Donnerstag, Oktober 30, 2014

Kapitel #15

Ich hatte nicht sonderlich großen hunger, deshalb aß ich nur eine Scheibe Brot mit Wurst und verschwand dann in meinem Zimmer. Oben langweilte ich mich, weil ich meine Hausaufgaben ja schon gemacht hatte. Ich ging schnell duschen und dachte noch einmal über Tobias und mich nach. "Liebe ich ihn wirklich genug, um mit ihm zusammen sein zu können?", fragte ich mich. "Ich könnte es mir niemals verzeihen, wenn ich ihn verletzen würde!" Als ich fertig war, zog ich meinen rosa Bademantel an und stolzierte die Treppen runter ins Wohnzimmer. "Mum, Dad?", sagte ich leise. Beide schauten zur Tür, wo ich stand. "Ja, Christina. Was gibt es denn?", fragte meine Mama etwas besorgt. "Ich wollte mich bei euch entschuldigen, dass ich einfach abgehauen bin. Kommt nicht mehr vor." "Ach Kleines, das ist nicht so schlimm. Du bist ja eigentlich alt genug und deshalb finden wir es nicht so schlimm, solange du pünktlich bis um 20 Uhr Zuhause bist", sagte mein Papa lächelnd zu mir. Ich sah auch zu meiner Mama, die mich ebenfalls anlächelte. Ich umarmte noch beide und sagte dann: "Gute Nacht. Ich gehe heute mal früher schlafen, um für morgen ausgeschlafen zu sein." Beide gaben mir einen Kuss auf die Stirn und schon rannte ich wieder hoch in mein Zimmer. Da zog ich mich dann um und schmiss mich direkt ins Bett. Ich machte noch schnell mein Nachtlicht aus und schon war ich im Traumland.
Am nächsten Morgen wurde ich wach, aber nicht durch meinen Wecker, sondern von allein. Ich setzte mich langsam auf und suchte nach meiner Flasche Wasser, aus der ich einen Schluck. Ich schaltete das Nachtlicht neben meinem Bett wieder an, um nach meinem Handy zu suchen. Ich sah es auf dem Tisch liegen, darum stand ich auf und nahm es mir. Ich machte es an und sah, dass ich 10 Minuten vor meinem Wecker wach war. "Das muss daran liegen, dass ich so früh ins Bett gegangen war." Ich ging in mein Badezimmer, wusch mir das Gesicht und cremte es ein. Zurück in meinem Zimmer zog ich meine Klamotten für die Schule an, als ich auf einmal so ein komisches Gefühl im Bauch hatte. Es fühlte sich schrecklich an und auf einmal kamen dann auch noch Kopfschmerzen hinzu. Das Gefühl wanderte vom Bauch hoch in den Hals und dann wurde mir klar, dass mir übel war. Ich rannte schnell ins Badezimmer und übergab mich. Ich hörte Schritte hinter mir, aber konnte mich nicht natürlich nicht umdrehen. "Schatz, was ist los?", fragte mich meine Mama, die meine Haare nach hinten nahm und sie festband. "Keine Ahnung, mir wurde auf einmal total schlecht."
Endlich war das schreckliche Gefühl wieder weg und ich konnte meine Zähne putzen. Ich drehte mich meiner Mama um, die ihre Hand auf meine Stirn legte und mich total besorgt ansah. "Schatz, du bleibst Zuhause! So kannst du nicht hingehen. Leg dich wieder hin und..." "Nein, ich muss in die Schule! Es geht um Tobi! Und außerdem geht es mir wieder besser" schrie ich sie an. "Ich muss, ich muss, ich muss!" Sie sah mich total schockiert an und schüttelte dann den Kopf. "Nein, so gehst du mir nicht. Ich ruf an und fertig." Ich schaute sie so sauer an, wie ich nur konnte, aber nichts konnte sie umstimmen. Ich rannte einfach aus dem Bad in mein Zimmer und schmiss mich auf mein Bett. "Man, ich muss gehen! Tobias braucht mich doch!" Ich musste plötzlich anfangen zu weinen und daran denken, was passieren wird, wenn ich ihm an dem Tag nicht zur Seite gestanden hätte. Meine Mama kam ins Zimmer und setzte sich zu mir auf's Bett. "Okey, du kannst gehen, aber sobald es dir wirklich auch nur ein wenig schlechter geht, rufst du an und dann hole ich dich ab, okey?" Ich setzte mich wieder auf und wischte meine Tränen weg. Daraufhin nickte ich und umarmte meine Mama. Ich hatte an dem Morgen keinen hunger mehr, darum schminkte ich mich nur, packte meine Schultasche und las mir noch einmal einen Text vom vorherigen Tag durch, damit ich ihn schon fast auswendig konnte. Dann war es 7:15 Uhr und ich wusste, dass ich meinen Bus verpasst hatte. Darum rannte ich ins Schlafzimmer meiner Eltern und weckte meinen Dad, damit er mich zur Schule fahren sollte. Er stand sofort auf und machte sich fertig. Wir waren zwar spät dran, aber immer noch besser, als wenn ich 10 Minuten wegen dem Zug zu spät gekommen wäre. Er ließ mich vor der Schule raus und fuhr wieder heim. Ich rannte rein zu meinem Klassenzimmer und klopfte an der Tür. "Herein!", hörte ich eine mir bekannte Stimme schreien. Ich öffnete die Tür und meine Vermutung war richtig. "Ehm, bin ich im falschen Zimmer?", fragte ich, aber ich sah alle meine Kursleute drinnen sitzen. "Nein, ich bin hier als Vertretung. Ist das ein Problem?", fragte Herr Hint. Ich schüttelte den Kopf und merkte wie ich rot wurde. Ich schaute zu Boden, während ich zu meinem Platz neben Sophia lief. Ich setzte mich hin und Herr Hint fuhr fort. "Okey, also wie schon gesagt, ich bin heute wieder einmal eure Vertretung und ich werde bei fast jeder Vertretung von euch anwesend sein." Man hörte ein lautes Seufzen durch das Zimmer wandern. "Mir egal, ob es euch nicht passt. Ich habe diese Regelung nicht gemacht." Alle fingen an mit dem Banknachbar zu reden, aber ich war dafür viel zu abgelenkt. "Hey Chrissi. Warum warst du heute eigentlich zu spät?", fragte mich Sophia. Ich drehte mich zu ihr und sagte nur: "Was?" Sie verdrehte die Augen und stellte die Frage nochmal: "Warum du zu spät bist!" "Hatte Probleme in der Früh. Sag mal, hast du heute schon Tobias gesehen?" Sie schüttelte nur den Kopf, aber fing dann an zu grinsen. "Aber was war das gestern? Ich dachte, er sei dein bester Freund", fragte sie neugierig. Ich musste an den Tag zuvor denken, als er mich das erste Mal küsste. Es war so ein schönes Gefühl. "Naja, wir sind seit gestern Nachmittag zusammen. Es kam unerwartet ehrlich gesagt. Nur bin ich mir bis heute immer noch nicht sicher, ob ich ihn wirklich genug liebe, um mit ihm eine Beziehung führen zu können." Sie sah mich mit einem komischen, leicht verwirrten Blick an. "Wie jetzt? Ihr seid zusammen, aber du liebst ihn nicht?" "Das habe ich nicht gesagt", stellte ich sofort richtig, "ich weiß es nur nicht genau. Oh man, das ist so schwer." Sophia fing wieder an zu lächeln. Plötzlich wurde es still im Zimmer, denn Herr Hint stand von seinem Platz auf und hatte einen etwas wütenden Blick drauf. "Ich hab ja nichts dagegen, wenn ihr keinen Unterricht machen wollt", sagte er laut, "aber das heißt nicht, dass ihr hier Party machen sollt." Man hörte manche Menschen im Zimmer kichern oder sogar laut lachen. Keiner nahm ihn ernst. Er ballte die Fäuste und haute mit einer gegen die Tafel "Ruhe jetzt!", schrie er mit ganzer Kraft. Nun war es wirklich still und die meisten schauten total verschreckt und ängstlich. Er atmete laut aus und setzte sich wieder. "Also, ihr dürft machen was ihr wollt, aber nicht zu laut, denn andere haben noch Unterricht", sagte er diesmal mit ruhigerer Stimme. Plötzlich traute sich keiner mehr zu reden. Ich meldete mich und fragte ihn: "Dürfen wir auch raus gehen? An die Luft oder so?" Er lächelte mich an und nickte freundlich. Ich zog Sophia, Tamara und das neue Mädchen Julia mit mir aus dem Zimmer.
Wir gingen raus auf den Schulhof und setzten und auf die Mauer gegenüber von der Schule. "Ich kenne Herr Hint nicht, aber das war echt krass, wie der ausgetickt ist", gab Tamara von sich. "Aber das war nur eine natürlich Reaktion. So wie alle rum geschrien haben und ausgelacht haben. Ich wäre auch so ausgetickt." Julia war die ganze Zeit ganz still. Ich unterhielt mich mit den anderen, bis ich auf die Uhr schaute und gleich die nächste Stunde anfangen sollte. Wir liefen wieder rein und unterwegs kam uns dann der Direktor entgegen. "Christina. Dich habe ich gesucht! Kommst du bitte mit? Es ist wichtig." Wir schauten uns alle gegenseitig an und ich nickte dann. Ich ging mit ihm mit und vor seinem eigenen Zimmer saß Tobias allein. 

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