Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #6

Irgendwann war ich dann endlich Zuhause und setzte mich zu meinen Eltern ins Wohnzimmer. „Na, Liebes. Wie war es in der Stadt mit Tobias?“, fragte mich mein Papa. Ganz plötzlich kamen mir einfach die Tränen. Ich zog meine Knie zu mir heran und fing an zu weinen. Meine Eltern erschraken ein wenig. Meine Mama rückte näher zu mir und legte einen Arm um mich und zog mich näher an sich heran, damit ich meinen Kopf auf ihre Brust ablegen konnte. „Was ist denn passiert? Habt ihr euch gestritten?“, fragte sie vorsichtig und leise. Ich schüttelte nur langsam den Kopf und merkte wie es immer mehr Tränen wurden. Meine Eltern fragten zum Glück nicht mehr, sondern nahmen mich alle beide in den Arm. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr traurig, sondern war froh darüber, dass es auch Momente gab, in denen meine Eltern wussten, was sie tun sollten und was nicht. Irgendwann beruhigte ich mich endlich wieder und hob meinen Kopf von Mamas Brust. Sie sah mich leicht lächelnd an und in dem Moment fühlte ich mich total wohl. Auch wenn ich einen besten Freund verlor, ging es mir relativ gut. Ich gab meine Mama noch einen Kuss auf die Backe und sagte: „Danke. Danke, dass du nicht weiter nachgefragt hast.“ Nach diesen Worten nahm ich mir meine Tasche und meine Tüte und ging hoch in mein Zimmer. Dort schmiss ich alles auf mein Bett, zog mir bequeme Sachen an und setzte mich dann auf mein Bett. Es war inzwischen 18 Uhr und da fiel mir ein, dass ich ja in die Stadt ging, nur um meine Hausaufgaben nicht machen zu müssen. Darum schnappte ich mir meine Schultasche und meinen Ordner und sah mir an, was ich so zu tun hatte. „Text lesen, Vokabeln aufschreiben, eine Aufgabe aus dem Buch machen... Man hab ich viel zu tun“, sagte ich leise zu mir selber. Ich hatte wirklich keine Lust, aber ich wollte schließlich nicht, dass es mit meinen Noten bergab ging. Ich machte meine Hausaufgaben immer auf meinem Bett, auch wenn es meine Eltern überhaupt nicht mochten. Sie meinten immer, es würde meine Konzentration stören, aber dann fragte ich mich jedes Mal, wie ich es dann schaffte so gut in der Schule zu sein und auch zu bleiben. Ich machte in Ruhe meine Hausaufgaben; natürlich durfte die Musik nicht fehlen, denn dadurch blieb ich selbst bei den schwersten Aufgaben ruhig. Etwa 30 Minuten später war ich dann endlich fertig und dann musste ich natürlich für Montag lernen und mich vorbereiten. Ich hasste die 11. Klasse. Sie war viel anstrengender als die 10. Klasse, aber das war normal und damit musste man sich abfinden.
Dann war ich endlich auch fertig mit lernen und konnte mich endlich ins Bett legen für 10 Minuten. Es waren nur 10 Minuten, weil ich dann langsam hunger bekam und ich ja schließlich nicht zu spät noch essen wollte. Ich ging runter in die Küche, wo ich meine Mama fand, wie sie eine große Schüssel Salat machte. „Ist das unser Abendessen?“, fragte ich sie. Sie erschrak leicht und drehte sich total schnell um. „Erschreck mich doch nicht immer so!“ „Tut mir leid. Also ist das...“ „Ja, das ist unser Abendessen. Oder willst du was anderes?“, fragte sie besorgt. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und nahm zwei Gabeln aus der Schublade mit Besteck. Wir setzten uns an den Küchentisch und aßen entspannt. Ich merkte, wie sie mich ständig anschaute. Man spürte einfach ihren Blick und irgendwann wurde es mir zu blöd und darum fragte ich genervt: „Was ist denn? Hör auf mich so anzuschauen.“ Sie sah in die Schüssel und man sah ihr die Sorge an. „Okey, ja ich habe mich mit ihm gestritten. Ich möchte jetzt nicht sagen, wegen was, aber keine Sorge, es ist nicht so schlimm. Keine Ahnung, warum ich auf einmal angefangen habe zu weinen“, sagte ich zu meiner Mama, damit sie sich beruhigte. Plötzlich hatte ich keinen Hunger mehr. Das musste wohl daran liegen, dass der Streit von heute Nachmittag wieder hoch kam. „Ich geh rauf in mein Zimmer und mach mich langsam bettfertig“, sagte ich entschlossen. Sie sagte nichts, sondern nickte nur mit dem Kopf und aß weiter vom Salat. Ich lief die Treppen hoch ins Badezimmer, putzte mir die Zähne, schminkte mein Gesicht ab und sprang schnell unter die Dusche. Es ging relativ schnell, vor allem weil ich so schnell wie möglich in mein Bett wollte. Raus aus der Dusche zog ich mir meinen rosa Bademantel an und ging nochmal runter in die Küche, um mir eine kleine Flasche Wasser mit auf mein Zimmer zu nehmen. Oben zog ich mir dann meinen Schlafanzug an, flocht meine Haare zu zwei Zöpfen, damit sie am nächsten Tag wellig sind und ging nochmal runter um gute Nacht zu sagen. Inzwischen war es schon 21 Uhr. „Meine Güte, ging die Zeit schnell rum“, sagte ich in meinem Kopf. Ich legte mich ins Bett und nahm mir mein Lieblingsbuch mit dem Titel „Divergent – Die Bestimmung“ von Veronica Roth. Ich liebte dieses Buch so sehr. Es gab auch noch 3 weitere Teile, die ich alle besaß, aber das war mein Liebling. An dem Abend fing ich es zum dritten Mal an zu lesen. Plötzlich vibrierte neben mir mein Handy und man sah eine Whatsapp Nachricht ausleuchten. Sie war von Tobias. Eigentlich wollte ich ihn ja ignorieren, aber das fiel mir so schwer, weil er mir ja schließlich wichtig war. Also entsperrte ich mein Handy und las mir seine lange Nachricht durch:
'Chrissi, es tut mir wirklich total leid. Ich wollte dich niemals verärgern, geschweige denn verlieren. Ich hab es bisher immer geschafft nicht in deiner Nähe zu rauchen, aber heute traf ich ein paar Kumpels, die mir eine Zigarette anboten und ich brauchte sie einfach... Ich weiß, ich hätte es dir wenigstens schon etwas früher sagen müssen, aber ich brachte es nie über's Herz. Bitte verzeih mir, Christina. Ich vermisse dich, auch wenn es nicht mal einen halben Tag her ist, aber du bist mir so unglaublich wichtig. Wenn du wirklich willst, kann ich auch für dich aufhören oder zumindest weiterhin nicht mehr in deiner Nähe rauchen. Wie du willst, aber bitte verlass mich nicht. Ich brauche dich, weil du meine BESTE FREUNDIN bist. Bitte überleg es dir nochmal. Wir können ja am Montag in der Schule darüber reden. Vielleicht liest du es gar nicht, aber ich wünsche dir eine gute Nacht und träume süß, meine Süße.'
Diese Nachricht ließ mich erstmal nachdenken. „Er schrieb wirklich 'beste Freundin'. Soll das heißen, dass er genauso denkt wie ich? Bin ich ihm wirklich so wichtig? Soll ich morgen mit ihm darüber reden?“ So viele Fragen flogen in dem Moment durch meinen Kopf und ich bekam schon Kopfschmerzen vom vielen Nachdenken. Ich antwortete einfach nicht auf die Nachricht, sondern machte einfach mein Internet am iPhone aus und legte es auf meine Kommode neben meinem Bett. Ich wollte nicht mehr darüber nachdenken, deshalb machte ich einfach das Licht im Zimmer aus und kuschelte mich in meine Decke, um für den nächsten Tag ausgeschlafen zu sein.
In der Nacht träumte ich etwas komisches. Ich war wieder in der Stadt mit Tobias und wir liefen Hand in Hand durch die Gassen. Wir lachten viel, aßen zusammen ein Eis, er suchte mir schöne Oberteile aus und bezahlte manches auch. Plötzlich küssten wir uns mitten auf der Straße und liefen dann Hand in Hand zum Bahnhof und fuhren dann beide nach Hause. Unterwegs traf ich dann Franzi, die mich ganz fest umarmte und mit mir zu mir kam. Dann war der Traum plötzlich zu ende und ich hörte nur noch ein 'Ring Ring'.

Ich öffnete langsam die Augen und stellte meinen Wecker aus. Mein erster Gedanke war: „Heute werde ich mit ihm reden. Schließlich ist er mir wichtig und ich auch ihm.“ Doch dann fiel mir mein Traum wieder ein und plötzlich hatte ich ein ganz komisches Gefühl. „War ich wirklich im Traum mit Tobi zusammen?“, fragte ich mich selber. Dieser Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

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