Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #9

Plötzlich wurde ich durch einen kleinen Schubs an der Schulter wach. Ich machte schnell die Augen auf und erschrak dabei leicht. Es war meine Mum, die mich besorgt ansah. „Was ist los, Mama?“, fragte ich sie. „Ich hörte doch plötzlich laut schreien und war total erschrocken. Und dann hab ich gemerkt, dass du total geglüht hast. Geht es dir nicht gut?“ Ich hatte das natürlich nicht bemerkt, schließlich hatte ich geschlafen. Ich zuckte nur mit den Schultern und antwortete: „Eigentlich geht es mir gut. Wahrscheinlich nur schlecht geträumt.“ Sie sah immer noch besorgt zu mir runter, aber versuchte ein wenig zu lächeln. Ich richtete mich langsam auf und streckte mich ein wenig. „Wie spät ist es eigentlich?“, fragte ich sie. „Kurz vor 1 Uhr.“ Ich riss die Augen auf und sprang schnell aus dem Bett. „Hat er angerufen?“ Sie schüttelte bedrückt den Kopf und verließ einfach mein Zimmer. „Komm essen“, schrie sie noch in mein Zimmer, während sie runter lief. Ich lief ihr schnell hinterher.
Ich beeilte mich mit dem Essen, denn ich wollte so schnell wie möglich wieder an mein Handy, um seinen Anruf entgegen nehmen zu können. Ich stolperte schon fast die Treppen hoch ins Badezimmer, um meine Zähne zu putzen. Anschließend rannte ich weiter in mein Zimmer und hüpfte auf mein Bett. Kein entgangener Anruf auf meinem Handy. „Irgendwie lässt er sich schon ziemlich Zeit“, dachte ich mir.
Wieder legte ich mich hin und las weiter aus dem Buch. Auch dieses Mal kam ich nicht wirklich weit, weil ich wieder so müde wurde. Ich wollte aber nicht noch einem einschlafen, aus Angst, dass er doch noch anrufen würde. Ich klappte das Buch wieder nach 15 Minuten zu und fragte mich dann: „Warum warte ich eigentlich die ganze Zeit? Ich kann diese Zeit auch sinnvoll nutzen!“ Darum setzte ich mich an meinen Schminktisch, nahm mir meinen Zeichenblock, mein kleines Mäppchen mit Bleistiften und Radiergummi und versuchte kreativ zu sein. Ich hatte schon lange nicht mehr gezeichnet. Das war eine Zeit lang mein größtes Hobby, aber irgendwann fand ich die Zeit dazu nicht. Am Liebsten zeichnete ich Comic-Figuren einfach so aus dem Kopf und ließ sie Unterhaltungen führen. Das Zeichnen beruhigte mich immer, wenn ich Stress hatte oder einfach mal Abwechslung von der Schule und allem brauchte.
Aber auch das konnte mich nicht lange ablenken. Nur musste ich nicht an Tobi denken, sondern ganz plötzlich kam er mir wieder in den Sinn: der Lehrer. „Was soll das? Warum denke ich an ihn schon wieder?“ Ich versuchte sein Bild wieder aus meinem Kopf zu schütteln, aber es klappte nicht. Ich versuchte weiter zu zeichnen, aber ich konnte mich nicht ablenken. Also musste ich den Stift wieder weglegen und mich auf mein Bett werfen. Ich schloss wieder meine Augen. Geplant waren nur 5 Minuten, aber ich musste wohl wieder eingeschlafen sein.
Irgendwann wurde ich wieder von meiner Mutter geweckt. Diesmal erschrak ich nicht, aber ich wollte so schnell wie möglich wissen, wie spät es war. „Fast 19 Uhr. Was ist denn los mit dir?“, fragte sie besorgt. Ich schnappte mir schnell mein Handy, aber es stand immer noch kein Anruf in Abwesenheit. Ich machte mir Sorgen und wurde langsam traurig, weil ich dachte, dass er mich vergessen hatte. Ich legte mein Handy wieder auf die Kommode neben meinem Bett. „Willst du was essen, Liebes?“, fragte sie liebevoll. Ich schüttelte nur den Kopf und kuschelte mich wieder unter die Decke. Ich richtete sich auf und wollte gerade gehen. „Warte! Kannst du mir eine Tasse Tee hoch bringen?“ Sie drehte sich um, lächelte mich an und nickte dabei. Dann verschwand sie schon aus meinem Zimmer.

Ich überlegte schon, ob ich ihn anrufen sollte, aber dann dachte ich mir, dass es einen Grund geben musste, dass er nicht anrief. Ich starrte eine Weile an die Decke und dachte nach, als es an meiner Tür klopfte und meine Mama mit einer Tasse hereinkam. Sie stellte sie auf meine Kommode ab, gab mir einen Kuss auf die Stirn und ging wieder raus. Ich nahm einen Schluck aus der Tasse und machte eine Spotify-Playlist an. Ich trank weiter aus der Tasse bis sie endlich leer war und stellte sie wieder auf mein Bett. Und wieder passierte es, sein Bild tauchte vor meinen Augen auf. Wieder versuchte ich den Anblick loszuwerden, aber es funktionierte einfach nicht. Ich gab es auf und schloss einfach die Augen in der Hoffnung, dass es dann endlich verschwindet. Und das gelang mir, aber nur weil ich wohl wieder eingeschlafen war.

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