Montag, Oktober 20, 2014

Kapitel #7

Ich stand vom Bett auf und ging erst mal ins Bad. Aus irgendeinem Grund ließ ich mir an dem Morgen extra viel Zeit. Irgendwann schaute ich nochmal auf meinen Wecker und musste entdecken, dass es ja erst Sonntag war. Genervt schmiss ich mich wieder ins Bett und seufzte einmal laut. „Na toll, dann kann ich heute doch noch nicht mit Tobias reden. Oder soll ich ihn anrufen und mich einfach so nochmal mit ihm treffen?“, fragte ich mich selber. Ich dachte wirklich darüber nach, denn ich wollte unbedingt mit ihm reden, damit wir das - wenn möglich - aus der Welt schaffen konnten. Ich rappelte mich nach 10 Minuten sinnlosem Rumliegen wieder auf und stolzierte leise die Treppe runter ins Wohnzimmer. Ich hatte in meinem Zimmer leider keinen Fernseher, also musste ich immer runter, wenn ich Lust hatte etwas anzuschauen. Ich sah auf den großen Stapel DVDs im Regal über dem Fernseher und hatte mal wieder die Qual der Wahl: „Welchen Film schaue ich heute an?“ Ich ließ das Zufallsprinzip entscheiden und es kam raus, dass ich Step Up: Miami Heat anschauen sollte. Also nahm ich mir die DVD runter, schob sie in den DVD-Player und machte es mir auf dem Sofa bequem.
Ich musste wohl mitten im Film eingeschlafen sein, denn als ich aufwachte, erinnerte ich mich nicht mehr an den Anfang des Films und als ich dann noch auf die Uhr sah, wusste ich, dass ich Recht hatte, denn ich hatte 2 Stunden weiter geschlafen. Es war 8:45 und der Film war schon lang vorbei. Ich machte nur den Fernseher aus und verschwand dann in der Küche um mir etwas zum Essen zu machen. Ich aß mein Müsli in Ruhe und ging dann hoch, um meine Zähne zu putzen.
Als nächstes ging ich in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Ich kramte ein paar helle Jeans und ein schwarzes T-Shirt aus meinem Kleiderschrank. Ich zog mich schnell an und stellte mich vor den Spiegel, um mich selbst zu betrachten. Ich öffnete meine geflochtenen Zöpfe un ließ meine Haare locker runterfallen. Sie ging mir bis knapp über die Brust. Ich fand, dass das immer die perfekte Länge für mich war, weil sie nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz waren. Ich trat näher an den Spiegel und bemerkte, dass ich vergessen hatte meine Kontaktlinsen rein zu tun. Ich ging nochmal ins Badezimmer und legte mir meine Kontaktlinsen rein. Ich starrte noch kurz in den Spiegel und schaute meine Augen an. „Sie fangen an wieder ins grau überzugehen“, bemerkte ich. Ich hatte von Natur aus blaue Augen und im Sommer sah man das auch, aber im Winter wechselten sie die Farbe und das fing meistens schon im Herbst an, so wie hier.
Ich hörte aus meinem Zimmer ein leises Klingeln und lief schnell rüber. Jemand rief mich auf meinem Handy an, die Nummer war unterdrückt. „Ja, hallo?“, fragte ich vorsichtig. „Hey, ich bin's.“ Es war Tobias. „Wieso ruft er jetzt schon an?“, fragte ich mich. „Tobi? Warum rufst du bitte an?“ Es war kurz still und dann antwortete er: „Ich muss einfach mit dir reden. Bitte sag mir, dass du heute Zeit hast. Auch wenn nur für 10 Minuten, aber bitte gib mir die Chance dir zu zeigen, dass mir unsere Freundschaft nicht egal ist.“ Ich musste gar nicht lang überlegen, sondern sagte sofort: „Ja, ich hab Zeit. Ich will auch unbedingt mit dir reden.“ „Puh, ok gut. Kommst du runter vor deine Haustür? Ich warte da“, fragte er mich. Ich rannte schnell zu unserem Balkon, schaute runter auf den Boden und da stand er mit seinem Handy am Ohr und schaute verzweifelt. Ich legte einfach auf und schrie runter zu ihm: „Bin in 2 Minuten unten.“ Er nickte und lächelte leicht. Ich zog mir schnell ein dünnes Jäckchen drüber, schnappte mir meine Schlüssel und ging raus vor die Tür.
Er sah niedergeschlagen aus. Zugleich auch verzweifelt und das bewies mir, dass er es ernst meinte und alles bereute. „Hallo, Chrissi.“ Er lächelte leicht und kam näher auf mich zu. Ich blieb einfach stehen und bewegte mich keinen Zentimeter. „Ich weiß nicht, wie viel Zeit du hast, aber ich will dir sagen, dass du mir total wichtig bist. Ich will nicht, dass...“ „Tobias, du hast mir weh getan! Wenn ich dir so wichtig wäre, hättest du mir das erzählst und es einfach riskiert, dass ich vielleicht den Kontakt abbreche. Aber ich kann dir sagen, dass ich das nicht getan hätte, weil ich dich sonst als Mensch mag. Ja, ich mag Raucher eigentlich nicht, aber du als Person machst alles aus und du als Person gefällst mir einfach. Verstehst du das?“ Er nickte und schaute mir weiterhin in die Augen. Das Lächeln war verschwunden, während ich redete und man sah wie seine Augen langsam glasig wurden. „Weinst du etwa?“ „Gerade noch nicht, aber du kannst mir glauben, dass ich meinen gestrigen Abend heulend verbracht habe.“ Plötzlich tat er mir noch viel mehr leid, denn ich wollte ihn nicht weinen sehen. Ich hätte nicht gedacht, dass er so sensibel war. Plötzlich brach er völlig zusammen und weinte einfach los. In dem Moment wusste ich nicht, was ich tun wollte, denn ich war völlig überfordert. „Tobias, bitte. Auch ich habe gestern geweint, denn ich wusste, dass ich überreagiert hatte und ich dachte, dass du jetzt denkst, dass ich so ein schlechter Mensch bin, der gleich den Kontakt abbricht, nur weil man mal einen Fehler gemacht hat.“ Er sah zu mir hoch, wischte sich seine Tränen weg und nahm mich einfach in den Arm. Genau das hatte ich gebraucht. Eine Umarmung von meinem besten Freund. Ich dachte nicht einmal im Traum daran, dass ich ihn weg schob, denn der Moment tat so gut und ich war total glücklich. Dann schob er mich von sich weg und sah mir nochmal in die Augen. „Ich will meine beste Freundin jetzt sofort zurück. Wenn du es willst, kann ich auch sofort aufhören zu hören oder es einfach so selten...“ „Nein, Tobias. Ich will dich nicht verändern. Es ist deine Entscheidung, denn ich möchte dich zu nichts zwingen. Als beste Freundin muss ich dich so akzeptieren und das tue ich auch. Ich will mich nicht mehr mit dir streiten und deshalb nehme ich deine Entschuldigung an und ich hoffe, dass du auch meine annimmst, weil ich ja gestern so überreagiert habe und dich einfach hab dort stehen lassen.“ Sein Lächeln wurde immer größer und er nickte kräftig. Nochmal umarmten wir uns und ich war wirklich so froh, dass zwischen uns wieder alles in Ordnung war. „Hey, ihr zwei. Ist wieder alles gut bei euch?“, schrie meine Mama von unserem Balkon aus. Ich erschrak leicht, drehte mich um und sah hoch zu ihr. Ich bemerkte, dass ich ein breites Grinsen in meinem Gesicht hatte, aber das war ja auch berechtigt, denn auch wenn ich Tobias noch nicht all zu lang kannte, war er neben meinen Eltern und Franzi der wichtigste Mensch in meinem Leben. „Wenn ihr wollte, könnte ihr beide rein kommen. Dann müsst ihr nicht da unten stehen, denn es soll auch bald anfangen zu regnen.“ Wir nickten beide und ich schloss die Tür zu unserem Haus auf. Wir gingen rein ins Wohnzimmer, sagten schnell hallo und dann ließ ich ihn vor laufen, hoch in mein Zimmer. Ich lief ihm nach und achtete auf seine Kleidung und seine körperliche Statur. Er war um einiges größer als ich, aber das war nicht sonderlich schwer, denn ich war nur 1,62m groß. Er trug ein paar normale Jeans, einen dunkelgrauen Hoodie und man sah unten ein Stück seines weißen T-Shirt, das er darunter trug. Mein Blick wanderte zu seinen blonden, perfekt liegenden Haaren, die mit Gel oder Haarspray perfekt fixiert waren. Er hatte eine ziemlich männliche Figur. Er war keinesfalls dick, aber auch nicht dünn, sondern leicht muskulös. Seine sah seine Wadenmuskeln, Oberschenkelmuskeln, seine Ober-und Unterarmmuskeln... Meiner Meinung nach war er eigentlich perfekt. Wenn er nicht mein bester Freund gewesen wäre, hätte er mein Traummann sein können. So stellte ich mir den Jungen vor, in den ich mich hätte verlieben können.
Irgendwann kam ich im Zimmer an und sah Tobi schon auf meinem Bett sitzen. Er sah sich meine Wände, meine Regale, einfach mein ganzes Zimmer im Überblick an. „Wie findest du's?“ Er sah mich lächelnd an und sagte: „So habe ich mir das Zimmer eines Mädchen wie dir vorgestellt.“ Ich sah mir mein Zimmer nochmal genauer an. Es war komplett weiß und sah sehr nach einem Mädchenzimmer aus. Meine Dekoration war teils rosa, teils pink, teils mintfarbig und auch ein wenig braun war dabei. Ich hatte ein relativ großes Bett und wie schon einmal gesagt, hatte ich keinen Fernseher in meinem Zimmer. Dafür ganz viele Regale für meine Bücher, meine Schulsachen und für meine Accessoires. Ich hatte einen ziemlich großen Eckschrank und daneben stand mein Schminktisch mit meiner Schminke und meinem Lieblingsschmuck und auf der anderen Seite war eine große Kommode mit Haarprodukten, Parfüms und noch einigen Schulsachen. Ich liebte mein Zimmer und anscheinend gefiel es auch Tobias.

Ich setzte mich neben ihm und ich lächelte ihn einfach nur an. Ich war echt froh ihn wieder zu haben, obwohl ich ihn eigentlich nicht verloren hatte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen