Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #4

Ich beschloss mich ein wenig hinzulegen. Einfach nur ausruhen, nicht schlafen wollte ich. Es verging eine Stunde, während ich nur die Decke anstarrte und nichts tat. Es tat gut einfach mal nur so herumzuliegen und nichts zu tun, so etwas braucht der Mensch auch mal. Irgendwann hörte ich ein Auto vor meinem Fenster und wusste, dass es mein Papa war. Ich rannte schnell die Treppe runter, um ihn zu begrüßen. Das tat ich immer, wenn er am Nachmittag aus der Arbeit kam. Er schloss die Tür auf und schon stand ich vor ihm. Er lächelte mich an und breitete seine Arme aus. Ich umarmte ihn fest und sagte: „Hallo, Papi.“ Er drückte ich leicht nach hinten und schaute mich zufrieden an. „Hallo, Spatz. Wie war dein Tag heute? Besser als gestern?“ Ich nickte und wir gingen zusammen ins Wohnzimmer. Ich erzählte ihm, dass ich einen Jungen kennengelernt hatte. Er riss die Augen auf, aber ich sagte noch schnell: „Er ist nur ein Freund! Wir hatten gestern eine kleine Auseinandersetzung und dafür hat er sich heute bei mir entschuldigt und dann haben wir uns ziemlich gut verstanden. Wir sind zusammen von der S-Bahn Heim gelaufen. Er ist wirklich nett.“ Er lächelte und nickte dabei. Plötzlich hörte man ein Geräusch. Es klang, wie ein knurrender Magen. Ich schaute ihn erschrocken an und er grinste nur verlegen. „Na komm, wir essen was.“ Ich nahm ihn an der Hand und zog ihn in die Küche. „Spätzchen, du bist heute noch freundlicher als sonst. Was ist denn los?“ Ich zuckte nur mit den Schultern, denn ich wusste, dass ich zu gut gelaunt war, aber mich kümmerte das nicht. Wir machten das Essen von vor 2 Tagen warm und aßen zusammen. Er räumte danach den Tisch auf, während ich hoch in mein Zimmer verschwand. Ich machte meine Spotify-Playlist an und legte mich wieder auf mein Bett. Es lief gerade mein Lieblingslied: 'Be without you' von Mary J. Blige. Ich liebte es einfach und schaltete deshalb die Dauerschleife ein. Ich schaute auf mein Handy, ob ich neue Nachrichten hatte und es waren ziemlich viele. Ich hatte keine Lust jedem zu antworten, also suchte ich mir nur Tami und Franzi raus. Ich schrieb ein wenig mit ihnen und dann hatte ich auch noch Lust den anderen zu antworten. Es vergingen Stunden, in denen ich mit allen möglichen Menschen schrieb, bis sich meine Zimmertür plötzlich öffnete. Ich schaute zur Tür und sah meine Mama reinkommen. „Hallo, Liebes“, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Hallo, Mami“, gab ich zurück. Ich trat in mein Zimmer rein und sah auf mein Handy. „Seit wann bist du denn schon an deinem iPhone?“ Ich zuckte mit den Schultern, denn ich wusste, dass es einige Stunden waren, nur wusste ich nicht, wie viele genau. Sie nahm mir mein Handy aus der Hand und schaut mich ein wenig böse an. „Hey, was soll das?“, fragte ich sie entsetzt. Sie schaute durch die Frage nur noch böser und antwortete etwas lauter: „Es reicht langsam. Komm zu uns runter, damit du dich hier nicht so einschließt.“ Ich schüttelte den Kopf und bewegte mich kein Stück vom Bett. „Was soll das? Hörst etwa nicht auf mich?“, sagte sie schon um einiges lauter. Es machte mir ein wenig Angst, denn 5 Minuten zuvor war sie noch so ruhig und lieb. Ich entschloss mich dazu, dass ich aufstand und mit ihr runter ging. Sie hielt mein Handy die ganze Zeit über in ihrer Hand. 'Wieso ist sie auf einmal so?', fragte ich mich selbst. Unten angekommen setzte ich mich nur neben meinen Papa auf die Couch, aber sagte kein Wort zu niemanden. Wir schauten irgendeinen Film an, der ziemlich uninteressant war. Irgendwann war mir das zu doof und ich stand einfach auf und ging die Treppe hoch in mein Badezimmer. Ich stellte mich vor den Spiegel und wollte am Liebsten einfach anfangen zu weinen. Aber ich wollte es auch gleichzeitig nicht, weil ich das meinen Eltern nicht zeigen wollte. Ich schminkte mich schnell ab, pflegte mein Gesicht und stieg unter die Dusche.
Es vergingen 20 Minuten, bis ich raus kam und in mein Zimmer verschwand. Ich hörte Schritte die Treppe hochsteigen, aber ich beachtete sie nicht. Ich zog mich schnell um in meinen Schlafanzug, als es an meiner Tür klopfte. „Ja?“ Mein Papa kam rein und legte mein Handy auf meinen Schreibtisch. „Alles in Ordnung, Spatz?“, fragte er vorsichtig. Ich nickte und kämmte derweil meine nassen Haare. Ohne weitere Fragen zu stellen kam er zu mir, gab mir einen Kuss auf meine Stirn und verließ dann wieder mein Zimmer. Zum Glück. Ich wollte nicht mit ihm über Mama schimpfen. Ich wollte es allein klären.
Ich beschloss nicht mehr an mein Handy zu gehen, sondern mich einfach unter meine Decke zu kuscheln und meine kleine Lampe neben dem Bett auszumachen. Ich war wieder mal ziemlich müde.
Am nächsten Morgen wurde ich noch vor meinem Wecker wach. Es war erst 5:40 Uhr. Ich wusste nicht was ich noch machen sollte, also stand ich schon so früh auf, ging ins Bad für meine übliche Routine und entschloss mich dann dazu, meine Haare zu glätten. Die Zeit verging so langsam, dass ich komplett fertig, also auch geschminkt, um 6:45 Uhr war. Ich hatte noch so viel Zeit und wusste nichts mit ihr anzufangen. Ich ging runter und machte mir mal ein gescheites Frühstück. Irgendwann kam meine Mama in die Küche und sagte: „Guten Morgen.“ Ich hingegen gab ihr keine Antwort, denn ich war natürlich noch sauer. Ich verließ einfach ohne ein Wort die Küche und lief hoch in mein Zimmer, um meine Tasche zu holen. Ich war immer noch zu früh dran, aber wollte einfach raus. Ich rief noch ein lautes „Tschüss“ durch das Haus und schon war ich weg. Ich traf mich mit Tobias an der Kreuzung vom Tag zuvor und so liefen wir zum Bahnhof.

Der Schultag war wie immer langweilig und eintönig. Auf dem Heimweg unterhielten sich Tobi und ich wieder über den doofen Tag. Ich hatte so schlechte Laune, dass ich nur am meckern war, dass ich sogar schon fast über die Probleme von Zuhause geredet hatte, aber mich noch halten konnte. Dann trennten sich unsere Wege und ich musste alleine nach Hause. Auch der Tag Daheim war ziemlich langweilig, weil wir noch keine Hausaufgaben bekommen hatten. Ich hörte nur wieder Musik und ließ den Tag an mir vorbei ziehen.

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