Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #5

3 Wochen später.
In den Wochen zuvor ist zu wenig spannendes passiert, um davon zu berichten. An dem Tag war es Samstag. Es war ausnahmsweise mal wieder etwas wärmer als sonst. Darum entschied ich mich mal nicht für die Tests zu lernen, so wie ich es eigentlich immer tat, sondern dass ich shoppen gehen wollte. Anfangs wusste ich nicht, mit wem ich das tun sollte, aber dann bekam ich einen Anruf von Tobi. „Hey, Tobi“, sagte ich glücklich. „Hey du. Hast du heute vielleicht Zeit?“ Ich freute mich ein wenig und antwortete dann: „Naja, ich wollte eigentlich shoppen gehen. Hast du Lust mitzukommen?“ Es war kurz still am Telefon, aber dann kam ein „Klar, gerne“ von ihm zurück. Ich freute mich und wir machten aus, dass wir uns eine Stunde später am Bahnhof treffen wollten. Ich machte mich nach dem Telefonat noch fertig, also schminken und umziehen, als dann meine Mama in mein Zimmer kam. „Hast du was vor?“, fragte sie mich neugierig. „Jap, ich gehe mit Tobias in die Stadt. Ich brauche neue Sachen“, antwortete ich lässig. Sie sagte nichts, sondern ging einfach stumm aus meinem Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
In den letzten Wochen hatte ich mich immer mehr mit Tobias angefreundet und er wurde in einer so kurzen Zeit ein richtig guter Freund von mir, der immer für mich da war. Vor allem, wenn es um meine Eltern ging. Er kannte es, wenn die Eltern wegen jeder Kleinigkeit ausrasten und deshalb verstand er mich voll und ganz.
Ich schaute auf die Uhr und ich hatte noch 20 Minuten bis ich am Bahnhof sein musste. Ich band mir meine bis zur Brust langen Haare zu einem Pferdeschwanz fest, schnappte mir meine Tasche und meine Schlüssel und schrie noch von unten durch das Haus: „Tschüss, ich bin in der Stadt!“, bevor ich zur Bushaltestelle lief.
15 Minuten später war ich dann endlich am Bahnhof und oben stand er schon. Er wartete auf mich mit einem Grinsen im Gesicht und sah mir zu, wie ich auf ihn zu lief. Ich mochte sein Lächeln wirklich sehr, vor allem weil es nicht gestellt war, sondern er sich wirklich auf mir freute. Das kannte ich nur von meinen engsten Freundinnen, aber noch nicht von einem Jungen.
Ich hatte noch nicht erzählt, dass ich eigentlich nicht sonderlich beliebt bei den Jungs war. Ich wurde früher oft von ihnen gemobbt und runter gemacht, weil ich früher ziemlich anders war als die anderen Mädchen in meinem Alter. Jetzt ist es zwar nicht mehr so mit dem mobben, aber ich vertraute Jungs nicht mehr. Ich traue mich nicht mehr mit ihnen zu reden und auch wenn Freundinnen von mir mit Jungs redeten, bin ich meistens woanders hingegangen, nur um mich selbst zu 'schützen'. Tobias war der erste Junge seit langem, mit dem ich ein so gutes Verhältnis hatte.
Wir warteten noch etwa 5 Minuten auf den Zug und fuhren dann bis zum Hauptbahnhof der Stadt. Ich erzählte ihm ein wenig davon, wie mich meine Eltern noch nervten die Tage zuvor und er hörte gespannt zu. Meistens sagte er: „Das kenne ich zu gut von meinen Eltern. Das legt sich mit der Zeit, wenn du älter wirst und auch sie selbst merken, dass sie was falsch gemacht haben.“ Ich schüttelte bei dem Satz nur den Kopf und entgegnete: „Meine Eltern würden so etwas niemals einsehen. Dafür sind sie leider Gottes zu stur. Keine Ahnung, wie du es hinbekommen hast, dass sie nicht mehr nerven, aber bei mir ist das nicht so leicht. Sind halt leider ziemlich spießig.“ Er nickte nur und in der Stadt angekommen, wusste ich sofort, wo ich hin wollte. „Also zuerst gehen wir zu Tommy Hilfiger, dann zu Urban Outfitters, dann zu ...“ „Mach mal halb lang. Du hast ja ziemlich viel vor“, unterbrach er mich grinsend. Ich grinste ihn auch an und zog ihn einfach am Arm mit mir mit. Ich liebte Tommy Hilfiger. Seine Mode war einfach grandios. Am Liebsten mochte ich die Jeans oder auch die langärmligen Shirts. Tobias lief mir die ganze Zeit im laden nur hinterher und sagte kein Wort. Er sah sich nicht mal selbst nach Klamotten um, obwohl er viele Sachen von da hatte, also dachte ich, dass er Tommy Hilfiger auch so mochte. „Warum schaust du dich nicht auch um, sondern läufst mir nur hinterher?“, fragte ich lächelnd. Plötzlich drehte er sich um und lief zu einem Kleiderständer mit sehr schönen Jungs-Jeans. Ich pickte sich 2 Paar raus und zeigte mir beide ohne auch nur ein Wort zu sagen. „Rede doch mit mir. Gefallen dir die Hosen?“, fragte ich ihn. „Ja klar. Ich wollte nicht so jemand sein, der ein Mädchen einfach allein durch den Laden laufen lässt“, antwortete er mir. Er schmunzelte bei der Antwort, denn sowas von einem Jungen zu hören, war lustig. „Tobi, du kannst ganz ruhig rum laufen. Irgendwo treffen wir uns ja eh wieder, oder nicht?“ Er nickte und lief dann mit den Hosen auf dem Arm weiter durch meinen Lieblingsladen. Ich schaute mich auch noch weiter um und dann trafen wir uns bei den Kabinen wieder. „Bei mir kann es ja etwas länger dauern“, sagte ich. „Also wenn du willst, kannst du dann schon zur Kasse gehen und danach auch draußen warten. Also du musst nicht extra wegen mir hier drinnen warten.“ „Ok, kein Problem“, sagte er zufrieden und verschwand dann schon in den Kabinenflur für Jungs. Ich musste natürlich noch Ewigkeiten warten bis es bei mir vorwärts ging. „Warum brauchen die alle so lang?“, fragte ich mich in Gedanken selber. Endlich war ich dran. Ich zog mich schnell um, entschied mich für 2 von 5 Oberteilen und für einen Cardigan. Es war richtig warm in den Kabinen, darum beeilte ich mich total und rannte schon fast aus dem Flur zu den Kassen. Tobi war nirgends zu sehen, also nahm ich an, dass er schon draußen wartete, wo die Luft angenehmer war. Ich stellte mich an und auch da musste ich sehr lang warten.

Als ich dann endlich meine Sachen bezahlt hatte, lief ich Richtung Ausgang und freute mich auf die frische und nicht zu dicke Luft, doch was ich dann sah, konnte ich einfach nicht glauben. Ich sah Tobi bei 3 anderen Jungs stehen. Das war nicht das Schlimme daran, sondern eher, dass er mit ihnen zusammen eine rauchte. Ich rannte mit meiner Tüte in der Hand auf ihn zu und haute ihm kräftig gehen den Arm. Er erschrak, das sah man ihm an. Er drehte sich mit einem erschrockenen Blick um und sah mich an. „Du bist doch echt ein Arschloch! Wieso weiß ich nicht, dass du rauchst? Und wieso machst du das überhaupt? Mach die sofort aus!“, schrie ich ihn wütend an. Er sah mir immer noch in die Augen und man sah ihm an, dass ihm das sehr unangenehm war. Er schmiss seine Zigarette auf den Boden, trat auf ihr rum und schaute mich total schuldbewusst an. „Bitte, Chrissi. Es tut mir total leid! Ich dachte du brauchst noch länger und hab nicht damit gerechnet, dass du jetzt ...“ Noch bevor er weiter reden konnte, fiel ich ihm ins Wort: „Tobias, machst du etwa die ganze Zeit schon heimlich? Sorry, aber ich sehe nicht ein, deine Entschuldigung anzunehmen. Vor allem, weil du auch noch denkst, dass ich so blöd bin und es niemals gecheckt hätte. Ich gehe nach Hause. Mir egal, ob ich kaum was gekauft habe. Ich will dich eine Zeit lang nicht sehen.“ Ohne dass er was dazu sagen konnte, lief ich zurück in Richtung Bahnhof. „Wieso lügt er mich einfach an? Er hätte es doch wenigstens sagen können. Ich hasse es, wenn Leute rauchen, aber schlimmer ist es, wenn sie mich anlügen oder mir etwas verheimlichen“, dachte ich mir wütend. Ich dachte darüber nach, ob ich überreagiert hatte, aber ich wollte jetzt auch nicht wieder zu ihm zurück und mich entschuldigen. Stattdessen dachte ich mir: „Wenn ich ihm wichtig bin, kämpft er darum, dass ich ihm wieder vertraue und ihn als besten Freund zurück nehme.“ Plötzlich fiel mir auf, was ich da dachte. Ich meinte wirklich schon, dass er mein bester Freund war. Plötzlich war ich sauer auf mich selber, denn ich hatte wahrscheinlich meinen besten Freund verloren. Vor allem war das schlimm, weil ich ja kein gutes Verhältnis zu Jungs haben konnte oder mich einfach nicht traute. Ich lief in Richtung Züge, stieg in meine S-Bahn und fuhr traurig und gleichzeitig sauer auf mich, nach Hause.

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