Plötzlich
wurde ich durch einen kleinen Schubs an der Schulter wach. Ich machte
schnell die Augen auf und erschrak dabei leicht. Es war meine Mum,
die mich besorgt ansah. „Was ist los, Mama?“, fragte ich sie.
„Ich hörte doch plötzlich laut schreien und war total
erschrocken. Und dann hab ich gemerkt, dass du total geglüht hast.
Geht es dir nicht gut?“ Ich hatte das natürlich nicht bemerkt,
schließlich hatte ich geschlafen. Ich zuckte nur mit den Schultern
und antwortete: „Eigentlich geht es mir gut. Wahrscheinlich nur
schlecht geträumt.“ Sie sah immer noch besorgt zu mir runter, aber
versuchte ein wenig zu lächeln. Ich richtete mich langsam auf und
streckte mich ein wenig. „Wie spät ist es eigentlich?“, fragte
ich sie. „Kurz vor 1 Uhr.“ Ich riss die Augen auf und sprang
schnell aus dem Bett. „Hat er angerufen?“ Sie schüttelte
bedrückt den Kopf und verließ einfach mein Zimmer. „Komm essen“,
schrie sie noch in mein Zimmer, während sie runter lief. Ich lief
ihr schnell hinterher.
Ich
beeilte mich mit dem Essen, denn ich wollte so schnell wie möglich
wieder an mein Handy, um seinen Anruf entgegen nehmen zu können. Ich
stolperte schon fast die Treppen hoch ins Badezimmer, um meine Zähne
zu putzen. Anschließend rannte ich weiter in mein Zimmer und hüpfte
auf mein Bett. Kein entgangener Anruf auf meinem Handy. „Irgendwie
lässt er sich schon ziemlich Zeit“, dachte ich mir.
Wieder
legte ich mich hin und las weiter aus dem Buch. Auch dieses Mal kam
ich nicht wirklich weit, weil ich wieder so müde wurde. Ich wollte
aber nicht noch einem einschlafen, aus Angst, dass er doch noch
anrufen würde. Ich klappte das Buch wieder nach 15 Minuten zu und
fragte mich dann: „Warum warte ich eigentlich die ganze Zeit? Ich
kann diese Zeit auch sinnvoll nutzen!“ Darum setzte ich mich an
meinen Schminktisch, nahm mir meinen Zeichenblock, mein kleines
Mäppchen mit Bleistiften und Radiergummi und versuchte kreativ zu
sein. Ich hatte schon lange nicht mehr gezeichnet. Das war eine Zeit
lang mein größtes Hobby, aber irgendwann fand ich die Zeit dazu
nicht. Am Liebsten zeichnete ich Comic-Figuren einfach so aus dem
Kopf und ließ sie Unterhaltungen führen. Das Zeichnen beruhigte
mich immer, wenn ich Stress hatte oder einfach mal Abwechslung von
der Schule und allem brauchte.
Aber
auch das konnte mich nicht lange ablenken. Nur musste ich nicht an
Tobi denken, sondern ganz plötzlich kam er mir wieder in den Sinn:
der Lehrer. „Was soll das? Warum denke ich an ihn schon wieder?“
Ich versuchte sein Bild wieder aus meinem Kopf zu schütteln, aber es
klappte nicht. Ich versuchte weiter zu zeichnen, aber ich konnte mich
nicht ablenken. Also musste ich den Stift wieder weglegen und mich
auf mein Bett werfen. Ich schloss wieder meine Augen. Geplant waren
nur 5 Minuten, aber ich musste wohl wieder eingeschlafen sein.
Irgendwann
wurde ich wieder von meiner Mutter geweckt. Diesmal erschrak ich
nicht, aber ich wollte so schnell wie möglich wissen, wie spät es
war. „Fast 19 Uhr. Was ist denn los mit dir?“, fragte sie
besorgt. Ich schnappte mir schnell mein Handy, aber es stand immer
noch kein Anruf in Abwesenheit. Ich machte mir Sorgen und wurde
langsam traurig, weil ich dachte, dass er mich vergessen hatte. Ich
legte mein Handy wieder auf die Kommode neben meinem Bett. „Willst
du was essen, Liebes?“, fragte sie liebevoll. Ich schüttelte nur
den Kopf und kuschelte mich wieder unter die Decke. Ich richtete sich
auf und wollte gerade gehen. „Warte! Kannst du mir eine Tasse Tee
hoch bringen?“ Sie drehte sich um, lächelte mich an und nickte
dabei. Dann verschwand sie schon aus meinem Zimmer.
Ich
überlegte schon, ob ich ihn anrufen sollte, aber dann dachte ich
mir, dass es einen Grund geben musste, dass er nicht anrief. Ich
starrte eine Weile an die Decke und dachte nach, als es an meiner Tür
klopfte und meine Mama mit einer Tasse hereinkam. Sie stellte sie auf
meine Kommode ab, gab mir einen Kuss auf die Stirn und ging wieder
raus. Ich nahm einen Schluck aus der Tasse und machte eine
Spotify-Playlist an. Ich trank weiter aus der Tasse bis sie endlich
leer war und stellte sie wieder auf mein Bett. Und wieder passierte
es, sein Bild tauchte vor meinen Augen auf. Wieder versuchte ich den
Anblick loszuwerden, aber es funktionierte einfach nicht. Ich gab es
auf und schloss einfach die Augen in der Hoffnung, dass es dann
endlich verschwindet. Und das gelang mir, aber nur weil ich wohl
wieder eingeschlafen war.
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