Ich stand vom Bett
auf und ging erst mal ins Bad. Aus irgendeinem Grund ließ ich mir an
dem Morgen extra viel Zeit. Irgendwann schaute ich nochmal auf meinen
Wecker und musste entdecken, dass es ja erst Sonntag war. Genervt
schmiss ich mich wieder ins Bett und seufzte einmal laut. „Na toll,
dann kann ich heute doch noch nicht mit Tobias reden. Oder soll ich
ihn anrufen und mich einfach so nochmal mit ihm treffen?“, fragte
ich mich selber. Ich dachte wirklich darüber nach, denn ich wollte
unbedingt mit ihm reden, damit wir das - wenn möglich - aus der Welt
schaffen konnten. Ich rappelte mich nach 10 Minuten sinnlosem
Rumliegen wieder auf und stolzierte leise die Treppe runter ins
Wohnzimmer. Ich hatte in meinem Zimmer leider keinen Fernseher, also
musste ich immer runter, wenn ich Lust hatte etwas anzuschauen. Ich
sah auf den großen Stapel DVDs im Regal über dem Fernseher und
hatte mal wieder die Qual der Wahl: „Welchen Film schaue ich heute
an?“ Ich ließ das Zufallsprinzip entscheiden und es kam raus, dass
ich Step Up: Miami Heat anschauen sollte. Also nahm ich mir die DVD
runter, schob sie in den DVD-Player und machte es mir auf dem Sofa
bequem.
Ich musste wohl
mitten im Film eingeschlafen sein, denn als ich aufwachte, erinnerte
ich mich nicht mehr an den Anfang des Films und als ich dann noch auf
die Uhr sah, wusste ich, dass ich Recht hatte, denn ich hatte 2
Stunden weiter geschlafen. Es war 8:45 und der Film war schon lang
vorbei. Ich machte nur den Fernseher aus und verschwand dann in der
Küche um mir etwas zum Essen zu machen. Ich aß mein Müsli in Ruhe
und ging dann hoch, um meine Zähne zu putzen.
Als nächstes ging
ich in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Ich kramte ein paar helle
Jeans und ein schwarzes T-Shirt aus meinem Kleiderschrank. Ich zog
mich schnell an und stellte mich vor den Spiegel, um mich selbst zu
betrachten. Ich öffnete meine geflochtenen Zöpfe un ließ meine
Haare locker runterfallen. Sie ging mir bis knapp über die Brust.
Ich fand, dass das immer die perfekte Länge für mich war, weil sie
nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz waren. Ich trat näher an den
Spiegel und bemerkte, dass ich vergessen hatte meine Kontaktlinsen
rein zu tun. Ich ging nochmal ins Badezimmer und legte mir meine
Kontaktlinsen rein. Ich starrte noch kurz in den Spiegel und schaute
meine Augen an. „Sie fangen an wieder ins grau überzugehen“,
bemerkte ich. Ich hatte von Natur aus blaue Augen und im Sommer sah
man das auch, aber im Winter wechselten sie die Farbe und das fing
meistens schon im Herbst an, so wie hier.
Ich hörte aus
meinem Zimmer ein leises Klingeln und lief schnell rüber. Jemand
rief mich auf meinem Handy an, die Nummer war unterdrückt. „Ja,
hallo?“, fragte ich vorsichtig. „Hey, ich bin's.“ Es war
Tobias. „Wieso ruft er jetzt schon an?“, fragte ich mich. „Tobi?
Warum rufst du bitte an?“ Es war kurz still und dann antwortete er:
„Ich muss einfach mit dir reden. Bitte sag mir, dass du heute Zeit
hast. Auch wenn nur für 10 Minuten, aber bitte gib mir die Chance
dir zu zeigen, dass mir unsere Freundschaft nicht egal ist.“ Ich
musste gar nicht lang überlegen, sondern sagte sofort: „Ja, ich
hab Zeit. Ich will auch unbedingt mit dir reden.“ „Puh, ok gut.
Kommst du runter vor deine Haustür? Ich warte da“, fragte er mich.
Ich rannte schnell zu unserem Balkon, schaute runter auf den Boden
und da stand er mit seinem Handy am Ohr und schaute verzweifelt. Ich
legte einfach auf und schrie runter zu ihm: „Bin in 2 Minuten
unten.“ Er nickte und lächelte leicht. Ich zog mir schnell ein
dünnes Jäckchen drüber, schnappte mir meine Schlüssel und ging
raus vor die Tür.
Er sah
niedergeschlagen aus. Zugleich auch verzweifelt und das bewies mir,
dass er es ernst meinte und alles bereute. „Hallo, Chrissi.“ Er
lächelte leicht und kam näher auf mich zu. Ich blieb einfach stehen
und bewegte mich keinen Zentimeter. „Ich weiß nicht, wie viel Zeit
du hast, aber ich will dir sagen, dass du mir total wichtig bist. Ich
will nicht, dass...“ „Tobias, du hast mir weh getan! Wenn ich dir
so wichtig wäre, hättest du mir das erzählst und es einfach
riskiert, dass ich vielleicht den Kontakt abbreche. Aber ich kann dir
sagen, dass ich das nicht getan hätte, weil ich dich sonst als
Mensch mag. Ja, ich mag Raucher eigentlich nicht, aber du als Person
machst alles aus und du als Person gefällst mir einfach. Verstehst
du das?“ Er nickte und schaute mir weiterhin in die Augen. Das
Lächeln war verschwunden, während ich redete und man sah wie seine
Augen langsam glasig wurden. „Weinst du etwa?“ „Gerade noch
nicht, aber du kannst mir glauben, dass ich meinen gestrigen Abend
heulend verbracht habe.“ Plötzlich tat er mir noch viel mehr leid,
denn ich wollte ihn nicht weinen sehen. Ich hätte nicht gedacht,
dass er so sensibel war. Plötzlich brach er völlig zusammen und
weinte einfach los. In dem Moment wusste ich nicht, was ich tun
wollte, denn ich war völlig überfordert. „Tobias, bitte. Auch ich
habe gestern geweint, denn ich wusste, dass ich überreagiert hatte
und ich dachte, dass du jetzt denkst, dass ich so ein schlechter
Mensch bin, der gleich den Kontakt abbricht, nur weil man mal einen
Fehler gemacht hat.“ Er sah zu mir hoch, wischte sich seine Tränen
weg und nahm mich einfach in den Arm. Genau das hatte ich gebraucht.
Eine Umarmung von meinem besten Freund. Ich dachte nicht einmal im
Traum daran, dass ich ihn weg schob, denn der Moment tat so gut und
ich war total glücklich. Dann schob er mich von sich weg und sah mir
nochmal in die Augen. „Ich will meine beste Freundin jetzt sofort
zurück. Wenn du es willst, kann ich auch sofort aufhören zu hören
oder es einfach so selten...“ „Nein, Tobias. Ich will dich nicht
verändern. Es ist deine Entscheidung, denn ich möchte dich zu
nichts zwingen. Als beste Freundin muss ich dich so akzeptieren und
das tue ich auch. Ich will mich nicht mehr mit dir streiten und
deshalb nehme ich deine Entschuldigung an und ich hoffe, dass du auch
meine annimmst, weil ich ja gestern so überreagiert habe und dich
einfach hab dort stehen lassen.“ Sein Lächeln wurde immer größer
und er nickte kräftig. Nochmal umarmten wir uns und ich war wirklich
so froh, dass zwischen uns wieder alles in Ordnung war. „Hey, ihr
zwei. Ist wieder alles gut bei euch?“, schrie meine Mama von
unserem Balkon aus. Ich erschrak leicht, drehte mich um und sah hoch
zu ihr. Ich bemerkte, dass ich ein breites Grinsen in meinem Gesicht
hatte, aber das war ja auch berechtigt, denn auch wenn ich Tobias
noch nicht all zu lang kannte, war er neben meinen Eltern und Franzi
der wichtigste Mensch in meinem Leben. „Wenn ihr wollte, könnte
ihr beide rein kommen. Dann müsst ihr nicht da unten stehen, denn es
soll auch bald anfangen zu regnen.“ Wir nickten beide und ich
schloss die Tür zu unserem Haus auf. Wir gingen rein ins Wohnzimmer,
sagten schnell hallo und dann ließ ich ihn vor laufen, hoch in mein
Zimmer. Ich lief ihm nach und achtete auf seine Kleidung und seine
körperliche Statur. Er war um einiges größer als ich, aber das war
nicht sonderlich schwer, denn ich war nur 1,62m groß. Er trug ein
paar normale Jeans, einen dunkelgrauen Hoodie und man sah unten ein
Stück seines weißen T-Shirt, das er darunter trug. Mein Blick
wanderte zu seinen blonden, perfekt liegenden Haaren, die mit Gel
oder Haarspray perfekt fixiert waren. Er hatte eine ziemlich
männliche Figur. Er war keinesfalls dick, aber auch nicht dünn,
sondern leicht muskulös. Seine sah seine Wadenmuskeln,
Oberschenkelmuskeln, seine Ober-und Unterarmmuskeln... Meiner Meinung
nach war er eigentlich perfekt. Wenn er nicht mein bester Freund
gewesen wäre, hätte er mein Traummann sein können. So stellte ich
mir den Jungen vor, in den ich mich hätte verlieben können.
Irgendwann kam ich
im Zimmer an und sah Tobi schon auf meinem Bett sitzen. Er sah sich
meine Wände, meine Regale, einfach mein ganzes Zimmer im Überblick
an. „Wie findest du's?“ Er sah mich lächelnd an und sagte: „So
habe ich mir das Zimmer eines Mädchen wie dir vorgestellt.“ Ich
sah mir mein Zimmer nochmal genauer an. Es war komplett weiß und sah
sehr nach einem Mädchenzimmer aus. Meine Dekoration war teils rosa,
teils pink, teils mintfarbig und auch ein wenig braun war dabei. Ich
hatte ein relativ großes Bett und wie schon einmal gesagt, hatte ich
keinen Fernseher in meinem Zimmer. Dafür ganz viele Regale für
meine Bücher, meine Schulsachen und für meine Accessoires. Ich
hatte einen ziemlich großen Eckschrank und daneben stand mein
Schminktisch mit meiner Schminke und meinem Lieblingsschmuck und auf
der anderen Seite war eine große Kommode mit Haarprodukten, Parfüms
und noch einigen Schulsachen. Ich liebte mein Zimmer und anscheinend
gefiel es auch Tobias.
Ich setzte mich
neben ihm und ich lächelte ihn einfach nur an. Ich war echt froh ihn
wieder zu haben, obwohl ich ihn eigentlich nicht verloren hatte.
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