Montag, Oktober 26, 2015

Kapitel #45

"Hab ich was falsch gemacht?" "Nicht du direkt. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn wir so nah beieinander sind. Das erinnert mich zu sehr an unsere Beziehung, die ja eigentlich gut lief. Ich will auch, dass unsere Freundschaft funktioniert, aber ich brauche trotzdem Zeit, verstehst du, was ich meine, Tobias?" Er nickte und sah mich etwas enttäuscht an. Ich sah ihn bittend an, damit er verstand, wie wichtig mir das war. Eine Freundschaft nach einer Beziehung war noch nie einfach, aber mit Mühe konnten wir es schaffen. "Vielleicht sollte ich dann langsam mal gehen", sagte er, immer noch ein wenig enttäuscht. "Nein nein. Du kannst doch bleiben, aber ich muss Hausaufgaben machen." Genau nachdem ich den Satz sagte, hörte ich unten Schlüssel klingeln. 'Meine Eltern sind da. Ich bin gespannt, was sie zu meinem Besuch sagen.' Ich schaute Tobi zu, wie er aus meinem Bett kletterte, um meine Eltern zu begrüßen. Er hatte wirklich Manieren, aber anders kannte ich ihn auch nicht. 'Wieder denkst du über eure Beziehung nach! Hör auf, Christina!' Ich ging ihm hinterher und bekam auf der Treppe eine SMS. Ich hatte keine Lust nachzuschauen, also ignorierte ich die Vibration in meiner hinteren Hosentasche und begrüßte meine Mama mit einer Umarmung und bekam von meinem Dad einen Kuss auf die Stirn. "Hallo, Tobias. Dürfte ich fragen, was du hier machst?", fragte mein Papa skeptisch. Er zog dabei eine Augenbraue hoch und man sah ihm an, dass er Tobias am Liebsten durch das Haus gejagt hätte. Tobias sah zu Boden, weil ihm das Ganze natürlich sehr unangenehm war. "Mama, Papa, schaut mal, was ich mit meinen Haaren gemacht habe", warf ich in den Raum und versuchte das Thema zu wechseln. Alle drei, als inklusive Tobi, sahen mich an und lächelten dann. "Wow, Schatz! Deine Haare sehen toll aus. Ist zwar sehr ungewohnt, vor allem weil ich deine blonden Haare wirklich sehr liebe, aber dieses braun steht dir auch echt gut." Mein Vater stimmte meine Mama durch ein Nicken zu. Tobi hingegen wurde rot und stotterte dann: "Oh nein, tut mir leid... Ich... Ich war zu s-sehr mit meinen Problemen... ähm... beschäftigt. Steht dir echt super, Chrissi." Ich lächelte, denn ich wusste wirklich nicht, wie vor allem meine Eltern auf diese Veränderung reagierten, aber sie nahmen es gelassen und es gefiel ihnen auch noch.
"So Tobias. Jetzt beantworte doch bitte meine Frage." Meine hörte meinem Vater die Ungeduld an. "Papa, lass ihn doch! Es geht ihm nicht gut und..." "Achso", unterbrach er mich, "aber ankriechen kann er kommen, wenn es ihm so 'scheiße' geht, oder wie?" Mein Dad wurde immer lauter, aber dann griff meine Mutter ein. "Liebling, beruhige dich. Was ist denn passiert, Tobias?" "Nun ja... Es gab einen Vorfall in der Familie, der mich etwas mitgenommen hat." Er sah mich verloren an, also half ich ein wenig: "Ich hab ihm vorgeschlagen, dass er für eine Weile hier bleiben kann, denn er will erst einmal in nach Hause, was ich auch verstehen kann, bei dem, was passiert ist." Meine Eltern sahen mich fragend und ein wenig sauer an. "Ohne mit uns darüber zu reden? Christina, sowas musst du mit uns ab..." "Meine Adoptivschwester wurde ermordet!", hörte ich plötzlich von rechts schreien. Alles war ruhig und alle Augen waren auf meinen Ex-Freund gerichtet. Er schaute nur zu Boden, aber an seinen zuckenden Schultern konnte man erkennen, dass er wieder weinte. Sofort nahm ich ihn in den Arm und er drückte mich ganz fest an sich. Ich spürte die Blicke meiner Eltern auf uns. Sie starrten uns an, aber das war mir egal. Er brauchte mich! "Tobias, beruhige dich. Komm, wir gehen in die Küche und ich gebe dir was zum Trinken." Er stellte sich normal, aber nicht aufrecht hin und nickte nur stumm. Ich zog ihn in die Küche und gab ihm ein Glas Sprudelwasser. Ich hörte Schritte hinter uns, weshalb ich mich umdrehte und meine Mum in der Tür erblickte. "Tobias, es tut mir leid. Aber was ist denn passiert? Und wie 'ermordet'?" "Julia wurde erschossen nach einer Entführung. Ich wusste davon nichts, erst als meine Eltern ohne sie zurückkamen, haben sie es mir erzählt und obwohl sie nur meine Adoptivschwester war, traf mich ihr Tod." Es herrschte Stille in der Küche.
Nach einigen Minuten gesellte sich auch mein Vater zu uns und auch er entschuldigte sich. Natürlich tat er das jetzt nur aus Mitleid, aber wenigstens ein wenig weich war er. Er verstand Tobi, weil auch er seine Stiefschwester verlor, als er in meinem Alter war. Sie allerdings brachte sich selbst um. So ewas könnte ich mir niemals vorstellen. 'Wie können sich Menschen umbringen? Wie sehr müssen sie leiden, dass sie keinen anderen Ausweg außer den Selbstmord sehen?' Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal meine Phasen hatte, wo alles schief ging, aber nie hatte ich an Suizid gedacht. Auch die Trennung von Tobias hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen, aber das Leben geht weiter. Für andere anscheinend nicht, aber das wollte ich nicht begreifen, obwohl ich schon 17 Jahre alt war und einiges mitbekommen hatte.
Tobias trank sein Glas aus und ohne ein Wort zu sagen, verließ er die Küche und schleppte sich die Treppe hoch. Ich hörte nur noch oben die Tür zu knallen und das war der Moment in dem ich sagte: "Toll, Papa! Tobi geht es echt scheiße und du hast nichts besseres zu tun, als ihn fertig zu machen?" "Ich hab mich doch..." "Nein, das war keine Entschuldigung! Das war nur Mitleid. Eine richtige Entschuldigung klingt nicht so, als würdest du es hassen, dass du das sagen musstest. Ich bin enttäuscht von dir, Dad!" Und schon verschwand auch ich die Treppen hoch in meinem Zimmer und gesellte mich zu Tobias, um ihn ein wenig aufzumuntern. Nur wie?

Samstag, Oktober 24, 2015

Kapitel #44

"Ich muss kurz nach unten, telefonieren. Wenn du willst, kannst du versuchen ein wenig zu schlafen bis ich wieder komme." Ich drehte mich zu ihm und sah wie er nickte und die Augen schloss. 'Irgendetwas empfinde ich ja natürlich noch für ihn. Es ist schließlich nicht mal 3 Tage her, seit wir uns getrennt haben.' Ich machte meine Zimmertür leise hinter mir zu und schlich leichtfüßig die Treppen herunter. Genau als ich unten ankam, klingelte das Telefon und flitzte ins Wohnzimmer zum Couchtisch. Es war eine unbekannte Nummer. 'Das ist er bestimmt. Oh Gott, ich zitter total.' "Ja, hallo?" "Hey, Chrissi. Ich bin's." Ich lächelte, als ich seine Stimme am anderen Ende hören konnte. Ich setzte mich auf die Couch und grinste weiterhin. "Ich weiß. Ging ja wirklich schnell bei dir. Du bist aber noch nicht Zuhause oder?" Er lachte: "Nein, nein. Ich bin gerade erst aus dem Friseurladen raus, aber wollte gleich anrufen, weil ich mir ja Sorgen um dich mache. Aber anscheinend geht es dir besser, so fröhlich wie du klingst. Ist etwas passiert?" Ich lächelte nur noch mehr, weil er sich wirklich Sorgen um mich machte, aber ich konnte ihm ja wohl schlecht sagen, dass ich seinetwegen so glücklich wieder war. Ich überlegte aber, ob ich es doch sagen wollte, bis er fragte: "Hallo? Noch dran?" "Ja klar. Mir geht es wirklich wieder gut, dank dir." Und da hatte ich es gesagt. Ich spürte die Röte in meinem Gesicht und lächelte noch mehr aus Scham. Er lachte wieder und sagte: "Dann bin ich ja froh, wenn ich dich etwas aufheitern konnte. Wie auch immer ich das hingekriegt habe." Wir lachten beide am Telefon.
Wir redeten noch eine Weile und ich hörte hin und wieder den Zug bei ihm im Hintergrund, weil er sich auf dem Heimweg befand. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und bemerkte, dass inzwischen 15 Minuten vergangen waren. Ich unterbrach Christopher mitten im Satz und sagte: "Du, sorry, aber ich muss auflegen. Wenn du willst, können wir morgen wieder telefonieren und dann etwas länger, aber jetzt gerade geht es wirklich nicht. Tschüss." Ohne auf eine Antwort oder ein 'Tschüss' von ihm zu warten, legte ich einfach auf und legte das Telefon auf die Couch neben mich, während mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen. Das war das Herzrasen wieder. Wegen ihm. Ich sah zur Treppe und dann fiel mir Tobias ein, weshalb ich zur Treppe rannte und sie hoch stolperte. Ich betrat mein Zimmer und sah Tobias auf meinem Bett liegen. Ob er schlief oder nicht, konnte ich da noch nicht sagen. Erst als er sich umdrehte und die Augen öffnete, wusste ich es. "Du bist wach? Konntest du nicht schlafen?", fragte ich ihn besorgt. Er schüttelte den Kopf und gab mit seinem Kopf ein Zeichen an mich, dass ich mich zu ihm setzen sollte. Also setzte ich mich in Bewegung und kniete mich neben das Bett und schaute ihn dabei an. Er lächelte und sah nicht mehr ganz so verheult aus. "Weißt du, dass mich deine Gegenwart sehr beruhigt? Allein, wenn du hier neben mir sitzt und nichts sagst." Mir war nicht nach Lächeln zumute. "Tobi, lass das. Du verwirrst mich total." Zwei schockierte Augen sahen mich an und schon verschwand sein Lächeln. "Was ist los mit dir?" "Ich kann nicht nur mit dir befreundet sein, und das weißt du! Oder glaubst du, dass ich innerhalb von 2 Tagen über die Trennung hinweg bin? Du sagst, dass ich dir etwas bedeute, aber machst Schluss. Du sagst, dass du dich bei mir wohl fühlst, aber zeigtest trotzdem mir gegenüber die kalte Schulter. Wieso? Wieso tust du mir das an?", fragte ich, während ich die Tränen spürte. "Christina, du hast mir weh getan. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mir so weh tun kann, obwohl ich diese Person liebe. Aber wenigstens Freunde können wir doch sein. Wer weiß, vielleicht wollte das Schicksal eigentlich ursprünglich, dass wir nur Freunde sind und deshalb kreuzten sich unsere Wege, als du mir damals deine Tasche ins Gesicht geschlagen hast." Wir beide lachten und ich entgegnete: "Hey! Das war keine Absicht und ich kann nichts dafür, wenn du so einen riesen Schädel hast." Wieder lachten wir und dabei kamen wir uns erstaunlich nah. Ich schreckte sofort wieder zurück und stellte mich dann neben das Bett. Ich räusperte mich und fragte: "Willst du etwas trinken? Kaffee, Tee, Wasser?" Er schüttelte nur den Kopf und setzte sich aufrecht auf meinem Bett hin.

Donnerstag, Oktober 08, 2015

Kapitel #43

Nach etwa 2 Stunden shoppen und durch die Läden wandern, waren wir beide müde und uns taten die Arme weh. Ich hatte mir einige neue Oberteile gekauft, zwei Paar Hosen, einen Schal, ein paar High Heels und eine Sonnenbrille, obwohl die Zeit der Sonnenbrille eigentlich schon vorbei war. Aber ich fand, dass man nie genug Sonnenbrillen haben kann, genauso wie Taschen, Schuhe und Schmuck. Ich liefen zum Hauptbahnhof und fuhren dann mit der S-Bahn nach Hause. Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Lust, dass Franziska mich begleitete, deshalb sagte ich: "Du, Franzi, hör mal. Ich bin ziemlich fertig. Würde es dir was ausmachen, wenn du nicht noch mit zu mir kommst? Ich will einfach nur meine Sachen Zuhause ablegen, duschen und mich dann ein wenig ausruhen." Franzi lächelte und antwortete: "Kein Problem. Auch ich will um ehrlich zu sein schnell Heim. Aber wenn du etwas brauchst, oder es dir wegen 'du weist schon' nicht gut geht, kannst du mir gern schreiben oder mich einfach anrufen. Ich bin für dich, schließlich bist du meine beste Freundin!" Wir lächelten uns gegenseitig an und umarmten uns dann.
Irgendwann kamen wir dann an unserem Bahnhof an und wir stiegen gemeinsam aus. Wir stolzierten schweigend die Treppen hinunter, bis zu der Kreuzung, wo sich unsere Wege wie immer trennten. Ich lief nach Hause und schaute nach fast 5 Stunden mal endlich wieder auf mein Handy. Ich hatte 3 verpasste Anrufe von meiner Mum und einen von Chris. Ich wunderte mich über seinen Anruf, aber ich wollte ihn nicht zurückrufen. Brauchte ich auch nicht, denn mir kam ein blonder Mann entgegen, der mich fröhlich angrinste. "Christopher, hey!" "Wow! Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Das sieht echt toll aus." Ich spürte, wie die Röte in mir aufstieg und schaute verlegen zu Boden. "Danke, wohin gehst du?" "Auch zum Friseur", sagte er lachend. Da fiel es mir wieder ein: "Bei dem Friseur in der Stadt in der Nähe vom Hauptbahnhof?" "Ehm, ja? Ok, das ist jetzt gruselig! Woher weißt du das?" Ich zuckte nur mit den Schultern und spürte, wie mir nur noch heißer wurde. "Alles in Ordnung? Du wirkst gerade so, als hättest du einen Geist gesehen." Er winkte mit seiner Hand vor meinem Gesicht, aber ich reagiert nicht, weil ich einen seltsamen Gedanken hatte. 'Das kann doch kein Zufall sein! Ich stoße mit ihm in der Kirche zusammen. Ich laufe beinahe gegen jede Tür, die er öffnet. Er wohnt ziemlich nah bei mir und das wusste ich nie. Und jetzt gehen wir auch noch zum gleichen Friseur und er ruft zufällig an, während ich noch bei Laura auf dem Stuhl saß. Was wenn das alles Schicksal ist? Eigentlich glaube ich nicht daran, aber das ist die einzige Erklärung für alle diese Geschehnisse.' "Chrissi?" Ich blickte ihn an und sah in seine schönen blauen Augen, die mich leicht besorgt ansahen. "Tut mir leid, was hast du gesagt?" "Ich mache mir Sorgen! Wirkliche Sorgen! Aber ich muss zur S-Bahn, sonst verpasse ich meinen Termin. Ich rufe dich an, sobald ich fertig bin und dann reden wir. Dauert bei mir ja nicht so lang. Ich muss nur bisschen kürzer schneiden und meinen Bart etwas stutzen lassen, so wie immer." Er lächelte umarmte mich und flitzte zum Bahnhof. Da stand ich nun, alleine mit meinen Gedanken, die in meinem Kopf herum flogen. 'Will das Schicksal mir etwas damit sagen? Hat es darum nicht mit Tobias geklappt? Wollte das Schicksal, dass wir uns trennen? Ich dachte, dass genau das Schicksal Tobi und mich zusammengeführt hatte und jetzt will es das nicht mehr?' Ich schüttelte den Kopf und versuchte somit diesen Gedanken aus meinem Kopf zu schütteln. 
Ich lief weiter in die Richtung meines Hauses und kam nach 5 Minuten endlich an. Ich öffnete die Haustür, ließ die Einkaufstüten auf den Boden fallen und rief: "Hallo! Ich bin Zuhause und habe eine Überraschung." Keine Antwort. 'Hm, vielleicht ist ja Jemand im Wohnzimmer oder in der Küche.' Auf der Couch saß niemand, also lief ich in die Küche und da erwartete mich etwas nicht sehr Gutes. "Was machst du hier, Tobias?" Er stand am Fensterbrett und starrte mich einfach nur an. Seine Augen sahen verheult aus, weswegen ich auf ihn zu ging, aber trotzdem Sicherheitsabstand hielt. "Ich brauche jemanden zum Reden und ja, ich weiß, dass ich scheiße zu dir war und dass das jetzt blöd kommt, aber ich brauche dich!" Ich hob eine Augenbraue hoch und sah ihn etwas verdutzt an. "Ok? Was ist los?", fragte ich unsicher. "Julia.. wurde umgebracht." Sofort fiel mir die Kinnlade runter. Ich kannte Julia nicht sonderlich gut, aber trotzdem traf es mich, denn ich kannte sie ja. "Was? Aber wieso und wer war es?" Tobias schüttelte den Kopf und drehte sich zum Fenster um. "Wir haben sie nur gefunden, alleine und schon tot. Sie wurde davor entführt und weil wir die Polizei verständigt haben, hat der Entführer sie erschossen. Wir wissen nicht einmal, ob es ein Mann oder eine Frau war. Verstehst du jetzt, warum ich gerade dich zum Reden beziehungsweise zum Zuhören brauche?" Ich schüttelte den Kopf, denn ich konnte mir keinen Reim darauf machen. "Weil ich schon wieder ein Mädchen verloren habe, dass mir etwas bedeutet hat! Nach dir, dann Julia... Ich kann nicht mehr." Das war der Moment, in dem Tobias zusammenbrach und zu Boden sackte. "Tobias... Bitte beruhige dich, dadurch kommt sie auch nicht wieder. Aber jetzt muss ich dir einfach die Frage stellen: Warum hast du dann mit mir Schluss gemacht?" "Genau deswegen ja! Weil du mir etwas bedeutest und du mir weh getan hast. Das konnte ich nicht länger zulassen." Ich verdrehte innerlich die Augen, denn ich konnte seinen Worten nicht glauben. Aber zu der Zeit musste ich für ihn da sein, egal wie schwer es mir fiel in seiner Nähe zu sein. "Du kannst hier bleiben, wenn du magst. Meine Eltern haben bestimmt nichts dagegen." "Wissen sie von uns? Beziehungsweise von dir und mir?" 'Dir und mir? Also gab es kein uns mehr?' Es klang schrecklich in meinen Ohren. Ich nickte und versuchte trotzdem zu lächeln, obwohl es mir das Herz brach, ihn so zu sehen. Wir gingen hoch in mein Zimmer und er legte sich auf mein Bett. "Es fühlt sich so vertraut an", flüsterte er, während er langsam einschlief.
Plötzlich fiel mir Chris wieder ein und dass er mich ja anrufen wollte, sobald er fertig war. Das hätte in jedem Augenblick passieren können, aber wie hätte ich es vor meinem Ex-Freund geheim halten können. Dann fielen mir auch wieder diese ganzen Fragen zum Schicksal ein. 'Ich kann ihn einfach nicht vergessen, aber warum hat das Schicksal Tobias wieder zu mir geführt? Um mich zu quälen oder einfach, damit wir es mit Freundschaft versuchen? Vielleicht hat es uns damals auch nur aus diesem Grund zusammengeführt.' Aber die wichtigste Frage stellte ich mir anschließend: 'Bin ich in einen von ihnen wirklich verliebt? Und wenn ja, in wen?'

Dienstag, Oktober 06, 2015

Kapitel #42

Franziska kam mit drei Sandwiches zurück, die sie zwischen uns aufteilte. Laura war grad mit der Farbe fertig, also konnten wir in Ruhe essen, bis die Farbe eingezogen war. Nach etwa 15 Minuten wanderten wir zum Waschbecken und wuschen meine Haare aus. Ich konnte nichts sehen, weil ich ja hinten keine Augen hatte, aber ich wollte mich wirklich überraschen lassen. Ich sah aber an Franzis Gesicht, dass es gut aussehen musste, wodurch ich mich nur noch mehr freute.
Wir gingen zurück zum Spiegel und da fing sie an zu schnippeln. Sie nahm sich noch die Zeitschrift mit der Frisur als Vorlage, damit alles so war, wie ich es wollte. Wir hatten keinen richtigen Gesprächsstoff mehr, deshalb war es ziemlich still für eine kurze Zeit, bis das Telefon klingelte. Da Laura alleine war, musste sie mich kurz mit Franzi allein lassen. "Wie sieht es bisher aus?" "Ich sag nichts, sonst ist es keine Überraschung mehr." Sie sagte das mit einem Grinsen, aus dem ich wieder entnahm, dass es gut aussehen musste. Wir sahen beide zu Laura, wie sie telefonierte und was aufschrieb. Wahrscheinlich war es nur ein Kunde. Dann war sie endlich fertig und kam wieder zum Arbeitsplatz.
Laura schnitt weiter an meiner Frisur und es fühlte sich auf Grund meiner Aufregung wie Stunden an. Ich konnte es nicht abwarten das Endergebnis zu sehen, weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte. "Ach ja, nochmal zum Konzert. Wenn ich uns fahren würde, dann würden es deine Eltern doch sicher erlauben, oder? Schließlich bin ich alt genug, um auf dich aufpassen zu können." Der Gedanke an Sunrise Avenue und auf ein Konzert von ihnen zu gehen, brachte mich erneut zu grinsen. Aber dann dachte ich an meine strengen Eltern, obwohl meine Mum zu der Zeit schon lockerer geworden ist. 'Vielleicht könnte sie ja mit Papa reden, schließlich wollen sie auch nur, dass ich glücklich bin und das wäre ich unheimlich sehr.' Laura riss mich aus meinen Gedanken: "Ok, wir sind fertig. Ich nehme auf Drei den Laken vom Spiegel und dann kannst du mein Meisterwerk betrachten." Das klang so süß. Sie stellte sich neben den Spiegel und zählte runter: "3...2...1..." Sie riss das Tuch weg und endlich sah ich mich selber. In den ersten Sekunden konnte ich einfach gar nichts sagen. Ich stand einfach nur mit großen Augen vor meinem Spiegelbild und versuchte diese Veränderung zu realisieren. "Und? Gefällt's dir?" Endlich kam ich zu mir und grinste die Mädels an.
Meine Haare waren etwas über den Schultern, Laura hatte ein paar Stufen geschnitten und die Farbe... Das war das, was mich am meisten flashte: Ich war nun braunhaarig. Laura entschied sich anscheinend gegen den Rotstich, aber es sah trotzdem total schön aus. "Chrissi! Du siehst so toll aus! Das ist zwar komplett etwas anderes als ich gewöhnt bin, aber es steht dir mega gut." "Danke, Franzi. Und auch danke, Laura. Ich liebe es!" Ich umarmte die Friseuse und stellte mich wieder vor den Spiegel. Ich drehte mich mal zur einen Seite und mal zur anderen, um alles richtig betrachten zu können. "Auch die kurzen Haare stehen total gut. Jetzt siehst du halt nicht mehr wie so eine Barbie aus, nachdem du keine langen, blonden Haare mehr hast." Wir lachten alle drei, aber ich konnte meine Augen einfach nicht von meinem Spiegelbild lassen. Ich war schockiert, aber gleichzeitig überglücklich und wusste, dass ich das nicht bereuen würde. "Ok, jetzt zum Geschäftlichen. Wie viel bin ich dir schuldig?" "55€. Ich gebe dir einen kleinen Freundesrabatt und außerdem hat sich noch nie ein Kunde so sehr über eine Frisur von gefreut." Sie lächelte mich an und lief dann zur hinter die Theke zur Kasse. Ich kramte meinen Geldbeutel raus und nahm 60€ heraus. "Der Rest ist für dich, weil du das echt wundervoll gemacht hast. Ich bin echt begeistert." Sie lächelte und nahm dankend das Geld entgegen. Ich sah ihr einen Terminplaner liegen. Ich sah nur etwa zwei Sekunden rein und entdeckte einen Namen, der mein Herz schneller schlagen ließ. Aus 2 Sekunden wurden dann doch irgendwie 2 Minuten, bis Franzi mich anstupste. "Chrissi?" "Hm? Was ist?", fragte ich gedankenverloren. "Das sollte ich dich fragen! Auf was starrst du so angestrengt?" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte: "Schon ok. Komm, wir gehen jetzt echt shoppen." "Ok. Tschüss Laura." "Ciao! Warte Chrissi! Gib mir mal deine Handynummer, dann können wir nochmal wegen dem Konzert schreiben." Sie gab mir einen Zettel und einen Stift und ich hinterließ ihr meine Nummer. Sie steckte den Zettel in ihren Terminplaner und winkte uns dann noch zu, während wir aus dem Laden herausliefen. "Was hast du denn jetzt gelesen oder gesehen, dass du plötzlich so schockiert und abwesend warst?" "Ich hab in ihrem Terminplaner den Namen 'Christopher Hint gelesen. Und naja, wir beide kennen ihn halt." "Na und? Ist doch egal, wenn er da zum Friseur geht." "Nein ist es nicht! Vor allem nicht, wenn ich bei seinem Namen oder seiner Stimme Herzrasen kriege." Ich sagte das so energisch, dass Franziska zurückwich. "Was.. Was willst du damit sagen? Hast du dich etwa in ihn verguckt?" Ich sah sie nicht erschrocken an, sondern eher unsicher. Ich ließ mir diesen Gedanken durch den Kopf gehen. 'Bin ich etwa wirklich in einen Lehrer verknallt?' Ich konnte diese Frage nicht selbst beantworten, aber wer sollte das sonst für mich tun? "Oh mein Gott, also tatsächlich. Christina, das geht doch nicht! Er ist ein Lehrer! Er ist MEIN Lehrer!" "Ich weiß, aber keine Ahnung. Vielleicht irre ich mich auch. Vor allem jetzt nach Tobias habe ich keine Ahnung, was los ist." "Wusste Tobias davon und hat deswegen Schluss gemacht?", fragte Franzi mich neugierig. "Nein, wusste er nicht. Er weiß nur, dass wir uns einmal getroffen haben, bzw. ich bei ihm war." "Wie bitte?! Du warst mal bei ihm? Chrissi, was ist los mit dir?!" Ich zuckte nur mit den Schultern und sagte genervt: "Ich will jetzt nicht länger darüber reden, also lassen wir es." Franzi nickte und so liefen wir einfach nebeneinander her durch die Stadt und betraten irgendwelche Läden.

Sonntag, September 27, 2015

Kapitel #41

Nach etwa 30 Minuten kamen wir dann in der Stadt an und wir mussten an einem Friseur vorbei. Plötzlich hatte ich die Idee, mir meine Haare zu färben. Ich schaute zum Schaufenster des Friseurs und dann wieder zu Franzi. "Ist was, Chrissi?" Ich nickte und grinste sie an. "Ich will meine Haare färben. Jetzt!" Franziska riss ihre Augen auf, aber ich kannte sie so gut, dass ich erkannte, dass sie diese Idee ebenfalls gut fand. "Okey, und welche Farbe?" Ich schaute zu den Schaufensterpuppen und begutachtete sie gründlich. "Diese Farbe", sagte ich und zeigte auf einen Kopf mit dunkelbraunen Haaren. "Christina, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was du jetzt auf deinem Kopf hast. Bist du dir wirklich sicher? Und wir kommt es überhaupt, dass du so spontan deine Haare färben willst?" Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte weiterhin auf die besagten Haare im Schaufenster. Ich zog Franzi am Arm in den Laden und schon kam mir eine Mitarbeiterin entgegen und sagte nett: "Hallo, Willkommen. Was kann ich für euch tun?" "Ich würde gerne meine Haare färben und schnei-" "Moment, was? Auch noch schneiden?", unterbrach mich meine beste Freundin. Ich schaute sie gar nicht erst an, denn ich konnte mir ihren Blick schon vorstellen, weil sie meine Haare liebte. Sie war ziemlich neidisch darauf, dass meine Haare so lang und gesund waren und ihre ständig neu geschnitten werden mussten. "Ok, was hast du dir denn so vorgestellt?" Die Friseuse zeigte mir einen Weg zu einem kleinen Tisch, auf dem viele Zeitschriften lagen. Ich bemerkte erst kurz darauf, dass Franziska nicht mitgekommen war. Ich drehte mich um und sah sie noch am Eingang stehen. Natürlich nicht sehr begeistert. "Ich heiße übrigens Laura und du?" "Christina. Ich muss mal kurz zu meiner Freundin." Sie nickte und setzte sich auf einen der Stühle um den kleinen süßen Tisch. "Franzi, kommst du?", fragte ich sie, während ich auf sie zuging. Sie sagte nichts, sondern sah mich nur enttäuscht an. Das war der Blick von dem ich vorhin sprach. "Bitte sei nicht böse, aber ich will eine Typveränderung probieren. Wir können danach auch ganz viele neue Sachen einkaufen gehen. Das magst du doch so." Ich sah ein kleines Lächeln auf ihren Lippen huschen. "Okey, aber nur weil du wie immer mit dem Shoppen kommst." Wir lachten und ich zog sie mit mir zum Tisch. "Okey, Laura. Dann such ich mir mal was aus." Ich blätterte in den Zeitschriften, während Laura Wasser für uns holte und sich ein wenig mit Franziska unterhielt. "Das hier! So hab ich mir das vorgestellt." Laura gesellte sich zu mir und ich schaute sie von unten an. Sie nickte und lächelte. Auch Franziska sah begeistert aus, auch wenn sie noch etwas zweifelte, aber genau das wollte ich gerade: Einfach mal etwas anderes tun und einfach spontan sein. "Das kann aber gute 4 Stunden dauern? Soll deine Freundin euch etwas zum Essen holen?" Ich schüttelte den Kopf und antwortete: "Wenn Franziska sich was kaufen will, kann sie das machen. Aber ich bin gerade viel zu aufgeregt dafür." Franziska und Laura lächelten und wir gingen zum nächsten Tisch mit Spiegel und Stuhl, um mir Farbe in die Haare zu schmieren. "Willst du das dunkelbraun mit einem leichten Rotstich oder ohne?" "Überrasche mich. Ich weiß jetzt schon, dass ich es so oder so lieben werde." Laura ging zur Wand mit der Haarfarbe und dem Zubehör und packte einige Sachen zusammen. "Gut, dann legen wir mal los. Sag 'Auf Wiedersehen' zu deinen alten Haaren und zu deinem Spiegelbild." Ich winkte meinem Spiegelbild kurz zu und dann hüllte sie ihn mit einem Tuch ein.
Die Friseuse klatsche mit die Farbe in die Haare und unterhielt sich währenddessen mit Franzi und mir. Sie schien wirklich unglaublich nett zu sein. "Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Laura?" "21 und ihr?" "Beide 17. Hast du eine Ausbildung hier gemacht?", fragte ich neugierig. "Ja, ich wollte schon immer Friseuse werden, weil ich es liebe mit Haaren zu basteln und zu spielen. Da kann man auch etwas kreativer manchmal sein, wenn die Kunden sagen, dass es einfach ausgeflippt sein muss. Am Liebsten würde ich bei Udo Walz arbeiten und dort prominente Kunden bedienen, aber das wird wohl ein Traum bleiben." Laura klang enttäuscht, aber das war auch verständlich, denn anscheinend liebte sie ihren Job. "Jetzt mal zu dir. Willst du schon länger deine Haare so sehr verändern?" Ich schüttelte den Kopf und lächelte etwas dabei. "Es kam mir jetzt gerade einfach so in den Sinn. Ich brauche Veränderung im Leben und deshalb fange ich jetzt mit einer Typveränderung an. Das heißt neue Haare, neue Klamotten und mein Leben so leben, wie ich es will." Ich sah mich etwas um im Laden, während sie meine Haare weiter mit Farbe beschmierte. Ich sah ein Schild auf dern Tresen am Eingang auf dem stand: Laura Schmidt. Hinter den Tresen war ein Spint auch mit ihrem Namen versehen und da hing ein Bild. Man erkannte es schlecht aus der Entfernung, also fragte ich nach: "Was ist auf dem Bild, das da vorne hängt?" Dabei zeigte ich mit meinem Kopf in die Richtung. Franzi ging zum Tresen und schaute sich das Bild an. "Ist das ein Konzert?" "Ja, mein ersten Konzert. Da war ich auf einem Sunrise Avenue Konzert, als ich 19 war. Ich bin ein sehr großer Fan, aber war seitdem nicht mehr auf einem Konzert von ihnen wegen der Arbeit. Es ist nie ein Konzert, wenn ich Urlaub hab und umgekehrt." Sie klang ein wenig traurig, aber es freute mich, dass auch sie ein Sunrise Avenue Fan war. "Magst du nicht auch diese Band, Chrissi?", fragte mich meine beste Freundin. Ich grinste und nickte, weil allein der Gedanke an diese Band mich lächeln ließ. Deren Musik machte ich so glücklich und baute mich immer auf, wenn ich einen schlechten Tag hatte. "Wirklich? Das ist ja cool! Wir können ja mal versuchen auf ein Konzert zusammen zu gehen, oder?" "Ja klar, aber das muss warten bis ich 18 bin, denn meine Eltern wollen mich keineswegs lassen. Hab es schon einige Male versucht." Laura lachte und sagte dann: "Okey, fertig. Jetzt 15 Minuten einwirken lassen. Franzi, hol doch trotzdem mal was zum Essen. Ich hab ihren Magen knurren hören", sagte sie belustigt und zugleich besorgt. Franziska nickte und verließ einfach den Laden. 'Ich hab meinen Magen gar nicht knurren gehört. Komisch.' 

Samstag, September 26, 2015

Kapitel #40

Ich schlief in der Nacht sehr unruhig. Albträume plagten mich, und selbstverständlich ging es um Tobias und wie er mit einem anderen Mädchen zusammen ist. Ich erkannte sie nicht in meinem Traum, aber sie sah mir von hinten sehr ähnlich. Auch lange blonde Haare, gleicher Kleidungsstil, ähnlicher Gang. Beide wurden von einem Bus erfasst, als sie eine Straße überqueren wollten, aber sie überlebte, während er sein Leben verlor. Dann wachte ich hektisch auf. Mein Herz schlug unglaublich schnell und mir flossen Schweißperlen die Stirn runter. Mein erster Gedanke war: 'Tobias!' Sofort schnappte ich mir mein Handy und wollte ihm schreiben, bis mir einfiel, dass er und ich gar nicht mehr zusammen waren. Es war so ungewohnt, weil er auch noch mein erster Freund war und wir schließlich einige Monate zusammen gewesen waren. Ich versuchte meinen Puls zu senken, indem ich meine rechte Hand auf mein Herz legte, mein Kopf hängen ließ und langsam ein-und ausatmete. Nach vielleicht drei Minuten (vielleicht auch mehr) schlug mein Herz wieder normal und legte mich auf die rechte Seite, weil ich so immer am besten einschlafen konnte. Plötzlich spürte ich etwas in meinem Bauch; ich hatte hunger. 'Das kommt davon, wenn ich abends nichts esse.' Ich wusste, dass es ungesund war, so schlafen zu gehen, aber noch ungesünder war es, mitten in der Nacht etwas zu essen, also beschloss ich, bis zum nächsten Morgen zu warten. Ich schaute nochmal auf die Uhr und es war 5:14. Ich schloss die Augen und war zum Glück schon bald wieder eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von einer warmen Hand auf meiner Stirn. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte das Gesicht von Franziska. "Franzi? Was machst du hier?" "Dir auch einen guten Morgen. Heute ist Samstag, es ist 10:30 und ich will shoppen gehen. Mit dir." Ich setzte mich langsam auf und sah mich im Zimmer um. Draußen war es bewölkt und grau und der Wind wehte ziemlich stark. "Bei so einem Wetter? Ne, danke!" Sie schmollte. Ich wusste, wie sehr sie es liebte, mit mir shoppen zu gehen, doch ich hatte trotzdem keine Lust. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie mit meinem Dein-Ernst-Blick an. Sie gab auf und jetzt konnte ich in Ruhe ins Bad gehen und mich etwas frisch machen. Unter der Dusche knurrte wieder mein Magen, aber es war schon fast 11 Uhr, deshalb wollte ich noch bis zum Abendessen warten. Ich zog meinen Bademantel an und ging in mein Zimmer und sah wie Franzi mein Handy benutzte. "Suchst du etwas?" Sie erschrak und legte das Handy sofort auf mein Kopfkissen. "Versuch gar nicht, es zu verstecken. Stand da etwas interessantes?" Sie nickte und kam auf mich zu. "Was ist zwischen dir und Tobi vorgefallen?" 'Shit, sie hat gesehen, dass ich Tobis Name in meinen Kontakten zu "Tobias" geändert hatte. "Ehm, nun ja. Wir haben uns getrennt. Die Gründe..." "WAS?! Aber warum? Ihr ward doch so ein süßes Paar!" Sie sah mich entsetzt an und schlug mir einmal auf die Schulter. "Die Gründe sind egal. Hauptsache ich, dass wir nicht mehr zusammen sind und fertig. Willst du jetzt noch shoppen gehen oder nicht?" Sie nickte vorsichtig und ich ging zu meinem Ankleidezimmer. Ich spürte Franzis Blick auf mir, wie ich zum Zimmer lief. Ich sperrte ab und suchte mir etwas dickeres zum Anziehen, weil es sehr kalt draußen war. Dann verließ ich meinen Kleiderschrank wieder und sah wie Franzi an der gleichen Stelle in die gleiche Richtung starrte. "Franzi? Alles in Ordnung?" "Das sollte ich dich fragen! Man, sag doch, was passiert ist. Hat er dich betrogen? Hat er wieder Drogen genommen? Hat er..." "Nein man! Jetzt lass es und komm wir gehen runter. Sie schaute mich enttäuscht an, aber folgte mir dann in die Küche. Ich konnte nichts essen, obwohl ich hunger hatte. Mir lagen Steine im Magen, weil ich Angst hatte, dass mich nochmal jemand fragen könnte, was die Gründe sind. Aber wie sollte ich den Leuten erklären, dass ich mich mit einem Lehrer getroffen habe und Tobias deshalb eifersüchtig war, genauso wie wegen Lukas? 'Ich kann es keinem sagen!' Franziska aß ihr Marmeladenbrot und ich schminkte mich währenddessen im Gästebadezimmer. Irgendwann waren wir beide fertig und verließen zusammen das Haus, um zum Bahnhof zu laufen.

Mittwoch, August 26, 2015

Kapitel #39

Ich liebte Tobias natürlich. Er machte mich immer so glücklich und ich hatte ihn verletzt. 'Ich verstand das mit Lukas, denn er war echt komisch mir gegenübe, aber wieso Christopher? Genau wegen ihm hätte sich Tobi überhaupt gar keine Sorgen machen müssen.' Genau als ich den Gedanken aussprach, lief ich an Herr Hints Haus vorbei. Es war dieses riesige Haus, in dem wahrscheinlich 50 Leute hätten leben können. Frau Hint stand mit einem Regenschirm draußen im Garten und suchte etwas im Gras. "Kann ich dir helfen?", fragte ich höflich. Sie erschrak und drehte sich hektisch in meine Richtung. "Ach, du bist es Christina. Nein, danke." Sie widmete sich wieder ihrer Suche, ohne zu lächeln. Irgendetwas musste sie gegen mich gehabt haben. Ich wollte meine 'Reise' fortsetzen, als Christopher durch die Terassentür kam und seiner Frau ein Glas Wasser brachte. Er sah mich außen stehen und lächelte mich sofort an. "Chrissi, hallo. Was machst du hier?" "Bin zufällig hier vorbei gekommen und hab gesehen, dass Janna etwas sucht. Wollte ihr helfen, aber anscheinend braucht sie meine Hilfe nicht." Er sah Janna verwirrt an und seufzte dann. "Hast du etwa schon wieder deinen Ring verloren? Das passiert dir aber ganz schön oft, Schatz", sagte er zu ihr und man sah ihr die Röte ins Gesicht steigen. "Das Tor ist offen. Du kannst gerne reinkommen", bot Chris mir an, aber irgendwie traute ich mich nicht, also lehnte ich ab. Er schaute etwas enttäuscht und kam deshalb auf mich zu. "Ist alles in Ordnung? Du schaust etwas ... traurig und auch leicht ängstlich." Ich schaute zu Janna, die hinter ihm die Augen verdrehte. "Ja, alles gut. Ich muss jetzt Heim. Tschüss!" Ich lief schnell zurück in die Richtung, aus der ich kam und war auch schon bald wieder Zuhause. Mi fiel ein, dass ich meinen Schlüssel vergessen hatte und klingelte deshalb an der Haustür. Mein Vater öffnete die Tür und sah mich verwirrt und besorgt an. "Da bist du ja endlich! Wo warst du? Und warum riechst du nach Rauch?" 'Verdammt, ich hab vergessen etwas Parfüm mitzunehmen.' "Ich musste an die Luft. Mir fällt sonst die Decke auf den Kopf." "Weinend?" Ich nickte und ging an ihm vorbei, um in die Küche zu gehen. Ich suchte im Kühlschrank etwas zum Essen, obwohl ich keinen Hunger hatte. Ich schnappte mir einen Apfel und nahm ihn in mein Zimmer hoch, wo meine Mutter immer noch auf meinem Bett saß. "Mama? Was machst du noch hier?" "Schatz? Oh endlich bist du wieder da. Es tut mir leid wegen Tobias. Ich hätte nicht so taktlos sein sollen, schließlich liebst du ihn natürlich noch." Ihre Augen sahen verheult aus und auch mir kamen fast die Tränen, als plötzlich das Haustelefon klingelte. Es war eine unbekannte Nummer. "Hallo, ich bin's." Ich erkannte seine Stimme, aber ich wollte nicht seinen Namen sagen. Jedenfalls nicht vor meiner Mum. "Hey, warte gleich." Ich rannte mit dem Telefon runter in die Küche und machte die Tür zu. Ich versicherte mich noch einmal, dass niemand vorbei lief und antwortete dann: "Hallo, Christopher. Woher hast du meine Nummer?" "Ich hab mir mal deine Akte in der Schule angesehen und das stand sie natürlich drinnen. Und nein, ich bin kein Stalker oder so." Ich kicherte kurz. "Ist denn deine Frau nicht da?" "Nein, sie ist noch im Garten. Ich wollte mich für sie entschuldigen, dass sie so unhöflich war. Ich habe keine Ahnung, was sie heute hat. Aber jetzt sag mal, warum hast du so traurig geschaut?" Ich überlegte kurz, denn eigentlich wollte ich Chris nicht mit meinen Problemen vollquatschen, aber das hatte ich ja schon einmal, also fand ich es nicht so schlimm, ihm von der Trennung zu erzählen. Nur die Gründe wollte ich für mich behalten. "Tobi und ich haben uns heute getrennt. Naja und da geht es Einem natürlich nicht so gut." "Oh nein, aber warum?" "Chris, das würde ich gerne für mich behalten. Aber es war ehrlich gesagt zwar ein Grund, um Schluss zu machen, aber der Grund stimmte nicht. Jedenfalls nicht vollständig." "Wenn du darüber reden willst, weißt du ja, wie du mich erreichen kannst. Meine Nummer hast du jetzt ja auch und wo ich wohne, weißt du ja auch." Ich lächelte ins Telefon hinein, weil Chris so unglaublich süß war. "Danke, das weiß ich zu schätzen, Chris. Und die Sache wegen Janna ist egal. Wen du trotzdem mal weißt, was sie gegen mich hat, kannst du es mir gerne sagen." "Aber warum gegen dich?", fragte er erstaunt, "sie ist schon den ganzen Tag so zickig, also liegt es nicht an dir." "Ja egal. Ich muss auflegen, bis dann." "Bye, Christina." Ich legte auf und schaute noch einmal auf die Nummer von ihm, bevor ich die Küche verließ. Ich öffnete die Tür und vor mit stand meine Mutter. 'Sie hat jetzt aber nicht zugehört oder?', fragte ich mich erschrocken. "Mama, was wartest du hier vor der Tür?" "Auf dich! Wer ist Chris? Ist das etwa ein Neuer?" Ich schaute sie böse an, weil sie wusste, dass ich es nicht mochte, wenn sie meine Gespräche belauschte. "Nein Mama! Er ist ein guter Freund, der mir zuhört und hilft! Was hörst du mir überhaupt zu? Du weißt, wie sehr ich das hasse!", schrie ich meine Mama an. Sie schrak zurück und ich rannte mit dem Telefon in mein Zimmer hoch. Dort verkroch ich mich den restlichen Tag und auch um 21 Uhr hatte ich mein Zimmer noch kein Mal verlassen. Stattdessen saß ich am Laptop, hörte Musik und bearbeitete meinen Tumblr-Blog. Tumblr war zur Zeit eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, weil es mich immer beruhigte und ich durch Bilder meine Launen ausdrücken konnte.
Um 22 Uhr schaute ich noch einmal auf die Uhr und beschloss den PC auzuschalten. Ich ging in mein Bad, um mich zu duschen und allgemein für das Bett fertig zu machen und um 23 Uhr war ich komplett fertig. Ich war noch nicht müde, aber dafür hatte ich hunger. Ich wollte gerade mein Zimmer verlassen, da kam mir der Gedanke: 'Nein! Du bleibst oben und legst dich lieber schlafen, anstatt jetzt noch etwas zu essen.' Und so legte ich mich hin und wurde auch immer müder, bis ich endlich einschlief.

Sonntag, Juli 19, 2015

Kapitel #38

Tobias' Sicht:
Ich ging ganz langsam auf meine Eltern zu. Meine Mutter musste die Schritte gehört haben, denn sie hob ihren Kopf und schaute mich mit ihren großen, braunen und verheulten Augen an. "Mama? Dad? Was ist passiert? Und wo ist Julia?" Nach der letzten Frage brach meine Mutter wieder in Tränen aus. Ich setzte mich sofort neben sie und nahm sie in den Arm, damit sie sich auf meiner Schulter ausweinen konnte. Meine Dad gab mir mit seinem Kopf ein Zeichen, dass ich mit ihm gehen sollte. Ich sah auf Mum runter und flüsterte: "Ich gehe kurz mit Dad mit. Leg dich solange hier auf das Kissen und versuch dich zu beruhigen." Sie nickte und legte sich auf der anderen Seite der Couch mit ihrem Kopf hin, wodurch ich meinem Vater ins Nebenzimmer folgen konnte. Ich blickte noch einmal zurück zu meiner Mutter und verschwand dann im Zimmer. "Also, was ist passiert?" "Sohn, wir wollten mit deiner Adoptivschwester zu einem großen Markt fahren. Als wir angekommen sind, war sie noch neben uns, aber nach nicht einmal 5 Minuten war sie plötzlich weg. Wir haben alles abgesucht, aber nichts gefunden. Dann haben wir die Polizei verständigt und die wollten uns nicht helfen, weil sie meinten, dass Julia alt genug sei, um zu wissen, wo sie herumläuft." Ich merkte, wie sauer mein Vater wurde, was natürlich auch verständlich war. "Und dann bekamen wir einen Anruf, wo jemand mit verstellter Stimme zu uns sprach und uns sagte, wo er sich mit Julia befand. Wir fuhren sofort hin, natürlich noch mit der Polizei, denn jetzt hatten sie Beweise. Kurz bevor wir ankamen, hörte man einen lauten Schuss. Deine Mutter schrie und befahl mir noch schneller zu fahren. Wir waren da und fanden..." Mein Vater musste nicht weiterreden, er konnte sowieso nicht, weil auch ihm die Tränen kamen. Trotzdem setzte er noch einmal an und erzählte weiter: "Neben ihr fanden wir einen Zettel, auf dem stand: 'Ich habe die Sirene von Weitem gehört, darum blieb mir nichts anderes übrig'." Mein Vater brach vor meinen Augen zusammen und auch ich fing am ganzen Leib an zu zittern. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mich ein weiteres Mädchen verlassen würde. Sofort musste ich wieder an Christina denken und wie sie mit irgendwelchen Typen unterwegs ist. Wie ferngesteuert lief ich aus dem Zimmer heraus in Richtung Wohnungstür und trat heraus. Ich wusste nicht wohin mit mir. Ich lief einfach irgendwohin und zu meinem Glück fing es auch noch an zu regnen. Ich tätschelte in meiner Jackentasche herum und holte meinen Packung Zigaretten heraus, denn jetzt brauchte ich eine Kippe mehr denn je. Ich qualmte sie viel zu schnell weg - ich war natürlich nervös und angespannt. Am Liebsten hätte ich irgendetwas oder irgendjemanden geschlagen, aber das konnte ich mir nicht leisten, vor allem nicht, nachdem ich schon eine Vorstrafe hatte, auch wegen Körperverletzung. Ich lief einfach weiter und weiter und wollte gar nicht mehr stehen bleiben.

Sichtwechsel: Christina
'Hat er mich wirklich verlassen? Was soll ich ohne ihn tun?' Ich machte mein Bett schön, räumte meinen Schreibtisch auf und versuchte dabei nicht an meinen Ex-Freund zu denken. "Schatz? Hör auf aufzuräumen und setz dich zu mir." Meine Mutter zog mich an meinem Arm, aber ich hatte nicht einmal bemerkt, dass sie mein Zimmer betrat. Ich setzte mich neben sie, aber starrte einfach nur den Laminatboden an. "Schätzchen, du musst mit mir reden. Was ist zwischen euch vorgefallen?" Ich konnte nicht reden. Ich öffnete den Mund, aber es kamen keine Wort raus, kein Ton. Ich spürte ihre Hand über meinen Rücken streichen. Ohne ein Wort zu sagen stand ich einfach auf und ging wieder zum Schreibtisch zurück. Ich spürte den Blick meiner Mutter auf mir, aber ich wollte mich nicht zu ihr umdrehen. "Wenn du nicht mit jemandem redest, wird es auch nicht besser. Oder denkst du, dass es dadurch ungeschehen wird?" "Nein, aber kommt er zu mir zurück, wenn ich mit dir oder jemandem rede?", schrie ich meine Mutter an. Sie erschrak, anscheinend hatte sie nicht mit so einer ausdrucksstarken Antwort gerechnet. Ich schmiss einfach alles auf den Boden und rannte aus meinem Zimmer. Raus aus dem Haus an die Luft. Ich hatte wieder keine Zigarette, aber da kamen rauchende Passanten vorbei, die ich um eine Kippe und Feuer bat. Ich qualmte die Zigarette und weinte dabei. Ich weinte ohne Ende, aber kein Wunder. Ich liebte Tobias!

Mittwoch, Juli 08, 2015

Kapitel #37

"Wieso bist du jetzt so eiskalt zu mir, Tobias?" Man hörte, dass ich den Tränen nah war, aber ich versuchte sie noch zurück zu halten. "Zuerst das mit Lukas und jetzt auch noch mit einem fremden älteren Mann? Ich kann langsam nicht mehr, Christina! Anscheinend bist du ganz schön begehrt." Jetzt konnte ich wirklich nicht mehr. "Du stellst mich gerade als Schlampe dar! Und außerdem steht keiner von ihnen auf mich! Herr Hints Frau hat mich eingeladen und ich wollte höflich sein und hab diese Einladung angenommen. Daran ist doch nichts Falsches!" Ich war traurig, verletzt und wütend. Alles auf einmal. 'Wie kann er mir so etwas unterstellen? Ok, das mit Lukas war wirklich merkwürdig, aber er hat sich ja auch nicht mehr gemeldet. Warum macht er aus so einer Mücke einen so großen Elefanten?' "Tobias, ich liebe dich! Nur dich, und das kann keiner ändern. Ich verstehe mich aber mit Herr Hint und seiner Frau so gut und wenn du sie näher kennen lernen würdest, würdest du mich verstehen." Tobias schaute mich endlich wieder an und auch seine Augen waren glasig. Von dem Moment an war mir Eines klar: Er liebte mich! Am Liebsten wäre ich ihm um den Hals gesprungen und hätte ihn getröstet, aber er machte keinen Anschein, dass er das wollte. "Wir brauchen eine Pause. Du kannst das Ticket für den Ballon behalten und mal schauen, ob wir es benutzen oder nicht." "Nein. Nein, nein nein! Tobias, tue mir das nicht an! Ich liebe dich und ich verspreche dir, dass ich sie nie wieder treffe, wenn du es willst." "Es geht hier nicht darum, was ich will, sondern was du willst und anscheinend willst du die Freundschaft und nicht unsere Beziehung. Es ist das Beste." Ich schüttelte nur den Kopf und weinte los. Mein Herz fühlte sich an, als würde ein Dolch durchgestochen werden. Ich versteckte mein Gesicht in meinen Händen, als ich spürte, wie sich die Matratze hochdrückte. Ich schaute hoch und sah wie Tobias das Zimmer verließ. Ich schmiss mich einfach seitlich auf mein Bett und weinte weiter. Ich versuchte mich zu beruhigen, aber das Weinen entwickelte sich zu einem Heulkrampf.
Nach einiger Zeit hatte ich mich ein wenig beruhigt und versuchte aufzustehen, um runter zu gehen. Ich wollte Tobias nicht gehen lassen, schließlich liebte ich ihn. Ich stolzierte also die Treppen runter und sah gerade noch, wie Tobi mit seiner Reisetasche das Haus verließ. Meine Tränen flossen weiter und dann kamen auch meine Eltern zu mir und drückten mich. "Was ist passiert, Kleines? Wieso ist er gegangen?" Ich wollte ihnen immer noch nichts von Herr Hint erzählen. Sie würden das sicher nicht besser aufnehmen als mein Freund. Oder sollte ich Ex-Freund sagen?
"Wir haben uns gestritten. Ich will noch nicht darüber reden." Sie sagten nichts mehr, sondern drückten mich nur noch stärker an sich. Diese Nähe brauchte ich in dem Moment.
Inzwischen sind 2 Stunden vergangen, in denen ich auf dem Sofa mit herangezogenen Knien saß. Meine Eltern versuchten noch einige Male mit mir darüber zu reden, aber ich wollte es nicht. Ich wollte mir selbst noch nicht einmal eingestehen, dass es mit Tobias wahrscheinlich zu Ende ist. Meine Tränen flossen und das Einzige woran ich denken konnte, war, dass ich einfach bescheuert war. Ich hätte doch nicht die Einladung annehmen sollen. 'Christopher hat alles kaputt gemacht.Wieso musste ich auch damals in ihn rein laufen? Dann würden wir uns wahrscheinlich nicht einmal kennen.' Ich schaute kurz auf die Uhr und sah, dass es inzwischen 17:45 war. Ich wischte mir noch einmal die Tränen weg, stand von der Couch auf und sagte noch: "Ich gehe mal hoch und räume mein Zimmer ein wenig auf."

Sichtwechsel: Tobias
Ich war total verwirrt. Ich wusste nicht einmal, ob ich traurig, verletzt oder wütend war, weil ich zu dem Zeitpunkt alles hätte sein können. Da hatte ich nun mein Reisetasche in der Hand und wusste nicht, wohin ich sollte. Ich schaute kurz auf die Uhr und es war erst 16:10 Uhr. 'Na toll, meine Eltern kommen erst um 18 Uhr am Bahnhof an. Solange muss ich noch herumlaufen und mich langweilen.' Ich zog aus meiner Tasche meine Zigarettenschachtel und ein Feuerzeug und zündete mir eine Kippe an. Ich schmiss meine Sachen einfach auf den Asphalt und setzte mich daneben. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken und das funktionierte am Besten mit einer Zigarette. Ich musste über die letzten Geschehnisse nachdenken. Ich musste meine Gedanken ordnen, denn sie flogen kreuz und quer durch meinen Kopf. Ich wollte Christina zuhören und auch glauben, aber es ging einfach nicht. Zuerst davor das Treffen mit diesem Lukas und dann hat er auch noch angerufen. Und dann auch noch dieser Lehrer, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hatte. 'Geht man einfach so zu einem fremden Menschen nach Hause? Auch wenn es eine Einladung zum Essen war. Ich liebe sie doch, warum tut sie mir das an und lässt mich so viel über andere Männer grübeln?' Wie das schon klang, andere Männer. Das klang so, als würde sie Ältere bevorzugen. Vielleicht tat sie das auch, das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Ich qualmte die Kippe zu Ende, aber blieb dort sitzen. Einige Passanten liefen an mir vorbei und schauten mich natürlich dumm an, aber mir machte das nichts aus. Dann sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Pärchen vorbeilaufen. Der Mann sah wie Herr Hint aus und die Frau an seiner Seite musste seine Frau sein. Aber als ich einmal blinzelte sah der Mann komplett anders aus, also musste ich ihn mir eingebildet haben. 'Er steckt also auch schon in meinen Gedanken fest, na großartig.' Dieses Mal stand ich auf und ging weiter in Richtung meiner Wohnung. Ich kam nach etwa 20 Minuten laufen dort an und zog meine Hausschlüssel aus der Tasche, um einzutreten. Komischerweise lagen neben der Wohnungstür die Schuhe meiner Eltern, aber nicht die meiner Adoptivschwester. Ich sperrte die Tür auf und sah einen großen Koffer im Flur stehen - meine Eltern waren schon da. Ich trat ins Wohnzimmer und fand meine Mutter tränenaufgelöst auf der Couch sitzen und mein Vater saß neben ihr und strich ihr über den Rücken.

Dienstag, Juni 30, 2015

Kapitel #36

Keine 5 Minuten später war ich endlich Zuhause. Ich sperrte die Haustür auf und hörte den Fernseher im Wohnzimmer. Ich begab mich ins Wohnzimmer und sah meine Eltern und meinen Freund auf der großen Couch sitzen. "Hallo, Familie." "Na endlich! Wir haben uns schreckliche Sorgen gemacht. Tut uns leid, dass wir dir keinen Zettel oder so da gelassen haben, aber es sollte ja eine..." "Ja, ich weiß, eine Überraschung. Was ist es denn?" Ich schaute zwischen den drei Leuten hin und her und alle grinsten mich an. Dann kam Tobi auf mich zu, der etwas hinter seinem Rücken versteckte. Er hielt mir seine Wange hin, woraufhin ich ihm einen Kuss gab und schon zeigte er mir eine rote Rose. Ich nahm sie an und dann zeigte er mir seine zweite Hand und da war eine kleine Schachtel. Ich nahm die pinke Schachtel an und setzte mich auf das Sofa. Ich öffnete vorsichtig die Schleife und daraufhin die Schachtel und mir kam ein kleiner Umschlag entgegen. Ich legte die Schachtel neben mich und machte den Umschlag auf. Ich sah nur etwas blaues am oberen Rand einer Karte. Ich nahm sie ganz raus und was drauf stand, war einfach so toll: 'Eine Ballon-Fahrt zu zweit.' Ich konnte es nicht fassen, dass Tobias mir so etwas tolles schenkte. "Ist das dein ernst, Schatz?", fragte ich ihn ungläubig und sah in seinem Gesicht die Freude, dass ich mich über das Geschenk freute. "Ja, wir fliegen mit einem Ballon. In den nächsten Ferien gleich, wenn du willst." Ich nickte wild mit dem Kopf und fiel meinem Freund um den Hals. Ich küsste ihn tausend mal auf die Wange, bis er mich leicht von sich stieß. "Ok Ok, freut mich, dass es dir gefällt." "Ist das ein Witz?! Ich platze gleich vor Begeisterung! Aber weswegen musstet ihr dann so früh weg?" "Weil wir nicht wussten, ob du am Nachmittag Zuhause sein wirst. Ich wollte es unbedingt heute noch besorgen. Tut mir noch mal leid", sagte Tobias mit einem süßen Hundeblick, wegen dem ich hätte dahin schmelzen können.
"Ich störe nur ungern, aber wo warst du? Und hast du überhaupt gegessen?", fragte meine Mama neugierig. Ich wusste, dass sie mich deswegen ausfragen würde, nur wusste ich nicht, ob ich ihnen erzählen sollte wo ich war. 'Ich kann ihnen doch nicht sagen, dass ich bei einem Lehrer von meiner Schule war und ich dort gegessen habe. Was werden sie von mir denken? Und vor allem Tobias?' Ich entschied mich gegen die Wahrheit und antwortete: "Ich war nur bei Sophia. Wir haben ein wenig für die nächste Klausur gelernt und ich hab dort auch was zum Essen bekommen." Meine Mama schaute mich ungläubig an. Wahrscheinlich ahnte sie schon, dass ich sie anlog, aber es ging nicht anders. War für alle Beteiligten das beste, insbesondere für die Beziehung von Tobi und mir. Ich nahm Tobias einfach an die Hand und lief mit ihm in Richtung Treppen. "Wir gehen dann mal hoch." Ich zog ihn mit mir hoch in mein Zimmer und machte die Tür zu. "Du warst nicht bei Franziska!" Nach dem Satz erschrak ich leicht. Ich versuchte so glaubwürdig wie nur möglich zu klingen: "Doch war ich. Wo sollte ich sonst gewesen sein?" "Weiß ich nicht, aber jedenfalls nicht bei ihr, weil ich sie angerufen habe, um nach dir zu fragen. Sie wusste genauso viel wie ich, wo du warst." Ich biss mir leicht auf die Unterlippe; ich war wieder einmal nervös. Ich wusste, dass ich nicht lange stand halten konnte, also platzte es aus mir heraus. "Ich war bei einem Lehrer. Zuhause." Tobias schaute mich einfach nur an und sagte nichts. Ich hasste es, wenn er das tat. "Tobi?" Er bewegte sich nicht und sagte immer noch nichts. "Ich wurde von seiner Frau eingeladen, dass ich dort esse, weil sie mich kennt. Hörst du?" Jetzt nickte Tobias, trat ein Stück zurück und setzte sich auf meine Bettkante. "Warum hast du das nicht sofort gesagt?" "Weil ich mir schon fast gedacht habe, was ihr sagen werdet. Beziehungsweise, was ihr nicht sagen werdet", gab ich leicht beschämt zu. "Außerdem klingt das auch echt komisch, wenn man sagt, dass man bei einem Lehrer Zuhause war, vor allem, wenn man diesen Lehrer nirgends selbst hat." Tobias schaute mich einfach weiterhin an und wir sagten beide kein Wort mehr. Ich wusste nicht, ob ich mich neben ihn setzen sollte oder nicht. Aber eigentlich hatte ich nichts falsch gemacht, also setzte ich mich zu ihm, aber er rutschte ein wenig weg von mir. Das tat weh!