Ich beschloss mich
ein wenig hinzulegen. Einfach nur ausruhen, nicht schlafen wollte
ich. Es verging eine Stunde, während ich nur die Decke anstarrte und
nichts tat. Es tat gut einfach mal nur so herumzuliegen und nichts zu
tun, so etwas braucht der Mensch auch mal. Irgendwann hörte ich ein
Auto vor meinem Fenster und wusste, dass es mein Papa war. Ich rannte
schnell die Treppe runter, um ihn zu begrüßen. Das tat ich immer,
wenn er am Nachmittag aus der Arbeit kam. Er schloss die Tür auf und
schon stand ich vor ihm. Er lächelte mich an und breitete seine Arme
aus. Ich umarmte ihn fest und sagte: „Hallo, Papi.“ Er drückte
ich leicht nach hinten und schaute mich zufrieden an. „Hallo,
Spatz. Wie war dein Tag heute? Besser als gestern?“ Ich nickte und
wir gingen zusammen ins Wohnzimmer. Ich erzählte ihm, dass ich einen
Jungen kennengelernt hatte. Er riss die Augen auf, aber ich sagte
noch schnell: „Er ist nur ein Freund! Wir hatten gestern eine
kleine Auseinandersetzung und dafür hat er sich heute bei mir
entschuldigt und dann haben wir uns ziemlich gut verstanden. Wir sind
zusammen von der S-Bahn Heim gelaufen. Er ist wirklich nett.“ Er
lächelte und nickte dabei. Plötzlich hörte man ein Geräusch. Es
klang, wie ein knurrender Magen. Ich schaute ihn erschrocken an und
er grinste nur verlegen. „Na komm, wir essen was.“ Ich nahm ihn
an der Hand und zog ihn in die Küche. „Spätzchen, du bist heute
noch freundlicher als sonst. Was ist denn los?“ Ich zuckte nur mit
den Schultern, denn ich wusste, dass ich zu gut gelaunt war, aber
mich kümmerte das nicht. Wir machten das Essen von vor 2 Tagen warm
und aßen zusammen. Er räumte danach den Tisch auf, während ich
hoch in mein Zimmer verschwand. Ich machte meine Spotify-Playlist an
und legte mich wieder auf mein Bett. Es lief gerade mein
Lieblingslied: 'Be without you' von Mary J. Blige. Ich liebte es
einfach und schaltete deshalb die Dauerschleife ein. Ich schaute auf
mein Handy, ob ich neue Nachrichten hatte und es waren ziemlich
viele. Ich hatte keine Lust jedem zu antworten, also suchte ich mir
nur Tami und Franzi raus. Ich schrieb ein wenig mit ihnen und dann
hatte ich auch noch Lust den anderen zu antworten. Es vergingen
Stunden, in denen ich mit allen möglichen Menschen schrieb, bis sich
meine Zimmertür plötzlich öffnete. Ich schaute zur Tür und sah
meine Mama reinkommen. „Hallo, Liebes“, sagte sie mit ruhiger
Stimme. „Hallo, Mami“, gab ich zurück. Ich trat in mein Zimmer
rein und sah auf mein Handy. „Seit wann bist du denn schon an
deinem iPhone?“ Ich zuckte mit den Schultern, denn ich wusste, dass
es einige Stunden waren, nur wusste ich nicht, wie viele genau. Sie
nahm mir mein Handy aus der Hand und schaut mich ein wenig böse an.
„Hey, was soll das?“, fragte ich sie entsetzt. Sie schaute durch
die Frage nur noch böser und antwortete etwas lauter: „Es reicht
langsam. Komm zu uns runter, damit du dich hier nicht so
einschließt.“ Ich schüttelte den Kopf und bewegte mich kein Stück
vom Bett. „Was soll das? Hörst etwa nicht auf mich?“, sagte sie
schon um einiges lauter. Es machte mir ein wenig Angst, denn 5
Minuten zuvor war sie noch so ruhig und lieb. Ich entschloss mich
dazu, dass ich aufstand und mit ihr runter ging. Sie hielt mein Handy
die ganze Zeit über in ihrer Hand. 'Wieso ist sie auf einmal so?',
fragte ich mich selbst. Unten angekommen setzte ich mich nur neben
meinen Papa auf die Couch, aber sagte kein Wort zu niemanden. Wir
schauten irgendeinen Film an, der ziemlich uninteressant war.
Irgendwann war mir das zu doof und ich stand einfach auf und ging die
Treppe hoch in mein Badezimmer. Ich stellte mich vor den Spiegel und
wollte am Liebsten einfach anfangen zu weinen. Aber ich wollte es
auch gleichzeitig nicht, weil ich das meinen Eltern nicht zeigen
wollte. Ich schminkte mich schnell ab, pflegte mein Gesicht und stieg
unter die Dusche.
Es vergingen 20
Minuten, bis ich raus kam und in mein Zimmer verschwand. Ich hörte
Schritte die Treppe hochsteigen, aber ich beachtete sie nicht. Ich
zog mich schnell um in meinen Schlafanzug, als es an meiner Tür
klopfte. „Ja?“ Mein Papa kam rein und legte mein Handy auf meinen
Schreibtisch. „Alles in Ordnung, Spatz?“, fragte er vorsichtig.
Ich nickte und kämmte derweil meine nassen Haare. Ohne weitere
Fragen zu stellen kam er zu mir, gab mir einen Kuss auf meine Stirn
und verließ dann wieder mein Zimmer. Zum Glück. Ich wollte nicht
mit ihm über Mama schimpfen. Ich wollte es allein klären.
Ich beschloss nicht
mehr an mein Handy zu gehen, sondern mich einfach unter meine Decke
zu kuscheln und meine kleine Lampe neben dem Bett auszumachen. Ich
war wieder mal ziemlich müde.
Am nächsten Morgen
wurde ich noch vor meinem Wecker wach. Es war erst 5:40 Uhr. Ich
wusste nicht was ich noch machen sollte, also stand ich schon so früh
auf, ging ins Bad für meine übliche Routine und entschloss mich
dann dazu, meine Haare zu glätten. Die Zeit verging so langsam, dass
ich komplett fertig, also auch geschminkt, um 6:45 Uhr war. Ich hatte
noch so viel Zeit und wusste nichts mit ihr anzufangen. Ich ging
runter und machte mir mal ein gescheites Frühstück. Irgendwann kam
meine Mama in die Küche und sagte: „Guten Morgen.“ Ich hingegen
gab ihr keine Antwort, denn ich war natürlich noch sauer. Ich
verließ einfach ohne ein Wort die Küche und lief hoch in mein
Zimmer, um meine Tasche zu holen. Ich war immer noch zu früh dran,
aber wollte einfach raus. Ich rief noch ein lautes „Tschüss“
durch das Haus und schon war ich weg. Ich traf mich mit Tobias an der
Kreuzung vom Tag zuvor und so liefen wir zum Bahnhof.
Der Schultag war wie
immer langweilig und eintönig. Auf dem Heimweg unterhielten sich
Tobi und ich wieder über den doofen Tag. Ich hatte so schlechte
Laune, dass ich nur am meckern war, dass ich sogar schon fast über
die Probleme von Zuhause geredet hatte, aber mich noch halten konnte.
Dann trennten sich unsere Wege und ich musste alleine nach Hause.
Auch der Tag Daheim war ziemlich langweilig, weil wir noch keine
Hausaufgaben bekommen hatten. Ich hörte nur wieder Musik und ließ
den Tag an mir vorbei ziehen.
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