Sonntag, Oktober 26, 2014

Kapitel #13

Die nächsten beiden Stunden gingen sehr langsam vorbei. Ich hatte nicht einmal Lust irgendetwas zum Unterricht beizutragen. Ich starrte lieber einfach aus dem Fenster runter auf die Straße, wo Menschen mit ihren Hunden Gassi gehen, mit dem Fahrrad fahren oder einfach sinnlos rumliefen. "Ach, wäre es schön jetzt da draußen zu sein und nicht hier zu sitzen. So unproduktiv wie ich eh schon bin, kann ich auch Zuhause sein", dachte ich mir, als es plötzlich an der Tür klopfte. Die Tür ging auf und gerade gongte es zur 4.Stunde. Die Tür öffnete sich komplett und es kam das Mädchen aus der Pause rein. "Hallo. Ich bin die Neue an der Schule," sagte sie sehr selbstsicher. Ich hatte sie eher schüchtern in Erinnerung, aber anscheinend war das nur eine Fassade. Unsere Geschichtslehrerin bat das Mädchen rein und fragte sie nach ihrem Namen. "Julia heiße ich." Die Lehrerin nickte und fügte hinzu: "Leider ist nur noch ganz hinten ein Platz frei. Setzt du dich bitte da hin?" Julia nickte und lief an den Tischen vorbei ganz nach hinten. Das war der letzte Platz, also hatte Tobias keinen Platz mehr. "Ehm, das geht aber nicht! Wo soll denn dann Tobias sitzen?", fragte ich entsetzt. Die Lehrerin schaute mich an und antwortete: "Tobias geht von der Schule. Hat man euch das denn nicht gesagt?" Alle sahen sich an und flüsterten mit dem Banknachbar. "Okey, dann machen wir mal weiter mit dem Unterricht. Ach ja, ich würde dich darum bitten, dass du Julia ein wenig durch die Schule begleitest, bis sie sich hier eingelebt hat, Christina", sagte sie sie auffordernd mit einem Lächeln. Ich nickte nur und sah hinter zu Julia, die mich nett anlächelte. 
Auch diese Stunde verging langsam, aber dann war sie doch endlich vorbei. Ich wollte gerade raus rennen, als ich von hinten meinen Namen rufen hörte. "Christina! Warte!." Ich blieb stehen und wartete auf Julia. "Du musst mir nicht helfen! Ich finde mich auch allein zurecht. Bis dann", sagte sie mit einem zu stolzen Tonfall. Sie schob sich an mir vorbei und ich schaute ihr nur überrumpelt hinterher. Ich ging dann auch langsam die Treppen runter. Ich hatte zum Glück nach der 4.Stunde Schulschluss. Ich lief runter zur Bushaltestelle über den Schulhof und wartete auf meinen Bus, der wie immer 5 Minuten zu spät kam. Ich stieg in den Bus ein, setzte mich ganz hinten hin - obwohl ich überall hätte sitzen können, weil der Bus um die Uhrzeit komplett leer war -, nahm mein Handy raus und steckte meine Kopfhörer an. Während die Musik in meinem Ohren dröhnte, dachte ich über Tobias nach. Dann fiel mir auch der Kuss wieder ein. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass er mich küsst, aber es war ein schönes Gefühl. Nur wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob ich auch etwas für ihn empfand. Sowieso wusste ich zu dem Zeitpunkt auch nicht, wie das hätte klappen sollen mit uns, wenn er sich zuvor noch bei mir verabschiedete und danach einfach verschwand, ohne mich anzuhören. Ich spürte, wie die Wut in mir heranwuchs und machte deshalb meine Musik lauter, um meine Gedanken und meine Gefühle zu unterdrücken.
Nach 10 Minuten Busfahrt musste ich dann aussteigen und lief zu meinem Haus. Mein Vater war gerade in der Garage und machte etwas am Auto. "Hallo, Papa. Was machst du da?", fragte ich ihn neugierig. Ich drehte sich zu mir um und lächelte. "Hallo, Kleines. Wie war's in der Schule? Alles gut?" Ich nickte und lief an ihm vorbei in den Vorgarten zum Haus. Ich wühlte in meiner Tasche nach meinem Hausschlüssel, aber meine Mama musste mich von innen gesehen haben, denn sie öffnete plötzlich die Haustür. Ich begrüßte sie mit einer Umarmung und lief Richtung Treppe, um hoch in mein Zimmer zu gehen. Ich warf meine Schultasche vor meinen Schrank auf den Boden und schmiss mich, wie immer auf mein Bett. "Ich liebe dich, mein Bett! Ich werde dich nie wieder verlassen", sagte ich müde, aber glücklich. Ich schloss für einen Moment die Augen, als meine Zimmertür aufging und meine Mama rein kam. "Süße, es gibt essen. Kommst du runter?", fragte sie mich. Ich gab nur ein "Mhm" von mir und drückte mich mit meinen Händen vom Bett ab. Ich stand auf, band meine Haare zu einem Zopf fest und wusch mir die Hände. Unten angekommen setzte ich mich an den Familientisch und nahm mir etwas von der Nudelsuppe. Ich hatte einen ziemlich großen Hunger, schließlich hatte ich in der Pause keine Zeit etwas zu essen. Ich beeilte mich ziemlich, denn als ich mit dem Essen fertig war, waren meine Eltern gerade einmal bei der Hälfte ihres Tellers. Ich stellte meinen Teller auf die Küchenarbeitsplatte und bedankte mich nach für das Essen, wie ich es von meinen Eltern gelernt hatte. Ich lief wieder hoch, putzte mir die Zähne, ging in mein Zimmer und schlug die Tür zu. Ich steckte mir wieder die Kopfhörer in die Ohren und hörte meine Spotify-Playlist durch. Irgendwann fiel mir ein, dass ich ja noch Hausaufgaben auf hatte, nur wusste ich nicht, was genau. Deshalb fragte ich Tamara über Whatsapp und wartete auf eine Antwort. Nach 15 Minuten hatte sie mir immer noch nicht geantwortet, deshalb schrieb ich Sophia auch an und von ihr bekam ich dann die Aufgaben gesagt. Ich nahm meinen Ordner und mein Mäppchen und setzte mich auf mein Bett. Ich versuchte alles so schnell wie möglich hinter mir zu kriegen und gerade als ich den letzten Satz schreiben wollte, klingelte mein Handy. Ich sah auf den Display, aber ich kannte die Nummer nicht, die aufblinkte. Ich nahm einfach an und fragte: "Hallo?" "Hallo, Christina. Ich bin's", sagte eine mir vertraute Stimme. "Tobias? Hast du eine neue Nummer?" "Ja, habe ich, aber deshalb rufe ich nicht an. Ich würde mich gerne heute nochmal mit dir Treffen, wenn es dir nichts ausmacht. Ich muss noch etwas mit dir bereden, wo ich ungern möchte, dass jemand anderes als du zuhört." Es war kurz still, aber dann antwortete ich: "Ja okey. Ist es denn etwas schlimmes?", fragte ich noch vorsichtig." "Ne, aber es ist wichtig. Ich klingel um 16 Uhr an deinem Haus und dann kommst du einfach runter, damit wir in den Wald rein laufen können, okey?" Ich nickte, als mir auffiel, dass er mich ja nicht sehen konnte. "Ehm, okey. Bis dann, muss auflegen und weiter Hausaufgaben machen." "Na dann will ich dich nicht weiter aufhalten." Er legte einfach auf, ohne einen Abschied. Ich legte mein Handy auf meinen Nachttisch und zerbrach mir den Kopf darüber, was er mir wohl erzählen wollte. "Ob es etwas damit zu tun hat, weswegen er von der Schule muss?", kam es mir in den Kopf.

Samstag, Oktober 25, 2014

Kapitel #12

Alle stürmten wieder zur Tür raus, in die nächste Stunde. Die Stunde verging total schnell, denn plötzlich gongte es schon zur Pause, aber ich hatte den ganzen Unterricht über nicht aufgepasst. Ich dachte mal wieder über Gott und die Welt nach. Also genauer gesagt dachte ich an Tobi und auch an Herr Hint. Ich fand es echt toll, dass er mir so zugehört hat, aber er ja eigentlich nicht mein Vertrauenslehrer oder der Schulpsychologe. Deshalb war mir das doch etwas unangenehm ihm mein Herz ausgeschüttet zu haben. 
Ich ging zusammen mit Tami und Sophia runter in die Pause, als unser Schuldirektor mit einem Mädchen an uns vorbei lief. Sie schien in unserem Alter zu sein, aber sah ziemlich zurückhaltend aus. Wir drei schauten ihr noch hinterher, wie sie sie mit dem Direktor die Treppen hoch lief. "Glaubt ihr, dass sie neu ist?", fragte ich Tami und Sophia. Beide zuckten mit den Schultern und ich sah Franzi hinter den beiden in unsere Richtung laufen. Eigentlich wollte ich nicht mit ihr reden, aber Herr Hint hat mir dazu geraten und deshalb wollte ich seinen Rat befolgen und lief ihr etwas entgegen. Man sah ihr im Gesicht an, dass es ihr leid tat, aber ich wollte sie dann doch etwas zappeln lassen, um zu sehen, was ich ihr als 'beste Freundin' bedeutete. "Christina, es tut mir echt leid. Ich wollte es dir sagen, aber..." "Aber was? Franziska, als beste Freundin solltest du mir das sagen, auch wenn ich sauer geworden wäre. Darauf, dass Tobias es mir von selbst sagt, kann ich lange warten! Franzi, wir haben keine Geheimnisse haben wir ausgemacht, oder nicht?" Sie nickte nur und schaute dabei zu Boden. "Schau mich bitte an!", bat ich sie. Sie hob langsam den Kopf und schaute mich mit feuchten Augen an. "Chrissi, bitte. Ich ertrage es nicht, wenn wir streiten! Das ist das Schlimmste für mich. Bitte verzeih mir." Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust und sah sie fest an. Ich wollte es ihr nicht so leicht machen. Schließlich hab ich nie etwas vor ihr verheimlicht. "Chrissi, ich verspreche, dass es nie wieder vorkommt!", sagte sie halb am heulen. Zu dem Zeitpunkt tat sie mir echt leicht, und darum lockerte ich meinen Blick und meine Arme und sah sie ebenfalls traurig und berührt an. "Franzi, kann du dieses Versprechen sicher halten? Schließlich konntest du es zunächst nicht halten. Kannst du..." "Ja, das kann ich! Wenn dadurch unsere Freundschaft gerettet wird", sagte sie fest entschlossen zu mir und sah mich mit einem ebenso entschlossenen Blick an. Ich wollte ihr wirklich glauben, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es einfach nicht ging. Trotzdem lächelte ich sie vorsichtig an und zog sie einfach in meine Arme. Sie fing an zu weinen, aber sie war nicht traurig, sondern glücklich. "Jetzt hör auf zu weinen. Mein Oberteil wird sonst dreckig von deinem Make-Up", sagte ich lachend. Sie zog sich aus der Umarmung und wischte sich die Tränen weg. Ihre Augen sahen wie die Augen von Pandas aus. Ich musste anfangen zu lachen und reichte ihr meinen kleinen Taschenspiegel. Sie erschrak bei ihrem Anblick und versuchte das zu retten, was zu retten war. Plötzlich wurde ich von hinten angerempelt und ich fiel fast zu Boden. "Ey, kannst du nicht aufpassen, du... Warte Tobi?" Tobias stand hinter mir, der total übermüdet schien. "Oh Gott, was ist denn los mit dir? Wo warst du die ersten beiden Stunden? Ich hab dich vermisst. Und angerufen hast du gestern..." "Ich bin nur hier, um dir zu sagen, dass ich von dieser Schule gehe. Ich muss zum Direktor, kommst du mit?" Ich sah ihn schockiert an. Dieser Satz flog zu schnell an mir vorbei. "Warte, kannst du das wiederholen?" "Kommst du mit?", fragte er nochmal. "Nein, ich meinte das davor." "Ach so, ja, ich muss die Schule verlassen. Den Grund kann ich dir nicht nennen. Oder jedenfalls nicht jetzt." Ich wurde plötzlich wieder wütend und spürte wie sich immer mehr Wut in meinem Bauch anstaute. "Du bist doch so ein Idiot! Du hast mich gestern schon nicht angerufen, um zu sagen, was los war am Telefon und warum du plötzlich so schnell weg warst. Und jetzt willst du mir noch mehr verheimlich? Tobias, warum tust du mir das an? Ich mach mir doch nur Sorgen!", sagte ich mit Tränen in den Augen. Ich merkte schon, wie mich einige Schüler anstarrten, weil ich das anscheinend zu laut schrie. Auch Tobias sah traurig aus. "Ich hab dich kennengelernt und das war gut. Aber jetzt müssen wir das wieder lassen. Sei mir nicht böse, aber ich geh dann jetzt." "Der Direktor ist eh nicht in seinem Zimmer, sondern oben mit irgendeiner neuen Schülerin wahrscheinlich", sagte ich ihm den Rücken zugedreht. Er seufzte laut. Ich spürte zwei Hände an meinen Schultern, die mich versuchten umzudrehen. "Lass mich!", schrie ich und schüttelte mich, damit er seine Hände weg nahm. Er versuchte es erneut und dieses Mal drehte ich mich zu ihm um. Er nahm plötzlich mein Gesicht in seine Hände und küsste mich einfach. Ich küsste ihn zurück. Schon nach kurzer Zeit zog er sein Gesicht weg und schaute mir in die Augen. "Das ist der Grund", flüsterte er in mein Ohr. Noch bevor ich etwas entgegnen konnte, ließ er mich los und lief schnell in Richtung Direktorat. Ich schaute ihm noch hinterher und ließ dann meinen Blick einmal um mich herum schweifen. Meine Freundinnen lächelten mich alle an, aber alle anderen Mädchen schauten mich mit wütenden und eifersüchtigen Gesichtern an. Ich merkte wie die Röte in mir aufstieg und rannte schnell in Richtung Hauptausgang nach draußen, wo es regnete. Ich stellte mich mitten auf den Schulhof in den Regen. Ich brauchte eine kleine Abkühlung, bis mir zu kalt wurde und ich dann wieder rein ging. Genau in dem Moment klingelte die Schulglocke, was hieß, dass die nächste Stunde anfing.

Mittwoch, Oktober 22, 2014

Kapitel #11

Wir redeten noch weiter, bis ein Mädchen aus meinem Kurs zu uns flüsterte: "Wusstet ihr schon, dass Tobias kifft? Ich hab ihn gestern mit paar Kumpels gesehen." Ich riss die Augen auf und schaute sie schockiert an. Aber nicht nur ich sah sie so an, sondern auch alle anderen. Nur ihre beste Freundin antwortete: "Klar weiß man das! Das weiß doch echt jeder inzwischen." "Also ich weiß das ja nicht", warf ich in die Runde. Die beiden schauten mich dumm an und fingen dann an zu lachen. "Klar weißt du das nicht, Prinzesschen. Du hast doch eh keinen Plan." Dabei fingen sie noch lauter zu lachen als zuvor. "Halt doch eure Fressen! Ihr verbreitet doch eh nur Gerüchte. Habt ja nichts besseres zu tun, als euch für andere Leben zu interessieren. Hör nicht auf...", ich unterbrach Tamara. "Ihr seid doch echt bescheuert! Tobias ist mein bester Freund und er würde mir sagen, wenn er so eine Scheiße machen würde! Wir haben schließlich keine Geheimnisse voreinander! Schreibt euch das mal hinter die Ohren!" Ich war total wütend auf die beiden, aber ich glaubte ihnen kein Wort. Tobi hatte mir ja wirklich versprochen, dass er keine weiteren Geheimnisse mehr vor mir hätte.
Ich holte mein Handy raus und sah nach, ob Franzi zu der Zeit online gewesen ist, und ich hatte Glück. Sofort schrieb ich sie an und berichtete ihr von den Gerüchten. Plötzlich klopfte es an der Tür und sie öffnete sich. Es war Franzi. "Was machst du denn hier? Wie konntest du...", fragte ich sie, bevor sie mich unterbrach. "Hallo, Herr Hint. Kann sie kurz raus zu mir?", fragte sie ihn. Er stimmte zu und ich rannte zu ihr zur Tür. Wir machten sie hinter uns zu und liefen Richtung Treppenhaus. "Hör mal, Chrissi. Luisa (das Mädchen, das das Gerücht verbreitet hat) hat leider Recht. Tobi kifft aber schon seit längerem. Tut mir leid." Diese Worte zogen mir den Boden unter den Füßen weg. "Du lügst mich doch genauso an, wie die beiden, oder? Sag es mir! Sag, dass das nur ein Witz war, bitte!" Meine beste Freundin schüttelte den Kopf und fügte noch hinzu: "Ich hab ihn auch vor 2 Tagen gesehen mit seinen Kumpels." "Warum hast mir das nicht gesagt?", fragte ich sie, "meinst du nicht, dass ich das zu wissen habe, wenn mein bester Freund sowas anstellt?" Sie zuckte mit den Schultern und sah mich mit ihrem Mitleidsblick an. Ich wollte ihr nicht weiter zuhören, darum rannte ich wieder schnell nach oben ins Zimmer und stürmte durch die Klassenzimmertür. Alle sahen mich erschrocken an, selbst der Lehrer. "Tut mir leid, falls ich euch erschrocken habe", versuchte ich nicht traurig klingend zu sagen. Herr Hint stand vom Pult auf und lief auf mich zu. "Ist alles in Ordnung? Du scheinst ziemlich durch den Wind zu sein, ehm..." "Christina. Und ja, es ist alles okey." Natürlich war es das nicht, aber das sage ich doch nicht einem Lehrer. Er sah mich mit einem leicht besorgten Blick an. Ich versuchte zu lächeln, aber er merkte, dass ich mich damit quälte und darum öffnete er die Tür und sagte: "Komm mal kurz raus." Ich wusste nicht, ob ich das tun sollte, aber tat es einfach. 
Ich hätte in dem Moment anfangen können zu weinen. Ich war so enttäuscht von Tobi, aber noch mehr enttäuscht war ich von Franzi, weil sie mir das nicht gesagt hatte. Herr Hint sah mich nach wie vor mit dem Blick an, der sagt 'Ich weiß ganz genau, dass nicht alles in Ordnung ist'. Ich seufzte laut, als Zeichen, dass ich eigentlich nicht darüber reden wollte. Aus irgendeinem Grund ließ er einfach nicht locker, deshalb fing ich trotzdem an zu erzählen. Zunächst von Tobi und dass wir uns schon einmal gestritten hatten wegen sowas und dann erzählte ich ihm noch von dem, was mir Luisa und Franzi erzählt hatten. Er hörte ganz aufmerksam zu und irgendwann wurden meine Beine ganz schwer, weshalb ich mich auf den Boden fallen ließ und mich an die Wand setzte. Auch er setzte sich runter zu mir.
In dem Moment wurde mir klar, was ich eigentlich getan hatte: Ich habe einem fremden Menschen von meinem Problem erzählt, was ich eigentlich niemals getan hätte. "Sag mal, geht's dir jetzt besser, nachdem du dir das alles von der Seele geredet hast?", fragte er vorsichtig nach einer Minute Schweigen. Ich fragte mich das selber und ich musste sagen, dass es echt gut tat. Deshalb nickte ich und lächelte ihn leicht an. "Danke." Auch er lächelte mich an und sagte dann: "Gerne. Ich mag es nicht, wenn Mädchen oder Frauen traurig sind. Ich merke sowas immer und dann versuche ich zu helfen. Auch wenn es meistens schwer ist, weil ich ja eigentlich ein Fremder für meine Schüler bin. Aber ich würde die raten, dass noch einmal mit Franziska redest. Schließlich ist sie ja deine beste Freundin. Und Tobi musst du nicht darauf ansprechen. Nur wenn du willst, aber du kannst auch abwarten, bis er vielleicht von selber kommt und es dir beichtet." Ich nickte und schaute zu Boden. Plötzlich hörten wir laute Stimmen aus dem Treppenhaus, wodurch wir beide aufstanden und ich dann die Tür öffnete, um wieder rein zu gehen. Mir war auf einmal wieder so warm. Es war aber eine angenehme Wärme und nicht die Wärme, weil mir etwas peinlich war. Ich war froh mit ihm geredet zu haben. Dann kamen auch alle anderen rein zusammen mit unserer Geografie-Lehrerin. Wir setzten uns alle auf unsere Plätze und ich hörte noch wie sie sich bei Herr Hint bedankte und wie er zu uns rief: "Tschüss!" Ich war die Einzige, die noch hinter rief: "Tschüssi!" Ich wusste nicht, warum ich das sagte. Die Lehrerin erzählte uns die Geschichte, weswegen sie zu spät war und gerade als sie fertig war, gongte es zur 2.Stunde.

Dienstag, Oktober 21, 2014

Kapitel #10

Diesmal musste ich bis zum nächsten Morgen durch geschlafen haben, denn ich wurde durch meinen Wecker geweckt. Ich öffnete ganz langsam die Augen, aber ich fühlte mich nicht müde. Das hieß, dass ich wirklich durch geschlafen hatte. Ich machte mich schneller fertig als sonst, denn ich hatte einen riesen Hunger. Nachdem ich mich angezogen und geschminkt hatte, hüpfte ich schnell die Treppen runter und begrüßte meine Eltern in der Küche: "Guten Morgen, liebe Familie!" Beide drehten sich zu mir und entgegneten: "Guten Morgen, Süße." Es ging mir einfach sehr gut an dem Morgen, darum machte ich mir keine Gedanken darüber, was ich essen sollte, sondern aß einfach das, auf was ich spontan Lust hatte. Ich machte mir eine Schüssel Müsli mit Obst und etwas Joghurt. Ich aß in Ruhe mein Essen, als meine Mama plötzlich sagte: "Christina, du musst in 5 Minuten los. Soll ich dich lieber fahren, denn dann hast du mir mehr Zeit?" Mit meinem Essen im Mund nickte ich und versuchte dabei leicht zu lächeln. Auch sie lächelte und aß ihren Apfel. Endlich war auch ich fertig mit genießen, denn ich musste ja noch Zähne putzen und Schuhe und Jacke anziehen. Ich erledigte das schnell und flitzte dann runter zur Garage, wo Mama schon auf mich im Auto wartete. Ich stieg ein und dann fuhren wir auch schon los.
In der Schule angekommen begrüßte ich erst einmal Franzi, Tamara und Sophia glücklich und umarmte alle drei gleichzeitig. Ich drehte mich immer wieder in alle Richtungen, denn Tobias war noch nicht da. Auch nach 5 Minuten war noch nichts von ihm zu sehen, darum gab ich es auf und unterhielt mich mit meinen Freundinnen. "Glaubt ihr, dass wir heute in Geografie einen Test schreiben?", fragte Franzi uns. Sophie schüttelte den Kopf, aber Tami bekam gleich total die Panik und kramte deshalb in ihrem Ordner nach dem Eintrag, den wir in der vorherigen Stunde gemacht hatten. "Tami, beruhige dich doch. Du kannst doch eh alles, also schalte mal einen Gang runter." Sie schüttelte panisch den Kopf und suchte weiter danach. Sophie und ich verdrehten nur die Augen, denn es stimmte, was Franzi zu ihr gesagt hatte. Tamara war wirklich sehr schlau und musste meistens gar nicht lernen für irgendwelche Tests und Klausuren. "Ich glaube sowieso nicht, dass sie etwas schreibt", sagte ich, "schließlich hat sie gesagt, dass sie zwar Tests schreiben könnte, sie aber eigentlich ankündigen möchte, wenn sie vorhat etwas zu schreiben." "Genau, mach dir keinen Kopf. Und ihre Abfragen sind ja..." Plötzlich sah ich Herr Hint von links auf uns zukommen. "Seid ihr der Kurs von der Frau Boiler?" Alle sahen ihn an und manche nickten und manche antworteten mit einem gewöhnlichen 'ja'. Ich sagte nichts, denn ich war zu sehr damit beschäftigt ihn anzuschauen. Plötzlich riss mich etwas aus den Gedanken, es war Franziska. "Christina, man. Hör auf damit! Das ist total falsch!", flüsterte sie, während sie mich mit einem seltsamen Blick ansah. Er redete weiter: "Sie sitzt auf der Autobahn fest und wird es deshalb nicht schaffen anzukommen, bis die 1.Stunde vorbei ist. Darum soll ich mit euch ins Zimmer gehen und euch beaufsichtigen." Er nahm die Schlüssel aus seiner interen Hosentasche und wollte gerade aufsperren, als ein Junge aus meinem Kurs fragend rief: "Können wir nicht runter in die Aula oder so? Ist doch total gammlig in dem Zimmer zu sitzen!" Herr Hint grinste nur und sperrte den Raum für uns auf. Wir gingen alle rein und setzten uns auf unsere Plätze. Franzi winkte noch von draußen, denn sie hatte ja woanders Unterricht. Herr Hint machte die Tür hinter sich zu,stellte seine Tasche neben das Lehrerpult ab und setzte sich auf einen Stuhl. Ich saß neben Tamara und neben ihr kam dann Sophie, die leider alleine saß. Wir saßen direkt vor dem Lehrerpult, was ich eigentlich hasste, weil die Lehrer dann alles sahen, was man so macht, aber Sophie wollte unbedingt vorne sitzen und Tamara wollte sie halt nicht alleine lassen. "Ey, wo ist denn eigentlich Tobi? Ist er krank?", fragte mich Tami. Ich zuckte nur mit den Schultern, denn ich hatte nicht vergessen, dass er mich ja am Tag zuvor noch anrufen wollte, was er ja nie getan hat. Ich fing an mir wieder Gedanken zu machen. Ich hoffte, dass ihm nicht passiert war, sondern dass er wirklich 'nur' krank war. Herr Hint machte eine Anwesenheitskontrolle und sagte dann zu uns: "Also, jetzt könnt ihr, wenn ihr wollt runter in die Aula gehen und euch dort aufhalten. Aber ihr dürfte nicht das Schulgelände verlassen, aber das sollte man in der 11.Klasse so langsam mal wissen." Nach dieser Ansage stürmten alle Jungs raus zur Tür. Herr Hint versuchte noch etwas zu schreien, aber das brachte nichts mehr, denn alle waren schon weg. Die meisten Mädchen saßen noch auf ihren Plätzen und unterhielten sich. Herr Hint kam zu den Mädchentischen und fragte: "Wollt ihr denn nicht auch raus?" Wir schüttelten den Kopf, also zumindest die anderen alle, denn ich war wieder einmal damit beschäftigt ihn anzustarren. Er musste es bemerkt haben, denn er schaute mich auch an und lächelte verschmitzt. Auch ich lächelte ihn an und wandte mich dann - peinlich berührt - zu den anderen Mädels und wir erzählten uns, was wir so am Wochenende gemacht hatten.

Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #9

Plötzlich wurde ich durch einen kleinen Schubs an der Schulter wach. Ich machte schnell die Augen auf und erschrak dabei leicht. Es war meine Mum, die mich besorgt ansah. „Was ist los, Mama?“, fragte ich sie. „Ich hörte doch plötzlich laut schreien und war total erschrocken. Und dann hab ich gemerkt, dass du total geglüht hast. Geht es dir nicht gut?“ Ich hatte das natürlich nicht bemerkt, schließlich hatte ich geschlafen. Ich zuckte nur mit den Schultern und antwortete: „Eigentlich geht es mir gut. Wahrscheinlich nur schlecht geträumt.“ Sie sah immer noch besorgt zu mir runter, aber versuchte ein wenig zu lächeln. Ich richtete mich langsam auf und streckte mich ein wenig. „Wie spät ist es eigentlich?“, fragte ich sie. „Kurz vor 1 Uhr.“ Ich riss die Augen auf und sprang schnell aus dem Bett. „Hat er angerufen?“ Sie schüttelte bedrückt den Kopf und verließ einfach mein Zimmer. „Komm essen“, schrie sie noch in mein Zimmer, während sie runter lief. Ich lief ihr schnell hinterher.
Ich beeilte mich mit dem Essen, denn ich wollte so schnell wie möglich wieder an mein Handy, um seinen Anruf entgegen nehmen zu können. Ich stolperte schon fast die Treppen hoch ins Badezimmer, um meine Zähne zu putzen. Anschließend rannte ich weiter in mein Zimmer und hüpfte auf mein Bett. Kein entgangener Anruf auf meinem Handy. „Irgendwie lässt er sich schon ziemlich Zeit“, dachte ich mir.
Wieder legte ich mich hin und las weiter aus dem Buch. Auch dieses Mal kam ich nicht wirklich weit, weil ich wieder so müde wurde. Ich wollte aber nicht noch einem einschlafen, aus Angst, dass er doch noch anrufen würde. Ich klappte das Buch wieder nach 15 Minuten zu und fragte mich dann: „Warum warte ich eigentlich die ganze Zeit? Ich kann diese Zeit auch sinnvoll nutzen!“ Darum setzte ich mich an meinen Schminktisch, nahm mir meinen Zeichenblock, mein kleines Mäppchen mit Bleistiften und Radiergummi und versuchte kreativ zu sein. Ich hatte schon lange nicht mehr gezeichnet. Das war eine Zeit lang mein größtes Hobby, aber irgendwann fand ich die Zeit dazu nicht. Am Liebsten zeichnete ich Comic-Figuren einfach so aus dem Kopf und ließ sie Unterhaltungen führen. Das Zeichnen beruhigte mich immer, wenn ich Stress hatte oder einfach mal Abwechslung von der Schule und allem brauchte.
Aber auch das konnte mich nicht lange ablenken. Nur musste ich nicht an Tobi denken, sondern ganz plötzlich kam er mir wieder in den Sinn: der Lehrer. „Was soll das? Warum denke ich an ihn schon wieder?“ Ich versuchte sein Bild wieder aus meinem Kopf zu schütteln, aber es klappte nicht. Ich versuchte weiter zu zeichnen, aber ich konnte mich nicht ablenken. Also musste ich den Stift wieder weglegen und mich auf mein Bett werfen. Ich schloss wieder meine Augen. Geplant waren nur 5 Minuten, aber ich musste wohl wieder eingeschlafen sein.
Irgendwann wurde ich wieder von meiner Mutter geweckt. Diesmal erschrak ich nicht, aber ich wollte so schnell wie möglich wissen, wie spät es war. „Fast 19 Uhr. Was ist denn los mit dir?“, fragte sie besorgt. Ich schnappte mir schnell mein Handy, aber es stand immer noch kein Anruf in Abwesenheit. Ich machte mir Sorgen und wurde langsam traurig, weil ich dachte, dass er mich vergessen hatte. Ich legte mein Handy wieder auf die Kommode neben meinem Bett. „Willst du was essen, Liebes?“, fragte sie liebevoll. Ich schüttelte nur den Kopf und kuschelte mich wieder unter die Decke. Ich richtete sich auf und wollte gerade gehen. „Warte! Kannst du mir eine Tasse Tee hoch bringen?“ Sie drehte sich um, lächelte mich an und nickte dabei. Dann verschwand sie schon aus meinem Zimmer.

Ich überlegte schon, ob ich ihn anrufen sollte, aber dann dachte ich mir, dass es einen Grund geben musste, dass er nicht anrief. Ich starrte eine Weile an die Decke und dachte nach, als es an meiner Tür klopfte und meine Mama mit einer Tasse hereinkam. Sie stellte sie auf meine Kommode ab, gab mir einen Kuss auf die Stirn und ging wieder raus. Ich nahm einen Schluck aus der Tasse und machte eine Spotify-Playlist an. Ich trank weiter aus der Tasse bis sie endlich leer war und stellte sie wieder auf mein Bett. Und wieder passierte es, sein Bild tauchte vor meinen Augen auf. Wieder versuchte ich den Anblick loszuwerden, aber es funktionierte einfach nicht. Ich gab es auf und schloss einfach die Augen in der Hoffnung, dass es dann endlich verschwindet. Und das gelang mir, aber nur weil ich wohl wieder eingeschlafen war.

Kapitel #8

Wir saßen einige Zeit einfach nur still da. Ich hatte inzwischen meinen Kopf auf seine Schulter abgelegt. Neben ihm ging es mir einfach gut. „Sag mal, würde es dich wirklich nicht stören, wenn ich mit dem Rauchen nicht aufhören würde?“, fragte er mich leise. Ich hob meinen Kopf und sah ihm in die Augen. Erst jetzt fiel mir auf, wie schön seine Augenfarbe war. Seine Augen waren in ein schönes meeresblau getaucht. Ich lächelte ihn nach der Frage an und schüttelte bestimmt den Kopf. Auch er lächelte dann, als es plötzlich an meiner Tür klopfte. „Herein!“ Die Tür öffnete sich langsam und mein Papa spitzte rein. „Was gibt es, Papi?“, fragte ich ihn. Er lächelte nur und sagte: „Mama hat Kaffee und Kuchen ins Wohnzimmer gestellt. Wenn ihr auch was wollt, könnt ihr ruhig runter kommen.“ Ich sah zu Tobias, der nickte, aber ich hatte keine Lust auf Kuchen. Es war schließlich erst etwa 10 Uhr. Trotzdem ging ich mit Tobi und Papa runter und dann setzten wir uns an den kleinen Couchtisch. Tobi ließ sich von meiner Mama Kaffee in seine Tasse einschenken und aß in Ruhe sein Stück Kuchen. Als Mama mich nach Kaffee fragte, lehnte ich ab. Ich war sowieso kein großer Freund von Kaffee. Ich war mehr der Teemensch. Ich holte mein Handy aus meiner hinteren Hosentasche raus und schrieb mit Franziska und Tamara. Sie wollten an dem Nachmittag mit mir was ausmachen. Ich wusste aber nicht, wie lang ich was mit Tobias machen wollte, also sagte ich noch nicht zu, aber auch noch nicht ab.
Christina, bitte leg das Handy weg, wenn wir am Tisch sitzen“, bat mich meine Mutter. Ich nickte und steckte mein Handy wieder in die Tasche zurück. „Also, der Kuchen ist wirklich sehr lecker. Haben Sie ihn selber gemacht?“, fragte Tobi meine Mama. Sie lachte nur und sagte: „So in etwa. Er ist selbst gekauft.“ Dann lachten wir alle und irgendwann hatte auch ich Lust auf ein Stück. Ich wollte gerade nach einem kleinen Stück greifen, als sich plötzlich kurz vor dem Teller Tobis und meine Hand berührten. Sofort zog ich meine wieder zurück und merkte, wie ich plötzlich rot wurde. Er nahm ein Stück vom Teller und reichte es mir. Ich sah ihn an und er auch mich mit seinem süßen Lächeln. Mir wurde plötzlich noch wärmer, denn das war mir wirklich unangenehm. „Nimm das Stück. Es gehört dir, nachdem du ja noch keins hattest“, sagte er total lieb zu mir. Ich lächelte und nahm es entgegen. Tobi nahm sich ein neues Stück vom Kuchen und aß es in Ruhe. Das peinliche Gefühl verschwand so langsam, aber es war mir trotzdem noch unangenehm. Meine Mutter merkte dies und fing deshalb ein Thema an. „Darf ich fragen, warum ihr euch eigentlich gestritten hattet?“ Ich sah sie mit einem schockierten und zugleich nervösen Blick an. Ich versuchte ihr mit dem Kopf und meinen Augen Zeichen zu geben, dass sie aufhört damit darüber zu reden, aber Tobi war dann doch zu schnell für mich. „Frau Kohl, es ging um ein kleines Missverständnis. Es war mein Fehler, aber wir haben vorhin darüber geredet und dann war zum Glück wieder alles gut. Ich mag es nicht mit Chrissi zu streiten, darum hab ich mich bei ihr entschuldigt und ie hat meine Entschuldigung zum Glück angenommen.“ Meine Mama nickte und hörte ruhig zu. „Jemand hat mal gesagt, dass man sich nichts vergibt, wenn man sich entschuldigt und das derjenige ein großes Herz hat, der verzeihen kann.“ Nachdem er diesen Satz aussprach, kamen mir die Tränen. Das war wirklich das Schönste, das ich seit langem gehört hatte. Ich konnte nicht anders, als mich ihm in die Arme zu werfen. In dem Moment war mir zu 100 Prozent klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, ihm zu verzeihen.
Plötzlich klingte sein Handy und man sah 'Mama' aufblinken. Er stand auf, ging aus dem Zimmer und ging an sein Telefon ran. Ich sah zu meinen Eltern, die mich wie Verrückte angrinsten. „Was ist?“, fragte ich verwirrt. Sie zuckten nur mit den Schultern und tranken – immer noch mit dem Grinsen – ihren Kaffee. Ich fand das ein wenig gruselig, aber versuchte es dennoch zu ignorieren.
Etwa 5 Minuten später kam Tobi wieder rein, dabei sah er aber nicht sonderlich glücklich aus. „Alles ok?“, fragte ich vorsichtig. Er schaute mich nicht mal an, sondern nickte einfach so mit dem Kopf. Ich sah besorgt zu meinen Eltern, aber auch sie schauten mich nicht an. Ich hatte keine Ahnung, was dies zu bedeuten hatte, aber ich fand das sehr merkwürdig. „Tobias, sag doch, was ist los. War das deine Mum?“, fragte ich nochmal, nachdem mir Tobi nicht sagen wollte, was los war. Er nickte wieder stumm, aber schaute dann irgendwann doch zu mir. Man sah in seinen Augen, dass er traurig und wütend zugleich war. Ich wollte gar nicht mehr nachfragen, sondern nahm meinen besten Freund einfach in die Arme. Man hörte ihn ganz leise schluchzen, was ich nicht normal fand, weil er ja eigentlich nicht der Typ war, der heult oder einfach richtig Gefühle zeigt. Das wusste ich nach den knapp 4 Wochen schon über ihn und darum war ich so überrascht über diese Reaktion. Kurze Zeit später hob er seinen Kopf und zog sich etwas zurück. „Ich muss nach Hause. Ich ruf dich später an und erzähle dir dann, was los ist, okey?“ Ich wollte nicht, dass er geht und darum schüttelte ich heftig den Kopf und hielt ihn am Arm fest. „Tobias, ich mache mir Sorgen. Sag doch, was los ist“, bat ich ihn etwas lauter. Er riss seinen Arm aus meinem Griff und schüttelte nur den Kopf. „Tschüss, Herr und Frau Kohl. Ciao, Chrissi. Ich ruf dich an, versprochen.“ Ohne auf etwas von mir zu warten, verließ er einfach das Wohnzimmer und anschließend das Haus. Ich sah leicht verwirrt zu meinen Eltern und deren Blick war auch nicht anders. „Ich mache mir Sorgen um ihn. Warum wollte er mir nicht sagen, über was er mit seiner Mum gesprochen hat?“, fragte ich sie leicht verzweifelt. Sie konnten mir beide keine Antwort darauf geben.

Ich wollte da nicht mehr sitzen, also stand ich einfach auf, nahm meine Tasse Kaffee und lief die Treppen hoch in mein Zimmer. Ich hatte nichts zu tun, weder für die Schule noch im Haushalt, also legte ich mich ins Bett und schnappte mir mein Lieblingsbuch. Ich las nicht lange, denn nach circa 15 Minuten wurden meine Augen schwer. Ich wartete eigentlich noch auf Tobis Anruf, aber ich wusste, dass ich lange warten konnte. Deshalb legte ich mich ins Bett, deckte mich zu und schloss meine Augen. Aus irgendeinem Grund war ich total fertig. Es war ja noch nicht einmal Mittag, aber es fühlte sich an als wäre es spät am Abend.

Kapitel #7

Ich stand vom Bett auf und ging erst mal ins Bad. Aus irgendeinem Grund ließ ich mir an dem Morgen extra viel Zeit. Irgendwann schaute ich nochmal auf meinen Wecker und musste entdecken, dass es ja erst Sonntag war. Genervt schmiss ich mich wieder ins Bett und seufzte einmal laut. „Na toll, dann kann ich heute doch noch nicht mit Tobias reden. Oder soll ich ihn anrufen und mich einfach so nochmal mit ihm treffen?“, fragte ich mich selber. Ich dachte wirklich darüber nach, denn ich wollte unbedingt mit ihm reden, damit wir das - wenn möglich - aus der Welt schaffen konnten. Ich rappelte mich nach 10 Minuten sinnlosem Rumliegen wieder auf und stolzierte leise die Treppe runter ins Wohnzimmer. Ich hatte in meinem Zimmer leider keinen Fernseher, also musste ich immer runter, wenn ich Lust hatte etwas anzuschauen. Ich sah auf den großen Stapel DVDs im Regal über dem Fernseher und hatte mal wieder die Qual der Wahl: „Welchen Film schaue ich heute an?“ Ich ließ das Zufallsprinzip entscheiden und es kam raus, dass ich Step Up: Miami Heat anschauen sollte. Also nahm ich mir die DVD runter, schob sie in den DVD-Player und machte es mir auf dem Sofa bequem.
Ich musste wohl mitten im Film eingeschlafen sein, denn als ich aufwachte, erinnerte ich mich nicht mehr an den Anfang des Films und als ich dann noch auf die Uhr sah, wusste ich, dass ich Recht hatte, denn ich hatte 2 Stunden weiter geschlafen. Es war 8:45 und der Film war schon lang vorbei. Ich machte nur den Fernseher aus und verschwand dann in der Küche um mir etwas zum Essen zu machen. Ich aß mein Müsli in Ruhe und ging dann hoch, um meine Zähne zu putzen.
Als nächstes ging ich in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Ich kramte ein paar helle Jeans und ein schwarzes T-Shirt aus meinem Kleiderschrank. Ich zog mich schnell an und stellte mich vor den Spiegel, um mich selbst zu betrachten. Ich öffnete meine geflochtenen Zöpfe un ließ meine Haare locker runterfallen. Sie ging mir bis knapp über die Brust. Ich fand, dass das immer die perfekte Länge für mich war, weil sie nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz waren. Ich trat näher an den Spiegel und bemerkte, dass ich vergessen hatte meine Kontaktlinsen rein zu tun. Ich ging nochmal ins Badezimmer und legte mir meine Kontaktlinsen rein. Ich starrte noch kurz in den Spiegel und schaute meine Augen an. „Sie fangen an wieder ins grau überzugehen“, bemerkte ich. Ich hatte von Natur aus blaue Augen und im Sommer sah man das auch, aber im Winter wechselten sie die Farbe und das fing meistens schon im Herbst an, so wie hier.
Ich hörte aus meinem Zimmer ein leises Klingeln und lief schnell rüber. Jemand rief mich auf meinem Handy an, die Nummer war unterdrückt. „Ja, hallo?“, fragte ich vorsichtig. „Hey, ich bin's.“ Es war Tobias. „Wieso ruft er jetzt schon an?“, fragte ich mich. „Tobi? Warum rufst du bitte an?“ Es war kurz still und dann antwortete er: „Ich muss einfach mit dir reden. Bitte sag mir, dass du heute Zeit hast. Auch wenn nur für 10 Minuten, aber bitte gib mir die Chance dir zu zeigen, dass mir unsere Freundschaft nicht egal ist.“ Ich musste gar nicht lang überlegen, sondern sagte sofort: „Ja, ich hab Zeit. Ich will auch unbedingt mit dir reden.“ „Puh, ok gut. Kommst du runter vor deine Haustür? Ich warte da“, fragte er mich. Ich rannte schnell zu unserem Balkon, schaute runter auf den Boden und da stand er mit seinem Handy am Ohr und schaute verzweifelt. Ich legte einfach auf und schrie runter zu ihm: „Bin in 2 Minuten unten.“ Er nickte und lächelte leicht. Ich zog mir schnell ein dünnes Jäckchen drüber, schnappte mir meine Schlüssel und ging raus vor die Tür.
Er sah niedergeschlagen aus. Zugleich auch verzweifelt und das bewies mir, dass er es ernst meinte und alles bereute. „Hallo, Chrissi.“ Er lächelte leicht und kam näher auf mich zu. Ich blieb einfach stehen und bewegte mich keinen Zentimeter. „Ich weiß nicht, wie viel Zeit du hast, aber ich will dir sagen, dass du mir total wichtig bist. Ich will nicht, dass...“ „Tobias, du hast mir weh getan! Wenn ich dir so wichtig wäre, hättest du mir das erzählst und es einfach riskiert, dass ich vielleicht den Kontakt abbreche. Aber ich kann dir sagen, dass ich das nicht getan hätte, weil ich dich sonst als Mensch mag. Ja, ich mag Raucher eigentlich nicht, aber du als Person machst alles aus und du als Person gefällst mir einfach. Verstehst du das?“ Er nickte und schaute mir weiterhin in die Augen. Das Lächeln war verschwunden, während ich redete und man sah wie seine Augen langsam glasig wurden. „Weinst du etwa?“ „Gerade noch nicht, aber du kannst mir glauben, dass ich meinen gestrigen Abend heulend verbracht habe.“ Plötzlich tat er mir noch viel mehr leid, denn ich wollte ihn nicht weinen sehen. Ich hätte nicht gedacht, dass er so sensibel war. Plötzlich brach er völlig zusammen und weinte einfach los. In dem Moment wusste ich nicht, was ich tun wollte, denn ich war völlig überfordert. „Tobias, bitte. Auch ich habe gestern geweint, denn ich wusste, dass ich überreagiert hatte und ich dachte, dass du jetzt denkst, dass ich so ein schlechter Mensch bin, der gleich den Kontakt abbricht, nur weil man mal einen Fehler gemacht hat.“ Er sah zu mir hoch, wischte sich seine Tränen weg und nahm mich einfach in den Arm. Genau das hatte ich gebraucht. Eine Umarmung von meinem besten Freund. Ich dachte nicht einmal im Traum daran, dass ich ihn weg schob, denn der Moment tat so gut und ich war total glücklich. Dann schob er mich von sich weg und sah mir nochmal in die Augen. „Ich will meine beste Freundin jetzt sofort zurück. Wenn du es willst, kann ich auch sofort aufhören zu hören oder es einfach so selten...“ „Nein, Tobias. Ich will dich nicht verändern. Es ist deine Entscheidung, denn ich möchte dich zu nichts zwingen. Als beste Freundin muss ich dich so akzeptieren und das tue ich auch. Ich will mich nicht mehr mit dir streiten und deshalb nehme ich deine Entschuldigung an und ich hoffe, dass du auch meine annimmst, weil ich ja gestern so überreagiert habe und dich einfach hab dort stehen lassen.“ Sein Lächeln wurde immer größer und er nickte kräftig. Nochmal umarmten wir uns und ich war wirklich so froh, dass zwischen uns wieder alles in Ordnung war. „Hey, ihr zwei. Ist wieder alles gut bei euch?“, schrie meine Mama von unserem Balkon aus. Ich erschrak leicht, drehte mich um und sah hoch zu ihr. Ich bemerkte, dass ich ein breites Grinsen in meinem Gesicht hatte, aber das war ja auch berechtigt, denn auch wenn ich Tobias noch nicht all zu lang kannte, war er neben meinen Eltern und Franzi der wichtigste Mensch in meinem Leben. „Wenn ihr wollte, könnte ihr beide rein kommen. Dann müsst ihr nicht da unten stehen, denn es soll auch bald anfangen zu regnen.“ Wir nickten beide und ich schloss die Tür zu unserem Haus auf. Wir gingen rein ins Wohnzimmer, sagten schnell hallo und dann ließ ich ihn vor laufen, hoch in mein Zimmer. Ich lief ihm nach und achtete auf seine Kleidung und seine körperliche Statur. Er war um einiges größer als ich, aber das war nicht sonderlich schwer, denn ich war nur 1,62m groß. Er trug ein paar normale Jeans, einen dunkelgrauen Hoodie und man sah unten ein Stück seines weißen T-Shirt, das er darunter trug. Mein Blick wanderte zu seinen blonden, perfekt liegenden Haaren, die mit Gel oder Haarspray perfekt fixiert waren. Er hatte eine ziemlich männliche Figur. Er war keinesfalls dick, aber auch nicht dünn, sondern leicht muskulös. Seine sah seine Wadenmuskeln, Oberschenkelmuskeln, seine Ober-und Unterarmmuskeln... Meiner Meinung nach war er eigentlich perfekt. Wenn er nicht mein bester Freund gewesen wäre, hätte er mein Traummann sein können. So stellte ich mir den Jungen vor, in den ich mich hätte verlieben können.
Irgendwann kam ich im Zimmer an und sah Tobi schon auf meinem Bett sitzen. Er sah sich meine Wände, meine Regale, einfach mein ganzes Zimmer im Überblick an. „Wie findest du's?“ Er sah mich lächelnd an und sagte: „So habe ich mir das Zimmer eines Mädchen wie dir vorgestellt.“ Ich sah mir mein Zimmer nochmal genauer an. Es war komplett weiß und sah sehr nach einem Mädchenzimmer aus. Meine Dekoration war teils rosa, teils pink, teils mintfarbig und auch ein wenig braun war dabei. Ich hatte ein relativ großes Bett und wie schon einmal gesagt, hatte ich keinen Fernseher in meinem Zimmer. Dafür ganz viele Regale für meine Bücher, meine Schulsachen und für meine Accessoires. Ich hatte einen ziemlich großen Eckschrank und daneben stand mein Schminktisch mit meiner Schminke und meinem Lieblingsschmuck und auf der anderen Seite war eine große Kommode mit Haarprodukten, Parfüms und noch einigen Schulsachen. Ich liebte mein Zimmer und anscheinend gefiel es auch Tobias.

Ich setzte mich neben ihm und ich lächelte ihn einfach nur an. Ich war echt froh ihn wieder zu haben, obwohl ich ihn eigentlich nicht verloren hatte.

Kapitel #6

Irgendwann war ich dann endlich Zuhause und setzte mich zu meinen Eltern ins Wohnzimmer. „Na, Liebes. Wie war es in der Stadt mit Tobias?“, fragte mich mein Papa. Ganz plötzlich kamen mir einfach die Tränen. Ich zog meine Knie zu mir heran und fing an zu weinen. Meine Eltern erschraken ein wenig. Meine Mama rückte näher zu mir und legte einen Arm um mich und zog mich näher an sich heran, damit ich meinen Kopf auf ihre Brust ablegen konnte. „Was ist denn passiert? Habt ihr euch gestritten?“, fragte sie vorsichtig und leise. Ich schüttelte nur langsam den Kopf und merkte wie es immer mehr Tränen wurden. Meine Eltern fragten zum Glück nicht mehr, sondern nahmen mich alle beide in den Arm. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr traurig, sondern war froh darüber, dass es auch Momente gab, in denen meine Eltern wussten, was sie tun sollten und was nicht. Irgendwann beruhigte ich mich endlich wieder und hob meinen Kopf von Mamas Brust. Sie sah mich leicht lächelnd an und in dem Moment fühlte ich mich total wohl. Auch wenn ich einen besten Freund verlor, ging es mir relativ gut. Ich gab meine Mama noch einen Kuss auf die Backe und sagte: „Danke. Danke, dass du nicht weiter nachgefragt hast.“ Nach diesen Worten nahm ich mir meine Tasche und meine Tüte und ging hoch in mein Zimmer. Dort schmiss ich alles auf mein Bett, zog mir bequeme Sachen an und setzte mich dann auf mein Bett. Es war inzwischen 18 Uhr und da fiel mir ein, dass ich ja in die Stadt ging, nur um meine Hausaufgaben nicht machen zu müssen. Darum schnappte ich mir meine Schultasche und meinen Ordner und sah mir an, was ich so zu tun hatte. „Text lesen, Vokabeln aufschreiben, eine Aufgabe aus dem Buch machen... Man hab ich viel zu tun“, sagte ich leise zu mir selber. Ich hatte wirklich keine Lust, aber ich wollte schließlich nicht, dass es mit meinen Noten bergab ging. Ich machte meine Hausaufgaben immer auf meinem Bett, auch wenn es meine Eltern überhaupt nicht mochten. Sie meinten immer, es würde meine Konzentration stören, aber dann fragte ich mich jedes Mal, wie ich es dann schaffte so gut in der Schule zu sein und auch zu bleiben. Ich machte in Ruhe meine Hausaufgaben; natürlich durfte die Musik nicht fehlen, denn dadurch blieb ich selbst bei den schwersten Aufgaben ruhig. Etwa 30 Minuten später war ich dann endlich fertig und dann musste ich natürlich für Montag lernen und mich vorbereiten. Ich hasste die 11. Klasse. Sie war viel anstrengender als die 10. Klasse, aber das war normal und damit musste man sich abfinden.
Dann war ich endlich auch fertig mit lernen und konnte mich endlich ins Bett legen für 10 Minuten. Es waren nur 10 Minuten, weil ich dann langsam hunger bekam und ich ja schließlich nicht zu spät noch essen wollte. Ich ging runter in die Küche, wo ich meine Mama fand, wie sie eine große Schüssel Salat machte. „Ist das unser Abendessen?“, fragte ich sie. Sie erschrak leicht und drehte sich total schnell um. „Erschreck mich doch nicht immer so!“ „Tut mir leid. Also ist das...“ „Ja, das ist unser Abendessen. Oder willst du was anderes?“, fragte sie besorgt. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und nahm zwei Gabeln aus der Schublade mit Besteck. Wir setzten uns an den Küchentisch und aßen entspannt. Ich merkte, wie sie mich ständig anschaute. Man spürte einfach ihren Blick und irgendwann wurde es mir zu blöd und darum fragte ich genervt: „Was ist denn? Hör auf mich so anzuschauen.“ Sie sah in die Schüssel und man sah ihr die Sorge an. „Okey, ja ich habe mich mit ihm gestritten. Ich möchte jetzt nicht sagen, wegen was, aber keine Sorge, es ist nicht so schlimm. Keine Ahnung, warum ich auf einmal angefangen habe zu weinen“, sagte ich zu meiner Mama, damit sie sich beruhigte. Plötzlich hatte ich keinen Hunger mehr. Das musste wohl daran liegen, dass der Streit von heute Nachmittag wieder hoch kam. „Ich geh rauf in mein Zimmer und mach mich langsam bettfertig“, sagte ich entschlossen. Sie sagte nichts, sondern nickte nur mit dem Kopf und aß weiter vom Salat. Ich lief die Treppen hoch ins Badezimmer, putzte mir die Zähne, schminkte mein Gesicht ab und sprang schnell unter die Dusche. Es ging relativ schnell, vor allem weil ich so schnell wie möglich in mein Bett wollte. Raus aus der Dusche zog ich mir meinen rosa Bademantel an und ging nochmal runter in die Küche, um mir eine kleine Flasche Wasser mit auf mein Zimmer zu nehmen. Oben zog ich mir dann meinen Schlafanzug an, flocht meine Haare zu zwei Zöpfen, damit sie am nächsten Tag wellig sind und ging nochmal runter um gute Nacht zu sagen. Inzwischen war es schon 21 Uhr. „Meine Güte, ging die Zeit schnell rum“, sagte ich in meinem Kopf. Ich legte mich ins Bett und nahm mir mein Lieblingsbuch mit dem Titel „Divergent – Die Bestimmung“ von Veronica Roth. Ich liebte dieses Buch so sehr. Es gab auch noch 3 weitere Teile, die ich alle besaß, aber das war mein Liebling. An dem Abend fing ich es zum dritten Mal an zu lesen. Plötzlich vibrierte neben mir mein Handy und man sah eine Whatsapp Nachricht ausleuchten. Sie war von Tobias. Eigentlich wollte ich ihn ja ignorieren, aber das fiel mir so schwer, weil er mir ja schließlich wichtig war. Also entsperrte ich mein Handy und las mir seine lange Nachricht durch:
'Chrissi, es tut mir wirklich total leid. Ich wollte dich niemals verärgern, geschweige denn verlieren. Ich hab es bisher immer geschafft nicht in deiner Nähe zu rauchen, aber heute traf ich ein paar Kumpels, die mir eine Zigarette anboten und ich brauchte sie einfach... Ich weiß, ich hätte es dir wenigstens schon etwas früher sagen müssen, aber ich brachte es nie über's Herz. Bitte verzeih mir, Christina. Ich vermisse dich, auch wenn es nicht mal einen halben Tag her ist, aber du bist mir so unglaublich wichtig. Wenn du wirklich willst, kann ich auch für dich aufhören oder zumindest weiterhin nicht mehr in deiner Nähe rauchen. Wie du willst, aber bitte verlass mich nicht. Ich brauche dich, weil du meine BESTE FREUNDIN bist. Bitte überleg es dir nochmal. Wir können ja am Montag in der Schule darüber reden. Vielleicht liest du es gar nicht, aber ich wünsche dir eine gute Nacht und träume süß, meine Süße.'
Diese Nachricht ließ mich erstmal nachdenken. „Er schrieb wirklich 'beste Freundin'. Soll das heißen, dass er genauso denkt wie ich? Bin ich ihm wirklich so wichtig? Soll ich morgen mit ihm darüber reden?“ So viele Fragen flogen in dem Moment durch meinen Kopf und ich bekam schon Kopfschmerzen vom vielen Nachdenken. Ich antwortete einfach nicht auf die Nachricht, sondern machte einfach mein Internet am iPhone aus und legte es auf meine Kommode neben meinem Bett. Ich wollte nicht mehr darüber nachdenken, deshalb machte ich einfach das Licht im Zimmer aus und kuschelte mich in meine Decke, um für den nächsten Tag ausgeschlafen zu sein.
In der Nacht träumte ich etwas komisches. Ich war wieder in der Stadt mit Tobias und wir liefen Hand in Hand durch die Gassen. Wir lachten viel, aßen zusammen ein Eis, er suchte mir schöne Oberteile aus und bezahlte manches auch. Plötzlich küssten wir uns mitten auf der Straße und liefen dann Hand in Hand zum Bahnhof und fuhren dann beide nach Hause. Unterwegs traf ich dann Franzi, die mich ganz fest umarmte und mit mir zu mir kam. Dann war der Traum plötzlich zu ende und ich hörte nur noch ein 'Ring Ring'.

Ich öffnete langsam die Augen und stellte meinen Wecker aus. Mein erster Gedanke war: „Heute werde ich mit ihm reden. Schließlich ist er mir wichtig und ich auch ihm.“ Doch dann fiel mir mein Traum wieder ein und plötzlich hatte ich ein ganz komisches Gefühl. „War ich wirklich im Traum mit Tobi zusammen?“, fragte ich mich selber. Dieser Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Kapitel #5

3 Wochen später.
In den Wochen zuvor ist zu wenig spannendes passiert, um davon zu berichten. An dem Tag war es Samstag. Es war ausnahmsweise mal wieder etwas wärmer als sonst. Darum entschied ich mich mal nicht für die Tests zu lernen, so wie ich es eigentlich immer tat, sondern dass ich shoppen gehen wollte. Anfangs wusste ich nicht, mit wem ich das tun sollte, aber dann bekam ich einen Anruf von Tobi. „Hey, Tobi“, sagte ich glücklich. „Hey du. Hast du heute vielleicht Zeit?“ Ich freute mich ein wenig und antwortete dann: „Naja, ich wollte eigentlich shoppen gehen. Hast du Lust mitzukommen?“ Es war kurz still am Telefon, aber dann kam ein „Klar, gerne“ von ihm zurück. Ich freute mich und wir machten aus, dass wir uns eine Stunde später am Bahnhof treffen wollten. Ich machte mich nach dem Telefonat noch fertig, also schminken und umziehen, als dann meine Mama in mein Zimmer kam. „Hast du was vor?“, fragte sie mich neugierig. „Jap, ich gehe mit Tobias in die Stadt. Ich brauche neue Sachen“, antwortete ich lässig. Sie sagte nichts, sondern ging einfach stumm aus meinem Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
In den letzten Wochen hatte ich mich immer mehr mit Tobias angefreundet und er wurde in einer so kurzen Zeit ein richtig guter Freund von mir, der immer für mich da war. Vor allem, wenn es um meine Eltern ging. Er kannte es, wenn die Eltern wegen jeder Kleinigkeit ausrasten und deshalb verstand er mich voll und ganz.
Ich schaute auf die Uhr und ich hatte noch 20 Minuten bis ich am Bahnhof sein musste. Ich band mir meine bis zur Brust langen Haare zu einem Pferdeschwanz fest, schnappte mir meine Tasche und meine Schlüssel und schrie noch von unten durch das Haus: „Tschüss, ich bin in der Stadt!“, bevor ich zur Bushaltestelle lief.
15 Minuten später war ich dann endlich am Bahnhof und oben stand er schon. Er wartete auf mich mit einem Grinsen im Gesicht und sah mir zu, wie ich auf ihn zu lief. Ich mochte sein Lächeln wirklich sehr, vor allem weil es nicht gestellt war, sondern er sich wirklich auf mir freute. Das kannte ich nur von meinen engsten Freundinnen, aber noch nicht von einem Jungen.
Ich hatte noch nicht erzählt, dass ich eigentlich nicht sonderlich beliebt bei den Jungs war. Ich wurde früher oft von ihnen gemobbt und runter gemacht, weil ich früher ziemlich anders war als die anderen Mädchen in meinem Alter. Jetzt ist es zwar nicht mehr so mit dem mobben, aber ich vertraute Jungs nicht mehr. Ich traue mich nicht mehr mit ihnen zu reden und auch wenn Freundinnen von mir mit Jungs redeten, bin ich meistens woanders hingegangen, nur um mich selbst zu 'schützen'. Tobias war der erste Junge seit langem, mit dem ich ein so gutes Verhältnis hatte.
Wir warteten noch etwa 5 Minuten auf den Zug und fuhren dann bis zum Hauptbahnhof der Stadt. Ich erzählte ihm ein wenig davon, wie mich meine Eltern noch nervten die Tage zuvor und er hörte gespannt zu. Meistens sagte er: „Das kenne ich zu gut von meinen Eltern. Das legt sich mit der Zeit, wenn du älter wirst und auch sie selbst merken, dass sie was falsch gemacht haben.“ Ich schüttelte bei dem Satz nur den Kopf und entgegnete: „Meine Eltern würden so etwas niemals einsehen. Dafür sind sie leider Gottes zu stur. Keine Ahnung, wie du es hinbekommen hast, dass sie nicht mehr nerven, aber bei mir ist das nicht so leicht. Sind halt leider ziemlich spießig.“ Er nickte nur und in der Stadt angekommen, wusste ich sofort, wo ich hin wollte. „Also zuerst gehen wir zu Tommy Hilfiger, dann zu Urban Outfitters, dann zu ...“ „Mach mal halb lang. Du hast ja ziemlich viel vor“, unterbrach er mich grinsend. Ich grinste ihn auch an und zog ihn einfach am Arm mit mir mit. Ich liebte Tommy Hilfiger. Seine Mode war einfach grandios. Am Liebsten mochte ich die Jeans oder auch die langärmligen Shirts. Tobias lief mir die ganze Zeit im laden nur hinterher und sagte kein Wort. Er sah sich nicht mal selbst nach Klamotten um, obwohl er viele Sachen von da hatte, also dachte ich, dass er Tommy Hilfiger auch so mochte. „Warum schaust du dich nicht auch um, sondern läufst mir nur hinterher?“, fragte ich lächelnd. Plötzlich drehte er sich um und lief zu einem Kleiderständer mit sehr schönen Jungs-Jeans. Ich pickte sich 2 Paar raus und zeigte mir beide ohne auch nur ein Wort zu sagen. „Rede doch mit mir. Gefallen dir die Hosen?“, fragte ich ihn. „Ja klar. Ich wollte nicht so jemand sein, der ein Mädchen einfach allein durch den Laden laufen lässt“, antwortete er mir. Er schmunzelte bei der Antwort, denn sowas von einem Jungen zu hören, war lustig. „Tobi, du kannst ganz ruhig rum laufen. Irgendwo treffen wir uns ja eh wieder, oder nicht?“ Er nickte und lief dann mit den Hosen auf dem Arm weiter durch meinen Lieblingsladen. Ich schaute mich auch noch weiter um und dann trafen wir uns bei den Kabinen wieder. „Bei mir kann es ja etwas länger dauern“, sagte ich. „Also wenn du willst, kannst du dann schon zur Kasse gehen und danach auch draußen warten. Also du musst nicht extra wegen mir hier drinnen warten.“ „Ok, kein Problem“, sagte er zufrieden und verschwand dann schon in den Kabinenflur für Jungs. Ich musste natürlich noch Ewigkeiten warten bis es bei mir vorwärts ging. „Warum brauchen die alle so lang?“, fragte ich mich in Gedanken selber. Endlich war ich dran. Ich zog mich schnell um, entschied mich für 2 von 5 Oberteilen und für einen Cardigan. Es war richtig warm in den Kabinen, darum beeilte ich mich total und rannte schon fast aus dem Flur zu den Kassen. Tobi war nirgends zu sehen, also nahm ich an, dass er schon draußen wartete, wo die Luft angenehmer war. Ich stellte mich an und auch da musste ich sehr lang warten.

Als ich dann endlich meine Sachen bezahlt hatte, lief ich Richtung Ausgang und freute mich auf die frische und nicht zu dicke Luft, doch was ich dann sah, konnte ich einfach nicht glauben. Ich sah Tobi bei 3 anderen Jungs stehen. Das war nicht das Schlimme daran, sondern eher, dass er mit ihnen zusammen eine rauchte. Ich rannte mit meiner Tüte in der Hand auf ihn zu und haute ihm kräftig gehen den Arm. Er erschrak, das sah man ihm an. Er drehte sich mit einem erschrockenen Blick um und sah mich an. „Du bist doch echt ein Arschloch! Wieso weiß ich nicht, dass du rauchst? Und wieso machst du das überhaupt? Mach die sofort aus!“, schrie ich ihn wütend an. Er sah mir immer noch in die Augen und man sah ihm an, dass ihm das sehr unangenehm war. Er schmiss seine Zigarette auf den Boden, trat auf ihr rum und schaute mich total schuldbewusst an. „Bitte, Chrissi. Es tut mir total leid! Ich dachte du brauchst noch länger und hab nicht damit gerechnet, dass du jetzt ...“ Noch bevor er weiter reden konnte, fiel ich ihm ins Wort: „Tobias, machst du etwa die ganze Zeit schon heimlich? Sorry, aber ich sehe nicht ein, deine Entschuldigung anzunehmen. Vor allem, weil du auch noch denkst, dass ich so blöd bin und es niemals gecheckt hätte. Ich gehe nach Hause. Mir egal, ob ich kaum was gekauft habe. Ich will dich eine Zeit lang nicht sehen.“ Ohne dass er was dazu sagen konnte, lief ich zurück in Richtung Bahnhof. „Wieso lügt er mich einfach an? Er hätte es doch wenigstens sagen können. Ich hasse es, wenn Leute rauchen, aber schlimmer ist es, wenn sie mich anlügen oder mir etwas verheimlichen“, dachte ich mir wütend. Ich dachte darüber nach, ob ich überreagiert hatte, aber ich wollte jetzt auch nicht wieder zu ihm zurück und mich entschuldigen. Stattdessen dachte ich mir: „Wenn ich ihm wichtig bin, kämpft er darum, dass ich ihm wieder vertraue und ihn als besten Freund zurück nehme.“ Plötzlich fiel mir auf, was ich da dachte. Ich meinte wirklich schon, dass er mein bester Freund war. Plötzlich war ich sauer auf mich selber, denn ich hatte wahrscheinlich meinen besten Freund verloren. Vor allem war das schlimm, weil ich ja kein gutes Verhältnis zu Jungs haben konnte oder mich einfach nicht traute. Ich lief in Richtung Züge, stieg in meine S-Bahn und fuhr traurig und gleichzeitig sauer auf mich, nach Hause.

Kapitel #4

Ich beschloss mich ein wenig hinzulegen. Einfach nur ausruhen, nicht schlafen wollte ich. Es verging eine Stunde, während ich nur die Decke anstarrte und nichts tat. Es tat gut einfach mal nur so herumzuliegen und nichts zu tun, so etwas braucht der Mensch auch mal. Irgendwann hörte ich ein Auto vor meinem Fenster und wusste, dass es mein Papa war. Ich rannte schnell die Treppe runter, um ihn zu begrüßen. Das tat ich immer, wenn er am Nachmittag aus der Arbeit kam. Er schloss die Tür auf und schon stand ich vor ihm. Er lächelte mich an und breitete seine Arme aus. Ich umarmte ihn fest und sagte: „Hallo, Papi.“ Er drückte ich leicht nach hinten und schaute mich zufrieden an. „Hallo, Spatz. Wie war dein Tag heute? Besser als gestern?“ Ich nickte und wir gingen zusammen ins Wohnzimmer. Ich erzählte ihm, dass ich einen Jungen kennengelernt hatte. Er riss die Augen auf, aber ich sagte noch schnell: „Er ist nur ein Freund! Wir hatten gestern eine kleine Auseinandersetzung und dafür hat er sich heute bei mir entschuldigt und dann haben wir uns ziemlich gut verstanden. Wir sind zusammen von der S-Bahn Heim gelaufen. Er ist wirklich nett.“ Er lächelte und nickte dabei. Plötzlich hörte man ein Geräusch. Es klang, wie ein knurrender Magen. Ich schaute ihn erschrocken an und er grinste nur verlegen. „Na komm, wir essen was.“ Ich nahm ihn an der Hand und zog ihn in die Küche. „Spätzchen, du bist heute noch freundlicher als sonst. Was ist denn los?“ Ich zuckte nur mit den Schultern, denn ich wusste, dass ich zu gut gelaunt war, aber mich kümmerte das nicht. Wir machten das Essen von vor 2 Tagen warm und aßen zusammen. Er räumte danach den Tisch auf, während ich hoch in mein Zimmer verschwand. Ich machte meine Spotify-Playlist an und legte mich wieder auf mein Bett. Es lief gerade mein Lieblingslied: 'Be without you' von Mary J. Blige. Ich liebte es einfach und schaltete deshalb die Dauerschleife ein. Ich schaute auf mein Handy, ob ich neue Nachrichten hatte und es waren ziemlich viele. Ich hatte keine Lust jedem zu antworten, also suchte ich mir nur Tami und Franzi raus. Ich schrieb ein wenig mit ihnen und dann hatte ich auch noch Lust den anderen zu antworten. Es vergingen Stunden, in denen ich mit allen möglichen Menschen schrieb, bis sich meine Zimmertür plötzlich öffnete. Ich schaute zur Tür und sah meine Mama reinkommen. „Hallo, Liebes“, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Hallo, Mami“, gab ich zurück. Ich trat in mein Zimmer rein und sah auf mein Handy. „Seit wann bist du denn schon an deinem iPhone?“ Ich zuckte mit den Schultern, denn ich wusste, dass es einige Stunden waren, nur wusste ich nicht, wie viele genau. Sie nahm mir mein Handy aus der Hand und schaut mich ein wenig böse an. „Hey, was soll das?“, fragte ich sie entsetzt. Sie schaute durch die Frage nur noch böser und antwortete etwas lauter: „Es reicht langsam. Komm zu uns runter, damit du dich hier nicht so einschließt.“ Ich schüttelte den Kopf und bewegte mich kein Stück vom Bett. „Was soll das? Hörst etwa nicht auf mich?“, sagte sie schon um einiges lauter. Es machte mir ein wenig Angst, denn 5 Minuten zuvor war sie noch so ruhig und lieb. Ich entschloss mich dazu, dass ich aufstand und mit ihr runter ging. Sie hielt mein Handy die ganze Zeit über in ihrer Hand. 'Wieso ist sie auf einmal so?', fragte ich mich selbst. Unten angekommen setzte ich mich nur neben meinen Papa auf die Couch, aber sagte kein Wort zu niemanden. Wir schauten irgendeinen Film an, der ziemlich uninteressant war. Irgendwann war mir das zu doof und ich stand einfach auf und ging die Treppe hoch in mein Badezimmer. Ich stellte mich vor den Spiegel und wollte am Liebsten einfach anfangen zu weinen. Aber ich wollte es auch gleichzeitig nicht, weil ich das meinen Eltern nicht zeigen wollte. Ich schminkte mich schnell ab, pflegte mein Gesicht und stieg unter die Dusche.
Es vergingen 20 Minuten, bis ich raus kam und in mein Zimmer verschwand. Ich hörte Schritte die Treppe hochsteigen, aber ich beachtete sie nicht. Ich zog mich schnell um in meinen Schlafanzug, als es an meiner Tür klopfte. „Ja?“ Mein Papa kam rein und legte mein Handy auf meinen Schreibtisch. „Alles in Ordnung, Spatz?“, fragte er vorsichtig. Ich nickte und kämmte derweil meine nassen Haare. Ohne weitere Fragen zu stellen kam er zu mir, gab mir einen Kuss auf meine Stirn und verließ dann wieder mein Zimmer. Zum Glück. Ich wollte nicht mit ihm über Mama schimpfen. Ich wollte es allein klären.
Ich beschloss nicht mehr an mein Handy zu gehen, sondern mich einfach unter meine Decke zu kuscheln und meine kleine Lampe neben dem Bett auszumachen. Ich war wieder mal ziemlich müde.
Am nächsten Morgen wurde ich noch vor meinem Wecker wach. Es war erst 5:40 Uhr. Ich wusste nicht was ich noch machen sollte, also stand ich schon so früh auf, ging ins Bad für meine übliche Routine und entschloss mich dann dazu, meine Haare zu glätten. Die Zeit verging so langsam, dass ich komplett fertig, also auch geschminkt, um 6:45 Uhr war. Ich hatte noch so viel Zeit und wusste nichts mit ihr anzufangen. Ich ging runter und machte mir mal ein gescheites Frühstück. Irgendwann kam meine Mama in die Küche und sagte: „Guten Morgen.“ Ich hingegen gab ihr keine Antwort, denn ich war natürlich noch sauer. Ich verließ einfach ohne ein Wort die Küche und lief hoch in mein Zimmer, um meine Tasche zu holen. Ich war immer noch zu früh dran, aber wollte einfach raus. Ich rief noch ein lautes „Tschüss“ durch das Haus und schon war ich weg. Ich traf mich mit Tobias an der Kreuzung vom Tag zuvor und so liefen wir zum Bahnhof.

Der Schultag war wie immer langweilig und eintönig. Auf dem Heimweg unterhielten sich Tobi und ich wieder über den doofen Tag. Ich hatte so schlechte Laune, dass ich nur am meckern war, dass ich sogar schon fast über die Probleme von Zuhause geredet hatte, aber mich noch halten konnte. Dann trennten sich unsere Wege und ich musste alleine nach Hause. Auch der Tag Daheim war ziemlich langweilig, weil wir noch keine Hausaufgaben bekommen hatten. Ich hörte nur wieder Musik und ließ den Tag an mir vorbei ziehen.