Samstag, Mai 23, 2015

Kapitel #32

Wir saßen noch einige Minuten so da und sein Herzschlag hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Irgendwann schob er mich mit seiner Brust leicht nach oben, weshalb ich meinen Kopf komplett hoch hob. "Was los, Schatz?", fragte ich ihn, während er in seiner Jackentasche kramte. Er fand, was er suchte und zog es raus. "Willst du jetzt wirklich Eine rauchen?", fragte ich ihn mit hochgezogener Augenbraue. Er sah mich an und lächelte dabei. "Willst du auch?`" Ich war anfangs mit dieser Frage etwas überfordert. Ich wusste, dass ich schon einige Male gezogen hatte zuvor, aber dass ich jetzt öfters sollte, hätte ich nicht gedacht. Ich schaute Tobias zu, wie er sich seine Zigarette anzündete und den Qualm ausatmete. Da wurde mir bewusst, dass auch ich Lust verspürte und schnappte mir deshalb seine Kippe und zog einmal dran. Wieder schenkte er mir ein Lächeln, nahm mir die Zigarette ab und küsste mich.
Nach einer weiteren Stunde, in der wir noch etwas über die Schule quatschten, beschloss ich, dass wir nach Hause fahren sollten. Wir setzten uns wieder in Bewegung in Richtung S-Bahn und stiegen dann in den Zug ein. Wir fuhren zu mir nach Hause, denn er schlief ja noch bei uns. Auf dem Fußweg zu mir merkte ich, wie wieder die Kopfschmerzen kamen. Plötzlich wurde mir total warm. Ich blieb kurz hinter Tobi stehen und atmete einmal tief durch. Mein Freund blieb ebenfalls stehen und stellte sich vor mich hin. "Alles ok? Brauchst du etwas zu trinken?" Ich nickte und sofort öffnete er meine Tasche, wo er meine Flasche Wasser und die Tabletten fand. Er reichte mir das Wasser und fragte mich währenddessen: "Wofür sind diese Tabletten? Die sehen nicht wie Schmerztabletten aus." Ich trank erstmal aus der Flasche und schraubte dann den Deckel wieder drauf. "Schatz?", fragte er nochmal, er klang besorgt. "Das sind meine Medikamente...Ich..." "Medikamente? Wozu brauchst du sie? Bist du etwa krank?" Ich traute mich nicht es ihm zu erzählen. 'Was, wenn er sich genauso Sorgen macht, wie meine Eltern? Dann macht er sich genauso fertig. Nein, das will ich nicht!' "Jetzt sag schon!" "Nein, bin ich nicht. Ich hab nur häufig Migräne-Anfälle. Ist nichts schlimmes, das geht gleich wieder weg." Er sah mich immer noch besorgt an, aber es sah so aus, dass er mir glaubte. Ich legte meine Tabletten wieder in meine Tasche, zusammen mit meiner Flasche. Er nahm wieder meine Hand und so liefen wir nach Hause.
Zuhause angekommen erwarteten meine Eltern uns schon. "Hallo, ihr Süßen." Tobias und ich lachten und umarmten beide meine Eltern. "Wo ward ihr denn?" "Am Weiher, wo wir öfters sind. Das Wetter ist ja so schön und dann hatten wir Lust dahin zu fahren. "Hast du deine Tabletten genommen? Du weißt, du musstest sie um 15 Uhr nehmen." Ich verdrehte die Augen und antwortete genervt: "Ja, habe ich. Tobias und ich gehen mal hoch in mein Zimmer." Ich nahm ihn an die Hand und zog ihn mit mir die Treppen hoch. Oben angekommen schloss ich meine Zimmertür, während Tobi sich schon einmal auf mein Bett setzte. Ich drehte mich zu ihm um, aber musste dann in sein besorgtes Gesicht schauen. "Was ist los, Schatz?" "Hör mal, Chrissi. Das vorhin auf dem Heimweg war kein Migräne-Anfall, oder?" "Doch, war es! Was sollte es sonst gewesen sein?", versuchte ich überzeugend zu sagen. Er zuckte nur mit den Schultern und zog dann sein Handy aus der Tasche. Er schrieb wahrscheinlich einigen seiner Kumpels zurück, während ich mich schnell versuchte umzuziehen, ohne dass er es bemerken sollte. Ich drehte mich extra mit dem Rücken zu ihm. Als ich mich wieder umdrehte, kam er gerade auf mich zu, immer noch mit diesem Blick. "Tobias, hör auf so zu schauen. Es ist wirklich nichts schlimmes." Ich küsste ihn kurz und schmiss mich dann endlich auf mein Bett. Auf mein Freund kam dazu und legte sich neben mich. Wir starrten beide die Decke an und ich merkte, wie meine Augen langsam zu fielen.
Irgendwann wurde ich sanft von einem Handkuss geweckt und ich öffnete langsam meine Augen. Es war mein Papa, der auf meiner Bettkante saß. "Guten Morgen, Prinzessin. Gut geschlafen?" Ich nickte und rieb mir vorsichtig den Schlaf aus den Augen, damit ich meine Schminke nicht komplett verschmierte. Ich setzte mich aufrecht hin und sah mich in meinem Zimmer um. "Wo ist Tobias? Hat er auch geschlafen?", fragte ich meinen Papa. "Er ist unten und hilft deiner Mama beim Abendessen. Er ist wirklich ein total netter Kerl. Ich mag ihn, obwohl er anfangs nicht so mein Geschmack war." "Das klingt so, als du jetzt auch auf ihn stehst", lachte ich los und auch mein Dad stimmte mit ein. Er hatte noch eine meiner Hände in seiner und an dieser zog er mich aus dem Bett und die Treppen herunter. Wir kamen unten in der Küche an und sahen den beiden 'Hausfrauen' beim Kochen zu. Die beiden lachten und schwang seine Hüfte hin und her im Takt zur Musik. Mein Papa ging auf meine Mum zu und umarmte sie vorsichtig von hinten, denn sie war ziemlich schreckhaft. Er meisterte seine Aufgabe mit Bravur und meine Mama lächelte ihn an. Inzwischen hatte sich Tobias zu mir umgedreht und kam ebenfalls auf mich zu. "Na, hast du gut geschlafen, Baby?" Ich nickte zufrieden und küsste ihn. "Hast du auch geschlafen?" "Nein, ich hab nach 20 Minuten etwa gemerkt, dass du schläfst und hab mich dann raus geschlichen", gab er mir lächelnd als Antwort. Ich wollte ihn mit mir auf die Couch ins Wohnzimmer ziehen, aber er blieb stehen und meinte: "Das Essen ist noch nicht fertig und ich hab deiner Mama versprochen, dass ich ihn helfe." Ich schob meine Unterlippe etwas nach vorne und schmollte meinen Freund an. Er lachte, gab mir noch einen Kuss und ging dann wieder zu meiner Mama, die inzwischen auch meinen Vater raus geschickt hatte. Wir zwei setzten uns ins Wohnzimmer und warteten, dass unsere Lieblingsmenschen das Essen kochten.

Dienstag, März 17, 2015

Kapitel #31

Die nächsten Schulstunden vergingen zum Glück ziemlich schnell. Auf dem Heimweg steckte ich mir die Kopfhörer in meine Ohren und hörte Musik. Ich wartete an der Bushaltestelle auf meinen Bus und stieg dann ein, als er endlich da war. Die nächsten 10 Minuten wurde ich von meinen Mitschülern im Bus herumgeschubst, weil er ziemlich voll war und der Busfahrer nicht fahren konnte. Am Busbahnhof musste ich dann wie immer umsteigen, als mir plötzlich jemand auf meine Schulter tippte. Ich nahm einen Kopfhörer raus und drehte mich einmal um 180°. Es war Lukas. "Hey, Chrissi." "Hey, Lukas. Wie geht es dir?", fragte ich ihn, während ich ihn in meine Arme schloss. "Sehr gut. Hast du Schluss?" Ich nickte und hörte, wie der Bus den Motor anließ. Am Liebsten wäre ich noch schnell hingerannt, aber ich konnte Lukas nicht einfach stehen lassen, also blieb ich da, wo ich war. "Hast du vielleicht später Zeit für mich? Dass du vielleicht wieder zu mir kommst, oder wir in den Park hier in der Nähe gehen?" Während er das fragte, hatte er eine süße und schüchterne Stimme. Ich schenkte ihm ein Lächeln und antwortete: "Klar, aber ich muss erst Heim und Hausaufgaben machen. Ich ruf dich an, wenn ich fertig bin, ok?" Auch er lächelte anschließend und nickte dabei. "Ok, aber ich muss jetzt zu meinem Bus. Bis später dann." Wir umarmten uns noch und dann setzte ich mich in Bewegung. Es stand noch ein anderer Bus da, mit dem ich auch fahren konnte. Ich steckte mir den Kopfhörer wieder ins Ohr und fuhr nach Hause.
Zuhause angekommen, schmiss ich meine Tasche auf das Sofa im Wohnzimmer und lief in die Küche, um das Essen vom Vortag warm zu machen. Ich aß in Ruhe und versuchte nebenbei meine Mathehausaufgaben zu machen. Zum Glück war das Thema nicht sonderlich schwer. Kurz bevor ich fertig mit Essen und der Hausaufgabe war, vibrierte mein Handy neben mir. Ich blickte auf den Bildschirm und sah den Namen 'Schatz' aufleuchten. "Hey, Tobi." "Hey, Schatz. Was machst du?" "Ich esse und du?" Ich nahm meinen leeren Teller in die Hand und ging zurück in die Küche, wo ich meinen Teller in die Spülmaschine legte. "Ich langweile mich. Hast du Zeit? Ich hab Lust zum Teich zu fahren. Es ist so schönes Wetter." Ich überlegte kurz, denn eigentlich wollte ich ja was mit Lukas machen. "Ehm, naja..." "Hast du keine Lust auf mich?" Er klang wie so ein kleines Kind und ich stellte mir in Gedanken seinen Schmollmund vor. "Doch doch, klar Schatz. Aber die Zeit..." "Hast du keine Zeit? Du wirst doch wohl zwei Stunden für deinen Freund finden, oder?" Irgendwie fand ich es süß, dass er unbedingt etwas mit mir machen wollte, nur wollte ich jetzt Lukas nicht absagen. Andererseits ist Tobias halt mein Freund und er steht eigentlich an erster Stelle. "Ok, treffen wir uns um 15:30 am Bahnhof?" "Ok, Schatz. Bis dann, ich liebe dich!" "Ich dich auch", sagte ich mit einem Lächeln im Gesicht. Wir legten beide auf und das erste, das mir einfiel war: 'Wie habe ich so einen wundervollen Jungen verdient?' Ich brachte meine Schultasche hoch in mein Zimmer und zog mir schnell ein lockeres Oberteil an, denn es war ziemlich warm draußen für diese Zeit. Ich schaute mich im Spiegel an und überlegte, ob ich etwas brauchte. 'Tabletten, Diabetiker-Pass, Geld, Handy, Schlüssel, Parfüm. Ich glaube das war's.' Ich flitzte die Treppen runter, hinterließ meinem Dad noch einen Zettel, auf dem mein Aufenthaltsort stand und zog mir meine weißen Converse an. Ich verließ das Haus und zog die Tür hinter mir zu.
Wir trafen uns wie immer an der einen Kreuzung, wo sich unsere beiden Straßen kreuzten und küssten uns zur Begrüßung. Sofort war ich überglücklich, so wie immer, wenn er bei mir war. "Wieso hast du anfangs gezögert? Hattest du keine Lust?", fragte er mich, während wir Hand in Hand zum Zugbahnhof liefen. Ich überlegte, ob ich ihm sagen sollte, dass Lukas mich auch gefragt hatte und entschied mich dafür. "Lust habe ich immer, und das weißt du. Aber ich hab Lukas am Busbahnhof getroffen und er wollte auch was machen. Aber mal ehrlich, ich mache viele lieber etwas mit dir." Nach dem Satz lächelten wir uns beide an und er gab mir einen Kuss auf die Stirn. "Meine kleine Prinzessin. Wenn du doch auch mal etwas mit jemand anderes machen willst, kannst du es gerne sagen. Ich habe damit kein Problem, ok?" Ich nickte und legte vorsichtig meinen Kopf auf seine Schulter, während wir weiter liefen.
Mit dem Zug mussten wir nur 5 Minuten fahren und dann noch etwa 3 Minuten laufen und dann waren wir da. Es saßen viele Pärchen auf den Bänken rund um den Weiher. Es joggten auch einige um ihn herum oder gingen mit ihren Hunden Gassi. Wir fanden eine freie Bank und setzten uns auf ihr. Tobias legte einen Arm um mich und ich kuschelte mich an ihn. Er küsste nochmal meine Stirn und legte dann seinen Kopf auf meinen. So saßen wir etwa 10 Minuten da und sahen den Enten zu, wie sie sich auf dem Weiher fortbewegten. Plötzlich klingelte mein Handy. Es war Lukas, wer sonst. Ich entschied mich, nicht dran zu gehen, aber mein Freund merkte, dass etwas nicht stimmte. "Ruf ihn zurück. Sag ihm, dass du mit deinem Freund unterwegs bist und dass du morgen Zeit hättest." "Hab ich aber nicht. Ich muss viel für den Mathetest am Freitag lernen." Ich blickte auf mein Handy und da überkamen mich meine Schuldgefühle. "Dann halt übermorgen. Er muss es verstehen, weil du ja einen Freund hast." "Das weiß er aber nicht, Schatz." Nach diesem Satz zog er seinen Arm weg und schaute mich ernst und gleichzeitig schockiert an. "Bitte was? Wieso das denn?" Er zog eine Augenbraue hoch. 'Ist er jetzt verletzt?' Mein Freund verschränkte seine Arme. "Ich hab es halt vergessen.Hat nichts mit dir zutun." Jetzt hob er beide Augenbrauen hoch. Wieder klingelte mein Handy und wieder war es Lukas. "Geh ran und sag es ihm!", befahl Tobi mir. Ich nickte nur und ging ran. "Hallo." "Hey, Christina. Was ist los, du wolltest doch anrufen, oder bist du noch gar nicht fertig?" Kurz herrschte Stille, aber dann nahm mir Tobias einfach mein Handy weg und sagte: "Hey, Lukas. Mein Name ist Tobi, ich bin Chrissis Freund. Sie ist jetzt mit mir unterwegs, aber wenn du willst, könnt ihr übermorgen was machen. Da hätte sie Zeit." Ich saß wie angewurzelt da und schaute Tobias einfach an. Plötzlich zog Tobias das Handy von seinem Ohr weg und starrte auf mein Handy. "Hat der jetzt echt einfach aufgelegt?" "Anscheinend. Er hat wohl etwas gegen diese Beziehung. Vielleicht steht er ja doch auf..." "Nein, stop! Er kennt mich ja nicht mal, und ich ihn noch weniger." Tobias lachte nur, rollte dabei die Augen und gab mir anschließend mein Handy wieder. Wir setzten uns wieder so hin, wie zuvor und diesmal hörte ich seinen Herzschlag, der ein wenig schneller als meiner war. 'Ist er aufgeregt wegen Lukas?'

Samstag, März 14, 2015

Kapitel #30

Es war der Mann, der mich aus irgendeinem Grund jedes Mal völlig aus der Fassung brachte. Ich drehte mich zu ihm um und spürte die Röte in meinem Gesicht. "Guten Tag, Herr Hint." Ich schaute ihm etwas genauer ins Gesicht und merkte, dass er unglücklich aussah. "Hallo. Dürfte ich kurz mit dir reden, Christina?", fragte er mich, während er meinem Gesicht etwas näher kam, um nicht so schreien zu müssen. Ich nickte und ging mit ihm die Treppen hoch. Er sperrte ein beliebiges Klassenzimmer auf und stellte seine Tasche auf dem Pult ab. "Kein Sorge, ich hab hier dann sowieso gleich Unterricht. Setz dich irgendwo hin", bot er mir an. Ich zog die Tür hinter mir zu und setzte mich ihm gegenüber. "Ich weiß, ich bin nicht der Schulpsychologe oder Beratungslehrer, aber du weißt, dass du jederzeit zu mir kommen darfst." Ich nickte nur, denn ich wusste nicht, was ich zu diesen Worten sagen sollte. "Herr Hint, es ist schon alles ok." Er schüttelte nur den Kopf und sagte: "Christina, ich hab doch dein Gesicht gesehen. Und bestimmt hat dich die Lehrerin nicht umsonst angemault. Ich höre dir zu, du kannst mir alles erzählen." Ich atmete einmal laut aus und gab dann anschließend nach. "Ok. Ich habe eine Krankheit. Und fast keiner weiß eigentlich etwas davon. Und das soll auch so bleiben. Naja, und ich hab in letzter Zeit relativ typische Anfälle." Ich hörte für einen Moment auf zu reden, um Herr Hints Reaktion zu sehen. Ich nickte nur und man sah einen großes Fragezeichen über ihm schweben. "Ich bin Diabethikerin", sagte ich, nachdem ich einmal tief durchatmete. Sofort veränderte sich der fragende Blick zu einem besorgten Blick. Genau dieses Blick hasste ich über alles. "Bitte schauen Sie nicht so. Dieser Blick ist so unangenehm, Herr Hint." Er rührte sich nicht mehr, also stand ich auf und stellte mich vor ihm hin. "Herr Hint?" - Keine Antwort. "Christopher?" Endlich bewegte er sich und richtete sich auf. Er räusperte sich kurz und antwortete dann: "Tut mir leid. Wahrscheinlich hab ich dich grad total angestarrt, aber das ist schon ziemlich ungewöhnlich in deinem Alter. Du bist 16 oder?" Ich nickte und drehte mich zum Fenster. "Vor drei Jahren hat es bereits angefangen. Damals bekam ich dann die Diagnose und ab dann änderte sich alles. Das Schönste war, dass sich meine Eltern endlich richtig um mich kümmerten. Leider wurde das ... nun ja, ziemlich nervig." Ich hörte wie der Lehrer aufstand und zu mir kam. In dem Moment spürte ich, wie meine Tränen hoch kamen und am Liebsten hätte ich direkt losgeweint. "In letzter Zeit hatte ich wieder einige Anfälle und das setzt mir einfach ziemlich zu. Schlagartig drehte ich mich zu ihm um und hob ganz leicht mein T-Shirt. Man sah das Kabel von meinem Insulinmessgerät. Herr Hint blickte auf das besagte Kabel und wieder regte er sich nicht. Ich stülpte mein Shirt wieder drüber und drehte mich wieder mit dem Rücken zu ihm. Dann fing ich wirklich an zu weinen. Ich schluchzte so leise wie es nur ging, aber Christopher bemerkte es und legte seine Hände auf meine Schultern. Ich schaute einfach aus dem Fenster und sah den Bäumen zu, wie sie durch den Wind hin und her schwankten. "Christina, hör auf zu weinen. Soll ich deine Eltern anrufen, dass sie dich abholen kommen?", fragte er mich vorsichtig. Ich schüttelte nur den Kopf und entriss mich langsam aus seinem Griff. "Ich muss gehen. Der Unterricht fängt gleich wieder an." Während ich das sagte, wischte ich meine Tränen aus dem Gesicht und steuerte auf die Tür zu. "Danke. Danke für's Zuhören, Christopher", sagte ich noch, ohne mich umzudrehen. Ich öffnete die Tür und trat raus in den Gang des 1. Stockwerkes. Es liefen schon 5. und 6. Klässler herum und schubsten sich gegenseitig, also hieß es, dass es schon gegongt haben muss und ich ihn einfach überhört hatte. Trotzdem ließ ich mir Zeit zum Klassenzimmer, denn eilig hatte ich es nicht, egal ob ich zu spät war oder nicht.
Kurz darauf kam ich beim Klassenzimmer an und keiner stand draußen. Also mussten sie schon drinnen sein. Ich klopfte an der Tür und öffnete sie dann. Ich blickte ins Klassenzimmer und sah Freunde von mir drinnen sitzen. "Tut mir leid, hatte noch etwas mit einem Lehrer zu besprechen", erklärte ich meinem Sozialkundelehrer. "Setz dich, wir haben noch nicht angefangen."

Montag, Januar 26, 2015

Kapitel #29

Ich verfolgte den langweiligen Unterricht, aber wirklich konzentrieren konnte ich mich nicht. Ich hatte, so wie oft in letzter Zeit, das Gefühl beobachtet zu werden. Ich schielte kurz rüber zu meinem Freund, der mich tatsächlich anstarrte. Anscheinend wartete er nach wie vor auf die Erzählung, weswegen ich mit der Lehrerin raus musste. Ich drehte meinen Kopf vollständig zu ihm und fragte: "Schatz, brauchst du etwas?" Er wandte sich nicht ab, sondern nickte einfach und durchbohrte mich fast mit seinem Blick. "Was wollte sie denn? Hat sie wegen heut Morgen gemeckert?", stellte er mir als Gegenfrage. Gerade wollte ich meinen Mund auf machen, da räusperte sich die Frau an der Tafel und schaute uns mit einem grimmigen Blick an. Ich verdrehte nur die Augen und schrieb weiter von der Tafel ab. Auch Tobias wandte sich endlich dem Unterricht zu.
Endlich gongte es und wir konnten zur nächsten Unterrichtsstunde laufen. Wir mussten ein Stockwerk höher laufen und da wartete auch schon unsere Sozialkundelehrerin. Sie sperrte das Klassenzimmer auf und wir traten alle ins Zimmer ein. Sie zog die Tür hinter sich zu und setzte sich ans Pult, wo sie uns den Verlauf der Unterrichtsstunde erklärte. Die Stunde verging glücklicherweise ziemlich schnell, weil wir in Gruppen kleine Präsentationen vorbereiten sollten. Wir machten die übliche Gruppe, also Tami, Sophia, Tobias und ich. Ich vermisste Franzi in unserer Gruppenarbeit, denn sie war immer das Mitglied, das uns hin und her gescheucht hat und einfach immer die lauteste von uns war. Inzwischen ist es so leise und teilweise auch ziemlich langweilig. Die Schulglocke beendete die Zusammenarbeit und wir verließen alle das Zimmer in die Pause. Auf der Treppe nach unten bemerkte ich, wie ich wieder Kopfschmerzen bekam. Sofort holte ich meine Flasche Wasser aus der Tasche und trank einen großen Schluck aus ihr. Ich stellte dann unten angekommen meine Tasche auf den Boden und lief in Richtung Toilette. Natürlich nicht zu schnell, sonst wäre mir wahrscheinlich schwindlig geworden. Ich betrat die Mädchentoilette und lehnte mich über das Waschbecken, um mich näher im Spiegel sehen zu können. "Ich sehe etwas blass aus. Ob ich Heim fahren sollte?", fragte ich mich in Gedanken, während ich weiterhin mein Spiegelbild betrachtete. Ich stand noch einige Zeit so da und hinter mir kamen immer wieder Mädchen rein in die Kabinen und auch wieder raus. Ich öffnete den Wasserhahn und spritzte mich mit mit kaltem Wasser im Gesicht ab. Dabei beugte ich mich mehr in Richtung Becken runter. "Ist alles in Ordnung?", hörte ich eine Stimme hinter mir fragen. Ich streckte meinen Körper und schaute in den Spiegel. Es war Franzi. Ich war froh, dass sie es war und drehte mich deshalb mit einem Lächeln um und umarmte sie. Doch anstatt auch mich zu umarmen, drückte sie mich von sie weg und schaute mich mit einem besorgten Blick an. "Chrissi, was ist los? Heut Morgen hast du auch schon total deprimiert geschaut. Ist etwas passiert?" Ich schüttelte den Kopf und legte dabei mein Lächeln nicht ab. "Lügnerin!", schrie sie mir ins Gesicht. Ich stand völlig erstarrt da und bemerkte, wie mich die anderen Mädels unserer Schule anschauten. Die Toilette war nicht der beste Ort, um zu diskutieren. Darum packte ich Franziska am Handgelenk und zog sie raus. Draußen riss sie sich aus meinem Griff und sah mich diesmal eher wütend an. "Warum lügst du mich an?", schrie sie wieder. "Ich dachte, wir wären beste Freundinnen! Du sollst mit sagen, wenn es dir nicht gut geht!" Ich schaute zu Boden, denn mir war das ziemlich unangenehm. Vor allem, weil ich sie nicht mit meinen Problemen belasten wollte. "Ich weiß, dass du gestern wieder einen Kreislaufkollaps hattest. Mensch, Christina! Warum redest du nicht mit -" "Hör auf! Hör auf, Franziska. Du weißt ganz genau, dass du meine beste Freundin bist und genau deshalb wollte ich dir nichts davon erzählen. Alle machen sich ständig Sorgen um mich, das nervt!", unterbrach ich sie lautstark. Diesmal war es Franzi die starr da stand und mich mit halb glasigen Augen ansah. Ich wusste, ich hätte sie nicht so anschreien dürfen, aber alle Gefühle kamen in mir hoch: Wut, Trauer, Angst, Sorge, Müdigkeit und noch der Fakt, dass ich schreckliche Kopfschmerzen hatte. Ohne nachzudenken nahm ich Franzi einfach in die Arme und drückte sie fest an mich. Plötzlich räusperte sich jemand hinter mir.

Sonntag, Januar 11, 2015

Kapitel #28

Ich hörte, wie sich Schritte immer mehr von meiner Kabine entfernten. Ich saß noch etwa 10 Minuten auf dem kalten Boden, bis ich den Entschluss fasste aufzustehen und zu den anderen zu gehen. Ich wischte mir die allerletzte Träne weg, stand langsam auf und sperrte meine Kabinentür auf. Die Mädchen, die warteten, schauten mich alle dumm an. Ich beachtete sie gar nicht, sondern ging einfach zum Waschbecken, wusch mir die Hände und verließ die Schultoilette. Ich wollte mich gerade nach links umdrehen, als ich, wie sonst auch immer, in jemanden rein lief. Ich fiel beinahe zu Boden, aber konnte mich noch halten. Ich schaute zu dem Menschen hoch und musste wieder einmal feststellen, dass es Herr Hint war. "Oh nein, tut mir leid. Warum passiert mir das ständig bei Ihnen?" Er lächelte leicht und schüttelte dabei den Kopf. "Keine Ahnung, aber geht es dir gut?", fragte er mich besorgt. Ich nickte und setzte mich direkt, ohne mich zu verabschieden, in Bewegung. Im Schnellschritt lief ich zu dem Treffpunkt von den anderen und sah, wie Tamara weinte. In mir machte sich das schlechte Gewissen breit, was auch verständlich war, denn ich hatte sie einfach angeschrien, anstatt ihre Hilfe anzunehmen oder einfach rauszukommen. Ich lief auf sie zu, aber sie bemerkte mich nicht. Also schlich ich mich von hinten an und umarmte sie von hinten. Sie zuckte leicht zusammen, so wie es üblich bei ihr war, und drehte sich zu mir um. "Chrissi?" Ich schaute zu Boden, denn ich schämte mich für mein Verhalten. Die anderen stellten sich um mich herum und jedem stand es ins Gesicht geschrieben, dass sie sich Sorgen machten. Ich wollte das nicht, schließlich sollte sich nicht alles um mich drehen. Tami wischte sich ihre letzten Tränen weg und nahm mich einfach in den Arm. Ich war etwas überrumpelt, aber legte dann auch meine Arme um sie. Plötzlich löste sie sich aus der Umarmung und drehte mich einmal um 180°. Hinter mir stand Tobi mit einem traurigen Gesichtsausdruck. Ihn so zu sehen, tat selbst mir weh. Ich schlang meine Arme einfach um seinen Hals und küsste ihn. Er legte seine Hände an meine Hüfte und zog mich näher an sich. Ich vergaß alles um mich herum und konzentrierte mich nur auf den tollsten Jungen und den Kuss.
Plötzlich gongte es, was hieß, dass die Pause zu Ende war. Tobias und ich lösten uns voneinander und schauten uns in die Augen. Diesmal hatte er ein Lächeln auf den Lippen und auch seine Augen zeigten, wie glücklich er war. Die Mädchen liefen alle voran und mein Freund und ich liefen Hand in Hand hinter ihnen her. Ich drehte mich einmal kurz um, um nach Franzi zu sehen, aber alles was ich sah, waren irgendwelche Schüler und Lehrer, darunter auch Herr Hint. Er sah mich zum Glück nicht, also drehte ich mich einfach wieder um und lief einfach weiter die Treppen hoch.
Oben angekommen, mussten wir vor dem Klassenzimmer warten, bis der Lehrerin kam, was nicht lange dauerte. Wir betraten alle den Raum und setzten uns auf unsere Plätze. Ich setzte mich gerade hin, als die Lehrerin auf mich zukam und mich bat mit ihr vor die Tür zu gehen. Ich nickte nur überrascht und folgte ihr hinaus. Die letzten Schüler betraten das Zimmer, also schob sie die Tür zu. "Christina, was sollte das heute? Du kannst doch nicht einfach kommen und gehen, wann du Lust hast." Ich schaute auf den Boden, aber gleichzeitig sah ich keine Schuld bei mir. "Es ist nicht so, wie sie denken. Es ging mir gestern nicht gut und..." "Das erklärt noch lange nicht deinen Auftritt heut Morgen!", unterbrach sie mich. "Man, meine Eltern haben mich schlafen lassen, weil es mir gestern echt scheiße ging! Und als ich aufgewacht bin, bat ich meinen Vater sofort mich zur Schule zu fahren. Das hatte rein gar nichts mit Lust oder sowas zu tun!" Meine Stimme wurde lauter, was ich schließlich auch bereute, aber sie ließ mich ja nicht ausreden. Ihr Blick lockerte sich etwas, aber sie hatte noch immer keinen verständnisvollen Blick. "Was kann denn so schlimm gewesen sein, dass..." "Ich bin Diabetikerin!", diesmal unterbrach ich sie, "und ich hab gestern mal nicht so richtig auf meinen Blutzuckerspiegel geachtet. So, jetzt wissen sie's!" Jetzt hatte sie den Blick drauf. "Ich will nicht jedem sagen, was ich für Krankheiten habe. Das ist ziemlich peinlich." Sie nickte und stellte sich etwas aufrechter hin. "Gibt es ein Problem?", fragte eine männliche Stimme hinter mir. Meine Lehrerin schaute an mir vorbei, um zu sehen, wer das gewesen ist. "Ehm, ja. Soweit alles gut." Auch ich drehte mich in diese Richtung hin und erblickte Herrn Hint. Er lächelte mich an und sagte nur: "Dann ist ja gut. Auf Wiedersehen, Christina." Ich winkte ihm noch kurz hinterher und drehte mich wieder um. Der Blick meiner Deutschlehrerin war legendär. "Lass uns wieder reingehen", brachte sie mit einer piepsigen Stimme raus. Ich nickte nur, öffnete die Tür und lief auf meinen Platz zu, wo Tobias mit einem erwartungsvollen und fragenden Blick auf mich wartete.

Montag, Dezember 08, 2014

Kapitel #27

Am nächsten Morgen wurde ich von den Sonnenstrahlen, die in mein Zimmer schienen geweckt. Ich öffnete langsam mein eines Auge und sah, wie meine Mama die Jalousien hochzog. Ich rieb mir mein anderes Auge, als meine bemerkte, dass ich wach war. "Guten Morgen, Spatz. Geht es dir besser?", fragte sie mich mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Ich nickte und lächelte sie zurück an. Ich setzte mich auf und machte mich einmal ganz lang, um mich zu strecken, als ich feststellte, dass mein Freund gar nicht mehr in meinem Bett lag. "Wo ist Tobi?", fragte ich ganz aufgeregt. Ich schmiss die Decke von mir runter und stellte mich auf meinen Fußboden. "Ganz ruhig, er ist schon in der Schule. Wir haben schließlich schon 8:30 Uhr", antwortete meine Mama gelassen. Sie kam auf mich zu, gab mir einen Kuss auf die Stirn und ging wieder aus meinem Zimmer nach unten in die Küche. Ich begab mich in mein Badezimmer, wusch mein Gesicht und zog mich dann in meinem Zimmer an. Ich beeilte mich ein wenig, damit ich noch Zeit hatte, um meine Tasche zu packen.
Als ich damit fertig war, ging ich mit samt meiner Schultasche nach unten und steckte mir noch einen Apfel in die Tasche. "Christina, was machst du da?", hörte ich plötzlich von hinten und erschrak dabei. Ich drehte mich zu meinem Vater um und antwortete: "Für die Schule packen? Warum?" Er sah mich schockiert und besorgt an. "Aber was meinst du, warum wir dich nicht geweckt haben? Damit du dich ausruhen kannst, nachdem was gestern passiert ist." Ich hob eine Augenbraue hoch und spürte, wie sich ein wenig Wut in mir breit machte. Ich wusste nicht, warum es Wut war, aber plötzlich fing ich an meinen Papa anzuschreien: "Ihr könnt mir nicht verbieten in die Schule zu gehen. Ich passe das nächste Mal besser auf!" "Das hast du auch beim letzten Mal passiert. Du kannst deine Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen, oder willst du wieder im Krankenhaus landen?", schrie er mich ebenfalls an. Während er diesen Satz aussprach, sah ich ihm deutlich an, dass er sich riesige Sorgen machte und auch seine Augen wurden ein wenig glasig. So hatte ich meinen Vater bisher nur sehr selten gesehen. Ich ließ meine Tasche auf den Boden fallen und legte meine Arme um den Bauch meines Papas, um ihn in den Arm zu nehmen. "Tut mir leid, Papa. Ich wollte dich nicht anschreien. Aber bitte, lass mich hingehen." Auch mir kamen fast die Tränen, aber ich versuchte sie zu unterdrücken. Er drückte mich von sich weg, legte seine Hände auf meine beiden Schultern und sagte: "Ok, einverstanden. Aber nur wenn du mir versprichst, dass du SOFORT anrufst, wenn es dir nicht gut geht." Ich nickte, nahm mir meine Tasche und lief zur Haustür, gefolgt von meinem Vater.
Nach etwa 15 Minuten waren wir an der Schule. Ich verabschiedete mich von meinem Fahrer und rannte rein in die Schule. Ich überlegte kurz, wo und welches Fach ich hatte und rannte dort hin. Ich musste hoch in den 2. Stock, denn ich hatte Deutsch. Ich klopfte an der Tür und öffnete sie daraufhin auch. Als ich zur Tür rein kam, sahen mich alle seltsam an, als käme ich von einem anderen Planeten. "Tut mir leid, ich wollte anfangs nicht in die Schule, aber hab mich dann doch entschieden, zu kommen", sagte ich zur Lehrerin. Diese nickte nur und sagte: "Ok, setz dich, Christina." Das tat ich dann auch, neben Tobias, der mich total besorgt und schockiert zugleich anschaute. Ich lächelte ihn nur an und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Ich versuchte noch den letzten 15 Minuten des Unterrichts zu folgen, was mir nicht so wirklich gelang. Ich musste immerzu daran denken, dass sich meine Eltern dauernd Sorgen um mich machten. Ich hielt es nicht aus, wenn sie sich ständig nur Sorgen machten und einfach kaum mehr das Leben genießen konnten, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, sich um mich und meine Krankheit zu kümmern. Ja klar, Diabetes ist nichts Gutes, aber es würde mir besser gefallen, wenn sie auch mal an sich selber denken würden, anstatt mir die volle Aufmerksamkeit zu schenken.
Plötzlich wurde ich vom Gong bei meinen Gedanken gestört. Ich beachtete keinen Menschen aus meinem Kurs, sondern ging einfach zur Treppe und runter in die Pausenhalle. Dort traf ich Franzi, die mich voller Begeisterung begrüßte. "Oh Gott, ich dachte schon, die geht es nicht gut oder dir sei etwas passiert, denn Tobias kam ohne dich zum Bahnhof." Ich lächelte sie an, um ihr zu zeigen, dass es mir gut ging. Beziehungsweise um ihr nicht zu zeigen, dass ich mir Gedanken machte um meine Eltern. Sie erzählte mir von ihren Freundinnen und davon, dass sie einen Jungen kennengelernt hatte, den sie toll fand und der auch ein wenig mit ihr flirtete. Irgendwann schaltete mein Gehirn einfach ab und ich hörte sie gar nicht mehr, sondern nur noch meine Gedanken. "Soll ich doch noch besser auf mich aufpassen? Muss ich meine Ernährung erneut umstellen? Machen sich meine Eltern mehr kaputt, als ich kaputt gehe?" All diese Frage schwirrten in meinem Kopf herum, ungeordnet und alle auf einmal.
Irgendwann bemerkte ich, dass Franziska mit ihrer Hand vor meinem Gesicht herum wedelte. Ich hob ruckartig meinen Kopf, um ihr ins Gesicht zu schauen und versuchte wieder zu lächeln. "Was ist denn los? Du siehst nicht gut aus." Genauso fühlte ich mich auch und deshalb rannte ich einfach, ohne etwas zu sagen, in Richtung Schultoilette und versteckte mich in einer Kabine. Plötzlich bemerkte ich, wie die Tränen in mir hoch kamen. Plötzlich brach ein unkontrolliertes Schluchzen aus mir heraus und ich erschrak mich selber. Ich versuchte es zu kontrollieren, denn was sollten die anderen Schüler denken? Ich kramte in meiner Tasche nach einem Taschentuch und wischte mir meine Tränen weg. Plötzlich klopfte es an meiner Kabinentür und ich hörte jemanden sagen: "Christina, was ist los? Warum weinst du?" Es war Sophia. Ich gab keinen Ton von mir, oder versuchte es zumindest, denn plötzlich brach wieder ein Schluchzen aus mir heraus. "Chrissi, komm da raus!", schrie sie mich schon fast an.Ich bewegte mich kein Stück, denn ich wollte einfach allein sein. Ich schlug gegen die Tür und schrie: "Geh weg!" Ich wusste selbst nicht, woher diese Reaktion kam, geschweige denn meine Tränen.

Sonntag, November 30, 2014

Kapitel #26

Irgendwann spürte ich etwas auf meiner Schulter und ich erwachte langsam von meinem Schlaf. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte meinen Vater vor mir. "Papa? Was machst du schon hier?" Er gab mir einen Kuss auf die Stirn und antwortete: "Ich hab mir Sorgen gemacht, denn du hast nicht auf meine Nachricht geantwortet. Geht es dir denn schon etwas besser?" Ich nickte und setzte mich dann langsam auf. "Wie viel Uhr haben wir?" Er drehte sich einmal um, um auf die Wanduhr zu schauen und sagte dann: "Kurz vor 3. Hast also ziemlich lang geschlafen." "Was? Schon so spät?", fragte ich geschockt. Ich stand schnell auf und schnappte mir meine Tasche, denn ich hatte schließlich noch Hausaufgaben zu erledigen und danach wollte ich ja noch mit Tobias reden. "Apropos Tobias, wo steckt er denn? Er hatte doch schon vor 2 Stunden aus", fragte ich mich in Gedanken. "Alles ok, Kleines? Kann man dir helfen?", fragte mich mein Papa, der an der Tür lehnte. Ich nickte nur und lief hektisch die Treppen hoch in mein Zimmer. Ich nahm meine Bücher raus und meinen Ordner schmiss ich auf mein Bett und überlegte, was ich so auf hatte. Da fiel mir alles ein und machte mich ans Werk.
Nach 30 Minuten, die ich mit 'rechnen' und 'Fragen zu einem englischen Text beantworten' verbrachte, war ich endlich fertig und ich musste nur noch die neuen Vokabeln lernen. Plötzlich bemerkte ich, dass ich mich gar nicht mehr konzentrieren konnte, weil mein Kopf anfing zu schmerzen. Ich legte mein Buch kurz zur Seite und hielt mir den Kopf. Ich konnte nicht einmal sagen, wo er weh tat. Ich schnappte mir meine Schultasche und suchte nach meiner Wasserflasche. Sie war noch komplett voll. "Kein Wunder, dass ich Kopfschmerzen hab", dachte ich mir. Ich nahm einen riesigen Schluck und wartete einen Moment, aber die Schmerzen wurden nicht weniger, sondern eher schlimmer. Ich lief in Richtung Zimmertür, um runter zu gehen, damit ich mir eine Tablette holen konnte. Auf halben Weg zur Tür merkte ich, wie mir etwas schwummrig wurde. Vor meinen Augen fing alles an sich leicht zu drehen. Mir wurde schlecht, aber ich schaffte es zur Tür. Ich drückte den Türknauf runter, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde.
Wieder spürte ich eine Hand auf meiner Schulter, aber als ich diesmal meine Augen öffnete, erblickte ich meine Mutter mit Tränen in den Augen. "Mama? Was ist los?" Ich wollte mich aufsetzen und sie in den Arm nehmen, aber sie drückte mich wieder auf mein Kissen und versuchte zu lächeln. "Schatz, wie geht es dir?", fragte sie mit weinerlichen Stimme. "Mein Kopf brummt, aber was ist mit dir los?" Ich sah mit einem besorgten Blick an, aber war dann über ihre Antwort geschockt. "Du warst ohnmächtig. Dein Vater hat erzählt, dass er plötzlich ein dumpfes Geräusch aus deinem Zimmer gehört hatte und dann hoch lief und dich dann auf dem Boden liegend vorfand." Ihr Stimme brach plötzlich ab und sie fing furchbar an zu weinen. Diesmal setzte ich mich auf und nahm sie in den Arm. Ich mochte es nicht, sie weinen zu sehen. "Hast du etwa... schon wieder nicht auf deinen Blutzucker geachtet?" Ich drückte mich aus der Umarmung weg und bekam zeitgleich ein schlechtes Gewissen, denn ich hatte wirklich nicht auf mich geachtet. Ich wusste nicht, was ich alles an Nahrungsmittel zu mir nahm und ob überhaupt genug. Ich schüttelte nur den Kopf und auch ich fing das Weinen an. "Spatz, du weißt doch, dass du aufpassen musst. Ich will nicht, dass du wieder Tage lang im Koma liegst, so wie damals vor 3 Jahren.
Ja, vor 3 Jahren lag ich etwa 8 Tage im Koma. Mein Blutzuckerspiegel war ganz weit unten und es war so wie, dass ich einfach umgekippt bin. Natürlich hatte ich Kopfschmerzen und mir war übel und schwindlig, aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich einmal eine Diabetikerin werden würde. Damals hatten meine beiden Eltern sehr viel geweint und saßen Stunden, wenn nicht sogar Tage an meinem Krankenbett. Seit dem muss ich auf meine Nahrung und generell meine Gesundheit achten. In den letzten Tage hatte ich das ziemlich vernachlässigt und deshalb war ich wohl wieder einmal umgekippt. Plötzlich klopfte es an der Tür und sie öffnete sich. "Schatz? Oh, du bist wach." Es war Tobias, der mit einem Tablett rein kam, auf dem ein Glas Wasser, eine Tasse Tee, ein kleiner Teller mit Keksen und eine kleine Schüssel mit Trauben waren. Ich musste bei dem Anblick lächeln. "Ist das für mich?", fragte ich glücklich. "Nein, für deine Oma, weißt du." Wir lachten dabei und er stellte das Tablett auf meinem Nachttisch ab. Er kam zu mir, lehnte sich über mein Gesicht und küsste mich. Währenddessen hörte ich wie meine Mutter das Zimmer verließ und die Tür hinter sich zu zog. Tobi setzte sich neben meine Beine auf mein Bett und lächelte mich an. "Tut mir leid, dass ich nicht Zuhause war, als es passiert war. Deine Mutter hat mir erzählt, dass du zuckerkrank bist. Warum hast du mir das nie erzählt, Chrissi?" Ich wusste die Antwort auf seine Frage selber nicht. Vielleicht hatte ich es auch einfach vergessen und deshalb nicht darauf geachtet. Aber nach 3 Jahren sollte sich das eigentlich in meinem Hirn einprägen. Tobias legte sich hinter mich und schlang seinen rechten Arm um meine Hüfte. Ich griff nach seiner Hand und zog sie nahm an mich.
So lagen wir eine Zeit lang, bis ich bemerkte, dass ich ja noch meinen Tee und die Trauben hatte. Ich trank einen Schluck vom Tee und nahm mir dann mein Handy, um auf die Uhr zu schauen. Es war inzwischen 20 Uhr und ich hatte bis zu der Zeit unendlich viele Nachrichten von meinem Freundeskreis erhalten. Ich hatte keine Lust zu antworten, also legte ich mein Handy wieder ab und trank weiter aus meiner Tasse. Irgendwann war sie leer und ich legte mich wieder normal hin, aber drehte mich so um, dass ich in das Gesicht meines Freundes schauen konnte. Er schien zu schlafen, also schloss auch ich meine Augen, denn auch ich war ziemlich fertig. Das musste der Tee gewesen sein, der mich müde machte.

Kapitel #25

Da saß ich nun im Bus, neben einem Lehrer. Neben dem Lehrer, bei dem mir aus irgendeinem Grund alles total peinlich war. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass mich seine Anwesenheit irgendwie nervös machte. "Geht es dir immer noch so schlecht?", fragte mich Herr Hint aus heiterem Himmel. Ich schüttelte nur den Kopf, weil ich kein Wort heraus brachte. "Wo musst du denn aussteigen?" Wieder konnte ich nichts sagen, darum herrschte diese schreckliche Stille zwischen uns. "Willst du nicht mit mir reden? Soll ich doch weggehen?", fragte er noch einmal. Ich versuchte etwas zu sagen, aber es kamen einfach keine Töne aus mir raus. Herr Hint stand deshalb auf und wollte sich umsetzen, aber ich hielt ihn einfach am Arm fest und sah ihn mit einem flehenden Blick an. "Christina, was ist denn los? Ich soll nicht neben dir sitzen bleiben, aber mich auch nicht umsetzen? Rede mit mir", bat er mich und sah mich mit dem gleichen Blick an, wie ich es tat. Ich zog ihn am Arm zurück auf den Sitz und flüsterte leise und leicht beschämt: "Ich möchte nicht, dass sie sich umsetzen. Es ist nur wirklich sehr komisch privat mit einem Lehrer zu reden. Finden Sie es nicht komisch mit einer Schülerin zu reden?" Ich ließ seinen Arm wieder los und wartete auf eine Antwort, aber anscheinend hatte er keine parat. Ich setzte mich wieder normal hin und schaute aus dem Fenster.
Man sah, wie sich draußen dunkle Wolken auftürmten und auch der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Es schüttete wie aus Eimern, was mir immer wieder Angst machte. Ich hasste Stürme und Gewitter, aber das war immer wieder aufs Neue peinlich, wenn ich bei einem Donner zusammenzuckte. Ich versuchte mich abzulenken und zum Glück unterhielt sich dann der Lehrer wieder mit mir. "Hör mal, ich finde es nicht so schlimm mit einer Schülerin privat zu reden. Und ich würde mir von dir wünschen, dass du mich privat nicht als Lehrer siehst. Deshalb, bitte nenne mich außerhalb der Schule Christopher." Ich riss nach diesem Satz die Augen auf und ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren wollte. Plötzlich donnerte es ganz laut und erschrak stark, was sich durch mein Schreien und Zucken zeigte. Herr Hint sah mich besorgt an, was mir nicht gefiel, denn dieser Blick ließ mich erneut nervöser werden. "Sie haben mich doch gefragt, wann..." "Können wir uns nicht duzen?", fragte er mich mit einem hoffnungsvollen Blick. "Ok. Also, Chris... Christopher. Wegen dem Aussteigen, ich muss bei der vorletzten Haltestelle aussteigen. Und du?" Es fiel mir hörbar schwer seinen Vornamen auszusprechen und ihn mit 'du' anzusprechen. Er lächelte leicht, als er meine Schwierigkeit bemerkte nickte einfach. "Da muss ich auch aussteigen. Ich muss mich dann aber ziemlich beeilen, denn meine Frau wartet auf mich Zuhause." Erst nachdem er diesen Satz aussprach, bemerkte ich den Ehering an seiner linken Hand. Irgendwie wurde mir bei dem Anblick ganz anders und darum nickte ich einfach nur und drehte mich wieder Richtung Fenster.
Die nächsten 5 Minuten herrschte wieder völlige Stille zwischen Christopher und mir, was mir aber nicht sonderlich viel ausmachte. Dann kam endlich die Durchsage, dass die nächste meine Haltestelle war und darum machte ich Anzeichen, dass ich aufstehen wollte und schmiss meine Tasche auf meine Schulter. Christopher stand auf und lief zur hintersten Tür. Ich ging ihm hinterher und wartete, dass der Bus endlich stehen bleiben würde. Währenddessen suchte ich nach meinem Schirm und noch bevor ich ihn finden konnte, sagte Christopher zu mir: "Falls du nach einem Schirm suchst, kannst du es gleich lassen. Bei dem Wind nützt er dir gar nichts." "Und wie soll ich Ihrer Meinung nach nach Hause laufen? Ich hab nicht mal eine Kapuze an meiner Jeansjacke", meckerte ich ihn gereizt an. Er schreckte leicht zurück und endlich hielt der Bus. "Tschüss, Christina. Bis morgen!", rief er mir noch zu während er über die Straße lief, die ich ebenfalls überqueren musste. Ich ließ mir aber Zeit, um meinen Weg nicht mit ihm teilen zu müssen.
Nach etwa weiteren 5 Minuten war ich endlich daheim und ich schmiss einfach meine Tasche in die Ecke unserer Garderobe, um dann ins Badezimmer zu gehen und mir ein Handtuch zu schnappen, mit dem ich meine Haare trocknen konnte. Niemand schien Zuhause zu sein, also nahm ich meine Tasche, kramte mein Handy raus und ging ins Wohnzimmer, wo ich mich auf die Couch schmiss. Ich sah einige ungelesene Nachrichten, auf die ich nach der Reihe antwortete. Auch meine beiden Elternteile schrieben mir eine Nachricht, in der sie mich fragten, ob sie nach Hause kommen sollten, um sich um mich zu kümmern. Ich lehnte dankend ab und machte danach Musik auf meinen iPhone an. Ich schloss für kurze Zeit meine Augen und bemerkte dann, dass ich eingeschlafen sein musste, denn ich träumte von der Busfahrt und sie hätte verlaufen können, wenn ich nicht so Angst davor gehabt hätte, mit Herr Hint zu reden.

Freitag, November 28, 2014

Kapitel #24

Die nächste Doppelstunde über saß ich neben meinem Freund. Das war aber etwas dumm, denn wir konnte beide das Thema in Mathe nicht, also konnten wir zusammen gar nichts und mussten versuchen dem Lehrer so gut wie möglich zuzuhören. Zum Glück gingen diese zwei Stunden relativ schnell vorbei und schon war es wieder Zeit für eine Pause. Tobi und ich verließen gerade zusammen das Klassenzimmer, als mir der Lehrer hinterher rief: "Warten Sie, Frau Kohl! Ich muss kurz mit ihnen reden." Ich drehte mich zu ihm um, ließ Tobias Hand los und ging zurück ins Klassenzimmer. Der Lehrer kam mir entgegen und machte hinter uns die Tür zu. Ich fand das leicht seltsam und deshalb blieb ich einfach da stehen, wo ich gerade stand. "Setzen Sie sich." "Nein, danke", sagte ich und machte eine ablehnende Handbewegung. Er lehnte sich an den Tisch und schaute mich ernst an. "Ich mache mir Sorgen um Sie. Man hat mir gesagt, dass sie eine ausgezeichnete Schülerin wären, aber davon merke ich seit wenigen Wochen nichts mehr. Können Sie mir das mal erklären?" Er verschränkte seine Arme vor seiner Brust und sein Blick durchbohrte mich beinahe. Ich traute mich nicht mehr ihn anzuschauen, also starrte ich den Boden an. "Frau Kohl?" "Ja, ich weiß auch, dass meine Noten bisher miserabel sind, beziehungsweise ich mich nicht im Unterricht einbringe, wie sonst auch immer, aber zur Zeit geht es mir nicht so gut", sagte ich ehrlich zu ihm. "Kann ich dir helfen? Willst du reden?", bot er mir an. "Nein, danke, aber Sie sind nicht mein Vertrauenslehrer." Für kurze Zeit sagte keiner etwas, aber ich brach dann das Schweigen: "Kann ich jetzt gehen? War's das?" Ich sah mich genervt an, aber nickte dann und gab mir das Zeichen, dass ich gehen konnte. Sofort drehte ich mich um lief raus, wo Tobi auf mich wartete. "Was wollte er?" Ich gab ihm keine Antwort, sondern lief einfach an ihm vorbei runter in die Pausenhalle. Ich hörte noch, wie er mir paar Male hinterher rief, aber ich fühlte mich nicht so gut, deshalb lief ich ins Sekretariat und wollte mich befreien lassen. Tobias kam mir hinterher und schaute mir zu, wie ich der Sekretärin erklärte, was meine Beschwerden waren und sie dann meinen Vater auf der Arbeit anrief. "Was hast du denn, Süße?", fragte mein Freund mich. Ich drehte mich um und ich wusste genau, dass ich ihn leidend ansah. Er kam auf mich zu und nach mich in den Arm. Als die Sekretärin fertig mit telefonieren war, sah sie uns an und fragte Tobias: "Kann ich etwas für dich tun, mein Junge?" Tobias zog sich aus der Umarmung und machte einen Schritt zurück. Ohne ein Wort zusagen oder eine Kopfbewegung verließ er das Zimmer und stellte sich vor die Tür. Ich klärte noch den Papierkram mit der Sekretärin und verließ dann ebenfalls den Raum. Tobias begleitete mich stumm zur Bushaltestelle und wartete dann noch mit mir zusammen.
Diese Stille war erdrückend, aber ich war froh, dass er nicht mehr nachfragte. Nach 5 Minuten es Wartens kam endlich mein Bus. Tobias kam zu mir, gab mir einen Kuss und sagte: "Tschüss, ruf mich an, wenn du mal reden willst. Ich mach mir Sorgen." Ich nickte nur und stieg dann in den Bus ein.
Ich lief ganz nach hinten und packte im Laufen mein Handy und meine Kopfhörer raus, als mich ein Mann von der Seite ansprach: "Christina?" Ich sah hoch erschrocken hoch und blickte in Herr Hints Gesicht. Er lächelte mich an, aber ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Als er bemerkte, dass mir das Zusammentreffen unangenehm war, verließ ihn sein Lächeln und er lehnte sich in den Sitz zurück ohne den Blick von mir zu wenden. "Tut mir leid, falls ich dich erschrocken oder überrumpelt habe. Willst du dich zu mir setzen?" Jetzt begann auch ich ein wenig zu lächeln, nickte mit dem Kopf und setzte mich ihm gegenüber. "Haben Sie keinen Unterricht, Herr Hint?", fragte ich ihn neugierig. "Nein, bin für heute fertig. Und du?" Ich schüttelte den Kopf und sagte: "Es geht mir nicht so gut und darum hab ich mich befreien lassen." Er schaute leicht besorgt, aber ich fügte noch hinzu: "Ist nichts schlimmes. Nur Kopfweh und dann kann ich mich nicht mehr konzentrieren und so." Sein besorgter Blick verschwand wieder und nun lächelte er mich an. "Bis wohin musst du fahren?" "Ich muss beim Busbahnhof umsteigen. Und Sie? Falls ich das überhaupt fragen darf?" "Ja, darfst und ich muss auch umsteigen in einen anderen Bus." Ich nickte nur und schenkte ihm ein kurzes Lächeln. Bis zum Bahnhof redeten wir nichts mehr. Dann stiegen wir aus und ich ihm Laufen wollte ich mich bei ihm verabschieden, als ich merkte, dass er zum gleichen Bus lief. Ich schaute ihn leicht verstört an und das bemerkte er dann auch. "Müssen Sie auch zu dem Bus?", fragte ich Herr Hint und zeigte dabei auf meinen Bus, der vor uns stand. "Ja, anscheinend." Mir war das sehr unangenehm und deshalb versuchte ich unbemerkt schneller zum Bus zu laufen. Ich stieg in den Bus ein und sah, dass er vor dem Bus stehen blieb. Ich sah zu ihm rüber und auch er zu mir. Er schüttelte den Kopf und machte einen Schritt zurück. "War es doof, dass ich mir hab anmerken lassen, dass ich nicht wollte, dass er mitfährt?", fragte ich mich in Gedanken. Immer noch sah er zu mir hoch und mich überkam das schlechte Gewissen, weswegen ich ihm ein Handzeichen gab, dass er einsteigen sollte. Sofort fing er an zu lächeln und stieg in den Bus ein. Er setzte sich neben mich und fragte nochmal: "Ist das in Ordnung oder soll ich mich woanders hinsetzen?" "Schon ok." War es das wirklich?

Sonntag, November 23, 2014

Kapitel #23

Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von etwas, das mich im Gesicht kitzelte. Ich machte vorsichtig meine Augen auf und hatte mich total erschrocken, als ich einen Hinterkopf vor meinem Gesicht entdeckte. Ich wollte gerade los schreien, als mir einfiel, dass mein Freund ja bei uns schlief. Ich versuchte mich vorsichtig auf den Rücken zu drehen, um ihn nicht zu wecken, was mir nicht sonderlich gut gelang. "Guten Morgen, Prinzessin", hörte ich Tobias sagen. Man hörte aus dem Satz, dass er lächelte. Auch ich musste lächeln und brachte ein fröhliches "Guten Morgen" raus. Jetzt, nachdem ich wusste, dass Tobi wach war, konnte ich mich - ohne jegliche Rücksicht auf ihn - umdrehen und auf mein Handy schauen, wie viel Uhr wir hatten. Ich drückte den Knopf und es leuchtete mein Bildschirm mit meinem Hintergrund und der Uhrzeit auf. Es war 6:30 Uhr, aber ich dachte nicht einmal daran mich wieder umzudrehen, sondern starrte lieber meinen Sperrhintergrund an. Auf dem Bild waren Tobi und ich von hinten zu sehen, wie wir Hand in Hand durch den Wald liefen. Das Foto hatte Julia damals von uns gemacht. "Prinzessin, alles okey?", kam es plötzlich von hinten. Ich zuckte zusammen, aber drehte mich dann zu ihm um, nachdem ich merkte, dass es ja nur Tobias war. Inzwischen hatte er auch sich zu mir umgedreht und schaute mir direkt in die Augen. Ich nickte lächelnd und küsste leicht seine Lippen. "Was machst du eigentlich in meinem Bett, Schatz?", fragte ich ihn. Schließlich hatte er seinen Schlafplatz unten im kleinen Gästezimmer. Meine Eltern wären ausgerastet, wenn sie gewusst hätten, dass er in meinem Bett schlief. "Oder anders, seit wann liegst du denn schon in meinem Bett?", stellte ich meine Frage um. Er lächelte, aber ich behielt meine ernste Miene. "Schatz, keine Angst, sie haben nichts..." Noch bevor er seinen Satz zu Ende bringen konnte, unterbrach ich ihn: "Tobias, wie und wann bist du hergekommen?" Dieses Mal klang auch meine Stimme ernster, schließlich machte ich mir Sorgen, nicht dass meine Eltern doch noch was mitbekommen. "Beruhige dich, Prinzessin. Ich bin so gegen 4 Uhr hereingekommen, weil ich so allein in dem kleinen Zimmerchen war", sagte er mit seiner süßesten Stimme. Dabei kam er meinem Gesicht näher und küsste mich noch einmal. Ich lächelte noch während des Kusses, aber beendete ihn dann wieder.
Er streckte seinen Arm aus, woraufhin ich meinen Kopf auf ihn ablegte und so lagen wir dann noch, bis mein Wecker um 7 Uhr klingelte. Tobias gab nur ein genervtes Stöhnen von sich und zog seinen Arm zu sich, nachdem ich mich aufsetzte, um den Wecker abzustellen. Wir standen beide gemeinsam vom Bett auf und gingen zusammen ins Bad, als es mir wieder einfiel. "Schatz, du musst runter ins Bad gehen. Nicht dass sie doch plötzlich rauskommen und dich dann hier sehen." "Achso, darf ich jetzt nicht einmal meiner Freundin einen guten Morgen wünschen?", fragte er sarkastisch. "Im Bad? Wirklich Tobi?" Wir beide lachten, aber wohl etwas zu laut, denn plötzlich öffnete sich tatsächlich die Schlafzimmertür und man hörte die Schritte kaum, also musste es meine Mutter sein, was sich dann zum Glück bestätigte. "Guten Morgen, ihr zwei. Habt ihr eine Stunde später Schule?" Wir beide nickten und meine Mama lächelte nur und zog dann die Badezimmertür hinter sich zu.
Mein Freund und ich wuschen unser Gesicht, putzten unsere Zähne und anschließend ging jeder auf 'sein', um sich umzuziehen. Etwa 10 Minuten später trafen wir uns zu dritt unten in der Küchen und aßen Müsli zum Frühstück mit Milch und Erdbeeren. Wir ließen uns Zeit und machten ein wenig Quatsch am Tisch. Nach 15 Minuten waren wir auch damit fertig und wieder ging jeder in sein Zimmer und sein Bad, um sich fertig zu machen. Ich hörte währenddessen noch ein wenig 'Sunrise Avenue' und nach 20 Minuten war ich dann endlich komplett fertig. Ich packte noch schnell meine Tasche, stopfte Essen und etwas zu Trinken rein und lief dann Richtung Haustür, wo Tobi schon seine Schuhe anzog. Als er mich sah, band er sich den Schuh schnell und lief auf mich zu. Er umarmte mich von hinten und zusammen sahen wir in den Spiegel. Ich sah ein glückliches Paar, das lächelte. "Sind wir nicht süß, Prinzessin?", flüsterte er mir ins Ohr, was mir eine Gänsehaut bescherte. Ich nickte nur zufrieden und drehte mich dann um, um Tobias einen Kuss auf die Backe zu drücken. Ich schnappte mir meine schwarzen Vans und anschließend meine Tasche. "Tschüss, wir gehen!", schrie ich noch ins Wohnzimmer. Es kam keine Antwort mehr zurück, also verließen wir einfach das Haus und zogen die Tür hinter uns zu.
Hand in Hand liefen wir zum Bahnhof, wo wir Tamara, Sophia und Franzi trafen. Wir unterhielten uns über den dummen Tag, den wir vor uns hatten, auch noch mit Nachmittagsunterricht. Als wir in der Schule ankamen, war es schon 8:40 Uhr, also hatte die Stunde gerade angefangen, aber unser Zug hatte Verspätung. Sophia, Tamara, Tobi und ich kamen bei unserem Zimmer an und entschuldigten uns für die Verspätung. Wir verfolgten den Unterricht und um 9:25 Uhr war dann auch schon wieder Pause. Ich wunderte mich zunächst, warum Julia nicht im Unterricht war, aber dann fiel mir ein, dass sie und ihre Pflegeeltern ja einen Ausflug machten, bei dem Tobias nicht mit wollte. Ich suchte in der Pause Tobi, denn ich wollte ja noch wissen, warum er nicht mitwollte. "Habt ihr Tobi gesehen?", fragte ich einige seiner Kumpels. Sie verneinten alle meine Frage, also bedankte ich mich freundlich und lief weiter durch das Schulhaus. Irgendwann gab ich es auf und ging raus, um dort weiter zu suchen. Da stand er dann, mit anderen Kumpels außerhalb des Schulgeländes und rauchte eine. Ich überlegte, ob ich mich zu ihm gesellen sollte, aber entschied mich dann dagegen. Doch gerade, als ich mich umdrehen wollte, hörte ich Tobias rufen: "Prinzessin, komm doch her!" Ich setzte mich in Bewegung und lief auf die kleine Gruppe von Rauchern zu. Mein Freund streckte seinen Arm so aus, dass ich rein laufen konnte und wir so nebeneinander standen. Er gab mir einen Kuss auf den Kopf und drückte mich eng an sich. "Kann ich auch mal?", fragte ich einen seiner Kumpels. Er hieß Gabriel. Er wollte mir eine ganze Zigarette anbieten, aber ich schüttelte nur den Kopf und sagte: "Nur einmal ziehen." Er wollte Kippe nicht mehr zurück tun, also nahm ich sie anschließend doch an und zündete sie an. Dieses Mal musste ich ziemlich husten, aber das legte sich dann zum Glück wieder. Wir zogen genüsslich an unseren Zigaretten und als wir dann fertig mit rauchen waren, gingen Tobi und ich zusammen - Arm in Arm - rein. Dann gongte es auch schon und dann fiel mit ein, dass ich ihn ja noch etwas fragen wollte. Jetzt war es leider zu spät.