Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #2

Endlich waren wir wieder Zuhause. Meine Eltern waren zum Glück nicht Zuhause und dann waren Franziska und ich ungestört. Da fiel mir ein, dass wir ja auch unsere Stundenpläne bekommen hatten. Ich hatte ja eigentlich in jedem Kurs eine andere Klasse, mit ein paar Ausnahmen. „Ey, Franzi. In welchem Fach hast du denn deinen Klassenlehrer?“ Sie war gerade damit beschäftigt sich ihren Plan durchzulesen und mit ihm klar zu kommen. „Franzi?“ „Ja? Oh sorry, was hast du gesagt?“ „Ich hab dich gefragt, in welchem Fach du deinen Klassenlehrer hast.“ Sie sagte nur ganz knapp „Mathe.“ Sie sah mich nicht mal an. Es sah so aus als wäre sie mit ihrem Plan total unzufrieden. Sie starrte ihn nur an ohne irgendeine Mimik. „Was ist denn los?“ Ich haute sie leicht auf ihren linken Arm, damit sie mich beachtet, aber es kam gar nichts. Also versuchte ich hinter sie zu gehen und mir ihren Plan mit anzuschauen. Ich entdeckte erst mal nichts besonderes, aber dann wusste ich was das Problem war. „Franzi, du hast Dienstag und Donnerstag bis 17:15? Oha, wie krass ist das denn?“ Plötzlich regte sie sich und nickte mit dem Kopf. Okey, ich war das auch von der 10. Klasse gewohnt, aber sie nicht und wahrscheinlich war sie deshalb so geschockt. Plötzlich legte sie den Zettel einfach auf mein Bett und sah mich lächelnd an. „Was ist?“, fragte ich verwirrt. Sie lächelte immer noch, aber es sah irgendwie nicht gefälscht aus. „Sag doch!“ „Chrissi, du kannst mir jetzt in Ruhe sagen, warum du vorhin so rot warst und so schnell weg wolltest. Also hopp, sag schon!“ Sie grinste mich richtig an und das machte mir Angst. Vor allem, weil ich selbst nicht wusste, warum ich so knallrot war. „Ehrlich gesagt... Ich weiß es selber nicht genau.“ Sie sah mich verwundert an, denn sie wollte es mir einfach nicht glauben. Wieder grinste sie mich an und fragte: „Naja, was ist denn in der Kirche passiert, weil du auch noch so lang gebraucht hast?“ Ich wusste nicht, ob ich ihr von dieser peinlichen Situation erzählen sollte. Ich gab nach und erzählte es ihr so gut ich konnte. „Du bist gegen meinen Mathelehrer geknallt? Haha, das hättest du doch einfach sagen können. Das ist sicherlich schon mehreren Schülern passiert“, sagte sie mit einem noch größeren Grinsen. Wieder wurde mir warm und ich wurde rot, so wie in der Kirche. Jetzt fing sie auch noch an zu lachen, was es mir nicht sonderlich leichter machte damit klar zu kommen. „Ich weiß gar nicht, wie der Lehrer eigentlich heißt.“ „Herr Hint. Er war heute eigentlich ziemlich nett und so. Aber er scheint sehr verpeilt zu sein, was irgendwie auch ziemlich lustig ist.“ Wir beide fingen an zu lachen und dann standen wir auf und gingen in die Küche. „Was willst du trinken?“ „Wasser, ich muss mich schließlich gesund ernähren.“ Ich verdrehte nur die Augen, denn die Leier kannte ich schon. Franzi war eigentlich total dünn, aber das wollte sie irgendwie nicht sehen und meinte deshalb, dass sie mehr Sport machen muss und dafür weniger kalorienreiches Essen essen sollte. Das war meistens ziemlich nervig, vorallem wenn ihr Magen eigentlich voll laut knurrt, wenn sie bei mir ist, aber sie trotzdem nichts essen will. Dann muss ich sie meistens zum Essen zwingen und manchmal hab ich Glück und dann isst sie auch mal was normales mit mir.
Es war erst 11 Uhr und wir hatten keine Ahnung, was wir hätten tun können, bis meine Eltern um 13 Uhr Heim kommen. Darum setzten wir uns an unsere Handys. Ich hatte zu meinem 16. Geburtstag ein iPhone 6 bekommen und ich liebte es über alles. Franzi war deshalb sehr neidisch, was man ihr wirklich immer wieder ansah. Plötzlich klingelte das Telefon, also musste ich schnell ins Zimmer neben rennen. „Hier bei Kohl.“ „Hallo, Mäuschen. Wie war der erste Schultag?“ Es war meine Mama. Meine Eltern waren bei meiner Oma im Krankenhaus, aber ich konnte ja nicht mit. „War ganz okey. Warum rufst du deswegen an? Ihr seid doch eh bald daheim.“ „Also ehrlich gesagt, wir bleiben wahrscheinlich bis heute Abend hier. Deiner Oma geht es nicht so gut. Wenn du willst, kannst du auch rüber kommen.“ Ich seufzte erst mal laut und sagte dann: „Ja, mal schauen. Vielleicht komme ich später.“ „Okey, sie wird sich freuen.“ „Hm, ok bis dann.“ „Tschüss, Mäuschen.“ 'Na toll, jetzt muss ich auch noch zu meiner Oma rüber.' Ich liebe meine Oma, aber ich hasste es durch die ganze Stadt zu ihr fahren zu müssen. Natürlich mussten wir uns die beste Klinik aussuchen, die am anderen Ende der Stadt war. Ich ging wieder in mein Zimmer und da lag Franziska schlafend auf meinem Bett. Jetzt war mir wirklich langweilig. Ich hockte mich an mein Macbook und loggte mich in Facebook ein. Nichts wichtiges war passiert, also blieb ich auch da nicht länger als 5 Minuten. Ich klappte den Laptop wieder zu und legte mich neben Franzi auf mein Bett und machte selbst meine Augen zu.
Chrissi, wach auf.“ Ich öffnete langsam meine Augen und da standen meine Eltern über mir. Ich erschrak leicht und setzte mich ganz schnell auf. „Was macht ihr denn schon hier?“ „Was heißt schon. Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“ Ich holte mein Handy und es war tatsächlich schon 19:30 Uhr. „Upps, tut mir leid. Ich war anscheinend total fertig.“ Sie nickten nur beide und gingen lächelnd aus meinem Zimmer. Ich sah nochmal auf mein Handy und sah eine Whatsapp-Nachricht von Franziska.
Hey, Süße. Du hast einfach weiter geschlafen. Darum bin ich dann gegangen, als deine Eltern zurück waren.“
Ich wollte nicht zurück schrieben, also legte ich mein Handy wieder weg und merkte, dass ich großen Hunger hatte. Ich ging zu meinen Eltern runter ins Wohnzimmer. „Wie geht es der Oma?“ „Es geht ihr jetzt besser. Sie hatte hohes Fieber und wollte nichts essen seit gestern Abend. Also, wie war jetzt dein erster Schultag in der 11. Klasse?“ Ich zuckte nur mit den Schultern, als mich Papa mit einem ungläubigen Blick anschaute. „Sag schon, Prinzessin. Ist irgendwas schlimmes passiert?“ Ich schüttelte vorsichtig den Kopf. Mein Papa schaute mich immer noch mit dem Blick an und gab mir ein Zeichen, dass ich zu ihm gehen sollte. Also machte ich das und er nahm mich einfach so in den Arm. „Wenn was passiert ist, kannst du es uns sagen. Jederzeit.“ Ich nickte und zog mich vorsichtig aus seiner Umarmung. Ich ging rüber in die Küche und machte mir ein Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwich. Ich nahm es hoch in mein Zimmer und setzte mich wieder an mein Macbook. Dieses Mal loggte ich mich in Tumblr ein. Ich bin tumblr-süchtig. Mein Blog war ziemlich geordnet von den Bildern her, aber irgendwie nervte mich dieser Girly-Look und ich wollte mal was neues ausprobieren. Nur wusste ich nicht was. Plötzlich kam mir Franzis Mathelehrer wieder in den Sinn. 'Was soll das? Warum denke ich gerade an ihn?' Das machte mir ziemlich Angst, darum versuchte ich mich mit meinem Blog abzulenken, was auch ziemlich gut klappte. Um 20:30 brachte ich meinen Teller runter in die Küche und machte meinen Laptop aus. Ich ging noch ins Bad, um mich abzuschminken und meine Zähne zu putzen und schon zog ich mich um. Ja, es war noch ziemlich früh, aber ich war aus irgendeinem Grund total müde und wollte unbedingt schlafen gehen. Ich ging nochmal schnell runter ins Wohnzimmer und sagte meinen Eltern: „Gute Nacht.“ Beide sagten das Gleiche und schon verschwand ich wieder die Treppen hoch in mein Schlafzimmer. Ich kuschelte mich noch mit meinem Handy in mein Bett und schrieb noch schnell Franziska zurück.
Hey, kein Problem. Sorry, dass ich nicht mehr zurück geschrieben, aber musste mit meinen Eltern reden und dann hab ich es vergessen. Ich geh jetzt schon schlafen, also bis morgen ♥“

Ich machte mein Internet über Nacht immer aus, genauso auch an dem Abend und kuschelte mich unter meine Decke und schloss die Augen.

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