Sonntag, Juli 19, 2015

Kapitel #38

Tobias' Sicht:
Ich ging ganz langsam auf meine Eltern zu. Meine Mutter musste die Schritte gehört haben, denn sie hob ihren Kopf und schaute mich mit ihren großen, braunen und verheulten Augen an. "Mama? Dad? Was ist passiert? Und wo ist Julia?" Nach der letzten Frage brach meine Mutter wieder in Tränen aus. Ich setzte mich sofort neben sie und nahm sie in den Arm, damit sie sich auf meiner Schulter ausweinen konnte. Meine Dad gab mir mit seinem Kopf ein Zeichen, dass ich mit ihm gehen sollte. Ich sah auf Mum runter und flüsterte: "Ich gehe kurz mit Dad mit. Leg dich solange hier auf das Kissen und versuch dich zu beruhigen." Sie nickte und legte sich auf der anderen Seite der Couch mit ihrem Kopf hin, wodurch ich meinem Vater ins Nebenzimmer folgen konnte. Ich blickte noch einmal zurück zu meiner Mutter und verschwand dann im Zimmer. "Also, was ist passiert?" "Sohn, wir wollten mit deiner Adoptivschwester zu einem großen Markt fahren. Als wir angekommen sind, war sie noch neben uns, aber nach nicht einmal 5 Minuten war sie plötzlich weg. Wir haben alles abgesucht, aber nichts gefunden. Dann haben wir die Polizei verständigt und die wollten uns nicht helfen, weil sie meinten, dass Julia alt genug sei, um zu wissen, wo sie herumläuft." Ich merkte, wie sauer mein Vater wurde, was natürlich auch verständlich war. "Und dann bekamen wir einen Anruf, wo jemand mit verstellter Stimme zu uns sprach und uns sagte, wo er sich mit Julia befand. Wir fuhren sofort hin, natürlich noch mit der Polizei, denn jetzt hatten sie Beweise. Kurz bevor wir ankamen, hörte man einen lauten Schuss. Deine Mutter schrie und befahl mir noch schneller zu fahren. Wir waren da und fanden..." Mein Vater musste nicht weiterreden, er konnte sowieso nicht, weil auch ihm die Tränen kamen. Trotzdem setzte er noch einmal an und erzählte weiter: "Neben ihr fanden wir einen Zettel, auf dem stand: 'Ich habe die Sirene von Weitem gehört, darum blieb mir nichts anderes übrig'." Mein Vater brach vor meinen Augen zusammen und auch ich fing am ganzen Leib an zu zittern. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mich ein weiteres Mädchen verlassen würde. Sofort musste ich wieder an Christina denken und wie sie mit irgendwelchen Typen unterwegs ist. Wie ferngesteuert lief ich aus dem Zimmer heraus in Richtung Wohnungstür und trat heraus. Ich wusste nicht wohin mit mir. Ich lief einfach irgendwohin und zu meinem Glück fing es auch noch an zu regnen. Ich tätschelte in meiner Jackentasche herum und holte meinen Packung Zigaretten heraus, denn jetzt brauchte ich eine Kippe mehr denn je. Ich qualmte sie viel zu schnell weg - ich war natürlich nervös und angespannt. Am Liebsten hätte ich irgendetwas oder irgendjemanden geschlagen, aber das konnte ich mir nicht leisten, vor allem nicht, nachdem ich schon eine Vorstrafe hatte, auch wegen Körperverletzung. Ich lief einfach weiter und weiter und wollte gar nicht mehr stehen bleiben.

Sichtwechsel: Christina
'Hat er mich wirklich verlassen? Was soll ich ohne ihn tun?' Ich machte mein Bett schön, räumte meinen Schreibtisch auf und versuchte dabei nicht an meinen Ex-Freund zu denken. "Schatz? Hör auf aufzuräumen und setz dich zu mir." Meine Mutter zog mich an meinem Arm, aber ich hatte nicht einmal bemerkt, dass sie mein Zimmer betrat. Ich setzte mich neben sie, aber starrte einfach nur den Laminatboden an. "Schätzchen, du musst mit mir reden. Was ist zwischen euch vorgefallen?" Ich konnte nicht reden. Ich öffnete den Mund, aber es kamen keine Wort raus, kein Ton. Ich spürte ihre Hand über meinen Rücken streichen. Ohne ein Wort zu sagen stand ich einfach auf und ging wieder zum Schreibtisch zurück. Ich spürte den Blick meiner Mutter auf mir, aber ich wollte mich nicht zu ihr umdrehen. "Wenn du nicht mit jemandem redest, wird es auch nicht besser. Oder denkst du, dass es dadurch ungeschehen wird?" "Nein, aber kommt er zu mir zurück, wenn ich mit dir oder jemandem rede?", schrie ich meine Mutter an. Sie erschrak, anscheinend hatte sie nicht mit so einer ausdrucksstarken Antwort gerechnet. Ich schmiss einfach alles auf den Boden und rannte aus meinem Zimmer. Raus aus dem Haus an die Luft. Ich hatte wieder keine Zigarette, aber da kamen rauchende Passanten vorbei, die ich um eine Kippe und Feuer bat. Ich qualmte die Zigarette und weinte dabei. Ich weinte ohne Ende, aber kein Wunder. Ich liebte Tobias!

Mittwoch, Juli 08, 2015

Kapitel #37

"Wieso bist du jetzt so eiskalt zu mir, Tobias?" Man hörte, dass ich den Tränen nah war, aber ich versuchte sie noch zurück zu halten. "Zuerst das mit Lukas und jetzt auch noch mit einem fremden älteren Mann? Ich kann langsam nicht mehr, Christina! Anscheinend bist du ganz schön begehrt." Jetzt konnte ich wirklich nicht mehr. "Du stellst mich gerade als Schlampe dar! Und außerdem steht keiner von ihnen auf mich! Herr Hints Frau hat mich eingeladen und ich wollte höflich sein und hab diese Einladung angenommen. Daran ist doch nichts Falsches!" Ich war traurig, verletzt und wütend. Alles auf einmal. 'Wie kann er mir so etwas unterstellen? Ok, das mit Lukas war wirklich merkwürdig, aber er hat sich ja auch nicht mehr gemeldet. Warum macht er aus so einer Mücke einen so großen Elefanten?' "Tobias, ich liebe dich! Nur dich, und das kann keiner ändern. Ich verstehe mich aber mit Herr Hint und seiner Frau so gut und wenn du sie näher kennen lernen würdest, würdest du mich verstehen." Tobias schaute mich endlich wieder an und auch seine Augen waren glasig. Von dem Moment an war mir Eines klar: Er liebte mich! Am Liebsten wäre ich ihm um den Hals gesprungen und hätte ihn getröstet, aber er machte keinen Anschein, dass er das wollte. "Wir brauchen eine Pause. Du kannst das Ticket für den Ballon behalten und mal schauen, ob wir es benutzen oder nicht." "Nein. Nein, nein nein! Tobias, tue mir das nicht an! Ich liebe dich und ich verspreche dir, dass ich sie nie wieder treffe, wenn du es willst." "Es geht hier nicht darum, was ich will, sondern was du willst und anscheinend willst du die Freundschaft und nicht unsere Beziehung. Es ist das Beste." Ich schüttelte nur den Kopf und weinte los. Mein Herz fühlte sich an, als würde ein Dolch durchgestochen werden. Ich versteckte mein Gesicht in meinen Händen, als ich spürte, wie sich die Matratze hochdrückte. Ich schaute hoch und sah wie Tobias das Zimmer verließ. Ich schmiss mich einfach seitlich auf mein Bett und weinte weiter. Ich versuchte mich zu beruhigen, aber das Weinen entwickelte sich zu einem Heulkrampf.
Nach einiger Zeit hatte ich mich ein wenig beruhigt und versuchte aufzustehen, um runter zu gehen. Ich wollte Tobias nicht gehen lassen, schließlich liebte ich ihn. Ich stolzierte also die Treppen runter und sah gerade noch, wie Tobi mit seiner Reisetasche das Haus verließ. Meine Tränen flossen weiter und dann kamen auch meine Eltern zu mir und drückten mich. "Was ist passiert, Kleines? Wieso ist er gegangen?" Ich wollte ihnen immer noch nichts von Herr Hint erzählen. Sie würden das sicher nicht besser aufnehmen als mein Freund. Oder sollte ich Ex-Freund sagen?
"Wir haben uns gestritten. Ich will noch nicht darüber reden." Sie sagten nichts mehr, sondern drückten mich nur noch stärker an sich. Diese Nähe brauchte ich in dem Moment.
Inzwischen sind 2 Stunden vergangen, in denen ich auf dem Sofa mit herangezogenen Knien saß. Meine Eltern versuchten noch einige Male mit mir darüber zu reden, aber ich wollte es nicht. Ich wollte mir selbst noch nicht einmal eingestehen, dass es mit Tobias wahrscheinlich zu Ende ist. Meine Tränen flossen und das Einzige woran ich denken konnte, war, dass ich einfach bescheuert war. Ich hätte doch nicht die Einladung annehmen sollen. 'Christopher hat alles kaputt gemacht.Wieso musste ich auch damals in ihn rein laufen? Dann würden wir uns wahrscheinlich nicht einmal kennen.' Ich schaute kurz auf die Uhr und sah, dass es inzwischen 17:45 war. Ich wischte mir noch einmal die Tränen weg, stand von der Couch auf und sagte noch: "Ich gehe mal hoch und räume mein Zimmer ein wenig auf."

Sichtwechsel: Tobias
Ich war total verwirrt. Ich wusste nicht einmal, ob ich traurig, verletzt oder wütend war, weil ich zu dem Zeitpunkt alles hätte sein können. Da hatte ich nun mein Reisetasche in der Hand und wusste nicht, wohin ich sollte. Ich schaute kurz auf die Uhr und es war erst 16:10 Uhr. 'Na toll, meine Eltern kommen erst um 18 Uhr am Bahnhof an. Solange muss ich noch herumlaufen und mich langweilen.' Ich zog aus meiner Tasche meine Zigarettenschachtel und ein Feuerzeug und zündete mir eine Kippe an. Ich schmiss meine Sachen einfach auf den Asphalt und setzte mich daneben. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken und das funktionierte am Besten mit einer Zigarette. Ich musste über die letzten Geschehnisse nachdenken. Ich musste meine Gedanken ordnen, denn sie flogen kreuz und quer durch meinen Kopf. Ich wollte Christina zuhören und auch glauben, aber es ging einfach nicht. Zuerst davor das Treffen mit diesem Lukas und dann hat er auch noch angerufen. Und dann auch noch dieser Lehrer, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hatte. 'Geht man einfach so zu einem fremden Menschen nach Hause? Auch wenn es eine Einladung zum Essen war. Ich liebe sie doch, warum tut sie mir das an und lässt mich so viel über andere Männer grübeln?' Wie das schon klang, andere Männer. Das klang so, als würde sie Ältere bevorzugen. Vielleicht tat sie das auch, das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Ich qualmte die Kippe zu Ende, aber blieb dort sitzen. Einige Passanten liefen an mir vorbei und schauten mich natürlich dumm an, aber mir machte das nichts aus. Dann sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Pärchen vorbeilaufen. Der Mann sah wie Herr Hint aus und die Frau an seiner Seite musste seine Frau sein. Aber als ich einmal blinzelte sah der Mann komplett anders aus, also musste ich ihn mir eingebildet haben. 'Er steckt also auch schon in meinen Gedanken fest, na großartig.' Dieses Mal stand ich auf und ging weiter in Richtung meiner Wohnung. Ich kam nach etwa 20 Minuten laufen dort an und zog meine Hausschlüssel aus der Tasche, um einzutreten. Komischerweise lagen neben der Wohnungstür die Schuhe meiner Eltern, aber nicht die meiner Adoptivschwester. Ich sperrte die Tür auf und sah einen großen Koffer im Flur stehen - meine Eltern waren schon da. Ich trat ins Wohnzimmer und fand meine Mutter tränenaufgelöst auf der Couch sitzen und mein Vater saß neben ihr und strich ihr über den Rücken.

Dienstag, Juni 30, 2015

Kapitel #36

Keine 5 Minuten später war ich endlich Zuhause. Ich sperrte die Haustür auf und hörte den Fernseher im Wohnzimmer. Ich begab mich ins Wohnzimmer und sah meine Eltern und meinen Freund auf der großen Couch sitzen. "Hallo, Familie." "Na endlich! Wir haben uns schreckliche Sorgen gemacht. Tut uns leid, dass wir dir keinen Zettel oder so da gelassen haben, aber es sollte ja eine..." "Ja, ich weiß, eine Überraschung. Was ist es denn?" Ich schaute zwischen den drei Leuten hin und her und alle grinsten mich an. Dann kam Tobi auf mich zu, der etwas hinter seinem Rücken versteckte. Er hielt mir seine Wange hin, woraufhin ich ihm einen Kuss gab und schon zeigte er mir eine rote Rose. Ich nahm sie an und dann zeigte er mir seine zweite Hand und da war eine kleine Schachtel. Ich nahm die pinke Schachtel an und setzte mich auf das Sofa. Ich öffnete vorsichtig die Schleife und daraufhin die Schachtel und mir kam ein kleiner Umschlag entgegen. Ich legte die Schachtel neben mich und machte den Umschlag auf. Ich sah nur etwas blaues am oberen Rand einer Karte. Ich nahm sie ganz raus und was drauf stand, war einfach so toll: 'Eine Ballon-Fahrt zu zweit.' Ich konnte es nicht fassen, dass Tobias mir so etwas tolles schenkte. "Ist das dein ernst, Schatz?", fragte ich ihn ungläubig und sah in seinem Gesicht die Freude, dass ich mich über das Geschenk freute. "Ja, wir fliegen mit einem Ballon. In den nächsten Ferien gleich, wenn du willst." Ich nickte wild mit dem Kopf und fiel meinem Freund um den Hals. Ich küsste ihn tausend mal auf die Wange, bis er mich leicht von sich stieß. "Ok Ok, freut mich, dass es dir gefällt." "Ist das ein Witz?! Ich platze gleich vor Begeisterung! Aber weswegen musstet ihr dann so früh weg?" "Weil wir nicht wussten, ob du am Nachmittag Zuhause sein wirst. Ich wollte es unbedingt heute noch besorgen. Tut mir noch mal leid", sagte Tobias mit einem süßen Hundeblick, wegen dem ich hätte dahin schmelzen können.
"Ich störe nur ungern, aber wo warst du? Und hast du überhaupt gegessen?", fragte meine Mama neugierig. Ich wusste, dass sie mich deswegen ausfragen würde, nur wusste ich nicht, ob ich ihnen erzählen sollte wo ich war. 'Ich kann ihnen doch nicht sagen, dass ich bei einem Lehrer von meiner Schule war und ich dort gegessen habe. Was werden sie von mir denken? Und vor allem Tobias?' Ich entschied mich gegen die Wahrheit und antwortete: "Ich war nur bei Sophia. Wir haben ein wenig für die nächste Klausur gelernt und ich hab dort auch was zum Essen bekommen." Meine Mama schaute mich ungläubig an. Wahrscheinlich ahnte sie schon, dass ich sie anlog, aber es ging nicht anders. War für alle Beteiligten das beste, insbesondere für die Beziehung von Tobi und mir. Ich nahm Tobias einfach an die Hand und lief mit ihm in Richtung Treppen. "Wir gehen dann mal hoch." Ich zog ihn mit mir hoch in mein Zimmer und machte die Tür zu. "Du warst nicht bei Franziska!" Nach dem Satz erschrak ich leicht. Ich versuchte so glaubwürdig wie nur möglich zu klingen: "Doch war ich. Wo sollte ich sonst gewesen sein?" "Weiß ich nicht, aber jedenfalls nicht bei ihr, weil ich sie angerufen habe, um nach dir zu fragen. Sie wusste genauso viel wie ich, wo du warst." Ich biss mir leicht auf die Unterlippe; ich war wieder einmal nervös. Ich wusste, dass ich nicht lange stand halten konnte, also platzte es aus mir heraus. "Ich war bei einem Lehrer. Zuhause." Tobias schaute mich einfach nur an und sagte nichts. Ich hasste es, wenn er das tat. "Tobi?" Er bewegte sich nicht und sagte immer noch nichts. "Ich wurde von seiner Frau eingeladen, dass ich dort esse, weil sie mich kennt. Hörst du?" Jetzt nickte Tobias, trat ein Stück zurück und setzte sich auf meine Bettkante. "Warum hast du das nicht sofort gesagt?" "Weil ich mir schon fast gedacht habe, was ihr sagen werdet. Beziehungsweise, was ihr nicht sagen werdet", gab ich leicht beschämt zu. "Außerdem klingt das auch echt komisch, wenn man sagt, dass man bei einem Lehrer Zuhause war, vor allem, wenn man diesen Lehrer nirgends selbst hat." Tobias schaute mich einfach weiterhin an und wir sagten beide kein Wort mehr. Ich wusste nicht, ob ich mich neben ihn setzen sollte oder nicht. Aber eigentlich hatte ich nichts falsch gemacht, also setzte ich mich zu ihm, aber er rutschte ein wenig weg von mir. Das tat weh!

Sonntag, Juni 28, 2015

Kapitel #35

Die Autofahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor. Wenigstens war das Radio an, sonst wäre die Stille erdrückend. Ich schaute aus dem Fenster und sah, dass wir an der Haltestelle vom Tag zuvor vorbei fuhren. Christophers Frau räusperte sich und er sah sie kurz an, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte. "Ist was, Schatz?" Sie seufzte und sagte dann: "Nein, eigentlich nicht. Also denke ich." Ich sah wie Herr Hint eine Augenbraue hochzog und seine Frau wieder für einen Moment ansah. Er lenkte das Auto nach links in eine Seitenstraße mit großen Häusern. Nach vielleicht 100m stoppte er den Wagen und parkte rückwärts in eine Einfahrt ein. Es war ein weißes Haus, etwas kleiner als die anderen, aber trotzdem noch groß. Größer als unser Haus, das gerade mal 500m von dort entfernt gewesen sein musste, weil wir nicht weit von der Haltestelle abgebogen sind. Beide stiegen aus dem Auto und ich tat es ihnen gleich. "Ist das euer Haus?", fragte ich und schon schaute mich die Frau wieder komisch an. "Ja, Christina. Übrigens heiße ich Janna." Ich nickte und hielt ihr meine Hand hin, um ihr meinen Respekt zu zeigen, den ich vor ihr hatte. Vielleicht war es aber auch Angst, die ich in ihrer Gegenwart verspürte. Christopher öffnete die Haustür und wir traten alle ein. Mir blieb die Luft weg. Alles sah unglaublich edel aus: Marmorböden, weiße Möbel mit goldenen Details, kleine Statuen in hohen Regalen, eine elegant aussehende Treppe... "Christina? Ist alles okey?" Ich nickte und lief vorsichtig den Flur entlang. "Dieses Haus ist wunderschön! Seit wann wohnt ihr hier?", fragte ich neugierig. "Seit etwa 5 Monaten. Komm, ich zeige dir das Wohnzimmer." Ich sah zu Janna und lief ihr hinterher. Plötzlich vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche. "Hallo?" "Chrissi? Wo bist du, Schatz? Ich mache mir total die Sorgen, weil Tobi auch nicht weiß, wo du bist. Es war meine Mama, aber ich hatte keine Lust mit ihr zu reden. "Tja, mir egal. Bis später." Ich legte einfach auf und schaltete anschließend mein Handy auf stumm. "Tut mit leid, war nur meine Mum." Frau Hint lächelte und deutete auf eine große Tür vor uns. "Das ist das Wohnzimmer." "Diese Tür ist ja riesig! Ist hier alles so groß?" Janna lachte und schüttelte den Kopf, während sie die Tür öffnete. Ich schaute in einen großen, hellen und edlen Raum. Wie immer alles in weiß und gold, einige Ledersofas und Sessel und einen großen Flachbildfernseher. Mir fiel die Kinnlade runter. Irgendwann trat Janna vor mich und schnipste mir vor der Nase. "Anscheinend gefällt es dir." "Gefallen ist noch gar kein Ausdruck! Ihr lebt wirklich mit Stil in diesem großen Haus. Habt ihr auch Kinder oder so?" Nach dieser Frage verschwand ihr Lächeln und ihre Augen wurden glasig. Sie weinte. "Janna? Tut mir leid, falls ich etwas falsches gesagt haben sollte." Jemand trat hinter uns, es war Christopher. "Liebling? Ist alles ok?" Janna drehte sich zu ihm um und weinte in seine Brust. Er sah mich fragend an und ich fragte mich, was ich gesagt haben könnte. 'Gibt es etwa ein Problem wegen dem Schwangerwerden?' Langsam beruhigte sie sich und wir liefen langsam in Richtung Küche, wo das Essen auf uns wartete. Wir setzten uns an den Tisch und schwiegen uns an.
Mittendrin fing Janna an zu reden: "Tut mir leid. dass du mich so sehen musstest. Ich bin noch etwas empfindlich, was das Thema betrifft. Hat nichts mit dir zu tun." Christopher und ich schauten sie gespannt an. "Ich wollte dich nicht kränken. Darf ich denn fragen, was es ist?", fragte ich vorsichtig und wechselte von Janna zu Christopher. "Ehm, Janna..." Er machte kurz Pause und sah seine Frau erwartungsvoll an. Sie nickte. "Nun ja, Janna kann keine Kinder kriegen." Dieser Satz ließ mich meine Gabel fallen lassen. Janna erschrak bei dem Lärm und wieder wurden ihre Augen glasig. "Oh nein. Das tut mir wahnsinnig leid. Ich hatte ja keine Ahnung." Ich stand auf und lief auf Janna zu, um sie in den Arm zu nehmen. Ich tröstete sie, bis sie sich wieder beruhigte und setzte mich ihr wieder gegenüber an den Tisch, um weiter zu essen. "Wer hat das gemacht? Das ist köstlich!" Christopher lächelte und hob die Hand. "Hier ist der Schuldige." "Du kannst kochen? Sowas gibt es sehr selten, Janna du hast so ein Glück." Sie lächelte und rutschte näher zu ihrem Mann.
Wir unterhielten uns noch ein wenig, bis die Küchenuhr 15 Uhr schlug. "Oh, es ist schon spät. Ich muss noch nach Hause und etwas für die Schule machen." Ich umarmte noch einmal Janna und Christopher brachte mich zu Tür. "Danke für das Essen. War wirklich sehr lecker." "Gerne. Danke, dass du die Einladung angenommen hast. Nach gestern war ich etwas unsicher deswegen.""Ja, wegen gestern wollte ich mich noch entschuldigen. Ich war etwas überfordert mit der Situation." "Situation? Was meinst du?" "Naja, dass du eine Frau hast. Das hat mich etwas erschrocken." Erst nach dem Satz merkte ich, was ich da eigentlich gesagt hatte. Er lächelte beugte sich etwas zu mir runter und gab mir einfach einen Kuss auf die Wange. Ich wusste nicht weshalb, aber es störte mich nicht. Ich lächelte stattdessen und ging dann zur Straße runter und lief in irgendeine Richtung. "Du musst in die andere Richtung laufen. An der nächsten Kreuzung musst du dann links abbiegen und dann kommst du auf deine Hauptstraße." Ich winkte ihm noch zu und lief dann etwas schneller. 'Jetzt erwartet mich erst einmal eine Überraschung Zuhause. Wahrscheinlich sind meine Eltern unglaublich sauer.'

Samstag, Juni 06, 2015

Kapitel #34

Ich wurde am nächsten Morgen von meinem Wecker geweckt. Ich drückte auf den roten Knopf und wollte mich gerade umdrehen, als ich merkte, dass ich unbequeme Jeans anhatte. 'Habe ich etwa so geschlafen?' Ich setzte mich auf und merkte, dass mir wieder einmal der Kopf weh tat. Ich hatte gar keine Lust auf Schule, das merkte ich an den Schmerzen, die sich wie Migräne anfühlten. Ich stand auf und lief rüber ins Bad. Ich machte mich kurz frisch und ging dann wieder in mein Zimmer, um was frisches zum Anziehen zu suchen. Mit anderen Klamotten stolzierte ich die Treppen runter in die Küche. Keiner war da. Ich schnappte mir eine Schüssel und machte mir Cornflakes. Ich nahm mein Frühstück hoch in mein Zimmer und schminkte mich ab, um mich dann neu zu schminken. Nach 25min war ich mit essen fertig und brachte die Schüssel wieder runter. Ich ging ins Wohnzimmer, aber auch da war keiner. Im Gästezimmer war Tobias auch nicht und im Schafzimmer meiner Eltern war auch niemand. Ich rannte wieder die Treppen hoch, um auf mein Handy zu schauen. Ich hatte keine neue Nachricht, aber es war schon kurz vor 7. Ich packte meine Tasche, putzte mir die Zähne und zog mir unten die Schuhe an, um das Haus zu verlassen.
Ich lief zum Bahnhof und wartete da auf Franziska. Nach 5min bekam ich einen Anruf. Es war Tobi. "Schatz, sag mal wo bist du? Oder meine Eltern?" Ich merkte, dass meine Stimme sehr verärgert klang, obwohl ich nicht so klingen wollte. "Das erkläre ich dir später, aber wir sehen uns in der Schule. Deine Eltern fahren mich da hin. Bis dann, Schatz." Er legte einfach auf, ohne auf eine Reaktion oder Antwort von mir zu warten. Da war ich echt mega sauer und zum Glück kam endlich Franzi, bei der ich mich über meinen Freund aufregen konnte. Wir umarmten uns ich erzählte ihr von heute morgen und dem Telefonat. Wir unterhielten uns noch den ganzen Weg bis zur Schule und innen sah ich dann auch Tobias bei Sophia und Tami stehen. Ich lief mit geballten Fäusten auf ihn zu und schubste ihn leicht zur Seite. "Sag mal, kannst du dir vorstellen, was für eine Panik ich heute früh hatte?", maulte ich ihn an, sodass uns manche Schüler anschauen mussten. Sein zuvor aufgesetztes Lächeln verschwand und er schaute leicht beschämt. "Tut uns leid, aber wir hatten eine Überraschung für dich. Dazu mussten wir früher los und wir waren halt nicht pünktlich Zuhause." Ich schüttelte nur den Kopf und verdrehte die Augen. "Weißt du was? Ich brauche keine Überraschung von euch! Ich gehe woanders hin." Ich stapfte wütend zur anderen Seite der Schule und wartete da auf das Klingeln.
Der Unterricht begann und ich musste mir noch gefühlte tausend Mal Tobis Entschuldigungen anhören. Ich versuchte ihn zu ignorieren, was echt schwer war, denn irgendwann war es nur noch lustig und zugleich süß. Ich musste mir ein Lachen verkneifen, vor allem weil ich nicht schon wieder Ärger mit der Lehrerin wollte. So ging es fast den ganzen Tag weiter.
In der letzten Stunde fiel mir plötzlich auf, dass ich zum Glück Christopher nicht über den Weg gelaufen bin. Das Zusammentreffen am Tag zuvor war mir nach wie vor noch peinlich. Tobias stupste mich in der Stunde einige Male an, aber ich wollten nicht reagieren. Irgendwann erwischte er eine Stelle, an der ich kitzlig war. Ich hopste auf dem Stuhl und man hörte es durch das Zimmer. Alle schauten mich an, inklusive dem Lehrer, der nicht erfreut schaute. "Christina, gibt es ein Problem?" Ich schüttelte beschämt den Kopf und sah böse zu Tobias. Diesmal war ich echt sauer. Ich wollte ihn gar nicht mehr sehen und das musste ich zum Glück auch nicht mehr, denn die Stunde war endlich rum.
Ich rannte raus, runter in den Hof und sah die Frau von gestern bei einem roten Golf stehen. Sie winkte und lächelte mir zu. Ich winkte zurück und lief zur Bushaltestelle vor der Schule. Ich sah von der Seite, dass sie auf mich zu lief und ich versuchte meinen Gang zu verschnellen. Sie holte mich allerdings bald ein und man sah ihm im Gesicht an, dass sie etwas verwirrt und auch etwas verletzt war. "Ich weiß nicht, wie du heißt, aber warum bist du gestern so schnell weggewesen?" "Meinen Namen müssen Sie nicht..." "Christina!", hörte ich hinter mir rufen. "Hey, Schatz. Hallo Christina." "Hallo, Christopher." Er lächelte mich an, aber seine Frau schaute mich etwas bestürzt. "Ihr duzt euch?" Herr Hints Lächeln verschwand und er nickte. "Möchtest du mit uns fahren? Du wohnst ja nicht weit von uns. Und wenn du willst, können wir zusammen was essen", bot mir Christopher an. Ich wollte das nicht, aber ich wollte nicht schon wieder absagen, also sagte ich doch zu. Wir fuhren mit ihrem Auto nach Hause und keiner sagte ein Wort.

Montag, Juni 01, 2015

Kapitel #33

Das Essen war irgendwann fertig, wir aßen in Ruhe zusammen, aber ich konnte leider nicht alles essen. "Danke, hat gut geschmeckt", sagte ich zu meinem Freund und meiner Mama, "aber ich muss kurz aufstehen." Beide nickten und ich stand auf und verließ den Tisch. Ich wollte kurz an die Luft, denn ich hatte leichte Kopfschmerzen. "Schatz, kommst du mal?" Ich wollte Tobias nur schnell Bescheid geben, dass ich mal raus musste. Er kam um die Ecke und sah mir zu, wie ich mir die Schuhe zuband. "Ich muss mal kurz raus. Bis später." Gerade wollte ich zur Türe raus, da fragte er noch schnell: "Wohin gehst du? Bleibst du lange weg?" Ich schüttelte nur den Kopf und zog die Haustür hinter mir zu. Zum Glück dämmerte es schon langsam. Die Wolken waren leicht rosa-orange, was ich jedes Mal gerne anschaute. Ich lief durch den kleinen Wald bei uns zur Bushaltestelle. Ich wusste nicht, weswegen ich ausgerechnet dahin wollte, ich tat es einfach. Ich überquerte die Straße und setzte mich auf einen der Stühle. 'Mist, ich hätte vielleicht eine Zigarette von Tobi mitnehmen sollen.' Ich war ja eigentlich keine Raucherin, aber ich hatte so ein Verlangen danach.
Nach 5 Minuten kam ein Bus vorbei, der bei mir anhielt. Es stiegen einige Leute aus; unter anderem auch er. 'Shit, hoffentlich sieht er..' "Oh, hallo Christina. Was für eine schöne Überraschung dich hier zu treffen." Ich merkte, wie ich wieder einmal rot und nervös wurde und versuchte seinem Blick auszuweichen. Doch es war schon zu spät, denn der setzte sich mit seinen Taschen neben mich. "Hallo, Christopher. Woher kommst du?" Ich versuchte an seinen schönen eisblauen Augen vorbei zu schauen, während ich auf seine Antwort wartete. "Ich war einkaufen, meine Frau sollte mich eigentlich von der Bushaltestelle abholen kommen. Was machst du hier so alleine?", fragte er mit seiner überaus männlichen Stimme und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Jetzt musste ich ihm in die Augen schauen und vergaß dabei vollkommen ihm zu antworten. "Christina?" "Hm? Oh, entschuldige. War gerade in Gedanken woanders." Ich wollte aufstehen, denn ich konnte nicht mehr in seiner Nähe bleiben. "Hab ich gemerkt, ist etwas passiert? Geht es um deine Krankheit?" Ich schüttelte den Kopf und dieses Mal schwank ich vom Sitz hoch und sagte noch: "Ich muss jetzt gehen. Tschüss, Christopher." Ich lief in Richtung Ampel, als ich in eine Frau rein lief. "Oh, tut mir leid, Kleines. Ist alles in Ordnung?" Ich schaute hoch und sah eine blonde Frau, so um die 30, die mich sanft anlächelte. "Ehm, ja, alles gut. Entschuldigung, ich hätte besser aufpassen müssen." 'Warum muss ich immer in fremde Personen rein laufen?' Die Frau lachte jetzt und sagte: "War ja nicht deine Schuld. Komm mit uns, dann mache ich dir einen Kaffee oder einen Cappucchino, was du willst." 'Uns?' Sie drehte sich in Richtung der Bushaltestelle und da hätte mir fast schlecht werden können. Sie ging auf Herr Hint zu und sie umarmten sich. 'Shit, shit shit, ich muss hier weg.' "Nein, ist schon in Ordnung. Ich muss nach Hause, meine Eltern warten bestimmt auf mich mit dem Essen." Ich rannte einfach über die Straße und achtete nicht einmal auf die Autos, die mich anhupten, als ich vor sie rannte. Ich rannte schnell nach Hause, schloss die Tür auf und zog mir die Schuhe aus. Ich hörte Schritte, die mir entgegen kamen. "Da bist du ja Schatz. Ist alles OK? Du warst so schnell weg." Ich nickte nur und gab Tobias einen Kuss auf die Wange. Im Wohnzimmer saßen meine Eltern und sahen fern. "Oh, das bist du ja. Wo warst du?" "Nur kurz raus, mir die Beine vertreten", log ich meine Eltern an. Ich stolzierte die Treppen hoch in mein Zimmer und schmiss mich auf mein Bett. Ich schnappte mir mein Handy, das ich Zuhause gelassen hatte und antwortete meinen Freunden auf WhatsApp. Irgendwann hörte ich, wie jemand die Tür schloss und meinem Bett näher kam. "Bist du etwa schon wieder müde? Ist das etwa eine Nebenwirkung deiner Tabletten?", fragte er total besorgt. Ich legte mein Handy wieder weg und sah ihn lächelnd an. Er legte sich neben mich und ich drehte mich mit meinem Kopf zu ihm, dass nur 2mm zwischen unseren Nasen waren. "Weißt du, dass ich dich liebe?", fragte ich ihn lächelnd. Er lächelte mich nun auch an und sagte: "Gut möglich. Aber nicht so sehr, wie ich dich liebe." Er küsste meine Nasenspitze und streichelte über meinen Arm. Ich wollte meine Augen nur für einen Moment schließen, aber ich musste wohl wieder einmal eingeschlafen sein.

Samstag, Mai 23, 2015

Kapitel #32

Wir saßen noch einige Minuten so da und sein Herzschlag hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Irgendwann schob er mich mit seiner Brust leicht nach oben, weshalb ich meinen Kopf komplett hoch hob. "Was los, Schatz?", fragte ich ihn, während er in seiner Jackentasche kramte. Er fand, was er suchte und zog es raus. "Willst du jetzt wirklich Eine rauchen?", fragte ich ihn mit hochgezogener Augenbraue. Er sah mich an und lächelte dabei. "Willst du auch?`" Ich war anfangs mit dieser Frage etwas überfordert. Ich wusste, dass ich schon einige Male gezogen hatte zuvor, aber dass ich jetzt öfters sollte, hätte ich nicht gedacht. Ich schaute Tobias zu, wie er sich seine Zigarette anzündete und den Qualm ausatmete. Da wurde mir bewusst, dass auch ich Lust verspürte und schnappte mir deshalb seine Kippe und zog einmal dran. Wieder schenkte er mir ein Lächeln, nahm mir die Zigarette ab und küsste mich.
Nach einer weiteren Stunde, in der wir noch etwas über die Schule quatschten, beschloss ich, dass wir nach Hause fahren sollten. Wir setzten uns wieder in Bewegung in Richtung S-Bahn und stiegen dann in den Zug ein. Wir fuhren zu mir nach Hause, denn er schlief ja noch bei uns. Auf dem Fußweg zu mir merkte ich, wie wieder die Kopfschmerzen kamen. Plötzlich wurde mir total warm. Ich blieb kurz hinter Tobi stehen und atmete einmal tief durch. Mein Freund blieb ebenfalls stehen und stellte sich vor mich hin. "Alles ok? Brauchst du etwas zu trinken?" Ich nickte und sofort öffnete er meine Tasche, wo er meine Flasche Wasser und die Tabletten fand. Er reichte mir das Wasser und fragte mich währenddessen: "Wofür sind diese Tabletten? Die sehen nicht wie Schmerztabletten aus." Ich trank erstmal aus der Flasche und schraubte dann den Deckel wieder drauf. "Schatz?", fragte er nochmal, er klang besorgt. "Das sind meine Medikamente...Ich..." "Medikamente? Wozu brauchst du sie? Bist du etwa krank?" Ich traute mich nicht es ihm zu erzählen. 'Was, wenn er sich genauso Sorgen macht, wie meine Eltern? Dann macht er sich genauso fertig. Nein, das will ich nicht!' "Jetzt sag schon!" "Nein, bin ich nicht. Ich hab nur häufig Migräne-Anfälle. Ist nichts schlimmes, das geht gleich wieder weg." Er sah mich immer noch besorgt an, aber es sah so aus, dass er mir glaubte. Ich legte meine Tabletten wieder in meine Tasche, zusammen mit meiner Flasche. Er nahm wieder meine Hand und so liefen wir nach Hause.
Zuhause angekommen erwarteten meine Eltern uns schon. "Hallo, ihr Süßen." Tobias und ich lachten und umarmten beide meine Eltern. "Wo ward ihr denn?" "Am Weiher, wo wir öfters sind. Das Wetter ist ja so schön und dann hatten wir Lust dahin zu fahren. "Hast du deine Tabletten genommen? Du weißt, du musstest sie um 15 Uhr nehmen." Ich verdrehte die Augen und antwortete genervt: "Ja, habe ich. Tobias und ich gehen mal hoch in mein Zimmer." Ich nahm ihn an die Hand und zog ihn mit mir die Treppen hoch. Oben angekommen schloss ich meine Zimmertür, während Tobi sich schon einmal auf mein Bett setzte. Ich drehte mich zu ihm um, aber musste dann in sein besorgtes Gesicht schauen. "Was ist los, Schatz?" "Hör mal, Chrissi. Das vorhin auf dem Heimweg war kein Migräne-Anfall, oder?" "Doch, war es! Was sollte es sonst gewesen sein?", versuchte ich überzeugend zu sagen. Er zuckte nur mit den Schultern und zog dann sein Handy aus der Tasche. Er schrieb wahrscheinlich einigen seiner Kumpels zurück, während ich mich schnell versuchte umzuziehen, ohne dass er es bemerken sollte. Ich drehte mich extra mit dem Rücken zu ihm. Als ich mich wieder umdrehte, kam er gerade auf mich zu, immer noch mit diesem Blick. "Tobias, hör auf so zu schauen. Es ist wirklich nichts schlimmes." Ich küsste ihn kurz und schmiss mich dann endlich auf mein Bett. Auf mein Freund kam dazu und legte sich neben mich. Wir starrten beide die Decke an und ich merkte, wie meine Augen langsam zu fielen.
Irgendwann wurde ich sanft von einem Handkuss geweckt und ich öffnete langsam meine Augen. Es war mein Papa, der auf meiner Bettkante saß. "Guten Morgen, Prinzessin. Gut geschlafen?" Ich nickte und rieb mir vorsichtig den Schlaf aus den Augen, damit ich meine Schminke nicht komplett verschmierte. Ich setzte mich aufrecht hin und sah mich in meinem Zimmer um. "Wo ist Tobias? Hat er auch geschlafen?", fragte ich meinen Papa. "Er ist unten und hilft deiner Mama beim Abendessen. Er ist wirklich ein total netter Kerl. Ich mag ihn, obwohl er anfangs nicht so mein Geschmack war." "Das klingt so, als du jetzt auch auf ihn stehst", lachte ich los und auch mein Dad stimmte mit ein. Er hatte noch eine meiner Hände in seiner und an dieser zog er mich aus dem Bett und die Treppen herunter. Wir kamen unten in der Küche an und sahen den beiden 'Hausfrauen' beim Kochen zu. Die beiden lachten und schwang seine Hüfte hin und her im Takt zur Musik. Mein Papa ging auf meine Mum zu und umarmte sie vorsichtig von hinten, denn sie war ziemlich schreckhaft. Er meisterte seine Aufgabe mit Bravur und meine Mama lächelte ihn an. Inzwischen hatte sich Tobias zu mir umgedreht und kam ebenfalls auf mich zu. "Na, hast du gut geschlafen, Baby?" Ich nickte zufrieden und küsste ihn. "Hast du auch geschlafen?" "Nein, ich hab nach 20 Minuten etwa gemerkt, dass du schläfst und hab mich dann raus geschlichen", gab er mir lächelnd als Antwort. Ich wollte ihn mit mir auf die Couch ins Wohnzimmer ziehen, aber er blieb stehen und meinte: "Das Essen ist noch nicht fertig und ich hab deiner Mama versprochen, dass ich ihn helfe." Ich schob meine Unterlippe etwas nach vorne und schmollte meinen Freund an. Er lachte, gab mir noch einen Kuss und ging dann wieder zu meiner Mama, die inzwischen auch meinen Vater raus geschickt hatte. Wir zwei setzten uns ins Wohnzimmer und warteten, dass unsere Lieblingsmenschen das Essen kochten.

Dienstag, März 17, 2015

Kapitel #31

Die nächsten Schulstunden vergingen zum Glück ziemlich schnell. Auf dem Heimweg steckte ich mir die Kopfhörer in meine Ohren und hörte Musik. Ich wartete an der Bushaltestelle auf meinen Bus und stieg dann ein, als er endlich da war. Die nächsten 10 Minuten wurde ich von meinen Mitschülern im Bus herumgeschubst, weil er ziemlich voll war und der Busfahrer nicht fahren konnte. Am Busbahnhof musste ich dann wie immer umsteigen, als mir plötzlich jemand auf meine Schulter tippte. Ich nahm einen Kopfhörer raus und drehte mich einmal um 180°. Es war Lukas. "Hey, Chrissi." "Hey, Lukas. Wie geht es dir?", fragte ich ihn, während ich ihn in meine Arme schloss. "Sehr gut. Hast du Schluss?" Ich nickte und hörte, wie der Bus den Motor anließ. Am Liebsten wäre ich noch schnell hingerannt, aber ich konnte Lukas nicht einfach stehen lassen, also blieb ich da, wo ich war. "Hast du vielleicht später Zeit für mich? Dass du vielleicht wieder zu mir kommst, oder wir in den Park hier in der Nähe gehen?" Während er das fragte, hatte er eine süße und schüchterne Stimme. Ich schenkte ihm ein Lächeln und antwortete: "Klar, aber ich muss erst Heim und Hausaufgaben machen. Ich ruf dich an, wenn ich fertig bin, ok?" Auch er lächelte anschließend und nickte dabei. "Ok, aber ich muss jetzt zu meinem Bus. Bis später dann." Wir umarmten uns noch und dann setzte ich mich in Bewegung. Es stand noch ein anderer Bus da, mit dem ich auch fahren konnte. Ich steckte mir den Kopfhörer wieder ins Ohr und fuhr nach Hause.
Zuhause angekommen, schmiss ich meine Tasche auf das Sofa im Wohnzimmer und lief in die Küche, um das Essen vom Vortag warm zu machen. Ich aß in Ruhe und versuchte nebenbei meine Mathehausaufgaben zu machen. Zum Glück war das Thema nicht sonderlich schwer. Kurz bevor ich fertig mit Essen und der Hausaufgabe war, vibrierte mein Handy neben mir. Ich blickte auf den Bildschirm und sah den Namen 'Schatz' aufleuchten. "Hey, Tobi." "Hey, Schatz. Was machst du?" "Ich esse und du?" Ich nahm meinen leeren Teller in die Hand und ging zurück in die Küche, wo ich meinen Teller in die Spülmaschine legte. "Ich langweile mich. Hast du Zeit? Ich hab Lust zum Teich zu fahren. Es ist so schönes Wetter." Ich überlegte kurz, denn eigentlich wollte ich ja was mit Lukas machen. "Ehm, naja..." "Hast du keine Lust auf mich?" Er klang wie so ein kleines Kind und ich stellte mir in Gedanken seinen Schmollmund vor. "Doch doch, klar Schatz. Aber die Zeit..." "Hast du keine Zeit? Du wirst doch wohl zwei Stunden für deinen Freund finden, oder?" Irgendwie fand ich es süß, dass er unbedingt etwas mit mir machen wollte, nur wollte ich jetzt Lukas nicht absagen. Andererseits ist Tobias halt mein Freund und er steht eigentlich an erster Stelle. "Ok, treffen wir uns um 15:30 am Bahnhof?" "Ok, Schatz. Bis dann, ich liebe dich!" "Ich dich auch", sagte ich mit einem Lächeln im Gesicht. Wir legten beide auf und das erste, das mir einfiel war: 'Wie habe ich so einen wundervollen Jungen verdient?' Ich brachte meine Schultasche hoch in mein Zimmer und zog mir schnell ein lockeres Oberteil an, denn es war ziemlich warm draußen für diese Zeit. Ich schaute mich im Spiegel an und überlegte, ob ich etwas brauchte. 'Tabletten, Diabetiker-Pass, Geld, Handy, Schlüssel, Parfüm. Ich glaube das war's.' Ich flitzte die Treppen runter, hinterließ meinem Dad noch einen Zettel, auf dem mein Aufenthaltsort stand und zog mir meine weißen Converse an. Ich verließ das Haus und zog die Tür hinter mir zu.
Wir trafen uns wie immer an der einen Kreuzung, wo sich unsere beiden Straßen kreuzten und küssten uns zur Begrüßung. Sofort war ich überglücklich, so wie immer, wenn er bei mir war. "Wieso hast du anfangs gezögert? Hattest du keine Lust?", fragte er mich, während wir Hand in Hand zum Zugbahnhof liefen. Ich überlegte, ob ich ihm sagen sollte, dass Lukas mich auch gefragt hatte und entschied mich dafür. "Lust habe ich immer, und das weißt du. Aber ich hab Lukas am Busbahnhof getroffen und er wollte auch was machen. Aber mal ehrlich, ich mache viele lieber etwas mit dir." Nach dem Satz lächelten wir uns beide an und er gab mir einen Kuss auf die Stirn. "Meine kleine Prinzessin. Wenn du doch auch mal etwas mit jemand anderes machen willst, kannst du es gerne sagen. Ich habe damit kein Problem, ok?" Ich nickte und legte vorsichtig meinen Kopf auf seine Schulter, während wir weiter liefen.
Mit dem Zug mussten wir nur 5 Minuten fahren und dann noch etwa 3 Minuten laufen und dann waren wir da. Es saßen viele Pärchen auf den Bänken rund um den Weiher. Es joggten auch einige um ihn herum oder gingen mit ihren Hunden Gassi. Wir fanden eine freie Bank und setzten uns auf ihr. Tobias legte einen Arm um mich und ich kuschelte mich an ihn. Er küsste nochmal meine Stirn und legte dann seinen Kopf auf meinen. So saßen wir etwa 10 Minuten da und sahen den Enten zu, wie sie sich auf dem Weiher fortbewegten. Plötzlich klingelte mein Handy. Es war Lukas, wer sonst. Ich entschied mich, nicht dran zu gehen, aber mein Freund merkte, dass etwas nicht stimmte. "Ruf ihn zurück. Sag ihm, dass du mit deinem Freund unterwegs bist und dass du morgen Zeit hättest." "Hab ich aber nicht. Ich muss viel für den Mathetest am Freitag lernen." Ich blickte auf mein Handy und da überkamen mich meine Schuldgefühle. "Dann halt übermorgen. Er muss es verstehen, weil du ja einen Freund hast." "Das weiß er aber nicht, Schatz." Nach diesem Satz zog er seinen Arm weg und schaute mich ernst und gleichzeitig schockiert an. "Bitte was? Wieso das denn?" Er zog eine Augenbraue hoch. 'Ist er jetzt verletzt?' Mein Freund verschränkte seine Arme. "Ich hab es halt vergessen.Hat nichts mit dir zutun." Jetzt hob er beide Augenbrauen hoch. Wieder klingelte mein Handy und wieder war es Lukas. "Geh ran und sag es ihm!", befahl Tobi mir. Ich nickte nur und ging ran. "Hallo." "Hey, Christina. Was ist los, du wolltest doch anrufen, oder bist du noch gar nicht fertig?" Kurz herrschte Stille, aber dann nahm mir Tobias einfach mein Handy weg und sagte: "Hey, Lukas. Mein Name ist Tobi, ich bin Chrissis Freund. Sie ist jetzt mit mir unterwegs, aber wenn du willst, könnt ihr übermorgen was machen. Da hätte sie Zeit." Ich saß wie angewurzelt da und schaute Tobias einfach an. Plötzlich zog Tobias das Handy von seinem Ohr weg und starrte auf mein Handy. "Hat der jetzt echt einfach aufgelegt?" "Anscheinend. Er hat wohl etwas gegen diese Beziehung. Vielleicht steht er ja doch auf..." "Nein, stop! Er kennt mich ja nicht mal, und ich ihn noch weniger." Tobias lachte nur, rollte dabei die Augen und gab mir anschließend mein Handy wieder. Wir setzten uns wieder so hin, wie zuvor und diesmal hörte ich seinen Herzschlag, der ein wenig schneller als meiner war. 'Ist er aufgeregt wegen Lukas?'

Samstag, März 14, 2015

Kapitel #30

Es war der Mann, der mich aus irgendeinem Grund jedes Mal völlig aus der Fassung brachte. Ich drehte mich zu ihm um und spürte die Röte in meinem Gesicht. "Guten Tag, Herr Hint." Ich schaute ihm etwas genauer ins Gesicht und merkte, dass er unglücklich aussah. "Hallo. Dürfte ich kurz mit dir reden, Christina?", fragte er mich, während er meinem Gesicht etwas näher kam, um nicht so schreien zu müssen. Ich nickte und ging mit ihm die Treppen hoch. Er sperrte ein beliebiges Klassenzimmer auf und stellte seine Tasche auf dem Pult ab. "Kein Sorge, ich hab hier dann sowieso gleich Unterricht. Setz dich irgendwo hin", bot er mir an. Ich zog die Tür hinter mir zu und setzte mich ihm gegenüber. "Ich weiß, ich bin nicht der Schulpsychologe oder Beratungslehrer, aber du weißt, dass du jederzeit zu mir kommen darfst." Ich nickte nur, denn ich wusste nicht, was ich zu diesen Worten sagen sollte. "Herr Hint, es ist schon alles ok." Er schüttelte nur den Kopf und sagte: "Christina, ich hab doch dein Gesicht gesehen. Und bestimmt hat dich die Lehrerin nicht umsonst angemault. Ich höre dir zu, du kannst mir alles erzählen." Ich atmete einmal laut aus und gab dann anschließend nach. "Ok. Ich habe eine Krankheit. Und fast keiner weiß eigentlich etwas davon. Und das soll auch so bleiben. Naja, und ich hab in letzter Zeit relativ typische Anfälle." Ich hörte für einen Moment auf zu reden, um Herr Hints Reaktion zu sehen. Ich nickte nur und man sah einen großes Fragezeichen über ihm schweben. "Ich bin Diabethikerin", sagte ich, nachdem ich einmal tief durchatmete. Sofort veränderte sich der fragende Blick zu einem besorgten Blick. Genau dieses Blick hasste ich über alles. "Bitte schauen Sie nicht so. Dieser Blick ist so unangenehm, Herr Hint." Er rührte sich nicht mehr, also stand ich auf und stellte mich vor ihm hin. "Herr Hint?" - Keine Antwort. "Christopher?" Endlich bewegte er sich und richtete sich auf. Er räusperte sich kurz und antwortete dann: "Tut mir leid. Wahrscheinlich hab ich dich grad total angestarrt, aber das ist schon ziemlich ungewöhnlich in deinem Alter. Du bist 16 oder?" Ich nickte und drehte mich zum Fenster. "Vor drei Jahren hat es bereits angefangen. Damals bekam ich dann die Diagnose und ab dann änderte sich alles. Das Schönste war, dass sich meine Eltern endlich richtig um mich kümmerten. Leider wurde das ... nun ja, ziemlich nervig." Ich hörte wie der Lehrer aufstand und zu mir kam. In dem Moment spürte ich, wie meine Tränen hoch kamen und am Liebsten hätte ich direkt losgeweint. "In letzter Zeit hatte ich wieder einige Anfälle und das setzt mir einfach ziemlich zu. Schlagartig drehte ich mich zu ihm um und hob ganz leicht mein T-Shirt. Man sah das Kabel von meinem Insulinmessgerät. Herr Hint blickte auf das besagte Kabel und wieder regte er sich nicht. Ich stülpte mein Shirt wieder drüber und drehte mich wieder mit dem Rücken zu ihm. Dann fing ich wirklich an zu weinen. Ich schluchzte so leise wie es nur ging, aber Christopher bemerkte es und legte seine Hände auf meine Schultern. Ich schaute einfach aus dem Fenster und sah den Bäumen zu, wie sie durch den Wind hin und her schwankten. "Christina, hör auf zu weinen. Soll ich deine Eltern anrufen, dass sie dich abholen kommen?", fragte er mich vorsichtig. Ich schüttelte nur den Kopf und entriss mich langsam aus seinem Griff. "Ich muss gehen. Der Unterricht fängt gleich wieder an." Während ich das sagte, wischte ich meine Tränen aus dem Gesicht und steuerte auf die Tür zu. "Danke. Danke für's Zuhören, Christopher", sagte ich noch, ohne mich umzudrehen. Ich öffnete die Tür und trat raus in den Gang des 1. Stockwerkes. Es liefen schon 5. und 6. Klässler herum und schubsten sich gegenseitig, also hieß es, dass es schon gegongt haben muss und ich ihn einfach überhört hatte. Trotzdem ließ ich mir Zeit zum Klassenzimmer, denn eilig hatte ich es nicht, egal ob ich zu spät war oder nicht.
Kurz darauf kam ich beim Klassenzimmer an und keiner stand draußen. Also mussten sie schon drinnen sein. Ich klopfte an der Tür und öffnete sie dann. Ich blickte ins Klassenzimmer und sah Freunde von mir drinnen sitzen. "Tut mir leid, hatte noch etwas mit einem Lehrer zu besprechen", erklärte ich meinem Sozialkundelehrer. "Setz dich, wir haben noch nicht angefangen."

Montag, Januar 26, 2015

Kapitel #29

Ich verfolgte den langweiligen Unterricht, aber wirklich konzentrieren konnte ich mich nicht. Ich hatte, so wie oft in letzter Zeit, das Gefühl beobachtet zu werden. Ich schielte kurz rüber zu meinem Freund, der mich tatsächlich anstarrte. Anscheinend wartete er nach wie vor auf die Erzählung, weswegen ich mit der Lehrerin raus musste. Ich drehte meinen Kopf vollständig zu ihm und fragte: "Schatz, brauchst du etwas?" Er wandte sich nicht ab, sondern nickte einfach und durchbohrte mich fast mit seinem Blick. "Was wollte sie denn? Hat sie wegen heut Morgen gemeckert?", stellte er mir als Gegenfrage. Gerade wollte ich meinen Mund auf machen, da räusperte sich die Frau an der Tafel und schaute uns mit einem grimmigen Blick an. Ich verdrehte nur die Augen und schrieb weiter von der Tafel ab. Auch Tobias wandte sich endlich dem Unterricht zu.
Endlich gongte es und wir konnten zur nächsten Unterrichtsstunde laufen. Wir mussten ein Stockwerk höher laufen und da wartete auch schon unsere Sozialkundelehrerin. Sie sperrte das Klassenzimmer auf und wir traten alle ins Zimmer ein. Sie zog die Tür hinter sich zu und setzte sich ans Pult, wo sie uns den Verlauf der Unterrichtsstunde erklärte. Die Stunde verging glücklicherweise ziemlich schnell, weil wir in Gruppen kleine Präsentationen vorbereiten sollten. Wir machten die übliche Gruppe, also Tami, Sophia, Tobias und ich. Ich vermisste Franzi in unserer Gruppenarbeit, denn sie war immer das Mitglied, das uns hin und her gescheucht hat und einfach immer die lauteste von uns war. Inzwischen ist es so leise und teilweise auch ziemlich langweilig. Die Schulglocke beendete die Zusammenarbeit und wir verließen alle das Zimmer in die Pause. Auf der Treppe nach unten bemerkte ich, wie ich wieder Kopfschmerzen bekam. Sofort holte ich meine Flasche Wasser aus der Tasche und trank einen großen Schluck aus ihr. Ich stellte dann unten angekommen meine Tasche auf den Boden und lief in Richtung Toilette. Natürlich nicht zu schnell, sonst wäre mir wahrscheinlich schwindlig geworden. Ich betrat die Mädchentoilette und lehnte mich über das Waschbecken, um mich näher im Spiegel sehen zu können. "Ich sehe etwas blass aus. Ob ich Heim fahren sollte?", fragte ich mich in Gedanken, während ich weiterhin mein Spiegelbild betrachtete. Ich stand noch einige Zeit so da und hinter mir kamen immer wieder Mädchen rein in die Kabinen und auch wieder raus. Ich öffnete den Wasserhahn und spritzte mich mit mit kaltem Wasser im Gesicht ab. Dabei beugte ich mich mehr in Richtung Becken runter. "Ist alles in Ordnung?", hörte ich eine Stimme hinter mir fragen. Ich streckte meinen Körper und schaute in den Spiegel. Es war Franzi. Ich war froh, dass sie es war und drehte mich deshalb mit einem Lächeln um und umarmte sie. Doch anstatt auch mich zu umarmen, drückte sie mich von sie weg und schaute mich mit einem besorgten Blick an. "Chrissi, was ist los? Heut Morgen hast du auch schon total deprimiert geschaut. Ist etwas passiert?" Ich schüttelte den Kopf und legte dabei mein Lächeln nicht ab. "Lügnerin!", schrie sie mir ins Gesicht. Ich stand völlig erstarrt da und bemerkte, wie mich die anderen Mädels unserer Schule anschauten. Die Toilette war nicht der beste Ort, um zu diskutieren. Darum packte ich Franziska am Handgelenk und zog sie raus. Draußen riss sie sich aus meinem Griff und sah mich diesmal eher wütend an. "Warum lügst du mich an?", schrie sie wieder. "Ich dachte, wir wären beste Freundinnen! Du sollst mit sagen, wenn es dir nicht gut geht!" Ich schaute zu Boden, denn mir war das ziemlich unangenehm. Vor allem, weil ich sie nicht mit meinen Problemen belasten wollte. "Ich weiß, dass du gestern wieder einen Kreislaufkollaps hattest. Mensch, Christina! Warum redest du nicht mit -" "Hör auf! Hör auf, Franziska. Du weißt ganz genau, dass du meine beste Freundin bist und genau deshalb wollte ich dir nichts davon erzählen. Alle machen sich ständig Sorgen um mich, das nervt!", unterbrach ich sie lautstark. Diesmal war es Franzi die starr da stand und mich mit halb glasigen Augen ansah. Ich wusste, ich hätte sie nicht so anschreien dürfen, aber alle Gefühle kamen in mir hoch: Wut, Trauer, Angst, Sorge, Müdigkeit und noch der Fakt, dass ich schreckliche Kopfschmerzen hatte. Ohne nachzudenken nahm ich Franzi einfach in die Arme und drückte sie fest an mich. Plötzlich räusperte sich jemand hinter mir.