Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #3

'Ring Ring'. Das war mein Wecker, der morgens um 6:00 Uhr klingelte. Ich machte ihn aus und setzte mich langsam auf, an die Kante meines Bettes. Ich war glücklicherweise ein Mensch, der kein Problem damit hatte früh aufzustehen. Ich trank einen großen Schluck aus meiner Wasserflasche, um meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen und stand dann auf, um mich im Bad zu waschen. Ich hatte einen strickten Zeitplan in der Früh vor der Schule, an den ich mich immer hielt:
6 Uhr – 6:10 Uhr: Gesicht waschen und eincremen.
6:10 Uhr – 6:20 Uhr: Klamotten aussuchen und anziehen.
6:20 Uhr – 6:40 Uhr: Schminken.
6:40 Uhr – 7:10 Uhr: Tasche packen, Kleinigkeit essen, fertig machen.

Um 7:17 Uhr fährt dann immer mein Bus, mit dem ich zum Bahnhof fahre, um von da aus meinen Zug bis zur Schule zu nehmen. Dieser feste Zeitplan half mir dabei, dass ich keine Zeit nur am Handy oder sonst was verschwende. Meistens lernte ich in der Früh noch kurz, damit ich sicher war, dass ich alles konnte. Am Bahnhof traf ich dann noch meine beste Freundin und paar andere Freundinnen. Wir fuhren seit 3 Jahren immer zusammen mit dem gleichen Zug zur Schule. „Hey, Chrissi. Was war denn gestern Abend los? Warum bist du so früh ins Bett?“ ,, fragte mich Franzi. Ich zuckte nur mit den Schultern und lächelte sie an. Sie schaute mich ernst an, deshalb verschwand mein Lächeln plötzlich wieder. „Ich war nur sehr müde, sonst nichts“, sagte ich locker. Sie zog eine Augenbraue hoch, was bedeutete, dass sie mir nicht glaubte, aber trotzdem beließ sie es dabei zum Glück. Wir brauchten immer etwa 15 Minuten mit der S-Bahn und dem Fußweg zusammen. Es liefen immer wieder viele Lehrer an uns vorbei, um ins Lehrerzimmer zu gelangen, neben dem wir immer warteten, bis wir endlich in die Aula rein durften. Endlich klingelte es und dann konnten wir ins Aula, wo wir nochmal 10 Minuten warten mussten bis wir hoch in Zimmer durften. Das war so eine neue dumme Regel. Dumm, weil dadurch alle Schüler drängelten, damit sie als erste oben ankommen. Was für ein Stress das immer war in der Früh. 7:50 Uhr, das hieß, dass wir endlich hoch durften. Ich verabschiedete mich von Franziska und ging mit 2 Freundinnen hoch zu unserem Zimmer. „Kann es sein, dass etwas mit dir los ist? Du bist normalerweise eine der lautesten von uns, aber heute hast du bisher kaum ein Wort mit uns allen geredet“, bemerkte Tamara. Tamara gehört zusammen mit Franziska und Sophia zu meinen besten Freundinnen. Mit ihnen konnte ich über alles reden und sie bemerkten immer, wenn es mir schlecht ging. An dem auch, aber ich wusste selber nicht, warum ich so still war. Tami hatte Recht, ich bin normalerweise immer fröhlich drauf und lache und rede viel. Auf ihre Frage schüttelte ich nur den Kopf und ging einfach vor zu unserem Zimmer, vor dem wir auf unsere Lehrerin warten mussten. Ich starrte Löcher in die Luft, während alle anderen mit einander redeten. Dann sah ich wieder Franziskas Klassenlehrer, Herr Hint, durch die Glastür zum Treppenhaus gehen und auf uns zu laufen. Ich merkte, wie mir erneut warm wurde und ich ihm auch noch hinterher schaute. Ich blieb dann mit dem Kopf direkt vor Tami stehen, die mich grinsend anschaute. „Was?“, fragte ich sie. Sie zuckte mit den Schultern und antwortete: „Du hast gerade einem Lehrer hinterher gestarrt. Was sollte das?“ Sie fing an zu lachen, aber ich fand das nicht lustig, sondern eher peinlich. Am Liebsten wäre ich im Erdboden versunken und ich hoffte einfach, dass er es nicht bemerkte. Noch in Gedanken verloren tippte mir plötzlich jemand auf meine Schulter. Ich zuckte leicht zusammen, aber drehte mich zu der Person um. Es war Tobias. Der Tobias, der mich am Tag zuvor noch anmaulte, weil ich ihm aus Versehen mit meiner Tasche an seiner Schulter erwischt hatte. „Ehm, ja, was ist?“, fragte ich vorsichtig. Er schaute irgendwie schuldbewusst flüsterte dann leise: „Tut mir leid wegen gestern. Ich hätte dich nicht wegen so einer Sache dumm anmachen sollen. Alles cool?“ Ich lächelte leicht und ich merkte, wie auch meine Mundwinkel etwas nach oben gingen. Ich nickte und dann gab er mir einfach so die Hand, als Entschuldigung. Ich nahm sie an und dann blieb er noch eine Weile bei unserer Clique stehen und hörte ruhig zu. 'Also ist er doch ganz nett', dachte ich in meinem Kopf. Endlich kam unsere Lehrerin und dann durften wir rein und schon ging die erste Stunde bei ihr los. Erst mal kennen lernen, dann Fotos für den Sitzplan machen und dann kurz erzählen, was so die Themen in den 2 Jahren sein werden. Typisch erste Stunde des Jahres. Das machten alle Lehrer in den ersten beiden Wochen. Manchmal nervte das, aber besser so als Unterricht. Der restliche Schultag verlief genauso und dann durften wir um 13:05 Uhr endlich nach Hause. Ich lief mit Franzi zur S-Bahn, als ich plötzlich eine Stimme hinter mir rufen hörte. „Christina, warte mal.“ Es war Tobi, der mir hinterher rief. Ich drehte mich um und wartete bis er vor mir stand. „Kann ich mit euch zusammen fahren? Ich möchte ungern alleine fahren.“ Ich schaute meine beste Freundin an, die höflich nickte und dann liefen wir zu dritt zur S-Bahn. Wir fuhren eine Haltestelle bis nach Hause und dann trennten sich Franzis und meine Wege. Tobi musste noch ein Stück mit mir laufen, also unterhielten wir uns noch etwas über den Schultag und die Lehrer, die wir heute so hatten. Er war wirklich sehr nett und lustig und ich hätte mich wirklich gefreut, wenn wir dann schon Freunde gewesen wären. „Hey, fährst du eigentlich jeden Morgen mit dem gleichen Zug?“, fragte mich Tobias. Ich nickte und antwortete: „Ja, aber ich fahre immer eine Haltestelle mit dem Bus bis zum Bahnhof. Warum?“ „Ich wollte dich fragen, ob wir zusammen zur S-Bahn laufen wollen. Würde mich freuen, wenn ich jemanden hätte mit dem ich laufen könnte.“ Ich nickte und dann musste er schon in seine Straße einbiegen. Wir umarmten uns noch und dann war er schon weg. Ich lief noch ein kurzes Stück nach Hause und dann war ich endlich Daheim. Ich schmiss meine kleine Tasche auf mein Bett und schmiss mich mit meinem Handy dazu. Meine Eltern waren beide auf der Arbeit, also hatte ich Freizeit und konnte machen, was ich wollte. Nur wusste ich nicht was.

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