Sonntag, November 30, 2014

Kapitel #25

Da saß ich nun im Bus, neben einem Lehrer. Neben dem Lehrer, bei dem mir aus irgendeinem Grund alles total peinlich war. Ich versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass mich seine Anwesenheit irgendwie nervös machte. "Geht es dir immer noch so schlecht?", fragte mich Herr Hint aus heiterem Himmel. Ich schüttelte nur den Kopf, weil ich kein Wort heraus brachte. "Wo musst du denn aussteigen?" Wieder konnte ich nichts sagen, darum herrschte diese schreckliche Stille zwischen uns. "Willst du nicht mit mir reden? Soll ich doch weggehen?", fragte er noch einmal. Ich versuchte etwas zu sagen, aber es kamen einfach keine Töne aus mir raus. Herr Hint stand deshalb auf und wollte sich umsetzen, aber ich hielt ihn einfach am Arm fest und sah ihn mit einem flehenden Blick an. "Christina, was ist denn los? Ich soll nicht neben dir sitzen bleiben, aber mich auch nicht umsetzen? Rede mit mir", bat er mich und sah mich mit dem gleichen Blick an, wie ich es tat. Ich zog ihn am Arm zurück auf den Sitz und flüsterte leise und leicht beschämt: "Ich möchte nicht, dass sie sich umsetzen. Es ist nur wirklich sehr komisch privat mit einem Lehrer zu reden. Finden Sie es nicht komisch mit einer Schülerin zu reden?" Ich ließ seinen Arm wieder los und wartete auf eine Antwort, aber anscheinend hatte er keine parat. Ich setzte mich wieder normal hin und schaute aus dem Fenster.
Man sah, wie sich draußen dunkle Wolken auftürmten und auch der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Es schüttete wie aus Eimern, was mir immer wieder Angst machte. Ich hasste Stürme und Gewitter, aber das war immer wieder aufs Neue peinlich, wenn ich bei einem Donner zusammenzuckte. Ich versuchte mich abzulenken und zum Glück unterhielt sich dann der Lehrer wieder mit mir. "Hör mal, ich finde es nicht so schlimm mit einer Schülerin privat zu reden. Und ich würde mir von dir wünschen, dass du mich privat nicht als Lehrer siehst. Deshalb, bitte nenne mich außerhalb der Schule Christopher." Ich riss nach diesem Satz die Augen auf und ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren wollte. Plötzlich donnerte es ganz laut und erschrak stark, was sich durch mein Schreien und Zucken zeigte. Herr Hint sah mich besorgt an, was mir nicht gefiel, denn dieser Blick ließ mich erneut nervöser werden. "Sie haben mich doch gefragt, wann..." "Können wir uns nicht duzen?", fragte er mich mit einem hoffnungsvollen Blick. "Ok. Also, Chris... Christopher. Wegen dem Aussteigen, ich muss bei der vorletzten Haltestelle aussteigen. Und du?" Es fiel mir hörbar schwer seinen Vornamen auszusprechen und ihn mit 'du' anzusprechen. Er lächelte leicht, als er meine Schwierigkeit bemerkte nickte einfach. "Da muss ich auch aussteigen. Ich muss mich dann aber ziemlich beeilen, denn meine Frau wartet auf mich Zuhause." Erst nachdem er diesen Satz aussprach, bemerkte ich den Ehering an seiner linken Hand. Irgendwie wurde mir bei dem Anblick ganz anders und darum nickte ich einfach nur und drehte mich wieder Richtung Fenster.
Die nächsten 5 Minuten herrschte wieder völlige Stille zwischen Christopher und mir, was mir aber nicht sonderlich viel ausmachte. Dann kam endlich die Durchsage, dass die nächste meine Haltestelle war und darum machte ich Anzeichen, dass ich aufstehen wollte und schmiss meine Tasche auf meine Schulter. Christopher stand auf und lief zur hintersten Tür. Ich ging ihm hinterher und wartete, dass der Bus endlich stehen bleiben würde. Währenddessen suchte ich nach meinem Schirm und noch bevor ich ihn finden konnte, sagte Christopher zu mir: "Falls du nach einem Schirm suchst, kannst du es gleich lassen. Bei dem Wind nützt er dir gar nichts." "Und wie soll ich Ihrer Meinung nach nach Hause laufen? Ich hab nicht mal eine Kapuze an meiner Jeansjacke", meckerte ich ihn gereizt an. Er schreckte leicht zurück und endlich hielt der Bus. "Tschüss, Christina. Bis morgen!", rief er mir noch zu während er über die Straße lief, die ich ebenfalls überqueren musste. Ich ließ mir aber Zeit, um meinen Weg nicht mit ihm teilen zu müssen.
Nach etwa weiteren 5 Minuten war ich endlich daheim und ich schmiss einfach meine Tasche in die Ecke unserer Garderobe, um dann ins Badezimmer zu gehen und mir ein Handtuch zu schnappen, mit dem ich meine Haare trocknen konnte. Niemand schien Zuhause zu sein, also nahm ich meine Tasche, kramte mein Handy raus und ging ins Wohnzimmer, wo ich mich auf die Couch schmiss. Ich sah einige ungelesene Nachrichten, auf die ich nach der Reihe antwortete. Auch meine beiden Elternteile schrieben mir eine Nachricht, in der sie mich fragten, ob sie nach Hause kommen sollten, um sich um mich zu kümmern. Ich lehnte dankend ab und machte danach Musik auf meinen iPhone an. Ich schloss für kurze Zeit meine Augen und bemerkte dann, dass ich eingeschlafen sein musste, denn ich träumte von der Busfahrt und sie hätte verlaufen können, wenn ich nicht so Angst davor gehabt hätte, mit Herr Hint zu reden.

Freitag, November 28, 2014

Kapitel #24

Die nächste Doppelstunde über saß ich neben meinem Freund. Das war aber etwas dumm, denn wir konnte beide das Thema in Mathe nicht, also konnten wir zusammen gar nichts und mussten versuchen dem Lehrer so gut wie möglich zuzuhören. Zum Glück gingen diese zwei Stunden relativ schnell vorbei und schon war es wieder Zeit für eine Pause. Tobi und ich verließen gerade zusammen das Klassenzimmer, als mir der Lehrer hinterher rief: "Warten Sie, Frau Kohl! Ich muss kurz mit ihnen reden." Ich drehte mich zu ihm um, ließ Tobias Hand los und ging zurück ins Klassenzimmer. Der Lehrer kam mir entgegen und machte hinter uns die Tür zu. Ich fand das leicht seltsam und deshalb blieb ich einfach da stehen, wo ich gerade stand. "Setzen Sie sich." "Nein, danke", sagte ich und machte eine ablehnende Handbewegung. Er lehnte sich an den Tisch und schaute mich ernst an. "Ich mache mir Sorgen um Sie. Man hat mir gesagt, dass sie eine ausgezeichnete Schülerin wären, aber davon merke ich seit wenigen Wochen nichts mehr. Können Sie mir das mal erklären?" Er verschränkte seine Arme vor seiner Brust und sein Blick durchbohrte mich beinahe. Ich traute mich nicht mehr ihn anzuschauen, also starrte ich den Boden an. "Frau Kohl?" "Ja, ich weiß auch, dass meine Noten bisher miserabel sind, beziehungsweise ich mich nicht im Unterricht einbringe, wie sonst auch immer, aber zur Zeit geht es mir nicht so gut", sagte ich ehrlich zu ihm. "Kann ich dir helfen? Willst du reden?", bot er mir an. "Nein, danke, aber Sie sind nicht mein Vertrauenslehrer." Für kurze Zeit sagte keiner etwas, aber ich brach dann das Schweigen: "Kann ich jetzt gehen? War's das?" Ich sah mich genervt an, aber nickte dann und gab mir das Zeichen, dass ich gehen konnte. Sofort drehte ich mich um lief raus, wo Tobi auf mich wartete. "Was wollte er?" Ich gab ihm keine Antwort, sondern lief einfach an ihm vorbei runter in die Pausenhalle. Ich hörte noch, wie er mir paar Male hinterher rief, aber ich fühlte mich nicht so gut, deshalb lief ich ins Sekretariat und wollte mich befreien lassen. Tobias kam mir hinterher und schaute mir zu, wie ich der Sekretärin erklärte, was meine Beschwerden waren und sie dann meinen Vater auf der Arbeit anrief. "Was hast du denn, Süße?", fragte mein Freund mich. Ich drehte mich um und ich wusste genau, dass ich ihn leidend ansah. Er kam auf mich zu und nach mich in den Arm. Als die Sekretärin fertig mit telefonieren war, sah sie uns an und fragte Tobias: "Kann ich etwas für dich tun, mein Junge?" Tobias zog sich aus der Umarmung und machte einen Schritt zurück. Ohne ein Wort zusagen oder eine Kopfbewegung verließ er das Zimmer und stellte sich vor die Tür. Ich klärte noch den Papierkram mit der Sekretärin und verließ dann ebenfalls den Raum. Tobias begleitete mich stumm zur Bushaltestelle und wartete dann noch mit mir zusammen.
Diese Stille war erdrückend, aber ich war froh, dass er nicht mehr nachfragte. Nach 5 Minuten es Wartens kam endlich mein Bus. Tobias kam zu mir, gab mir einen Kuss und sagte: "Tschüss, ruf mich an, wenn du mal reden willst. Ich mach mir Sorgen." Ich nickte nur und stieg dann in den Bus ein.
Ich lief ganz nach hinten und packte im Laufen mein Handy und meine Kopfhörer raus, als mich ein Mann von der Seite ansprach: "Christina?" Ich sah hoch erschrocken hoch und blickte in Herr Hints Gesicht. Er lächelte mich an, aber ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Als er bemerkte, dass mir das Zusammentreffen unangenehm war, verließ ihn sein Lächeln und er lehnte sich in den Sitz zurück ohne den Blick von mir zu wenden. "Tut mir leid, falls ich dich erschrocken oder überrumpelt habe. Willst du dich zu mir setzen?" Jetzt begann auch ich ein wenig zu lächeln, nickte mit dem Kopf und setzte mich ihm gegenüber. "Haben Sie keinen Unterricht, Herr Hint?", fragte ich ihn neugierig. "Nein, bin für heute fertig. Und du?" Ich schüttelte den Kopf und sagte: "Es geht mir nicht so gut und darum hab ich mich befreien lassen." Er schaute leicht besorgt, aber ich fügte noch hinzu: "Ist nichts schlimmes. Nur Kopfweh und dann kann ich mich nicht mehr konzentrieren und so." Sein besorgter Blick verschwand wieder und nun lächelte er mich an. "Bis wohin musst du fahren?" "Ich muss beim Busbahnhof umsteigen. Und Sie? Falls ich das überhaupt fragen darf?" "Ja, darfst und ich muss auch umsteigen in einen anderen Bus." Ich nickte nur und schenkte ihm ein kurzes Lächeln. Bis zum Bahnhof redeten wir nichts mehr. Dann stiegen wir aus und ich ihm Laufen wollte ich mich bei ihm verabschieden, als ich merkte, dass er zum gleichen Bus lief. Ich schaute ihn leicht verstört an und das bemerkte er dann auch. "Müssen Sie auch zu dem Bus?", fragte ich Herr Hint und zeigte dabei auf meinen Bus, der vor uns stand. "Ja, anscheinend." Mir war das sehr unangenehm und deshalb versuchte ich unbemerkt schneller zum Bus zu laufen. Ich stieg in den Bus ein und sah, dass er vor dem Bus stehen blieb. Ich sah zu ihm rüber und auch er zu mir. Er schüttelte den Kopf und machte einen Schritt zurück. "War es doof, dass ich mir hab anmerken lassen, dass ich nicht wollte, dass er mitfährt?", fragte ich mich in Gedanken. Immer noch sah er zu mir hoch und mich überkam das schlechte Gewissen, weswegen ich ihm ein Handzeichen gab, dass er einsteigen sollte. Sofort fing er an zu lächeln und stieg in den Bus ein. Er setzte sich neben mich und fragte nochmal: "Ist das in Ordnung oder soll ich mich woanders hinsetzen?" "Schon ok." War es das wirklich?

Sonntag, November 23, 2014

Kapitel #23

Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von etwas, das mich im Gesicht kitzelte. Ich machte vorsichtig meine Augen auf und hatte mich total erschrocken, als ich einen Hinterkopf vor meinem Gesicht entdeckte. Ich wollte gerade los schreien, als mir einfiel, dass mein Freund ja bei uns schlief. Ich versuchte mich vorsichtig auf den Rücken zu drehen, um ihn nicht zu wecken, was mir nicht sonderlich gut gelang. "Guten Morgen, Prinzessin", hörte ich Tobias sagen. Man hörte aus dem Satz, dass er lächelte. Auch ich musste lächeln und brachte ein fröhliches "Guten Morgen" raus. Jetzt, nachdem ich wusste, dass Tobi wach war, konnte ich mich - ohne jegliche Rücksicht auf ihn - umdrehen und auf mein Handy schauen, wie viel Uhr wir hatten. Ich drückte den Knopf und es leuchtete mein Bildschirm mit meinem Hintergrund und der Uhrzeit auf. Es war 6:30 Uhr, aber ich dachte nicht einmal daran mich wieder umzudrehen, sondern starrte lieber meinen Sperrhintergrund an. Auf dem Bild waren Tobi und ich von hinten zu sehen, wie wir Hand in Hand durch den Wald liefen. Das Foto hatte Julia damals von uns gemacht. "Prinzessin, alles okey?", kam es plötzlich von hinten. Ich zuckte zusammen, aber drehte mich dann zu ihm um, nachdem ich merkte, dass es ja nur Tobias war. Inzwischen hatte er auch sich zu mir umgedreht und schaute mir direkt in die Augen. Ich nickte lächelnd und küsste leicht seine Lippen. "Was machst du eigentlich in meinem Bett, Schatz?", fragte ich ihn. Schließlich hatte er seinen Schlafplatz unten im kleinen Gästezimmer. Meine Eltern wären ausgerastet, wenn sie gewusst hätten, dass er in meinem Bett schlief. "Oder anders, seit wann liegst du denn schon in meinem Bett?", stellte ich meine Frage um. Er lächelte, aber ich behielt meine ernste Miene. "Schatz, keine Angst, sie haben nichts..." Noch bevor er seinen Satz zu Ende bringen konnte, unterbrach ich ihn: "Tobias, wie und wann bist du hergekommen?" Dieses Mal klang auch meine Stimme ernster, schließlich machte ich mir Sorgen, nicht dass meine Eltern doch noch was mitbekommen. "Beruhige dich, Prinzessin. Ich bin so gegen 4 Uhr hereingekommen, weil ich so allein in dem kleinen Zimmerchen war", sagte er mit seiner süßesten Stimme. Dabei kam er meinem Gesicht näher und küsste mich noch einmal. Ich lächelte noch während des Kusses, aber beendete ihn dann wieder.
Er streckte seinen Arm aus, woraufhin ich meinen Kopf auf ihn ablegte und so lagen wir dann noch, bis mein Wecker um 7 Uhr klingelte. Tobias gab nur ein genervtes Stöhnen von sich und zog seinen Arm zu sich, nachdem ich mich aufsetzte, um den Wecker abzustellen. Wir standen beide gemeinsam vom Bett auf und gingen zusammen ins Bad, als es mir wieder einfiel. "Schatz, du musst runter ins Bad gehen. Nicht dass sie doch plötzlich rauskommen und dich dann hier sehen." "Achso, darf ich jetzt nicht einmal meiner Freundin einen guten Morgen wünschen?", fragte er sarkastisch. "Im Bad? Wirklich Tobi?" Wir beide lachten, aber wohl etwas zu laut, denn plötzlich öffnete sich tatsächlich die Schlafzimmertür und man hörte die Schritte kaum, also musste es meine Mutter sein, was sich dann zum Glück bestätigte. "Guten Morgen, ihr zwei. Habt ihr eine Stunde später Schule?" Wir beide nickten und meine Mama lächelte nur und zog dann die Badezimmertür hinter sich zu.
Mein Freund und ich wuschen unser Gesicht, putzten unsere Zähne und anschließend ging jeder auf 'sein', um sich umzuziehen. Etwa 10 Minuten später trafen wir uns zu dritt unten in der Küchen und aßen Müsli zum Frühstück mit Milch und Erdbeeren. Wir ließen uns Zeit und machten ein wenig Quatsch am Tisch. Nach 15 Minuten waren wir auch damit fertig und wieder ging jeder in sein Zimmer und sein Bad, um sich fertig zu machen. Ich hörte währenddessen noch ein wenig 'Sunrise Avenue' und nach 20 Minuten war ich dann endlich komplett fertig. Ich packte noch schnell meine Tasche, stopfte Essen und etwas zu Trinken rein und lief dann Richtung Haustür, wo Tobi schon seine Schuhe anzog. Als er mich sah, band er sich den Schuh schnell und lief auf mich zu. Er umarmte mich von hinten und zusammen sahen wir in den Spiegel. Ich sah ein glückliches Paar, das lächelte. "Sind wir nicht süß, Prinzessin?", flüsterte er mir ins Ohr, was mir eine Gänsehaut bescherte. Ich nickte nur zufrieden und drehte mich dann um, um Tobias einen Kuss auf die Backe zu drücken. Ich schnappte mir meine schwarzen Vans und anschließend meine Tasche. "Tschüss, wir gehen!", schrie ich noch ins Wohnzimmer. Es kam keine Antwort mehr zurück, also verließen wir einfach das Haus und zogen die Tür hinter uns zu.
Hand in Hand liefen wir zum Bahnhof, wo wir Tamara, Sophia und Franzi trafen. Wir unterhielten uns über den dummen Tag, den wir vor uns hatten, auch noch mit Nachmittagsunterricht. Als wir in der Schule ankamen, war es schon 8:40 Uhr, also hatte die Stunde gerade angefangen, aber unser Zug hatte Verspätung. Sophia, Tamara, Tobi und ich kamen bei unserem Zimmer an und entschuldigten uns für die Verspätung. Wir verfolgten den Unterricht und um 9:25 Uhr war dann auch schon wieder Pause. Ich wunderte mich zunächst, warum Julia nicht im Unterricht war, aber dann fiel mir ein, dass sie und ihre Pflegeeltern ja einen Ausflug machten, bei dem Tobias nicht mit wollte. Ich suchte in der Pause Tobi, denn ich wollte ja noch wissen, warum er nicht mitwollte. "Habt ihr Tobi gesehen?", fragte ich einige seiner Kumpels. Sie verneinten alle meine Frage, also bedankte ich mich freundlich und lief weiter durch das Schulhaus. Irgendwann gab ich es auf und ging raus, um dort weiter zu suchen. Da stand er dann, mit anderen Kumpels außerhalb des Schulgeländes und rauchte eine. Ich überlegte, ob ich mich zu ihm gesellen sollte, aber entschied mich dann dagegen. Doch gerade, als ich mich umdrehen wollte, hörte ich Tobias rufen: "Prinzessin, komm doch her!" Ich setzte mich in Bewegung und lief auf die kleine Gruppe von Rauchern zu. Mein Freund streckte seinen Arm so aus, dass ich rein laufen konnte und wir so nebeneinander standen. Er gab mir einen Kuss auf den Kopf und drückte mich eng an sich. "Kann ich auch mal?", fragte ich einen seiner Kumpels. Er hieß Gabriel. Er wollte mir eine ganze Zigarette anbieten, aber ich schüttelte nur den Kopf und sagte: "Nur einmal ziehen." Er wollte Kippe nicht mehr zurück tun, also nahm ich sie anschließend doch an und zündete sie an. Dieses Mal musste ich ziemlich husten, aber das legte sich dann zum Glück wieder. Wir zogen genüsslich an unseren Zigaretten und als wir dann fertig mit rauchen waren, gingen Tobi und ich zusammen - Arm in Arm - rein. Dann gongte es auch schon und dann fiel mit ein, dass ich ihn ja noch etwas fragen wollte. Jetzt war es leider zu spät.

Donnerstag, November 20, 2014

Kapitel #22

Inzwischen waren wir so gut in unserem Gespräch, dass wir nicht mehr aufhören konnten zu reden. Lukas erzählte noch ein wenig über die Zeit im Heim und irgendwann schaute ich aus dem Fenster und bemerkte, dass es langsam dämmerte. "Shit! Es ist ja schon fast dunkel. Krass, wie schnell die Zeit vergeht", sagte ich zu ihm. Auch er schaute kurz aus dem Fenster un drehte sich dann mit einem enttäuschten Blick zurück zu mir. "Soll ich dich zum Bus bringen? Ist ja nicht weit, also mir würde..." "Klar, gerne", unterbrach ich ihn schnell. Wir standen auf und liefen zur Haustür, wo wir unsere Sneakers anzogen. Ich schnappte mir noch meine Tasche und schon verließen wir die Wohnung.
Auf dem Weg zum Busbahnhof sagte keiner ein Wort. "Vielleicht hätte ich ihn nicht beim Erzählen stören sollen", kam es mir in den Sinn. Ich schielte zur Seite, um Lukas anzuschauen und sah ihn, wie er auf den Bordstein starrte. Er sah nicht glücklich aus. Aber ich musste einfach nach Hause, schließlich hatte ich am nächsten Tag Schule, auch wenn ich keine erste Stunde hatte. "Lukas, ist alles in Ordnung?", fragte ich ihn vorsichtig. Er lief einfach geradeaus weiter, aber schaute mich nicht an, sondern nur weiterhin den Boden. "Lukas?", fragte ich noch einmal. Diesmal drehte er seinen Kopf in meine Richtung, aber hatte einen ziemlich zerbrechlichen Blick im Gesicht. "Was ist los?" "Naja, es war so schön heute mit dir und ich finde es schade, dass es so plötzlich enden muss", gab er mir als Antwort. "Ja, fand ich auch. Aber ich muss nun einmal morgen in die Schule und ich hab noch gar nichts gelernt. Tut mir echt leid, Lukas. Aber wir können es jederzeit wiederholen!", machte ich ihm klar. Langsam verschwand dieser traurige Blick und man sah ein leichtes Zucken seiner Oberlippe. "Ja, wirklich gerne. Ich weiß nicht, wie du Schule hast, darum würde ich sagen, dass du einfach schreibst, wenn du grad Lust hast." Ich lächelte ihn zufrieden an.
Inzwischen waren wir am Bahnhof angekommen und mein Bus stand auch schon da. Wir stellten uns neben den Bus vor die Tür und sahen uns noch einmal an. "Tschüss, Chrissi. Würde mich echt freuen, wenn du dich melden würdest." "Das mache ich, versprochen", versicherte ich ihn. Wir umarmten uns noch und ich muss sagen, dass diese Umarmung echt gut tat. Ich war zufrieden mit dem Tag und genau mit diesem Gefühl stieg ich in den Bus ein. Ich steckte mir noch die Kopfhörer in die Ohren, schließlich kann ich nicht ohne Bus fahren, und hörte wieder einmal meine Lieblingsmusik von meiner Lieblingsband. Gerade wollte ich mein Handy in meine Jackentasche stecken, da bekam ich eine Nachricht. Von Lukas. 'War wirklich ein schöner Tag. Vermisse jetzt schon dein Lachen ♥' Diese Nachricht brachte mich zum Lächeln, aber dann fiel mir ein, dass Tobi gar nichts vom Treffen mit Lukas wusste. Ich wusste auch nicht, ob ich es ihm sagen sollte, denn wie sollte er schon rauskriegen, dass ich mich mit einem Jungen getroffen hatte. Ich kannte ich mich aber zu gut, weshalb ich mich dazu entschied, dass ich keine Geheimnisse vor ihm haben wollte.
Nach 15 Minuten Busfahrt war ich bei mir angekommen, stieg aus dem Bus aus und lief nach Hause. Ich ließ mir Zeit, denn es war noch nicht dunkel, also hatte ich noch Zeit. Auf dem Weg zum Haus holte ich meine Schlüssel raus und steckte meine Kopfhörer aus meinem iPhone raus. Ich sperrte unsere Haustür auf, schloss die Tür wieder hinter mir und zog meine Schuhe auf dem Flur aus. Ich hörte den Fernseher im Wohnzimmer und wusste, dass meine Eltern dort saßen. Als ich aber im Wohnzimmer ankam, saß nur meine Mum dort. "Hallo. Wo ist Papa?" "Oh, hallo Spatz. Er muss heute etwas länger arbeiten." "Ok, sagte ich nur. Ich wollte mich gerade auf dem Weg nach oben machen, als mich meine Mutter verbal aufhielt. "Warte. Bevor du hoch gehst, solltest du wissen, dass dein Freund oben ist und auf dich wartet." "Was?!", fragte ich geschockt. "Seit wann? Hast du ihm gesagt, wo ich war, Mama?" Sie schüttelte zum Glück den Kopf und antwortete: "Vielleicht seit 10 Minuten oder so." Ich nickte, drehte mich um Richtung Treppe und stolzierte diese nach oben. Ich atmete kurz ein und aus und drückte dann den Türgriff nach unten. Die Tür öffnete sich und ich sah Tobias auf meinem Bett liegen. Sofort hob er seinen Kopf und setzte sich auf, als er bemerkte, dass ich zur Tür herein kam. "Hallo Schatz." "Hey, Tobias", gab ich vorsichtig und leise zurück. Mein Freund stand auf und kam auf mich - mit offenen Armen - zu. Ich ging ebenfalls auf ihn zu und ließ mich von ihm in die Arm schließen. "Wo warst du denn noch? Es ist fast dunkel", fragte er mich besorgt. Er drückte mich leicht von sich und nahm sich eine Haarsträhne von mir, die mir im Gesicht hing und steckte sie hinter mein Ohr. Er sah mich noch dazu besorgt an und da war ich mich sicher, dass er nicht böse sein würde. "Ich war mit einem Freund draußen", sagte ich nun nicht mehr so nervös. Sein Gesichtszug änderte sich nicht. Dafür machte er aber einen Schritt zurück. "Mit einem anderen Jungen?", fragte er mich. Ich nickte und versuchte dabei zu lächeln. Er sagte nichts und hatte auch immer noch diesen Blick, inzwischen seit fast 5 Minuten. "Tobi? Was ist denn? Bist du mir..." "Böse?", unterbrach er mich, "nein, ich bin nicht böse. Ich habe mir nur Sorgen gemacht. Kenne ich ihn denn?" Ich schüttelte den Kopf und obwohl es die Wahrheit war, wurde ich wieder nervöser. Schließlich sah ich dann doch ein kleines Lächeln auf seinen Lippen und meine Anspannung löste sich endlich etwas. Er kam mir wieder einen Schritt näher und küsste mich. Irgendwie spürte ich seine Sorge beim Kuss und löste mich deshalb aus ihm und nahm Tobias in den Arm. "Stört es dich, dass ich mit ihm weg war?" Ich hörte nur ein leises 'nein' und ein weiterer Stein fiel mir vom Herzen. "Stört es dich, wenn ich mich noch einmal mit ihm treffen würde?", fragte ich wieder etwas vorsichtiger. Diesmal war es Tobias, der sich aus der Umarmung löste und mich dann mit einem zufriedenen und liebenden Blick ansah. Er schüttelte den Kopf und lächelte mich an. "Aber sag mal, woher kennst du ihn denn? Wer auch immer er ist", stellte er als Frage in den Raum. "Naja, er ist der Bruder vom Freund meiner Cousine und so haben wir uns kennengelernt. Keine Angst, er könnte dir niemals das Wasser reichen", kam es aus meinem Mund, während ich meine Arme um seinen Nacken schlang. Dabei fing er an zu lächeln und entgegnete: "Das weiß ich doch. Schließlich bin das ich." Daraufhin lachten wir beide und küssten uns noch einmal.
Plötzlich hörte ich hinter mir, wie sich die Tür öffnete. Ich drehte mich schnell um und sah meine Mama im Türrahmen stehen. "Tobias, willst du zum Abendessen hier bleiben?" Ich sah zu Tobi, der mit Freude nickte. "Ok, dann kommt mal runter", bat uns meine Mutter. Ich gingen Hand in Hand aus meinem Zimmer, die Treppen runter in die Küche. Meine Mama deckte noch den Tisch und wir setzten uns schon einmal hin. "Tobias, ich hab vorhin schon mit deiner Mutter geredet. Sie hat mich gebeten dich zu fragen, ob du nicht bei uns schlafen willst. Sie sagte, dass sie ab morgen bis Freitag wegfahren mit Julia. Warum du nicht?", fragte meine Mama meinen Freund. Er nahm sich eine Scheibe Brot und legte sie ruhig auf seinen Teller. Ich trat ihn leicht mit meinem Fuß ins Schienbein und funkelte ihn böse, als er mich so ansah, als hätte ich ihn gestört. "Nun ja, sie wollen mit Julia einen kleinen Ausflug machen und haben sie deshalb extra von der Schule befreit. Ich hatte keine Lust drauf." Meine Mama nickte und fragte noch einmal: "Willst du dann hier schlafen? Also im Gästezimmer natürlich." Tobias nickte, aber er wirkte nicht wirklich glücklich. Ich fragte mich, was das wohl zu bedeuten hatte.
Als wir fertig gegessen hatten, räumten wir noch den Tisch ab, gingen ins Badezimmer, um die Zähne zu putzen und dann in mein Zimmer, um uns umzuziehen. Also ich jedenfalls. Er hatte keine Sachen und genau in dem Moment klingelte es an der Haustür. Ich sah aus meinem Fenster und sah das Auto von seinem Vater in der Einfahrt stehen. Seine Mutter stieg aus und gab meiner Mutter einen Koffer. Wahrscheinlich Tobis Schlafsachen. Ich hörte, wie sich hinter mir wieder einmal die Tür öffnete, aber dieses Mal kam niemand rein, sondern mein Freund verließ mein Zimmer. Währenddessen nutzte ich die Zeit, um mir schnell meinen Schlafanzug anzuziehen und meine Haare hoch zu machen. Nach circa 10 Minuten kam er wieder hoch und stellte seinen Koffer in meinem Zimmer ab. "Falsch! Ich zeig dir mal das Gästezimmer", schlug ich ihm vor. Er nickte nur und schnappte sich seinen Koffer wieder, um mir die Treppen runter zu folgen. Ich führte ihn in einen Raum, in den man nur kam, wenn man durch das Wohnzimmer auf die andere Seite liefen. Das Zimmer war nicht sonderlich groß, aber er brauchte schließlich nur ein Bett und seinen Koffer hatte er ja bei sich. "Hier ist es." "Das Bett ist ziemlich groß", bemerkte Tobi. "Ja, falls ein Ehepaar hier schlafen müsste." Er nickte nur, stellte seinen Koffer ab und sah mich dankend an. Ich ging auf ihn zu, küsste ihn und ehe ich mich versah, packte er mich an der Hüfte und zog mich auf seinen Schoß, während er sich auf die Bettkante setzte. Ich quietschte kurz, aber fing dann an zu lachen. Auch er lachte mit, aber bemerkte nicht, dass ich ausholte und schlug ihn leicht mit der Faust gegen den Arm. Nun schaute er mich gespielt traurig an und schubste mich von seinem Schoß. Ich lachte wieder und kam seinem Gesicht nochmal näher, um ihn ein letztes Mal für den Abend zu küssen. Er erwiderte den Kuss und dann löste ich mich wieder von ihm. "Gute Nacht, Schatz", sagte ich nah an seinem Gesicht. "Gute Nacht, Prinzessin", gab er zurück und küsste mich noch einmal kurz. Anschließend lief ich in Küche, sagte auch zu meiner Mutter 'gute Nacht' und lief die Treppen hoch in mein Zimmer, wo ich mich in mein Bett schmiss und in meine warme Decke kuschelte. Das Einschlafen ging zum Glück ziemlich schnell.

Freitag, November 14, 2014

Kapitel #21

Wir liefen ein wenig durch die Stadt und unterhielten uns über Gott und die Welt. Ich war echt froh, dass wir immer etwas hatten, worüber wir reden konnten, denn mir passierte es ziemlich schnell, dass mir die Themen ausgingen und dann gab es nun einmal diese schreckliche Stille. "Liest du eigentlich gerne?", wurde ich von Lukas gefragt. "Ja, aber ich lese nicht alles. Das Buch muss mich auf den ersten 10 Seiten fesseln, sonst schmeiße ich es in die nächste Ecke", gab ich ihm als Antwort und wir fingen an zu lachen. Ich stellte ihm die Frage ebenfalls und auch er bejahte sie, aber es gab den Unterschied, dass er so gut wie alles las, abgesehen von Biografien oder so etwas. "Ja, solche Bücher finde ich meist auch langweilig, es sei denn es ist eine über eine Person, die ich sehr mag und über die ich wirklich alles wissen will. Kommt aber eigentlich nie vor" und wieder mussten wir lachen. Wir merkten schon, dass uns die Leute, die ebenfalls durch die Stadt liefen, dumm anschauten, aber wir machten uns nichts draus und lachten ungestört weiter. Das fiel mir eine Frage ein, die ich ihm zum dem Zeitpunkt noch gar nicht gestellt hatte: "Sag mal, Lukas. Hat meine Cousine dir einfach so meine Nummer gegeben oder wie war das?" Er hörte ebenfalls auf zu lachen und schaute verlegen auf den Boden. Er gab zunächst keine Antwort, sondern so wie es aussah war ihm etwas sehr peinlich und deshalb blieb ich stehen und hielt ihn am Arm fest. "Lukas? Hast du nach meiner Nummer gefragt?" Ich schaute nicht aus, sondern nickte einfach und starrte die Straße weiterhin an. Ich atmete laut aus, aber nicht weil ich das doof fand, sondern weil es ihm so peinlich war, was es nicht hätte sein müssen. "Lukas, du bist echt süß! Glaubst du etwa, ich würde dich jetzt schlagen oder was? Es macht mir nichts aus, es freut mich eher, wenn ich von jemanden gemocht werde." Endlich schaute er mich an und grinste dabei. Das Grinsen sah ziemlich gruselig aus, weswegen ich wieder anfangen musste zu lachen.
Wir setzten uns nach diesem ersten Gespräch wieder in Bewegung und liefen weiter durch die Gassen. Wir wussten nicht, wo wir hin sollten, denn auf shoppen hatte ich keine Lust und mein Begleiter zum Glück auch nicht. Darum machte ich den Vorschlag, dass wir wieder zum Bahnhof laufen und uns dort irgendwo hinsetzen. Er stimmte wieder einmal sofort zu und dann machten wir uns auf dem Weg. Und da war sie plötzlich wieder: diese furchbare Stille. Ich hatte keine Ahnung, über was ich noch mit ihm reden sollten, darum war ich umso froher, als er ein Thema öffnete: "Hast du meinen Bruder so eigentlich schon kennengelernt?" "Ja, habe ich", antwortete ich. "Ich finde ihn auch echt nett, nur stört es mich ein wenig, wie er manchmal mit meiner Cousine redet." Lukas schaute mich zunächst verwirrt an, aber dann verstand er, was ich meinte. "Du meinst, weil er sich ziemlich schnell aufregt und so? Und dann auch oft etwas laut wird, wenn ihm etwas nicht passt?" Ich nickte und legte einen besorgten Blick auf. "Du musst dir keine Gedanken machen", versuchte er mich aufzumuntern, "er wird eigentlich nie handgreiflich. Die beiden sind ja schon eine Weile zusammen und er hat sie bestimmt noch nie geschlagen oder so etwas. Er ist leider nun einmal schon immer so gewesen. Eigentlich ist er ein ruhiger Kerl, aber wenn ihm etwas nicht passt, sagt er das laut und deutlich. Nimm ihm das bitte nicht übel." "Bist du denn auch so einer dann, wenn es dein Bruder ist?", fragte ich ihn vorsichtig, wodurch ich zum Ausdruck brachte, dass ich deswegen wiederum besorgt war. Er schüttelte heftig den Kopf und lächelte mich zaghaft an. "Nein, er hat das von unserem Vater, ich gehe mehr nach unserer Mutter, die immer sehr ruhig war, aber sich dadurch auch leider nie richtig durchsetzen konnte." Ich nickte nach der Antwort und spürte wie mir Millionen Steine vom Herzen fielen.
Nach 15 Minuten laufen kamen wir wieder am Bahnhof an und dann machte mir Lukas einen Vorschlag: "Wenn du Lust hast, können wir zu mir fahren. Ich wohne nicht weit vom Busbahnhof entfernt." Ich freute mich über den Vorschlag, aber hoffte, dass wir nicht komplett allein sein würden. Wir gingen runter zur U-Bahn und fuhren Richtung Busbahnhof Röthenbach. Wir unterhielten uns noch ein wenig über unsere zuvor angesprochenen Lese-Angewohnheiten und über die Bücher, die wir zuletzt gelesen hatten. Ich erzählte natürlich von 'Die Bestimmung' und er über irgendwelche Krimis, deren Titel ich irgendwie nicht mitbekommen hatte. Das geschah nur, weil ich mich für einen Moment in seinen Augen verloren hatte. Ich hatte am Anfang des Treffens nicht so genau hingeschaut, aber seine Augen waren tiefblau und man konnte sich darin nur verlieren, so wie es mir passiert war. "Sag mal, hörst du mir eigentlich zu?", fragte Lukas, während er mich an der Schultern anstupste. Ich wachte aus meinem Tagtraum auf und entschuldigte mich erst einmal. "Sorry, was hast du gesagt?" "Was ist denn los? Worüber hast du so intensiv nachgedacht?", fragte er mich besorgt. Er schüttelte nur abwegig den Kopf und bat ihn drum, dass er seinen Satz wiederholte, was er dann glücklicherweise auch sofort tat. Dieses Mal hörte ich ihm dann zu und hörte dann auch den Titel: 'Young Sherlock Holmes'. Ich kannte diese Buchreihe, denn ich fand Sherlock Holmes auch echt toll und war deswegen auch etwas aus dem Häuschen, denn keiner aus meinem Freundeskreis interessierte sich dafür.
Die Zeit verging in der U-Bahn ziemlich schnell, weswegen mir die 20 Minuten Fahrt viel kürzer vorkamen. Wir stiegen mir allen anderen Passagieren aus und ging hoch zum Busbahnhof. "Wie weit müssen wir laufen?", fragte ich neugierig, denn ich wusste ja schließlich nicht, wo er genau wohnte. "Nicht einmal 5 Minuten. Wir müssen hier lang", sagte er und zeigte in eine kleine Straße, in der einige Einfamilienhäuser standen, aber ich wusste, dass keines der Häuser sein Zuhause war, denn seinem Bruder gehörte ja eine Wohnung. Auf dem Weg zu seinem Heim bemerkte ich, dass er mir manchmal ziemlich nah kam, woraufhin ich immer etwas zur Seite rutschte. "Soll ich ihm sagen, dass ich einen Freund habe? Schließlich rückt er mir schon ziemlich auf die Pelle", dachte ich leise. Ich entschloss mich dagegen und lief Lukas einfach weiter hinterher. Er packte seine Hausschlüssel raus, als wir vor dem Eingang eines 4-stöckigen Hauses standen. Es sah relativ neu aus, also musste es renoviert worden sein vor kurzer Zeit. Wir betraten das Gebäude und liefen in den 2. Stock hinauf. Er sperrte uns die Tür auf und ich hörte glücklicherweise Stimmen in der Wohnung, die aus einem Fernseher kamen, was bedeutete, dass sein Bruder Zuhause war. Ich spürte die Erleichterung und zog dann zufrieden meine Chucks auf dem Flur aus. Lukas schrie währenddessen ein lautes 'Hallo' durch die Wohnung, aber es kam keine Antwort zurück, weswegen ich doch wieder nervös wurde. Wir gingen ins Wohnzimmer und dort lief zwar der Fernseher, aber keine Menschenseele befand sich im Raum. "Na toll, wieder einmal lässt mein toller Bruder den Fernseher an. Man, wann lernt er endlich, dass das auch Geld kostet?", regte sich Lukas auf. In dem Moment fragte mich, ob er gerade merkte, dass er wie eine Mutter klang. Ich kicherte leise vor mich hin, wodurch er sich zu mir umdrehte. "Was ist so lustig? Mein Bruder hat nicht so viel Geld und verbraucht den Strom dann auch noch so unnötig", gab er sehr gereizt von sich, doch ich konnte mich nicht zusammenreißen. "Lukas, du klingst gerade wirklich wie eine Mutter. Nein, besser noch, so wie meine Mutter." Nach diesem Satz lockerten sich seine zuvor angespannten Gesichtsmuskeln und die Falten verschwanden von seiner Stirn. Er fing dann an zu lachen, wodurch er mir das Zeichen gab, dass auch ich loslegen konnte. Unser Gelächter hielt etwa 5 Minuten und mein Bauch tat schon ziemlich weh, weswegen ich immer wieder versuchte aufzuhören, aber Lukas hörte einfach nicht auf und zog mich in den Bann. Irgendwann hatten wir uns endlich beruhigt und dann zeigte er mir noch sein Zimmer, wo wir es uns dann anschließend auf seinem Bett bequem machten.

Mittwoch, November 12, 2014

Kapitel #20

Während ich mit jedem Schritt mutiger wurde, wurde ich gleichzeitig auch nervöser. Ich fragte mich sowieso immer noch, woher dieser Lukas meine Nummer hatte. "Hat er sie von einem Kumpel oder einer Freundin? Aber warum kenne ich ihn denn nicht? Oder kenne ich ihn doch?" All diese Fragen schwirrten in meinem Kopf herum. Das hatte keine sonderlich gute Auswirkung auf meine Nervosität, denn es wurde schlimmer und plötzlich zweifelte ich an mir selbst, wieder einmal.
Endlich saß ich in der S-Bahn und plötzlich vibrierte mein Handy. Ich nahm es aus meiner Hosentasche und sah eine Nachricht von Mama:
"Tut mir leid, dass ich so neugierig war und mich einmischen wollte. Natürlich ist es deine Sache, mit wem du dich triffst, aber bitte komme nicht zu spät nach Hause. Und vergiss nicht, mir dann von ihm und dem Treffen zu erzählen." Ich lächelte bei der Nachricht, denn ich war froh, schon fast erleichtert, dass meine Mama mir mein Abhauen nicht übel nahm.
Knapp 10 Minuten später war ich dann am Hauptbahnhof. Ich stieg mit den ganzen anderen Menschen aus und suchte die richtigen Treppen, damit ich runter zu der Haupttreppe kam. Ich war pünktlich um 15 Uhr bei den Treppen, aber niemand bekanntes stand da. Ich drehte mich ein wenig hin und her und versuchte jemanden zu entdeckten, denn aus irgendeinem Grund glaubte ich daran, dass ich die Person wohl kannte. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und hörte ein zufriedenes 'Hey' von einer männlichen Person. Ich drehte mich schlagartig um und schaute einem süßen Jungen ins Gesicht. Er hatte blonde Haare als Undercut und gut gestylt war er auch noch. Schüchtern sagte ich zurück: "Hey, du bist Lukas?" Er nickte lächelnd und umarmte mich einfach. "So, jetzt kann ich dir auch sagen, von wem ich deine Nummer eigentlich habe", sagte er grinsend. Irgendwie kam mir das Gesicht dann doch etwas bekannt vor. Noch bevor er den Namen nennen konnte, kam es aus mir raus: "Bist du nicht der Bruder von Freund meiner Cousine?" Er riss die Augen auf und sah mich schockiert an. Dabei nickte er vorsichtig und fragte mich: "Ja, aber woher weißt du... Sehe ich so sehr wie mein Bruder aus?" Ich schüttelte den Kopf und stellte richtig: "Nein, aber ich habe dich auf Fotos von ihm gesehen. Man, wäre das peinlich gewesen, wenn ich jetzt falsch gelegen hätte", gab ich erleichtert von mir. Er atmete ebenfalls erleichtert aus und lächelte mich süß an. Und plötzlich war die Nervosität wie weggeblasen. Wir setzten uns anschließend langsam in Bewegung, denn er hatte Lust zum Starbucks zu gehen. Ich natürlich auch, aber wir mussten ein gutes Stück in die Innenstadt rein laufen. Lukas fragte mich ein wenig, also wegen Geschwistern, Schule, ob meine Eltern getrennt oder zusammenleben, und so weiter. Als ich ihn dann fragte, wie es in seiner Familie ist, schaute er etwas geknickt. "Oh, hätte ich nicht fragen sollen?", fragte ich ihn, während ich mich etwas schuldig fühlte. Er schaute mich an und fing dann an zu erzählen: "Naja, also ich habe keine Eltern mehr, nur noch meinen Bruder. Aber ich hätte gedacht, dass du das schon weißt." Ich schüttelte geschockt den Kopf. "Nein, aber was ist passiert?" "Sie sind bei einem Autounfall um's Leben gekommen, als ich etwa 4 Jahre alt war. Mein Bruder war damals auch erst 12, also hat es ihn dann doch ein wenig schlimmer erwischt. Er ist damals auch ziemlich abgerutscht, weswegen ich dann freiwillig zum Jugendamt gegangen bin und erzählt habe, was bei mir daheim los war." Ich hörte ihm gespannt im Laufen zu, aber konnte es einfach nicht glauben. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie es ohne Eltern wäre. "Naja, und dann hab ich etwa 5 Jahre dort gelebt, also bis ich 11 war, denn 2 Jahre hatte ich Angst davor von meinem Bruder getrennt zu werden. Als ich 11 war, war mein Bruder ja schon 19. Er besuchte mich im Kinder-und Jugendheim, weil er von unserer Tante gehört hatte, dass ich dort lebte. Er kam zu mir und entschuldigte sich gefühlte tausend Male und natürlich konnte ich die Vergangenheit nicht vergessen, also wie er mich im Stich gelassen hat, aber ich konnte ihm verzeihen und ging deshalb mit ihm mit. Er hatte eine eigene Wohnung, in der ich mich wohl fühlte." Lukas fing an zu lächeln. Man sah ihm an, dass er froh war, dass ihn damals sein Bruder abgeholt hatte. "Wohnst du immer noch da?", fragte ich neugierig. Er nickte und fügte noch hinzu: "Seit 5 Jahren wohnen wir jetzt in der Wohnung. Natürlich ist jetzt oft seine Freundin..." "Du meinst meine Cousine", unterbrach ich ihn spaßend. "Ja genau, deine Cousine ist oft bei uns, was mir aber nichts ausmacht, denn auch ich bin viel unterwegs. Das ist der Vorteil ohne Eltern: Man kann so gut wie alles machen, was man will." Bei diesem Satz bekamen wir beide einen Lachanfall. "Also hast du es eigentlich verkraftet, dass sie nicht mehr hier sind, oder?" Er nickte und wirkte zufrieden. "So, genug über ernstes geredet, lass uns rein in Starbucks gehen." Ich stimmte zu und zusammen stellten wir uns innen an. Die Schlange war wie immer ewig lang, weswegen wir warten mussten. Lukas hatte zwei freie Plätze drinnen entdeckt. "Chrissi, da sind freie Plätze. Setz dich dort hin und ich bestellte für uns, okey?" "Na gut, warte ich..." "Steckt deinen Geldbeutel wieder ein", befahl er mir schon fast. Ich sah ihn leicht verzweifelt an, aber riss mir die Brieftasche aus der Hand und steckte ihn zurück in meine Handtasche. Ich musste mich damit zufrieden geben und begab mich deshalb schnell auf die freien Plätze. Es standen noch 2 Leute vor ihm, als mir plötzlich einfällt, dass ich ihm noch gar nicht gesagt hatte, was ich zum Trinken wollte. Ich sah, dass er am Handy war, darum schrieb ich ihm schnell eine Nachricht, in der ich Bescheid gab, dass ich einen Caramel Macchiatto wollte. Er musste es gelesen haben, denn er sah zu mir rüber und zeigte mir den Daumen. Ich wartete lächelnd auf ihn und dachte mir dann: "Er ist echt total nett. Und auch noch so offen. Das gefällt mir wirklich an ihm!"
Etwa 5 Minuten später kam er zu unserem Tisch und stellte die Becher ab. "Willst du Zucker oder so dazu?" "Ne, aber einen Strohhalm bitte." Er nickte und flitzte zurück zur Bar, um mir einen Halm und ihm Zucker zu holen. "Wie kann man ein heißen Getränk mit einem Strohhalm trinken?", fragte er mich lachend. Ich steckte nur den Trinkhalm in den Becher und sah ihn gespielt böse an. Dadurch musste er nur noch mehr lachen. "Was trinkst du da?", fragte ich ihn. "Einen Caramel Hot Chocolate", gab er mir als Antwort. Er trank genüsslich aus dem Becher und auch ich wollte anfangen zu trinken, aber ich bemerkte zu spät, dass es noch viel zu heiß war und verbrannte mir deshalb die Zunge. "Aua! Scheiße, man. Das ist zu heiß!", schrie ich durch das Café. Zuerst lachte Lukas mich aus, aber als er merkte, dass es echt weh tat, packte er schnell seine Wasserflasche aus und hielt sie mir vor mein Gesicht. Ich nahm sie dankend an und trank einen Schluck. Das tat echt gut. Ich gab ihm seine Wasserflasche zurück und bedankte mich noch einmal. "Man, wie kannst du das so heiß trinken?", fragte ich ihn enttäuscht. Er lachte nur und bat mir an von seiner heißen Schokolade zu trinken, was ich dann doch dankend ablehnte. "Ne, danke. Ich warte, bis mein Getränk etwas abgekühlt ist." Er zuckte nur mit den Schultern und trank weiter aus dem Becher. Ich sah dabei zu und wollte ihn gerade etwas fragen, als er vor mir anfing: "Findest du es schlimm, dass mir deine Cousine deine Nummer gegeben hat? Oder dieses Treffen?" Ich riss die Augen auf, denn ich hatte vergessen, dass sie ja dafür verantwortlich war, aber ich verspürte keine Wut, sondern er Zufriedenheit. "Nein, ich finde es völlig in Ordnung. Natürlich hätte sie mich fragen können, vor allem weil..." Da fiel mir ein, dass Lukas ja nichts von meiner Beziehung wusste. Woher sollte er auch, nicht einmal meine Cousine wusste etwas davon. Ich stoppte noch den Satz und überlegte, was ich stattdessen hätte sagen können. "Ehm, vor allem, weil meine Eltern etwas spießig sind und das nicht so locker sehen, aber trotzdem. Und das Treffen finde ich bisher auch sehr nett und locker." Er lächelte erleichtert und endlich konnte auch ich einen Schluck von meinem Caramel Macchiatto nehmen. Nach 10 Minuten des Sitzens wollte ich weiterlaufen und fragte meinen Begleiter deshalb, ob wir gehen könnte. Er stimmte zu und zusammen verließen wir das Café wieder.

Montag, November 10, 2014

Kapitel #19

Wir unterhielten uns noch bis zum Ende der Pause und dann gongte es leider schon. Franziska umarmte mich kurz, gab mir einen Kuss auf die Wange und lief in Richtung ihres Klassenzimmers. Ich stand kurz allein da und dann kamen endlich Julia und Tobias zu mir. Ich wunderte mich, wo Tamara und Sophia in der Pause waren, denn ich hatte sie nicht gesehen. Ich lief mit meinem Freund und seiner Stiefschwester die Treppen hoch zu unserer nächsten Stunde und endlich sah ich Tami und Sophia. Ich riss mich aus Tobis Hand und lief auf die beiden zu. Aus irgendeinem Grund war ich froh sie zu sehen, auch wenn wir uns in der Früh gesehen hatten. "Hey, Leute", rief ich wie ein kleines Kind zu ihnen und rannte sie halb um. "Oh Gott, nur langsam! Warum denn so glücklich? Wir haben uns doch schon gesehen", fragte Tami mich überrascht. Ich zuckte nur mit den Schultern und erschrak, als sich plötzlich zwei Arme um mich schlangen. Tami und Sophia lächelten und dann kam auch schon unser Lehrer.
Die Doppelstunde Geschichte verging zum Glück ziemlich schnell und dann kam zum Schluss eine Durchsage von unserer Sekräterin: "Eine Durchsage an das W-Seminar von Frau Huber. Das W-Seminar fällt aus, also ist für diesen Kurs um 13:05 Uhr Schluss. Danke." Das erste was mir einfiel war: "Yeah, ich darf früher heim." Julia, die neben mir saß, lachte mich aus, weshalb ich sie böse anschaute. "Chrissi, du bist so süß", sagte sie lächelnd zu mir. Endlich gongte es und ich konnte nach Hause. Leider musste ich alleine fahren, weil alle meine Freundinnen und auch mein Freund leider noch ihr W-Seminar hatten. Ich verabschiedete mich von allen mit einer Umarmung, bei Tobias natürlich mit einem langen Kuss und schon setzte ich mich in Bewegung zu S-Bahn. Ich steckte mir meine Kopfhörer in die Ohren und hörte Musik, am Liebsten zur Zeit von Sunrise Avenue. Während ich auf meinen Zug wartete, wippte ich im Takt zur Musik und bemerkte auch schon die Blicke der Leute, die ebenfalls warteten. Aber das war mir egal.
Endlich kam mein Zug und ich konnte nach Hause. 20 Minuten war ich dann endlich komplett daheim und das erste was ich tat, war meine Tasche auf den Boden zu werfen und in mein Zimmer zu laufen, um mich faul auf mein Bett zu werfen. Ich nahm mir mein Handy zur Hand und sah nach, ob ich eine neue Nachricht von der unbekannten Person hatte. Und tatsächlich hatte ich eine:
"Hallo, wie geht's dir?" "Hallo, sehr gut und dir, unbekannte Person?" Es kam keine Antwort mehr zurück, aber diese Person war auch schon seit etwa einer Stunde nicht mehr online. Ich wartete noch, aber es kam nichts zurück. Ich hatte keine Lust mehr zu warten, darum legte ich mein Handy auf meinem Nachttisch ab und setzte mich auf meinem Bett hin. Ich merkte, wie ich langsam hunger bekam, also begab ich mich in die Treppen runter in die Küche und suchte nach etwas zum Essen. Ich fand nichts besonderes, also machte ich mir nur einen Obstsalat aus einem Apfel, einer Birne, einer Banane. 2 Kiwis und ein paar Erdbeeren. Dazu gab ich noch etwas Joghurt und stolzierte damit die Treppen hoch in mein Zimmer, um dort meinen Snack zu genießen. Ich hätte auch auf meine Mutter warten können, aber dafür hatte ich viel zu großen hunger.
Ich genoss meinen Fruchtsalat und setzte mich währenddessen schon mal an meine Hausaufgaben. Zum Glück war es fast gar nichts, weshalb ich nur etwa 5 Minuten brauchte. Ich musste noch lernen, aber hatte keine Lust, und deshalb nahm ich mein Handy und meine Schüssel und brachte diese runter in die Küche. Ich nahm mein iPhone, weil ich Lust hatte ein wenig spazieren zu gehen. Ich zog mir meine Chucks an, schnappte mir meine Schlüssel und mein Handy und machte mich langsam auf dem Weg.
Natürlich durfte meine Musik nicht fehlen, aber gerade als ich meine Kopfhörer an mein Handy anstecken wollte, bekam ich eine Nachricht, von unbekannt:
"Es geht mir auch ziemlich gut. Ich wäre bereit, mich dir zu zeigen. Ich weiß, dass ich noch warten wollte, aber irgendwie würde ich es doch jetzt hinter mir bringen." "Wie heißt du denn überhaupt?", stellte ich ihm als Frage. "Ich heiße Lukas, aber wenn wir uns sehen, werde ich auf dich zu kommen. Treffen wir uns am Hauptbahnhof um 15 Uhr? Bei den Treppen, die zu den Zuggleisen führen?" "Ja okey, aber woher soll ich dich erkennen, wenn ich kein Bild von dir habe?" Noch bevor er mir antworten konnte, speicherte ich seine Nummer unter dem Namen Lukas und dann kam auch seine Rückantwort:
"Ich weiß ja, wie du aussiehst. Also werde ich auf dich zukommen, also nicht erschrecken, wenn dich ein fremder Mensch plötzlich von hinten antippt oder dich anlächelt, während er auf dich zu kommt." Ich musste bei dem Satz lächeln. Irgendwie war er ja schon ganz nett, so wie er schrieb. "Aber was wenn er eigentlich nicht so nett ist?", fragte ich mich selber. Ich machte mir noch länger darüber Gedanken und inzwischen war ich schon ein gutes Stück gelaufen. Ich musste nach Hause, um meiner Mama Bescheid zu geben, dass ich vorhatte mich mit Lukas zu treffen. "Soll ich ihr überhaupt sagen, dass ich mich mit einem fremden Jungen treffen wollte?", kam es mir in den Sinn. Ich dachte mir, dass sie nicht so begeistert sein würde, aber ich entschied mich dazu, es ihr zu sagen. Als ich dann Zuhause ankam, sah ich meine Mama im Wohnzimmer fernsehen. "Hallo, Mum." "Hallo, Spatz", gab sie fröhlich als Antwort. "Wieso warst du schon so früh Zuhause?" "Hatte früher Schluss. Mama, ich habe vor, mich mit einem Jungen zu treffen am ..." "Warte, was? Christina, du hast einen Freund? Wozu dann mit einem anderen treffen?" unterbrach sie mich schockiert. Ich sah mich erwartungsvoll mit großen Augen an und ich gab ihr entgegen: "Mama, er ist nur ein Freund! Er heißt Lukas und ist sehr nett. Also, ich gehe jetzt. Tschüss, ich weiß nicht, wann ich zurück bin." "Nein, warte, wer..." Noch bevor sie ihren Satz zu ende bringen konnte, lief ich zur Tür raus und schmiss die Tür hinter mir zu. Auf dem Weg zum Bahnhof dachte ich noch einmal über das Treffen nach. Ich konnte es ja nicht als Blind Date bezeichnen, aber irgendwie war es ja schon so, nur dass ich halt glücklich mit einem anderen Jungen zusammen war. Die Betonung lag auf 'glücklich'. Da fiel mir ein, dass ich ja noch nicht zugesagt hatte. Schnell nahm ich mein Handy raus und schrieb kurz: "Ok, bis um 15 Uhr. Ich warte auf dich." Ich war aufgeregt, aber das war normal, nachdem ich ja, wie schon mal erwähnt, schlecht mit Jungs zurecht kam, außer dann halt mit Tobias. Ich beeilte mich ein wenig und mit jeden Schritt wurde ich lockerer gegenüber dem Treffen, ich wurde mutiger.

Montag, November 03, 2014

Kapitel #18

Am nächsten Morgen wurde ich von meinen Wecker um 7 Uhr geweckt. Ich konnte etwas länger schlafen, weil meine erste Stunde ausfiel. Ich schaltete den Wecker ab und nahm einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Danach stand ich auf, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde. Das verging zum Glück wieder und ich dachte mir: "Oh, bin ich wohl zu schnell aufgestanden. Naja, jetzt mal langsam ins Bad gehen." Dies tat ich dann auch und wusch mein Gesicht. Beim abtrocknen schaute ich in den Spiegel und merkte, dass ich ziemlich blass um die Nase herum war. Ich setzte mich wieder in Bewegung und lief die Treppen runter in die Küche. Da machte ich mir ein Nutella-Brot und nahm mir noch einen Apfel und ging dann wieder hoch, um mich fertig zu machen. Ich suchte mir eine Bluse raus und ein paar helle Jeans. Ich war noch nicht so kalt draußen zu der Zeit, deshalb wollte ich keine Jacke anziehen, sondern etwas relativ lockeres und dünnes, aber nicht zu 'nackt', wie meine Mama sagen würde. Ich schminkte mich schnell und bemerkte dabei im Spiegel, dass sich meine Gesichtsfarbe nicht sonderlich geändert hatte. Ich kämmte meine Haare noch durch und glättete noch einmal nach, damit jede kleinste Locke verschwunden war und packte danach meine Tasche, das hieß Block, Mäppchen, Essen, Trinken, Zeugs zum Frischmachen und meine Schlüssel. Als ich fertig damit war, war es erst 7:50 Uhr, also hatte ich noch circa 20 Minuten Zeit, bis ich aus dem Haus musste. Darum schnappte ich mir noch einmal meinen Ordner und schaute mir kurz den Stoff von letzter Stunde in jedem Fach an. Währenddessen schaute ich auch mal auf mein Handy, denn ich wartete ja noch auf eine Antwort von der anonymen Nummer vom Vortag. Und tatsächlich, ich hatte eine Antwort. Ich öffnete sofort Whatsapp und las die Nachricht:
"Ja, wir kennen uns. Aber ich möchte dir erst einmal nicht sagen, wer ich bin. Vielleicht kommst du ja von selbst drauf, während wir schreiben. Also jedenfalls, wenn du es willst." Ich hatte ein wenig Angst, weil ich nicht wusste, woher diese Person meine Nummer hatte, wenn ich sie nicht hatte. Die Person versicherte mir zwar, dass ich sie echt kannte, aber es war irgendwie seltsam mit ihm oder ihr zu schreiben. Trotzdem lies ich mich darauf ein. 
"Na gut. Hast du aber vor mir mal zu sagen, wer du bist?", fragte ich zurück. "Ja, irgendwann", kam es schnell als Antwort zurück.
Nach der Nachricht schaute ich kurz auf die Uhr un bemerkte, dass es schon sehr spät war, nämlich 8:08 Uhr. Ich musste mich beeilen mit Tasche nehmen, Treppe runter laufen und dann noch meine Chucks anzuziehen. Pünktlich um 8:10 Uhr war ich dann aus dem Haus und lief dann in Richtung Bushaltestelle. Ich überlegte noch kurz, ob ich zum Bahnhof laufen sollte und entschied mich dafür. An der zweiten Kreuzung konnte ich nicht fassen, wer da war. "Tobias, Schatz!" Er drehte sich zu mir, nachdem ich nach ihm rief und lächelte mich überglücklich an. Ich umarmte und küsste ihn und umarmte ihn dann noch einmal ganz lang. "Kommst du zur Schule?", fragte ich ihn glücklich. Er nickte hektisch und ich war noch glücklicher als schon zuvor. "Also hat er es gleich gestern am Telefon erlaubt?" "Ja, hat er und ich bin so froh, dass es geklappt hat! Du wirst es mir nicht glauben, aber ich habe es so vermisst in die Schule zu gehen. Könnte aber auch einfach an dir liegen, Schatz!", sagte er total süß. Er drückte mich noch einmal fest an seine Brust und küsste mich auf den Kopf. Ich lächelte dabei und dann liefen wir so, Arm in Arm zum Bahnhof. Ich merkte, wie er in seiner Tasche kramte und schaute ihn fragend an. "Ehm, darf ich eine rauchen? Bitte." Ich überlegte kurz, aber ich wusste, dass er nicht ganz so einfach aufhören konnte, und das wollte ich ja eigentlich auch nicht unbedingt. Also nickte ich zustimmend und sah ihm zu wie er seine Zigarette anzündete. Eigentlich störte es mich nicht, aber ich natürlich war ich als Nichtraucherin damit nicht zufrieden.
Wir waren fast beim Bahnhof angekommen, aber er hatte die Zigarette noch nicht fertig geraucht. Ich wollte ihn auch nicht stressen, also blieben wir einfach stehen und warteten. "Schatz, darf ich vielleicht auch einmal?", fragte ich und war danach selbst erstaunt. Es kam einfach aus mir heraus geschossen und am Liebsten hätte ich meine Worte zurückgenommen. Tobi schaute mich verwirrt und schockiert an. Ich zog noch einmal dran und reichte sie mir dann. "Bist du sicher, dass du das willst? Ich hab jetzt nichts dagegen, aber ich will halt nicht, dass du meinetwegen jetzt Kettenraucherin oder so etwas wirst, Schatz", sagte er ernst. Ich nickte nur und nahm den Glimmstengel entgegen. Ich überlegte noch einmal, aber ich wollte einfach wissen, warum es solche Leute gab, die ohne Zigarette nicht mehr konnten. Ich steckte mir die Zigarette in den Mund und zog einmal kurz daran. Komischerweise musste ich nicht husten, so wie ich es von anderen Anfängern kannte. Ich gab Tobias die Zigarette zurück und lächelte ihn vorsichtig an. "War's schlimm? Du hast ja nicht einmal gehustet", merkte er an. Ich zuckte nur mit den Schultern und sah Tobias zu, wie er die Kippe auf den Boden warf und meine Hand in seine nahm. Wir liefen die Treppen zum Bahnhof hoch und gingen zu meinen Freundinnen, die inzwischen auch seine waren, worüber ich wirklich sehr glücklich war.
20 Minuten später waren wir dann in der Schule und liefen zusammen in Richtung Klassenzimmer. Unsere nächste Stunde war Englisch, worin ich leider nie so gut war. Ich hasste es vor der Klasse englisch zu reden, weil ich da immer schrecklich nervös wurde und anfing zu stottern. Wir setzten uns an unsere Plätze, also ich saß neben Julia, und warteten, dass der Unterricht anfing. Wie immer meldete ich mich kein einziges Mal in der Doppelstunde, aber hörte wenigstens aufmerksam zu. Irgendwann war die Stunde dann endlich vorbei und wir konnten raus. Ich ging als eine der letzten zusammen mit Julia und Tobi raus. Wir liefen an den anderen Klassenzimmern vorbei in Richtung Treppenhaus, als plötzlich vor mir die Tür aufging und ich beinahe dagegen geknallt wäre. Ich wollte den Schüler gerade anmaulen, aber es war gar keiner, sondern ein Lehrer. Herr Hint. "Warum eigentlich immer er?", fragte ich mich in Gedanken. "Oh, Christina, tut mir leid. Ich hatte dich nicht gesehen. Alles..." "Ja, es geht mir gut. Ich hätte besser aufpassen sollen", sagte ich wieder einmal peinlich berührt und lief schnell weiter zu den Treppen. "Warte doch!", schrien mir Tobi und Julia noch hinterher. "Warum bist du so rot? Ist es dir etwa peinlich gegen eine Tür zu laufen?", fragte Julia belustigt. "Nein, können wir das Thema lassen?", fragte ich launisch. Zum Glück waren sie dann still, denn ich wollte das nicht vertiefen. Schließlich wusste ich ja selber nicht, warum mir das immer wieder peinlich war, wenn ich gegen ihn lief oder mit ihm zusammenstieß.
Unten wartete Franziska und ich rannte auf sie zu und umarmte sie. Sie sah nicht sonderlich glücklich aus, also fragte ich sie: "Was denn los, Süße? Ist was passiert?" Sie sah zu Boden und antwortete zaghaft; "Ich habe dir etwas verheimlicht und es tut mir schrecklich leid. Ich weiß, dass wir keine Geheimnisse mehr haben wollten, aber es ist schon lange so und ich konnte mich nie dazu überwinden, es dir zu sagen." Ich wusste schon, was sie sagen wollte, aber ich tat auf total neugierig und verständnisvoll. "Was denn? Sag schon, wir sehen danach, ob es so schlimm ist, wie du denkst." "Natürlich ist es schlimm, denn ich weiß genau, wie du dazu stehst, Chrissi!", schrie sie mich beschämt an. "Also gut. Ich ... Ich habe im Juli angefangen zu rauchen. So jetzt ist es raus und wahrscheinlich hasst du mich jetzt, oder?" Ich versucht so gut wie möglich auf überrascht zu tun. "Du tust was?!", schrie ich sie. Sie erschrak etwas, anscheinend übertrieb ich etwas mit dem sauer sein. "Es ... Es tut mir leid! Es kam einfach dazu und jetzt kann ich nicht mehr aufhören. Bist du mir wirklich so krass böse?" Sie weinte fast, also erzählte ich ihr, dass ich es schon wusste, weil ich sie einmal gesehen hatte. "Ach wirklich? Aber warum..." "Warum ich nie was gesagt habe? Weil ich es von dir hören wollte! Ich wollte wissen, was ich für eine Freundin für dich bin und anscheinend bedeute ich dir kaum etwas, Franziska!", sagte ich sauer. Nach diesen Worten fing sie wirklich an zu weinen. Ich nahm sie daraufhin einfach in den Arm. Sie ließ ich in meine Arme sinken und schluchzte einfach los. Sie drückte mich wieder etwas weg und schaute mich verwirrt an. "Warum bist du gerade so verständnisvoll? Ich dachte, du seist total sauer." Ich lächelte sie an und gab ihr ein Taschentuch. Dabei sagte ich: "Ich war sauer. Wirklich sehr sauer, aber ich habe mich damit abgefunden. Mein Freund raucht ja auch und naja, es gibt Dinge, die kann man nicht ändern. Natürlich heißt das nicht, dass du jetzt auch neben mir immer rauchen kannst." "Nein nein, das hatte ich auch nicht vor", versicherte sie mir. Wir lächelten uns noch einmal an und ich nahm sie wieder in den Arm. Ich war froh, dass sie es mir endlich gestanden hatte und auch, dass wir ein Problem weniger zwischen uns hatten. Schließlich war sie meine beste Freundin und ohne sie konnte ich ja nicht mehr.

Sonntag, November 02, 2014

Kapitel #17

Endlich war ich Zuhause, aber alleine. Meine Eltern waren beide arbeiten, was bedeutete, dass ich bis abends um 20 Uhr mit mir alleine war. Das erste, was ich machte, waren meine Hausaufgaben. Ich wollte sie so schnell wie möglich hinter mir haben. Ich war nie sonderlich faul, wenn es um die Schule ging, aber manchmal musste ich mich ziemlich aufraffen, damit ich anfing. Es dauerte zum Glück nicht so lang, aber dann musste ich ja noch für den nächsten Tag lernen. Ich verstand manches nicht sofort, also musste ich noch einmal im Buch nachlesen oder im Internet nach einer guten Definition für manches suchen. Nach etwa 2 Stunden war ich dann mit Hausaufgaben, lernen und üben fertig. Inzwischen war es 18 Uhr und ich merkte, wie ich langsam hunger bekam. Ich rief Franziska an, um sie zum essen einzuladen. Ich wählte ihre Nummer und es klingelte. "Hallo?", hörte ich am Ohr. "Hey, Franzi. Was machst du?" "Grad Hausaufgaben fertig und du?", fragte sie mich glücklich. "Auch. Hast du Lust, dass wir zu Megges gehen und uns dort was zu essen kaufen?" Es war kurz still und dann hörte ich ein lautes Seufzen. "Ach naja. Eigentlich bin ich ja auf Diät, das weißt du, oder?" Ich verdrehte die Augen, denn wir beide wussten genau, dass sie diese Diät nicht brauchte. "Ey komm schon! Dann nimm dir nur einen Burger und ich nehme mir ein McMenü! Franzi man, du kannst morgen wieder Diät machen, wenn dir das so wichtig ist", sagte ich ziemlich sauer in Handy. "Ne sorry. Das ist mir ein zu großen Risiko, dass ich dann wieder zunehme", sagte sie vorsichtig. Sie wusste, dass ich ihre Diät nicht verstand, aber das interessierte sie nicht. "Ja gut, dann nicht. Tschüss!" Ich legte einfach auf und schmiss mein Handy auf mein Kissen. "Was für eine dumme Kuh! Als ob sie das nötig hätte", sagte ich zu mir selbst.
Nach kurzem Überlegen entschied ich mich dazu mir einen Salat mit Tomaten, Gurken, Mozzarella und Hähnchen zu machen. Ich bereitete ihn mir vor und aß ihn dann in Ruhe. Dazu schaltete ich noch Musik ein und setzte mich auf mein Bett mit meiner Schüssel und meinem Handy. Ich war immer noch etwas sauer auf Franziska, weil ihr so eine dumme Diät wichtiger war als ihre beste Freundin.
Als ich dann fertig mit essen war, spülte ich meinen Teller ab und lief die Treppen hoch ins Badezimmer. Da schminkte ich mich erst einmal ab und sprang dann unter die Dusche. Ich ließ mir mit dem Waschen viel Zeit, weil meine Eltern nicht Zuhause waren, wodurch ich von niemandem angemault werden konnte, dass ich zu viel Wasser verbraucht hätte. Nach etwa 30 Minuten ging ich dann aus der Duschkabine raus und warf mir meinen Bademantel über. Damit ging ich dann wieder in mein Zimmer, um mich da umzuziehen und meine Haare zu trocken. Ich machte das normalerweise nicht abends, aber ich hatte keine Lust am nächsten Tag meine Haare zu glätten, also musste ich das an dem Abend machen. Ich zog meinen kuscheligen Pyjama an und föhnte meine Haare halbtrocken. Dann gab ich eine Haar-Kur in meine Haare, die man nicht auswaschen musste und föhnte dann weiter. Ich liebte meine Haare, darum wollte ich, dass sie so lang wie möglich gesund bleiben, um sie nicht schneiden zu müssen. Irgendwann war ich dann mit föhnen und Haare glätten fertig und schaute auf die Uhr: 19:40 Uhr. "Bald kommen meine Eltern", dachte ich mir. Ich ging auf den Balkon, wo es leicht frisch war. Also warf ich mir ein Hemd von meinem Vater über und ging dann raus. Ich liebte es am Abend auf dem Balkon zu sitzen. Meistens noch mit einem Chai-Latte, aber an dem Abend hatte ich dann keine Lust mir einen zu machen. Unten sah ich paar Mädchen entlang laufen. Darunter auch Franziska. Ich kannte ihre anderen Freundinnen aus ihrer neuen Klasse und es waren alles solche Möchtegern-Kinder, die rauchten und sich mit 15 besaufen mussten. Auch Franziska hatte eine Zigarette in der Hand. Mich regte der Anblick nicht sonderlich auf, weil ich schon wusste, dass sie rauchte. Nur wusste sie noch nicht, dass ich es zu dem Zeitpunkt schon wusste. Ich wollte sie darauf nicht ansprechen, sondern wartete, bis sie von selber kam. Zu dem Zeitpunkt wusste es inzwischen seit knapp 2 Monaten. Ich hatte sie schon einmal erwischt und da war ich wirklich am ausrasten, aber nur innerlich, denn ich wollte sehen, was für eine Freundin sie war und wann sie vorhatte es mir zu sagen. Anscheinend war sie keine gute, aber ich wartete trotzdem noch hoffnungsvoll.
Mir wurde auf dem Balkon immer kälter, also ging ich wieder rein und hängte Papas Hemd wieder auf. Ich hatte Lust auf einen Saft und lief die Treppen runter, als ich die Schlüssel in der Tür hörte. Meine Eltern. Ich lief zur Eingangstür und begrüßte beide: "Hallo, Mama. Hallo Papa!" Ich gab beiden einen Kuss auf die Wange und umarmte sie. Wir gingen zu dritt ins Wohnzimmer und setzten uns hin. "Wollt ihr etwas trinken?", fragte ich sie fröhlich. Sie nickten beide lächelnd und mein Papa entgegnete: "Kannst du uns die Falsche Wein aus dem Keller bringen und zwei Weingläser?" Ich nickte und lief die Treppen runter in den Keller. Ich hatte damit kein Problem. Nicht so wie meine Mutter, die aber vor allem Angst hatte. Ich holte die Flasche aus einer Kiste und brachte sie hoch ins Wohnzimmer. Dazu stellte ich noch zwei Gläser und schenkte meinen Eltern dann das Getränk ein. "Danke, Spatz", sagte meine Mama lieb zu mir. Ich lächelte sie an, legte die Flasche auf den Glastisch und lief in die Küche, weil ich ja auch noch durst hatte. Ich nahm mir ein Glas mit Weintraubensaft gemischt mit Mineralwasser und nahm mir das Glas hoch in mein Zimmer. "Ich bin dann mal oben", schrie ich noch auf dem Weg in mein Zimmer. Ich setze mich auch mein Bett und schaute auf mein Handy: Ich hatte 6 verschiedene Nachrichten auf Whatsapp. In einer davon entschuldigte sich Franzi für ihre Entscheidung am Telefon und sie schlug vor, dass wir am nächsten Tag nach der Schule gehen konnten. Ich sagte ihrer Anfrage zu und und las dann die anderen Nachrichten. 3 waren noch von Tobias und 1 war noch von einer unbekannten Nummer. Ich las mir schnell Tobias Nachrichten durch, aber antwortete nicht. Dann schaute ich nach, was für eine Nachricht ich von der unbekannten Nummer hatte. Es war ein einfaches "hey". "Hi, kennen wir uns?", antwortete ich zurück. Die Nummer hatte kein Bild, auch nicht, als ich die Nummer unter 'Unbekannt' speicherte.
Es kam keine Antwort mehr zurück. Deshalb legte ich mein Handy wieder auf meinen Nachttisch und trank meine Weintraubenschorle aus. Ich brachte danach mein Glas runter in die Küche und lief die Treppen wieder hoch ins Bad, um meine Zähne zu putzen. Als ich dann auch damit fertig war, ging ich zurück in mein Zimmer und schnappte mir ein Buch zum Lesen. Wie sollte es anders sein: Es war "Divergent - Die Bestimmung". Als ich anfing zu lesen, war es schon 20:20 Uhr. Ich wollte nicht zu lange lesen, weil der Teil im Buch fesselte mich so sehr, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Irgendwann hörte ich , wie sich meine Zimmertür öffnete und sah hoch, um zu sehen, wer es war. "Spatz, es ist schon spät. Geh schlafen." Es war meine Mama. Ich nahm mir mein Handy und sah, dass es inzwischen 22:05 Uhr war. "Mir ist gar nicht aufgefallen, dass ich so lang gelesen habe", bemerkte ich laut. Sie nahm mir lächelnd das Buch ab und legte es auf meinen Nachttisch. "Du musst morgen ausgeschlafen sein", sagte sie noch bevor sie mir einen Kuss auf die Stirn gab. "Gute Nacht, Christina." "Gute Nacht, Mum", sagte ich. Sie machte das Licht in meinem Zimmer aus und verließ es dann. Ich drehte mich einige Male hin und her, aber konnte nicht schlafen, weil ich an die anonyme Nummer denken musste.  "Wer könnte das sein?", fragte ich mich in Gedanken. Dann wollte ich nicht länger darüber nachdenken und schloss meine Augen und endlich war ich eingeschlafen.

Samstag, November 01, 2014

Kapitel #16

Ich rannte auf ihn zu und er stand auf und breitete seine Arme aus, in die ich mich hinein warf. "Man, wo warst du?", fragte ich ihn. Er schaute mich an und lächelte. "Christina, Tobias? Kommt ihr dann mit rein? Wir haben ja einiges zu besprechen." Wir gaben ihm ein klares "Ja." als Antwort und folgten ihm in das Zimmer. Ich war in den 6 Jahren noch nie in dem Zimmer. Zum Glück. Wir setzten uns auf die für uns gedachten Stühle vor seinem Schreibtisch und der Direktor setzte sich uns gegenüber. "Okey, also Tobias. Du würdest gerne die Versetzung rückgängig machen, hab ich das richtig verstanden?", fragte der Direktor meinen Freund. "Genau! Es war ein Fehler diese Versetzung zu beanspruchen. Ist es denn möglich, Herr Direktor?" Tobias sah mich mit einem hoffenden Blick an. Ich wollte aber nichts sagen, aus Angst, dass ich was falsches sagen würde oder dass es vielleicht sogar völlig unangebracht gewesen wäre. Darum hielt ich einfach meinen Mund und lächelte Tobi an. Der Direktor lehnte sich auf seinem Chefsessel zurück und verschränkte seine Arme vor seiner Brust. Er überlegte eine Weile und ich versuchte ihn mit einem erwartungsvollen Blick anzuschauen, aber ohne, dass er sich davon belästigt oder sonst was fühlte. "Tobias, ich müsste das eigentlich noch mit deiner Mutter besprechen. Schließlich bist du erst 17 und darum noch nicht volljährig." Tobias nickte nur und man sah ihm an, dass er nervös war. Der Direktor bewegte sich kein Stück, sondern saß die ganze Zeit mit verschränkten Armen da. "Wollen Sie denn nicht anrufen?", fragte ich ihn plötzlich ohne es zu wollen. Er sah mich fragend an. "Das kann ich nicht sofort tun. Ich mache das im Laufe des Tages und dann gebe ich dir morgen Bescheid, okey Tobias?" Tobias nickte und schaute auf den Boden. "Leider kannst du auch heute nicht in den Unterricht, was sich ziemlich schlecht darauf auswirken wird, wie deine Noten sein werden, falls du wirklich hierher zurück kannst. Tut mir leid, aber so sind die Regeln." Tobias stand auf und reichte dem Schuldirektor die Hand. Er nahm sie lächelnd an und fragte noch: "Ist deine Mutter den ganzen Tag daheim?" "Ja, ist sie. Rufen Sie an, wann Sie wollen", antwortete Tobi. Auch ich gab dem Direktor noch die Hand und schon verschwanden wir wieder. Gerade als wir aus der Tür raus gingen, gongte es zum Stundenende. Ich hatte keine Lust auf die 2. Stunde. Ich hatte Chemie, und obwohl ich in dem Jahr ausnahmsweise mal gut darin war, hasste ich es nach wie vor. Tobias begleitete mich noch Hand in Hand zu meinem Klassenzimmer, als mir einfiel, dass ich ja meine Tasche noch in dem anderen Zimmer hatte. Gerade wollte ich die Treppen hoch rennen zusammen mit Tobias, kam uns Herr Hint entgegen und er trug meine Handtasche in einer Hand. Ich sah ihn schockiert an, während er mich anlächelte. Auch ich versuchte zu lächeln, aber mir war diese Situation dann doch etwas peinlich. "Ach, da bist du ja. Hier, deine Tasche." Ich nahm die Tasche entgegen und sagte: "Ehm, dankeschön. Warum haben Sophia und Tamara sie denn nicht mitgenommen?", fragte ich noch. "Weiß ich nicht. Sie haben mir zwar gesagt, dass du wahrscheinlich nicht mehr zum Unterricht kommen wirst, aber sie haben nicht daran gedacht", antwortete er freundlich und lächelnd. Ich nickte und sagte noch einmal: "Danke nochmal, Herr Hint", und verschwand dann mit Tobi an der Hand. Wir liefen zum Chemiezimmer, wo die anderen noch auf unsere Lehrerin warteten. Ich verabschiedete mich von Tobias mit einem Kuss und sah ihm noch hinterher, wie er zurück zum Ausgang lief. Alleine. Ohne mich. Er tat mir so leid, weil er nicht in den Unterricht durfte und das nur, weil er die Schule wechseln wollte, und das auch noch meinetwegen. "Ich bin daran schuld. Es tut mir so leid Tobi", hörte ich es in meinem Kopf. Ich drehte mich wieder zu den anderen um und sah, wie sie gerade in das Zimmer rein liefen. Ich rannte ihnen noch schnell hinterher und lief zu meinem Platz neben Sophia.
Die Stunde verging zum Glück ziemlich schnell und dann war endlich Pause. Ich unterhielt mich mit Franzi und erzählte ihr von Tobias und mir und wie es beim Direktor lief und sagte ihr auch: "Ich bin daran Schuld, dass er zurzeit nicht in den Unterricht darf. Das ist total schlecht für seine Bewertungen, wenn er ständig fehlt. Ich mach mir total die Gedanken, Franzi!" Sie nahm mich in den Arme und sagte: "Beruhige dich, Süße. Du bist doch nicht Schuld! Er hat sich in dich verliebt, dafür kann man doch nichts. Hör auf, dir das einzureden." Ich dreckte mich aus der Umarmung und nickte sie lächelnd an.
Dann war auch die Pause rum und ich musste noch insgesamt 6 Unterrichtsstunden überleben. Die ersten 4 vergingen relativ schnell. In der Mittagspause ging ich mit Franzi, Sophia, Tamara und Julia etwas essen und schon wieder war Julia total still. "Julia, erzähl doch mal etwas. Woher kommst du eigentlich? Und wir wissen gar nicht, wie du mit vollen Namen heißt. Also rede mit uns", sagte ich lachend zu ihr. Sie sah mich mit einem unsicheren Lächeln an und sagte: "Ich heiße Julia Lieb und..." "Lieb? Ist dein Nachname wirklich Lieb?", fragte ich sie ungläubig. Sie nickte und sah mich erschrocken an. "Oh ehm, okey. Rede weiter." "Okey, also ich bin aus Würzburg hierher gezogen, weil ich in eine Pflegefamilie musste. Und diese Familie sind Freunde von meiner aus Würzburg gewesen." Wir alle nickten immer wieder und hörten ihr gespannt. Naja, alle außer ich. "Also das heißt, dass du eigentlich gar nicht Lieb heißt oder wie?" Sie schüttelte den Kopf und sagte: "Nein, geboren bin ich mit dem Namen Novella. Aber hier musste ich den neuen Namen annehmen." Ich nickte und atmete erleichtert laut aus. "Was ist denn los, Chrissi? Du wirktest so erschrocken", merkte Tamara an. "Naja, ich kenne jemanden, der heißt auch Lieb mit Familiennamen. Wahrscheinlich hab ich..." "Du hast recht. Also, ich glaube zu wissen, wen du meinst. Meinen Pflegebruder Tobias, stimmt's?", fragte Julia. Ich riss die Augen auf und sah sie mit festem Blick an. Ich nickte dabei und schon musste ich an meinen Freund denken, der mir immer noch total leid tat. "Also, ist er dein Pflegebruder? Aber warum erzählt er mir das nicht?" Julia zuckte nur mit den Schultern und sagte dann: "Also bist du die Freundin, von der er so schwärmt?" Ich musste bei den Worten anfangen zu grinsen. "Warte, seit wann lebst du jetzt bei seiner Familie?" Sie dachte ganz kurz nach und antwortete: "Seit diesem Sonntag. Aber hat er wirklich nichts gesagt?" Plötzlich fiel mir sein Telefonat mit seiner Mutter am Sonntag wieder ein. "Dann ist er deswegen so aufgebracht gewesen", sagte ich leise zu mir selbst. "Was?", fragte Julia nach. Ich schüttelte nur den Kopf und bat, dass wir weiter zur Schule laufen.
In der Schule angekommen, mussten wir in unser P-Seminar und da wurde ich dann von allen getrennt. Ich lief zu meinem Klassenzimmer und unterhielt mich ein wenig mit den anderen aus meinem Kurs und dann kam die Lehrerin. Wir brachten schnell den 'Unterricht' hinter uns und dann konnte ich endlich nach Hause. Ich rannte runter zum Bus und setzte mich wie immer ganz nach hinten. Da steckte ich dann meine Kopfhörer in die Ohren und hörte ganz laut meine Playlist, so wie jeden Tag. Ich dachte noch über Julia und Tobi nach, denn das wollte einfach nicht in meinen Kopf rein. "Was, wenn sie etwas von ihm will in Wirklichkeit?", fragte ich mich. Ich wollte gar nicht erst daran denken und deshalb drehte ich meine Musik noch lauter, um alle Gedanken über Julia und Tobias zu verdrängen.