Mittwoch, Oktober 22, 2014

Kapitel #11

Wir redeten noch weiter, bis ein Mädchen aus meinem Kurs zu uns flüsterte: "Wusstet ihr schon, dass Tobias kifft? Ich hab ihn gestern mit paar Kumpels gesehen." Ich riss die Augen auf und schaute sie schockiert an. Aber nicht nur ich sah sie so an, sondern auch alle anderen. Nur ihre beste Freundin antwortete: "Klar weiß man das! Das weiß doch echt jeder inzwischen." "Also ich weiß das ja nicht", warf ich in die Runde. Die beiden schauten mich dumm an und fingen dann an zu lachen. "Klar weißt du das nicht, Prinzesschen. Du hast doch eh keinen Plan." Dabei fingen sie noch lauter zu lachen als zuvor. "Halt doch eure Fressen! Ihr verbreitet doch eh nur Gerüchte. Habt ja nichts besseres zu tun, als euch für andere Leben zu interessieren. Hör nicht auf...", ich unterbrach Tamara. "Ihr seid doch echt bescheuert! Tobias ist mein bester Freund und er würde mir sagen, wenn er so eine Scheiße machen würde! Wir haben schließlich keine Geheimnisse voreinander! Schreibt euch das mal hinter die Ohren!" Ich war total wütend auf die beiden, aber ich glaubte ihnen kein Wort. Tobi hatte mir ja wirklich versprochen, dass er keine weiteren Geheimnisse mehr vor mir hätte.
Ich holte mein Handy raus und sah nach, ob Franzi zu der Zeit online gewesen ist, und ich hatte Glück. Sofort schrieb ich sie an und berichtete ihr von den Gerüchten. Plötzlich klopfte es an der Tür und sie öffnete sich. Es war Franzi. "Was machst du denn hier? Wie konntest du...", fragte ich sie, bevor sie mich unterbrach. "Hallo, Herr Hint. Kann sie kurz raus zu mir?", fragte sie ihn. Er stimmte zu und ich rannte zu ihr zur Tür. Wir machten sie hinter uns zu und liefen Richtung Treppenhaus. "Hör mal, Chrissi. Luisa (das Mädchen, das das Gerücht verbreitet hat) hat leider Recht. Tobi kifft aber schon seit längerem. Tut mir leid." Diese Worte zogen mir den Boden unter den Füßen weg. "Du lügst mich doch genauso an, wie die beiden, oder? Sag es mir! Sag, dass das nur ein Witz war, bitte!" Meine beste Freundin schüttelte den Kopf und fügte noch hinzu: "Ich hab ihn auch vor 2 Tagen gesehen mit seinen Kumpels." "Warum hast mir das nicht gesagt?", fragte ich sie, "meinst du nicht, dass ich das zu wissen habe, wenn mein bester Freund sowas anstellt?" Sie zuckte mit den Schultern und sah mich mit ihrem Mitleidsblick an. Ich wollte ihr nicht weiter zuhören, darum rannte ich wieder schnell nach oben ins Zimmer und stürmte durch die Klassenzimmertür. Alle sahen mich erschrocken an, selbst der Lehrer. "Tut mir leid, falls ich euch erschrocken habe", versuchte ich nicht traurig klingend zu sagen. Herr Hint stand vom Pult auf und lief auf mich zu. "Ist alles in Ordnung? Du scheinst ziemlich durch den Wind zu sein, ehm..." "Christina. Und ja, es ist alles okey." Natürlich war es das nicht, aber das sage ich doch nicht einem Lehrer. Er sah mich mit einem leicht besorgten Blick an. Ich versuchte zu lächeln, aber er merkte, dass ich mich damit quälte und darum öffnete er die Tür und sagte: "Komm mal kurz raus." Ich wusste nicht, ob ich das tun sollte, aber tat es einfach. 
Ich hätte in dem Moment anfangen können zu weinen. Ich war so enttäuscht von Tobi, aber noch mehr enttäuscht war ich von Franzi, weil sie mir das nicht gesagt hatte. Herr Hint sah mich nach wie vor mit dem Blick an, der sagt 'Ich weiß ganz genau, dass nicht alles in Ordnung ist'. Ich seufzte laut, als Zeichen, dass ich eigentlich nicht darüber reden wollte. Aus irgendeinem Grund ließ er einfach nicht locker, deshalb fing ich trotzdem an zu erzählen. Zunächst von Tobi und dass wir uns schon einmal gestritten hatten wegen sowas und dann erzählte ich ihm noch von dem, was mir Luisa und Franzi erzählt hatten. Er hörte ganz aufmerksam zu und irgendwann wurden meine Beine ganz schwer, weshalb ich mich auf den Boden fallen ließ und mich an die Wand setzte. Auch er setzte sich runter zu mir.
In dem Moment wurde mir klar, was ich eigentlich getan hatte: Ich habe einem fremden Menschen von meinem Problem erzählt, was ich eigentlich niemals getan hätte. "Sag mal, geht's dir jetzt besser, nachdem du dir das alles von der Seele geredet hast?", fragte er vorsichtig nach einer Minute Schweigen. Ich fragte mich das selber und ich musste sagen, dass es echt gut tat. Deshalb nickte ich und lächelte ihn leicht an. "Danke." Auch er lächelte mich an und sagte dann: "Gerne. Ich mag es nicht, wenn Mädchen oder Frauen traurig sind. Ich merke sowas immer und dann versuche ich zu helfen. Auch wenn es meistens schwer ist, weil ich ja eigentlich ein Fremder für meine Schüler bin. Aber ich würde die raten, dass noch einmal mit Franziska redest. Schließlich ist sie ja deine beste Freundin. Und Tobi musst du nicht darauf ansprechen. Nur wenn du willst, aber du kannst auch abwarten, bis er vielleicht von selber kommt und es dir beichtet." Ich nickte und schaute zu Boden. Plötzlich hörten wir laute Stimmen aus dem Treppenhaus, wodurch wir beide aufstanden und ich dann die Tür öffnete, um wieder rein zu gehen. Mir war auf einmal wieder so warm. Es war aber eine angenehme Wärme und nicht die Wärme, weil mir etwas peinlich war. Ich war froh mit ihm geredet zu haben. Dann kamen auch alle anderen rein zusammen mit unserer Geografie-Lehrerin. Wir setzten uns alle auf unsere Plätze und ich hörte noch wie sie sich bei Herr Hint bedankte und wie er zu uns rief: "Tschüss!" Ich war die Einzige, die noch hinter rief: "Tschüssi!" Ich wusste nicht, warum ich das sagte. Die Lehrerin erzählte uns die Geschichte, weswegen sie zu spät war und gerade als sie fertig war, gongte es zur 2.Stunde.

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