Dienstag, Oktober 28, 2014

Kapitel #14

Dadurch, dass ich warten musste, bis es soweit war, dass Tobi und ich uns trafen, verging die Zeit sehr langsam. Irgendwann war es dann endlich soweit und ich sah aus dem Fenster, um zu schauen, ob er schon da war. Ich sah ihn gerade auf die Haustür zulaufen und deshalb rannte ich die Treppen runter zur Tür, damit er nicht klingeln musste. Ich zog hektisch an der Tür, um sie zu öffnen und lief in Tobias Arme. Er sah leicht überrumpelt aus, als ich mich wieder von seiner Brust wegdrückte. "Gehen wir ein Stück?", fragte er mich leicht bedrückt. Ich nickte und bekam es langsam mit der Angst zu tun. Ich liefen in den Wald rein zu einem kleinen belichteten Platz auf einer Wiese, auf der wir immer saßen, wenn wir reden wollten. Wir setzten uns nebeneinander hin und starrten beide das Gras an. Keiner sagte etwas, denn ich wartete, dass er anfing mir von allem zu erzählen. "Also, was wolltest du mir denn erzählen?", fragte ich einfach los. Ich sah kurz unauffällig zu ihm rüber und sah zu, wie er Grashalme zerriss. "Naja... Es fällt mir so schwer darüber zu reden. Ich hab lange überlegen müssen, wie ich dir alles am besten erkläre. An sich ist das alles nicht schlimm, aber die Auswirkungen dadurch sind es schon." Ich schaute ihn wieder an und diesmal auch er mich. Ich schaute ihm in die Augen, die so etwas wie Leid ausdrückten. Ich fragte mich, woher dieser Ausdruck in seinen Augen hätte kommen können, denn er sagte ja davor noch, dass es nichts schlimmes sei. "Tobi, was ist denn los? Du machst mir voll Angst," sagte ich vorwurfsvoll zu ihm. "Christina... Ich muss deinetwegen von der Schule weg. Ich muss allgemein von hier weg, nur haben wir noch keine Wohnung woanders gefunden. Solange gehe ich auf einer andere Schule und dann..." "Was? Tobias, das ist doch nicht dein ernst. Warum..." Noch bevor ich meinen Satz zu ende bringen konnte, kamen mir die Tränen. "Warum meinetwegen? Was habe ich dir getan?", fragte ich weinend. Ich konnte seine Worte in dem Moment einfach nicht fassen. "Sag schon! Wieso?" "Du hast nichts mit Absicht getan, okey? Ich hab mich leider in dich verliebt, aber ich weiß genau, dass..." "In mich? Du hast dich in eine wie mich verliebt?", fragte ich schockiert. "Und was weißt du genau?" Es kam keine Antwort. "Tobias, was?" "Ich weiß genau, dass du niemals etwas von mir wollen würdest! Nicht von einem, der sich so unverschämt benimmt und der nur Scheiße baut. Über mich sind 1000 Gerüchte in Umlauf, denen du bestimmt auch noch glaubst, hab ich nicht recht?" Auch ihm kamen langsam die Tränen. "Tobias, du bist doch so ein Idiot! Wie kannst du glauben, dass ich anderen mehr glauben würde, als meinem besten Freund?" Eine Träne nach der einen kullert Tobias über die Wangen. "Genau das ist das Problem. Ich bin nur der beste Freund für dich und nicht mehr. Chrissi, ich bin wirklich total in dich verliebt und deshalb glaube ich nicht, dass ich es schaffen würde, nur mit dir befreundet zu sein. Kannst du das nicht verstehen?" "Was los diese Frage? Klar kann ich das verstehen. Aber ich finde es einfach dumm von dir zu glauben, dass ich so naiv bin und alles und jedem glaube!", schrie ich ihn an. "Außerdem bist du..." Ich traue mich nicht, meinen Satz zu ende zu bringen. "Was bin ich?", fragte er leise. "Du bist nicht der einzige mit Gefühlen..." Da hatte ich es gesagt. Nach dem Satz wäre ich am Liebsten einfach aufgestanden und weg gerannt. "Ich hätte das nicht sagen dürfen", kam es mir in die Kopf. Tobias saß mit großen Augen und halb offenem Mund da. "Heißt das etwa, dass du auch in mich verliebt bist?", fragte er erwartungsvoll. Ich brachte kein Wort heraus, darum nickte ich nur mit dem Kopf und spürte, wie mir wieder einmal die Röte ins Gesicht schoss. Mir wurde auf einmal sehr warm und ich traue mich nicht mehr ihn anzuschauen. Gleichzeitig fragte ich mich aber, wieso mir das peinlich war, denn er hatte mir ja auch seine Liebe gestanden. "Aber was liebst du an einem Kerl wie mir? Klar, ich höre dir zu und alles, aber als bester Freund dachte ich. Was gibt es denn da noch?" Ich fing bei der Frage an zu lächeln. "Das ist es ja. Du bist so nett zu mir und immer für mich da. Du hast die schönsten Augen, die ich bei einem Jungen jemals gesehen habe und du akzeptierst mich, so wie ich bin. Du urteilst nicht über mich, nur weil ich aus einer wohlhabenden Familie stamme, so wie es alle anderen tun. Ich finde so schwer Freunde, aber du warst von Anfang an für mich da und hast mich immer zum Lachen gebracht. Man kann sagen, dass alles an dir toll ist, also hör auf so dummes Zeug zu labbern, denn du bist einer der tollsten Menschen für mich." Ich klang sehr entschlossen, denn ich wusste genau, was ich sagen wollte. "Aber eigentlich müsste ich dich fragen, warum du in eine wie mich verliebt bist", warf ich ihm an den Kopf. Auch er fing an zu lächeln. "Ich hab keine Vorurteile gegenüber anderen Menschen. Ich akzeptiere alle, solang sie human mit mir umgehen. Aber an dir muss man einfach alles mögen. Du bist so hübsch und klug. Auch du bringst mich immer zum Lachen und ich freue mich jeden Tag auf die Schule, wenn ich dich sehen kann. Ich bin ehrlich, schon seit dem ersten Schultag bin ich verknallt in dich. Ich hab dich damals so dumm angemacht, weil ich so nervös war und auf cool tun wollte. Hat nicht gut funktioniert, denn stattdessen hab ich dich wie Dreck behandelt. Ich hab mich dann ja auch gleich entschuldigt." Ich nickte und lächelte noch mehr. "Es gibt einfach so viele Dinge, die ich an dir mag. Ich könnte noch..." Noch bevor er seinen Satz beenden konnte, zog ich ihn am Kragen näher zu mir und küsste ihn einfach. Es war ein sehr schöner Kuss, sogar schöner als der in der Schule. Es vergingen einige Minuten, ohne dass wir uns lösten. Plötzlich hörte ich einfach auf und wir sahen uns in die Augen. "Ich möchte nicht, dass du gehst! Was soll ich ohne dich machen in der Schule? Und wenn du dann auch noch wegziehst dann..." Er fiel mir ins Wort: "Ich habe mich entschieden. Ich kann nicht mehr zurück." "Doch klar!", sagte ich entschlossen zu ihm und zog meinen Kopf etwas zurück. "Wir können noch einmal mit dem Direktor reden, er wird bestimmt eine Ausnahme machen. Bitte geh nicht!" Wieder kamen mir Tränen die Augen, die langsam mein Gesicht hinunter kullerten. Er wischte sie mit seinen Daumen weg und sah mir noch einmal tief in die Augen. "Wir können morgen noch einmal mit ihm reden, aber ich glaube nicht, dass es etwas bringen würde." Wir beide lächelten uns an und küssten uns noch einmal kurz. Plötzlich klingelte mein Handy. "Hallo?" "Schätzchen, wo bist du denn? Du bist einfach gegangen ohne..." "Ich bin mit Tobias draußen", sagte ich schnell zu meiner Mama. "Ich komm gleich nach Hause", sagte ich, um sie zu beruhigen. "Okey, bitte beeil dich. Das Essen ist gleich fertig." Sie hatte danach einfach aufgelegt und es leuchtete die Uhr auf meinem iPhone auf. "Oh man, es ist ja schon 18:15 Uhr. Ich muss los, das Essen wartet." Er nickte bedrückt, darum gab ich ihm noch einen Kuss auf die Wange und stand auf. Ich reichte ihm meine Handy und half Tobias hoch auf die Beine, damit wir zusammen zurücklaufen konnten. Wir liefen Hand in Hand zurück zu mir ohne ein Wort zu sagen. Dann brachte er leise und schüchtern raus: "Sind wir denn jetzt zusammen, oder was ist das nun?" Wieder wurde mir warm und schaute ihn schüchtern an. "Ich denke mal schon. Es sei denn, du willst warten, weil..." "Nein nein. Ich finde es okey, solange du es auch so siehst." Wir beide lächelten wieder und küssten uns noch einmal kurz im Laufen. Dann waren wir bei mir vor der Haustür und ich klingelte an der Tür. Er drehte sich um und lief in die Richtung seines Zuhauses. Wir beide drehten uns nochmal gleichzeitig um und sahen uns lächelnd an. Dann öffnete meine Mum die Tür und ich ging lächelnd rein. "Das nächste Mal kannst du uns ruhig Bescheid sagen, wenn du weg gehst, Fräulein!" Ich nickte nur und lief lächelnd in Richtung Küche, damit wir zusammen Abend essen konnten.

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