dir?" "Ich kann nicht nur mit dir befreundet sein, und das weißt du! Oder glaubst du, dass ich innerhalb von 2 Tagen über die Trennung hinweg bin? Du sagst, dass ich dir etwas bedeute, aber machst Schluss. Du sagst, dass du dich bei mir wohl fühlst, aber zeigtest trotzdem mir gegenüber die kalte Schulter. Wieso? Wieso tust du mir das an?", fragte ich, während ich die Tränen spürte. "Christina, du hast mir weh getan. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mir so weh tun kann, obwohl ich diese Person liebe. Aber wenigstens Freunde können wir doch sein. Wer weiß, vielleicht wollte das Schicksal eigentlich ursprünglich, dass wir nur Freunde sind und deshalb kreuzten sich unsere Wege, als du mir damals deine Tasche ins Gesicht geschlagen hast." Wir beide lachten und ich entgegnete: "Hey! Das war keine Absicht und ich kann nichts dafür, wenn du so einen riesen Schädel hast." Wieder lachten wir und dabei kamen wir uns erstaunlich nah. Ich schreckte sofort wieder zurück und stellte mich dann neben das Bett. Ich räusperte mich und fragte: "Willst du etwas trinken? Kaffee, Tee, Wasser?" Er schüttelte nur den Kopf und setzte sich aufrecht auf meinem Bett hin.

Donnerstag, Oktober 08, 2015

Kapitel #43

Nach etwa 2 Stunden shoppen und durch die Läden wandern, waren wir beide müde und uns taten die Arme weh. Ich hatte mir einige neue Oberteile gekauft, zwei Paar Hosen, einen Schal, ein paar High Heels und eine Sonnenbrille, obwohl die Zeit der Sonnenbrille eigentlich schon vorbei war. Aber ich fand, dass man nie genug Sonnenbrillen haben kann, genauso wie Taschen, Schuhe und Schmuck. Ich liefen zum Hauptbahnhof und fuhren dann mit der S-Bahn nach Hause. Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Lust, dass Franziska mich begleitete, deshalb sagte ich: "Du, Franzi, hör mal. Ich bin ziemlich fertig. Würde es dir was ausmachen, wenn du nicht noch mit zu mir kommst? Ich will einfach nur meine Sachen Zuhause ablegen, duschen und mich dann ein wenig ausruhen." Franzi lächelte und antwortete: "Kein Problem. Auch ich will um ehrlich zu sein schnell Heim. Aber wenn du etwas brauchst, oder es dir wegen 'du weist schon' nicht gut geht, kannst du mir gern schreiben oder mich einfach anrufen. Ich bin für dich, schließlich bist du meine beste Freundin!" Wir lächelten uns gegenseitig an und umarmten uns dann.
Irgendwann kamen wir dann an unserem Bahnhof an und wir stiegen gemeinsam aus. Wir stolzierten schweigend die Treppen hinunter, bis zu der Kreuzung, wo sich unsere Wege wie immer trennten. Ich lief nach Hause und schaute nach fast 5 Stunden mal endlich wieder auf mein Handy. Ich hatte 3 verpasste Anrufe von meiner Mum und einen von Chris. Ich wunderte mich über seinen Anruf, aber ich wollte ihn nicht zurückrufen. Brauchte ich auch nicht, denn mir kam ein blonder Mann entgegen, der mich fröhlich angrinste. "Christopher, hey!" "Wow! Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Das sieht echt toll aus." Ich spürte, wie die Röte in mir aufstieg und schaute verlegen zu Boden. "Danke, wohin gehst du?" "Auch zum Friseur", sagte er lachend. Da fiel es mir wieder ein: "Bei dem Friseur in der Stadt in der Nähe vom Hauptbahnhof?" "Ehm, ja? Ok, das ist jetzt gruselig! Woher weißt du das?" Ich zuckte nur mit den Schultern und spürte, wie mir nur noch heißer wurde. "Alles in Ordnung? Du wirkst gerade so, als hättest du einen Geist gesehen." Er winkte mit seiner Hand vor meinem Gesicht, aber ich reagiert nicht, weil ich einen seltsamen Gedanken hatte. 'Das kann doch kein Zufall sein! Ich stoße mit ihm in der Kirche zusammen. Ich laufe beinahe gegen jede Tür, die er öffnet. Er wohnt ziemlich nah bei mir und das wusste ich nie. Und jetzt gehen wir auch noch zum gleichen Friseur und er ruft zufällig an, während ich noch bei Laura auf dem Stuhl saß. Was wenn das alles Schicksal ist? Eigentlich glaube ich nicht daran, aber das ist die einzige Erklärung für alle diese Geschehnisse.' "Chrissi?" Ich blickte ihn an und sah in seine schönen blauen Augen, die mich leicht besorgt ansahen. "Tut mir leid, was hast du gesagt?" "Ich mache mir Sorgen! Wirkliche Sorgen! Aber ich muss zur S-Bahn, sonst verpasse ich meinen Termin. Ich rufe dich an, sobald ich fertig bin und dann reden wir. Dauert bei mir ja nicht so lang. Ich muss nur bisschen kürzer schneiden und meinen Bart etwas stutzen lassen, so wie immer." Er lächelte umarmte mich und flitzte zum Bahnhof. Da stand ich nun, alleine mit meinen Gedanken, die in meinem Kopf herum flogen. 'Will das Schicksal mir etwas damit sagen? Hat es darum nicht mit Tobias geklappt? Wollte das Schicksal, dass wir uns trennen? Ich dachte, dass genau das Schicksal Tobi und mich zusammengeführt hatte und jetzt will es das nicht mehr?' Ich schüttelte den Kopf und versuchte somit diesen Gedanken aus meinem Kopf zu schütteln. 
Ich lief weiter in die Richtung meines Hauses und kam nach 5 Minuten endlich an. Ich öffnete die Haustür, ließ die Einkaufstüten auf den Boden fallen und rief: "Hallo! Ich bin Zuhause und habe eine Überraschung." Keine Antwort. 'Hm, vielleicht ist ja Jemand im Wohnzimmer oder in der Küche.' Auf der Couch saß niemand, also lief ich in die Küche und da erwartete mich etwas nicht sehr Gutes. "Was machst du hier, Tobias?" Er stand am Fensterbrett und starrte mich einfach nur an. Seine Augen sahen verheult aus, weswegen ich auf ihn zu ging, aber trotzdem Sicherheitsabstand hielt. "Ich brauche jemanden zum Reden und ja, ich weiß, dass ich scheiße zu dir war und dass das jetzt blöd kommt, aber ich brauche dich!" Ich hob eine Augenbraue hoch und sah ihn etwas verdutzt an. "Ok? Was ist los?", fragte ich unsicher. "Julia.. wurde umgebracht." Sofort fiel mir die Kinnlade runter. Ich kannte Julia nicht sonderlich gut, aber trotzdem traf es mich, denn ich kannte sie ja. "Was? Aber wieso und wer war es?" Tobias schüttelte den Kopf und drehte sich zum Fenster um. "Wir haben sie nur gefunden, alleine und schon tot. Sie wurde davor entführt und weil wir die Polizei verständigt haben, hat der Entführer sie erschossen. Wir wissen nicht einmal, ob es ein Mann oder eine Frau war. Verstehst du jetzt, warum ich gerade dich zum Reden beziehungsweise zum Zuhören brauche?" Ich schüttelte den Kopf, denn ich konnte mir keinen Reim darauf machen. "Weil ich schon wieder ein Mädchen verloren habe, dass mir etwas bedeutet hat! Nach dir, dann Julia... Ich kann nicht mehr." Das war der Moment, in dem Tobias zusammenbrach und zu Boden sackte. "Tobias... Bitte beruhige dich, dadurch kommt sie auch nicht wieder. Aber jetzt muss ich dir einfach die Frage stellen: Warum hast du dann mit mir Schluss gemacht?" "Genau deswegen ja! Weil du mir etwas bedeutest und du mir weh getan hast. Das konnte ich nicht länger zulassen." Ich verdrehte innerlich die Augen, denn ich konnte seinen Worten nicht glauben. Aber zu der Zeit musste ich für ihn da sein, egal wie schwer es mir fiel in seiner Nähe zu sein. "Du kannst hier bleiben, wenn du magst. Meine Eltern haben bestimmt nichts dagegen." "Wissen sie von uns? Beziehungsweise von dir und mir?" 'Dir und mir? Also gab es kein uns mehr?' Es klang schrecklich in meinen Ohren. Ich nickte und versuchte trotzdem zu lächeln, obwohl es mir das Herz brach, ihn so zu sehen. Wir gingen hoch in mein Zimmer und er legte sich auf mein Bett. "Es fühlt sich so vertraut an", flüsterte er, während er langsam einschlief.
Plötzlich fiel mir Chris wieder ein und dass er mich ja anrufen wollte, sobald er fertig war. Das hätte in jedem Augenblick passieren können, aber wie hätte ich es vor meinem Ex-Freund geheim halten können. Dann fielen mir auch wieder diese ganzen Fragen zum Schicksal ein. 'Ich kann ihn einfach nicht vergessen, aber warum hat das Schicksal Tobias wieder zu mir geführt? Um mich zu quälen oder einfach, damit wir es mit Freundschaft versuchen? Vielleicht hat es uns damals auch nur aus diesem Grund zusammengeführt.' Aber die wichtigste Frage stellte ich mir anschließend: 'Bin ich in einen von ihnen wirklich verliebt? Und wenn ja, in wen?'

Dienstag, Oktober 06, 2015

Kapitel #42

Franziska kam mit drei Sandwiches zurück, die sie zwischen uns aufteilte. Laura war grad mit der Farbe fertig, also konnten wir in Ruhe essen, bis die Farbe eingezogen war. Nach etwa 15 Minuten wanderten wir zum Waschbecken und wuschen meine Haare aus. Ich konnte nichts sehen, weil ich ja hinten keine Augen hatte, aber ich wollte mich wirklich überraschen lassen. Ich sah aber an Franzis Gesicht, dass es gut aussehen musste, wodurch ich mich nur noch mehr freute.
Wir gingen zurück zum Spiegel und da fing sie an zu schnippeln. Sie nahm sich noch die Zeitschrift mit der Frisur als Vorlage, damit alles so war, wie ich es wollte. Wir hatten keinen richtigen Gesprächsstoff mehr, deshalb war es ziemlich still für eine kurze Zeit, bis das Telefon klingelte. Da Laura alleine war, musste sie mich kurz mit Franzi allein lassen. "Wie sieht es bisher aus?" "Ich sag nichts, sonst ist es keine Überraschung mehr." Sie sagte das mit einem Grinsen, aus dem ich wieder entnahm, dass es gut aussehen musste. Wir sahen beide zu Laura, wie sie telefonierte und was aufschrieb. Wahrscheinlich war es nur ein Kunde. Dann war sie endlich fertig und kam wieder zum Arbeitsplatz.
Laura schnitt weiter an meiner Frisur und es fühlte sich auf Grund meiner Aufregung wie Stunden an. Ich konnte es nicht abwarten das Endergebnis zu sehen, weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte. "Ach ja, nochmal zum Konzert. Wenn ich uns fahren würde, dann würden es deine Eltern doch sicher erlauben, oder? Schließlich bin ich alt genug, um auf dich aufpassen zu können." Der Gedanke an Sunrise Avenue und auf ein Konzert von ihnen zu gehen, brachte mich erneut zu grinsen. Aber dann dachte ich an meine strengen Eltern, obwohl meine Mum zu der Zeit schon lockerer geworden ist. 'Vielleicht könnte sie ja mit Papa reden, schließlich wollen sie auch nur, dass ich glücklich bin und das wäre ich unheimlich sehr.' Laura riss mich aus meinen Gedanken: "Ok, wir sind fertig. Ich nehme auf Drei den Laken vom Spiegel und dann kannst du mein Meisterwerk betrachten." Das klang so süß. Sie stellte sich neben den Spiegel und zählte runter: "3...2...1..." Sie riss das Tuch weg und endlich sah ich mich selber. In den ersten Sekunden konnte ich einfach gar nichts sagen. Ich stand einfach nur mit großen Augen vor meinem Spiegelbild und versuchte diese Veränderung zu realisieren. "Und? Gefällt's dir?" Endlich kam ich zu mir und grinste die Mädels an.
Meine Haare waren etwas über den Schultern, Laura hatte ein paar Stufen geschnitten und die Farbe... Das war das, was mich am meisten flashte: Ich war nun braunhaarig. Laura entschied sich anscheinend gegen den Rotstich, aber es sah trotzdem total schön aus. "Chrissi! Du siehst so toll aus! Das ist zwar komplett etwas anderes als ich gewöhnt bin, aber es steht dir mega gut." "Danke, Franzi. Und auch danke, Laura. Ich liebe es!" Ich umarmte die Friseuse und stellte mich wieder vor den Spiegel. Ich drehte mich mal zur einen Seite und mal zur anderen, um alles richtig betrachten zu können. "Auch die kurzen Haare stehen total gut. Jetzt siehst du halt nicht mehr wie so eine Barbie aus, nachdem du keine langen, blonden Haare mehr hast." Wir lachten alle drei, aber ich konnte meine Augen einfach nicht von meinem Spiegelbild lassen. Ich war schockiert, aber gleichzeitig überglücklich und wusste, dass ich das nicht bereuen würde. "Ok, jetzt zum Geschäftlichen. Wie viel bin ich dir schuldig?" "55€. Ich gebe dir einen kleinen Freundesrabatt und außerdem hat sich noch nie ein Kunde so sehr über eine Frisur von gefreut." Sie lächelte mich an und lief dann zur hinter die Theke zur Kasse. Ich kramte meinen Geldbeutel raus und nahm 60€ heraus. "Der Rest ist für dich, weil du das echt wundervoll gemacht hast. Ich bin echt begeistert." Sie lächelte und nahm dankend das Geld entgegen. Ich sah ihr einen Terminplaner liegen. Ich sah nur etwa zwei Sekunden rein und entdeckte einen Namen, der mein Herz schneller schlagen ließ. Aus 2 Sekunden wurden dann doch irgendwie 2 Minuten, bis Franzi mich anstupste. "Chrissi?" "Hm? Was ist?", fragte ich gedankenverloren. "Das sollte ich dich fragen! Auf was starrst du so angestrengt?" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte: "Schon ok. Komm, wir gehen jetzt echt shoppen." "Ok. Tschüss Laura." "Ciao! Warte Chrissi! Gib mir mal deine Handynummer, dann können wir nochmal wegen dem Konzert schreiben." Sie gab mir einen Zettel und einen Stift und ich hinterließ ihr meine Nummer. Sie steckte den Zettel in ihren Terminplaner und winkte uns dann noch zu, während wir aus dem Laden herausliefen. "Was hast du denn jetzt gelesen oder gesehen, dass du plötzlich so schockiert und abwesend warst?" "Ich hab in ihrem Terminplaner den Namen 'Christopher Hint gelesen. Und naja, wir beide kennen ihn halt." "Na und? Ist doch egal, wenn er da zum Friseur geht." "Nein ist es nicht! Vor allem nicht, wenn ich bei seinem Namen oder seiner Stimme Herzrasen kriege." Ich sagte das so energisch, dass Franziska zurückwich. "Was.. Was willst du damit sagen? Hast du dich etwa in ihn verguckt?" Ich sah sie nicht erschrocken an, sondern eher unsicher. Ich ließ mir diesen Gedanken durch den Kopf gehen. 'Bin ich etwa wirklich in einen Lehrer verknallt?' Ich konnte diese Frage nicht selbst beantworten, aber wer sollte das sonst für mich tun? "Oh mein Gott, also tatsächlich. Christina, das geht doch nicht! Er ist ein Lehrer! Er ist MEIN Lehrer!" "Ich weiß, aber keine Ahnung. Vielleicht irre ich mich auch. Vor allem jetzt nach Tobias habe ich keine Ahnung, was los ist." "Wusste Tobias davon und hat deswegen Schluss gemacht?", fragte Franzi mich neugierig. "Nein, wusste er nicht. Er weiß nur, dass wir uns einmal getroffen haben, bzw. ich bei ihm war." "Wie bitte?! Du warst mal bei ihm? Chrissi, was ist los mit dir?!" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte genervt: "Ich will jetzt nicht länger darüber reden, also lassen wir es." Franzi nickte und so liefen wir einfach nebeneinander her durch die Stadt und betraten irgendwelche Läden.

Sonntag, September 27, 2015

Kapitel #41

Nach etwa 30 Minuten kamen wir dann in der Stadt an und wir mussten an einem Friseur vorbei. Plötzlich hatte ich die Idee, mir meine Haare zu färben. Ich schaute zum Schaufenster des Friseurs und dann wieder zu Franzi. "Ist was, Chrissi?" Ich nickte und grinste sie an. "Ich will meine Haare färben. Jetzt!" Franziska riss ihre Augen auf, aber ich kannte sie so gut, dass ich erkannte, dass sie diese Idee ebenfalls gut fand. "Okey, und welche Farbe?" Ich schaute zu den Schaufensterpuppen und begutachtete sie gründlich. "Diese Farbe", sagte ich und zeigte auf einen Kopf mit dunkelbraunen Haaren. "Christina, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was du jetzt auf deinem Kopf hast. Bist du dir wirklich sicher? Und wir kommt es überhaupt, dass du so spontan deine Haare färben willst?" Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte weiterhin auf die besagten Haare im Schaufenster. Ich zog Franzi am Arm in den Laden und schon kam mir eine Mitarbeiterin entgegen und sagte nett: "Hallo, Willkommen. Was kann ich für euch tun?" "Ich würde gerne meine Haare färben und schnei-" "Moment, was? Auch noch schneiden?", unterbrach mich meine beste Freundin. Ich schaute sie gar nicht erst an, denn ich konnte mir ihren Blick schon vorstellen, weil sie meine Haare liebte. Sie war ziemlich neidisch darauf, dass meine Haare so lang und gesund waren und ihre ständig neu geschnitten werden mussten. "Ok, was hast du dir denn so vorgestellt?" Die Friseuse zeigte mir einen Weg zu einem kleinen Tisch, auf dem viele Zeitschriften lagen. Ich bemerkte erst kurz darauf, dass Franziska nicht mitgekommen war. Ich drehte mich um und sah sie noch am Eingang stehen. Natürlich nicht sehr begeistert. "Ich heiße übrigens Laura und du?" "Christina. Ich muss mal kurz zu meiner Freundin." Sie nickte und setzte sich auf einen der Stühle um den kleinen süßen Tisch. "Franzi, kommst du?", fragte ich sie, während ich auf sie zuging. Sie sagte nichts, sondern sah mich nur enttäuscht an. Das war der Blick von dem ich vorhin sprach. "Bitte sei nicht böse, aber ich will eine Typveränderung probieren. Wir können danach auch ganz viele neue Sachen einkaufen gehen. Das magst du doch so." Ich sah ein kleines Lächeln auf ihren Lippen huschen. "Okey, aber nur weil du wie immer mit dem Shoppen kommst." Wir lachten und ich zog sie mit mir zum Tisch. "Okey, Laura. Dann such ich mir mal was aus." Ich blätterte in den Zeitschriften, während Laura Wasser für uns holte und sich ein wenig mit Franziska unterhielt. "Das hier! So hab ich mir das vorgestellt." Laura gesellte sich zu mir und ich schaute sie von unten an. Sie nickte und lächelte. Auch Franziska sah begeistert aus, auch wenn sie noch etwas zweifelte, aber genau das wollte ich gerade: Einfach mal etwas anderes tun und einfach spontan sein. "Das kann aber gute 4 Stunden dauern? Soll deine Freundin euch etwas zum Essen holen?" Ich schüttelte den Kopf und antwortete: "Wenn Franziska sich was kaufen will, kann sie das machen. Aber ich bin gerade viel zu aufgeregt dafür." Franziska und Laura lächelten und wir gingen zum nächsten Tisch mit Spiegel und Stuhl, um mir Farbe in die Haare zu schmieren. "Willst du das dunkelbraun mit einem leichten Rotstich oder ohne?" "Überrasche mich. Ich weiß jetzt schon, dass ich es so oder so lieben werde." Laura ging zur Wand mit der Haarfarbe und dem Zubehör und packte einige Sachen zusammen. "Gut, dann legen wir mal los. Sag 'Auf Wiedersehen' zu deinen alten Haaren und zu deinem Spiegelbild." Ich winkte meinem Spiegelbild kurz zu und dann hüllte sie ihn mit einem Tuch ein.
Die Friseuse klatsche mit die Farbe in die Haare und unterhielt sich währenddessen mit Franzi und mir. Sie schien wirklich unglaublich nett zu sein. "Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Laura?" "21 und ihr?" "Beide 17. Hast du eine Ausbildung hier gemacht?", fragte ich neugierig. "Ja, ich wollte schon immer Friseuse werden, weil ich es liebe mit Haaren zu basteln und zu spielen. Da kann man auch etwas kreativer manchmal sein, wenn die Kunden sagen, dass es einfach ausgeflippt sein muss. Am Liebsten würde ich bei Udo Walz arbeiten und dort prominente Kunden bedienen, aber das wird wohl ein Traum bleiben." Laura klang enttäuscht, aber das war auch verständlich, denn anscheinend liebte sie ihren Job. "Jetzt mal zu dir. Willst du schon länger deine Haare so sehr verändern?" Ich schüttelte den Kopf und lächelte etwas dabei. "Es kam mir jetzt gerade einfach so in den Sinn. Ich brauche Veränderung im Leben und deshalb fange ich jetzt mit einer Typveränderung an. Das heißt neue Haare, neue Klamotten und mein Leben so leben, wie ich es will." Ich sah mich etwas um im Laden, während sie meine Haare weiter mit Farbe beschmierte. Ich sah ein Schild auf dern Tresen am Eingang auf dem stand: Laura Schmidt. Hinter den Tresen war ein Spint auch mit ihrem Namen versehen und da hing ein Bild. Man erkannte es schlecht aus der Entfernung, also fragte ich nach: "Was ist auf dem Bild, das da vorne hängt?" Dabei zeigte ich mit meinem Kopf in die Richtung. Franzi ging zum Tresen und schaute sich das Bild an. "Ist das ein Konzert?" "Ja, mein ersten Konzert. Da war ich auf einem Sunrise Avenue Konzert, als ich 19 war. Ich bin ein sehr großer Fan, aber war seitdem nicht mehr auf einem Konzert von ihnen wegen der Arbeit. Es ist nie ein Konzert, wenn ich Urlaub hab und umgekehrt." Sie klang ein wenig traurig, aber es freute mich, dass auch sie ein Sunrise Avenue Fan war. "Magst du nicht auch diese Band, Chrissi?", fragte mich meine beste Freundin. Ich grinste und nickte, weil allein der Gedanke an diese Band mich lächeln ließ. Deren Musik machte ich so glücklich und baute mich immer auf, wenn ich einen schlechten Tag hatte. "Wirklich? Das ist ja cool! Wir können ja mal versuchen auf ein Konzert zusammen zu gehen, oder?" "Ja klar, aber das muss warten bis ich 18 bin, denn meine Eltern wollen mich keineswegs lassen. Hab es schon einige Male versucht." Laura lachte und sagte dann: "Okey, fertig. Jetzt 15 Minuten einwirken lassen. Franzi, hol doch trotzdem mal was zum Essen. Ich hab ihren Magen knurren hören", sagte sie belustigt und zugleich besorgt. Franziska nickte und verließ einfach den Laden. 'Ich hab meinen Magen gar nicht knurren gehört. Komisch.' 

Samstag, September 26, 2015

Kapitel #40

Ich schlief in der Nacht sehr unruhig. Albträume plagten mich, und selbstverständlich ging es um Tobias und wie er mit einem anderen Mädchen zusammen ist. Ich erkannte sie nicht in meinem Traum, aber sie sah mir von hinten sehr ähnlich. Auch lange blonde Haare, gleicher Kleidungsstil, ähnlicher Gang. Beide wurden von einem Bus erfasst, als sie eine Straße überqueren wollten, aber sie überlebte, während er sein Leben verlor. Dann wachte ich hektisch auf. Mein Herz schlug unglaublich schnell und mir flossen Schweißperlen die Stirn runter. Mein erster Gedanke war: 'Tobias!' Sofort schnappte ich mir mein Handy und wollte ihm schreiben, bis mir einfiel, dass er und ich gar nicht mehr zusammen waren. Es war so ungewohnt, weil er auch noch mein erster Freund war und wir schließlich einige Monate zusammen gewesen waren. Ich versuchte meinen Puls zu senken, indem ich meine rechte Hand auf mein Herz legte, mein Kopf hängen ließ und langsam ein-und ausatmete. Nach vielleicht drei Minuten (vielleicht auch mehr) schlug mein Herz wieder normal und legte mich auf die rechte Seite, weil ich so immer am besten einschlafen konnte. Plötzlich spürte ich etwas in meinem Bauch; ich hatte hunger. 'Das kommt davon, wenn ich abends nichts esse.' Ich wusste, dass es ungesund war, so schlafen zu gehen, aber noch ungesünder war es, mitten in der Nacht etwas zu essen, also beschloss ich, bis zum nächsten Morgen zu warten. Ich schaute nochmal auf die Uhr und es war 5:14. Ich schloss die Augen und war zum Glück schon bald wieder eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von einer warmen Hand auf meiner Stirn. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte das Gesicht von Franziska. "Franzi? Was machst du hier?" "Dir auch einen guten Morgen. Heute ist Samstag, es ist 10:30 und ich will shoppen gehen. Mit dir." Ich setzte mich langsam auf und sah mich im Zimmer um. Draußen war es bewölkt und grau und der Wind wehte ziemlich stark. "Bei so einem Wetter? Ne, danke!" Sie schmollte. Ich wusste, wie sehr sie es liebte, mit mir shoppen zu gehen, doch ich hatte trotzdem keine Lust. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie mit meinem Dein-Ernst-Blick an. Sie gab auf und jetzt konnte ich in Ruhe ins Bad gehen und mich etwas frisch machen. Unter der Dusche knurrte wieder mein Magen, aber es war schon fast 11 Uhr, deshalb wollte ich noch bis zum Abendessen warten. Ich zog meinen Bademantel an und ging in mein Zimmer und sah wie Franzi mein Handy benutzte. "Suchst du etwas?" Sie erschrak und legte das Handy sofort auf mein Kopfkissen. "Versuch gar nicht, es zu verstecken. Stand da etwas interessantes?" Sie nickte und kam auf mich zu. "Was ist zwischen dir und Tobi vorgefallen?" 'Shit, sie hat gesehen, dass ich Tobis Name in meinen Kontakten zu "Tobias" geändert hatte. "Ehm, nun ja. Wir haben uns getrennt. Die Gründe..." "WAS?! Aber warum? Ihr ward doch so ein süßes Paar!" Sie sah mich entsetzt an und schlug mir einmal auf die Schulter. "Die Gründe sind egal. Hauptsache ich, dass wir nicht mehr zusammen sind und fertig. Willst du jetzt noch shoppen gehen oder nicht?" Sie nickte vorsichtig und ich ging zu meinem Ankleidezimmer. Ich spürte Franzis Blick auf mir, wie ich zum Zimmer lief. Ich sperrte ab und suchte mir etwas dickeres zum Anziehen, weil es sehr kalt draußen war. Dann verließ ich meinen Kleiderschrank wieder und sah wie Franzi an der gleichen Stelle in die gleiche Richtung starrte. "Franzi? Alles in Ordnung?" "Das sollte ich dich fragen! Man, sag doch, was passiert ist. Hat er dich betrogen? Hat er wieder Drogen genommen? Hat er..." "Nein man! Jetzt lass es und komm wir gehen runter. Sie schaute mich enttäuscht an, aber folgte mir dann in die Küche. Ich konnte nichts essen, obwohl ich hunger hatte. Mir lagen Steine im Magen, weil ich Angst hatte, dass mich nochmal jemand fragen könnte, was die Gründe sind. Aber wie sollte ich den Leuten erklären, dass ich mich mit einem Lehrer getroffen habe und Tobias deshalb eifersüchtig war, genauso wie wegen Lukas? 'Ich kann es keinem sagen!' Franziska aß ihr Marmeladenbrot und ich schminkte mich währenddessen im Gästebadezimmer. Irgendwann waren wir beide fertig und verließen zusammen das Haus, um zum Bahnhof zu laufen.