Sonntag, September 27, 2015

Kapitel #41

Nach etwa 30 Minuten kamen wir dann in der Stadt an und wir mussten an einem Friseur vorbei. Plötzlich hatte ich die Idee, mir meine Haare zu färben. Ich schaute zum Schaufenster des Friseurs und dann wieder zu Franzi. "Ist was, Chrissi?" Ich nickte und grinste sie an. "Ich will meine Haare färben. Jetzt!" Franziska riss ihre Augen auf, aber ich kannte sie so gut, dass ich erkannte, dass sie diese Idee ebenfalls gut fand. "Okey, und welche Farbe?" Ich schaute zu den Schaufensterpuppen und begutachtete sie gründlich. "Diese Farbe", sagte ich und zeigte auf einen Kopf mit dunkelbraunen Haaren. "Christina, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was du jetzt auf deinem Kopf hast. Bist du dir wirklich sicher? Und wir kommt es überhaupt, dass du so spontan deine Haare färben willst?" Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte weiterhin auf die besagten Haare im Schaufenster. Ich zog Franzi am Arm in den Laden und schon kam mir eine Mitarbeiterin entgegen und sagte nett: "Hallo, Willkommen. Was kann ich für euch tun?" "Ich würde gerne meine Haare färben und schnei-" "Moment, was? Auch noch schneiden?", unterbrach mich meine beste Freundin. Ich schaute sie gar nicht erst an, denn ich konnte mir ihren Blick schon vorstellen, weil sie meine Haare liebte. Sie war ziemlich neidisch darauf, dass meine Haare so lang und gesund waren und ihre ständig neu geschnitten werden mussten. "Ok, was hast du dir denn so vorgestellt?" Die Friseuse zeigte mir einen Weg zu einem kleinen Tisch, auf dem viele Zeitschriften lagen. Ich bemerkte erst kurz darauf, dass Franziska nicht mitgekommen war. Ich drehte mich um und sah sie noch am Eingang stehen. Natürlich nicht sehr begeistert. "Ich heiße übrigens Laura und du?" "Christina. Ich muss mal kurz zu meiner Freundin." Sie nickte und setzte sich auf einen der Stühle um den kleinen süßen Tisch. "Franzi, kommst du?", fragte ich sie, während ich auf sie zuging. Sie sagte nichts, sondern sah mich nur enttäuscht an. Das war der Blick von dem ich vorhin sprach. "Bitte sei nicht böse, aber ich will eine Typveränderung probieren. Wir können danach auch ganz viele neue Sachen einkaufen gehen. Das magst du doch so." Ich sah ein kleines Lächeln auf ihren Lippen huschen. "Okey, aber nur weil du wie immer mit dem Shoppen kommst." Wir lachten und ich zog sie mit mir zum Tisch. "Okey, Laura. Dann such ich mir mal was aus." Ich blätterte in den Zeitschriften, während Laura Wasser für uns holte und sich ein wenig mit Franziska unterhielt. "Das hier! So hab ich mir das vorgestellt." Laura gesellte sich zu mir und ich schaute sie von unten an. Sie nickte und lächelte. Auch Franziska sah begeistert aus, auch wenn sie noch etwas zweifelte, aber genau das wollte ich gerade: Einfach mal etwas anderes tun und einfach spontan sein. "Das kann aber gute 4 Stunden dauern? Soll deine Freundin euch etwas zum Essen holen?" Ich schüttelte den Kopf und antwortete: "Wenn Franziska sich was kaufen will, kann sie das machen. Aber ich bin gerade viel zu aufgeregt dafür." Franziska und Laura lächelten und wir gingen zum nächsten Tisch mit Spiegel und Stuhl, um mir Farbe in die Haare zu schmieren. "Willst du das dunkelbraun mit einem leichten Rotstich oder ohne?" "Überrasche mich. Ich weiß jetzt schon, dass ich es so oder so lieben werde." Laura ging zur Wand mit der Haarfarbe und dem Zubehör und packte einige Sachen zusammen. "Gut, dann legen wir mal los. Sag 'Auf Wiedersehen' zu deinen alten Haaren und zu deinem Spiegelbild." Ich winkte meinem Spiegelbild kurz zu und dann hüllte sie ihn mit einem Tuch ein.
Die Friseuse klatsche mit die Farbe in die Haare und unterhielt sich währenddessen mit Franzi und mir. Sie schien wirklich unglaublich nett zu sein. "Sag mal, wie alt bist du eigentlich, Laura?" "21 und ihr?" "Beide 17. Hast du eine Ausbildung hier gemacht?", fragte ich neugierig. "Ja, ich wollte schon immer Friseuse werden, weil ich es liebe mit Haaren zu basteln und zu spielen. Da kann man auch etwas kreativer manchmal sein, wenn die Kunden sagen, dass es einfach ausgeflippt sein muss. Am Liebsten würde ich bei Udo Walz arbeiten und dort prominente Kunden bedienen, aber das wird wohl ein Traum bleiben." Laura klang enttäuscht, aber das war auch verständlich, denn anscheinend liebte sie ihren Job. "Jetzt mal zu dir. Willst du schon länger deine Haare so sehr verändern?" Ich schüttelte den Kopf und lächelte etwas dabei. "Es kam mir jetzt gerade einfach so in den Sinn. Ich brauche Veränderung im Leben und deshalb fange ich jetzt mit einer Typveränderung an. Das heißt neue Haare, neue Klamotten und mein Leben so leben, wie ich es will." Ich sah mich etwas um im Laden, während sie meine Haare weiter mit Farbe beschmierte. Ich sah ein Schild auf dern Tresen am Eingang auf dem stand: Laura Schmidt. Hinter den Tresen war ein Spint auch mit ihrem Namen versehen und da hing ein Bild. Man erkannte es schlecht aus der Entfernung, also fragte ich nach: "Was ist auf dem Bild, das da vorne hängt?" Dabei zeigte ich mit meinem Kopf in die Richtung. Franzi ging zum Tresen und schaute sich das Bild an. "Ist das ein Konzert?" "Ja, mein ersten Konzert. Da war ich auf einem Sunrise Avenue Konzert, als ich 19 war. Ich bin ein sehr großer Fan, aber war seitdem nicht mehr auf einem Konzert von ihnen wegen der Arbeit. Es ist nie ein Konzert, wenn ich Urlaub hab und umgekehrt." Sie klang ein wenig traurig, aber es freute mich, dass auch sie ein Sunrise Avenue Fan war. "Magst du nicht auch diese Band, Chrissi?", fragte mich meine beste Freundin. Ich grinste und nickte, weil allein der Gedanke an diese Band mich lächeln ließ. Deren Musik machte ich so glücklich und baute mich immer auf, wenn ich einen schlechten Tag hatte. "Wirklich? Das ist ja cool! Wir können ja mal versuchen auf ein Konzert zusammen zu gehen, oder?" "Ja klar, aber das muss warten bis ich 18 bin, denn meine Eltern wollen mich keineswegs lassen. Hab es schon einige Male versucht." Laura lachte und sagte dann: "Okey, fertig. Jetzt 15 Minuten einwirken lassen. Franzi, hol doch trotzdem mal was zum Essen. Ich hab ihren Magen knurren hören", sagte sie belustigt und zugleich besorgt. Franziska nickte und verließ einfach den Laden. 'Ich hab meinen Magen gar nicht knurren gehört. Komisch.' 

Samstag, September 26, 2015

Kapitel #40

Ich schlief in der Nacht sehr unruhig. Albträume plagten mich, und selbstverständlich ging es um Tobias und wie er mit einem anderen Mädchen zusammen ist. Ich erkannte sie nicht in meinem Traum, aber sie sah mir von hinten sehr ähnlich. Auch lange blonde Haare, gleicher Kleidungsstil, ähnlicher Gang. Beide wurden von einem Bus erfasst, als sie eine Straße überqueren wollten, aber sie überlebte, während er sein Leben verlor. Dann wachte ich hektisch auf. Mein Herz schlug unglaublich schnell und mir flossen Schweißperlen die Stirn runter. Mein erster Gedanke war: 'Tobias!' Sofort schnappte ich mir mein Handy und wollte ihm schreiben, bis mir einfiel, dass er und ich gar nicht mehr zusammen waren. Es war so ungewohnt, weil er auch noch mein erster Freund war und wir schließlich einige Monate zusammen gewesen waren. Ich versuchte meinen Puls zu senken, indem ich meine rechte Hand auf mein Herz legte, mein Kopf hängen ließ und langsam ein-und ausatmete. Nach vielleicht drei Minuten (vielleicht auch mehr) schlug mein Herz wieder normal und legte mich auf die rechte Seite, weil ich so immer am besten einschlafen konnte. Plötzlich spürte ich etwas in meinem Bauch; ich hatte hunger. 'Das kommt davon, wenn ich abends nichts esse.' Ich wusste, dass es ungesund war, so schlafen zu gehen, aber noch ungesünder war es, mitten in der Nacht etwas zu essen, also beschloss ich, bis zum nächsten Morgen zu warten. Ich schaute nochmal auf die Uhr und es war 5:14. Ich schloss die Augen und war zum Glück schon bald wieder eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde ich nicht von meinem Wecker geweckt, sondern von einer warmen Hand auf meiner Stirn. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte das Gesicht von Franziska. "Franzi? Was machst du hier?" "Dir auch einen guten Morgen. Heute ist Samstag, es ist 10:30 und ich will shoppen gehen. Mit dir." Ich setzte mich langsam auf und sah mich im Zimmer um. Draußen war es bewölkt und grau und der Wind wehte ziemlich stark. "Bei so einem Wetter? Ne, danke!" Sie schmollte. Ich wusste, wie sehr sie es liebte, mit mir shoppen zu gehen, doch ich hatte trotzdem keine Lust. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie mit meinem Dein-Ernst-Blick an. Sie gab auf und jetzt konnte ich in Ruhe ins Bad gehen und mich etwas frisch machen. Unter der Dusche knurrte wieder mein Magen, aber es war schon fast 11 Uhr, deshalb wollte ich noch bis zum Abendessen warten. Ich zog meinen Bademantel an und ging in mein Zimmer und sah wie Franzi mein Handy benutzte. "Suchst du etwas?" Sie erschrak und legte das Handy sofort auf mein Kopfkissen. "Versuch gar nicht, es zu verstecken. Stand da etwas interessantes?" Sie nickte und kam auf mich zu. "Was ist zwischen dir und Tobi vorgefallen?" 'Shit, sie hat gesehen, dass ich Tobis Name in meinen Kontakten zu "Tobias" geändert hatte. "Ehm, nun ja. Wir haben uns getrennt. Die Gründe..." "WAS?! Aber warum? Ihr ward doch so ein süßes Paar!" Sie sah mich entsetzt an und schlug mir einmal auf die Schulter. "Die Gründe sind egal. Hauptsache ich, dass wir nicht mehr zusammen sind und fertig. Willst du jetzt noch shoppen gehen oder nicht?" Sie nickte vorsichtig und ich ging zu meinem Ankleidezimmer. Ich spürte Franzis Blick auf mir, wie ich zum Zimmer lief. Ich sperrte ab und suchte mir etwas dickeres zum Anziehen, weil es sehr kalt draußen war. Dann verließ ich meinen Kleiderschrank wieder und sah wie Franzi an der gleichen Stelle in die gleiche Richtung starrte. "Franzi? Alles in Ordnung?" "Das sollte ich dich fragen! Man, sag doch, was passiert ist. Hat er dich betrogen? Hat er wieder Drogen genommen? Hat er..." "Nein man! Jetzt lass es und komm wir gehen runter. Sie schaute mich enttäuscht an, aber folgte mir dann in die Küche. Ich konnte nichts essen, obwohl ich hunger hatte. Mir lagen Steine im Magen, weil ich Angst hatte, dass mich nochmal jemand fragen könnte, was die Gründe sind. Aber wie sollte ich den Leuten erklären, dass ich mich mit einem Lehrer getroffen habe und Tobias deshalb eifersüchtig war, genauso wie wegen Lukas? 'Ich kann es keinem sagen!' Franziska aß ihr Marmeladenbrot und ich schminkte mich währenddessen im Gästebadezimmer. Irgendwann waren wir beide fertig und verließen zusammen das Haus, um zum Bahnhof zu laufen.

Mittwoch, August 26, 2015

Kapitel #39

Ich liebte Tobias natürlich. Er machte mich immer so glücklich und ich hatte ihn verletzt. 'Ich verstand das mit Lukas, denn er war echt komisch mir gegenübe, aber wieso Christopher? Genau wegen ihm hätte sich Tobi überhaupt gar keine Sorgen machen müssen.' Genau als ich den Gedanken aussprach, lief ich an Herr Hints Haus vorbei. Es war dieses riesige Haus, in dem wahrscheinlich 50 Leute hätten leben können. Frau Hint stand mit einem Regenschirm draußen im Garten und suchte etwas im Gras. "Kann ich dir helfen?", fragte ich höflich. Sie erschrak und drehte sich hektisch in meine Richtung. "Ach, du bist es Christina. Nein, danke." Sie widmete sich wieder ihrer Suche, ohne zu lächeln. Irgendetwas musste sie gegen mich gehabt haben. Ich wollte meine 'Reise' fortsetzen, als Christopher durch die Terassentür kam und seiner Frau ein Glas Wasser brachte. Er sah mich außen stehen und lächelte mich sofort an. "Chrissi, hallo. Was machst du hier?" "Bin zufällig hier vorbei gekommen und hab gesehen, dass Janna etwas sucht. Wollte ihr helfen, aber anscheinend braucht sie meine Hilfe nicht." Er sah Janna verwirrt an und seufzte dann. "Hast du etwa schon wieder deinen Ring verloren? Das passiert dir aber ganz schön oft, Schatz", sagte er zu ihr und man sah ihr die Röte ins Gesicht steigen. "Das Tor ist offen. Du kannst gerne reinkommen", bot Chris mir an, aber irgendwie traute ich mich nicht, also lehnte ich ab. Er schaute etwas enttäuscht und kam deshalb auf mich zu. "Ist alles in Ordnung? Du schaust etwas ... traurig und auch leicht ängstlich." Ich schaute zu Janna, die hinter ihm die Augen verdrehte. "Ja, alles gut. Ich muss jetzt Heim. Tschüss!" Ich lief schnell zurück in die Richtung, aus der ich kam und war auch schon bald wieder Zuhause. Mi fiel ein, dass ich meinen Schlüssel vergessen hatte und klingelte deshalb an der Haustür. Mein Vater öffnete die Tür und sah mich verwirrt und besorgt an. "Da bist du ja endlich! Wo warst du? Und warum riechst du nach Rauch?" 'Verdammt, ich hab vergessen etwas Parfüm mitzunehmen.' "Ich musste an die Luft. Mir fällt sonst die Decke auf den Kopf." "Weinend?" Ich nickte und ging an ihm vorbei, um in die Küche zu gehen. Ich suchte im Kühlschrank etwas zum Essen, obwohl ich keinen Hunger hatte. Ich schnappte mir einen Apfel und nahm ihn in mein Zimmer hoch, wo meine Mutter immer noch auf meinem Bett saß. "Mama? Was machst du noch hier?" "Schatz? Oh endlich bist du wieder da. Es tut mir leid wegen Tobias. Ich hätte nicht so taktlos sein sollen, schließlich liebst du ihn natürlich noch." Ihre Augen sahen verheult aus und auch mir kamen fast die Tränen, als plötzlich das Haustelefon klingelte. Es war eine unbekannte Nummer. "Hallo, ich bin's." Ich erkannte seine Stimme, aber ich wollte nicht seinen Namen sagen. Jedenfalls nicht vor meiner Mum. "Hey, warte gleich." Ich rannte mit dem Telefon runter in die Küche und machte die Tür zu. Ich versicherte mich noch einmal, dass niemand vorbei lief und antwortete dann: "Hallo, Christopher. Woher hast du meine Nummer?" "Ich hab mir mal deine Akte in der Schule angesehen und das stand sie natürlich drinnen. Und nein, ich bin kein Stalker oder so." Ich kicherte kurz. "Ist denn deine Frau nicht da?" "Nein, sie ist noch im Garten. Ich wollte mich für sie entschuldigen, dass sie so unhöflich war. Ich habe keine Ahnung, was sie heute hat. Aber jetzt sag mal, warum hast du so traurig geschaut?" Ich überlegte kurz, denn eigentlich wollte ich Chris nicht mit meinen Problemen vollquatschen, aber das hatte ich ja schon einmal, also fand ich es nicht so schlimm, ihm von der Trennung zu erzählen. Nur die Gründe wollte ich für mich behalten. "Tobi und ich haben uns heute getrennt. Naja und da geht es Einem natürlich nicht so gut." "Oh nein, aber warum?" "Chris, das würde ich gerne für mich behalten. Aber es war ehrlich gesagt zwar ein Grund, um Schluss zu machen, aber der Grund stimmte nicht. Jedenfalls nicht vollständig." "Wenn du darüber reden willst, weißt du ja, wie du mich erreichen kannst. Meine Nummer hast du jetzt ja auch und wo ich wohne, weißt du ja auch." Ich lächelte ins Telefon hinein, weil Chris so unglaublich süß war. "Danke, das weiß ich zu schätzen, Chris. Und die Sache wegen Janna ist egal. Wen du trotzdem mal weißt, was sie gegen mich hat, kannst du es mir gerne sagen." "Aber warum gegen dich?", fragte er erstaunt, "sie ist schon den ganzen Tag so zickig, also liegt es nicht an dir." "Ja egal. Ich muss auflegen, bis dann." "Bye, Christina." Ich legte auf und schaute noch einmal auf die Nummer von ihm, bevor ich die Küche verließ. Ich öffnete die Tür und vor mit stand meine Mutter. 'Sie hat jetzt aber nicht zugehört oder?', fragte ich mich erschrocken. "Mama, was wartest du hier vor der Tür?" "Auf dich! Wer ist Chris? Ist das etwa ein Neuer?" Ich schaute sie böse an, weil sie wusste, dass ich es nicht mochte, wenn sie meine Gespräche belauschte. "Nein Mama! Er ist ein guter Freund, der mir zuhört und hilft! Was hörst du mir überhaupt zu? Du weißt, wie sehr ich das hasse!", schrie ich meine Mama an. Sie schrak zurück und ich rannte mit dem Telefon in mein Zimmer hoch. Dort verkroch ich mich den restlichen Tag und auch um 21 Uhr hatte ich mein Zimmer noch kein Mal verlassen. Stattdessen saß ich am Laptop, hörte Musik und bearbeitete meinen Tumblr-Blog. Tumblr war zur Zeit eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, weil es mich immer beruhigte und ich durch Bilder meine Launen ausdrücken konnte.
Um 22 Uhr schaute ich noch einmal auf die Uhr und beschloss den PC auzuschalten. Ich ging in mein Bad, um mich zu duschen und allgemein für das Bett fertig zu machen und um 23 Uhr war ich komplett fertig. Ich war noch nicht müde, aber dafür hatte ich hunger. Ich wollte gerade mein Zimmer verlassen, da kam mir der Gedanke: 'Nein! Du bleibst oben und legst dich lieber schlafen, anstatt jetzt noch etwas zu essen.' Und so legte ich mich hin und wurde auch immer müder, bis ich endlich einschlief.

Sonntag, Juli 19, 2015

Kapitel #38

Tobias' Sicht:
Ich ging ganz langsam auf meine Eltern zu. Meine Mutter musste die Schritte gehört haben, denn sie hob ihren Kopf und schaute mich mit ihren großen, braunen und verheulten Augen an. "Mama? Dad? Was ist passiert? Und wo ist Julia?" Nach der letzten Frage brach meine Mutter wieder in Tränen aus. Ich setzte mich sofort neben sie und nahm sie in den Arm, damit sie sich auf meiner Schulter ausweinen konnte. Meine Dad gab mir mit seinem Kopf ein Zeichen, dass ich mit ihm gehen sollte. Ich sah auf Mum runter und flüsterte: "Ich gehe kurz mit Dad mit. Leg dich solange hier auf das Kissen und versuch dich zu beruhigen." Sie nickte und legte sich auf der anderen Seite der Couch mit ihrem Kopf hin, wodurch ich meinem Vater ins Nebenzimmer folgen konnte. Ich blickte noch einmal zurück zu meiner Mutter und verschwand dann im Zimmer. "Also, was ist passiert?" "Sohn, wir wollten mit deiner Adoptivschwester zu einem großen Markt fahren. Als wir angekommen sind, war sie noch neben uns, aber nach nicht einmal 5 Minuten war sie plötzlich weg. Wir haben alles abgesucht, aber nichts gefunden. Dann haben wir die Polizei verständigt und die wollten uns nicht helfen, weil sie meinten, dass Julia alt genug sei, um zu wissen, wo sie herumläuft." Ich merkte, wie sauer mein Vater wurde, was natürlich auch verständlich war. "Und dann bekamen wir einen Anruf, wo jemand mit verstellter Stimme zu uns sprach und uns sagte, wo er sich mit Julia befand. Wir fuhren sofort hin, natürlich noch mit der Polizei, denn jetzt hatten sie Beweise. Kurz bevor wir ankamen, hörte man einen lauten Schuss. Deine Mutter schrie und befahl mir noch schneller zu fahren. Wir waren da und fanden..." Mein Vater musste nicht weiterreden, er konnte sowieso nicht, weil auch ihm die Tränen kamen. Trotzdem setzte er noch einmal an und erzählte weiter: "Neben ihr fanden wir einen Zettel, auf dem stand: 'Ich habe die Sirene von Weitem gehört, darum blieb mir nichts anderes übrig'." Mein Vater brach vor meinen Augen zusammen und auch ich fing am ganzen Leib an zu zittern. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mich ein weiteres Mädchen verlassen würde. Sofort musste ich wieder an Christina denken und wie sie mit irgendwelchen Typen unterwegs ist. Wie ferngesteuert lief ich aus dem Zimmer heraus in Richtung Wohnungstür und trat heraus. Ich wusste nicht wohin mit mir. Ich lief einfach irgendwohin und zu meinem Glück fing es auch noch an zu regnen. Ich tätschelte in meiner Jackentasche herum und holte meinen Packung Zigaretten heraus, denn jetzt brauchte ich eine Kippe mehr denn je. Ich qualmte sie viel zu schnell weg - ich war natürlich nervös und angespannt. Am Liebsten hätte ich irgendetwas oder irgendjemanden geschlagen, aber das konnte ich mir nicht leisten, vor allem nicht, nachdem ich schon eine Vorstrafe hatte, auch wegen Körperverletzung. Ich lief einfach weiter und weiter und wollte gar nicht mehr stehen bleiben.

Sichtwechsel: Christina
'Hat er mich wirklich verlassen? Was soll ich ohne ihn tun?' Ich machte mein Bett schön, räumte meinen Schreibtisch auf und versuchte dabei nicht an meinen Ex-Freund zu denken. "Schatz? Hör auf aufzuräumen und setz dich zu mir." Meine Mutter zog mich an meinem Arm, aber ich hatte nicht einmal bemerkt, dass sie mein Zimmer betrat. Ich setzte mich neben sie, aber starrte einfach nur den Laminatboden an. "Schätzchen, du musst mit mir reden. Was ist zwischen euch vorgefallen?" Ich konnte nicht reden. Ich öffnete den Mund, aber es kamen keine Wort raus, kein Ton. Ich spürte ihre Hand über meinen Rücken streichen. Ohne ein Wort zu sagen stand ich einfach auf und ging wieder zum Schreibtisch zurück. Ich spürte den Blick meiner Mutter auf mir, aber ich wollte mich nicht zu ihr umdrehen. "Wenn du nicht mit jemandem redest, wird es auch nicht besser. Oder denkst du, dass es dadurch ungeschehen wird?" "Nein, aber kommt er zu mir zurück, wenn ich mit dir oder jemandem rede?", schrie ich meine Mutter an. Sie erschrak, anscheinend hatte sie nicht mit so einer ausdrucksstarken Antwort gerechnet. Ich schmiss einfach alles auf den Boden und rannte aus meinem Zimmer. Raus aus dem Haus an die Luft. Ich hatte wieder keine Zigarette, aber da kamen rauchende Passanten vorbei, die ich um eine Kippe und Feuer bat. Ich qualmte die Zigarette und weinte dabei. Ich weinte ohne Ende, aber kein Wunder. Ich liebte Tobias!

Mittwoch, Juli 08, 2015

Kapitel #37

"Wieso bist du jetzt so eiskalt zu mir, Tobias?" Man hörte, dass ich den Tränen nah war, aber ich versuchte sie noch zurück zu halten. "Zuerst das mit Lukas und jetzt auch noch mit einem fremden älteren Mann? Ich kann langsam nicht mehr, Christina! Anscheinend bist du ganz schön begehrt." Jetzt konnte ich wirklich nicht mehr. "Du stellst mich gerade als Schlampe dar! Und außerdem steht keiner von ihnen auf mich! Herr Hints Frau hat mich eingeladen und ich wollte höflich sein und hab diese Einladung angenommen. Daran ist doch nichts Falsches!" Ich war traurig, verletzt und wütend. Alles auf einmal. 'Wie kann er mir so etwas unterstellen? Ok, das mit Lukas war wirklich merkwürdig, aber er hat sich ja auch nicht mehr gemeldet. Warum macht er aus so einer Mücke einen so großen Elefanten?' "Tobias, ich liebe dich! Nur dich, und das kann keiner ändern. Ich verstehe mich aber mit Herr Hint und seiner Frau so gut und wenn du sie näher kennen lernen würdest, würdest du mich verstehen." Tobias schaute mich endlich wieder an und auch seine Augen waren glasig. Von dem Moment an war mir Eines klar: Er liebte mich! Am Liebsten wäre ich ihm um den Hals gesprungen und hätte ihn getröstet, aber er machte keinen Anschein, dass er das wollte. "Wir brauchen eine Pause. Du kannst das Ticket für den Ballon behalten und mal schauen, ob wir es benutzen oder nicht." "Nein. Nein, nein nein! Tobias, tue mir das nicht an! Ich liebe dich und ich verspreche dir, dass ich sie nie wieder treffe, wenn du es willst." "Es geht hier nicht darum, was ich will, sondern was du willst und anscheinend willst du die Freundschaft und nicht unsere Beziehung. Es ist das Beste." Ich schüttelte nur den Kopf und weinte los. Mein Herz fühlte sich an, als würde ein Dolch durchgestochen werden. Ich versteckte mein Gesicht in meinen Händen, als ich spürte, wie sich die Matratze hochdrückte. Ich schaute hoch und sah wie Tobias das Zimmer verließ. Ich schmiss mich einfach seitlich auf mein Bett und weinte weiter. Ich versuchte mich zu beruhigen, aber das Weinen entwickelte sich zu einem Heulkrampf.
Nach einiger Zeit hatte ich mich ein wenig beruhigt und versuchte aufzustehen, um runter zu gehen. Ich wollte Tobias nicht gehen lassen, schließlich liebte ich ihn. Ich stolzierte also die Treppen runter und sah gerade noch, wie Tobi mit seiner Reisetasche das Haus verließ. Meine Tränen flossen weiter und dann kamen auch meine Eltern zu mir und drückten mich. "Was ist passiert, Kleines? Wieso ist er gegangen?" Ich wollte ihnen immer noch nichts von Herr Hint erzählen. Sie würden das sicher nicht besser aufnehmen als mein Freund. Oder sollte ich Ex-Freund sagen?
"Wir haben uns gestritten. Ich will noch nicht darüber reden." Sie sagten nichts mehr, sondern drückten mich nur noch stärker an sich. Diese Nähe brauchte ich in dem Moment.
Inzwischen sind 2 Stunden vergangen, in denen ich auf dem Sofa mit herangezogenen Knien saß. Meine Eltern versuchten noch einige Male mit mir darüber zu reden, aber ich wollte es nicht. Ich wollte mir selbst noch nicht einmal eingestehen, dass es mit Tobias wahrscheinlich zu Ende ist. Meine Tränen flossen und das Einzige woran ich denken konnte, war, dass ich einfach bescheuert war. Ich hätte doch nicht die Einladung annehmen sollen. 'Christopher hat alles kaputt gemacht.Wieso musste ich auch damals in ihn rein laufen? Dann würden wir uns wahrscheinlich nicht einmal kennen.' Ich schaute kurz auf die Uhr und sah, dass es inzwischen 17:45 war. Ich wischte mir noch einmal die Tränen weg, stand von der Couch auf und sagte noch: "Ich gehe mal hoch und räume mein Zimmer ein wenig auf."

Sichtwechsel: Tobias
Ich war total verwirrt. Ich wusste nicht einmal, ob ich traurig, verletzt oder wütend war, weil ich zu dem Zeitpunkt alles hätte sein können. Da hatte ich nun mein Reisetasche in der Hand und wusste nicht, wohin ich sollte. Ich schaute kurz auf die Uhr und es war erst 16:10 Uhr. 'Na toll, meine Eltern kommen erst um 18 Uhr am Bahnhof an. Solange muss ich noch herumlaufen und mich langweilen.' Ich zog aus meiner Tasche meine Zigarettenschachtel und ein Feuerzeug und zündete mir eine Kippe an. Ich schmiss meine Sachen einfach auf den Asphalt und setzte mich daneben. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken und das funktionierte am Besten mit einer Zigarette. Ich musste über die letzten Geschehnisse nachdenken. Ich musste meine Gedanken ordnen, denn sie flogen kreuz und quer durch meinen Kopf. Ich wollte Christina zuhören und auch glauben, aber es ging einfach nicht. Zuerst davor das Treffen mit diesem Lukas und dann hat er auch noch angerufen. Und dann auch noch dieser Lehrer, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hatte. 'Geht man einfach so zu einem fremden Menschen nach Hause? Auch wenn es eine Einladung zum Essen war. Ich liebe sie doch, warum tut sie mir das an und lässt mich so viel über andere Männer grübeln?' Wie das schon klang, andere Männer. Das klang so, als würde sie Ältere bevorzugen. Vielleicht tat sie das auch, das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Ich qualmte die Kippe zu Ende, aber blieb dort sitzen. Einige Passanten liefen an mir vorbei und schauten mich natürlich dumm an, aber mir machte das nichts aus. Dann sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Pärchen vorbeilaufen. Der Mann sah wie Herr Hint aus und die Frau an seiner Seite musste seine Frau sein. Aber als ich einmal blinzelte sah der Mann komplett anders aus, also musste ich ihn mir eingebildet haben. 'Er steckt also auch schon in meinen Gedanken fest, na großartig.' Dieses Mal stand ich auf und ging weiter in Richtung meiner Wohnung. Ich kam nach etwa 20 Minuten laufen dort an und zog meine Hausschlüssel aus der Tasche, um einzutreten. Komischerweise lagen neben der Wohnungstür die Schuhe meiner Eltern, aber nicht die meiner Adoptivschwester. Ich sperrte die Tür auf und sah einen großen Koffer im Flur stehen - meine Eltern waren schon da. Ich trat ins Wohnzimmer und fand meine Mutter tränenaufgelöst auf der Couch sitzen und mein Vater saß neben ihr und strich ihr über den Rücken.

Dienstag, Juni 30, 2015

Kapitel #36

Keine 5 Minuten später war ich endlich Zuhause. Ich sperrte die Haustür auf und hörte den Fernseher im Wohnzimmer. Ich begab mich ins Wohnzimmer und sah meine Eltern und meinen Freund auf der großen Couch sitzen. "Hallo, Familie." "Na endlich! Wir haben uns schreckliche Sorgen gemacht. Tut uns leid, dass wir dir keinen Zettel oder so da gelassen haben, aber es sollte ja eine..." "Ja, ich weiß, eine Überraschung. Was ist es denn?" Ich schaute zwischen den drei Leuten hin und her und alle grinsten mich an. Dann kam Tobi auf mich zu, der etwas hinter seinem Rücken versteckte. Er hielt mir seine Wange hin, woraufhin ich ihm einen Kuss gab und schon zeigte er mir eine rote Rose. Ich nahm sie an und dann zeigte er mir seine zweite Hand und da war eine kleine Schachtel. Ich nahm die pinke Schachtel an und setzte mich auf das Sofa. Ich öffnete vorsichtig die Schleife und daraufhin die Schachtel und mir kam ein kleiner Umschlag entgegen. Ich legte die Schachtel neben mich und machte den Umschlag auf. Ich sah nur etwas blaues am oberen Rand einer Karte. Ich nahm sie ganz raus und was drauf stand, war einfach so toll: 'Eine Ballon-Fahrt zu zweit.' Ich konnte es nicht fassen, dass Tobias mir so etwas tolles schenkte. "Ist das dein ernst, Schatz?", fragte ich ihn ungläubig und sah in seinem Gesicht die Freude, dass ich mich über das Geschenk freute. "Ja, wir fliegen mit einem Ballon. In den nächsten Ferien gleich, wenn du willst." Ich nickte wild mit dem Kopf und fiel meinem Freund um den Hals. Ich küsste ihn tausend mal auf die Wange, bis er mich leicht von sich stieß. "Ok Ok, freut mich, dass es dir gefällt." "Ist das ein Witz?! Ich platze gleich vor Begeisterung! Aber weswegen musstet ihr dann so früh weg?" "Weil wir nicht wussten, ob du am Nachmittag Zuhause sein wirst. Ich wollte es unbedingt heute noch besorgen. Tut mir noch mal leid", sagte Tobias mit einem süßen Hundeblick, wegen dem ich hätte dahin schmelzen können.
"Ich störe nur ungern, aber wo warst du? Und hast du überhaupt gegessen?", fragte meine Mama neugierig. Ich wusste, dass sie mich deswegen ausfragen würde, nur wusste ich nicht, ob ich ihnen erzählen sollte wo ich war. 'Ich kann ihnen doch nicht sagen, dass ich bei einem Lehrer von meiner Schule war und ich dort gegessen habe. Was werden sie von mir denken? Und vor allem Tobias?' Ich entschied mich gegen die Wahrheit und antwortete: "Ich war nur bei Sophia. Wir haben ein wenig für die nächste Klausur gelernt und ich hab dort auch was zum Essen bekommen." Meine Mama schaute mich ungläubig an. Wahrscheinlich ahnte sie schon, dass ich sie anlog, aber es ging nicht anders. War für alle Beteiligten das beste, insbesondere für die Beziehung von Tobi und mir. Ich nahm Tobias einfach an die Hand und lief mit ihm in Richtung Treppen. "Wir gehen dann mal hoch." Ich zog ihn mit mir hoch in mein Zimmer und machte die Tür zu. "Du warst nicht bei Franziska!" Nach dem Satz erschrak ich leicht. Ich versuchte so glaubwürdig wie nur möglich zu klingen: "Doch war ich. Wo sollte ich sonst gewesen sein?" "Weiß ich nicht, aber jedenfalls nicht bei ihr, weil ich sie angerufen habe, um nach dir zu fragen. Sie wusste genauso viel wie ich, wo du warst." Ich biss mir leicht auf die Unterlippe; ich war wieder einmal nervös. Ich wusste, dass ich nicht lange stand halten konnte, also platzte es aus mir heraus. "Ich war bei einem Lehrer. Zuhause." Tobias schaute mich einfach nur an und sagte nichts. Ich hasste es, wenn er das tat. "Tobi?" Er bewegte sich nicht und sagte immer noch nichts. "Ich wurde von seiner Frau eingeladen, dass ich dort esse, weil sie mich kennt. Hörst du?" Jetzt nickte Tobias, trat ein Stück zurück und setzte sich auf meine Bettkante. "Warum hast du das nicht sofort gesagt?" "Weil ich mir schon fast gedacht habe, was ihr sagen werdet. Beziehungsweise, was ihr nicht sagen werdet", gab ich leicht beschämt zu. "Außerdem klingt das auch echt komisch, wenn man sagt, dass man bei einem Lehrer Zuhause war, vor allem, wenn man diesen Lehrer nirgends selbst hat." Tobias schaute mich einfach weiterhin an und wir sagten beide kein Wort mehr. Ich wusste nicht, ob ich mich neben ihn setzen sollte oder nicht. Aber eigentlich hatte ich nichts falsch gemacht, also setzte ich mich zu ihm, aber er rutschte ein wenig weg von mir. Das tat weh!

Sonntag, Juni 28, 2015

Kapitel #35

Die Autofahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor. Wenigstens war das Radio an, sonst wäre die Stille erdrückend. Ich schaute aus dem Fenster und sah, dass wir an der Haltestelle vom Tag zuvor vorbei fuhren. Christophers Frau räusperte sich und er sah sie kurz an, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte. "Ist was, Schatz?" Sie seufzte und sagte dann: "Nein, eigentlich nicht. Also denke ich." Ich sah wie Herr Hint eine Augenbraue hochzog und seine Frau wieder für einen Moment ansah. Er lenkte das Auto nach links in eine Seitenstraße mit großen Häusern. Nach vielleicht 100m stoppte er den Wagen und parkte rückwärts in eine Einfahrt ein. Es war ein weißes Haus, etwas kleiner als die anderen, aber trotzdem noch groß. Größer als unser Haus, das gerade mal 500m von dort entfernt gewesen sein musste, weil wir nicht weit von der Haltestelle abgebogen sind. Beide stiegen aus dem Auto und ich tat es ihnen gleich. "Ist das euer Haus?", fragte ich und schon schaute mich die Frau wieder komisch an. "Ja, Christina. Übrigens heiße ich Janna." Ich nickte und hielt ihr meine Hand hin, um ihr meinen Respekt zu zeigen, den ich vor ihr hatte. Vielleicht war es aber auch Angst, die ich in ihrer Gegenwart verspürte. Christopher öffnete die Haustür und wir traten alle ein. Mir blieb die Luft weg. Alles sah unglaublich edel aus: Marmorböden, weiße Möbel mit goldenen Details, kleine Statuen in hohen Regalen, eine elegant aussehende Treppe... "Christina? Ist alles okey?" Ich nickte und lief vorsichtig den Flur entlang. "Dieses Haus ist wunderschön! Seit wann wohnt ihr hier?", fragte ich neugierig. "Seit etwa 5 Monaten. Komm, ich zeige dir das Wohnzimmer." Ich sah zu Janna und lief ihr hinterher. Plötzlich vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche. "Hallo?" "Chrissi? Wo bist du, Schatz? Ich mache mir total die Sorgen, weil Tobi auch nicht weiß, wo du bist. Es war meine Mama, aber ich hatte keine Lust mit ihr zu reden. "Tja, mir egal. Bis später." Ich legte einfach auf und schaltete anschließend mein Handy auf stumm. "Tut mit leid, war nur meine Mum." Frau Hint lächelte und deutete auf eine große Tür vor uns. "Das ist das Wohnzimmer." "Diese Tür ist ja riesig! Ist hier alles so groß?" Janna lachte und schüttelte den Kopf, während sie die Tür öffnete. Ich schaute in einen großen, hellen und edlen Raum. Wie immer alles in weiß und gold, einige Ledersofas und Sessel und einen großen Flachbildfernseher. Mir fiel die Kinnlade runter. Irgendwann trat Janna vor mich und schnipste mir vor der Nase. "Anscheinend gefällt es dir." "Gefallen ist noch gar kein Ausdruck! Ihr lebt wirklich mit Stil in diesem großen Haus. Habt ihr auch Kinder oder so?" Nach dieser Frage verschwand ihr Lächeln und ihre Augen wurden glasig. Sie weinte. "Janna? Tut mir leid, falls ich etwas falsches gesagt haben sollte." Jemand trat hinter uns, es war Christopher. "Liebling? Ist alles ok?" Janna drehte sich zu ihm um und weinte in seine Brust. Er sah mich fragend an und ich fragte mich, was ich gesagt haben könnte. 'Gibt es etwa ein Problem wegen dem Schwangerwerden?' Langsam beruhigte sie sich und wir liefen langsam in Richtung Küche, wo das Essen auf uns wartete. Wir setzten uns an den Tisch und schwiegen uns an.
Mittendrin fing Janna an zu reden: "Tut mir leid. dass du mich so sehen musstest. Ich bin noch etwas empfindlich, was das Thema betrifft. Hat nichts mit dir zu tun." Christopher und ich schauten sie gespannt an. "Ich wollte dich nicht kränken. Darf ich denn fragen, was es ist?", fragte ich vorsichtig und wechselte von Janna zu Christopher. "Ehm, Janna..." Er machte kurz Pause und sah seine Frau erwartungsvoll an. Sie nickte. "Nun ja, Janna kann keine Kinder kriegen." Dieser Satz ließ mich meine Gabel fallen lassen. Janna erschrak bei dem Lärm und wieder wurden ihre Augen glasig. "Oh nein. Das tut mir wahnsinnig leid. Ich hatte ja keine Ahnung." Ich stand auf und lief auf Janna zu, um sie in den Arm zu nehmen. Ich tröstete sie, bis sie sich wieder beruhigte und setzte mich ihr wieder gegenüber an den Tisch, um weiter zu essen. "Wer hat das gemacht? Das ist köstlich!" Christopher lächelte und hob die Hand. "Hier ist der Schuldige." "Du kannst kochen? Sowas gibt es sehr selten, Janna du hast so ein Glück." Sie lächelte und rutschte näher zu ihrem Mann.
Wir unterhielten uns noch ein wenig, bis die Küchenuhr 15 Uhr schlug. "Oh, es ist schon spät. Ich muss noch nach Hause und etwas für die Schule machen." Ich umarmte noch einmal Janna und Christopher brachte mich zu Tür. "Danke für das Essen. War wirklich sehr lecker." "Gerne. Danke, dass du die Einladung angenommen hast. Nach gestern war ich etwas unsicher deswegen.""Ja, wegen gestern wollte ich mich noch entschuldigen. Ich war etwas überfordert mit der Situation." "Situation? Was meinst du?" "Naja, dass du eine Frau hast. Das hat mich etwas erschrocken." Erst nach dem Satz merkte ich, was ich da eigentlich gesagt hatte. Er lächelte beugte sich etwas zu mir runter und gab mir einfach einen Kuss auf die Wange. Ich wusste nicht weshalb, aber es störte mich nicht. Ich lächelte stattdessen und ging dann zur Straße runter und lief in irgendeine Richtung. "Du musst in die andere Richtung laufen. An der nächsten Kreuzung musst du dann links abbiegen und dann kommst du auf deine Hauptstraße." Ich winkte ihm noch zu und lief dann etwas schneller. 'Jetzt erwartet mich erst einmal eine Überraschung Zuhause. Wahrscheinlich sind meine Eltern unglaublich sauer.'

Samstag, Juni 06, 2015

Kapitel #34

Ich wurde am nächsten Morgen von meinem Wecker geweckt. Ich drückte auf den roten Knopf und wollte mich gerade umdrehen, als ich merkte, dass ich unbequeme Jeans anhatte. 'Habe ich etwa so geschlafen?' Ich setzte mich auf und merkte, dass mir wieder einmal der Kopf weh tat. Ich hatte gar keine Lust auf Schule, das merkte ich an den Schmerzen, die sich wie Migräne anfühlten. Ich stand auf und lief rüber ins Bad. Ich machte mich kurz frisch und ging dann wieder in mein Zimmer, um was frisches zum Anziehen zu suchen. Mit anderen Klamotten stolzierte ich die Treppen runter in die Küche. Keiner war da. Ich schnappte mir eine Schüssel und machte mir Cornflakes. Ich nahm mein Frühstück hoch in mein Zimmer und schminkte mich ab, um mich dann neu zu schminken. Nach 25min war ich mit essen fertig und brachte die Schüssel wieder runter. Ich ging ins Wohnzimmer, aber auch da war keiner. Im Gästezimmer war Tobias auch nicht und im Schafzimmer meiner Eltern war auch niemand. Ich rannte wieder die Treppen hoch, um auf mein Handy zu schauen. Ich hatte keine neue Nachricht, aber es war schon kurz vor 7. Ich packte meine Tasche, putzte mir die Zähne und zog mir unten die Schuhe an, um das Haus zu verlassen.
Ich lief zum Bahnhof und wartete da auf Franziska. Nach 5min bekam ich einen Anruf. Es war Tobi. "Schatz, sag mal wo bist du? Oder meine Eltern?" Ich merkte, dass meine Stimme sehr verärgert klang, obwohl ich nicht so klingen wollte. "Das erkläre ich dir später, aber wir sehen uns in der Schule. Deine Eltern fahren mich da hin. Bis dann, Schatz." Er legte einfach auf, ohne auf eine Reaktion oder Antwort von mir zu warten. Da war ich echt mega sauer und zum Glück kam endlich Franzi, bei der ich mich über meinen Freund aufregen konnte. Wir umarmten uns ich erzählte ihr von heute morgen und dem Telefonat. Wir unterhielten uns noch den ganzen Weg bis zur Schule und innen sah ich dann auch Tobias bei Sophia und Tami stehen. Ich lief mit geballten Fäusten auf ihn zu und schubste ihn leicht zur Seite. "Sag mal, kannst du dir vorstellen, was für eine Panik ich heute früh hatte?", maulte ich ihn an, sodass uns manche Schüler anschauen mussten. Sein zuvor aufgesetztes Lächeln verschwand und er schaute leicht beschämt. "Tut uns leid, aber wir hatten eine Überraschung für dich. Dazu mussten wir früher los und wir waren halt nicht pünktlich Zuhause." Ich schüttelte nur den Kopf und verdrehte die Augen. "Weißt du was? Ich brauche keine Überraschung von euch! Ich gehe woanders hin." Ich stapfte wütend zur anderen Seite der Schule und wartete da auf das Klingeln.
Der Unterricht begann und ich musste mir noch gefühlte tausend Mal Tobis Entschuldigungen anhören. Ich versuchte ihn zu ignorieren, was echt schwer war, denn irgendwann war es nur noch lustig und zugleich süß. Ich musste mir ein Lachen verkneifen, vor allem weil ich nicht schon wieder Ärger mit der Lehrerin wollte. So ging es fast den ganzen Tag weiter.
In der letzten Stunde fiel mir plötzlich auf, dass ich zum Glück Christopher nicht über den Weg gelaufen bin. Das Zusammentreffen am Tag zuvor war mir nach wie vor noch peinlich. Tobias stupste mich in der Stunde einige Male an, aber ich wollten nicht reagieren. Irgendwann erwischte er eine Stelle, an der ich kitzlig war. Ich hopste auf dem Stuhl und man hörte es durch das Zimmer. Alle schauten mich an, inklusive dem Lehrer, der nicht erfreut schaute. "Christina, gibt es ein Problem?" Ich schüttelte beschämt den Kopf und sah böse zu Tobias. Diesmal war ich echt sauer. Ich wollte ihn gar nicht mehr sehen und das musste ich zum Glück auch nicht mehr, denn die Stunde war endlich rum.
Ich rannte raus, runter in den Hof und sah die Frau von gestern bei einem roten Golf stehen. Sie winkte und lächelte mir zu. Ich winkte zurück und lief zur Bushaltestelle vor der Schule. Ich sah von der Seite, dass sie auf mich zu lief und ich versuchte meinen Gang zu verschnellen. Sie holte mich allerdings bald ein und man sah ihm im Gesicht an, dass sie etwas verwirrt und auch etwas verletzt war. "Ich weiß nicht, wie du heißt, aber warum bist du gestern so schnell weggewesen?" "Meinen Namen müssen Sie nicht..." "Christina!", hörte ich hinter mir rufen. "Hey, Schatz. Hallo Christina." "Hallo, Christopher." Er lächelte mich an, aber seine Frau schaute mich etwas bestürzt. "Ihr duzt euch?" Herr Hints Lächeln verschwand und er nickte. "Möchtest du mit uns fahren? Du wohnst ja nicht weit von uns. Und wenn du willst, können wir zusammen was essen", bot mir Christopher an. Ich wollte das nicht, aber ich wollte nicht schon wieder absagen, also sagte ich doch zu. Wir fuhren mit ihrem Auto nach Hause und keiner sagte ein Wort.

Montag, Juni 01, 2015

Kapitel #33

Das Essen war irgendwann fertig, wir aßen in Ruhe zusammen, aber ich konnte leider nicht alles essen. "Danke, hat gut geschmeckt", sagte ich zu meinem Freund und meiner Mama, "aber ich muss kurz aufstehen." Beide nickten und ich stand auf und verließ den Tisch. Ich wollte kurz an die Luft, denn ich hatte leichte Kopfschmerzen. "Schatz, kommst du mal?" Ich wollte Tobias nur schnell Bescheid geben, dass ich mal raus musste. Er kam um die Ecke und sah mir zu, wie ich mir die Schuhe zuband. "Ich muss mal kurz raus. Bis später." Gerade wollte ich zur Türe raus, da fragte er noch schnell: "Wohin gehst du? Bleibst du lange weg?" Ich schüttelte nur den Kopf und zog die Haustür hinter mir zu. Zum Glück dämmerte es schon langsam. Die Wolken waren leicht rosa-orange, was ich jedes Mal gerne anschaute. Ich lief durch den kleinen Wald bei uns zur Bushaltestelle. Ich wusste nicht, weswegen ich ausgerechnet dahin wollte, ich tat es einfach. Ich überquerte die Straße und setzte mich auf einen der Stühle. 'Mist, ich hätte vielleicht eine Zigarette von Tobi mitnehmen sollen.' Ich war ja eigentlich keine Raucherin, aber ich hatte so ein Verlangen danach.
Nach 5 Minuten kam ein Bus vorbei, der bei mir anhielt. Es stiegen einige Leute aus; unter anderem auch er. 'Shit, hoffentlich sieht er..' "Oh, hallo Christina. Was für eine schöne Überraschung dich hier zu treffen." Ich merkte, wie ich wieder einmal rot und nervös wurde und versuchte seinem Blick auszuweichen. Doch es war schon zu spät, denn der setzte sich mit seinen Taschen neben mich. "Hallo, Christopher. Woher kommst du?" Ich versuchte an seinen schönen eisblauen Augen vorbei zu schauen, während ich auf seine Antwort wartete. "Ich war einkaufen, meine Frau sollte mich eigentlich von der Bushaltestelle abholen kommen. Was machst du hier so alleine?", fragte er mit seiner überaus männlichen Stimme und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Jetzt musste ich ihm in die Augen schauen und vergaß dabei vollkommen ihm zu antworten. "Christina?" "Hm? Oh, entschuldige. War gerade in Gedanken woanders." Ich wollte aufstehen, denn ich konnte nicht mehr in seiner Nähe bleiben. "Hab ich gemerkt, ist etwas passiert? Geht es um deine Krankheit?" Ich schüttelte den Kopf und dieses Mal schwank ich vom Sitz hoch und sagte noch: "Ich muss jetzt gehen. Tschüss, Christopher." Ich lief in Richtung Ampel, als ich in eine Frau rein lief. "Oh, tut mir leid, Kleines. Ist alles in Ordnung?" Ich schaute hoch und sah eine blonde Frau, so um die 30, die mich sanft anlächelte. "Ehm, ja, alles gut. Entschuldigung, ich hätte besser aufpassen müssen." 'Warum muss ich immer in fremde Personen rein laufen?' Die Frau lachte jetzt und sagte: "War ja nicht deine Schuld. Komm mit uns, dann mache ich dir einen Kaffee oder einen Cappucchino, was du willst." 'Uns?' Sie drehte sich in Richtung der Bushaltestelle und da hätte mir fast schlecht werden können. Sie ging auf Herr Hint zu und sie umarmten sich. 'Shit, shit shit, ich muss hier weg.' "Nein, ist schon in Ordnung. Ich muss nach Hause, meine Eltern warten bestimmt auf mich mit dem Essen." Ich rannte einfach über die Straße und achtete nicht einmal auf die Autos, die mich anhupten, als ich vor sie rannte. Ich rannte schnell nach Hause, schloss die Tür auf und zog mir die Schuhe aus. Ich hörte Schritte, die mir entgegen kamen. "Da bist du ja Schatz. Ist alles OK? Du warst so schnell weg." Ich nickte nur und gab Tobias einen Kuss auf die Wange. Im Wohnzimmer saßen meine Eltern und sahen fern. "Oh, das bist du ja. Wo warst du?" "Nur kurz raus, mir die Beine vertreten", log ich meine Eltern an. Ich stolzierte die Treppen hoch in mein Zimmer und schmiss mich auf mein Bett. Ich schnappte mir mein Handy, das ich Zuhause gelassen hatte und antwortete meinen Freunden auf WhatsApp. Irgendwann hörte ich, wie jemand die Tür schloss und meinem Bett näher kam. "Bist du etwa schon wieder müde? Ist das etwa eine Nebenwirkung deiner Tabletten?", fragte er total besorgt. Ich legte mein Handy wieder weg und sah ihn lächelnd an. Er legte sich neben mich und ich drehte mich mit meinem Kopf zu ihm, dass nur 2mm zwischen unseren Nasen waren. "Weißt du, dass ich dich liebe?", fragte ich ihn lächelnd. Er lächelte mich nun auch an und sagte: "Gut möglich. Aber nicht so sehr, wie ich dich liebe." Er küsste meine Nasenspitze und streichelte über meinen Arm. Ich wollte meine Augen nur für einen Moment schließen, aber ich musste wohl wieder einmal eingeschlafen sein.

Samstag, Mai 23, 2015

Kapitel #32

Wir saßen noch einige Minuten so da und sein Herzschlag hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Irgendwann schob er mich mit seiner Brust leicht nach oben, weshalb ich meinen Kopf komplett hoch hob. "Was los, Schatz?", fragte ich ihn, während er in seiner Jackentasche kramte. Er fand, was er suchte und zog es raus. "Willst du jetzt wirklich Eine rauchen?", fragte ich ihn mit hochgezogener Augenbraue. Er sah mich an und lächelte dabei. "Willst du auch?`" Ich war anfangs mit dieser Frage etwas überfordert. Ich wusste, dass ich schon einige Male gezogen hatte zuvor, aber dass ich jetzt öfters sollte, hätte ich nicht gedacht. Ich schaute Tobias zu, wie er sich seine Zigarette anzündete und den Qualm ausatmete. Da wurde mir bewusst, dass auch ich Lust verspürte und schnappte mir deshalb seine Kippe und zog einmal dran. Wieder schenkte er mir ein Lächeln, nahm mir die Zigarette ab und küsste mich.
Nach einer weiteren Stunde, in der wir noch etwas über die Schule quatschten, beschloss ich, dass wir nach Hause fahren sollten. Wir setzten uns wieder in Bewegung in Richtung S-Bahn und stiegen dann in den Zug ein. Wir fuhren zu mir nach Hause, denn er schlief ja noch bei uns. Auf dem Fußweg zu mir merkte ich, wie wieder die Kopfschmerzen kamen. Plötzlich wurde mir total warm. Ich blieb kurz hinter Tobi stehen und atmete einmal tief durch. Mein Freund blieb ebenfalls stehen und stellte sich vor mich hin. "Alles ok? Brauchst du etwas zu trinken?" Ich nickte und sofort öffnete er meine Tasche, wo er meine Flasche Wasser und die Tabletten fand. Er reichte mir das Wasser und fragte mich währenddessen: "Wofür sind diese Tabletten? Die sehen nicht wie Schmerztabletten aus." Ich trank erstmal aus der Flasche und schraubte dann den Deckel wieder drauf. "Schatz?", fragte er nochmal, er klang besorgt. "Das sind meine Medikamente...Ich..." "Medikamente? Wozu brauchst du sie? Bist du etwa krank?" Ich traute mich nicht es ihm zu erzählen. 'Was, wenn er sich genauso Sorgen macht, wie meine Eltern? Dann macht er sich genauso fertig. Nein, das will ich nicht!' "Jetzt sag schon!" "Nein, bin ich nicht. Ich hab nur häufig Migräne-Anfälle. Ist nichts schlimmes, das geht gleich wieder weg." Er sah mich immer noch besorgt an, aber es sah so aus, dass er mir glaubte. Ich legte meine Tabletten wieder in meine Tasche, zusammen mit meiner Flasche. Er nahm wieder meine Hand und so liefen wir nach Hause.
Zuhause angekommen erwarteten meine Eltern uns schon. "Hallo, ihr Süßen." Tobias und ich lachten und umarmten beide meine Eltern. "Wo ward ihr denn?" "Am Weiher, wo wir öfters sind. Das Wetter ist ja so schön und dann hatten wir Lust dahin zu fahren. "Hast du deine Tabletten genommen? Du weißt, du musstest sie um 15 Uhr nehmen." Ich verdrehte die Augen und antwortete genervt: "Ja, habe ich. Tobias und ich gehen mal hoch in mein Zimmer." Ich nahm ihn an die Hand und zog ihn mit mir die Treppen hoch. Oben angekommen schloss ich meine Zimmertür, während Tobi sich schon einmal auf mein Bett setzte. Ich drehte mich zu ihm um, aber musste dann in sein besorgtes Gesicht schauen. "Was ist los, Schatz?" "Hör mal, Chrissi. Das vorhin auf dem Heimweg war kein Migräne-Anfall, oder?" "Doch, war es! Was sollte es sonst gewesen sein?", versuchte ich überzeugend zu sagen. Er zuckte nur mit den Schultern und zog dann sein Handy aus der Tasche. Er schrieb wahrscheinlich einigen seiner Kumpels zurück, während ich mich schnell versuchte umzuziehen, ohne dass er es bemerken sollte. Ich drehte mich extra mit dem Rücken zu ihm. Als ich mich wieder umdrehte, kam er gerade auf mich zu, immer noch mit diesem Blick. "Tobias, hör auf so zu schauen. Es ist wirklich nichts schlimmes." Ich küsste ihn kurz und schmiss mich dann endlich auf mein Bett. Auf mein Freund kam dazu und legte sich neben mich. Wir starrten beide die Decke an und ich merkte, wie meine Augen langsam zu fielen.
Irgendwann wurde ich sanft von einem Handkuss geweckt und ich öffnete langsam meine Augen. Es war mein Papa, der auf meiner Bettkante saß. "Guten Morgen, Prinzessin. Gut geschlafen?" Ich nickte und rieb mir vorsichtig den Schlaf aus den Augen, damit ich meine Schminke nicht komplett verschmierte. Ich setzte mich aufrecht hin und sah mich in meinem Zimmer um. "Wo ist Tobias? Hat er auch geschlafen?", fragte ich meinen Papa. "Er ist unten und hilft deiner Mama beim Abendessen. Er ist wirklich ein total netter Kerl. Ich mag ihn, obwohl er anfangs nicht so mein Geschmack war." "Das klingt so, als du jetzt auch auf ihn stehst", lachte ich los und auch mein Dad stimmte mit ein. Er hatte noch eine meiner Hände in seiner und an dieser zog er mich aus dem Bett und die Treppen herunter. Wir kamen unten in der Küche an und sahen den beiden 'Hausfrauen' beim Kochen zu. Die beiden lachten und schwang seine Hüfte hin und her im Takt zur Musik. Mein Papa ging auf meine Mum zu und umarmte sie vorsichtig von hinten, denn sie war ziemlich schreckhaft. Er meisterte seine Aufgabe mit Bravur und meine Mama lächelte ihn an. Inzwischen hatte sich Tobias zu mir umgedreht und kam ebenfalls auf mich zu. "Na, hast du gut geschlafen, Baby?" Ich nickte zufrieden und küsste ihn. "Hast du auch geschlafen?" "Nein, ich hab nach 20 Minuten etwa gemerkt, dass du schläfst und hab mich dann raus geschlichen", gab er mir lächelnd als Antwort. Ich wollte ihn mit mir auf die Couch ins Wohnzimmer ziehen, aber er blieb stehen und meinte: "Das Essen ist noch nicht fertig und ich hab deiner Mama versprochen, dass ich ihn helfe." Ich schob meine Unterlippe etwas nach vorne und schmollte meinen Freund an. Er lachte, gab mir noch einen Kuss und ging dann wieder zu meiner Mama, die inzwischen auch meinen Vater raus geschickt hatte. Wir zwei setzten uns ins Wohnzimmer und warteten, dass unsere Lieblingsmenschen das Essen kochten.