Wir saßen einige
Zeit einfach nur still da. Ich hatte inzwischen meinen Kopf auf seine
Schulter abgelegt. Neben ihm ging es mir einfach gut. „Sag mal,
würde es dich wirklich nicht stören, wenn ich mit dem Rauchen nicht
aufhören würde?“, fragte er mich leise. Ich hob meinen Kopf und
sah ihm in die Augen. Erst jetzt fiel mir auf, wie schön seine
Augenfarbe war. Seine Augen waren in ein schönes meeresblau
getaucht. Ich lächelte ihn nach der Frage an und schüttelte
bestimmt den Kopf. Auch er lächelte dann, als es plötzlich an
meiner Tür klopfte. „Herein!“ Die Tür öffnete sich langsam und
mein Papa spitzte rein. „Was gibt es, Papi?“, fragte ich ihn. Er
lächelte nur und sagte: „Mama hat Kaffee und Kuchen ins Wohnzimmer
gestellt. Wenn ihr auch was wollt, könnt ihr ruhig runter kommen.“
Ich sah zu Tobias, der nickte, aber ich hatte keine Lust auf Kuchen.
Es war schließlich erst etwa 10 Uhr. Trotzdem ging ich mit Tobi und
Papa runter und dann setzten wir uns an den kleinen Couchtisch. Tobi
ließ sich von meiner Mama Kaffee in seine Tasse einschenken und aß
in Ruhe sein Stück Kuchen. Als Mama mich nach Kaffee fragte, lehnte
ich ab. Ich war sowieso kein großer Freund von Kaffee. Ich war mehr
der Teemensch. Ich holte mein Handy aus meiner hinteren Hosentasche
raus und schrieb mit Franziska und Tamara. Sie wollten an dem
Nachmittag mit mir was ausmachen. Ich wusste aber nicht, wie lang ich
was mit Tobias machen wollte, also sagte ich noch nicht zu, aber auch
noch nicht ab.
„Christina,
bitte leg das Handy weg, wenn wir am Tisch sitzen“, bat mich meine
Mutter. Ich nickte und steckte mein Handy wieder in die Tasche zurück.
„Also, der Kuchen ist wirklich sehr lecker. Haben Sie ihn selber
gemacht?“, fragte Tobi meine Mama. Sie lachte nur und sagte: „So
in etwa. Er ist selbst gekauft.“ Dann lachten wir alle und
irgendwann hatte auch ich Lust auf ein Stück. Ich wollte gerade nach
einem kleinen Stück greifen, als sich plötzlich kurz vor dem Teller
Tobis und meine Hand berührten. Sofort zog ich meine wieder zurück
und merkte, wie ich plötzlich rot wurde. Er nahm ein Stück vom
Teller und reichte es mir. Ich sah ihn an und er auch mich mit seinem
süßen Lächeln. Mir wurde plötzlich noch wärmer, denn das war mir
wirklich unangenehm. „Nimm das Stück. Es gehört dir, nachdem du
ja noch keins hattest“, sagte er total lieb zu mir. Ich lächelte
und nahm es entgegen. Tobi nahm sich ein neues Stück vom Kuchen und
aß es in Ruhe. Das peinliche Gefühl verschwand so langsam, aber es
war mir trotzdem noch unangenehm. Meine Mutter merkte dies und fing
deshalb ein Thema an. „Darf ich fragen, warum ihr euch eigentlich
gestritten hattet?“ Ich sah sie mit einem schockierten und zugleich
nervösen Blick an. Ich versuchte ihr mit dem Kopf und meinen Augen
Zeichen zu geben, dass sie aufhört damit darüber zu reden, aber
Tobi war dann doch zu schnell für mich. „Frau Kohl, es ging um ein
kleines Missverständnis. Es war mein Fehler, aber wir haben vorhin
darüber geredet und dann war zum Glück wieder alles gut. Ich mag es
nicht mit Chrissi zu streiten, darum hab ich mich bei ihr
entschuldigt und ie hat meine Entschuldigung zum Glück angenommen.“
Meine Mama nickte und hörte ruhig zu. „Jemand
hat mal gesagt, dass man sich nichts vergibt, wenn man sich
entschuldigt und das derjenige ein großes Herz hat, der verzeihen
kann.“ Nachdem er diesen Satz aussprach, kamen mir die Tränen. Das
war wirklich das Schönste, das ich seit langem gehört hatte. Ich
konnte nicht anders, als mich ihm in die Arme zu werfen. In dem
Moment war mir zu 100 Prozent klar, dass ich die richtige
Entscheidung getroffen hatte, ihm zu verzeihen.
Plötzlich
klingte sein Handy und man sah 'Mama' aufblinken. Er stand auf, ging
aus dem Zimmer und ging an sein Telefon ran. Ich sah zu meinen
Eltern, die mich wie Verrückte angrinsten. „Was ist?“, fragte
ich verwirrt. Sie zuckten nur mit den Schultern und tranken – immer
noch mit dem Grinsen – ihren Kaffee. Ich fand das ein wenig
gruselig, aber versuchte es dennoch zu ignorieren.
Etwa
5 Minuten später kam Tobi wieder rein, dabei sah er aber nicht
sonderlich glücklich aus. „Alles ok?“, fragte ich vorsichtig. Er
schaute mich nicht mal an, sondern nickte einfach so mit dem Kopf.
Ich sah besorgt zu meinen Eltern, aber auch sie schauten mich nicht
an. Ich hatte keine Ahnung, was dies zu bedeuten hatte, aber ich fand
das sehr merkwürdig. „Tobias, sag doch, was ist los. War das deine
Mum?“, fragte ich nochmal, nachdem mir Tobi nicht sagen wollte, was
los war. Er nickte wieder stumm, aber schaute dann irgendwann doch zu
mir. Man sah in seinen Augen, dass er traurig und wütend zugleich
war. Ich wollte gar nicht mehr nachfragen, sondern nahm meinen besten
Freund einfach in die Arme. Man hörte ihn ganz leise schluchzen, was
ich nicht normal fand, weil er ja eigentlich nicht der Typ war, der
heult oder einfach richtig Gefühle zeigt. Das wusste ich nach den
knapp 4 Wochen schon über ihn und darum war ich so überrascht über
diese Reaktion. Kurze Zeit später hob er seinen Kopf und zog sich
etwas zurück. „Ich muss nach Hause. Ich ruf dich später an und
erzähle dir dann, was los ist, okey?“ Ich wollte nicht, dass er
geht und darum schüttelte ich heftig den Kopf und hielt ihn am Arm
fest. „Tobias, ich mache mir Sorgen. Sag doch, was los ist“, bat
ich ihn etwas lauter. Er riss seinen Arm aus meinem Griff und
schüttelte nur den Kopf. „Tschüss, Herr und Frau Kohl. Ciao,
Chrissi. Ich ruf dich an, versprochen.“ Ohne auf etwas von mir zu
warten, verließ er einfach das Wohnzimmer und anschließend das
Haus. Ich sah leicht verwirrt zu meinen Eltern und deren Blick war
auch nicht anders. „Ich mache mir Sorgen um ihn. Warum wollte er
mir nicht sagen, über was er mit seiner Mum gesprochen hat?“,
fragte ich sie leicht verzweifelt. Sie konnten mir beide keine
Antwort darauf geben.
Ich
wollte da nicht mehr sitzen, also stand ich einfach auf, nahm meine
Tasse Kaffee und lief die Treppen hoch in mein Zimmer. Ich hatte
nichts zu tun, weder für die Schule noch im Haushalt, also legte ich
mich ins Bett und schnappte mir mein Lieblingsbuch. Ich las nicht
lange, denn nach circa 15 Minuten wurden meine Augen schwer. Ich
wartete eigentlich noch auf Tobis Anruf, aber ich wusste, dass ich
lange warten konnte. Deshalb legte ich mich ins Bett, deckte mich zu
und schloss meine Augen. Aus irgendeinem Grund war ich total fertig.
Es war ja noch nicht einmal Mittag, aber es fühlte sich an als wäre
es spät am Abend.
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