Irgendwann war ich
dann endlich Zuhause und setzte mich zu meinen Eltern ins Wohnzimmer.
„Na, Liebes. Wie war es in der Stadt mit Tobias?“, fragte mich
mein Papa. Ganz plötzlich kamen mir einfach die Tränen. Ich zog
meine Knie zu mir heran und fing an zu weinen. Meine Eltern
erschraken ein wenig. Meine Mama rückte näher zu mir und legte
einen Arm um mich und zog mich näher an sich heran, damit ich meinen
Kopf auf ihre Brust ablegen konnte. „Was ist denn passiert? Habt
ihr euch gestritten?“, fragte sie vorsichtig und leise. Ich
schüttelte nur langsam den Kopf und merkte wie es immer mehr Tränen
wurden. Meine Eltern fragten zum Glück nicht mehr, sondern nahmen
mich alle beide in den Arm. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr
traurig, sondern war froh darüber, dass es auch Momente gab, in
denen meine Eltern wussten, was sie tun sollten und was nicht.
Irgendwann beruhigte ich mich endlich wieder und hob meinen Kopf von
Mamas Brust. Sie sah mich leicht lächelnd an und in dem Moment
fühlte ich mich total wohl. Auch wenn ich einen besten Freund
verlor, ging es mir relativ gut. Ich gab meine Mama noch einen Kuss
auf die Backe und sagte: „Danke. Danke, dass du nicht weiter
nachgefragt hast.“ Nach diesen Worten nahm ich mir meine Tasche und
meine Tüte und ging hoch in mein Zimmer. Dort schmiss ich alles auf
mein Bett, zog mir bequeme Sachen an und setzte mich dann auf mein
Bett. Es war inzwischen 18 Uhr und da fiel mir ein, dass ich ja in
die Stadt ging, nur um meine Hausaufgaben nicht machen zu müssen.
Darum schnappte ich mir meine Schultasche und meinen Ordner und sah
mir an, was ich so zu tun hatte. „Text lesen, Vokabeln
aufschreiben, eine Aufgabe aus dem Buch machen... Man hab ich viel zu
tun“, sagte ich leise zu mir selber. Ich hatte wirklich keine Lust,
aber ich wollte schließlich nicht, dass es mit meinen Noten bergab
ging. Ich machte meine Hausaufgaben immer auf meinem Bett, auch wenn
es meine Eltern überhaupt nicht mochten. Sie meinten immer, es würde
meine Konzentration stören, aber dann fragte ich mich jedes Mal, wie
ich es dann schaffte so gut in der Schule zu sein und auch zu
bleiben. Ich machte in Ruhe meine Hausaufgaben; natürlich durfte die
Musik nicht fehlen, denn dadurch blieb ich selbst bei den schwersten
Aufgaben ruhig. Etwa 30 Minuten später war ich dann endlich fertig
und dann musste ich natürlich für Montag lernen und mich
vorbereiten. Ich hasste die 11. Klasse. Sie war viel anstrengender
als die 10. Klasse, aber das war normal und damit musste man sich
abfinden.
Dann war ich endlich
auch fertig mit lernen und konnte mich endlich ins Bett legen für 10
Minuten. Es waren nur 10 Minuten, weil ich dann langsam hunger bekam
und ich ja schließlich nicht zu spät noch essen wollte. Ich ging
runter in die Küche, wo ich meine Mama fand, wie sie eine große
Schüssel Salat machte. „Ist das unser Abendessen?“, fragte ich
sie. Sie erschrak leicht und drehte sich total schnell um. „Erschreck
mich doch nicht immer so!“ „Tut mir leid. Also ist das...“ „Ja,
das ist unser Abendessen. Oder willst du was anderes?“, fragte sie
besorgt. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und nahm zwei Gabeln aus
der Schublade mit Besteck. Wir setzten uns an den Küchentisch und
aßen entspannt. Ich merkte, wie sie mich ständig anschaute. Man
spürte einfach ihren Blick und irgendwann wurde es mir zu blöd und
darum fragte ich genervt: „Was ist denn? Hör auf mich so
anzuschauen.“ Sie sah in die Schüssel und man sah ihr die Sorge
an. „Okey, ja ich habe mich mit ihm gestritten. Ich möchte jetzt
nicht sagen, wegen was, aber keine Sorge, es ist nicht so schlimm.
Keine Ahnung, warum ich auf einmal angefangen habe zu weinen“, sagte
ich zu meiner Mama, damit sie sich beruhigte. Plötzlich hatte ich
keinen Hunger mehr. Das musste wohl daran liegen, dass der Streit von
heute Nachmittag wieder hoch kam. „Ich geh rauf in mein Zimmer und
mach mich langsam bettfertig“, sagte ich entschlossen. Sie sagte
nichts, sondern nickte nur mit dem Kopf und aß weiter vom Salat. Ich
lief die Treppen hoch ins Badezimmer, putzte mir die Zähne,
schminkte mein Gesicht ab und sprang schnell unter die Dusche. Es
ging relativ schnell, vor allem weil ich so schnell wie möglich in
mein Bett wollte. Raus aus der Dusche zog ich mir meinen rosa
Bademantel an und ging nochmal runter in die Küche, um mir eine
kleine Flasche Wasser mit auf mein Zimmer zu nehmen. Oben zog ich mir
dann meinen Schlafanzug an, flocht meine Haare zu zwei Zöpfen, damit
sie am nächsten Tag wellig sind und ging nochmal runter um gute
Nacht zu sagen. Inzwischen war es schon 21 Uhr. „Meine Güte, ging
die Zeit schnell rum“, sagte ich in meinem Kopf. Ich legte mich ins
Bett und nahm mir mein Lieblingsbuch mit dem Titel „Divergent –
Die Bestimmung“ von Veronica Roth. Ich liebte dieses Buch so sehr.
Es gab auch noch 3 weitere Teile, die ich alle besaß, aber das war
mein Liebling. An dem Abend fing ich es zum dritten Mal an zu lesen.
Plötzlich vibrierte neben mir mein Handy und man sah eine Whatsapp
Nachricht ausleuchten. Sie war von Tobias. Eigentlich wollte ich ihn
ja ignorieren, aber das fiel mir so schwer, weil er mir ja
schließlich wichtig war. Also entsperrte ich mein Handy und las mir
seine lange Nachricht durch:
'Chrissi, es tut
mir wirklich total leid. Ich wollte dich niemals verärgern,
geschweige denn verlieren. Ich hab es bisher immer geschafft nicht in
deiner Nähe zu rauchen, aber heute traf ich ein paar Kumpels, die
mir eine Zigarette anboten und ich brauchte sie einfach... Ich weiß,
ich hätte es dir wenigstens schon etwas früher sagen müssen, aber
ich brachte es nie über's Herz. Bitte verzeih mir, Christina. Ich
vermisse dich, auch wenn es nicht mal einen halben Tag her ist, aber
du bist mir so unglaublich wichtig. Wenn du wirklich willst, kann ich
auch für dich aufhören oder zumindest weiterhin nicht mehr in
deiner Nähe rauchen. Wie du willst, aber bitte verlass mich nicht.
Ich brauche dich, weil du meine BESTE FREUNDIN bist. Bitte überleg
es dir nochmal. Wir können ja am Montag in der Schule darüber
reden. Vielleicht liest du es gar nicht, aber ich wünsche dir eine
gute Nacht und träume süß, meine Süße.'
Diese Nachricht ließ
mich erstmal nachdenken. „Er schrieb wirklich 'beste Freundin'.
Soll das heißen, dass er genauso denkt wie ich? Bin ich ihm wirklich
so wichtig? Soll ich morgen mit ihm darüber reden?“ So viele
Fragen flogen in dem Moment durch meinen Kopf und ich bekam schon
Kopfschmerzen vom vielen Nachdenken. Ich antwortete einfach nicht auf
die Nachricht, sondern machte einfach mein Internet am iPhone aus und
legte es auf meine Kommode neben meinem Bett. Ich wollte nicht mehr
darüber nachdenken, deshalb machte ich einfach das Licht im Zimmer
aus und kuschelte mich in meine Decke, um für den nächsten Tag
ausgeschlafen zu sein.
In der Nacht träumte
ich etwas komisches. Ich war wieder in der Stadt mit Tobias und wir
liefen Hand in Hand durch die Gassen. Wir lachten viel, aßen
zusammen ein Eis, er suchte mir schöne Oberteile aus und bezahlte
manches auch. Plötzlich küssten wir uns mitten auf der Straße und
liefen dann Hand in Hand zum Bahnhof und fuhren dann beide nach
Hause. Unterwegs traf ich dann Franzi, die mich ganz fest umarmte und
mit mir zu mir kam. Dann war der Traum plötzlich zu ende und ich
hörte nur noch ein 'Ring Ring'.
Ich öffnete langsam
die Augen und stellte meinen Wecker aus. Mein erster Gedanke war:
„Heute werde ich mit ihm reden. Schließlich ist er mir wichtig und
ich auch ihm.“ Doch dann fiel mir mein Traum wieder ein und
plötzlich hatte ich ein ganz komisches Gefühl. „War ich wirklich
im Traum mit Tobi zusammen?“, fragte ich mich selber. Dieser
Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
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